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Periodical volume Nr. 72, 27.03.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

Gtrve der Namen der gewählten Kandidaten «egen der dadurch ge 
gebnen Möglitkeit eines Irrtums unbedingt zu vermeiden. !fi« 
Vorschrift des § 27 Abs. 3 des Wahlrealem entS, wonach bet der Sb- 
eordnelenwahl »bkürzungen statthaft sind, die keinen Zweifel über 
te gewählte Person lassen, wird hierdurch nicht berührt. 
5. Stach Lrt. I § J des Gesetzes vom 28. Junt 1906 hat in dem 
Falle, daß von eirur WähUradteiturig bei der Urwahl zwei Na(l- 
uiänner w wählen sind und nur 4 Personen gleich viel Stimmen er 
halten, das Los darüber zu entscheiden, wer gewählt ist. Hierbei ist 
wiederholt insofern fatsch verfahren, als nur zwei Lose mrt je zwei 
der Partei nach zusammengehörigen Kandidaten gebildet find. Die 
Losung hat nicht nach Parteien, sondern nach Einzelpersonen zu er 
folgen, es sind also 4 Lose zu benutzen. 
6. Macht ein Wahlvorsteher von drr Befugnis gemäß § 14 deS 
Wahlreglements Gebrauch, vor Abschluf; .der Wahl einer Abteilung 
zur Wahlverhaudlung der folgenden Abteilung überzugrhen, so Ist 
die- an entsprechender Stelle des Wahlprotokolls zu vermerken und zu 
begründ!». 
7. Zur Behebung hervorgetretener Zweifel wird daraus hinge- 
wkeseu, daß sowohl bet engeren Wahlen, wie bet zweiten engeren 
Wahlen Urwähler zur Abstimmung zugelassen sind, die beim ersten 
Mahlgange richt mitgeftimmt haben. 
8. Die Bknachrtchiigung der gewählten Wahlmänner, soweit sie 
nicht tm Wahltermin anwesend find, hat der Wahlvorstther zu de- ! 
wirken; es steht aber nichts tm Wege, daß er sich dabei der Mithilfe 
der GemeindeverwaltungsbehL de bedient. Die Benachrichtigungen 
werden im Jnlercsse einer zurreffenden Berechnung der im § 19 a, o. O. 
bestimmten dreitägigen Annahmesrist zweckmäßig gegen ZustelluugS- 
urkunde zu senden setu. 
Lokales 
(Nachdruck unserer o-Originalartikcl nur mit Quelleirangabe gestattet.) 
o Haushaltsplan des Zweckverbandrs. Der 
erste Haushaltsplan des Verbandes Groß-Berlin sah für 
1912 eine Umlage von 245 690 M. vor. Dieser Betrag 
-wird nicht voll verbraucht werden. Ein Teilbetrag von 
10 000 M. soll abgesetzt und der unverbrauchte Betriebs 
fonds nach 1913 übernommen werden. Nach dem Haus 
haltsplan füc 1918 betragen die Ausgaben 240 243 M. 
Davon entfallen allein 59 v. H. auf Berlin und der Rest 
auf di« übrigen 15 Mitglieder. -Charlottenburg hat 
11 v. H. zu entrichten, Gchöneberg 4% v. H.» Neukölln 
3 v. H., Wilmersdorf 4 l / 2 v. H., der Kreis Teltow 6^ 
v. H., der Kreis Niederbarnim 3% v. H., Lichtenberg 
1*/, v. H., Spandau, Steglitz, Friedenau und Lichter!- 
fetde haben 1 bis l 1 /, v. H. und die übrigen (Köpenick, 
Pankow, Weißenfee und Reinickendorf) unter 1 v H. zu 
den Ausgaben zu zahlen. Dieser jährliche Bedarf wird 
auf Grund deS VerbandSgefetzeS auf die einzelnen Mit 
glieder (16) nach dem JahreSsteurrfoll drr Mitglieder 
umgelegt. i 
o Rechnungen einreiche». Der Gemetndevor- 
.stand .fordert Lieferanten, Unternehmer usw., die Forde- 
rungen an die AmtS- und Gemeindekasse haben, deS be 
vorstehenden JahreSabschiufstS wegen auf, die noch nuS- 
stehenden Rechnungen sofort, spätesten» aber bis Mitte 
April einzureichen. 
o FortbildnngSfchnle. Am 1. April beginnt bei 
der hiesigen Fortbildungsschule wieder «in privater Kursus 
zur Vorbildung junger Mädchen für den kaufmännischen 
Beruf. Ls werden ihnen alle Kenntnisse und.Fertigkeiten 
vermittelt, deren sie als Grundlage-für eine erfolgreiche 
Tätigkeit in kaufmännischen . Betrieben -.bedürfen. Die 
UnterrtchlSstunden finden am späteren Nachmittage statt, 
sodaß die Teilnehmerinnen während deS TageS sonst tälig 
sein können oder ausreichend Zeit haben zur Erholung, 
die oft den schulentlaffrnen Mädchen in erster Linie nottut. 
Anmeldungen können täglich zwischen 11—1 Uhr tm 
Schulhause Albestr. 32-33 erfolgen. 
o Gesperrt werden am Mittwoch, dem 2. April d. I., 
die Straße am Maybachplatz, sowie die Lauterstraße 
zwischen Albestraß« und Bahnböschung von l 1 / 2 Uhr Vor 
mittags bis zur Beendigung der Pferde- und Wagen- 
musterung für j.den Wagenverkehr und für Reiter. 
o Was daS Ausscheiden aus dem Kreise 
kostet? Zu den in unserer steigen Nummer wieder- 
gegebenen Ausführungen des Steglitzer Gemeindeverordneten 
Kirchner über diese Frage wird uns geschrieben: Die 
Schlußfolgerungen de» Gemeindeverordneten -Kirchner, daß 
der Grundbesitz bei einem Ausscheiden auS dem Kreise 
höhere Lasten auf sich nehmen müßte, dü:ften nicht 
zutreffend sein. ES wird vielmehr eher eine Entlastung 
deS Grundbesitzes eintreten. Der Kreis erhebt bekanntlich 
eine besondere Umsatzsteuer, die für Friedenau rund 
150 000 M ausmacht. Diese 150 000 M. würden also 
vom G-undbesitz erspart, wenn unseie Gemeinde vom 
Kreise loskäme. Wollte man nun wirklich dem Grund 
besitz diese 150 000 M. nicht schenken, sondern sie zu den 
tun, Hoffnungen vernichten mußte, aber dieser junge 
Heißsporn schien ja die Dinge noch ganz besonders schwer 
zu nehmen. Und wie er aussah mit dem weihen Gesicht 
und den brennenden Augen I Der alte Mann, der sich 
nicht gern in seinem Behagen stören ließ, bereute es fast, 
ihn vorgelassen zu haben. - 
Er klopfte die eiskalte Hand, die die Tischkante wie 
haltsuchend umkrampft hielt: „Nun, nun! Immer kalt 
Blut, junger Freund. Muh denn jeder Mensch heute Maler 
werden? Gibt es gar keine anderen Berufe mehr, als 
die Kunst? Ich habe vier Söhne, lieber junger Herr, und 
nicht einer -von ihnen ist Künstler geworden, obgleich sie 
nicht ganz ohne Talent und Talentchen sind. — Also 
setzen Sie sich mal erst wieder und trinken Sie ein Glas 
Wein." — Er schenkte Rolf aus der Portweipflasche ein, 
die zwischen ihnen auf dem Tisch stand. — ,-,Es ist ein 
guter Tropfen. Wenn Sic ihn gekostet, werden Sie die 
Dinge schon weniger schwer anschaue». Sehen Sie, Ihr 
Baker, lieber junger Mann, — er war ein prächtiger Kerl 
und mein .lieber Jugendfreund,—aber er hat einen großen 
Fehler an Ihnen begangen, trotzdem er hätte durch eigenen 
Schaden klug werden sollen. Er hätte Ihnen eine striktere 
Nichtschnur für Ihr Leben geben, nicht all Ihren kleinen 
und großen-Neigungen, Ihren allerhand Talenten nachgeben 
sollen. Ein b'ihchen Studium, ein bißchen Kunst, ein. 
bißchen Geschäft! Zu viel und daher zu wenig I Das Heute 
braucht einen ganzen, konzentrierten Menschen. Sie sehen, 
-auch an Ihrem Vater hat sich diese Erziehungsmethode, 
die vielerlei hübsche Anlagen unterstützt, gerächt, wenn auch, 
Ihr Großvater, als wohlhabender Mann, sich diesen Luxus 
Mit seinem Sohn allenfalls hatte gestalten können." 
Rolf saß dem berühmten Mann, der aus feinem ge- 
Gemeindeeinnahmen schlagen, so hätte man damit doch 
schon wieder daS Mehr sehr reichlich gewonnen, wo« da« 
Ausscheiden auS dem Kreise kosten könnte. 
o Unsere Gast» und Lchankwirtschafteu. Rach 
dem kürzlich erschienenen Verwaltung* bericht gibt eS in 
Friedenau 2 Gastwirtschaften und 102 Schankwtrlschaftrn, 
dazu kommen noch 51 Klei-Handlungen mit Epirituosen- 
aurschank und 6 Schaukwtrtschaften ohne Spirttusen- 
auSfchank. 'Insgesamt gibt eS also in Friedenau 161 
Echankstätten. Im vorigen Jahre wurden vom Urei»- 
auSschuß konzessioniert 13 (10 im Vorjahre) neue Schank- 
wirtschaften, 30 (23) Besttzwechsel, 6 (7) neue Klein- 
Handlungen, 2 (5) Besttzwechsel, 1 (2) Schankwirtschaft 
ohne SpirituosenauSschank und 1 Besttzwechsel. Von den 
Gastwirtschaften hat im Jahre 1911 eine den Besitzer.ge 
wechselt. Abgewiesen wurden 2 (2) Gesuche um Kon- 
zesstonierung von Echankwtrtschasten. Mit dem Wachsen, 
und dem AnSbau unseres OrteS ist auch Hand in Hand 
gegangen eine gewisse Verbrfferung in der Ausstattung der 
Schankstätten. Die einfachen Kneipen mit blankgescheuerten 
Bretterlischen und Stühlen verschwinden mehr und mehr. 
Selbst die schlichteste Wirtschaft sieht heut darauf, daß die 
Tische sauber gedeckt sind und dem Gaste bequeme Rohr- 
stühle zur Verfügung stehen. Den Ansprüchen «ine» groß- 
berliner Publikum« entsprechend, haben die besseren 
Famtltenlokale und die KonzerlcasöS an Ausstattung 
natürlich noch «in übrige» getan. Wir können heut« sagen, 
daß wohl jede Gattung deS SchankbetriebeS in Friedenau 
vertreten ist, sodaß sich jeder nach seinem Geschmacks da» 
geeignete Lokal aussuchen kann. Wir haben hier-mollige 
Weinstuben, gemütliche Cas6'S, -behagliche BrerrestauraniS 
und auch die Gerold-Likör- und Weinstube fehlt nicht. Ja 
Kürze werden wir hier nun auch noch am Marktplatz eine 
Stehbierhalle nach dem Muster der Aschtnger Bierstuben 
erhalten. Wenn eS richtig ist, was wir gehört haben, 
werden wir in diesem Lokale auch billige warme und kalte 
Speisen zu kleinen Preisen, genau wie. bet Aschtnger ttf 
halten. Ein solches Lokal wäre allerdings bei den 
jetzigen hohen Fleischpreisen eine zu begrüßende Nruerung 
für Friedenau. 
o Eharakiierverleihung Dem am Friedenauer 
Postamte tätigen Oberpostsekretär Herrn Ludewig ist der 
Charakter al» RechnungSrat verliehen worden. , 
o Angesichts der herrschenden Geldknappheit 
dürfte der Hinweis auf herrenlose Beträge von Jntereffe 
sein, die vor nunmehr dreißig Jahren bei der Königlichen 
Ministrrial-, Militär- und Baukommisston, Jnoaltdenstc 52, 
hinterlegt worden sind, teils weil-sie niemand abgehoben, 
teils wetl ider Empfangsberechtigte sich nicht gemeldet oder 
nicht hat ermittelt werden können. ES befinden sich 
darunter Summen bis 1000 M., die sich im Laufe der 
Zeit um 250 M. Zinsen vermehrt haben, Sicherheiten 
zwecks Hemmung der Vollziehung eine» Arreste» oder zur 
EinstellungderZwangSvollftreckung,Forderungen, Kautionen, 
VerstetgerungSerlöse usw. Eine Forderung der Luisen- 
ftädtischen Volksbank m. G. hat der Konkursverwalter 
hinterlegt, die Gesellschaft ex stiert wohl garnicht mehr, 
«ine andere der Baron Adolf Wolfs von Schütten in 
Göri tz, der bet der „Deutschen Etsenbahnbaugesellschaft" 
pfänden lasten wollt,. Dos Amtsgericht Berlin Mitte hat 
jetzt «in Aufgebot erlaffen und fordert die Empfangs 
berechtigten auf, ihre Rechte spätestens bis 29 April d. I. 
anzumelden, widrigenfalls sie mit ihren Ansprüchen gegen 
die Staatskasse ausgeschloffen werden. 
o Das Rauchverbot für die Hoch« und Unter 
grundbahn, welches demnächst wieder aufgehoben werden 
dürfte, war. wie erinnerlich, durch Poltzetoerordnung vom 
28. Januar d. Ir. eingeführt worden, deren 8 6 besagt: 
„daS Rauchen ist in allen Abteilen verboten." Diese 
Poltzeioerordnung ist für alle elektrischen Schnellbahnen. 
Großberlin» erlaffin worden, sie wiid also auch Geltung 
haben für die im Bau begriffenen Schnellbahnen. DaS 
Rauchverbot wird daher nur dadurch aufgehoben weiden 
können, daß der bezeichnete Paragraph außer Kraft ges-tzt 
wird, was ebenfalls nur im PolizetverordnungLwege ge- 
schehen kann, und die Aufhebung deS Verbots würde dann 
gleichzeitig auch für alle anderen elektrischen Stadt- und 
Vorortbahnen GroßberlinS gelten. Die Verkehrsabteilung 
deS Poli-etprästdium» steht, wie wir hören, dem Antrage 
der Hochbahnyeselllchaft auf Wiederzulaffung der Raucher- 
abteile nicht ablehnend gegenüber. Es hat aber bet Außer - 
krastsrtzuug deS erwähnten 8 5 auch der Obe-prästdent 
mitzuspc-chrn. welcher die P.,Iiz»ioerordnung genehmigt 
sättigten Dasein heraus so klug und so tühl zu ihm sprach, 
mit verhaltenem Grimm gegenüber. Er hatte den Wein 
nicht angerührt. Trotzdem er fühlte, daß ihm die Kräfte 
mehr und mehr versagten, hätte er um nichts in der Welt 
so etwas wie Gastfreundschaft von dem Professor ange 
nommen. Längst wäre er aufgestanden, hätte seine Mappe 
genommen und sich empfohlen, wenn er nicht gefühlt 
hätte, daß seine Knie ihm den Dienst versagen würden, 
daß sein von Hunger und Entbehrung geschwächter Körper 
der furchtbaren seelischen Erschütterung erst würde Herr 
werden müssen. « 
Mit zusammengekrampften Händen saß er dem Mann ( 
gegenüber, bei dem er statt neuer Hoffnung und Zuversicht ; 
nur kühle Kritik für sich und die Seinen fand. Mochte 
er in feinem Urteil über ihn selbst recht haben, seine» Vater 
sollte er ihm nicht schelten. 
So begann er den Toten zu verteidigen mit glühender 
Beredsamkeit, mit scharfem Protest. „Er war eben kein 
Philister! Er war ein groß und vielseitig veranlagter j 
Mensch, der nicht rechnen und äußeren Wohlstand bieten, ; 
wohl aber den Seelen der Seinen Nahrung geben konnte. 
Ich für mein Teil und auch die Mutter, wir hätten ihn 
nicht anders gewollt. Und wenn ich sein-Erbteil — und 
seine Erziehung als Mann bezahlen muß, ich war doch 
ein glückliches Kind, ein seliger Jüngling — dank ihm!" 
Rolf war aufgesprungen. Der Zorn, der ihn durch 
glühte,- hatte ihm für den Augenblick die geschwundenen 
Kräfte zurückgegeben. Er empfahl sich kurz mit kühlem 
Dank. 
Der große Manu sah ihm nicht ohne Beklommenheit 
nach. Er hätte ihn so nicht gehen lasse» dürfen. Er hätte , 
ihm zum mindesten eine Unterstützung bieten müssen' 
hat; ihm muß demnach auch der Antrag auf Wiederaus- 
Hebung einzelner Bestimmungen dieser Verordnung zur Zu 
stimmung unterbreitet werden. 
o Es geht mit Riesenschritten vorwärts in der 
Natur. Die milde Witterung, die am Karfreitag begann, 
hat äußerst fördernd auf daS WachSium eingewirkt. N-cht 
nur daS Buschwerk schlägt aus. sondern auch die Obst- 
bäume in den Gärten haben pralle Knospen bekommen; 
nicht lang« noch, und bet fortgesetzt günstiger Witterung 
werden die Knospen brechen und die lichten Blüten zum 
Vorschein kommen. Dann können die Kinder wieder 
singen: Der Frühling ist gekommen, die Bäume schlagen 
au«! Aber man-wird die Sorge, daß alles das zu früh 
kommt, nicht recht loS. Die Hauptsache ist jedenfalls, 
daß wir von jetzt ab trübes Wetter bekommen, wie ja für 
-den April durchweg bedeckter Himmel von Nutzen sein soll. 
Tinge eS so weiter vorwärts, wie eS bis jetzt gegangen 
ist, dann hätten wir ja schon Mitte April einen VegetationS» 
stand, wie er in anderen Jahren etwa dem Milte Mai 
entspräche. Unter solchen Berhältniffen sind kalte Rück 
schläge stet» zu fürchten. 
o Fürsorge für bedürftige Kriegsveteraurn. 
Dem Kriegsoeteran Hennig ist, -wie wir schon mitteilen 
konnten, vom Zentralkomittee deS -Roten Kreuze» auf die 
dringende Eingabe der Frau ■ Stoye eine Badekur in 
Wiesbaden gewährt .worden. »Ln die Bewilligung dieser 
Kur war die Bedingung geknüpft,, worden, daß die hiesige 
Fürsorgeoereinigung für hilfsbedürftige Kriegsveteranen die 
Reisekosten-trägt. Wie .wir erfahren, hat die Fürsorge- 
Bereinigung nun dem Veteran 50 M. Reisrunterstützung 
ausgezahlt. Seine Abreise .nach WreSbaden wird am 
1. April erfolgen. — Wir ersehen hieraus wiederum die 
segensreiche Tätigkeit der Fürsorgeoereintgung, die dadurch 
auch unsere A.rmenverwaltung entlastet. Wenn H. durch 
die Badekur schließlich auch nicht vollständig wieder- 
hergestellt werden wird, so besteht doch die Hoffnung, daß 
er durch sie wieder in den Stand gesetzt wird, ein paar 
Pfennige für seinen Unterhalt zu verdienen. ES wäre 
daher wünschenswert» wenn nicht nur private Mittel 
reichlicher der Fürsorgeoereinigung zufließen, sondern wenn 
auch unsere Gemeinde den Geldbeutel etwa» weiter öffnen 
wollte. , ' 
o Der konservative Verein Friedenau hielt 
gestern Abend im Kaiser-Wilhemgarten seine diesjährige 
ordentliche Generalversammlung ab. Der Vorsitzende, 
Geh. RegierungSrat Hoffmann,. erstattete zunächst den 
Jahresbericht. Danach hat der Verein auch im letzten 
Jahre trotz des Verzuges und Todes mehrerer Mitglieder, 
22-neue Mitglieder gewonnen. Bei der Ersatzwahl zum 
Preuß. Abgeordnetenhaus« hat drr Verein seine volle 
Schuldigkeit getan und die Zahl seiner Wahlmänner voll 
behauptet. Bon irgend einem Stillstand in der Vereins- 
tätigkeil kann, wie der Vorsitzende ausdrücklich feststellte, 
keine Rede sein. Der Verein hat auch tm letzten Jahre 
mehrere öffentliche Versammlungen abgehalten und eS an 
agitatorischer und organisatorischer Arbeit nicht fehlen 
laffen. Leider besteht tn Friedenau, wie auch alle anderen 
Parteien erfahren müssen, ein geringe» politisches Jntereffe, 
namentlich fehlt daS Bestreben, sich einem politischen Verein 
anzuschließen. DaS ist aber in der Gegenwart mehr denn 
je notwendig. Der Kaffenführer, Kanzletrat Borck, er 
stattete den Kaffenbericht, der einen guten Fonds für die 
kommende Landtag-wahl aufweist. Bet der Neuwahl deS 
Vorstandes wurden gewählt Geh. Rat Hoffmann ai»,Vor 
sitzender. Prof. Dr. Kleinecke als 2 Vorsitzender, Kanzleirat 
Borck al» Kassierer, Eisenbahnsekretär Walter als Schrift- 
lührer, und die Herren -Buchdiuckereibxsttzer Brücker, 
SanitätSrat Dr. Adam, Dr phil Gerber, Kaufmann 
'KoffakowSki, RechnungSrat Gauger, Direktor Schlteper, 
F>hr. von Rotenberg, Buchdruckeretbesitzer Crüger, Geh. 
RechnungSrat Schindler und Rentier Becker als Beisitzer. 
Zu einer ringeh-nden, intereflanten Aussprache führte die 
Frage drr Vorbereitung der kommenden Landtagswahl. 
Eine größere Anzahl von Herren erklärte sich sofort bereit, 
al» Wahlmann einzutreten. Auch der WahlfondS erfuhr 
durch eine sofort in der Versammlung veranstaltete Zeichnung 
eine beträchtliche Siärkung. Weiterhin wurde beschloffen, 
an die Mitglieder heranzutreten zur Zahlung von frei 
willigen Beiträgen. Mit einem warmen Apell an die 
Mitglieder, sich bei den bevorstehenden LandtagSwahlen 
energisch im konservativen Sinne zu betätigen, schloß her 
Boisitzende um 11 Ubr die Generalversammlung. 
Immerhin war er oer Sohn eines Freundes, der Enkel 
eines Mannes, der ihm, dem Jüngling, z» seinem ersten 
Verdienst verholfen, damals, als der große Maler noch 
ein armer Bursche und froh gewesen war, wenn ihm 
jemand seine Zeichnungen undkleinen Farbenskizzen zu 
illustrativen Zwecken abgekauft hatte. 
Nun also, es würde sich ja nachholen lassen. Der junge 
Mensch war nicht aus der Welt, er würde schon irgendwo 
aufzutreiben sein. 
Der Professor trank den Wein, den Nolf unberührt 
gelassen hatte, nrit Behagen aus und setzte sich, nachdem er 
eine Zigarre angezündet, an seine Arbeit zurück. In 
weniger als zwei Stunden wußte er nichts inehr davon, 
daß er einem Menschen die letzten Lebenshoffnungen zer 
trümmert hatte. 
3. Kapitel. 
Frau Beckmann hatte schon zum mindestens sechsten Mal 
den Kopf durch die Kammertür ihres Mieters gesteckt, um 
zu sehen, ob er denn noch immer nicht nach Hause ge 
kommen war. 
Seit heute früh um achten auf den Beinen, und jetzt 
war es neun Uhr vorbei und noch immer nicht wieder 
retour! Sie war das an dem ordentlichen Menschen gar 
nicht gewöhnt, der den größten Teil des Tages über an 
dem kleinen, wackligen Tisch an dem schrägen Fenster zu 
sitzen und zu schreiben oder zu zeichnen pflegte. Mein 
Gott, es würde ihm doch nichts zugestoßen sein! In dem 
fürchterlichen Berlin war alles möglich. Selbst ein 
erwachsener Mensch ging morgens früh ganz und heil von 
Hause weg, ui» abends nicht mehr lebendig wiederzu» 
kommen. (Frrtjetzmg folgt.)
        
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