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Periodical volume Nr. 78, 03.04.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

drssen Besitz zu setzen suchen, wenn'nicht huf rechtmäßig«, 
dann auch auf andere Weise. Welche Befriedigung ge 
währt eS, wenn man gar besonder« fähige und strebsame 
junge Menschen derart fördern und ihnen die Wege weisen 
kann, daß sie sich zu einer besseren Existenz emporarbeiten! 
Gerade so wie sich der Körper de« Jugendlichen in einer 
stürmischen Entwickelung befindet, so tobt e« auch in seiner 
Seele. Der Autoritätsglaube gerät in« Wanken; er 
zweifelt nicht selten alleS an, waS ihm früher lieb und 
heilig war. Wenn noch darauf hingewiesen wird, daß daS 
nachfchulpslichtige Alter die Zeit der beginnenden Ge 
schlechtsreife ist, so dürfte genugsam angedeutet sein, daß 
Jugendpflege im vollem Sinne deS Wortes eine eigene 
und äußerst schwere Arbeit ist, bei der es durchaus nicht 
an erhebenden Erfolgen, aber auch nicht an bitteren Ent 
täuschungen fehlt. Sie läßt sich nicht kommandieren, sie 
läßt sich eigentlich auch nicht bezahlen. Noch so vorsichtig 
erwogene Statuten, noch so vorsichtig zusammengesetzte 
Ausschüsse wollen wenig besagen, wenn sich für die prak 
tische Arbeit nicht Persönlichkeiten finden, die ihrem 
Charakter nach zu solchem Werke geeignet sind, die sich zu 
drssen Ausübung innerlich berufen und gedrungen fühlen. 
Möchte innige Liebe zu der heranwachsenden Jugend, auf 
der unseres Volker und Landes Zükunft beruht, und 
heilige^ Begeisterung zu tätiger Mitarbeit weite VotkSkcrise 
erfassen; damit die Klag« verstummt: „Die Ernte ist groß, 
aber wenige sind der Arbeiter.^ —I. 
— -■ - — 
. Lokales 
(Nachdruck unserer o-Originalartikcl nur mit Quellenangabe gestattet.) 
o Die Vorgartenfrage in Groß-Berlin. Der 
Regierungspräsident in Potsdam hat bekanntlich eine 
allgemeine Revision der Vorgärten angeordnet. ES soll 
untersucht werden, ob Verstöße gegen Paragraphen der 
Baupoltzetordnung vorgekommen find. Beseitigte Vorgärten 
sollen wieder instand gefitzt, in den sogenannten Verkehrs- und 
Geschäftsstraßen sollen an Stelle der Vorgärten Nasen- 
stretfen von 3 Meter Breite angelegt werden. Die 
Gemeindeverwaltungen haben Erhebungen anzustellen, und 
die Gemeindevertretungen haben festzulegen, welche Straßen 
künftig als Geschäfts-, Verkehrs- und Wohnstraßen anzu 
sehen sind. Das gibt ein« Unmenge von Arbeit und 
Verdruß. Der Regierungspräsident bezweckt nämlich eine 
einheitliche Regelung der Vorgartenfrage; die betreffenden 
Grundstücksbesitzer sollen in den VerkehrSftraßeu der ver 
schiedenen Vorortgemeinden daS Vorgartengelände für 
immer kosten- und lastenfrei an ihre Gemeinde abtreten. 
Dagegen will der Regierungspräsident erwägen, ob nicht 
mildere Bestimmungen der Baupolizeiordnung eintreten 
könnten und hat sich deswegen auch mit dem Polizei 
präsidenten von Berlin in§ Einvernehmen gesetzt. Gegen 
die Anlage von Rasenstreisen in den VerkehrLstraßen haben 
sich die Oberhäupter einiger Gemeinden, wie Reinickendorf 
und Friedenau, ausgesprochen und sind in Verhandlungen- 
mit der Regierung eingetreten. In Reinickendorf haben 
übrigens schon verschiedene Hausbesitzer sich bereit erklärt, 
ihr Vorgartenland der Gemeinde aufzulassen. In 
Friedenau hat man die Rheinstraße als Geschäftsstraße 
und zwei andere Straßen als VerkehrLstraßen festgelegt; 
in Groß-Lichterfelde hat man die Straßen in der Nähe 
der Bahnhöfe, so die Moltkestraße zwischen Steglitzer 
Straße und Botanischen Garten, die verlängerte Wilhelm- 
straße, als VerkehrSstraßen bestimmt, in Reinickendorf ist 
dies ebenfalls mit zwei Straßen geschehen. Die gleiche 
Angelegenheit beschäftigt auch alle anderen Groß-Berliner 
Gemeinden. Wie wir aus zuverlässiger Quelle erfahren, 
werden die Erhebungen alsbald abgeschlossen sein und die 
einheitliche Regelung ist in der allernächsten Zeit zu er 
warten. — In Friedenau ist man behördlicherseits bemüht, 
die Rasenstreifen in der belebten Kirchstraße nicht anlegen 
zu müssen, die Verhandlungen in dieser Beziehung 
schweben noch. 
o Grundwertsteuer. In den Berliner Vororten 
wird zurzeit der Boden nach dem gemeinen Wert ver 
steuert. Von seiten der Terraininteressenten werden die 
OeffeNtlichkeit und die Regierung dahin bearbeitet, die 
Bodenbesteuerung ausschließlich nach dem ErtrogSwert ge 
setzlich flstzulegen. Für daS flache Land ist diese Forderung 
berechtigt und durchführbar, anders bei den Terrains der 
großstädtischen Bodenspekulation. Die Berliner Vorort- 
gemeinden haben fast durchweg die unbebauten Rirserr- 
terrainS der Bodenspekulation zu einem erhöhten Steuer 
ntoj» ungünstig. Wenn er auf den Landsitz hinausfuhr, 
lernte er gleichzeitig die Herrin — mutmaßlich auch den 
Herrn —, den präsumtiven Zögling, das gesamte Mlieu 
kennen. Er konnte sich ein Urteil bilden, sich entscheiden. 
Er warf einen kurzen Blick auf den kleinen Menschen, 
der ruhig wartend vor ihm stand; dann sagte er ent 
schlossen : „Ich komme mit." 
Der Livrierte ließ einen Bedüg herbeirufen. In zehn 
Minuten hielten sie vor dem Stettiner Bahnhof. Sie 
konnten' getade den nächsten Zug noch erreichen. 
Schweigsam legten sie die erste Strecke der Fahrt 
zurück. Beim Einsteigen hatte der kleine Mensch sich kurz 
vorgestellt: 
„Mörbe, Gustav Mörbe. Ein unbrauchbarer Invalide, 
wie Sie sehen. Ich esse das Gnadenbrot der gnädigen Frau." 
Dann hatte er sich still in eine Ecke des leeren Ab 
teils gesetzt, und nachdem er ein paarmal Mit der Hand 
durch den struppigen, roten Schnauzbart gefahren war, 
hatte er eine Zeitung heröorgehvlt, in die er sich angelegent 
lich vertiefte. Nur ab und zu flog feilt Blick zu dem 
Fremden hinüber, der in das öde Landschaftsbild hinaus 
blickte. 
Es war ein grauer, regnerischer-Äag, der nach der 
langen Reihe sonniger Frühlingstage doppelt häßlich erschien. 
Ein böiger West trieb den Regen gegen die Fenster 
des Abteils und schüttelte die kahlen Aeste am Sauin der 
Landstraße. Aus den graubraunen Ackerschollen stiegen 
Schwärme schwarzer Krähen auf. Nirgends Farbe, nirgends 
Licht. Nur über den kleinen Gärten der Dörfer, durch die 
sie fuhren, lag ein zartgrüner Schimmer auf Hecken und 
Büschen, den die Sonnentage hervorgelockt hatten. 
Mörbe bat um (sie .Erlaubnis, eine Zigarre anstecken 
zu dürfen. Rolf, der.bisher jede Frage ängstlich vermiede» ^ 
satze gegenüber den bebauten Grundstücken herangezogen, 
weil die Hausbesitzer die KanalisationSIaften allein tragen 
und die übrigen Personalsteuern mit aufzubringen haben. 
Gegenüber den Rirsengewinnsten der großstädtischen Boden 
spekulation, die in keiner Weise an den allgemeinen Losten 
mitträgt, aber die Früchte der großstädtischen Anhäufung 
von Menschen. Kapital und Arbeitskräften in Riesenge- 
winnsten fortnimmt, ist eine dem gemeinen Werte angepaßte 
Bodenbesteuerung durchaus am Platze. Dir Aufhebung 
dieses SteuermaßstabeS und di« Ersetzung durch ein« Be 
steuerung nach dem Ertragswert würde die brach liegenden 
TerrainS der Bodenspekulation überhaupt nicht oder nicht 
nach ihrer Leistungsfähigkeit heranziehen, dagegen die 
Etats sämtlicher Vorortgemeinden ernstlich gefährden. Für 
die entstehenden Steuerausfälle würden nicht bloß die Be 
sitzer der bebauten Grundstücke, sondern die Allgemeinheit 
herangezogen werden. Welche? Jnleresse liegt vor, die 
Allgemeinheit steuerlich zu belasten, um die Bodenspeku 
lanten zu entlasten? Will man solche TerrainS steuerlich 
entlasten, die dauernd landwirtschaftlich oder gärtnerisch 
benutzt werden, so darf eine solche Ausnahme nicht für 
TerrainS der Bodenspekulation ermöglicht werden, die in 
Wirklichkeit der Terrainsprkulation dienen, wohl gar schon 
parzelliert und kanalisiert sind, aber zwecks Gewinn- 
erzielung oder zwecks steuerlicher Entlastung gärtnerisch 
oder landwirtschaftlich benutzt werden. 
o Ein neues Verkehrsbuch der „Großen 
Berliner Ttraßenbahn" wird vom 3. April an itt 
den Wagen der Straßenbahn von den Schaffnern, sowie 
in sämtlichen Buch, und Papierhandlungen verkauft. Der 
Kaufpreis des Buches beträgt 25 Pf., ebenso wie bei dem 
früheren „Berliner Wegweiser", an dessen Stell« es tritt. 
ES weift ihm gegenüber einschneidende Aenderungen ^mf. 
Während der „Wegweiser" bloß die Fahrpläne und ein 
Straßenverzeichnis mit Plan enthielt, ist der Inhalt deS 
„BerkehrSbucheS" bedeutend reichhaltiger geworden. Die 
Fahrpläne mit Linienbildern, Verzeichnisse der Sehens 
würdigkeiten, Stadtplan usw. enthält eS ebenfalls, doch 
tritt ein neuer umfangreicher Abschnitt hinzu, der den 
wesentlichsten Teil deS Buches darstellt. Er ermöglicht eS 
dem Leser, auf schnellstem Wege alle Straßenbahnver 
bindungen ausfindig zu machen, die zwischen zwei be 
liebigen Punkten Groß-BerlinS bestehen. Zu diesem 
Zwecke ist die ganze Fläche GroßberlinS in kleine Ber- 
kehrSbezirke eingeteilt, deren Mittelpunkte als „Verkehrs- 
punkte" bezeichnet und mit fortlaufenden Nummern ver 
sehen sind. In einem Verzeichnis sind sämtliche zwischen 
den einzelnen VerkehrSpunkten bestehenden Verbindungen 
ebenso wie die Fahrtdauer angegeben. Außerdem ist noch 
ein Straßenverzeichnis vorhanden, in dem auch die öffent- 
lichen Gebäude und Anstalten, Sehenswürdigkeiten, größer« 
Geschäfte usw. angegeben sind. DaS Format deS Buches 
ist, trotzdem «S fast 550 Textfciten enthält, recht handlich 
und bequem. Die Benutzung ist so einfach, daß sie von 
jedem BSkMlet und wohl auch vörk den Fremden leichk er 
lernt werden wird. Mit diesem Buche wird einem viel 
fach empfundenen Mangel abgeholfen. Die meisten Be 
wohner GroßberlinS wußten bisher kaum über die 
Straßenbahnlinien hinaus, die sie regelmäßig benutzten, 
Bescheid und geritten in Verlegenheit, wenn sie einmal 
eine Fahrt nach ungewohnten Gegenden antreten sollten. 
Rach Erscheinen deS neuen BerkehrSbucheS wird dieser Fall 
wohl nicht mehr! so leicht eintreten. 
o Nene Züge auf der Wanoseebahn. An den 
Werktagen werden im Sommerfahrplan folgende neue 
Züge auf der Wannseebahn eingelegt: ab Zehlendorf Mitte 
12 Nhr 14 Min. Nacht« (bis Wannfee), ab Wannfre 
12 Uhr 27 Min. RachtS (bis Zehlendorf Mitte), ab Berlin 
8 Uhr 35 Min. früh (bis Steglitz) und ab Steglitz 3 Uhr 
45 Min. früh (bis Berlin), ab Wannsee 12'Uhr 48 Min. 
Abends (bis Potsdam) und ab Potsdam 12 Uhr 50 Min. 
RachtS (bis Wannfee). An der Potsdamer Vorortstrecke 
verkehrt ein neues Zugpaar ab Wildpark 3 Uhr 59 Min. 
Nachmittags, ab Werder 3 Uhr 58 Min. Nachmittags. 
o Für den AuSflugSverkeyr nach Johannisthal 
«nd Grünäu ist im Sommerfahrpian der Stadt- und 
Vorortbahn besonders Rücksicht genommen worden. An 
den Werktagen werden fünf neue Zugpaare, drei davon 
aber nur in den Monaten Juni bis August, zur Beförderung 
gelangen. Auf der Görlitzer Vorortstrecke werden ebenfalls 
fünf neue Zugpaare nach und von Grünau verkehren. 
' o Der Berliner Personenverkehr im Jahre 
1918. Wie kürzlich gemeldet wurde, hat die Verwaltung 
hatte in der Sorge, neugierig oder indiskret zu erscheinen, 
benutzte die Ansprache des Invaliden, um sich nach dem 
Ergehen des kleinen Kranken zu erkundigen. 
,,Unser Hans" — als er nur den Namen nannte, 
leuchtete es in den Äugen des kleinen, unscheinbaren 
Menschen auf — „er hat's ein bißchen auf der Lunge, 
aber er macht sich schon wieder heraus. Die gnädige Frau 
ist gar zu ängstlich." 
Dann fuhren sie schweigend weiter, und während 
draußen durch den grauen Regennebel die Gestalt der Frau 
mit den Hyazinthen an Rolfs träumenden Augen vor 
überzog, beobachtete der kleine Mensch über den Rand 
der Zeitung fort jede Linie, jeden Ausdruck des stillen, 
vornehmen Gesichts, jede Bewegung der schlanken, jugend 
lichen Gestalt. 
In einer Stunde hatten sie die Bahnstation erreicht. 
Ein geschlossenes Kupce wartete auf die Reisenden. Der 
Kutscher in unauffälliger kaffeebrauner Livree zog den 
Hut, dann ging die Fahrt auf der aufgeweichten Land 
straße an kahlen AeckerN Und kleinen Dörfern vorbei. In 
einer halben Stunde wär Kleiu-Wkossow erreicht. 
Der Wagen hielt an eittem SeitenAngaNg des im 
Stil eines englischen Landhauses erbauten Schlößchens. 
Ein alter Diener öffnete den Schlag. Mürbes erste Frage 
war nach dem jungen Herrn. 
„Der Herr Geheinirat wärest schon hier mit dem 
zweiten Zug. Der Herr Geheimrat waren nicht unzu 
frieden." 
Der alte Diener wandte sich zu Rolf: 
„Die gnädige Frau lassen bitten, in den kleisten Salon." 
Mörbe verabschiedete sich, um nach dem jungen Herrn 
zu sehe». Rolf wurde über eine halbe Treppe in „den 
tlciue» Salon" geführt. 
der Hoch- und Untergrundbahn dar am 26. November 1912 
eingeführte Rauchverbot wieder aufgehoben, da sich 
ungünstige Folgen dieses Verbotes für die Benutzung der 
Bahn gezeigt haben. Der Rückgang des Verkehrs auf der 
Hochbahn dürfte jedoch außer auf das Rauchverbot auch 
auf andere Ursachen zurückzuführen sein, da er sich bereit« 
vor dem November 1912 gezeigt hat, und da auch bei 
allen anderen Verkehrsanstalten GroßberlinS die Zunahme 
deS Jahres 1912 wesentlich geringer war als diejenige der 
Vorjahre. Wie wir dem zweiten Bande des Berliner 
Jahrbuchs für Handel und Industrie (Jahresbericht der 
Aeltesten der Kaufmannschaft von Berlin) entnehmen, 
wurden im ganzen im Jahre 1912 auf der Hoch- und 
Untergrundbahn 06,2 Mill. Personen bcfördet, also nur 
0,5 Mill. mehr als 1911, während die Zunahme im Vor- 
jähre 7,2 Mill. betrug. Auf der Stadt- und Ringbahn 
wurden im Jahre 1912 171,86 Mill. Fahrten zurück 
gelegt, d. h. nur 1,178 Mill. mehr als 1911, während in 
den beiden Vorjahren die Zunahme 6,706 und 7,525 Mill. 
betrug. Die Zunahme entfällt ausschließlich auf die Ring 
bahn, während der Verkehr auf der Stadtbahn abge 
nommen hat. Der Verkehr in der zweiten Klasse ist viel 
stärker gewachsen als derjenige in der dritten. Auf der 
Stadtbahn hat sich die Benutzung der dritten Klasse sogar 
erheblich verringert. Auch der Verkehr auf der Großen 
Berliner Straßenbahn zeigte im Jahre 1912 mit 463,9 
Mill. Fahrten nur eine Zunabme von 16,8 Mill. gegen 
28.3 Mill. im Vorjahre und 31,1 Mill. in 1910. Der 
Omnibusverkehr wies 1912 157,6 Mill. Fahrten auf, was 
gegen 1911 eine Zunahme von 4.751 Mill. bedeutet. Im 
Vorjahre betrug die Zunahme 8.178 M., im Jahre 1910 
10,051 M., im Jahre 1909 20,757 Mill. Ueberall zeigt 
sich also eine wesentliche Verringerung der Zuwachsrate. 
Eine Vergleichung deS Droschkenverkehrs des JahreS 1912 
mit dem Vorjahre ist wegen Aenderung der Statistik nicht 
möglich. Linen Rückgang wies die Personenfchissahrt auf. 
Die DampfschiffahriS-Gesellschaft „Stern" beförderte im 
regelmäßigen Verkehr 1912 2 490 487 Personen gegen 
3 030 530 Personen im Jahre 1911. Zu Sonderfahrten 
wurden 1103 Dampfer und Motorboote gestellt gegen 
1110 in 1911. Dieser Rückgang wurde namentlich durch 
die kühle Witterung deS August und September hervor 
gerufen. 
o Der Botanische Garten in Dahlem ist jetzt 
wieder jeden Sonntag, Dienstag, Mittwoch und Freitag 
von 2 bis 7 Uhr unentgeltlich für das Publikum geöffnet, 
die"GewächShäuser von 10 bis 12 und 1 bis 6 Uhr. DaS 
Botanische Museum ist von 11 bis 2 Uhr jeden Sonntag 
und von 10 bis 5 Uhr jeden Mittwoch geöffnet. 
o Gegen die Naturverfchandelung durch AuS- 
heben von Pflanzen und Abrupfen der Blüten richten sich 
die Behörden, indem sie jede Uebertretung unnachstchtlich 
mit Strafe bedrohen. Das AufsichtSpersonal hat die An 
weisung erhalten, derartigen Frevel unnachstchtlich zur 
Anzeige zu bringen, während Eltern und Erzieher datäuf 
aufmerksam gemacht werden, daß sie unter allen Umständen 
haftbar sind, selbst wenn sie nachweisen können, daß Kinder 
mädchen usw. anbefohlen worden ist. in dieser Beziehung 
darauf zu achten, daß die Kinder nichts begehen, waS mit 
den bestehenden Vorschriften im Widerspruch steht. 
o Der Heilpflcgevereiu für kränkliche und 
schwächliche Kinder des Mittelstandes, e. V., Vor- 
sitzender Generalmajor z. D. von Loedell, hielt am 8. März 
in Magdeburg feine diesjährige Hauptversammlung ab, 
über deren Verlauf wir bereits berichteten. Für die 
Pflegeperiode 1913 liegen schon jetzt über 120 Anmeldungen 
vor. Anmeldungen für die 1. Kürzest vom 3. bis 30. Mai 
wolle man daher schleunigst an die Geschäftsstelle in 
Werder a. H. richten, von der auch die Aufnahme 
bedingungen zu beziehen sind. Außerdem nimmt auch die 
Geschäftsstelle unseres Blattes, Rhrinstraße 15, für die 
hiesige Ortsgruppe deS HrilpflezevereinS Anmeldungen 
von pflegebedürftigen Kindern entgegen. Für eine vier 
wöchige Kurzeit sind einschließlich Eisenbahnfahrt 100 M. 
zu zahlen. Die Ortsgruppe gewährt jedoch Beihilfen von 
25, 50 M., evtl, auch Freistellen. Eine diskrete Be 
handlung der Angelegenheit wird zugesichert. Endlich fei 
hier noch eine Anregung ausgesprochen. Ueberall im 
deutschen Vaterlande schaffen die Behörden im Jubiläums- 
und LrinnerungSjahre 1913 besondere Stiftungen für 
gemeinnützige Zwecke. Würde e8 da nicht angebracht fein, 
auch der Erhaltung eines gesunden, arbeitSfrohrn mittel- 
ständischen Nachwuchses einmal zu gedenken f Der Hril- 
Der kleine Salon war ein mäßig großes Zimmer, in 
ovaler Form. Die Wände mit einer blassen, flieder 
farbenen Seide bespannt. Sessel, Diwan und Ecksofa mit 
dem gleichen Stoff überzogen. Naturfarbenes Mahagoni 
holz umrahmte die Stühle, war für die Tische, Türen 
und den Plafond verwendet worden: 
Auf dem Tisch vor dem Ecksofa stand eine Kristall- 
schale, mit Narzissen und Tulpen bis an den Rand gefüllt. 
Das große, fast bis an den Fußboden reichende Fenster 
ging nach dem Park. Eine kleine Tür zur Rechten führte 
geradeswegs in das Warmhaus. Durch eine Scheibe, die 
nur zur Hälfte mit fliederfarbener Seide bespannt war, 
sah man auf eine bunte Fülle terrassenförmig aufgestellter 
blühender Topfgewächse. 
^n stummem entzücken gingen Roiss Augen umher. 
Diesen Ton, diese Stimmung hatte er sich früher einmal 
für ein Künstlerheim geträumt. So in sanften, gebrochenen 
Farben, viel Blumen, den Blick durch hohe Fenster mitten 
hinein in das Herz der Natur. 
Seine entzückten Augen waren bald heimisch in dem 
Raum. Da und dort cm den Wänden entdeckte er einen 
wertvollen Stich, zumeist nach englischen Meistern. Einen 
Reynolds, einen Lawrence, zwei Gainsboroughs. 
«so vertieft war er in das Anschauen der Bilder, daß 
er das leise Oeffnen der Tür ihni gegenüber überhört hatte. 
Erst jetzt, als Schritte sich ihm nahten, sah er auf. Um 
ein geringes von ihm entfernt stand eine Frau mit dunkel 
blondem Haar und zartem Teint, mit grauen, klug blicken 
den Augen, mit feine», weißen, lässig herabhängenden 
Händen — die Frau mit den Hyazinthen! 
(Fortsetzung folgt.)
        
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