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Periodical volume Nr. 76, 01.04.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

zu zahlen und schließlich 6. die nach § 4 deS Vertrages 
vom 14., 15., 16., 18. April 1898 für die Reinigung und 
vesprengung deS Bahnkörpers zu zahlende Entschädigung 
von 0,50 M. für daS lfd. Meter Doppelgleis auf 0,60 M. 
zu erhöhen. 
Dagegen übernimmt die Gemeinde: a) daS Erdplanum 
nach den erforderlichen Höhen herzustellen, sobald das 
Pflaster auf die Seite gebracht worden ist, h) die Rasen 
flächen herzustellen und dauernd zu unterhalten, c) die 
Hauptentwässerungskanäle nebst Anschlüssen für die Ent- 
wäfferungSschächte herzustellen, sowie die Abschlußrinnen 
seitlich der Bürgersteige herzustellen und ü) soweit nötig, 
die Tiergartengitter umzusttzen. Wenngleich . auch diese 
Vorschläge der Straßenbahn nicht in jeder Beziehung 
unsere Wünsche erfüllen, so müssen wir sie doch anderer- 
seit», brsonder» mit, Rücksicht darauf, daß auf weitere Zu-, 
geständniff« der Gesellschaft nicht mehr zu rechnen ist,, für 
annehmbar halten. Eine genaue Berechnung der uns ent- 
stehenden Kosten werden wir in der Sitzung/ noch .vor^ 
legen.. Wir beantragen, befchließen zu wollen: Da?. An 
gebot der westlichen Berliner Vorortbahn, wie es in der 
Vorlage ausgeführt und diesem Protokoll als Anlage bei 
gefügt ist, wird angenommen. 
Lokales 
(Nachdruck unserer o-Originalartikel nur mit Quellenangabe gestattet.) 
o Vom Monat April. Der April (Aprilis mensis) 
leitet seinen Namen von dem Wort „aperire“ d. h. „er 
öffn?»" ab, denn er erschließt uns gewissermaßen die 
bessere. Jahreszeit. Karl der Große bezeichnete ihn als 
Oftrttnonat (Ostermond), altnordisch wird er Sadtid, Gras- 
moyat. -.genannt. 
o Ablauf der Ruhezeit. Für die auf dem hiesigen 
Friedhöfe im Jahre 1882 durch Erwachsene und im Jahre 
1898 durch Kinder belegten Grabstellen ist die Ruhezeit 
abgslqufen. Bei guter Instandhaltung der Grabstellen 
kann die Ruhezeit für Erwachsene auf weitere 30 Jahre 
und für Kinder auf weitere 20 Jahre verlängert werden. 
In, diesen Fällen sind die Grabstellen neu zu erwerben. 
Nähere- ersehen die Beteiligten aus der amtsichen Bekannt- 
mqchung in dieser Nummer. 
o Einebnung von Grabstellen. Da ein großer 
Teil, der auf dem hiesigen Friedhöfe liegenden Reihengräber 
nicht, ordnungsmäßig unterhalten wird, die Gräber sich in 
einem ungepflegten und verfallenen Zustande b, finden, hat 
die FriedhofSoerwaltung beschloffen, diese Grabstellen ein 
ebenen und mit GraS besäen zu lasten, falls sich die An 
gehörigen der daselbst beerdigten Personen nicht bereit er 
klären, innerhalb 6 Wochen die Gräber wieder instand 
zu setzen.. 
o Au «uferen Gemeindeschulen hat der Unterricht 
gestery begonnen. In den höheren Schulen beginnt das 
neij'e, Schuljahr am 3. April. Die großen Ferien nehmen 
an; 4. Juli, für höhere und Gemeindeschulen gleichmäßig, 
ihren Ansflng. 
o Unsere Pflicht »Fortbildungsschule (Leiter 
Herr Rektor Kaül) wies am Schluffe des Schuljahres 248 
Schüler auf, Der Unterricht geschieht jetzt, in 9 Klasten 
vorj . 12 Lehrern. 31 Schüler wurden diesmal wegen 
Vollendung des 17. Lebensjahres entlasten. Wegen guter 
Letftpngen . und lobenswerten Betragens konnten mehrere 
Schüler mit Prämien bedacht werden.. Den Lehrern wird 
für die Jahresstunden eine Entschädigung von 100 M. 
gewährt, die sich nach dreijähriger Tätigkeit an der Fort 
bildungsschule auf 115 M. erhöht. 
o Einheitliche Organisation der Fortbildungs 
schulen für Großberlin. Der ReichStagsabgeordnete 
Schufrat Profestor Dr. Kerschensteiner, der bekannte 
Organisator deS Münchener FotbildungSschulmesenS, hat 
kürzlich in Schöneberg einen Bortrag gehalten und hierbei 
seine Prinzipien der Neuordnung des FortbildungSschul- 
wesenS, insbesondere der Eingliederung deS sogenannten 
praktischen Unterrichts, vorgetragen. Der Verlauf der 
Debatte nach dem Vortrage ließ erkennen, daß die. zahl 
reich^ anwesenden Handwerker durchaus den entwickelten 
Grundsätzen zustimmten und gleichzeitig, bedauerten, daß 
die Echöneberger Fortbildungsschule, diese Prinzipien noch 
nicht, eingjührt hätte. Im Zusammenhang.damit.macht?. 
Frau von Lersch hatte die Augen gesenkt. Ein kleiner 
Seufzer hob ihre Brust. 
„Du solltest wieder heiraten, Lena! Eine Frau wie 
du, kaum dreißigjährig, schön und voller Leben, gehört in 
die Welt, nicht an den Arbeitstisch." 
Ein Name schwebte auf den Lippen des jungen Offi 
ziers, aber er sprach ihn nicht aus. Helene hatte die Augen 
aufgeschlagen und sah ihn aus ihren grauen, schwarz be 
wimperten Augen, die so seltsam kühl und abweisend 
blicken tonnten, mit stillem Vorwurf an. 
Er wurde ein wenig rot und preßte die Lippen unter 
dem winzigen blonden Schnurrbart zusammen. „Ver 
wünscht," dachte er. „Ich wollte, dieser Loewrngard hätte-, 
mich nicht zu seinem Vertrauten gemacht." 
Rasch sprang er auf ein anderes Thema über und 
fragte nachdem kleinen Vetter. „Wie hast du den Jungen 
verlassen..?" 
Ein . Schatten flog über das schöne Gesicht der. Frau. 
„Nichtzum besten, Edgar. Du solltest bath nach Klein- 
Wlogow kommen und ihn ein bißchen lustig machen.' Du 
und Morde und Cornclie, ihr seid seine drei einzigen 
Passionen, und das Pony, das er nicht mehr reiten darf.' 
Aber was nutzt ihr dem armen Burschen schließlich! 
Du. .haft Dienst, Cornelie kann höchstens mal tageweise 
von Papa fort, und den armen Mökbc plagen' die 
Schmerzen in seinem Beinstumpf um diese'Jahreszeit 
mehr denn je. Jede bessere Stunde freilich gehört dem 
Hantz;" 
„Und du hast noch immer niemand Passenden für ihn 
gefunden. Tante Lena?" 
„Leider nein, die Leute laufen einem das. Haus, ein, 
aber es. ist nichts Wünschenswertes darunter. Aufgeblasene 
und anspruchsvolle junge Männer, denen man es auf den 
ersten Blick ansieht und beim ersten Wort anhört, daß 
sie sich um die Stellung nur bewerben, um sorglos den 
eignen Studien und Interessen leben zu können- Oder es 
stellen sich Leute mit. so schlechten Manieleti Md halbem 
Oberbürgermeister DominIcuS einige inierestante Mit 
teilungen über den Plan einer neuen großzügigen Fort 
bildungsschulorganisation. DaS Kuratorium der Fort 
bildungsschule Schönebrrg hat die Absicht, die Schule ent 
sprechend den Vorschlägen KerschensteinerS auszubauen und 
insbesondere den praktischen Unterricht einzuführen. Fach- 
schul-Kommissionen sind bereits errichtet. Nun sind aber 
in der Schöneberger Fortbildungsschule eine Reihe von 
Berufen sehr unzureichend vertreten, so gibt e8 z. B. zwei 
Schumacher. 7 Köche, 5 Kellner, 4 Fleischer, 1 Dachdecker, 
3 Töpfer, 2 Bildhauer usw. ES ist klar, daß, mit dem 
besten Willen für so schwach vertretene Beruf« besondere 
Klasten nicht eingerichtet werden können. Anderseits sind 
unzweifelhaft in dem weiten Bereiche von Großberlin so 
viele FortbildungSschüler vorhanden, daß auch für die 
spezialisierten Berufe eine besondere BerufSklaste. 
sogar mit drei Jahrgängen, gc bildet werden kann» 
wenn eine Organisation der FortaildungSschule für 
Großberlin unser Außerachtlaffung der kommunalen Grenzen 
geschqffen wird. Eine derartige Organisation für, Troß 
berlin nach einheitlichen Gesichtspunkten würde für jedes 
Gewerbe elfte bedeutende Verbesserung, der Fortbildungs 
schule zur Folge haben, ohne daß die finanzielle In 
anspruchnahme der Gemeinden verstärkt würde. Im 
Gegenteil würden durch daS Zusammenlegen der zu 
sammengehörenden FgrtbildSngSschuiklafsen, durch das Zu 
sammenlegen von Zwergkiastrn Ersparnisse gemacht werden 
können. Diese Idee hat der Echöneberger Magistrat be 
reits im Dezember 1912 dem Minister für Handel und 
Gewerbe vorgetragen mit dem Ersuchen, eine solche 
Organisation in Großberlin einzuführen. DaS Handels 
ministerium ist dem Wunsche Schöneberg bereits näher ge- 
treten und hat die nötigen statischen Erhebungen ver 
anlaßt. Die Idee, die für alle Schichten der Bevölkerung, 
besonders für den Gewerbestand, erheblichen Nutzen ver 
spricht, verdient sicher allgemeines Jntereste. Hoffentlich 
kommen die Erhebungen, die seitens der Staatsbehörden 
nach dieser Richtung veranstaltet werden, bald zum be 
friedigenden Abschluß. 
o Ernennung. Unser Mitbürger, Herr Obersekretär 
R. Dietrich, Stubenrauchstraße 58. ist zum Rentmeister der 
LandeS-VersicherungSanstalt Brandenburg ernannt worden. 
o Ordensverleihung. Nur in einem ganz kleinen 
Teil unserer gestrigen Ausgabe konnten wir die nach 
stehende. uns nach Redaktionsschluß zugegangene Nachricht 
mitteilen. Wir bringen sie deshalb heute auch unseren 
übrigen Lesern zur Kenntnis.: Unserm Mitbürger, Herrn 
S. , ist für seine Bemühungen um den kommunalen 
Frieden unseres OrteS und. damit zugleich um den Frieden 
Mitteleuropas vom König von Dänemark das Ritterkreuz 
1. Klaffe deS TlfantenordenS verliehen worden. 8uum 
quiquel — Der Präsident der neuen Chinesischen Republik 
hat Herrn Bürgermeister Walger ermächtigt, jedem 
prinzipiellen Hrtzer in dem ihm unterstellten Gemeinwesen 
namenS deS gen. Präsidenten den Drachenorden 4. Klaffe 
(mit der obligaten, um den Hals zu tragenden Giftspritze) 
zu verleihen. 
o Nntessagung eines Gewerbebetriebes. Ja 
einer Klage des hiesigen AmtSoorsteherS vor dem Kreis- 
ansschuß gegen den Kaufmann Joh. B. und besten Ehe 
frau Marie geb. Sch., hierselbst handelte es sich um einen 
Streitfall wegen Untersagung deS Gewerbebetriebes als 
Bauunternehmer und Bauleiter, sowie als Unternehmer 
oder Leiter eines Zweiges de» BauhandwerkS oder als 
Geschäftsführer eines derartigen Unternehmens. 
B. hat früh-r eine Glaserei betrieben. Der Kläger behauptet, 
der Beklagte sei wirtschasttich unzuverlässig, das Geschäft habe er der 
8vrm wegen seinerzeit unter dem Namen seiner ersten 8rau betrieben, 
dann habe er ein solches in der Kaiserallee unter der 8irma .Joh. 
B.' eröffnet; 1883 habe er sich von seiner Ehefrau aber schon scheiden 
laffcn. Mit geringen Beitrügen sei er wiiderholt im Rückstand ge- 
blieben, wiederholt sei fruchtlos gepfändet worden, 1907 habe er den 
Offenbarungseid geleistet. Trotzdem habe er als vorgeschobene Person 
das Grundstück Lornstr. 4 erworben und mit einem Vorderhaus und 
zwei Seitenflügeln bcbaut. Hierbei habe er sich von Anfang an als 
zahlungsunfähig erwiesen, denn dem Gemeindebauamt habe er 10 M. 
Gebühren nicht zahlen können. Er habe also von vornherein die 
Handwerker schädigen muffen. Sodann wird im einzelnen aufgesührt, 
wa8 für Schulden der Beklagte hat, soweit dies hat ermittelt weiden 
können, und es wird weiter betont, v. habe 1909 sich mit seiner 
jetzigen Frau verheiratet, von der er behaupte, daß sie einiges Ver 
mögen mit.in die Ehe gebracht habe. DaS. treffe aber nicht zu, denn 
Bildungsgrad vor, daß man ihnen unmöglich ein Kind 
mit dem subtilen Empfinden meines Hans anvertrauen 
kann. Sorte drei: arrogante Dummköpfe, die die schwere, 
unendlich viel Selbstlosigkeit erfordernde Aufgabe, einem 
kränklichen Kinde Gefährte und Erzieher zu sein, für eine 
Bagatelle erklären. Fast verzweifle ich daran, das richtige 
Menschenmaterial zu finden. 'Und doch wird cs höchste 
Zeit. Hans soll so bald als möglich nach Meran, wenn cs 
schnell warm wird, nach Reichenhall. Vielleicht auf Monate. 
Ich kann ja nicht daran denken, auf so lange fortzukommen. 
Auch meint der Arzt, ich verzärtle ihn auf die Dauer 
zu sehr." 
Der junge Offizier machte ein paar ungeschickte Ver 
suche, auf Besseres zu vertrösten. 
Frau von Lersch lächelte. 
„Laß nur, mein guter Junge. Am Ende wird sich 
ja doch etwas finden, wenn auch nicht das Beste, fürchte 
ich, das ich mir für meinen armen Hans wünsche." 
Sie stand auf. „Ich muß leider fort, Edgar. Vielleicht 
begleitest du mich noch ein Stückchen? Besorgungen, 
Rechtsanwalt, Bankier und so weiter. Und hier" — sie 
hatte ein Portefeuille ans der roten Juchtentasche gezogen, 
die zwischen ihnen auf dem Tisch lag — „das Gewünschte." 
Sie händigte dem jungen Offizier eine Tausendmark 
note ein, die er gerührt und beschämt nahm. 
Er wollte Versprechungen machen, aber sic unterbrach 
ihn rasch. 
„Keine Worte, mein Junge. Rede nicht — beweise. 
Ich weiß, es ist schwer für dich, sehr schwer. Man hätte 
dir des Königs Nock erlassen sollen, wenigstens den 
Gardepock." 
Voll ehrlicher Dankbarkeit legte Edgar den Arm um 
die Schultern der schönen Frau. 
„Wie gut du bist, Lena I Wenn ich dich nicht hätte!" 
Vom Gang her nahten sich Schritte. Es wurde an 
die Tür geklopft. Ein Boy meldete Fräulein Cornelie 
Neimantt am Telephon. T 
deren Familie sei kurz vorher wegen zwei kleiner Summen fruchtlos 
gepfündct worden. Neuerdings habe B. in einem Hause der Büfing- 
straße ein GeschLst gegründet, das aber anscheinend nicht reüssiere, 
dann eins unter der girma H. M. B. & T-, wobei die Ehefrau 
vorgeschobene Person sei, jeder Gesellschafter habe 3000 M. ein 
zahlen sollen Wegen der letzten Gründung schwebe ein Verfahren 
wegen Betrugs, im weiteren auch ein solches wegen Beiscileschaffung 
von Pfaudslücken. Es handle sich um erstklassige Bauschicbcr. B. sei 
der Aufforderung des Klägers nicht nachgekommen, darum »erde auf 
Grund § 35 REO. beantragt, B. diesen Gewerbebetrieb zu unter- 
sagen. In einem Gutachten Äßmann heiße eS, dah eine solche Unter- 
sagung gerechtfertlgt erscheine. Im Termin führte B. aus, es sei 
richtig, dah er 1907 falliert habe, dagegen nicht, daß er dann 
erst daS Borustraheogravdstück erworben habe. 190« habe er 40 
Leute beschämst, da hätten ihm Schuppen gefehlt und er habe rS ge- 
kauft und 18 000 M. daraus angezahlt. Er sei ein Opfer eines B. 
geworden. Daß er wirtschaftlich unzuverlässig sei, bestreite er. — 
Der Kreisausschuß beschloß, Beweis zu erheben über die Vermögens- 
verbältniffe deS B. und seiner Ehefrau und die von ihm gemachten 
Geschäfte. 
o Die Postämter sind vrm heute ab wieder um 
7 Uhr Morgens für den Publikumverkehr geöffnet. 
‘ o Die Paketannahme am Zweigpostamt Frie 
denau Z in der Cranachstraße ist vom heutigen Tage dem 
Verkehr übergeben worden. 
o Die Berlängerung der Straßenbahnlinien 
nach Lichterfelde. Die Borarbeiten zur Durchführung 
der Linien 8 und F bis Lichterfelde gehen ihrem Ende 
entgegen. Nachdem in den. letzte» Tagen ein' Dutzend 
Turmwagen der „Großen Berliner" mit dem Legen der 
LeitungSdrähte beschäftigt waren, ist nun auch das Auf 
stellen der Haltestellenschilber beendet. Erheblichere 
Schwierigkeiten, als man anfangs annahm, sind allerdings 
in dem umfangreichen Baumbestand „Unter den Eichen" 
entstanden. Seit Tagen ist man daher damit beschäftigt, 
Überhängende Aeste zu entfernen, eine Arbeit, dir teilweise 
mit erheblichen Schwierigkeiten verknüpft ist und einen 
großen Aufwand an Zeit und Mühe erfordert. Immerhin 
bleibt der Eröffnungstermin, wie bereits gemeldet, für den 
5. April bestehen. Da diese neue Linienführung eine 
hervorragende und dankenswerte Verkehrsoerbesterung für 
die in Frage kommenden Bororte bedeutet, steht man 
seitens des Publikums dem Eröffnungstrrmin schon mit 
Ungeduld entgegen.'.' 
o lieber einen Streitfall wegen Gemeinde- 
einkommensteuer verhandelte der Kreisausschuß in seiner 
letzten Sitzung. Der hier wohnhafte Major a. D. 
Wilhelm H. wurde für 1912 zu 160 M. Staats Ein 
kommensteuer und 118 M. Gemeinde-Einkommensteuer 
veranlagt. Die erstere Steuer wurde später auf 104 M. 
ermäßigt und H. verlangte demgemäß auch Ermäßigung, 
der Gemeindesteuer. Er machte geltend, die Gemeinde 
habe durch Vordruck aus dem Struerzettel dahin belehrt, 
daß ans Ermäßigung der Staatssteuer von selbst solche 
der Gemeindesteuer eintrete. Der Beklagte betont, daß H. 
die Einspruchsfrist nicht gewahrt habe. Im übrigen gelte 
der Bordruck nur für die Fälle, in denen sich staatS- und 
gemeindesteuerpflichtigeS Einkommen decke. Kläger hatte 
hervorgehoben, es gäbe so viel» Gesetze, daß sich Laien 
darin nicht zurechtfänden, darum müßte gefordert werden, 
daß Behörden sich klar ausdrückten und belehrend wirkten» 
Hierzu erklürt Beklagter, Sache des Klägers sei rS gewesen, 
sich über die Rechtslage zu informieren. Im Termin 
führte H. noch auS, seit 20 Jahren habe die Gemeinde in 
solchen Fällen die Steuer selbst ermäßigt. Das Einkommen 
sei im vorliegenden Falle dasselbe für Staat und Gemeinde; 
es finde lediglich eine andere Berechnung statt. — Der 
KreisauSschuß wies wegen Versäumung der Einspruchsfrist 
die Klage ab. 
o Nene Dampfer auf den Gewässern der 
Havel und des Teltowkauals. Im Frühjahr wird 
die KreiSschiffahrt neue Dampfer für den Personenverkehr 
einstellen. Bereits im Mat 1911 hatte der Kreis Teltow 
ein Preisausschreiben zur Erlangung von Entwürfen eines 
für die märkischen Gewäster geeigneten PersonenschiffeS 
veranstaltet. Eingegangen waren damals 24 Entwürfe, 
von denen drei mit den ausgesetzten Preisen prämiiert, 
drei andere angekauft wurden. Die ersten drei Schiffe 
dieser neuen Form sind nun fertiggestellt und werden bei 
Eröffnung der regelmäßigen Persournschiffahrt Mitte Mat 
in Betrieb gesetzt werden. Die Schiffe gleichen in ihrem 
Aussehen den auf dem Nil und den amerikanischen Flüssen 
Wenn die gnädige. Frau warten könne, in zehn 
Minuten würde das Frauleifi hier fein. Und hier wären 
auch Briefe gekommen. 
„Sagen Sie, meiner Schwester» ich würde auf sie 
warten." 
Helene sah flüchtig die Briefumschläge durch. Da keiner 
aus Klcin-Wlostow dabei war, legte sie die Korrespondenz 
uneröffnet auf den Schreibtisch. 
Edgar hatte sich abgewendet und zupfte an der 
brokatnen Decke, die über den Tisch gebreitet lag. Lena 
brauchte nicht zu sehen, daß bei dem Namen Cornelie eine 
warme Röte der Freude ihm ins Gesicht gestiegen war. 
„Ich habe Cornelie noch gar nicht gesehen. Gestern 
abend hat sie mich im Stich gelassen. Schuldlos natürlich. 
Papa wollte sie nicht loslassen. Seit er die neue Samm 
lung und das neue Buch vorhat, sitzt das arme Mädel 
.wie im Kerker." 
Um zehn Minuten später trat das „arme Mädel" ein. 
Frisch wie eine Rose, den Hut keck auf dem krausen Blond 
haar, im braunen Tailormadekostüm, das die noch kindlich 
schlanke Figur reizend kleidete. 
Bis auf die gleichgeschnittenen, gleichfarbigen, hellen 
Augen mit den dunklen Wimpern war nicht die geringste, 
Aehnlichkeit zwischen den beiden Schwestern zu' finden. 
Und auch die Augen glichen sich in der Hauptsache, im 
Ausdruck, nicht. Cornelie Rcinzann blickte lustig, mit froher 
Zuversichtlichkeit in die Welt, während es in Lenas Blick 
wie eine stille, wehmütig sinnende-Frage stand. 
Cornelie umhalste die Schwester stürmisch und schüttelte 
dann dem jungen Offizier, wie einem guten Kameraden, 
die Hand. Sie machte^ auch gar. kein Hehl aus ihrer 
Freude, Edgar hier zu finden. Jede Verstellung, jede ge- 
seltschastliche Lüge war dem jungen natürlichen Geschöpf 
fremd. 
(Fortsetzung folgt.l
        
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