Path:
Periodical volume Nr. 93, 21.04.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

Beilage zu Nr. 80 des „Friedenauer Lokal-Anzeiger". 
Sonntag, drn 6. April 1913. 
Litzung der Gemeindevertretung 
vom Donnerstag, dem 3. April 1913. 
(Schluß.) 
G.-D. Schultz wiederholt nun seinen Antrag, den 
GemeindeauSschuß für Jugendpflege wiederzuwählen. Bei 
der ersten Lesung deS Voranschlags wurde ein größerer 
Ausschuß für die Jugendpflege gewählt. Dagegen bei der 
zweiten Lesung beschlossen, die Verwaltung der 1500 M. 
lüt die Jugendpflege dem Gemeindevorstand zu überlassen. 
Die Veranlassung war schon damals ein Zwiespalt 
zwischen dem Gemeindevorstand und dem Jugendpflege 
ausschuß. ES hat vor etwa 8 Tagen eine Sitzung des 
OrtSauSschufles stattgefunden, in der eS sehr erregt und 
sonderbar zugegangen sein soll. U. a. habe sich auch ein 
Lehrer über eine Bemerkung im Protokoll deS Gemeinde- 
Vorstandes — wie er von Herrn Sadör hörte — beleidigt 
gesühlt, da er solche Ausdrücke, wie im Protokoll ange 
geben. garnicht gebraucht habe. Ec habe die Akten ein- 
gesehen und daraus ersehen, daß der Gemeindevorstand 
sehr wohl ein Recht hatte, sich über die Vorgänge im 
Ortsausschuß verschnupft zu fühlen. Um nun die Jugend 
pflege nicht vollständig ruhen zu lassen, beantrage er, den 
GemetndeauSschuß wieder einzusetzen und durch Mitglieder 
deS alten Ausschusses zu erweitern, namentlich Herrn 
Rektor Schildberg hineinzuwählen. Schöffe Sador be- 
merkt, daß nicht er, sondern Herr o. Wrochem die Aus 
führungen des betr. L-hrerS wiedergegeben habe. Schöffe 
v. Wrochem erklärt, eS laffe sich darüber nicht in der 
Oeffentlichkeit verhandeln, wenn man Auskunft wünsche, 
werde er diese in der geheimen Sitzung geben. G.-V. 
Schultz meint, er wäre im allgemeinen nicht für eine ge 
heime Verhandlung. Ec wünsche aber, daß Auskunft 
gegeben werde. Herr Dr. Heinecker, der auch in der Ver 
sammlung anwesend war, könnte vielleicht auch Auskunft 
geben. Bürgermeister Walger führt auk, daß nachdem 
gesagt worden sei, eS existiere ein Protokoll deS Cemeinde- 
vorstandeS, durch dar sich ein Mitglied deS OrtsauSschuffeS 
beleidigt fühle, müffe öffentlich ausgesprochen werden, wie 
sich die ganze Sache verhält. Er bitte Herrn v. Wrochem, 
über die ganze Angelegenheit und über das frühere Ver 
halten des Gemeindevorstandes, warum die Zuschüffe ver 
weigert wurden, eingehend Bericht zu erstatten. G.-V. 
Lehment bittet, ob die Angelegenheit nicht doch noch in 
die geheime Sitzung verwiesen werden könnte im Jntereffe 
der Sache. Bürgermeister Walger bemerkt, er habe selbst 
gewünscht, daß im Jntereffe der Sache nicht in der Orffent- 
lichkeit verhandelt werde. Er habe daher auch Herrn 
Kalkbrenner s. Zt. gebeten, nicht darüber zu sprechen; Herr 
Kalkbrenner habe es trotzdem getan. Das wäre besser in 
der geheimen Sitzung geschehen. Man sei es der 
Bürgerschaft schuldig, daß man Klarheit darüber 
---schaffe,'., was- vorgefallen ist. « Der Gemeindevorstand 
brauche sich über sein Verhalten nicht zu schämen. G.-V. 
Kalkbrenner erklärt eS für unzutreffend, daß er 
von dem Herrn Bürgermeister gebeten worden sei, von 
seinen Ausführungen Abstand zu nehmen. Eist hinter 
her, nachdem er gesprochen hatte, sagte der Herr Bürger 
meister, daß seine Ausführungen besser unterblieben wären. 
Bürgermeister Walger: Also ich bitte Herrn v. Wrochem, 
zu berichten. Schöffe o. Wrochem führt aus: Er sei sehr 
vedauerlich, daß die Angelegenheit hier erörtert werden 
muß, aber er sehe ein, daß eine Erklärung notwendig ist. 
Gr habe mit den Empfindungen und Erfahrungen, die er 
aus den beiden Sitzungen des Ortsausschusses, denen er 
als Dezernent beiwohnte, geschöpft habe, absichtlich mit 
großer Reserve zurückgehalten im Jntereffe der Sache. Er 
sagte sich, wenn Gutes geschaffen werden soll, müffe man 
Vorsicht walten lassen, wie mit jeder jungen Pflanze. ES 
habe ihm daher außerordentlich leid getan, daß schon Herr 
Kalkbrenner in der letzten Sitzung Aeußerungen aus den 
AuSschußsitzungen erwähnte, die hier nicht hergehörten, da 
der Ortsausschuß nicht einen Ausschuß der Gemeinde dar 
stelle. In der letzten Sitzung habe man nun für die 
Jugendpflege Mittel bewilligt und deren Verwendung dem 
Gemeindevorstand überlassen. Erst vor ein paar Tagen 
habe er dem Gemeindevorstand Bericht geben können über 
die Sitzung des Ortsausschusses und habe da folgendes 
berichtet: Die letzte Sitzung des Ortsausschusses, die sich 
mit Neuwahlen des Vorstandes beschäftigen sollte, befaßte 
sich im wesentlichen mit dem Schriftwechsel, der zwischen 
dem Gemeindevorstand und dem Vorsitzenden deS Orts 
ausschusses, Herrn Rektor Kaul, stattgefunden hat. ES 
waren von den 32 Mitgliedern deS Ausschusses etwa ein 
gutes Dutzend anwesend. ES entspann sich eine lebhafte 
Debatte, die beherrscht wurde durch Ausführungen deS 
Herrn Kalkbrenner, der Mitglied des Ortsausschusses ist. 
Herr Kalkbrennrr nannte das Schreiben des Gemeinde- 
vorstandcS, soweit eS sich auf die Debatte bezog, flegel 
haft (Unruhe, Zurufe: Was?, unerhört usw.). Erwartete 
nun ab, ob der Vorsitzende diesen Ausdruck energisch 
zurückweisen würde. Da dies nicht geschah, machte er den 
Voisttzenden darauf aufmerksam, daß er der Versammlung 
nicht mehr beiwohnen könnte, wenn Herr Kalkbrenner 
nicht für seinen Ausdruck eine energische Rüge erfahre. 
Herr Rektor Kaul sah wohl auch ein, daß er eine Unter 
lassungssünde begangen hatte und sprach darauf die Bitte 
auS, man möchte doch alles persönliche unterlassen. Daß 
ihm (v. Wrochem) dies nicht genügen konnte, werde man 
einsehen, er habe aber trotzdem der Sitzung weiter bei 
gewohnt, um die Sache über die Person zu stellen und 
weil er sich sagte, eS müsse etwa- in der Angelegenheit geschehen. 
In der Versammlung herrschte eine durchaus feindliche 
Stimmung gegen den Gemeindevorstand wegen dieses Schrift 
wechsels. ES wurde vorhin auch ein Lehrer genannt. Er müsse 
sagen, daß die ganze Art und Weise des Auftretens dieses 
Herrn nicht schön war; auch dieser Herr ist über die 
Grerizen de« Erlaubten hinausgegangen. Sr wüßte auch 
nicht, wieso sich dieser Herr durch ein Protokoll deS Ge- 
meindeoorstandeS beleidigt fühlen könnte, schon weil er 
nicht wisse, wie dieser Herr Kenntnis von einem Protokoll 
des Gemeindevorstandes haben könne. Er hab« also dem 
Gemeindevorstand berichtet, daß die Versammlung unter 
den Eindruck der Ausführungen deS Herrn Kalkbrenner 
stand und der Gemeindevorstand hat beschlossen: 
Der Gemeindevorstand lehnt eS ab, mit dem 
Ortsausschuß zusammen zu arbeiten. 
An den Sitzungen deS Ortsausschusses soll kein 
Mitglied deS Gemeindevorstandes mehr teilnehmen. 
Der Gemeindevorstand wird eine abwartende 
Stellung einnehmen. 
Auf Grund diests Beschlusses ist er zu seinem Be- 
dauern gezwungen gewesen, Herrn Rektor Kaul auf seine 
Einladung zu einer Sitzung deS Ortsausschusses eine ab 
lehnende Antwort zu geben. Er habe geschrieben, daß er 
auf Beschluß deS Gemeindevorstandes den Sitzungen bis 
zur Behebung der persönlichen Schwierigkeiten nicht weiter 
beiwohnen könne. Im Interesse der Sache bedauere er 
eS am meisten, daß die persönlichen Differenzen ausge- 
taucht sind. Wenn weiter etwas geschehen soll, müssen 
zunächst alle persönlichen Differenzen gehoben werden. 
G.-V. Schultz bemerkt, diese Ausführungen werden seinen 
Antrag vollständig begründen. Man könne doch die 
Jugendpflege nicht ruhen lassen. Wenn der Gemeindevor 
stand nicht mehr mit dem Ortsausschuß arbeiten will, 
müsse man doch andere wählen, die arbeiten. Und das 
habe ihn veranlaßt, wieder die Einsetzung deS Gemeinde- 
ausschusseS zu beantragen, der die Sache in die Hand 
nimmt. G.-V. Kalkbrenner betont, er sei eS ja gewohnt, 
als der Sündenbock in der Oeffentlichkeit und in ge 
wissen Vereinen hingestellt zu werden. Und so können ihn 
auch die heutigen Ausführungen des Herrn v. Wrochem 
nicht heiß berühren. Ts freue ihn, daß Herrn v. Wrochem 
über die Sitzung so ausführlich aus dem Stegreif be 
richtet habe. Aber eS sind nicht nur ein Dutzend Mit 
glieder in der Versammlung anwesend gewesen, eS waren 
weit mehr drin, denn Herr v. Wrochem konnte kaum hin 
auskommen. (Zuruf: Na, denn zwei Dutzend). Nun, daS 
ist schon etwa- anderes, wenn von 32 Mitgliedern 2 Dutzend 
anwesend sind, so ist dies ein sehr gutes Verhältnis. (Zuruf: 
DaS ist doch Nebensache). ES ist vollkommen richtig, was 
Herr v. Wrochem sagte, daß eine durchouS feindselige 
Stimmung gegen den Gemeindevorstand in der Versammlung 
vorherrschte. Daraus könne man ersehen, daß er nicht der 
Einzige war, der über die Antwort deS Gemeindevor 
standes aufgebracht war. TS waren alle der Meinung, 
daß daS gekennzeichnete Wort zutreffend war. Daß 
eine Erregung vorherrschend war, hat Herr v. Wrochem 
schon sehr richtig gezeichnet. Doch die Versammlung stand 
nicht unter seinen (KalkbrennerS) Ausführungen, sondern 
sie stand Unter den Ausführungen LtS Herrn MktörS Kaul 
und da habe er den Ansichten in gewohnter Weise 
Ausdruck gegeben (Unruhe). Jawohl, ich bin immer gerade 
heraus, sprechen Sie doch auch mehr in der Oeffentlichkeit 
aus, was Sie denken! Er bedaure nur, daß hierdurch 
wieder die gute Sache gestört werde. Er sehe auch heute 
wieder den lachenden Herrn Richter vor sich, der erklärte, 
daß man auf solche Weise der Sozialdemokratie die jungen 
Leute nicht entziehe. Die Sache deS Lehrer», die zuerst 
aufgerollt wurde, wird weiter garnicht mehr erwähnt. Die 
Hauptsache ist, daß im Hintergründe der Eündenbock Kalk 
brenner steht. G.-V. Dr. Heinecker ist bei der gegen 
wärtigen Sachlage doch dafür, daß man den Gemeinde- 
auSschuß wiederwählt. Der Gemeindevorstand hat erklärt, 
daß er nicht mehr mit dem Ortsausschuß zusammenarbeite, 
so müsse man einen Ausschuß wählen, der andere neue 
Wege geht und die Angelegenheit mit größter Sachlichkeit 
in die Hand nimmt. G.-V. Kunow: Nachdem er gehört 
habe, daß der bestehende Ausschuß nicht befähigt ist, (sehr 
richtig) für die Jugend zu wirken, ist es wohl daS beste, 
der Ausschuß läuft auseinander (sehr richtig). Aber schwer 
ist eS, zu sagen, ob der neue Ausschuß eS besser machen 
wird. ES ist jetzt also, nachdem was er gehört habe. kein 
Ausschuß da, der für die Jugendpflege wirkt. (Baurat 
Altmann spricht dem G.-V. Kunow vor; G.-V. Kalk- 
brenner: Sind Sie der Dezernent Herr Altmann, daß Sie 
Herrn Kunow vorsprechen.) G.-V. Kunow fortfahrend: 
Ich brauche keinen Vorsprecher, Herr Kalkbrenner. Der 
neu; Ausschuß muß ja wohl Arbeiter unter der Jugend 
in sich aufnehmen. DaS Beste aber wäre, aller was be 
steht, fällt zusammen. Außerdem habe er gehört, daß sich 
auch die Vereine untereinander nicht einig sind. Er würde 
jetzt auch mit Herrn Schultz gehen. Bürgermeister Walger: 
Bei der Etatsberatung wurde schon zur Sprache gebracht, 
daß Herr Rektor Kaul gekränkt worden sei; nachdem auch 
heute die» wieder erwähnt wurde, müsse er die Sache 
aktenmäßig erklären: Am 3. Januar 1913 hat Herr Rektor 
Kaul über die Mittel berichtet, die verwendet worden sind 
und gebeten, weitere Mittel zur Verfügung zu stellen. 
DaS Schreiben ist durchaus sachlich gehalten und vom 
Ortsausschuß genehmigt. Diesem Schreiben hat Herr 
Rektor Kaul am Schluß die folgende persönliche Be 
merkung angefügt: .Der Unterzeichnete fügt die 
persönliche Bemerkung hinzu, daß er eine ehren-, 
amtliche Tätigkeit aufgeben müsse, die ihn in 
Widerspruch mit der vorgesetzten Behörde zw 
bringen droht!" Auf diese persönliche Bemerkung hin 
habe der Gemeindevorstand geantwortet: .Hinsichtlich 
der persönlichen Bemerkung erwidern wir Ihnen, 
Herr Rektor Kaul» daß wir gegen die Nieder 
legung Ihres Amtes nichts einzuwenden haben." 
Wir, als die Behörde, die den Herrn anstellt, konnten 
darauf nichts anderes antworten, nachdem er uns den 
Stuhl vor die Tür setzte. Wir mußten ihm sagen. daß. 
wir gegen seine Amtsniederlegung nicht» einzuwenden 
hatten. Wenn nun solche Differenzen kommen, so können 
sie immer noch wieder ausgeglichen werden unter Männern, 
die die Sache über die Person stellen. Man reicht sich da die 
Hand und es ist alle» erledigt. Dem aber ist Herr Kalkbrevner 
zuvorgekommen, indem er die Sache öffentlich erwähnte 
und da sagte er Herrn Kalkbrenner, eS wäre besser ge 
wesen, er hätte die Sache aus dem Spiel gelassen. Wenn 
nun Herr Kalkbrenner im Ausschuß d!e Antwort der 
Gemeindevorstandes für flegelhaft erklärte und sagt, er 
wäre nicht der einzige gewesen, der so dachte, wenn. er 
sagt, daß alle der Meinung waren, daß durch dar ge 
kennzeichnete die Ansichten kundgegeben wurden und sagt, 
daß er gewohnt sei, da» mit dem richtigen Wort zu . be 
zeichnen; wenn Herr Kalkbrenner auch heute das noch 
aufrecht erhält und nicht erklärt, daß er im Affekt den 
Ausdruck gebraucht habe, so glaube er nicht, daß heute 
ein einziger eintritt in einen solchen Ausschuß. Kein 
Gemrindeoorstandsmitglied werde sich dem aussetzen, 
daß eS wieder so angegriffen werde, wie eS geschehen ist. 
Wir können nicht mit einem solchen Ausschuß zusammen 
arbeiten und haben die» daher beschlossen. Wir haben 
auch beschlossen, daß kein Mitglied mehr die Sitzungen 
de» Ausschusses besucht. Wir hatten geglaubt, daß sich 
die Herren noch überzeugen werden und daß es noch zu 
einer Einigung kommen werde. Nachdem wir aber hier 
Herrn Kalkbrenner gehört haben, glaube er nicht mehr, 
daß die Sache auf friedlichem Wege zu erledigen ist. ES 
ist nicht möglich, mit einem Ausschüsse zusammen zu 
arbeiten, wo derartige Angriffe gegen die Behörde ge 
schleudert werden. Er habe noch weiter die Mitteilung 
zu machen, daß der Vorstand beschlossen habe, gegen 
Herrn Kalkbrenner wegen der Beleidigung gericht 
lich vorzugehen. (Sehr richtig; Unruhe.) G.-D. Dr. 
Heinecker: Die Stellungnahme de» Gemeindevorstandes 
ist zu verstehen, bedauerlich bleibt nur, daß die Jugend 
pflege selbst darunter leidet. Diesem Jntettgnum müsse 
ein Ende gemacht werden. Wir müssen vorgehen, daß 
die Jugendpflege gefördert wird und so sei er dafür, daß 
ein GemeindeauSschuß gewählt werde, in dem die Bürger 
in hervorragender Weise vertreten sind. Die augenblick 
lichen Verhältnisse müssen auS der Welt geschafft und neue 
Wege angebahnt werden. G.-V. Schultz kann dem Vor 
redner nur zustimmen. Er hoffe, daß sich auch ferner 
Herren aus der Bürgerschaft bereit finden für die Jugend 
pflege und daß wieder Friede und Einigkeit einkehren 
möge. Schöffe v. Wrochem: Die Erklärung der Herrn 
Bürgermeisters, daß sich kein Schöffe in den Ausschuß 
wählen lassen werde, trifft wohl zu, wenn der Ausschuß 
weiter mit dem Ortsausschuß zusammen arbeiten soll. 
Wenn man auf dem Standpunkt stehen sollte, daß der 
Gemeindeausschuß selbst die Sache in die Hand nehmen 
und weiter ausbauen soll (Ja), dann ist es etwas anderes 
und dann werden sich auch wieder VorstandSmitgjli;d^,^ur 
Mitarbeit'finden. Geschehen müsse etwas und er"'hoffe 
als Dezernent, daß ruhige Ueberlegung über persönliche 
Ranküne siegen werde. Es werden sich wohl auch Herren 
finden, die gern in den Ausschuß eintreten. G.-V. Kalk- 
brenner: Nach den Aussührungen, die gemacht wurden, 
scheine dem Vorstand die Sache nicht überraschend ge 
kommen zu sein. Man habe Herrn Schultz wohl vor 
bereitet. Er bedauere nur, daß man ihm nicht Kenntnis 
gegeben habe von den Beschlüssen deS Gemeindevorstandes. 
(Lachen am VorstandSlisch.) Wenn daS zutrifft, daß man 
sachliche Differenzen im Interesse der Sache auszugleichen 
sich bemühe, so scheine man nach den Ausführungen des 
Herrn Bürgermeisters dieses Ziel doch wohl nicht im Auge 
gehabt zu hoben. ES wurde gesagt, daß er die Sache 
heute wieder auf deS Messers Schneide gebracht hätte. 
Das trifft doch nicht zu. Nach dem Vortrage des Herrn 
v. Wrochem befinde er sich doch in der Verteidigung; nicht 
er sei der Angreifer. Nicht er habe etwas gegeißelt, 
sondern der Vorstand. Den Eindruck, den die Versammlung 
von der Antwort der Gemeindevorstandes bekam, wird 
am besten durch die Worte gekennzeichnet, die der stell 
vertretende Vorsitzende Herr Bäckermeister Wermke gebrauchte, 
der die Antwort als eine Maßregelung des Herrn 
Rektors Kaul bezeichnete. Man sehe, welche Auffassung 
ein einfacher Gewerbetreibender davon halte. Und zu einer 
solchen Auffassung konnte man kommen, da in der Antwort 
da« einfachste Wort deS Dankes fehlte. Wenn man 
gesehen hat, wie uneigennützig Herr Rektor Kaul für dir 
Jugendpflege wirkte, da gehörte sich ein kleiner Wort des 
Dankes. DaS ist unser aller Gefühl. Wenn er den betr. 
Ausdruck gesagt habe, so rechne er ganz selbstverständlich 
auch mit der Aufregung, in der sich alle befunden haben, 
da« ist doch klar. Wenn jedes Wort so auf die Goldwage 
gelegt würde und er hätte von solcher Sitte Kenntnis 
gehabt, hätte er diesen Ausdruck nicht gebraucht. Wenn 
solche Aeußerungen benutzt werden, um jemand in öffent- 
licher Sitzung anzugreifen, werden alle in den Ausschüssen 
sehr vorsichtig sein müssen; dann werde man noch einen 
Stenographen mit in die AuSschußsitzungen nehmen müssen. 
Bürgermeister Walger: Herr Kalkbrrnner hat versucht, 
die Sache ander» darzustellen, als sie gewesen ist; denn 
nur er hat die Sache auf deS Messers Schärfe gebracht, in- 
dem er auch heute wieder erklärt, er stehe noch heute auf 
demselben Standpunkt. (Mit gehobener Stimme:) Das 
brauchen wir uns nicht gefallen lassen. Wenn er Herrn 
Kalkbrennrr nicht zur Ordnung gerufen habe, so tat er cS 
nur. um ihn ausreden zu lassen, damit man mal höre, 
was er vorbringt. SS ist ja unerhört, was Herr Kalk- 
brenner vorbringt und wie er sich beträgt heute wo er 
angriffen wird. Ich bin der Meinung, daß wir nun endlich 
aufhören mit der Geduld, die wir mit Herrn Kalk- 
brenner hatten. Ich appelliere an Ihr Ehrgefühl, 
daß wir uns da» nicht mehr weiter gefallen lassen. Wenn 
Herr Kalkbrenner Worte gebraucht, die man nur von 
Leuten auf der Straße hört und diese Worte hier wieder- 
holt, so habe ich nicht Lust einen solchen Ton einreißen
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.