Path:
Periodical volume Nr. 74, 30.03.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

die sich ihr zur Verfügung stellen. Und wenn unter ißttm 
Schutze die Mensur von kräftigen Händen für die Schule 
und ihren guten Ruf auSgepaükt wird, dann — davon 
darf man überzeugt sein — wird sich unsere Jugend am 
meisten über ihre Lehrer freuey, die denn doch in ihrer 
Mehrzahl herzlichere Freunde der Jugend sind, als die 
öffentliche Meinung in ihrer derzeitigen hysterischen und 
grieSgrämlichen Verfassung annimmt. 
lokales 
(Nachdruck unserer o-Originalartikel nur mit Quellenangabe gestattet.) 
o Ordensverleihung. DrmMyrinestabStngenieur a.D. 
Wilhelm Stegemeyrr, bisher 'beim Retchsmarineamt, 
Albestraße 3 wohnhaft, wurde der Rote Adlerorden 4. Klasse 
verliehen. 
o Der Haus« und Grundbesitzer-Verein hielt 
gestern Abend im „Hohenzollern* seine MvnatSoersammlung 
ab, die gegen ^10 Uhr vom Vorsitzenden Herrn v. Wrochem 
eröffnet wurde. Obwohl die Tagesordnung recht dürftig 
erschien, verstand es der Vorsitzende doch, die Verhand 
lungen sehr interessant zu gestalten. Die LerhandlungS- 
schrift der vorigen Versammlung, vom Schriftführer Herrn 
Engelhardt verlesen, fand ohne Einsprüche Annahme. 
Darauf wurden .7 neue Mitglieder aufgenommen. Der 
Vorsitzende gab dann die geschäftlichen Mitteilungen be 
kannt. Ueber ein Schreiben des Schutzverbandes für die 
Grunewaldseen, in dem her Verein um seinen Beitritt zum 
Schutzoerband gebeten wird, wurde auf Antrag deS Herrn 
Flauger zur Tagesordnung übergegangen. Der Vorsitzende 
erwähnte noch, daß im Wesentlichen daS, waS der Verband 
erstrebt: dir Auffüllung der Grunewaldseen, bereits durch 
die Charlottenburger Wasserwerke geschieht. Ec empfehle 
aber trotzdem den einzelnen Mitgliedern den Beitritt zun 
Schutzoerband, der sicher sehr gute Ziele verfolge. E> 
lagen ferner mehrere geschäftliche Angebote vor. Eil 
Angebot der Bereinigung Charlottenburger Kohlenhändler 
gab Anlaß zu einer längeren Besprechung, in welcher 
Weise die Hausbesitzer das Brennmaterial, besonders für 
Zentralheizungen, billiger einkaufen könnten. Es wurde 
schließlich dem Vorstand ausgegeben, in Erwägungen 
darüber einzutreten, wie den Vereinsmitgliedern be> 
sondere Vorteile beim Bezug von Kokö, Preßkohlen usw. 
zu verschaffen sind. Der Bürgerbund Gcoßberlin crsuchi 
den Verein, ihm als korporatives Mitglied beizutreten 
Der Vorsitzende erwähnte, daß der Vorstand hierzu nicht 
Stellung' genommen habe, sondern die Entscheidung der 
Versammlung überlassen wollte. Da sich niemand zu dri 
Sache äußerte, erklärte der Vorsitzende unter der Zu 
stimmung der Versammlung, daß diese den Beitritt nicht 
wünsche. Vom Bund der Bodenreformer lagen Empfehlungen 
vor; der Bund empfiehlt dem Verein seine Zeitschrift mit 
dem Hinweis, daß die Hausbesitzer aus ihr bet längerem 
Studium sich von den guten Zielen drr Bodenreform 
überzeugen werden. Unter Heiterkeit der Versammlung 
wurde über diesen Punkt zur Tagesordnung übergegangen 
Ueber das Jubiläum des Vereins im November b. 
berichtete der Vorsitzende, daß der vom Verein eingesetzte 
Ausschuß sich geteilt habe, in einen.Pcogramm-Auöschuß" 
und in einen sogen. .Menü-AuSschuß", um so ersprieß 
lichere Arbeit leisten zu können. Die Frage ist nun, wie 
hoch die Kosten für daS Fest sich belaufen könnten. DaS 
läßt sich aber so einfach nicht sagen. Es sind eine große 
Anzahl Fragen zu prüfen, insbesondere, welchen Umfang 
die Festschrift haben soll, ob Aufführungen stattfinden 
sollen usw. Der Vorstand schlägt nun vor, dem Fest, 
ausschuß Mittel zu bewilligen in der Höhe bis zu 2000 
Mark. ES wird nicht beabsichtigt, diese Summe auszu- 
brauchen, man glaubt, vielleicht mit der guten Hälfte aus 
zukommen. Aber eS wäre nicht gut, wenn man den 
Ausschuß allzusehr einengt. Ein Herr, Ehrenvorsitzender 
deS Vereins, stand im Ausschuß allerdings auf dem 
Standpunkt, der Verein sollte bei drr jetzigen traurigen 
Lage des Grundbesitzes überhaupt kein Fest feiern. Es 
liegt noch in der Hand des Vereins, zu beschließen, ob er lieber 
Trauerfahnen herausstecken wolle. Die Herren Beymrl und 
Lemm halten die Summe von 2000 M. für sehr hoch. 
Die Herren Mittelstädt und Flauger empfehlen, dem 
Antrage deS Vorstandes gemäß, zu beschließen, daß dem 
Ausschüsse bis zu 2000 M. bereit gestellt werden. Der 
Verein müsse ein würdiges Frst begehen. Herr Hermann 
beantragt, darüber abzustimmen, ob 2000 M. oder 1600 
Ma,k als Höchstbetrag anzunehmen sind. Es wurde ein 
durch die schon stiller gewordenen kleinen Gassen bis an 
das alte Stück roter Fcstungsmauer, in deren Schutz eine 
Reihe von Gärten lag. 
Er hatte den Heineschen früher öfters besucht. An 
Sonn- Und Feiertagen, solange er in dem Städtchen ge 
lebt, öder wenn er,-von der Universität her oder von 
Berlin kommend, ein paar Tage im Städtchen auf Besuch 
gewesen war. Da war es Sommer gewesen und er war 
mit Lotte und dem alten Heine zwischen den Flieder- 
sträuchern und den bunten blühenden Bosketts in gemäch 
lichem Gespräch hin und hergegangen. 
Hellt gab cs nichts Buntes, Blühendes zu sehen, als 
Rolf die kleine Tür zwischen dem roten Festungsgemäuer 
aufsneß. 
Hinten in dem großen Geviert zwischen den Obst- 
bäumen standen die Frauen pnd lockerten das braune 
Erdreich und zogen mit dein Stiel einer Harke Lüngs- 
surchen und Vierecke in den lockeren Boden. 
Die Mutter, ganz in die Arbeit vertieft, hatte ihn 
nicht gleich bemerkt. Das Mädchen aber hatte seinen Schritt 
gehört und war flammend ror geworden. 
Als Frau Köhne dann den Sohn mit lautem, frohem 
Zuruf begrüßte und ihn zärtlich in die Arme schloß, war 
das Mädchen still beiseite gegangen, die Geräte in den 
kleinen Schuppen hinten an der Mauer zu verschließen. 
Als sie zurückkam, standen die beiden noch immer Hand 
in Hand und sahen sich in die Augen. 
Frau Köhne wandte sich mit froher Hast. „Was sogen 
Sie nun, Lotlchen? Diese Ueberraschung! Und er bleibt 
morgen den ganzen Tag!" 
Rolf hatte das junge Mädchen mit ruhiger Freundlich 
keit begrüßt. Er wollte den jähen Farbenwechsel in ihrem 
Betrag bis zu 2000 M. bewilligt. Der Vorsitzende führte 
darnach etwa folgendes aus: ES tue ihm leid, daß Herr 
Sturm heute fehlt, da er nochmals sich mit ihm be 
schäftigen müsse. ES dürfte die Mitglieder überraschen, 
zu hören, daß Herr Sturm den Vortrag und die daran 
sich schließenden Erklärungen dc§ Herrn Baurat Altmann 
in der Februarversammlung de§ Vereins zum Anlaß ge 
nommen hat, um Herrn Baurat Altmann zu verklagen 
(Herr Schmidt: DaS finde ich ganz in der Ordnung). Er 
wollte dies hier mitteilen, weil er weiß, daß es immer 
noch verschiedene Mitglieder gibt, die Herrn Sturm ernst 
nehmen. Ec muß daher hier erklären, daß dar, was Herr 
Baurat Altmann sagte, durchaus richtig ist. Herr Sturm 
diskreditiere mit seinen Artikeln nicht nur die Gemeinde, 
sondern da Herr Sturm Mitglied deS Vereins ist, diskreditiere 
er auch dcn Verein. Der Vorstand meint, daß er sich 
ein solches Verhalten nicht weiter zu gefallen lassen 
braucht (sehr richtig) und solche Aeußerungen nicht 
auf dem Verein sitzen lassen kann. (Zustimmung.) 
Herr Sturm kann sich immer noch nicht beruhigen. 
In dem Blatte mit dem Frtedenauer Kopf erscheinen 
immer noch Artikel, die Ll. oder 8t. unterzeichnet sind und 
ihrem Inhalte nach zu urteilen von Herrn Sturm her 
rühren. Wie falsch seine Ausführungen sind, ergibt sich 
insbesondere aus einem Artikel, in welchen; er sagt, daß 
die vom Grundbesttz-roerem angeregte Gründung einer 
Garantie-Genossenschaft ius Wasser gefallen sei. DaS ist 
den Tatsachen zuwider. Für di« Garantiegenossenschaft 
haben sich über 120 Grundbesitzer erklärt, sodass diese als 
gegründet angesehen werden kann. ES ist auch bereits der 
Antrag auf Errichtung eine? Hypothekenamtes bet der Ge 
meinde gestellt worden. Auch über die Schuldentilgung 
unserer Gemeinde finden sich in einem Artikel unwahre 
Angaben. Es wird dort zunächst auf die von Herrn Ott 
angeführte Summe von 160 000 M. Bezug genommen. 
Es habe ihn s. Zt. gefreut, daß Herr Ott, die in Frage 
kommende Summe richtig nannte. DaS hindert aber den 
Ärtikelschreidcr nicht, wieder zu seiner srüheren Summe von 
600 000 M. überzugehen. Es ist notwendig, daß diese 
durch Sachkenntnis nicht getrübten Artikel einmal 
niedriger gehängt werden (sehr richtig). Er würde 
dies nicht tun, wenn nicht Herren im Verein wären, die 
Herrn Sturm anhängen und sozusagen eine Fraktion 
Sturm bilden. ES muß gegen diese die Gemeinde und 
oen Verein schädigende Tätigkeit des Herrn Sturm Front 
gemacht werden. Herr Schmidt erklärt, er habe kein 
Interesse daran, für Herrn Sturm einzutreten. WaS ihm 
nicht gefallen habe, war der Ausdruck in dem Vortrage 
des Herrn Altmann von dem Vogel, der daS eigene Nest 
beschmutzt. Es habe bisher immer ein vornehmer Ton im 
Verein geherrscht, solche unparlamentarischen Ausdrücke 
waren bisher nicht üblich. Er empfinde aber eine gewisse 
Freude darüber, daß es nicht ein Vereinsmitglied war, 
da« sich solcher Entgleisung schuldig gemacht habe. Herr 
Niemann führt aus, er habe Herrn Siurm gebeten, seine 
Artikel einzustellen. Es ist doch nichts verkehrter, wenn 
man eingemeindet 'werden'-wilst rmd dann die Schulden 
nennt. Er sieht nicht ein, daß eS eine Beleidigung sei, 
wenn man da spricht von dem Vogel, der das eigene N-st 
beschmutzt; Herr Sturm liebt oft viel ärgere Ausdrücke. 
ES ist Herrn Sturm gegenüber noch sehr gelinde, wenn 
man solche Ausdrücke gebraucht, er weiß nicht, wieso dar 
eine Beleidigung ist. ES ist notwendig, daß daS einmal 
ausgesprochen wird. Im übrigen ist aber hierüber genug 
gesprochen worden; er halte es für richtiger, wenn man 
nicht mehr über Herrn Sturm spreche (sehr richtig). Der 
Vorsitzende bemerkt auf eine Anfrage, daß er nicht wisse, 
wie writ die Klage sei. (Zuruf: Herr Sturm hat dar 
Verfahren eingestellt sHciterkeitj). — Hierauf kam der 
Vorsitzende auf die bevorstehende Ersatzwahl zur Ge 
meindevertretung in der 3. Abteilung für den ver 
storbenen Gemeindeverordneten Schn zu sprechen. Der 
Wahltermin wird in den nächsten Tagen bekannt gegeben. 
ES handelt sich diesmal nur um eine Wahl in der 3. Ab 
teilung, und wenn der Verein auch in der 3. Abteilung 
nur gering, mit einigen Vollmachten, vertreten ist, so ist 
cs doch wünschenswert — da ein Hausbesitzer gewählt 
werden muß — daß der Verein die Cache in 
drr Hand behält und dafür sorgt, daß ein Er- 
meindeverordnrter gewählt wird, der sich nicht an 
der Hetze beteiligt, wie sie in letzter Zeit seitens 
einiger bürgerlicher Gemeindkoerordneten in die Wege 
geleitet wo-den ist. Der Grundbesitz befindet sich 
heute in keiner guten Lage und da ist eS nicht richtig, 
wenn man hier die niedrigen ^Stände gegen die höheren 
ausspielt, daß man von dem Kuratorium für die höheren 
Schulen sagt, es erreiche allek, während der Schuldeputaton 
nichts bewilligt werde. Es ist nicht richtig, wenn man 
sagt, daß die Volksschule in Friedenau rückständig sei, weil 
hier noch der Lehrer mit de: Geige von Klasse zu Klasse 
ziehe. Man müsse dafür sorgen, daß ein Gemeinde 
vertreter hineinkommt, der sich an dieser Hetze nicht be 
teiligt. Er höre soeben durch einen Zwischenruf: Wir 
wären selbst Schuld daran. Ta möchte er doch daran 
erinnern, baß man damals mit anderen Vereinen zusammen 
gehen mußte, um ein weiteres Eindringen der Sozial- 
demokralte in die Gemeindevertretung zu vcrhüten. ES 
werde soeben der Name Kaikbrenner genannt. Er brauche 
wohl nicht zu sagen, daß er nur Herrn Kalkbrenner 
gemeint habe. Herr Kalkbrenner ist aber auch ein Gegner 
des Rathausbaues am Marktplatz und des OberlyzeumS, 
alles Sachen, die hier ein wohlgeneigte- Ohr gesunden 
haben. Er möchte nur darauf hingewiesen haben, daß 
eine solche Sache nicht weiter Unterstützung findet: Ver 
treter von verhetzenden Ideen dürfen nicht werter geduldet 
werden. Die Sozialdemokraten haben, wie er gehört 
habe, einen Hausbesitzer im Hintergrund. Es wird daher 
reichlicher Arbeit bedürfen. Man werde diesmal vielleicht 
der Gruppen eutraten müssen, mit denen man bisher zu 
sammenging; es wird nicht möglich sein, mit diesen 
Gruppen wieder Hand in Hand zu gehen. Er schlage 
vor, wieder zu versuchen, mit den Vorständen deS Handel- 
und GrwerbevereinS und deS Bürgervereins Hand in Hand 
zu gehen. Aber der Grundbesttzerorrein müsse daS Heft 
in der Hand behaltrn. Herr Echm dt empfahl, an den 
Evangelischen Arbeiterverein und den Kriegeroerein eben 
falls Anschluß zu suchen. ES wird auf Grund 
dieses Vorschlags dann auch schon die Kandidatenfrage 
gestreift. Der Vorsitzende erklärt schließlich, eS soll alles 
versucht werden, ob eS möglich sei, auch mit anderen 
Vereinen zusammenzugehen. Herr Niemann vertritt auch 
den Standpunkt, daß man nicht einen Herrn wählt, der 
fortwährend negiert. Herr Rechtsanwalt Behring hält c§ 
für dankenswert, daß diese Sache mal angeregt wurde. 
Wenn man die Bericht deS „Frtedenauer Lokal-Anzeigers' 
liest, sa reden nur immer zwei Herren in den Gemeinde- 
venrerersttzungen: Der Herr Bürgermeister und noch ein 
Herr. Es wird zu wenig Arbeit geleistet. Man kann von 
dem Vorgehen dieses Herrn sagen, er provoziert. In der 
Bürgerschaft mache eS keinen guten Eindruck, wenn der 
Bürgermeister wiederholt angegriffen werde. Besser wäre 
es, wenn solche kleinen Sachen im Zimmer des Bürger- 
meisttrS verhandelt werden. ES muß dafür gesorgt werden, 
daß Herrn gewählt werden, die vor allem daS Wohl deS 
Ganzm im Auge haben, die nicht für eine Partei ein- 
treten, sondern sich immer fragen, waS wird der Ort sagen. 
Nun handelt es sich darum, die Bürgerlichen in der 3. Ab 
teilung gegen die Sozialdemokratie zusammenzubringen. 
Dies wird nur möglich sein, wenn die 3 großen Vereine, 
die sich mit Kommunalpolitik beschäftigen; zusammengehen. 
Andere Vereine kann man nicht hinzunehmen, sonst müßte 
man daS Friedenauer Adreßbuch aufschlagen und jeden 
Verein berücksichtigen. DaS geht natürlich nicht und so 
können nur die drei Vereine, die kommunale Interessen 
pflegen, bei den Wahlen gemeinschaflllch vorgehen. Der 
Vorsitzende erwähnt noch, wie oft falsche Anschauungen 
verbreitet werden. Ein jeder werde wohl gelesen haben, 
daß der Zweckoerband seinen Haushaltsplan mit 240 000 
Mack aufgestellt habe. Diese Summe wird auf die 
einzelnen Orte verteilt, Friedenau hat davon 1 v. H. zu 
tragen, daS sind 2400 M. oder 6 Pf. auf den Kops der 
Bevölkerung. Man werde sich noch erinnern, daß in der 
Fedruarvccsammlung eln Betrag von 2 M. für den Kopf 
der Bevölkerung genannt wurde. Dem Vorstande wurde 
dann aufgegeben, die Ersatzwahl zur Gemeindevertretung 
vorzubereiten. (Schluß folgt ) 
o Neberflüssige Sachen, die beim Umzug vielfach 
fortgeworfen werden, wie Wäsche, Kinderwagen, Kinder» 
Schuhchen usw. möge man den Aermsten der Armen, 
unseren Waisen, zukommen lassen. Er wird gebeten, die 
Sachen drin Waisenbüro unserer Gemeinde, Feurigste. 8, 
zu überweisen, oder dieses Büro zu benachrichtigen, damit 
die Sachen abgeholt werden können. 
o Der Paeochialvreein der „Positiven von 
Nathanael" feiert am Mittwoch, dkm 2. Lpril, Abends 
1 / 2 9 Uhr im Kaiser Wilhelm-Garten, Rheinstr. 64 sein 
vollen 'Gesicht, das Ausstrahlen ihrer Hellen, nicht sehr 
ausdrucksvollen Augen nicht sehen. 
„Wenn die landwirtschaftlichen Geschäfte hier erledigt 
sind, könnten wir wohl nach Haus gehen, meine Damen," 
sagte er in leichtem Ton. 
Frau Kühne stimmte lebhaft zu. 
„Sie kommen doch mit, Lottchen, und essen ein Butter 
brot mit uns ?" 
Lotte Heine sah rot und verlegen zu dem jungen 
Manne auf. 
Da er nicht sprach, sondern von ihr fort in das kahle 
Gesträuch sah, lehnte sie die Aufforderung hastig ab. Der 
Bater sei nicht ganz beisammen, sie könne ihn nicht gut 
so lange allein lassen. Auch habe sie noch Hefte zu 
korrigieren. 
Frau Köhne wollte davon nichts hören. Sie könne 
um neun wieder zu Hause sein, und die Hefte hätten bis 
morgen Zeit. Ob sic vergessen habe, dass morgen Sonn 
tag sei. 
„So red' doch ein bißchen zu, Rolfchen; die Lotte 
hat sich so viel für uns geplagt, nun soll sie auch mal ver 
gnügt mit uns sein. Und um dich hat fie’s erst recht ver 
dient. Hast du denn was gesunden unter den vielen 
Zeitungsausschnitten, die Lotte für dich gesammelt hat, 
oder hat Professor Müller ja und Amen gesagt?" 
Lotte hatte die kleine, braune Türe hinter ihnen ver 
schlossen. Jetzt schritten sie an der Mauer entlang, gegen 
die Stadt zu. 
Mit gemessener Freundlichkeit bemerkte Rolf, daß er 
sich sehr freuen würde, wenn Fräulein Heine ihnen dcn 
Abend schenke. 
Aber Lotte blieb bei ihrer WeiLerung. Dabei sah 
wand die Tränen der Enttäuschung gewahren konnte, 
die ihr in den Augen brannten. 
Am Alten Markt trennten sie sich. Lotte ging die 
Färbergasse hinunter; die beiden anderen schlugen den 
Weg nach Osten, gegen das Ende der Stadt zu, ein. — 
Erst nachdem Lotte sich verabschiedet hatte, erinnerte 
sich Frau Köhne daran, daß das Mädchen ihr von einem 
neuen Angebot im Kreisblatt erzählt hatte. „Ganz be 
sonders vorteilhaft. Wie für Herrn Rolf geschaffen," hatte 
sie gemeint. 
Nun, man konnte ja morgen sehen. Da Lotte nun 
einmal, unbegreiflichcrweise, nicht hatte mitkommen wollen, 
wollte sie ihren Jungen auch allein genießen, ganz allein, 
ohne Fragen und Grübeln und Sorgen. Zu dem allein 
war morgen Zeit. Und zärtlich hing sie sich in seinen 
Arm. — 
Wie Rolf so mit der Mutter durch die stillen, fried 
lichen Gassen ging, überlief es ihn heiß und kalt bei dem 
Gedanken an den furchtbaren Entschluß, mit dem er gestern, 
um wenige Stunden später, an de» Usern des dunklem 
lockenden Wassers gerungen hatte. 
Er fuhr sich mit der freien Hand über die Stirn, als 
ob er da etwas wegwischen müsse, was für alle Welt les- 
bar dort oben stand. 
Aengstlich sah Frau Köhne zu ihm auf. Da waren 
die Sorgen und Fragen schon wieder. 
„Was hast du denn, mein Junge? Wie blaß du 
plötzlich bist. Quält dich etwas?" B 
(Fortsetzung folgt.)
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.