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Periodical volume Nr. 9, 10.01.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

da« « mit der offiziellen Vertretung der Gemeinde zusammen feiern 
möchte, außelhalb der Grenzen firicdcnauS zu begehen gezwungen wäre, 
S. daß durch Erfüllung der Bitte ein Vorgang für andere Vereine 
insofern kaum geschaffen werden würde, als — wie schon eingangs 
bemerkt — die HauSdesiher und die Gemeinde von Friedenau gewiffer. 
matzen an einem Lage geboren find, also der Organisation der Hau«, 
befitzer gegenüber bei einem derartigen Anlaß eine Ausnahme von der 
Regel durchaus vertretbar erscheint. 
8ür den Fall der Genehmigung in vollem Umfang, einschließlich 
deS Balles, wird der Verein immer noch zu prüfen haben, ob fich da« 
gest in diesem Rahmen überhaupt im Rcalgymnafium veranstalten 
läßt. Sollten fich der Veranstaltung deS BaveS in den zu über- 
laffendi» Räumen Schwierigkeiten entgegenstellen, so wird der Verein 
sich zu entscheiden haben, ob auf den Ball verzichtet werden soll, ein 
Verzicht, der den Kreis der Teilnehmer zu ungunsten des Festes 
vorausfichtltch sehr beschränken würde, oder ob das 8est nach außer, 
halb verlegt werde» soll. Aach im letzteren 8all würde, abgesehen 
von allen ethische» Rücksichten, die Zahl der Teilnehmer eine be 
schränktere werden. Eine endgültige Entschließung muß der Verein 
von der Stellungnahme de« GemeiudevorstandeS und deS Kuratoriums 
abhängig machen. 
Einem möglichst baldigen Bescheide der verehrlichen Körperschaften 
sehen wir deshalb mst Jntereffe entgegen. Hochachtungsvoll 
Der Vorstand des Han«- und Grundbefitzer-Vettins Friedenau 
i. A. v. Drochem. 
o Friedenauer Vortr agsabende für Kunst und 
Wissenschaft. Für den 4. Vortragsabend, der gestern 
Abend in der Aula drS ReformrealgymnasiumS stattfand, 
mußte das Programm eine Abänderung erfahren. Durch 
plötzliche Erkrankung eines Mitgliedes hatte daS Nieder 
ländische Quartett seine Zusage für diesen Abend zurück 
ziehen müssen. Dem Ausschuß war eS jedoch gelungen, 
eine gleich gute Erwerbung in der Kammermusik-Ber 
einigung der Königlichen Kapelle zu machen. Was dt« 
Herren Königs. Kammervirtuos Adalbert Gülzow (Violine) 
und Königl. Kammermusiker Waller Cavallrry (2. Violine), 
Max Freund (Viola). Paul Treff (Cello), Gusta Krüger 
(Baß), Leonhardt Kohl (Klarinette), Adolf Sütter (Fagott) 
und Paul Kempt (Horn) gestern boten, war jedem Ohr 
ein edler Schmaus. Mit dem lieblichen Divertimento, 
op. 205, von W. A. Mozart für 6 Instrumente begann 
die Vereinigung die ' VortragSfolge. DaS herrliche Zu 
sammenspiel. di« Tonschönhrtt jedes Instrument«, die 
prachtvolle Technik jeder Spieler« schufen einen musikalischen 
Vortrag in wundervoller Harmonie. Noch mehr war da« 
Octett op 166 von F. Schubert dem Musikfreunde ein 
Genuß. Obwohl, als letzteres zu Gehör kam, di« Zeit bereit« 
weit vorgeschritten war, verließen doch nur einige Besucher 
vorher den Saal. Alle andern aber lauschten gespannt 
der schönen Tonschöpsung, dargeboten durch ein herrlicher 
Orchester. In dem Passacaglia nach Händel von I. 
Halvorsen holten sich die Herrin Gülzow (Violine) und 
Freund (Viola) ncch besorhere Lorbeeren, ebenso wie Herr 
Kohl (Klarinette) in Fantasia und Capriccio von C. M. 
v. Weber rauschenden Beifall fand für die süßen, warmen 
Töne, die er seinem volltönendem Instrument entlockte. 
Obwechselnd mit diesen musikalischen Vorträgen, las 
Alexander MoSzkowSkt au« seinen eigenen heiteren Werken. 
Abwohl sein Organ für einen großen Saal nicht günstig 
ist, sein Vortrag auch nicht immer anspricht, wußte er doch 
mit seinen lustigen und satirischen Gedichten: „Die Sinne", 
„Sein erstes Konzert-, „2 Träume-, „Glückliche Menschen", 
,Die Vase", „Berliner Elektrische", „Berliner Jammer 
strophen" und der Prosa - Satire „Eine moderne Dame 
auf Reisen", Helles Lachen und stöhliche Gesichter zu er 
zeugen. Reicher Beifall rief ihn wiederholt an die Rampe. 
o Auf der Wohnungssuche. Es gehört nicht zum 
Angenehmsten, das Wohnungssuchen. Aber waS hilft'«, 
es muß doch sein, wenn man die alte Wohnung „satt 
hat und sich nach einem neuen angenehmeren Heim sehnt. 
Von Haus zu HauS zu wandern, um die AuShängetafeln 
der Wirte zu studieren, ist nicht jedermann« Sache. Die 
meisten wollen nach einer bestimmten Richtung hin die 
Wohnungssuche vornehmen. So holen sie stch auS unserer 
Geschäftsstelle Rheinstr. 15 den „Friedenauer Lokal-Anzeiger" 
oder lesen die Anschläge an den Ring- und Wannseebahn 
höfen durch. Haben sie dort auS den Ankündigungen das 
für sie Paffend« entdeckt, so mag die Besichtigung vor stch 
gehen. Darum kann auch allen Vermietern von Woh 
nungen, Läden, möblierten und leeren Zimmern, 'Garagen, 
Lagcrkellern, Werkstätten, Ateliers usw. empfohlen werden, 
eine Anzeige in dem mit dem „Frtedenauer Lokal-Anzeiger" 
verbundenen .Friedenauer WohnungS-Anzetger" aufzugeben. 
Nur 40 Pfg. kostet die Zeile. Dafür erscheinen die An- 
zeigen eine volle Woche hindurch im „Friedenauer Lokal- 
Anzeiger" und in den Anschlägen an den Wannsee- und 
Ningbahnhöfen in Friedenau und Berlin (Potsdamer 
Bahnhos). Der „Friedenauer WohnuugSanzetger tst nicht 
allein der wirksamste, da er nur die örtlichen Berhältniffe 
berücksichtigt, er tst auch der billigste. Ein Berliner 
Blatt schickt jetzt an alle Hauswirte die Aufforderung, dort 
ihre WohnungSanzeigen aufzugeben. ES teilt auch die 
Pieisc mit. Danach kostet dort ein lOzetligrS Inserat 
für die Woche (bei nur 3 maligem Erscheinen) 22.50 M. 
oder 75 Pfg. die Zeile; wird die Anzeige länger als zwei 
aber weniger als vier Wochen aufgegeben, so verbilligt 
sich der ZeilenprriS auf 60 Pfg. und bet noch längerem 
inserieren schließlich auf 50 Pfg. für jedes Inserat. Im 
Friedenauer WohnungSanzeigrr kostet dagegen daS Inserat 
für die Woche und Zeile nur 40 Pfg. und erscheint dafür 
sechsmal. Wir kommen da auf einen Zeilenpreis von 
6.66 Pfg. für ein Inserat; dafür wird eS noch tn den 
Anschlägen an den Wannseebahnhöfen veröffentlicht, sodaß 
stch der Zeilenpreis für jede« Inserat eigentlich nur auf 
3.33 Pfg. stellt. Und nun vergleiche man: 75—50 Pfg. 
für Zeile und Inserat in dem Berliner Blatte und 
3.33 Pfg. (bezw. 6.66 Pfg.) für Zeile und Inserat im 
„Friedenauer WohnungSanzeigrr". Die Billigkeit dkS 
„Friedenauer WohnungS-AnzetgerS" springt dadurch klar 
in die Augen. Der Schluß der Anzeigenannahme ist tn 
unserer Geschäftsstelle. Rheinstraße 16. morgen (Sonn- 
abend) Mittag pünktlich 1* Uhr (nicht 1 Uhr). 
o „Frühlingsboten" werden tn diesen sonnigen 
Wintertagen von den Straßenhändlern in Masten ver- 
kaust, nicht etwa importierte Blumen, sondern heimische 
Schneeglöckchen, Primeln, sogar duftende Veilchen. In den 
kleinen 10 Pf.-Sträußchrn werden freilich nur wenige der 
angepriesenen „Frühlingsboten" gegeben, immerhin ist'« 
in der Winterzeit genug und nur dadurch möglich, daß die 
Sonnenwärme auf die Vegetation in außergewöhnlichem 
Maße einwirkt. In den geschützt gelegenen HauSgärten 
der südwestlichen Vororte G.-oßberlinS, so in Friedenau. 
Steglitz. Lichterselde. Zehlendorf bis nach Potsdam hin, 
zeigen die Obstbäume schon vielfach Knospen, die aufzu 
brechen drohen. Besonder« ist eS da« Spalierobst, 
namentlich die Frühbirne, welche durch weiße Blüten 
knospen an den Frühling gemahnt. Man findet diese 
freundlichen Anzeichen bei ihr sonst erst gegen Ende März. 
Sollte uns der Frost nicht energischer zu Hilfe kommen, 
so würden wi, zweifellos keine so gute Obsternte zu ge 
wärtigen haben, wie im Vorjahre; denn eine "^Bauern 
regel besagt: .Januar warm — daß Gott erbarm'!" 
o Für die Errichtung eine« Jürgenfen-Grab. 
dcnkmals gingen unk weiter zu von: H. B. 1 M. 
W. E. 1 M., zusammen 2 M. Bereit- quittiert 259.70 
Mark, mithin Gcsamibetrag^der Sammlung 261,70 M. 
Weitere Beträge werden an die Geschäftsstelle unsere« 
BlatteS, Rheinftraße 15, erbeten. 
o BrzirkSverein Tüdwest. Gestern Abend fand 
im „Rembrandt" die MonatSsitzung deS BereinS statt, 
die um 83/ 4 Uhr eröffnet wurde. Vor Eintritt in die 
Tagesordnung ehrte der Dorsttzende, Herr Stadtv. Peine, 
den in dir Sitzukg erschienenen Ehrenvorsitzenden de» 
Benins Herrn Justizrat Reinbacher mit einer kurzen herz. 
lichen Ansprache. Herr Justizrat Neinbacher dankte dafür 
und verband damit zugleich den Dank für die Ernennung 
zum Ehrenvorfltzeuden. Er erblickt in der Ehrung ein 
Zeichen der Freundschaft, dessen er sich herzlich freut. 
Nach der Genehmigung drS Protokolls berichtete der Bor» 
sttzende über die Tätigkeit der Stadtverordnetenversammlung. 
Bon Jntereffe ist die Statistik über den Besuch der Bolk«. 
schulen, nach der die DurchschnittSziffer in den Klaffen 
erheblich gesunken ist. Herr MagistratSaffeffor Heilgendorff 
berichtet über die Angestelltenversicherung, mit der 
eine neüe Epoche in unserer sozialen Gesetzgebung einge 
kehrt ist. Krtn Stand ist in den letzten 10 Jahren so 
gewachsen wie der der Privatangestellten. Bon den 
899 Paragraphen de« Gesetzes sind die meisten nur 
für den Juristen interessant; daher unterrichtet man stch 
über daS Gesetz am besten nicht aus dem Wortlaut selbst. 
Hervorgegangen ist das Gesetz au« der Bewegung der 
Privatangestellten. Dt« Forderung danach wurde erst 1902 
im Reichstage erhoben. 1907 erschien die erste Denkschrift 
deS ReichSamlS de« Innern über daS geforderte Gesetz. Im 
Januar 1911 kam der erste Entwurf, der schon tm De 
zember 1911 einstimmige Annahme fand. Bon den 2 Mtll. 
BerstcherungSpflichtigen sind ungefähr V/ 3 Mill. schon feer 
Invalidität«, und Altersversicherung unterworfen. Die 
Höhe der Beiträge schwankt zwischen 1,60 M. und 20,20 M. 
Eie werden zur Hälfte vom Arbeitgeber und Arbeitnehmer 
getragen. Die Beiträge der ersten 10 Jahre sind für die 
Rente von größter Bedeutung, da sie mit 1 / i angerechnet 
werden, die folgenden nur zu t / s . Die Leistungen der 
Versicherung bestehen in Ruhegeldern. Hinterbliebenen 
renten. Sie gehen nicht über ein Existenzminimum hinan«, 
vor allem verglichen mit den Ruhegehältern der städtischen 
Arbeiter. Ein Heilverfahren kann von der ReichSoer- 
sichrrungSanstalt getroffen werden, doch besteht kein Anspruch 
darauf. Die Frage, ob die deutsche Bolttwirtschaft die 
neue Belastung vertragen kör.ne, muß man bejahen. E« 
ist nach der Hurrastimmung dem Gesetze nach der Meinung 
mancher ein gewiffer Katzenjammer gefolgt. Doch Ha« 
ist zu bedauern. Denn da« Gesetz bedeutet doch einen 
wesentlichen Fortschritt. — An der Besprechung, di« stch 
sehr lebhaft gestaltete, nahmen teil die Herren Kasten, 
Peine, Justizrat Reinbacher. Dieser erwähnte, baß da« 
Gesetz doch mancherlei Unklarheiten und Härten enthalte. 
Doch werde e« auch viel Segnungen bringen. Unerfreulich 
ist, daß die Leistungen so gering sind» doch würden auch 
darin hoffentlich Besserungen eintreten. E« sprachen ferner die 
Herren Schmeder, Trautmann, Dürr. Der Berichterstatter 
teilt zum Schluß noch mit, daß tn der ReichSoerstcherungS- 
anstalt die Meinung besteht, eS werde bald eine Erhöhung der 
Leistungen eintreten.. Zu den Verkehrs- und Jnteressen- 
fragen verliest der Vorsitzende ein Antwortschreiben der 
Eisenbqhndirektion auf den Antrag de« Beretn«, am Güter 
bahnhof Friedenau Stllckgutoerkehr einzurichten. Die Ein 
richtung einer Annahmestelle für Stückgüter wird danach 
abgelehnt. E« 'wird ein Ausschuß gewählt, um die Frag« 
nach dem Bedürfni« näher zu untersuchen. Mitglieder 
diese« Ausschusses sind die Herren Nickel, Albrecht, Panzer- 
bieter. 2S wird ein Schreiben verlesen, in dem verlangt 
wird, daß Schöneberg dem Beispiel der Nachbargemeinden 
folgend, ein Theater errichtet. Herr Justizrat Reinbacher 
würdigte den Antrag und bittet, ihn weiter zu verfolgen. 
Herr Panzerbieter wünscht eine Verschönerung bk« Eingang« 
zum Wannserbahnhof. Herr Schmede« spricht, unter Be 
zugnahme auf das Gesetz gegen Verunstaltung der Lltnd- 
schäften, für den Antrag und schlägt vor, den „Ausschuß 
für Bauberatung" zu Hilfe zu rufen; drSgl. an den Magistrat 
zu Schönebrrg zu gehen. ES entspann sich daun noch 
eine Debatte über die Ausschmückung de« DürerpIatzeS. 
Herr Magistcatraffeflor Heilgendorf macht die mit Beifall 
aufgenommene Mitteilung, daß an der Friedenauer Brücke 
vor dem Restaurant Rembrandt eine Bedürfnisanstalt hin- 
kommt, in die zugleich ein ZeitungSverkauf und Fern 
sprecher untergebracht wird, vorn ein« Belehrung«- und 
hinten eine EntleerungSanstalt. wie Herr Justizrat Rein- 
bacher eS nannte. ES wird beschlossen, einen Antrag an 
den Magistrat und die Eisenbahndirektion gehen zu lassen 
zwecks gärtnerischer Ausgestaltung der Eingangs zum 
Wannseebahnhof vom Dürerplatz auS. Schluß 11*/ 4 Uhr. 
o Edith von Boigllaender gibt ihr zweites 
Konzert zu populären Preisen tm Verein mit Severin 
Eisenberger und unter gütiger Mitwirkung der Königl. 
Hof Opernsängerin Frl. Lola Arlöt de Padrlla am nächsten 
Montag, dem 13. Januar, tn der Sing-Akademte. Karten 
zu 3, 2 und 1 M. bet Bote & Bock und Wertheim. 
o Die Ortsgruppe Berlin - Friedenau de« 
Deutschen FlottenvereinS veranstaltet ihren nächsten 
Unterhaltung-abend am Montag, 13. Januar, Abend« 
S'/ 2 Uhr im Fcstsaal in der Homuthstraße. C- Tr,. Herr 
Generalleutnant v. Wrochem spricht über die Frage, 
wir für den nächsten Krieg gerüstet? — Am Montag. 
20. Januar. Abend« 8'/, Uhr findet im Kaiser-Wilhelm- 
Garten die Generalversammlung der Ortsgruppe statt. $ 
dieser haben nur stimmberechtigte Mitglieder Zutritt 
o Der Krieger- und Landwehr-Verein hm 
morgen Abend >/;9 Uhr im „Hohenzollern" seine Mon^«- 
Versammlung. Wegen der wichtigen Tagesordnung: «e- 
schlußfaffung über die soziale Fürsorge und Beitrags 
erhöhung, ist zahlreicher Besuch notwendig. ^ „ 
o Die Jagd nach den M lllonen de« Nachlasses 
LouiS Perrier», des bekannten Parlamentariers Frankreich«, 
hat die französische Presse längere Zeit in Atem gehalten. 
DaS viofontheater in der Rheinstr. 14 bringt dre sensa- 
tionellett Vorgänge diese- außergewöhnlichen Falles tn 
recht anschaulicher und fesselnder Weise in guten Bildern 
zur Vorführung. Rasfinierte Erbschleicherei bringen die 
einzige Erbin beinahe um ihren Besitz, der schon einem 
Schwindler paar, Anna R'quier und deren Bruder ausge 
zahlt werden solle, als im letzten Augenblick Nelly Perter, 
die NHte d.S Erblassers, ein junges hübsches Mädchen 
erschien. Tie Betrüger werden entlarvt und entgehen nicht 
der wohlverdienten Strafe. CS ist ein äußerst spannende« 
Schauspiel in 3 Akten, daS sich da vor unseren Angen ab- 
rollt. Auch da« Lebensbild „Wiedergefunden" titt« «r-t- 
komödie in 2 Akten ist gut gespielt und inszeniert. Reisen 
durch die Türkei, da« schwarze Meer zeigt tn bunter 
Bitderfolge den größten Binnensee. Wochenschau von 
GanNtont ist wieder sehr abwechslungsreich und die 
humoiWschen Baben, Nunne im Lunapark, und der 
schüchtern« Joseph stnd sehr drastisch und reizen zum Lachen. 
Kinder zahlen bis 8 Uhr 10 Pfennig, Sonntag« 20 Pfg. 
Entree. 
o I« de« Pfalzburg'Lichtsplele«, Kaiserallee 72, 
gelangt von morgen Abend ab ein neuer Eliteprogramm 
zur Borführung mit dem Hauptschlager „Die Katzenbarontn", 
großer SensattonSdrama tn 3 Akten. Wir empfehlen 
unseren Mitbürgern den Besuch in diesem behaglichen Licht 
spieltheater. 
o WrostrS Bockbierfest verbunden mit Schlachtefest 
findet morgen Sonnabend, dem 11. Januar tm Restaurant 
„Rembrandt", Brckerstr. 12 an der Friedenauer Brücke 
statt. Dem Inhaber des Lokals Herrn Anton Zieroff ist 
«S gelungen,'für diesen Abend eine Original-Oberbayrische 
vauernkapelle zu gewinnen, die mit ihren musikalischen 
Darbietungen, mit Schuhplattler-Tänzen und Gesängen 
die Gäste unterhalten wird. Daß die frische Blu(- und 
Leberwurst von tadelloser Güte und feinstem Geschmack ist, 
auch die Getränke im .Rembrandt" gut gepflegt stad und 
ausgezeichnet munden, dürfte allen Gästen drS vornehmen 
Familten-RkstaurantS bekannt sein. 
o Der Orpreffer als Wahnsinniger Im Eisen 
bahnabteil ist die neueste Leistung eine« Betrüger«, der' 
vornehmlich die Wannseezüge als Feld seiner verbrecherischen 
Tätigkeit auSersehen har. Auf den Stationen Friedenau, 
Steglitz oder Botanischer Garten steigt ein gut gekleideter 
etwa 80—35 Jahre alten Mann in ein Abteil 2. Klaffe, 
aber nur, wenn eine Person darin sitzt. Besonder« hat 
er e« auf die Nichtraucherabteile abgesehen, wo zumeist 
Damen sitzen. Hat stch der Zug in Bewegung gesetzt, dann 
fängt der „Geisteskranke" an zu gestikulieren und hantiert 
mit einem Zigarrenabschneider tn Reooloerform oder ähn- 
lichem Werkzeug herum, so daß die Mitfahrenden nicht 
wagen, Lärm zu schlagen, um den Wahnsinnigen nicht 
zu reizeir. Dann hält er plötzlich die offene Hand hin. 
stößt einige unverständliche Worte au«, wobei die Worte 
„Geld haben" einzig zu verstehen sind. Die Geängstigt«« 
geben dann gewöhnlich ein vermeinticheS Lösegeld, worauf 
der Wahnsinnig« mit wilden Bicken auf der nächsten 
Station anSsteigt. Trotzdem mehrere Fälle gleich gemeldet 
wurden, gelang eS noch nicht, den Erpresser mit dem neütn 
Trick abzufassen. Er dürfte aber seinem Schicksal nicht 
entgehen, denn der Erfolg macht bekanntlich dreist.»; 
o Sin gefährlicher Hochstapler verhaftet. Der 
auch hier „bekannte", in der Peschkestraße wohnhaft ge 
wesene, 33 Jahre alte Kaufmann Benno WormS, der 
schon lange steckbrieflich verfolgt wird, ist endlich in Berlin 
verhaftet worden. W. ist bereits mehrfach mit Zuchthaus 
vorbestraft. Seine Spezialität besteht dattn, sich ln 
eleganter Aufmachung an Damen heranzumachen und 
ihnen Unterschriften auf hohe Wechsel zu entlocken. So 
tst eine Dame um .23 000 M.. eine andere um 30 000 M. 
geschädigt worden. Wie hierzu auS Stettin mitgeteilt 
wird, hatte stch Worms dort verschiedenen angesehenen 
Personen gegenüber, namentlich Geldgebern, als Bevoll- 
mächttgter der Prinzessin Luise von Bulgarien ausgegeben 
und erklärt, daß er für die Prinzessin Geld zu suchen 
beauftragt sei. Natürlich hatten alle, die mit W. in Be- 
rührung kamen, keine Ahnung von seiner Vergangenheit. 
In der Peschkestraße ließ stch WormS nicht mehr blicken, 
da er genau wußte, daß die Kriminalpolizei sich für ihn 
sehr tateressierte. Die Zahl der von WormS Geneppten 
dürfte eine recht große sein. Er führte seit mehreren 
Monaten ein auIgesprocheneS Abenteurerleben, sodaß seine 
Festnahme sehr schwierig war. Die bedauernswerte Familie 
lebt in dürftigen Verhältnissen und war mehrfach auf 
fremde Hilfe angewiesen. 
ü Gl« blutiger „Zwischenfall" ereignele stch 
gestern Abend nach 9 Uhr an der Eck« der RhM- und 
Kirchstraße. Ein etwa« angetrunkener Arbeiter wollte die 
Liquörstube 5. la Gerold besuchen, kehrte aber nach einem 
Einblick in dar für ihn zu elegante Lokal um und ging 
einige Schritte rückwärts. Hierbei geriet er zwischen ein« 
Hund und «inen Kinderwagen, welch letzteren ein Mädchen 
schob. Der Schwankende verlor da» Gleichgewicht Mb 
fiel über bat boxt befindliche niedrige vorgarlsügNter in 
die „Anlagen". An diesen war nicht« zu ruinieren, aber 
die Nase konnte den Anprall auf da« Erdreich nicht au«- 
halten und blutete ganz erheblich. Es kamen tiniqe 
andere Arbeiter hinzu, die den Gefallenen (Engel, mit »or- 
"amen Wilhelm aus Steglitz, Mommsenstratze soll tk □«- 
wesen fein) wieder auf die «eine halsen. Sie führten ihn
        
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