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Periodical volume Nr. 84, 10.04.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

Schule 708 Schülerinnen, diese setzten sich nach dem 
Religion--,' Staatsangehörigkeit-- und Heimat-verhältnisse 
wie folgt zusammen: 669 roangel., 29 kathol., 2 diff., 
23 jüd. Schülerinnen, 668 Preußen, 32 nicht preußische 
Staatsangehörige, 12 Ausländer, 688 waren au- dem 
Schulart, 25 von außerhalb. Auf Grund ärztlicher 
Atteste waren befreit: vom Nadelunterricht während des 
ganzen Jahre- 13, auf kürzere Zeit 13, vom Turn 
unterricht während deS ganzen Jahres 39, auf kürzere 
Zeit 42, vom Gesangunterrtcht während de- ganzen 
Jahre- 23, auf kürzere Zeit 26. vom Zeichenunterricht 
währkid dtS ganzen Jahre- 26, auf kürzere Zeit 26. Am 
wahlfreien NadelarbeitSunterricht nahmen nicht teil in 
Klaffe 4 0 18, 4 M 5, 3 0 18, 3 Ll 1. 2 0 27. 1 0 20 
Schülerinnen. Van der gestatteten Befreiung vom 
französischen oder englischen Unterricht hat keine Schülerin 
Gebrauch gemacht. Vom schulplanmäßigen Religions 
unterricht war keine Schülerin befreit. An dem Tanz. 
kuhsuS in der Turnhalle nahmen teil im Winterhalbjahr 
aus fllaffe 3 M 3. Klaffe 4 0 6. 4 M 9, 5 0 3, 5 M 
5 Schülerinnen, zusammen 26 Schülerinnen. Freischwimmer 
sind 108 Schülerinnen. An den französischen Sprcch. 
Übungen nahmen nicht teil in Klaffe 10 6, 2 0 9, 3 0 
1, 3 LI 1 Schülerin, an den englischen Sprechübungen 
nahmen nicht teil in Klaffe 10 7, 2 0 3, 3 0 2 
Schülerinnen und 3 Ll 1 Schülerin. Als Spielplatz diente 
da- Rasengelände an der Schwalbacher Straße. Unter 
Leitung der technischen Lehrerinnen Fräulein Crantz und 
Görnandt spielten DienStagL die 1.-4. Klaffe, Freitag- 
die 8.— 10. Klaffe. Die Eltern werden im Interesse der 
Erhaltung der Gesundheit und deS Frohsinn- der Kinder 
dringend gebeten, sie regelmäßig zu den Spielen zu 
schicken. Die 1., 2. und 3. Klaffe benutzten täglich von 
4—7 Uhr (je 4 Schülerinnen 1 Stunde) den Tennisplatz. 
Die Einrichtung de- Platzer hat sich als sehr vorteilhaft 
erwiesen, denn für 14—17jährige Mädchen ist kein anderer 
Spiel so angemessen und anregend wie daS TenniSspiel. 
Bezüglich der Schwimmens heißt er in dem Bericht: „Mit 
Rücksicht auf den großen gesundheitlichen Wert dcS 
Schwimmen- wird den Eltern dringend empfohlen, die 
Sommermonate dazu zu benutzen, ihren Töchtern Schwimm 
unterricht erteilen zu lassen. Da Friedenau leider noch 
keine Badeanstalt mit Schwimmbassin besitzt, bleibt nicht- 
andere- übrig, als die Mädchen nach Steglitz oder Halensee 
zu schicken." Ueber die Entlassung au- der 1. Klaffe der 
Anstalt wird auf folgende behördlich« Bestimmungen hin- 
aewies'N: Ta- Abgang-zeugnis über den erfolgreichen 
Bffuch der obersten Klafft de- Lyzeums ist zu versagen, 
romn nicht da- Ziel dieser Klaffe nach den für die Ver 
setzung maßgebenden Grundsätzen erreicht ist. In diesem 
Falle darf abgehenden Schülerinnen nur ein Zeugnis ge 
geben werden, welches außer den Einzelzensuren den 
Vermerk enthält, daß die N. N. die 1. Klaffe . . . Jahr 
besucht hat, ohne da- Ziel der Klaffe zu erreichen. Ein 
Schulzeugnis, da- zur Aufnahme in ein Seminar oder 
eine Frauenschule berechtigt, erhält also eine solche 
Schülerin nicht. ES bestehen keine Bedenken, der Schülerin 
eines Lyzeum-, die nach einjährigem Besuch der 1. Klaffe 
da- Abgang-zeugnis über den erfolgreichen Besuch dieser 
Klaffe nicht erhalten hat, diese- Zeugnis bei genügenden 
Leistungen schon nach weiterem „halbjährigen" Besuch der 
Klaffe za erteilen. — Mehrtägige Wanderungen unter 
nahmen die Oberlehrerin Fräulein Kluge mit Schülerinnen 
der 3 0 Klaffe; e- wurden jedesmal nur 6 bis 6 Schülerinnen 
zugelassen. Frau Oberlehrerin Schröder hat ein MissionS- 
und Btbelkränzchen gebildet. Die Turnlehrerin Fräulein 
Schnebel hat einen Turnkursus sllr junge Mädchen einge 
richtet. Sie turnen DienStagL von 7—8 x / 2 Uhr in der 
Turnhalle der Anstalt. In dem Jahretberichr wird ferner 
über die möglichen Aufbauten des Lyzeums Auskunft ge 
geben. Ueber den s. Zt. gestellten Antrag auf Errichtung 
eines OberlyzeumS heißt eS: Im September 1912 be 
antragte der Direktor, gedrängt von einer großen Zahl von 
Eltern und selbst überzeugt von der Notwendigkeit des 
weiteren Ausbaues der Königin Luise-Schule, die Ein 
richtung eines OberlyzeumS. DaS Kuratorium erklärte 
sich grundsätzlich mit der Gründung eines OberlyzeumS 
(d. h. Einrichtung von drei wissenschaftlichen FortbiidungS- 
klaffen und einer Seminarklaffe) und einer Mädchenmittel 
schule als UebungSschule, die beide organisch mit dem 
Lyzeum vereinigt werden, einverstanden. Ostern' 1913 
sollte die 3. Klaffe dcS OberlyzeumS eröffnet werden. 
gebeten. Eornclie versuchte vergebens, eine heitere Stim 
mung aufzubringen. Hans, der sich unbändig auf die 
Reise freute, war der einzige, der ihrer Munterkeit 
sekundierte. Kühne hielt sich still und steif zurück. Helene 
schien in der letzten Stunde schwerer unter dem Abschied 
von dem Kinde zu leiden, als sie es selbst erwartet haben 
mochte. Selbst der allzeit heitere Offizier schien an diesem 
Nachmittag jeden Frohsinn abgeschworen zu habe». 
Als Cornclie des Vaters halber um sieben aufbrechen 
mußte, schloß Edgar sich ihr an, und zum ersten Male schien 
sein verdüstertes Gesicht sich aufhellen zu wollen. 
Auch die Zurückgebliebenen sprachen nicht mehr viel. 
Rolf und Helene umhegten das Kind, damit es ihm auf 
der langen Fahrt an nichts fehlen sollte. 
„Sorgen Sie für ihn, geben Sie oft Nachricht. Schonen 
Sie mich in nichts. Schicken Sie den Bericht des Arztes. 
Halten Sie ihn froh und guter Dinge." Das war alles, 
was Helene noch zu sagen vermochte. 
Und dabei umhalste sie ihren Jungen wieder und 
immer wieder und sah den bangen Blick voll Abschiedstrauer 
im Auge des anderen nicht, dem sie ihr Kind anvertraute. 
Als der Zug aus der Halle fuhr, rollten die Tränen 
ihr still über die blaß gewordenen Wangen. Ihr war 
es, als ob er ein Stück ihres .Herzens mit davontrüge. — 
Abends schrieb Cornelie in ihr Tagebuch, das sie seit 
der Konfirmation führte, aber nur in den seltensten Füllen 
zu ihrem Vertraute» machte: 
„Edgar ist wieder rückfällig geworden. Ich merkte cs 
ihm den ganzen Nachmittag bei Lena schon an, daß er 
schwer an etwas trug. Unterwegs vertraute er mir, daß 
er wieder beinah tausend Mark iin Spiel verloren und 
daß ein Kamerad ihm die Spielschuld für eine Woche vor 
gestreckt habe. Was aber dann? 
Trotz deS'einstimmigen Beschlusse- deS KuralorinmS und 
des GemetndevorstandiS und trotz umfangreicher statistischer 
Erhebungen, welche daS Bedürfnis für die Neu 
gründung ergaben, lehnte die Gemeindevertretung den 
Antrag ab und vertagte die Angelegenheit auf drei Jahre. 
DaS Kuratorium steht nach wie vor auf dem Standpunkt, 
daß die Gründung eines OberlyzeumS in Friedenau not 
wendig ist. Der Direktor wird im Interesse der Eltern, 
der Schülerinnen und der Gemeinde auch ferner für diesen 
Ausbau und die Gründung einer Mittelschule eintreten. 
E« ist zu wünschen, daß das Oberlyzeum noch einen anderen 
Charakter erhält, etwa nach der Richtung hin, wir sie auf 
dem Westfälischen Städtetage nach einem Vortrage deS 
Oberbürgermeisters Cuno-Hagen in der folgenden wider 
spruchslos angenommenen Resolution gekennzeichnet ist: 
»Selbst für größere Städte, in denen nicht besonders günstige 
Verhältnisse obwalten, ist die Einrichtung einer besonderen Studien 
anstalt neben dem Lyzeum aus wirtschaftlichen und ideellen Gründe» 
unmöglich: a) aus wirtschaftliche» Gründen, weil die Abzweigung der 
Schülerinnen für die Studienanstalt das Lyzeum nicht so entlastet, 
daß Klassen gespart werden können, so daß die Kosten der Mädchen- 
schulbildung sehr erheblich wachsen; b) aus ideellen Gründers weil die 
Adgabclung von Zweigklassen mit dem Charakter der Studrenanstalt 
des Lyzeum in seiner Wertschätzung heraddrllck'. ES ist daher daS 
dringende Bedürfnis vorhanden, durch Aenderung der Bestimmungen 
von 1908, diesenigen Mädchen, w:lche sich dem Studium zuwenden 
wollen, die Möglichkeit zu geben, in einem Aufbau auf daS Lyzcum 
(Oberlyzeum) das Abilurientenrxamen zu machen.' 
o Dteuerzuschläge in Preußen. Nach der 
„Zeitschr. deS stattst. Lande-amteS" kamen 1911 ohne Zu 
schläge zur StaatSeinkommenstever die fünf Gemeinden 
Usedom, Sulmtrschütz, Mixstadt, Naumburg t. Heffen und 
Niedenstein aus. 25 Kleinstädte und eine größere Land 
gemeinde halten Zuschläge unter 100 Proz., nämlich Bär- 
walde i. Neurn. mit 50 Proz.. Reetz 90, Jurotschin 65, 
Betscho 75, Sarne 95, Sprottau 95, Habelschrverdt 60, 
Wünschelburg 75, Wanzleben?90, Komberg 75, Gebesee 
70, Echildau 90, Thamsbrück 76, Winterberg 50, König- 
stein a. Taunus 95, Wolfhagen 60, Steinau a. Kinzig 
80, GudrnSberg 60, Nastätten 95, Neukirchen, Kr. Ziegen 
hain 90, Salmünster 38, Zierenberg 80, FelSberg 75, 
Schwarzenborn 75, Linnich 95 und Godesberg 90 Proz. 
51 Städte und 7 größere Landgemeinden hatten 100 Proz. 
Zuschlag, nämlich: Berlin, Charlottenburg, Neukölln, 
Schöneberg, Wilmersdorf, Ltchtenberg, Steglitz, Friedenau, 
Treptow, Tempelhof, Zehlendorf und Mariendorf, Templin, 
Woldenberg. Müncheberg, Biesenthal, Pollnow, Ratzebuhr, 
Neusarp, Görschen, Ostrowo, Bunzlau, Patschkau, Reiner-, 
Pitschen, Liebenthal, Egeln, Gräfenhainichen, Schmiede- 
berg, Schweidnitz, HadmerLleben, Brilon, Schmallenberg, 
Wtchheim, Hallenberg, ObermarSberg, Wiesbaden, Eltville, 
Holheim, Hochhetm, Treysa, Fritzlar, Kronberg. Hllnfeld, 
Hrsfisch-Lichtenau, Westerburg, Wetter, Soden, Borken, 
Frankenau, Rosenthal, Liebenau a. Diemel, Uerdingen, 
Brühl, Jülich. Münstereifel. Sankt Goar. Vilich. 269 Ge- 
meinden erhoben Zuschläge zwischen 100 und 150 Proz. 
Von 160—200 Proz. 654 Städte und 30 größere Land 
gemeinden, über 200 Proz. gingen noch 402 Städte und 
46 Landgemeinden hinaus. Die höchsten Zuschläge hatten 
die Städte Märkisch-Friedland und Mewe, Berent, Christ, 
bürg, Tolkemit, Ptllau, Stuhm und Gorzno, dieses west- 
preußische Städtchen steht mit 450 Proz. an der Spitze. 
o s. Daö Elektrizitätswerk Südwest, das die 
Vororte Berltn-Schönebrrg, Bertin-WilmerSdorf und Berlin- 
Schmargendorf mit elektrischer Kraft versorgt, hat im ab 
gelaufenen Geschäftsjahre 1912 nach dem jetzt vorliegenden 
Geschäftsbericht eine erheblich größere Steigerung der Neu» 
anschlüffe an da- Licht- und KraftverteilungSnetz als in 
den Vorjahren zu verzeichnen gehabt. Der Mehrzugang 
für 1912 stellte sich auf 4875 Konsumenten mit 5323 
Elektrizität-zählern, 117 098 Glühlampen, 32 Bogenlampen 
sowie 538 Motoren. Am 31. Dezember 1912 waren ins 
gesamt angeschlossen 23 614 Konsumenten mit 27 955 
Elektrizitätszählern und 611 099 Glühlampen, 6159 Bogen 
lampen sowie 4391 Motoren mit 16 488 PS- Im 
Geschäftsjahr 1912 wurden an Konsumenten insgesamt 
29 389 434 Kilowattstunden gegen 26 669 883 Kilowatt 
stunden im Jahre 1911 nutzbar abgegeben. Die Zunahme 
stellte sich gegenüber 1911 auf 10,20 Prozent. 
o DaS Wasserauto. Eine neue SchiffSart wird in 
diesem Sommer auf den Seen und Gewässern um 
Potsdam auftauchen. WaS daS Auto für den hastenden 
Stadtverkehr, das soll — wie schon der Name sagt — 
dieser hurtige und flinke Motorboot für den Havel- und 
„Können Sie denn das abscheuliche Ieuen nicht lassen?" 
fragte ich ihn so grob und zornig, daß er immer betrübter 
wurde. Dann tat er mir wieder leid. Ich tröstete ihn 
und sagte ihm, er solle es ruhig Lena sagen. Lena hat 
genug Geld, wenn sie auch jetzt manchmal klagt, die Fabrik 
ginge nicht, wie sie sollte, und Klcin-Wlossow wäre eigentlich 
ein unerlaubter Luxus. Warum hat der alte- Bogislaw 
den armen Jungen durchaus zum Gardeossizicr machen 
wollen! Jetzt mag sie sehen, wie sie ihm heraushilft. 
Wir gingen eine ganze Weile am Kupfergraben auf 
und och. Es war ganz still und menschenleer. Ich hatte 
immer ein bißchen Angst, die Dietrich könnte kommen, 
oder das Stubenmädchen, das manchmal um diese Zeit 
Besorgungen machen geht. Aber es kam niemand, zum 
Glück. Edchen wollte sich eigentlich Locwengard anvertrauen. 
Der Mann lebt so großartig, meinte er, der muß doch 
disponibles Vermögen haben. Ich bat ihn mit aufge 
hobenen Händen, das nicht zu tun. Nur einem Menschen, 
wie diesem Locwengard, keinen Dank und kein Geld schuldig 
sein. 
21m Ende trennten mir uns ganz vergnügt und ver 
abredeten, uns einen Sonntag in Klein-Wloffow zu treffen. 
Er wollte mit Lena sprechen, sie von ungefähr in ihrer 
Einsamkeit besuchen. Hoffentlich macht mir mein löwen- 
niähniger Alter keinen Strich durch die Rechnung. 
Wie himmlisch könnte das Leben sein, wenn das 
blitzdumme Geld nicht märe! Na, Ncllie, diese geistreiche 
Bemerkung haben Klügere vor dir gemacht. Geh' schlafe», 
wenn dir nichts Besseres einfällt. Aber es fällt mir noch 
was weit Besseres ein: Ein Gruß an Edgar, von dem 
niemand zu wissen braucht, als mein Buch. Er ist doch 
ein lieber und gruiidansläudiger Kerl, trotz des abscheu 
lichen Jcuens." 
Kanalverkehr werden: ein die Wogen durchschneidende- 
Wafferoehikel, das wie da« Tüff-Töff an seinem Halteplatz 
auch immer zu haben ist und auf Anruf oder Bestellung 
sich einfindet. DaS Wafferauto, daS die „Teltower Kreis- 
schiffahrt" hauptsächlich sür die beliebten Rundfahren auf 
den Havel- und Griebnitzseepartieen in Dienst stellt, wird 
im GesrllschaftSoerkehr zu Wasser «ine kleine Umwälzung 
Hervorrufen. ES steht als MielSboot für 8—14 Personen 
zur Verfügung, ist modern und bequem prit Korbstühlen 
eingerichtet und erreicht eine Stundengeschwindigkeit von 
15 Kilometer. Dabei wird daS „Wafferauto" sich durch 
eine billig« Taxe auszeichnen und für etwa 5 M. die 
Stunde bestellbar sein. Ein aufklappbare- Verdeck bietet 
den Passagieren des behenden „HavelkceuzerS" hinreichenden 
Rrgenschutz und seine zweckmäßige flache Bauart ermöglicht 
überall daS Anlegen. 
o Hoher Besuch 1» Zton-httfe. Am Mittwoch 
nachmittag kurz nach 3 Uhr besuchte die Prinzessin August 
Wilhelm daS Kinderheim „ZionShilfe" in der RubenS- 
straße. Vom Schönebergrr Kuratorium für Wohlfahrts 
pflege war Herr Stadirat Clauß zum Empfang erschienen. 
Unter tz-r Führung der Oberin Frl. Ramme besichtigte die 
Protektorin der Anstalt sehr eingehend die Räume de» 
hübschen Heims und bezeugte dabei das wärmste Interesse 
für die segensreiche Einrichtung. Die Mädchen und Knaben 
erfreuten den hohen Gast durch einige Gedichte und Lieder. 
Etwa l 1 /» Stunden verweilte die hohe Frau in dem Hause. 
o Stenographie. Einen kostenlosen Unterrichts- 
kursuS eröffnet die Stenotachygraphische Gesellschaft zu 
Schöneberg für Damen und Herren am kommenden Freitag, 
abends 9 Uhr im Vereinslokal .Bürger-Garten', Haupt 
straße 56. Der Besuch der ersten Stunde ist jedermann 
gern gestattet und verpflichtet zu nichts. Für Lehrmittel 
werden nur 3 M. erhoben. Brieflichen Unterricht erteilt 
der 1. Vorsitzende Max Porst, Berlin NO.» Sangarder- 
Straße 6. 
o Aston! s Konservatorium der Musik und 
Operuschule, Beckerstr. 13-14, veranstaltet am Sonntag, 
dem 13. April, Mittags 12 Uhr. in Form einer Matinee, 
im großen Saale der „Hohenzollern-Ltchtspielr", 
Handjerystr. 64, eine Schüleraufführung. AuS dem umfang 
reichen Programm seien besonders folgende Borträge 
hervorgehoben: Arie „Er schläft' aus dem Waffenschmied 
von Lortztng (Gesang), Rosen-Lrie auS Figaro von Mozart 
(Gesang). Konzert E-moll von Rohde (Violine), Büßlied 
von Beethoven (Gesang), Ung. Rapsodte von LiSzt (Klavier), 
Röoerie von Vieuxlemp» (Violine), Sonate E-woII von 
Schumann (Klavier) und die Duette Nedda und Silvio 
aus Bajazzo von Leoncavallo, Micüöla und Jofä aus 
Carmen von Bizet. Herr Direktor Antoni, der als 
Dirigent des Friedenauer Männer-GesangvereinS 1875 
und von seiner Mitwirkung bet der Jahrhundertfeier hier 
weiten Kreisen bekannt ist, darf wohl zu dieser Matinee 
zahlreichen Besuch erwarten. Programme, die zum kosten' 
losen Eintritt berechtigen, sind in den auS der Anzeige 
in vorliegender Nummer ersichtlichen Geschäften zu haben. 
o Löuge'S Konservatorium für Musik. Am 
Sonntag, dem 13. April, Nachmittags 5 Uhr findet im 
oberen Saale des „Hohenzollern" Friedenau, Handjery' 
straße 64 eine Schüleraufführung statt. Der Eintritt ist 
frei. Kostenlose Programme sind im Institut Rheinstr. 14 
und in der Musikalienhandlung von Schwarz, Rheinstr. 60 
erhältlich. 
o Einbruch in eiue Bank. Ein schwerer Ein 
bruchsdiebstahl ist in der letzten Nacht in den Räumen 
der Allgemeinen Verkehrsbank in der Zietenstraße in 
Schöneberg verübt worden. Den Dieben fielen 12 000 M. 
Bargeld und für 30 000 M. Wechsel in die Hände. Al 
ber Kassierer morgen- den Geldschrank ausschließen wollte, 
bemerkte er zu seinem Erstaunen, daß dieser geöffnet war 
und unbefugte Hände au- dem Schließfach 12 000 M. in 
bar, und zwar neun Eintausendmarkscheine und den Rest 
in Hundertmarkscheinen, Gold-, Silber- und Nickelgeld, ent 
wendet hatten. Weiter fehlten für 30 000 M. Wechsel, 
die Anfang Juli bei der Bank und verschiedenen Berliner 
Firmen fällig werden. Die 37 Wechsel lauten auf 
Summen von 150 bis 2000 M. Sofort wurde die 
Schöneberger Kriminalpolizei benachrichtigt, die mehrere 
Beamte nach dem Tatort entsandte. Die Beamten er 
mittelten, daß die Einbrecher durch da- Fenster der rück 
wärtigen Front in die Bankräume eingedrungen waren 
und das Schließfach mittels Nachschlüssel geöffnet hatten. 
9. Kapitel. 
Herr von Locwengard saß in seiner eleganten kleinen 
Iunggesellenwohnung, die er schon seit Jahren inne hatte, 
am Schreibtisch und spielte scheinbar nachlässig mit einem 
kunstvollen Papiermesser. Dabei beobachtete er aufmerksam 
sein Gegenüber, einen kleinen untersetzten Herrn mit kugel 
rundem Kopf, der sich nervös in dem weiten Klubsessel hin 
und her schob. Nachdem der Kleine eine Weile geredet 
hatte, bemerkte Locwengard trocken: 
„Mein lieber Frank, Sie verlangen zuviel auf einmal, 
Sie müssen schon ein bißchen Geduld haben. Wenn ich das 
nächste Mal nach Köln komme, werde ich Ihnen eine 
bündige Antwort geben. Das heißt, vielleicht, vielleicht 
auch nicht." J 
Der Rundliche ereiferte sich. 
„Vielleicht! 2üs ob das ein Bescheid wäre I Ileberhaupt 
ein Ausdruck unter Geschäftsleuten!" 
Locwengard lächelte ironisch. 
„Danke für die Belehrung. Soviel ich weiß, ist von 
einen, Geschäft zwischen uns nicht die Rede. Nur von 
einer Gefälligkeit meinerseits, wenn ich Ihnen wirklich das 
Pariser Seidenmuster mit allen Rechten verkaufe." 
Der dicke Kleine schnellte aus dem tiefen Sessel mit 
der komlschen Bewegung eines Stehaufs auf. 
»Ich biete Ihnen ein Drittel mehrj als Sie dafür bezahlt 
haben." ' 
»Das dürfte kaun, genügen," bemerkte Locwengard kühl. 
„Also halbmal soviel!" 
„Darüber ließe sich eher sprechen. Wie gesagt, vielleicht 
bei sehr bedeutendem Profit." ' 
t . unterhandeln noch mit einem andern Haus?" 
sagte, der Kleine hitzig. ' 
(Fortsetzung folgt.)
        
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