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Periodical volume Nr. 135, 11.06.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

nach einer neuen Stelle entstünde. Ins Gewicht fällt 
allerdings hierbei, daß nach den gegebenen gesetzlichen Bor 
schriften in Sachsen-Weimar die Arbeiter verpflichtet sind, 
Quittungskarten bei den Ortskrankenkassen zu hinterlegen, 
daß aber die Ortskrankenkassen den öffentlichen Geschäfts 
betrieb Nachmittags ausüben. Die betr. Arbeiter sind also 
gezwungen, die QuitinngSkarten sich durch Bermittlung der 
Kaffe oder Arbeitgeber nachsenden zu lassen. Trotz diese? 
BorsehenS stellt sich der Vorstand der Thüringer Landes- 
Versicherungsanstalt Weimar auf den Standpunkt, daß die 
Verpflichtung des Arbeitgebers nicht so weil geht, zu jeder 
Tageszeit die für die Abreise eines Arbeiters erforderlichen 
Papiere zur Verfügung zu stellen. Folgerichtig durchge 
führt würde dieser Grundsatz auch eine Offenhaltung dir 
Geschäftsräume für die Nacht bedeuten, da zweiffelloS eine 
nicht geringe Anzahl von Arbeitern auch in Nachtschicht 
arbeitet und die Lösung eines ArbeitSoerhältniffeS die Be 
nutzung eines NachtzugcS zur Aufsuchung eimS neuen 
Wohnortes jedenfalls nicht durchaus ausschließt,» weiter 
geht nach Neigung deS Vorstandes die Verpflichtung des 
Arbeitsgebers zur Aushändigung von Quittungskarten nur 
soweit, alS diese Verpflichtung nach den Einrichtungen und 
der mit der Verwaltung der Kranken-, Jnvaliden-Ver- 
stche'rungSgeschäfte betrauten Stelle erfüllt werden kann. 
Die OrtSkrankenkaffen sind Einrichtungen öffentlich recht 
liche): Art, die ihre Geschäftsstunden in derselben Weis« 
selbständig zu regeln berechtigt sind, wie etwa Gericht und 
andere Behörden, welche auch die GeschästSstunden für die 
einzelnen Angelegenheiten bestimmt. Ist der Arbeitgeber 
nicht in der Lage, eine Quittungskarte im Augenblick zu 
beschaffen, so kann ein Anspruch auf Schadenersatz nach 
Medrung der Versicherungsanstalt gegen ihn nicht geltend 
gemacht werden. 
o Die 3. Sexta am Reformrealgymnafium ist 
mit Beginn deS neuen Schuljahres eröffnet worden. Die 
drei Sexten weisen «inen außerordentlich starken Besuch 
auf. Zwei Klaffen haben je 43, eine Klaffe hat 44 
Schüler. In den folgenden Klaffen ist die Schülerzahl 
ebenfalls eine sehr große, gegen 50. Auch die Tertien 
werden jetzt durch die Versetzungen stark bcsuÄt. 
o > Straßenbahnen nach denr Steglitzer 
Bismarckviertcl. Seit einigen Tagen sind in der 
Steglitzer BiSmarckstraße, namentlich in der Gegend des 
Lauenburger Platzes, zahlreiche Arbeiter mit der Umge 
staltung deS Dammes zwrcks Anlage der Straßenbahn- 
schienen beschäftigt. Es werden.also bald Nr. 60 oder 87 
(Weißensee bezw. Treptow), biti Steglitz durchgeführt sein. 
o Neuer Frühling — neue Arbeit. Sobald 
die wärmeren Tage angehen, gibt «S auch wieder für viele 
bis dahin Beschäftigungslose neue Arbeit, neuen Verdienst. 
Und wenn auch der letzte Winter ein ziemlich milder ge 
wesen ist, so wird doch sicher die wärmere Jahreszeit von 
Tausenden begrüßt. Auf Straße, Feld und Strom und 
besonders im Bauhandwerk fängt eS wieder an, sich lustig 
zu regen, und lustiger werden auch dabei die Gesichter. 
Die Helle Sonne scheint wieder freundlicher, läßt aber auch 
manchen Schaden, den der Winter verursachte, von neuem 
erscheinen. Mancher Hauswirt und Grundstücksbesitzer muß 
sich zu Reparaturen entschließen. Hobel, Säge, Axt 
kommen in neue Tätigkeit, und besonders in den großen 
Städten ist man beflissen, neue Häuser und Straßen echt 
frühlingSmäßtg aus der Erde wachsen zu lassen. Aber 
auch der ganze Verkehr bekommt neues Leben. Die Be- 
schäftigungSbranchen unteistützen sich. Eine hebt die andre 
mit. Räderartig greifen sie ineinander. Ein großes Ver 
dienst deS Frühlings ist: er bringt neuen Verdienst! 
o Berufswahl und Ausbildung der Töchter. 
Die städtische Schuldeputation Berlins läßt au die die 
Schule verlassenden Mädchen ein Merkblatt „Die Berufs- 
wähl und Ausbildung der Töchter" verteilen. In diesem 
heißt es: 
Alle Eltern haben da« Bestreben, ihren Söhnen eine gute beruf- 
liche Ausbildung zu geben. Laßt eine solche auch Euren Töchierir 
zuteil werden! Denkt nicht, daß eS ger.üzt, wenn Sure Tochter nach 
der Echulentlaffung irgend eine bezahlte Beschäftigung ergreift, wenn 
auch die Bezahlung noch jo gering ist. Bedenkt doch, daß sie mit 
einer ungenügenden Borbildung schwerlich später in bessere Stellungen 
einrücken wird. Gute Lehrstellen für Mädchen werden immer seltener, 
sowohl im Handel als auch im Gewerbe. Auch in hauswirijchaiilicher 
Beziehung ist die Ausbildungsmöglichkeit im HauShaUe selbst, scwahl 
im el erlichen alS auch im fremden, sehr gering geworden. Machen 
eS die Behältnisse notwendig, daß Eure Tochter gleich .rach der 
Echulcnilassuug etwas verdienen muß, so stellt im Haushalt wie im 
Geschäft stets die Bedingung, daß sie die Fortbildungsschule in einigen 
Kursen besuchen darf. Sie hat dann Gelegenheit, sich neben ihrer 
praktischen Tätigkeit Kennlntffe und Feitigkeilen anzueignen, durch 
welche sie ihre Leistungsfähigkeit steigert und ihre EiwerbSauSsichtcn 
BMMB—aHBBHBP3B3? ,JI " 1Lli BMBW——B M8B—I1 MBBBKSBBaffiBBBSBBBaBI 
Gefälligkeit zu erweisen. In Berit», als ich vor Drei 
Jahren dort war. Es lohnt nicht, davon zu sprechen." 
Und noch einmal wiederholte sie bitter und hart: 
„Sie ist sehr schön. Auffallend schön," indem sie das Wort 
„auffallend" stark betonte. 
„Wollen Sie mir nicht erzählen?" bat Rolf. „Bitte." 
Seine Augen leuchteten warm. 
Die lebhafte Anteilnahme Kühnes, die offensichtlich 
nur Frau von Lcrsch galt, reizte das Mädchen immer 
mehr. 
„Nein," sagte sie trotzig. 
Rolf konnte sie weder begütigen, noch überhaupt 
weitersprecheu, da Herr Heine gerade ins Zimmer kam und 
den seltenen Gast mit Beschlag belegte. 
Etwa um dieselbe Stunde saß Helene von Lorsch am 
Bette ihres Jungen, der nicht einschlafen wollte. Der 
Husten plagte ihn wieder. Plötzlich griff er nach der Hand 
seiner Mutter und streichelte sie. 
„Bist du mir böse, Muttichen, wenn ich dir etwas 
sage?" 
Helene lächelte ein klein wenig zerstreut. 
„Ich würde es sein, wenn du cs nicht tätest, inein 
Junge. Du weißt, du sollst inir alles sage»." 
„Ich habe gräßliche Sehnsucht nach Herrn Kähne." 
„Aber, Bubi, jetzt schon?" 
„Du weiht ja gar nicht, Muttichen, was für ein 
furchtbar netter Kerl er ist. Sich mal, ich mochte doch nie 
lernen, aber seit Herr Kühne da ist, hab' id, schon säst 
die ganze Welt gelernt. Wir wollten dich eigentlich über 
raschen, wenn du im Sommer »ach Neichenhnll kommst. 
bessert. Aus gesundheitlichen, wirtschaftlichen und sittlichen Gründen 
ist (ß dringend zu empfehlen, die Töchter vor dem Einiriit in einen 
Beruf mehrere Halbjahre einer guten Schule zur Ausbildung anzu 
vertrauen. Wählt keine Anstalt, die unter aufdringlicher Reklame eine 
vollständige Ausbildung in kurzer Zeit verspricht. Die Erfaürung hat 
gezeigt, daß z. B. im kaufmännischen Beruf die Gehalisaussichtcn um 
so besser find, je gründlicher und langer die Handlungsaehitfinnen an 
ihrer Vorbildung gearbeitet haben. Die für die Vorbildung aufge 
wandten Kosten und der während dieser Zeit entgangene Verdienst 
werden reichlich ausgewogen durch das höhere Anfangsgehalt und das 
schnellere Vorwärtskommen im Beruf. So liegen auch die Verhältnisse 
im Gewerbe und in der Hauswirtschaft. 
o Einschränkung der Gerichtsverhandlungen 
an den Wahltagen. Um den Gerichtsbeamten bet den 
bevorstehenden Wahlen zum Hause der Abgeordneten die 
Ausübung des Wahlrechts überall nach Möglichkeit zu er 
leichtern, soll zu diesem Zwecke gemäß einer soeben 
erlaffenen Verfügung deö Justizministers nach Bedürfnis 
an den Wahltagen der Dienst entsprechend geregelt werden. 
Die Tage der Urwahlen sind von Sitzungen und Terminen, 
zu denen Rechtsanwälte, Parteien, Beschuldigie, Zeugen 
oder Sachverständige zu erscheinen haben, soweit irgend 
tunlich, freizuhalten. Sobald in einzelnen Bezirken be 
sondere engere Wahlen oder Nachwahlen stattfinden müssen, 
sollen diese Bestimmungen auch für deren Tuge gelten. 
o Dev öffentliche Spielplatz im Friedenauer 
Ortsteil, der sich hinter den Schulen auf dem früheren 
Damuka-Gelände befindet, ist neuerdings erheblich ver 
größert worden. Leider haben Laubenbesitzer den Platz 
verunreinigt. Der ganze Unrat der sich im Winter ange 
sammelt hat, ist einfach auf den Spielpiatz geworfen 
worden. Derartige Rücksichtslosigkeiten sollten ebenso rück 
sichtslos verfolgt und bestraft werden. 
o Männerturnverein. Der dritte diesjährige 
Ausflug der 2. Knabenabteilung führte am vergangenen 
Sonntag 41 Knaben durch den Grunemald, über die 
Havel nach Gatow und von da nach Seeburg, Staaken 
und Spandau. Die Marschleistung betrung rnnd zwanzig 
Kilometer, nicht miteingerechnet die Kilometerzahl, die 
Vormittags beim KriegSIpiel an der Saubucht zurückgelegt 
wurde. Das größte Vergnügen bot den Knaben die 
Mittagsrast in Gatow auf einem Bauerngrushof. Der 
Besitzer, ein liebenswürdiger Mann, der den durstigen 
Knaben bei der Ankunft nicht nur daS Wasser feiner 
Pumpe, sondern auch den nötigen Himbeersast dazu zur 
Verfügung stellte, zeigte seine gut besetzten Ställe und er- 
laubte, daß eine mehrere Meter hohe umfangreiche Stroh 
miete, die hinter dem Hofe stand, gestürmt und als 
Tummelplatz benutzt wurde. Davon wurde natürlich der 
ausgiebigste Gebrauch gemacht. Zuvor war alles Sinnen 
und Trachten nur auf die mitgeführten Aluminiumkeffel 
gerichtet, in denen diesmal teils Erbsen und Würstchen 
teile Apfelreis brodelten. — Die beiden Züge der zweiten 
Knabenabteilung halten ihre Turnstunden jetzt Mittwochs 
und Sonnabends von 5—7 Uhr auf dem Spielplatz am 
Maybachplntz ab. 
o DaS 8. Jahreöfost feiert der „Evangelische Jung- 
frauenvereiu" om Sonntag, dem 13. April, Abends 
7'/ 2 Uhr, im Gemeindesaal, Kaiserallee 76a. Programme 
zu 20 Pfg., die zum Eintritt berechtigen, sind in der 
Papierhandlung von KoffakowSki, Schmargendorferstr. 35, 
erhältlich. 
o Ein Geistesgestörter brachte gestern Nachmittag 
die Berkäuferinnrn der hiesigen Verkaufsstelle des Schuh 
geschäfts Salamander in Aufregung. In dem Geschäft er 
schien ein gutgrkleideter Herr und ließ sich ein Paar Schuhe 
anpassen. Er wollte dann ohne Bezahlung den Laden 
verlassen. Als darauf dir Verkäuferin um Bezahlung er 
suchte, zog er Schuh und Strümpfe aus und warf sie dem 
Fräulein an dcn Kopf. Nachdem er seine alten Stiefel 
wieder angezogen hatte, verlies er das Geschäft. Die Ver- 
käuferin folgte ihm jedoch und ließ ihn an der Kaisereiche 
durch einen Polizeibramten festnehmen. Wie sich heraus 
stellte. handelte eS sich um einen Geistesgestörten, der nach 
der Maison de sante in Schöncberg überführt wurde. 
o Der Spitzbube unt der» Notizbuch. In der 
Mommscnstcaße sah eine Dame, als sie ihre Wohnung 
verließ, einen fremden Mann sich an ihrer Tür Notizen 
machen. Unbesorgt ging die Dame weiter. Doch der 
Unbekannte war ein „Zünftler", er schloß blitzschnell die 
Wohnungstür jener Frau auf und riß Garderobe und 
Wertsachen, u. a. auch neue Anzüge fccS Hausherrn, an 
sich. AIs das Ehepaar bald darauf zurückkehrte, waren 
Anzüge, Wertsachen und — Spitzbube verschwunden. Da 
die Polizei auf die Mithilfe de? Publikums angewiesen 
ist, kann nur iminer wieder die Warnung erklingen: Gibt 
mehr Obacht in den Häusern! 
aber ein bißchen muß ich dir doch vorher schon erzählen. 
Hörst du auch zu, Mutti?" 
Helene sah -mit gränzenden Augen aus ihr Kind. 
„Od ich zuhöre, Bubi!" 
„Also zum Beispiel, ich kenne schon alle Bäume und 
viele Blumen, und was man auf dem Felde macht und 
im Walde. Ader wenn du denkst, aus meinen Büchern, 
Mutti — feine Spur. Beim Spazierengehen und im 
Warmhaus, da erklärt mir Herr Kähne das alles und 
zeichnet mir Bäume und Blumen und die Gclreidearteii 
auf, viel schöner als die Bilder in den Büchern." 
„Hast du ein paar von diesen Blättern hier, Hans?" 
Der Junge griff unter sein Kopfkissen und holte einen 
kleinen mappenähnliche» Umschlag hervor. 
„Hier hab' ich alles gefainnielt, Mutti! Die Mappe 
nehmen wir mit nach Meran und Reichenhall. Und 
wenn wir wiederkommen, ist sie so dick." 
Helene hatte die blaue Pappe zurückgeschlagen. Leicht 
hingeworfene Skizzen von Baum^ruppen, einzelnen Bäumen 
und Bauinstücken, farbig, leicht getönt, fielen ihr entgegen. 
Ihr geschultes Auge sah auf dcn ersten Blick, daß cs kleine 
Kunstblätter waren, die sie in der Hand hielt. Ein be 
sonders originelles Blatt, dicht bedeckt mit zartgctönten 
Streubluincn, gemahnte sic an eine Idee, die sie mit 
Bogislaw einmal für die Fabrik gehabt hatte. Es hatle 
sich um einen in Seide auszuführenden Wandbehang ge 
handelt. Die Idee war so, wie sie geplant war, nie zur 
Ausführung gekommen, weil Bogislaw keines der vor 
gelegte» Muster gefallen hatte. 
Ueber das letzte Blatt auf dem Grunde der Mappe 
legte Hans die Hand. 
o Polizeiberichl Als gefunden ist hier angemeldet 
worden: 1 Ueberzieher. Drr rechtmäßige Eigentümer wird 
aufgefordert, feine Ansprüche binnen drei Monaten im 
hiesigen Amtsbüro, Handjerystraße 91/62, Zimmer 22, 
geltend zir machen, da sonst anderwert über den Fund- 
gcgenstand verfügt werden wird. 
Verciiis-nacbricbten 
Am Donnerstag tagen: 
.Friedenauer MLnner-Gesangverein 1875", UebungLstunden 9—u 
im Restaurant .Hohenzollern'. Dirigent: Musikdirektor Paul Antoni. 
Kegelklub .Friedenau 1909' (Mttglled der Verbandes Berliner 
Kegelklubs E. V.) kegelt jeden Donnerstag von 8'/, Uhr Abends bis 
12 Uhr NachtS auf zwei Derbanddbahneu im Keglerheim .Bahn- 
schlößchen', Inh. C. Müller, am Wannsecbahnhof Friedenau. 
Chailoltenburger Touristen - Klub „Märkische Föhre'. Die 
LehilingSabteilung deS Klubs unternimmt am Sonntag, dem 13. April, 
ihre 33. Wanderfahrt nach Gr -Besten, Gallunsbrück, FH. Dubrow, 
Hölzerner See, SchmöldeSec, PrieroSdrück, Dolgeebrodt, Dolgeusee, 
Gussow, Senzig, Königs - Wusterhausen. Versammlung 3 / 4 6 Uhr 
Bahnhof Charlottenburg, Hauxtportal. Abfahrt 6.04. Teilnehmer- 
karte 1,70 M. Führer: P. Vogel. — Die Schüleradteilang unter- 
nimmt an demselben Sonntag ihre 39. Wanderfahrt nach Treptow, 
Nicdee-Cchöneweide, Köpenick, Müggelberqe, Müggelsee, Friedrichshagen. 
Vcisammiung 8 Uhr Savignyplatz (Sladlb.. Bogen Grolmanstraße). 
Abfahrt >/«9 Uhr. Teilnehmerkarte 0 80 M. Gäste sind zu allen 
Wanderfahrten herüich willkommen. 
§6)öneberg 
—cg Eine KanalisationSabgabr muß die Gemeinde 
Berlin-Britz an die Stadtgemeiirde Berlin-Schöneberg zum 
erstenmal in diesem Jahre für die Aufnahme ihrer Ab 
wässer in das Druckrohr der Echöneberger Kanalisation 
und für deren Unterbringung auf den Rieselfeldern ent- 
richten. Nach dem zwischen den beiden Gemeinden im 
Jahre 1903 geschloffenen Berlrage nimmt die Stadt 
Schöneberg, so lange sie ihre Kanalisation durch Britz hin 
durchfühlt, die Abwässer au§ dem Britzer Gemeindegebirt 
in ihr KanalifationS-Druckrohr auf und zwar die ersten 
8 Jahre gebührenfrei. Die Inbetriebnahme deS Anschlusses 
ist am 1. November 1905 erfolgt, die Gebllhrenpfltcht be 
ginnt mithin am 1. November 1913. Die Gemeinde Britz 
hat von diesem Zeitpunkt ab die Selbstkosten, höchstens 
aber 6 Pf. für 1 cbm abgeführter Abwasser zu erstatten; 
im Kalenderjahr 1912 sind an die Schöneberger Kanali« 
sa'.ion 412 537 cbm abgeführt worden, für das Rechnung»» 
jähr 1913 rechnet der Gemeirideoorstand von Britz mit 
500 000 cbm Abwässer, sodaß für die Zeit vom 1. No» 
vember 1913 bis Ende März 1914 au Schöneberg eine 
Abgabe von 12 500 M. zu entrichten sein wird. Friedenau 
hat für 1913 nach der Schätzung der Echöneberger Kanali» 
sationsoerwaltung eine Entschädigung im Betrage von 
114 000 M. an Schöncberg zu zahlen. 
Zuschriften 
(Für diese Rubrik übernehmen wir keine Verantwortung.) 
An dcn Friedenauer Lokal-Anzekger. Auf die Zuschrift am 5. 
April 1913 betr. der Zunahme verstehender Läden muß ich erwidern, 
daß nicht der Markt daran schuld ist, sondern lediglich die hohen 
Mieten, und die Ueberhandnahme der Filialen. Mancher alte Friede- 
uauer hat sein Geschäft aus diesen oben angeführten Gründen auf 
geben müssen. Billige Muten und eS wird mancher ein Geschäft 
wieder eröffnen. Ein alter Friedenauer. 
Gerichtliches 
0) kk. Säume auf öffentlichen Wegen. (Entscheidung deS Preuß. 
ObeiverwaltungsgerichteS.) In Theorie und Praxis ist anerkannt, 
daß, verbehaltltch entgegenstehender Vorschriften, auch an den sogen, 
öffentlichen Sachen besondere Rechte, namentlich Dienstbarkeiten an 
öffentlichen Wege» urd durch Ersitzung, erworben werden können. 
Die neueren Wegeordnungen enthalten sogar ausdrücklich Bestimmungen 
über piivatrechtitche Nutzung?- und sonstige Rechte Dritter an öffent- 
ltchen Wegen ohne Beschränkung auf Rechte, die schon bestanden 
hätten, ehe ein öffenilicher Weg vorhanden gewesen sei. Dem ist im 
vorliegen dcn Falle hinsichtlich der Zulässigkeit der Ersitzung deS Rechtes 
auf Benutzung von Bäumen einer Land- und Heerstiaße betzutreten, 
und eS ist tnfcweit ferner anzunehmen, baß diese Ersitzung erfolgt ist. 
(Letzteres wird näher dargelegt mit dem Ergebnisse, daß die Ersitzung 
sich noch unter der Herrschaft'des ALR. vollzogen hat.) Die Zweck 
bestimmung der Land- und H-erstraße, dem öffentlichen Verkehre zu 
dienen und ihn zu erleichiern, schloß die Entstehung dieses Benutzungs 
rechts nicht aus. Das ersessene Benutzungsrecht besteht so lange, alS 
die Bäume vorhanden sind, und hindert, sie ohne den Willen deS 
NutzangSberechttglen fortzunehmen, schließt also sowohl daS Polizei- 
liche Verlangen, daß der Berechligte die Wegnahme dulde, als auch 
dies, daß er sie selbst bewirke, aus. Denn tonnte ein solches Ver 
langen gestellt werden, so wäre von einem Benutzungsrechte nicht 
mehr die Rede. Verlrägt sich das ersessene Recht nicht mehr mit dem 
öffentlichen VerkehrSbedürfniffe, so kaun sein Aufgehen nur gegen Ent 
schädigung gefordert werden. (Urt. IV B. 40/11 v. 30. Mai 1912— 
Deutsche Zuiistenzcitung 1913 Sp. 358.) 
„Nicht ansehen, Mutti! Damit finö wir noch nicht 
fertig. Die Nadelhölzer sind nämlich furchtbar schwer zu 
unterscheiden. Die wollen wir in Neichcnhall durchgehen. 
Das Bild dazu hat Herr Kähne erst vorgestern angefangen. 
Es ist noch gar nicht fertig." 
Aber Helene hatte ihn schon gesehen, den dunklen 
Tannengang, vom Mondlicht überfliinmcrt, den sie mit 
Rolf Kähne gegangen war! 
Sie schlug die Mappe zu und küßte ihren Jungen. 
„Nun schlaf' du aber — es ist schon spät." 
Dann nahni sie die Mappe mit hinüber in den kleinen 
Salon. 
Am neunten April gegen Abend fuhr Frau von Lerfch 
mit Hans am Wcstininster vor. Cornelic begrüßte die 
Schwester im Bcstibül. Herr Kähne war schon oben und 
erwartete seinen Zögling. 
Cornclie hatte zwei Billetts zum Lessingtheater für 
„Gabriel Borkmann" mitgebracht. Sie bestürmte Helene, 
sic zu begleiten. Die Ausführung solle ganz herrlich sein. 
Helens entschloß sich rascher, als Eornelie erwartet 
haben mochte. Plötzlich schien ihr ein Gedanke durch den 
Kopf gegangen zu sein, dem Nellie nicht folgen konnte, der 
ver Schweiler aber augenscheinlich die Richtschnur für ihren 
schnellen Entschluß gegeben hatte. 
„Ja, mit Freuden, und wir wollen keine Zeit ver 
lieren. Ich möchte vor dem Theater noch einen Augenblick 
zu Friedman» hinauf. Ich gehe gar nicht erst nach oben. 
Ich glaube, ich brauche meine Toilette nicht zu wechseln?" 
--Aber keine Spur. Das braune Kostüm ist einfach 
ideal." ' 1 ' 
(Fortsetzung folgt.)
        
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