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Periodical volume Nr. 71, 26.03.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

geweihten Kreisen angenommen wurde. Nach eingehender 
Besprechung der einschlägigen MsttzrSparagraphen wurde 
beschlossen, bei den Parlamenten und der Regierung 
Schritte zur Beseitigung der vorhandenen Schwierigkeiten 
zu tun. 
o Bruuueukur im Steglitzer Stadtpark. Vom 
1. April ab werden iw Gtegkißer Stadt^ark, Älbrecht- 
straße 47, Brunnenkuren eingerichtet. Der Ausschank 
sämtlicher, direkt von den Quellen — wie EmS, Marienbad, 
Neuenahr, Salzbrunn, Wiesbaden. Wildungen usw. — be- 
zogenen Brunnen findet für Frühkuren Morgen» von 6 
bis 9 Uhr statt. Jeder, Kurgast erhält einen mit der 
Nummer seiner AblMnrmentLkarte bezeichnete^ Trinkbecher 
— für warnr zu trinkende Brunnen, jyie.Karlsbader, 
Wiesbadener. Neuenahr, Emser u. a. einen patentäiytlich 
geschützten Erwärmungsbecher. Der letztere ist so kon 
struiert» daß die genqnnten Brunnen auch fern von den 
Quellen in ihrer ursprünglichen Zusammensetzung und 
Temperatur getrunken werden' können. Die Bedingungen 
sollen mäßige sein. Für ärztliche Aussicht ist gesorgt. 
Was will man noch mehr! 
n Mehrere „Grünthaler", das sind fehlerhafte 
100-Markscheiüe, wie sie der berüchtigte Reichsbankfaktor 
Grünthal s. Zt. entwendete und verausgabt hat, find jetzt 
wieder aufgetaucht. In Rathenow und Umgebung find in 
den letzten Tagen eine ganze Anzahl derartiger Scheine 
an öffentlichen Kassen angehalten worden. Bei diesen 
lOOMarkscheinen fehlt rechts auf der Vorderseite der 
zweite rote Stempel und auf der Rückseite fehlen oben 
und unten die roten Zahlenaufdrucke. Die sogen. „Grün- 
thaler- werden anstandslos von der Reichsbank gegen echte 
100-Markscheine umgetauscht. 
o Zwangsversteigerungsergebnis. Wiesbadener 
straße 78, Ecke Laubacherstr. 14, dem Kaufmann Georg 
PhilippSthal in Berlin gehörig. Fläche 13,19 8r. 
Nutzungswert 18 000 M. Mit dem Gebot von 276 700 
Mark bar blieb der Ziegeleibefitzer Julius Beermann in 
Berlin, Sellerstr. 3, Meistbietender. 
o Eine KarfreitagSfeier von seltrm schönen Ver 
lauf fand im Helmholtz-Realgymnasium statt. Obwohl sie 
ganz dem Ernst des Tages entsprach, trug sie doch auch 
der neuzeitlichen Richtung Rechnung, indem musikalische 
Darbietung, Ansprache und Gesang durch Lichtbilder- 
darstellung zu einem Ganzen vereinigt wurde. Dies 
brachte auch Herr Pfarrer Dr. R. Burckhardt, der dir 
Lichtbilder vorführte, in seinen Ausführungen zum' Ausdruck. 
Besonders wieS er auch darauf hin, ^daß in früherer Zeit 
nur durch das Wort, das Lied find die Musik die Ge 
meinde erbaut wurde. Jetzt sei man aber auch in neuerer 
Zeit dazu übergegangen, nicht nur in Versammlungen, 
sondern auch in den Kirchen durch gleichzeitige Vorführung 
der Bilder auf die Zuhörer zu wirken. Ja hervorragendem 
Maße wäre dieS jetzt ermöglichst, weil gerade Meister der 
Neuzeit wie E. v. Gebhardt, Meunier, v. Uhde und 
Burnand, künstlerische bildliche Darstellungen geschaffen 
haben, die jeden Beschauer heilige Bewunderung abringen. 
Man müsse diesen Künstlern von Herzen dankbar sein für 
diese Meisterwerke der religiösen Kunst.. Mögcn..daher, so 
schloß der Vorteagende, auch alle Anwesenden nicht nur 
daS eine oder andere auf sich wirken lassrn, sondern dicse 
Veranstaltung insgesamt, sodaß in allen Herzen ein rechter 
Segen van dieser Karfreitag-feier gestiftet würde. Die 
Feier selbst leitete Hrrr v. Freeden durch den stimmungs 
vollen Doit-ag eines von ihm komponierten Piäludiums 
ein. Mit wundervoller Altstimme und feinem musikalischen 
Verständnis sang Frl. Maria Neumann Lieder von Hasst 
uid Gounod, wodurch sie die Herzen der andächtig 
Lauschenden gewann. Dann folgten einige Terzette, ge- 
sungen von Frau Dr. Schmidt-Hedt, Frl. Käthe Heumann 
und Frl. Marie Heumann, die den Eindruck der schönen 
Feier noch vertieften. Veranstaltet war sie vom Parochial- 
verein der Positiven von Nathanael Schönebery-Friedenau. 
o Verein der Fortschrittlichen Volk-partei für 
Friedenau und Umgegend. Mit Rücksicht darauf, daß die 
Lcn dt gShaupiwahl in Kürze die Abhaltung einer öffent 
lichen Versammlung erforderlich macht, fällt die Mit 
gliederversammlung im März auS. In der voraussichtlich 
in der ersten Aprilwoche stattfindenden Generalversammlung 
des Wahlvereins der fortscbrittlichen VolkSpartet sür 
Teltow—BeeSkow—Storkow—Charlottenburg wird der 
Kandidat für die Hauptwahl aufgestellt werdend ES 
ui te liegt keinem Z oeifel, daß wiederum Pfcrrer Tcaub 
Seite», und las die Rubriken „Verlangte männliche Per 
sonen" durch. 
„Aktien-Malzfnbrik sucht mit der Branche vertrauten 
perfekten Buchhalter. — Der russischen Sprache in Wort 
und Schrift mächtiger junger Kaufmann als Konsulats 
sekretär gesucht. — Bilanzsicherer Buchhalter, verheiratet, 
auf Braunkohlen-Grube. — Kleiderstosf-Engroshaus bestens 
eingeführten Reisenden. — Arzt gesucht für ein großes 
Kirchdorf. — Gesucht sür Rußland kaufmännisch tüchtiger 
Automobiltechiuker. — Junger Dekorateur, guter Lack 
schreiber." 
Er wußte nicht einmal, was das war. 
Rolf Kähne legte den Bleistift müde aus der Hand. 
Nichts, gar nichts, zu dem er sich hätte melden können! 
Nichts, das irgendeine Aussicht auf Anstellung, auf mög 
liches Fortkommen versprach! 
Und doch mußte, mußte cs sein. 
Sein Besitztum zählte, außer einigen noch unver- 
äußerten Gegenständen, nur noch nach wenigen Mark, 
nachdem er das letzte, was er besessen, seinen kleinen An 
teil an dem Verkauf derLeihbibliothek, den armen Frauen 
da draußen in dem kleinen märkischen Rest überlassen hatte. 
Er lehnte den Kopf in die Hand und grübelte. Das 
Getränk, das er noch nicht berührt hatte, war längst kalt 
geworden. 
Er hatte nichts davon bemerkt, daß das dicke, blonde 
Mädchen ihm die Tasse frisch mit heißem dampfenden Kaffee 
gefüllt und ihn dabei unsanft an die Schulter gerührt und 
gutmütig bemerkt hatte: Er möchte doch nun endlich inal 
'nen Schluck trinken. Er käme ja sonst ganz und gar von 
Kräften. „Mit nischt, nischt Warmes m'n Leib, ist der 
Mensch überhaupt kein Mensch nich, hat meine selige Mutter 
immer jesagt und die hatte in allen Stücken recht." 
aufgestellt wird, der sich bei der Ersatzwahl für die Partei 
glänzend bewährt hat. 
o Ja den „Hoheuzvllern-Lichtspieleu", unserer 
vornehmsten Lichtbtldbühne, hält der starke Besuch an, so 
daß allendlich fast ausverkauft ist. Es ist dies verständlich 
bei den ganz vorzüglichen Darbietungen diefis Theaters. 
Heute wird ein neuer Programm vorgeführt mit dem 
Hauptschlager „Der Roman einer Verschollenen-; verfaßt 
und inszeniert von Franz Hofer. E» ist ein packende» 
Lebensbild in 3 Akten, daS den Zuschauer von Anfang bi» 
Ende Messest. In der Titelrolle sehen wir Frq'u Daily, 
di« Hauptdarstellerin au» .dem Drama .Treff-Bube-. Von 
den ferneren Bildern nennen wir „Laßt die Totin ruhn-, 
die ergreifende Tragödie einer blinden Liebe in 1 Vorspiel 
und 2 Akten, in Szene gesetzt von Rudolf Meinert. Dazu 
da» übliche Elfte-Programm. Die Vorstellungen beginnen 
Wochentags 6 Uhr, Sonntag» 4 Uhr. 
o Deutscher Flotteuverein (Ortsgruppe Friedenau). 
Der nächste Vortragsabend'ist ettn Montag. dem 31. März, 
abends 81/jj Uhr im Festsaale in der Homuthstr. 4/5, 
(Reform - Reqlgymnasium). .'Der Vortragende Rat im 
Ministerium der öffentlichen Arbeiten Herr Geh. Ober- 
baurat Tincauzer spricht über „Den Bau des Panama 
kanals- (mit'Lichtbildern). 
o Ein Maikäfer wurde uns gestern von Herrn 
Leddin auf den RedaklionStifch gelegt. Herr Seddin hat 
den Käfer bet einem Ausflug nach Potsdam in SanSfouri 
gefangen. Bei dem jetzt vorherrschenden milden Wetter ist 
da« frühe Erscheinen der Maikäfer erklärlich. Hoffentlich 
haben wir kein allzu reiches Maikäferjahr. 
o Eltern zur Warnung möge der folgende 
Unglückkfall dienen. In Abwesenheit der Eltern machte 
sich daS älteste der vier Kinder der Portierleute Langer, 
Jahnstraße 14, am Sonnabend am GaShahn zu schaffen 
und öffnete ihn dabei. Als Frau L. von ihrer Auswarte- 
' stelle zurückkehrte, fand sie die Kinder besinnungslos vor. 
Sanitäre brachten die kleinen Patienten jedoch mittels 
Sauerstoffapparat glücklicherweise wieder inS Leben zurück. 
So konnte Ostern doch noch ungetrübt gefeiert werden. 
o Sie wollten a«S dem Leben scheiden! Am 
ersten Osterfeiertage machte sich in verschiedenen Restaurauts 
und CafeS ein blutjunges Pärchen dadurch besonders 
bemerkbar, daß beide ein verstörtes Wesen zeigten und 
Selbstmordabsichten äußerten. Man verständigte von einem 
Steglitzer Lokal aus die Polizei, welche Beamt« dorthin 
entsandte und die zwei Verdächtigen zur Wache I bringen 
ließ, wo man den beiden zunächst einen geladenen Revolver 
abnahm, mit dem sie sich hier in Steglitz erschießen wollten. 
Der Vater deS Jünglings, letzterer seines Zeichens ein 
18 Jahre alter Studiosus hatte die Einwilligung zur Der- 
lobung und baldigsten Vermählung mit der 16jährigen 
Jungfrau verweigert. DaS Liebespaar stammt auS dem 
Rheinland, war von dort durchgebrannt und von Berlin, 
wo man Verwandte mit einer kleinen Anleihe heimgesucht, 
o«t spärlichen Rest davon aber bereits verbraucht hatte, 
nach hier gekommen, um dem LiebkSleben in Steglitz einen 
dramatischen Abschluß zu geben. Die Polizei rief nun 
den Vater deS Herrn Studiosus telegraphisch, herhet, der 
heute die beiden Durchgänger in Empfang nahm und mit 
ihnen bereits nach der Heimat zurückgekehrt ist. Dort bat 
eS inzwischen vermutlich schon eine gütliche, aber gründ 
liche Auseinandersetzung zwischen den Parteien gegeben, 
hoffentlich findet der schwierige HerzenSkonfltkt eine allseitig 
befriedigende Lösung. 
o Ein gewaltiger Dachstuhlbrand wütete heut» 
in der 3. NachmtliazSftunde Hauptstraße 73. Die 
Schöneberger und die Friedenauer Wehr waren am 
Brandort erschienen, doch mußten sich die Wehren haupt 
sächlich darauf beschränken, die Nebengebäude zu schützen. 
Der Dachstuhl war nicht mehr zu retten. 
o Polizribcricht. Als gefunden sind hier angemeldet 
worden: 1 Damenuhr, 1 Brosche. Di« rechtmäßigen Eigen 
tümer werden aufgefordert, ihre Ansprüche binnen drei 
Monaten im hiesigen AmtSbüro, Handjerystraße 91/92. 
Zimmer Nr. 22, gellend zu machen, da sonst anderweit 
über den Fundgegenstand verfügt werden wird. 
Vereins-Hackrickten 
Am Donnerstag tagen: 
.Friedenauer Männer-Gefangverein 1875', UebungSstuuden 9—11 
im Restaurant »Hohenzollern'. Dirigent: Musikdirektor Paul Antoni 
Kegelklub .Friedenau 1909' (Mitglied deS Verbandes Berliner 
Das Licke, blonde Mädchen hafte ihm den Henkel der 
Taffe förmlich in die Hand gedrängt. Nachdem er ein paar 
Schluck des dünne», heißen Getränkes heruntergewürgt 
hatte, ging etwas wie Zuversicht über sein ernstes stilles 
Gesicht. Ja, nach und nach schien es wie von einer be 
stimmten Hoffnung darin auszuleuchten. 
Er nahm das Zcrtungsbiatt, in dem er zuletzt gelesen 
hatte, noch einmal zur Hand und sah nach dem Datum 
des heutigen Tages: 6. März. Gleich nach Weihnachten 
hatte er dem Professor feine Studieninappe gebracht. 
Vielleicht, daß er inzwischen doch einmal Zeit gefunden 
hatte, sie anzusehen! Vielleicht, daß er ihm nicht alles 
Talent absprach, daß sich doch noch die Zukunft vor ihm 
auftat, an der er mit allen Fasern fernes Wesens hing. 
Rolf Kühne begriff sich plötzlich selbst nicht mehr. Wie 
niedergebrochen niußte er sein! Wie gar nicht mehr er 
selbst, daß er den Besuch bei dem berühmten Mann hatte 
vergessen können, der, ein Jugendfreund seines Vaters, 
ihn so verbindlich aufaefordcrt hatte wiederzukoinmen, 
sein ehrliches Urteil einzuholen. Daß der Hunger ihn erst 
daran mahnen mußte, daß es »och eine große Lebens- 
Hoffnung für ihn gab! 
Freilich waren es bitter schwere Monate gewesen, die 
zwischen dem Damals und dem Heute lagen. 
Der Jammer der armen Mutter, der verbissene Groll 
der Stiefschwester, die rastlose Mühe, das kleine belastete 
und heruntergewirtschaftete Geschäft überhaupt an den 
Mann zu bringen. 
Die kaufmännischen Anforderungen, die an sein auf 
diesem Gebiet gänzlich unzureichendes Verständnis während 
der Verhandlungen, bei der Uebergabe, bei den Ver 
rechnungen und Auszahlungen, gestellt worden waren, 
hatten leinen ganzen Menschen in Anjpruch genommen. Es 
Kegelklubs E. V.) kegelt jeden Donnerstag von 8'/, Uhr Abend? bis 
12 Uhr Nachts auf zwei VerbanbSbahne« tat Keglerheim „Bahn- 
schlößchen', Znh. C. Müller, am Wannseebahnhof Friedenau. 
Oftsgrvppe „Berlin-Steglitz nnd anliegende Vororte' des Zentral- 
Verbandes pensionierter Beamten und Lehrer, sowie deren Hinter- 
bitebenen. Nächste Versammlung am 1. April, nachmittag» L Uhr im 
«lbrechtshof zu Steglitz. Der Berbands-SyndikuS Görllch hat sein 
Erscheinen zugesagt. 
Schoneberg 
—o In da» Handelsregister wurde eingetragen: Nr. 
40 779. Otto Franze, Eisen-, Stahl- und Metallwaren, 
Berlin-Sckiöneberg. Inhaber: Otto Franz«. Kaufmann, 
Berlin-Schöneberg. 
—o In'dem Konkursverfahren über da» Vermögen 
de» Schuhhändlers Otto May, Goltzstraße 40, jetzt in 
Berlin, Prenzlauerstraße 22, ist zur Abnahme der Schluß 
rechnung des Verwalters, zur Erhebung von Einwendungen 
gegen das Schlußverzeichniy d» bet der Verteilung zu be 
rücksichtigenden Forderungen der "Schlußtermin auf den 
15. April 1913, Vorm. 10% Uhr, bestimmt. — Das 
Konkursverfahren über dos Vermögen der offenen HmrdelS- 
gesellschaft Selifan Segan u. Co., KönigSweg 2, ist ein- 
gestellt, da eine die Kosten deS Verfahrens entsprechende 
Konkursmasse nicht vorhanden ist. 
—o Da» Verfahren zum Zwecke der Zwangsver 
steigerung dk§ Hauptstr. 116, bekgefiim. auf den Namen 
der Frau Louise Hacker, geb. Leke, zu Berlin-Schöneberg, 
der Frau Emma Konrad, geb. Leke, zu Berlin, der 
Ingenieurs Richard Lange in Elberfeld, der Frau Helene 
Lange, geb. Thomas, daselbst eingetragenen Grundstücks 
hinsichtlich de» der Frau Luise Hacker, geb. Leke, gehörigen 
ideellen Drittels wird aufgehoben, da die betreibende 
Gläubigerin die Aufhebung beantragt hat. 
Berlin und Vororte 
■§o Die Untergrundbahnstation Wittenbergplatz wird 
die erste SchnellverkehrSanlag« fein, welche eine ober 
irdische Bahnhofshalle erhält. Die Treppenzugänge der 
älteren Untergrundbahnhöfe sind bekanntlich nach den 
Straßen hin nur durch Portale kenntlich gemacht. Einige 
Stationen haben auch überdeckte Treppen; Bahnhof 
Wittenbergplatz dagegen wird ein eigenes Stationsgebäude 
erhalten, das, dem zu erwartenden Maffenverkehr ent 
sprechend ganz stattliche Dimensionen erhalten wird. DaS 
Gerippe dieses Neubaues ist auf der Mitte deS Platzes 
schon sichtbar. Die von der Aktiengesellschaft Lauchhammer 
errichtete Etsenkonstruktlon ist etwa 44 Meter im Geviert 
und 15 Meter hoch. Mit der Aufführung der Beton 
wände ist bereits begonnen worden. Prof. Greander wird 
dem in Kreuzform gehaltenen Gebäude eine v würdige 
Fassade verleihen und auch daS Innere der eigenartigen 
Bahnhofshalle in zweckentsprechender Weise ausschmücken. 
ES sind zwei Haupt-Zu- und Abgänge vorgesehen, welche 
sich gegenüber liege». In den beiden andern Flügeln 
liegen die für die einzelnen Bahnsteige bestimmten Treppen. 
Der zunächst mit fünf Gleisen betriebene Bahnhof wird 
bekanntlich dret Bahnsteige erhalten; der erste dient dem 
Verkehr von Warschauer Brücke nach Kurfürstendamm oder 
WtlmerSdort resp. dem von Berlin 0. nach Bismarckstraße, 
der zweite einerseits dem Verkehr von Bismarckstraße nach 
Berlin 6-, andererseits von Wilmersdorf bezw. Kurfiftsten- 
damm nach Warschauer Brücke. Damit sich daS Publikum 
in diesen verschiedenen Richtungen zurechrfindet, sind die 
Treppenvnlagen schon in der großen Empfangshalle mit 
diullichen Hinweisen versehen; auf den Bahnsteigen selbst 
werden natürlich noch Richtungsschilder aufgestellt, welche 
über die ein- und auSlausenden Züge Aufschluß geben. 
Die Schalter werden sich in dem Hauptraum der Bahnhofs 
halle befinden, woselbst auch der ZeftungSverkauf, Ruhe 
bänke für dle Fahrgäste usw. untergebracht werden sollen. 
Die ganze Anlage wird einen vornehmen Charakter zeigen 
und in allen ihren Teilen dem großstädtischen Schnell 
verkehr Rechnung tragen. 
Gerichtliches 
P. Vor der 3 Strafkammer stand gestern der Kutscher Robert 
Schumann. Er hatte im Januar d. IS. aus der Metzlchen Gärtnerei 
einen Gartenschlauch gestohlen und ferner seiner Mrtiu Betten ent- 
wendet, die er dann veis tzte. Iw Laufe der Verhandlung stiegen dem 
Gericht Bedenken au der geistigen ZurechuungSfähigkeit des Angeklagten 
auf. Der Termin wurde daraufhin vertagt. Der Angeklagte wurde zur 
Beobachtung auf 6 Wochen einer Irrenanstalt überwiesen. 
war ja doch seine "Pflicht gewesen, und er hatte sie mit 
Freuden auf sich genommen, den Frauen beizustehen, ihnen 
ihr kleines Besitztum nach Möglichkeit verwerten zu helfen. 
Nun war das Aergste überstanden. Sie waren in 
ihren kleinen, bescheidenen Hafen eingelaufen, die Mutter 
mit stiller Resignation, Berta mit Schelten und Grollen. 
Nun durfte er wieder an sich selbst denken, sich mit neuen 
Hoffnungen an seine geliebte Kunst klammern, falls der 
alte Mann ihm die frohe Zuversicht gab, daß sie keine 
brotlose für ihn sein würde, daß er mit ihr die Seinen 
und sich selbst würde über Wasser halten können. 
Rolf sprang auf, elastisch, wie neu geboren. Ein Ziel 
des Lebens wert, lag vor ihm. 
Er rief das dicke, blonde Mädchen herbei, das ihn 
aus dummen Augen anglotzte. War das noch derselbe 
Mensch, der bis vor einer Viertelstunde ein Gesicht ge 
macht hatte, als ob es Matthäi am letzten mit ihm sei? 
Als ob ihm alle Felle weggeschwommen wären? 
Sie schüttelte den Kopf. Ein wahrhaftiges Wunder 
hatte ihr heißer Kaffee da wieder getan. Und so arm, wie 
sie ihn taxiert hatte, den schönen, jungen Menschen, mußte 
er ja auch wohl nicht sein. Er hatte zwei Tassen Kaffee 
bezahlt, obgleich er nur eine getrunken hatte, und einen 
ganzen baren Groschen hatte er ihr als Trinkgeld ge 
geben ! — 
Rolf Köhne sah nach der Normaluhr an der Straßen 
ecke. Gleich zehn. In einer Stunde würde er den weiten 
Weg nach dem Westen zurücklegen können, wenn er sich 
tüchtig dazuhielt. Vor halb zwölf ging der Professor selten 
aus. Gewöhnlich hatte er sogar bis mittags Schüler im 
Atelier, oder er arbeitete an seinen eigenen Werken. — 
(Fortsetzung folgt.)
        
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