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Periodical volume Nr. 39, 14.02.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

Angehörige anderer Schulen abgehalten werden. Auch be- 
teiligte sich zum erstenmal eine Riege an den Wettspielen 
von Schülern höherer Lehranstalten Groß-BerlinS um den 
Bismalckfchild auf dem Exerzierplatz in Moabit. Im 
WinterItrat dafür «in freiwilliges Turnen am Dienstag, 
und Freitagnachmittag ein. Zur Vorfeier deS Geburts 
tages E. M. deS Kaisers wurde am 25. Januar ein Schau 
turnen abgehalten, bei dem die Schüler den zahlreich er- 
fchienenen Gästen ihre turnerische Leistungsfähigkeit zeigten. 
Zum Schlittschuhlaufen bot die unmittelbar neben dem 
Schulgebäude liegende Eisbahn Gelegenheit. Durch Ver 
einbarung des GemeindroorstandeS mit dem Pächter der 
Eisbahn ist in Zukunft für ganze Klassen in Begleitung 
ihrer Lehrer der Besuch der Bahn während der Vor- 
Mittagsstunden unentgeltlich. Als Mitglied deS Schüler- 
spielplatzvereinS Grunewald benutzte die Schule im Sommer 
regelmäßig den Spielplatz in Dahlem. Auch der Schüler- 
rudervrrein hat sich tm verflossenen Schuljahr in er 
freulicher Weife entwickelt. Außer den regelmäßigen 
UebungSfahrten auf der Havel und ihren schönen Seen an 
den Sonnabendnachmittagen und des öfteren auch an 
Sonntagvormittagen des Sommerhalbjahres konnten auch 
zwei größere Wanderfahrten unternommen werden, die 
eine unter Leitung des Protektors des Vereins, Oberlehrer 
Korge, über Werder nach Ketzin bei Brandenburg und die 
andere unter Leitung von Oberlehrer Br. Gadow nach 
Neü-Ruppin. Im Winter fanden Uebungen statt in dem 
neuerbauten Ruderkasten der Hohenzollernschule in Schöne 
berg. Am 18. Januar feierte der Verein in der Aulader 
Schule sein Winterfest, dar als wohlgelungen bezeichnet 
werden kann; und dar auch dank gütiger Unterstützung von 
Gönnern der Vereins und Freunden des Wanderruderns 
einen günstigen Gelderfolg hatte, so daß der Ankauf eines 
zweiten Bootes ermöglicht wurde. Die Wanderrieg« 
unter Leitung des Oberlehrers Fieberg machte auch in 
diesem Jahre wieder eine Reihe von Ausflügen in die 
weitere Umgebung Berlins. Zu Ostern wurde außerdem 
eine mehrtägige Wanderung nach Mecklenburg unternommen. 
In sehr rütgegenkommender Weise war den Teilnehmern für 
2 Tage ein Saal in der Kaserne deS 24, Arlillerie-Reg. 
in Neu-Strelitz zur Verfügung gestellt worden. Für die 
Schüler bot dieses Leben in einer Kaserne sehr viel des 
Interessanten. • Von hier aus wurden Hohenzteritz, die 
Burg Stargard und das prächtige Städtchen Neu- 
Brandenburg am Tollense-See besucht. Leider zwang dos 
naßkatle Wetter zwei Tage früher zur Rückkehr, sodaß der 
geplante Besuch deS MüritzseeS unterbleibrn mußte. Zu 
Pfingsten bot sich dann noch.einmal Gelegrnheit zu einer 
zweitägigen Wanderung nach der märkischen Schweiz. 
Ferner wurden zwei Kriegsspiele im Grunewald ver 
anstaltet, an deren letztem sich 130 Schüler beteiligten. 
Damit auch die Eltern Gelegenheit hatten, die Bestrebungen 
der Wanderriege kennen zu lernen, wurde am 1. Sep 
tember auf dem Spielplatz zu Dahlem ein Sommerfest 
mit verschiedenen Spielen und Vorträgen der Schüler ver 
anstaltet, das in einer Beleuchtung des ganzen Platzes 
Mit Lampions seinen Abschluß fand. Der Gesang 
unterricht wurde in Via und b von dem Varschullehrer 
Jensch, in den übrigen Klassen von dem Vorschullehrcr 
Probst erteilt und zwar in Ya und b klafsenweise; VI bis 
0II wurden zum Chorgesang vereinigt. Außer dem 
obligatorischen Zeichenunterricht in den einzelnen 
Klassen wurde in IIIII bis IIII der Realschule sowie in 
0 III Rg. und IIII Rg. wahlfreies Linearzeichnen erteilt. 
In IIIII R. und 0III Rg. wurden zur Uebung im 
Gebrauche des Zirkels und der Ziehfeder und zur An 
wendung der Reißschiene und des Winkels geradlinige und 
gemischtlinige Flächenmuster gezeichnet. Darauf folgten 
einige' geometrische Konstruktionen und Maßstabzeichnen 
nach vorhandenen Gegenständen (Tisch, Stuhl, Fenster, 
Tür, Schrank usw.). Die 0 III R. und IIII befaßten 
sich mit dem geometrischen Darstellen von Körpern in ver 
schiedenen Ansichten, mit Schnitten und Abwickelungen. 
— Der Jahresbericht enthält ferner die Ausstellungen über 
die Lehrverfassung, da8 Verzeichnis der an der Anstalt 
eingeführten Lehrbücher, die Mitteilungen aus den Ver 
fügungen der vorgesetzten Behörden, über die Lehrmittel 
und ferner einen Bericht über die Eigenart deS Reform- 
RealgymnüsiumS nebst Realschule. Den Schluß bildet die 
Fertenordnung. 
o Die Kanalisationsgebühr als allgemeine 
kommunale Abgabe wird demnächst in verschiedenen 
Gemeinden eingeführt werden. In einem Orte hatte die 
die Frau mit den Hyazinthen, und wieder, wie zu der Zeit, 
da er von Klein-Wlossow nichts gewußt, tat sich sein Herz 
weit vor ihr aus. 
Er sprach zu ihr von seinen Leiden, seinem Fühlen, 
seinem Denken. Er sagte ihr, wie weh und wie wohl 
zugleich ihm heute getan worden war. Er sagte ihr, wie 
innig er den ihm anvertrauten Knaben liebe, wie er ihn 
hüten wolle als fein teuerstes Gut. 
Das Abhängigkeitsgefühl des Angestellten, das so 
schwer auf ihm lastete, wenn er iin Licht des hellen 
Alltags Frau von Lersch gegenüberstand, war geschwunden. 
Die Enge und Kleinlichkeit, in der er sich selber sah, war 
von ihm genommen. Seine Seele weihte sich in freier 
Hingabe der Aufgabe, vor die ihn ein Zufall Gestellt, den 
er segnete. 
Die Stille um ihn her, das weiche, zitternde, geheimnis 
volle Licht, in dem sie zwischen den dunkeln Tannenwänden 
schritten, löste tief Zurückgedrängtes, still Verschlossenes in 
ihm aus, ließ lang verschüttete Quellen wieder aufbrechen. 
Er sprach als ein Freier, Stolzer zu der Frau, die neben 
ihm schritt, als einer, der der Welt zu geben hat. Hell 
loderte der Brand der Jugend, des Idealismus in ihm auf. 
' Helene lauschte mit verhaltenem Atem. Nur selten 
sprach sie mit halblautem Wort. Weit niehr noch, als sie 
in dem Mann geahnt, brach plötzlich, sah aus ihnl hervor. 
Etwas wie eine schöne, stille Sicherheit kam über sie. 
Sie war nicht inehr allein. Neben ihr schritt einer, der 
ihre eigene Sprache sprach. Der empfand, wie sie empfand. 
Einer, der den Wert des Lebens nicht nur nach Zahlen 
bezifferte, der auf einer höheren Warte stand und auch 
die häßlichen, nüchternen Dinge dieser Welt in dem Schimmer 
sah, mit dem seine reine Seele sie uintleidetc. 
Verwaltung diese Steuer bereits eingeführt und von jeder 
größeren Wvhuung erhoben. Ein Mieter klagte dagegen 
mit der Motivierung, diese Steuer verstieße gegen das 
Kommunalabgabengesetz. Indessen hat das preuß. Ober- 
ververwaltungSgericht die Klage deS Mieters abgewiesen. 
Zu den Kanalbenutzungsgebühren können neben den Grund 
eigentümern auch die WohnungSmieter herangezogen werden, 
so meinte das Gericht. Voraussetzung ist nur, daß nicht 
daS HanS überhaupt, sondern auch die Wohnung, deren 
Inhaber zu den Gebühren herangezogen wird, an die 
Kanalisation angeschlossen ist. Keinesfalls aber stellt sich 
die fragliche Gebührenordnung als ein« Umgehung des § 23 
des KommunalabgabengesetzeS dar. Die KanalbenutzungS- 
gebühr ist mit einer MietS» oder Wohnungssteuer nicht zu 
vergleichen, denn die MietSsteuer ist eine Abgabe, die keine 
besondere Gegenleistung der sie erhebenden Gemeinde vor 
aussetzt, die KanalbrnutzungSgebÜhr dagegen wird als Ent 
schädigung für eine bestimmte, zugleich im öffentlichen 
Interesse erfolgende Leistung der Gemeinde auch den Woh- 
nungSlnietern gegenüber von diesen gefordert, sie ist also 
eine Gebühr im Sinne deS § 4 deS Kommunalabgaben. 
gefetzeS. Freilich kann eS unter Umständen fraglich fein, 
ob nicht bei Erhebung von Gebühren die Eigenschaft der 
Gegenleistung für eine von der Gemeinde gewährte Leistung 
zurücktritt und diese sich mehr al» eine Steuer dalstellt, 
wenn beispielsweise die Gebühren absichtlich sehr hoch be- 
meflen werden, um daraus Ueberschüsse zur Deckung all 
gemeiner Bedürfnisse der Gemeinde zu erzielen. — Davon 
kann aber im vorliegenden Falle keine Rede sein; die 
Klage des WohnungSmieterS ist daher ungerechtfertigt. 
(Preuß. OberverwaltungSgericht, 2. Sen., 1. 10. 12.) 
o Die Feier der Grundsteinlegung der kath. 
MarieukircheflFrauenkirche), Ecke Laubacher- und Schwal- 
bacher Straße findet am Sonntag, dem 20. April, Nach 
mittags 4 Uhr statt. 
o Znr Landtagswahl. Es sind jetzt für die be 
vorstehende Landtagswahl in unserem Wahlkreise Teltow- 
BeeSkow-Storkow-Wilmersdorf von den einzelnen Parteien 
folgende Kandidaten aufgestellt worden: Von der konser 
vativen Partei LandeSiyndikuS Dr. Gerhardt und Ober- 
elfenbahnfekretär Haseloff Zehlendorf, von den vereinigten 
liberalen Parteien Traub-Dortmund und AmlsgerichtSrat 
а. D. Likpmann-Charlottenburg; von den Sozialdemokraten 
Gutsbesitzer Hofer und Stadtverordneter Groger-Neukölln. 
o Ferien-Sonderzüge. In diesem Sommer werden 
voraussichtlich die nachfolgenden Ferienzüge von Berlin 
abgelassen werden: Nach dem Harz: Bad Harzburg am 
4. und 5. Juli sowie am 2. August, nach Thale am 
5. Juli und 2. August, nach Seesen (Südharz), Clausthal 
und Güften-Suderode usw. am 5. Juli. An den Rhein: 
nach Köln am 5. und 7. Juli. Nach dem Riesengebirgr: 
nach Ober-Schreiberhau am 3., 5., 0., 7. und 15. Juli 
sowie am 15. August, nach Schmiedeberg am ü., 6. und 
15. Juli. Nach Süddeutschland und der Schweiz: nach 
Stuttgart-FriedrichShafen am 3. und 6. Juli, nach München 
am 3., 4 , 5., 6. und 15. Juli sowie am 15. August, 
nach Lindau am 4., 5. und 15. Juli, 15. August, nach 
Basel (über Straßburg) am 3. und 5. Juli sowie am 
15. August, nach Basel (über Karlsruhe) am 4., 5. und 
15. Juli, nach Frankfurt a. M. am 4., 5. und 15. Juli 
sowie am 15. August. Nach der sächsischen Schweiz: nach 
Schandau am 5. und 16. Juli sowie am 15. August. 
Nach Wien ab Anhalter Bahnhof am 15. Juli, Nachm., 
ab Charlottenburg am 5. Juli Nachm. An die Ostsee: 
nach Stettin am 3., 6., 7., 8. und 15. Juli sowie am 
15. August, nach Heringsdorf am 3., 4., 5., 7., 8., 9. und 
15. Juli sowie am 15. August, nach Puttbus, Saßnitz rc. 
am 4., 6., 7. 8. und 15. Juli, nach Misdroy Carnin am 
б. Juli, nach Kolberg-KLSltn am 3., 8., 9. und 15. Juli, 
nach KöSlin über Gollnow am 4., 5. und 6. Juli, nach 
Warnemünde am 4, 5, 8. und 15 Juli sowie am 
15. August, nach Königsberg am 5. und 6. Jult, nach 
Danzig-Zoppot am 5. und 6. Juli und 6. August. An 
die Nordsee: nach Hamburg am 5. und 15. Juli sowie 
am 14 und 15. August, nach Hoyerschleuse am 5. Juli, 
nach Norddeich am 5. und 12. Juli. Nach Thüringen: 
nach Eisenach am 7. Juli, nach Schwarzburg-Eisenach am 
6. und 7. Juli. 
o Männer-Turnverein. Mit Ablauf des vorigen 
Monals legte der bisherige Turnwart der JünglingL- 
Abteilung, Herr Kurt Koppe, sein Amt nieder, weil er 
seinen Wohnsitz in Friedenau aufgab und nach Stuttgart 
übersiedelte. Der Verein verliert in ihm eine hervor- 
Ohne Ende hätte sie ihm zuhören, an seiner Seite 
weiterschreitcn mögen in die einsame Wildnis des Parkes 
hinaus. 
Die lang verhallenden Schläge der Schloßuhr, die die 
neunte Stunde verkündeten, gemahnten sie, daß es Zeit 
zur Heimkehr sei. 
Als sie in die Helle der Vorhalle traten, sah Rolf 
Kähne verwundert, mit ungläubigen Augen zu ihr hin. 
War das die Frau, vor der er sein Innerstes bloßgelegt 
hatte? 
Erschreckt kroch er in sich zusammen. Die Frau mit 
den Hyazinthen war vor der Schloßfrau von Klein-Wlossow 
in nichts verschwunden. 
8. Kapitel. 
Rolf hatte vor seiner Abreise mit Hans nach Meran 
einen Tagesurlaub erbitten wollen, um Abschied von der 
Mutter zu nehmen. 
Frau von Lersch war ihm zuvorgekommen. Gleich 
nach Ostern sagte sie ihm: 
„Lieber Herr Kühne, Sie dürfen in keinem Fall auf 
unbestimmte Zeit abreisen, ohne ’ sich von Ihrer Frau 
Mutter zu verabschieden. Ich schlage Ihnen vor. Sie fahren 
übermorgen und bleiben drei Tage in der Heimat. Dann 
haben wir den neunten SIpriL Ich mache in der Zwischenzeit 
meinen Jungen reisefertig. Am zehnten treffen wir uns 
in Berlin im „Westminster", wo ich immer abzusteigen 
pflege. Am zwölften abends bringe ich meine Reisenden 
auf den Nord-Süd-Exprcß. Ich denke, diese zwei Tage 
Berlin werden auch Ihnen für Ihre Reisevorbereitungeii 
gelegen kommen. Wenn Sie ihn nicht gerade vorrätig 
haben, wird das beste sein. Sie versehen sich gleich .mit 
ragende Kraft, denn Turuwari Koppe hat 2 Jahre all 
stellvertretender und 3 Jahre als l. Turnwart seine ganze 
Persönlichkeit in den Dienst des Jugendturnens gestellt. 
Obwohl er den gewiß nicht leichten Beruf eines Schrift 
setzers hatte, widmete er doch jahraus jahrein fast ohne 
Unterbrechung zwei Abende in der Woche und den ganzen 
Sonntag seiner Abteilung und seinen jungen Turnfreunden. 
Außerdem war er bei allen Wettspielen deS Vereins mit 
anderen Turnvereinen und mit vielen Sportvereinen als 
hervorragender Faustball- und Fußballspieler mit an erster 
Stelle tätig und hatte im vorigen Jahre auf dem Kreis- 
turnfeft in Perleberg die Friedenauer Fnßball-Mannfchast 
so erfolgreich geführt, daß sie die Meisterschaft der Mark 
Brandenburg erringen konnte. Auch als Wetturner ist er 
mehrfach mit dem Eichenkranz belohnt worden. Bei seiner 
Verabschiedung von der Abteilung, zu der sich eine Anzahl 
TurnratSmitglieder eingefunden hatte, gedachte der Vereins- 
Vorsitzende der vorstehend erwähnten mannigfachen Ver 
dienste KoppeS, verlas das ihm als Anerkennung vom 
Vorstände gewidmete Dankschreiben und übergab ihn alS 
Erinnerung an den Verein und als ein Zeichen der Wert 
schätzung seiner Verdienste einen Diskuswerfer, die bekannte 
antik« Figur in Bronze. Herr Koppe dankte für di« 
Ehrung, indem er hervorhob, daß er bei feiner Be 
geisterung für das deutsche Turnen gern und freudig daS 
verantwortungsvolle Amt eines JugendturnwartS über 
nommen hätte, und den Wunsch aussprach, daß die Jüng- 
lingSabteilung sich weiterhin gut entwickeln möge. Dann 
nahm er Abschied von seinen jungen Turnern, die den 
ihnen liebgewordenen Führer mit großem Bedauern scheiden 
sehen. Möge es gelingen, der JünglingSabteilung einen 
neuen Leiter zu gewinnen, der sich mit gleicher Be 
geisterung der schönen Aufgabe der Jugendpflege hingibt. 
o Das neue Programm der „Hohenzolleru« 
Lichtspiele" (Handjrrystr. 64) wird ebenso wie daS letzte 
Programm den Beifall der Besucher finden. AIS Haupt 
schlager kommt der spannende Film „Die SchlffSratte" zur 
Vorführung. Die Aufnahme war außerordentlich schwierig; 
eS wird darin u. a. die Rettung eines Mädchens auf 
offenem Meere von einem Schiff zum andern, auf einem 
Seil hoch in den Lüften, gezeigt. Ein äußerst humor 
volles Bild ist „Die Nachtwandlerin"; köstlich ist, es, wie 
die Mondsüchtige wieder in die Wirklichkeit zurückgerufen 
wird. Eine herrliche farbige Naturaufnahme ist Soalato 
in Dalmatien. „Miß Nauke hat die Hosen an" ist eine 
ulkige Komödie. Herz und Pflicht fesselt durch stimmungs 
volle Szenen. DaS italienische Lieber- und LebenSdrama 
„Das Herz vergißt nicht', hinterläßt auf dem Beschauer 
einen tiefen Eindruck. AuS dem Lachen heraus aber kommt 
man nicht bei der Humoreske „ES wär so schön gewesen". 
Dazu die Wochenübersicht der „Hohenzollern-Lichtspiele". 
Alles in allem: ein Programm, das man gesehen haben mußl 
o Im Biofontheatee irr der Rheinstraße 14 
kommt von heute ab das spannende Schauspiel in vier 
Akten „Verfehmt" zur Borführung. Die Handlung dreht 
sich um einen Mord, der in Frankreich Aufsehen erregte 
dadurch, daß man einen entlassenen Bagnosträfling Iran 
Marcieux — der 10 Jahre abgesessen hatte, weil er einen 
Betrüger im Streit mit einem Dolch lebensgefährlich 
verletzt hatte. Wie sich die Sache merkwürdig aufklärte, 
zeigt dieser interessante Film. Augustin unter ' den 
Indianern ist eine tolle Posie, die zum Lachen reizt. 
Ebenso drollig ist auch Kiekebuschcns Duell. Im zoologischen 
Garten bringt sehr hübsche Tierbilder in bunter Folge. 
Ein hübsches Tonbild bringt Abwechslung und die 
beliebte Wochenrevue von Gaumont zeigt wieder zahlreiche 
Vorkommnisse der neuesten Zeit in fesselnden Bildern. Auf 
der Pkrlbildfläche deS BiofontheaterS erscheinen Personen 
und Dinge in natürlicher Größe und ausgezeichneter 
Schärfe, deshalb wird dieses Theater von Kennern der 
Kinokunft besonders bevorzugt. Anfang 6 Uhr, Sonntags 
4 Uhr. Theaterzritung am Eingang und im Saal er 
hältlich. Sie enthält auch Erklärungen der gezeigten Bilder. 
o Wirt dem Fuhrwerk ausgerückt. In der 
Kaiserallee war bei einem Zusammenstoß zwischen Straßen 
bahn und einem GeschältZwagen der Kutscher deS letzterem 
vom Bock geschleudert worden, sodaß er schwerverletzt auf 
dem Ctraßenpflaster liegen blieb. Während sich Vorüber 
gehende mit dem Verunglückten beschäftigten, sprangen 
2 Männer, ein Friedenauer und ein Steglitzer, auf den 
Wagen und fuhren davon, wahrscheinlich in der Absicht, 
sich Finderlohn zu verdieneu. In Sieglitz, Düppelstraße, 
wurde später das verdächtig erscheinende Fuhrwerk von 
einem leichten Sommeranzug. Der Stpril ist unter um 
ständen sommerwarm, ja heiß, in Meran." 
Wie verabredet, war Rolf am sechsten Avril abgefahren. 
Die Entfernung war keine große. In drei Stunden brachte 
ihn eine kleine Seltenbahn an Ort und Stelle. 
Die Mutter begrüßte ihn mit gerührter Freude. Welch 
ein Glück, daß ihr Herzeuejunge in diesen Hafen ein 
gelaufen war! Auch Berta war es zufrieden und lobte 
Rolf dafür, daß er seinem „Hochmutsteufel", wie sie sein 
Streben nach einem unabhänaiaen Beruf nannte, einen . 
energischen Rippenstoß versetzt habe. 
Rolf brachte de-ck Frauen ein ansehnliches Geldgeschenk 
mit und hoffte ein solches, in Form eines regelrechten 
Zuschusses, viermal im Jahr erneuern, ja erhöhen zu 
können. Sein vierteljährlich im voraus zu zahlendes Ge 
halt war von ansehnlicher Höhe. Sobald die einmaligen 
Anschaffungen an Wäsche und Anzügen hinter ihm lagen, 
würde er ja für seine Person überhaupt keine wesentlichen 
Ausgaben mehr zu machen haben, solange er im Hause 
der Frau von Lersch blieb. 
Frau Kühne fragte, neue Sorgenfalten im Gesicht, ob 
die Stellung an eine bedingte Zeit geknüpft sei. 
„Durchaus nicht, liebste Mutter. Aber reiche Leute 
haben ihre Launen, sind vielleicht auch, besonders Frauen, 
fremden Einflüssen leicht unterworfen. Ueberdies, wenn 
der Junge älter und kräftiger wird und regelinäßigen, 
methodischen Unterricht braucht, wird selbstverständlich ein 
Philologe an ineine Stelle rücken. Einstweilen aber 
brauchst du fein so enttäuschtes Gesicht zu machen, liebes, 
altes Mütterchen." 
(Fortsetzung folgt.1
        
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