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Periodical volume Nr. 252, 26.10.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

glieder der Gesellschaft für den Gutgang ihrer ErholungS- 
gelegenheit anderwett entschädig. Während z. B. der' 
Derbytag, her ja ebenfalls ein nationaler Festtag ist. nur 
von einer Minderheit mitgemacht werden kann, die ihr 
BlltagSberuf nicht daran verhindert, können di« aller- i 
meisten sofern sie Lust dazu-haben, die „Bank holidays“ 
mitmachen. 
o Die Reform im BolkSschulwese» Gros;- 
Ber-iu- wird noch lange auf sich warten lassen. Die 
Vereinheitlichung der Klassensyst-mS und d-S Lehrplans 
der Gemeindeschulen Groß-BerllnS, die man zu dem nach 
Ostern beginnenden neuen Schuljahre erwartete, ist auf 
einen späteren Zeitpunkt hinaus verschoben. In .Kreisen 
der Schulmänner hat man wenig Hoffnung, daß die 
Neuerung vor Ostern 1914 zur Durchführung gelangt. 
Durch daS Nebeneinanderbestehen zweier verschiedener 
Schulsysteme in Groß-Berlin, des .siebenklassigen und des 
achtklasstgen, ergeben sich so arge Mißstände, daß ernstlich 
deren Beseitigung notwendig wird. Der rasche Wechsel 
der Wohnsitzes, der einen sehr großen Teil der Berliner 
Bevölkerung bald in diesen Vorort, bald in jenen führt, 
hat eine sehr häufige Umschulung der Schulkinder zur 
Folge, und dieser Uebelstand wird durch die verschiedenen 
Lehrpläne in den Volksschulen noch verstärkt. Rund 10 000 
Schulkinder werden in Groß-Berlin jährlich von diesen 
Mißverhältnissen in Mitleidenschaft gezogen und dadurch 
ip ihrer Ausbildung nicht unwesentlich gehemmt. Zur 
Beratung darüber, in welcher Weise das Prinzip der 
großen Vereinheitlichung durchgeführt werde, ist der Lehr- 
planauSschuß berufen worden. ES steht zu erwarten, daß 
dar von der Lehrerschaft einstimmig gewünschte achtklasstge 
Schulsystem zur Einführung gelangt. 
o RettnngSeinrichtunge» sollen nach einem 
Ministerial-Erlasse auch die Salonwagen der Preußisch- 
hessischen' StaatSbahnen erhallen. Die Ausrüstung wird 
dieselbe sein, wie die der v Zugwagen. Es ist danach 
jeder im öffentlichen Verkehr verwendete Salonwagen mit 
Feuerspritze, zwei ReitungSlettern, Beil und Fuchsschwanz- 
säge auszurüsten. — Bon sonstigen Neuerungen am Wagen 
park der StaatSbahnen ist zu erwähnen, daß der gleich- 
Uräßige dunkelgrüne "Außenanstrich der Personenwagen aller 
Klassenauch sÜddietn den PetsonenzUgrn laufenden Gepäck-und 
HeizkessÄwagen vorgeschciebetr worden ist. Auch Me 
Skkulumator- und Benzol Triebwagen sollen dunkelgrün 
gestrichen werden. Die äußeren Anschriften und Zeichen 
werden ebenfalls in den neuvorgeschrirbenen Farben auf* 
geführt werden. 
o Mvrschumig gegen Lohnforderungen. Es 
sind jitt Zelt Bestrebungen im Bange, eine Aenderung 
der geltenden GefetzeSvorschriften, insbesondere des Bürger!. 
Gesetzbuches, zu dem Zwecke herbeizuführen, daß der 
Arbeitgeber, wenn ihm fein Angestellter durch Unter 
schlagung, Betrug, Sachbeschädigung usw. geschädigt hat, 
um den Betrag deS Schadens die Lohnforderung des An- - 
gestellten kürzen darf. Bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt 
'ist dm allgemeinen 'sehe"'Aufrechnung" gegen' die 'Gehalt!'» 
oder Lohnforderung deS Angestellten. soweit er ein Gehalt 
von höchstens 185 M. monatlich bezieht, untersagt. Ob 
der Arbeitgeber den Lohn einbehalten darf, btS ihm der 
Angestellte den Schaden ersetzt hat. ist im wesentlichen aus 
dem Grunde, daß die Zurückbehaltung wirtschaftlich auf 
eine Aufrechnung hinausläuft, eine in Literatur wie 
Praxis viel umstrittene Frage. Im Gegensatz zu der 
Mehrzahl der Entscheidungen der höheren ordentlichen 
Gerichte haben die meisten Kaufmanns- und Gewerbe- 
gerichte, bet denen gerade diese Frage am häufigsten zur 
Entscheidung steht, die Anwendbarkeit deS Zurückbehal 
tungsrechtes verneint. Die Nettesten der Kaufmannschaft 
van Berlin haben sich in ihrer Vollversammlung vom 
17. März d. Ir. mit dieser Frage beschäftigt und ihre 
Auffassung dahin ausgesprochen, daß sie die Bestrebungen 
unterstützen und befürworten, welche auf eine Aenderung 
der bestehenden gesetzlichen Vorschriften- in der Richtung 
abzielen, daß eine Aufrechnung bei vorsätzlichen uner 
laubten Handlungen des Arbeiters, wie Betrug, Sach 
beschädigung, Unterschlagung usw. zugelassen wird. Sie 
verkennen nicht, daß eine schrankenlose Zulassung der Auf 
rechnung Gefahren für die gesamte Volkswirtschaft mit sich 
führt. Für schwerwiegender halten sie aber die Härten, 
welche in drr Unzulässigkeit der Ausrechnung für den 
A beiigeber liegen. 
Verbindung mar. Nun verfolgte Vlack mit unendlicher 
Mühe und großer Geduld die Vemegungen der französi- j 
schen Abenteurerin und entdeckte, daß sie an dein Tqge, j 
an dem Hilda Gxaßnian eniführt worden, mir einem Kind ; 
in ihre Wohnung zurückgekehrt war, in dem ihre da- j 
malige Wirtin das Original des Miniaturbildes erkairnic, ! 
das Lady Grqßymy dem Detektiv auvertraut hatte, Nun ; 
war kssiy Zweifel mehr möglich. 
Black überzeugte sich auch, daß es von Ansang an ; 
Scharnocks Idee gewesen, Olivia bei der Ermordung ihres 
Vaters schuldig erscheinen zu lassen, aber er konnte sich nie 
ganz erklärest, warum Scharnock sie durch Hislop hatte über 
reden lassen, Julius in seinem Laden aufzusuchen und ihm 
abzuraten, die Stellung anzunehmen, für die die Ver 
schwörer glaubten, daß er gewählt werden würde, nach 
dem ihr Spion Trenklgy ihnen mitgeteilt hatte, daß seine 
Offerte dem Staatsanwalt am besten gefiel, weil er die 
Kraft upd Gewandtheit des jungen Mannes aus den Sport 
zeitungen kannte. Vielleicht war es nur geschehen, um sich 
einen unbequemen Mepschen ans dem Weg zu schaffen, 
vielleicht aber hatte Schprnock schon damals mit deui Ein 
fluß Osipias auf den jungen Mann gerechnet, den er später 
so geschickt zu benutzen wußte. 
Als Sir William sich genügsnd erholt hatte, um die 
Sache von ästen Seiten zu betrachten, neigte er zu der 
letzteren Annahme, beizn er erinnerte sich, wie bei seinem 
Besuch iyz Schloß der angebliche Menschenfreund die Ver 
anlassung gegeben hatte, daß Olivia und Julius sich allein ! 
sprechen'konnten. 1 
In diesem Jahre verbrachten die Graßmäns nicht, wie ' 
sie das sonst zy tun pflegtest, das Weihnachtsfest auf ihrem 
Landsitz. Sie zogen es vor, in der Stadt zu bleiben, weil . 
ein Aufenthalt in der Villa ihnen all die schrecklichen Dinge , 
o Unentgeltliche Secfischkochkurse finden am 
DonnerStog, dem 27. und Freitag, dem 88. März, 
Abends g—9 Uhr, in der HauShaltungSschule der hiesigen 
Gemeindemädchrnschule, Rhetngaustr. 7, durch den Deutschen 
Seesischereiverein für Frauen und Mädchen aller Stände 
statt. Anmeldungen hierzu sind umgehend schriftlich an 
Herrn Rektor Jaeschke, hier, Rhringaustr. 7, zu richten. 
o Neuer Roman. In der nächsten Nummer be 
ginnen wir mit dem Abdruck des äußerst spannenden 
LiebeS-RomanS „Träumend« Menschen" von Dora Duncker. 
Unsere Leserinnen werden an den seffelnden, hübschen 
Schilderungen der geistvollen Verfasserin sicher Gefallen 
finden. 
o Dcr Frühling Ist da! Wer es bisher noch nicht 
gewußt har, der wurde es gestern gewahr, als der Lenz mit 
Hellem Sonnenschein und milder Temperatur seinen Einzug 
hielt. Einen derart schönen Karfreitag haben wir seit vielen 
Jahren nicht gehabt. Hinaus ins Freie ging cS, die 
Winteikleidung mußte bereit- einem leichteren Anzug weichen. 
Bei diesem milden Wetter suchte das Auge nach dem 
„Grün" an Baum und Strauch. Und siehe da, dir grünen 
Blattspitzen schauten bereits au« den dicht gefüllten 
Kriospin. Auch die Kastanien zeigen schon starken Knospen, 
die jeden Augenblick aufspringen können. „Freitag-Weiter 
— Sonntag-Wetter" ist rin allbekannter Sprichwort. Mag 
er recht behalten, dann wird uns das auch von unseren: 
meteorologischen Mitarbeiter zugesagte schöne Ostrrwrttrr 
beschieden sein. 
o Jnbilänm. Die Hebamme Fräulein Dieben, 
Hcdwtgstr. 1 wohnhaft, begeht heute ihr lOjährigcS Amis 
jubiläum. Die hilfsbereite Dame hat so mancher jungen 
Mutier in Friedenau in ihrer schweren Stunde beige- 
standen. So werden ihr sicherlich viele herzliche Glück 
wünsche an ihrem Ehrentage zuteil werden. Luch wir 
schließen unS den Gratulanten an. 
o Wan« mutz ein Mieter abgeweidet werden? 
Diese Frage scheint sehr leicht beantworlet zu sein, und 
doch herrscht darüber noch wenig Klarheit. Zieht z. B. 
rin Mieter 14 Tage vor Ablauf seiner Vertrages aus. 
d. h. läßt er seine Möbel, besonders seine Betten und 
Bettstellen in die neue Wohnung bringen, so hat er sein 
Domizil verlegt, er ist mithin gezogen und muß spätestens 
am sechsten Tage nach dem Wegzug polizeilich abgemeldet 
werden. EL ist unerheblich, öü der Mieter die Schlüssel 
drr birherigeu Wohnung abgegeben hat oder nicht. Selbst 
wenn der Mieter noch einige „Klamotten" in der 
Wohnung gelassen hat, so ist er schon verzogen, sobald er 
sein Domizil verlegt hat. Die neueren Mietsverträge 
enthalten zumeist den Passus, daß wenn der Mieter vor 
zeitig zieht, der Vermieter das Recht haben soll, die 
Wohnung für den neuen Mieter instand zu sctzen und 
auch von letzterem beziehen zu lassen. Miete darf er 
natürlich für die Zeit bis zum Ablauf des früheren Ver 
trages nicht nehmen. Das Behalten der Wohnungs 
schlüssel seitens deS weggezogenen Mieter- ist übrrrtn- 
stimmend seitens der Preußischen Gerichtshöfe als eine 
Schikane angesehen worden und braucht nicht als et- 
schwerendeS Moment bet der Instandsetzung und Ueber- 
lassung an den neuen Mieter betrachtet werden. I?. 
o Ferienaufenthalt in Zinnowitz kann in den 
großen Ferien denjenigen Kindern gewäorr werden, deren 
Eltern die Kosten der Verpflegung und Reise in Höhr von 
60 M. selbst tragen können. Eltern, die von dieser Ein 
richtung Gebrauch machen wollen, werden gebeten, den 
Aufruf in der vorliegende-, Nummer zu beachten. 
o Ane deutschen Turnfest in Leipzig werden sich 
auch die Berliner Turner in großer Zahl beteiligen. Gau- 
turnwart Döring fordert auch die Alien zu fleißigen 
Uebungen auf, da wieder ein gemeinsames Turnen der 
„über 60 jährigen" stattfinde. Nach dem Turnfest treten 
250 Turner von Leipzig auS eine 18 tägige Ocientfahrt 
au. Ein österreichischer Dampfer wird die Teilnehmer non 
Triest auS nach Olympia, dem Schauplatz der klassischen 
Spirle, und von da nach Tunis, Sizilien, Neapel, Korsu 
und Venedig bringen. Auf dem Heimreise sollen Wien 
imd Prag besucht werden. 
o Die Stettiner Gormanka (L,benS-Beistcherury§- 
Aktien-Gescllschaf!) hat für daS tm Jahre 1912 zurück 
gelegte 55. GeschältSjahr folgende, wiederum recht be- 
friedigende Ergebnisse auszuweisen: Auf dem ganzen Gebiet 
der Kapital- und Rentenversicherung lagen drr Gesellschaft 
18 121 A'.lräge über 93496382 M. Kapital u, d 1 Million 
wieder vor Augen geführt hätte, die sich dort zugetragen 
hatten. 
Aber eine glückliche und zufriedene Gesellschaft halte 
sich am Weihnachtsabend um den runden Eßtisch in Sir 
Williams elegantem Stadthaus versammelt. Da warJulius 
Penfold, nicht länger als Sir Williams „Beschützer", sondern 
als sein zukünftiger Schwiegersohn und Inhaber einer vor 
nehmen Praxis im Westcnd, die Sir William für ihn er 
worben hatte. Da war Olivia, die glückstrahlend zwischen 
ihrer Mutter und ihrem Verlobten saß und entschlossen 
war, den Namen weiter zu führen, unter dem Julius sie 
zuerst gekannt hatte. Da war Sir Harry Dunloo mit 
seiner lärmenden Lustigkeit, da waren auch Nora Bilcon 
und Robert Brandts, die sich flüsternd von den Heldentaten 
Plutos und Proserpinas erzählten. 
Und ein wenig später, als das Dessert aufgetragen 
wurde, erschien Inspektor Black, den der Staatsanwalt ein 
geladen hatte, ein Glas Wein zur Erinnerung an „das 
Geheimnis von Monksglade" zu trinken, unter welcher 
Bezeichnung dcr Beamte die Abenteuer des vergangenen 
Sommers zusammenfaßte. 
Alle begrüßten den Detektiv mit freudigem Zuruf, und 
Sir William füllte dessen Glas mit eigner Hand. 
„So, Black," sagte er, „und nun wollen wir die Ver 
gangenheit begraben und in die Zukunst blicken. Für 
mich wird sie Zurückgezogenheit bringen, aber wie ich hoffe, 
auch noch ein paar Jahre dcr Ruhe und der Freude an 
dem Glück meiner Kinder. Ich habe gestern inein Ent- 
lassungsgesuch eingereicht. Aber die jungen Leute haben 
noch das ganze Leben vor sich, und ich hoffe, es möge ein 
glückliches sein. Und nun wollen wir aus das Wohl derer 
trinken, Inspektor, die dazu beigetragen haben, daß wir 
heute so fröhlich beisammen siüen." 
Mark JahreSrente zur Erledigung vor. Hierin einge- 
schlossen sind 469 Anträge über 1'V51067'M. Kapital 
aus d?r erst im vorigen Jahre von der Grsellschast ausge- 
nommenkn TodeSfallverflcherung ohne ärztliche Unter 
suchung. ES wurden neu abgeschlossen 15 773 Ver 
sicherungen über 78 849 323 M. Kapital und 1 Million 
Mark JahreSrente. Der Berstchcrungtbestand stieg für 
daS Ende dcs Jahres 1912 auf 220 931 Versicherungen 
über 925 136 470 M. Kapital und 13% Millionen Mark 
Jcihresrente. Dieser Bestand umfaßt 29 864 Versicherungen 
über 155 213 341 M. Kapital, wonach die JnvaliditätS- 
gefahr mitübernommen und eine jährliche Invalidenrente 
von 10% Millionen M., zahlbar bet Erwerbsunfähigkeit 
durch Krankheit oder Unfall, mitoersichrrt war. Die Kriegs 
gefahr war eingeschlossen auf 9 671 Versicherungen über 
58 322 575 M. Kapital. Der Bestand an Unfall- und 
Haftpflichtversicherungen umfaßte Ende deS JahreS 1912 
18 204 Poitzen mit einer Prämieneinnahme von mehr als 
% Millionen Mark. Im ganzen Geschäft der Gesellschaft 
betrug die Einnahme für Prämien 41 472 445 M. und 
für Zinsen 15 875 584 M. Tie Versicherten oder ihre 
Erben empfingen an Versicherungsbeträgen fast 88 Mill. 
Mark und überdies an Dividenden rund 8 Millionen 
Mark. Der JahreSüberschuß einschl. Zinsen an die Ge» 
winnreservcn der Versicherten stieg um mehr als % Million 
Mark gegenüber dem Vorjahr auf 11 110 208,97 M. 
wovon allein 95,7 Proz. mit 10 630 018,62 M. den mit 
Gewinnanteil Versicherten der Gesellschaft zugure kommcn. 
Die Aktionäre werden 432 000 M. oder 72 M. auf die 
Aktie, alS Zinsen und Dividenden auf die von ihnen ge 
leisteten Barzahlung erhalten, und den sonstigen Rerserven 
werden au? dem Ucberschuß 18 190,35 M. zufließen. 
o Dis Musikschule C. Macat, Horst-Kohl-Straße 15 
(nahe Lauenburger Platz), veranstaltete am letzten Mittwoch 
tm oberen Saale deS „Hohenzollern" dos 4. Schüler- 
I VortragSspiel, welches sich eines außerordentlich guten 
Besuches zu erfreuen hatte. E! war nicht nur das bei 
solchen Veranstaltungen übliche „Ellern"-Publikum, dar ja 
bekanntlich allzuleicht geneigt ist, jede Darbietung mit 
dankbarem Beifall aufzunehmen, zugegen, vielmehr hatte 
sich manche in Musikerkreisen wohlbekannte Persönlichkeit 
eingesunken, u. a. auch Herr König!. Kammervirtuos F»lix 
Meyer. So ist eS erklärlich, daß die einzelnen Vorträge 
mit reger Aufmerksamkeit bedacht wurden und auch der 
künstlerische Maßstab nicht außer Acht blieb. Wenn ich 
trotzdeur beobachten durfte, daß gerade von mustkoerftändtger 
Seite sehr oft und sehr warm applaudiert wurde, so bürgt 
dies wohl unbedingt für di« vorzüglichen Leistungen der 
genannten Schule. Was vor allHst, selbst bei den An- 
sängern, hervortrat, war dar rhythmische Spiel und die 
Beobachtung estier sauberen Technik. Dabei war aber 
auch zu bemerken, daß die befähigte Leiterin Frau Macat 
der besonderen Veranlagung ihrer Schüler durchaus 
Rechnung getragen halle. Mit einer heiteren und durch 
ihre Schlichtheit ganz besonders ansprechenden Vertonung 
„Die Musikstunde: für Kinderspiel" von Herrn C. Macat, 
begann Hildegard Schlutius die Vortragsreihe und erzielte 
damit, daß sofort eine aufnahmefreudige Stimmung sich den 
Zuhörern mitteilte. Er würde zu weit sührrn, wollte ich 
jeden Punkt der recht umfangreichen Programms besonders 
besprechen. Und daher beschränke ich mich darauf, nur 
einzelncs herauszugreifen. Da war zunächst Curl 
Lohmann, der „Haschemann" von Krcnzlin ganz vorzüglich 
spielte; ebenso konnte Hans Lohmann mit dem .Jagdstück" 
von Fritz Spindler Ehre einlegen. Ernst Hamann brachte 
„Morgengebet" und „Wilder R-iter" von Tschaikowtky 
sowie „Fröhlicher Landmann" von Rob. Schumann ver 
ständnisvoll zu G-chör. Line ausgezeichnete Leistung war 
die von Edith SchlutiuL. die Misere und Romanze a. d. 
.Troubadur* von Verdi Krug spielte. „Der Vöglrin 
Abendlied" von Richards war ein inniger Vorlrag dc§ 
Rudolf Hamunn. Fräulein Anne-Marie Robbe zeigte in 
der Beethoven-Sonate, cp 49 Nr. 1 Satz 1 eine gute 
Auffassung. Desgleichen erfreute auch Lotte Fischer durch 
die sichere W'-edergave einer Beethoven-Sonate, cp 2. 
Nr. 1 Satz 3 Gertrud Rosenkranz bewies ihre schöne 
musikalische Begabung in den gefühlvoll und ohne Be- 
n tzung dcs Notenblatts gespielten .Fantasie (Cap.icc)" 
cp 16 Nr. 1 von Mendelssohn und „^""ndruhe" von 
Loeichho.'N. Von de i vi rdändipen Bo trägen seien 
genannt Romanze von Ed. Rohde (F> . Marihu und 
He>-ne N> '») „M lodie I" rw R bin sic in (Frist 
Black schaute sich um, und seine Augen ruhten ab 
wechselnd ans Julius und Olivia, auf Robert und Nora. 
„Die Anwesenden sind immer ausgenommen," rief der 
alte Baron, „meine Bluthunde verdienen den Toast." 
Der Inspektor runzelte die Stirn, aber seine Augen 
lachten. Dann sagte er in gut gespieltem Zoru : „Ich ver 
schwende den guten Wein nicht an Hunde, ich trinke auf die 
Gesundheit von Fräulein Nora Bilcon und Herrn Robert 
Brandis. Es tut mir leid, daß ich Herrn Dollar Penfold 
und Fräulein Graßman nicht mit einschließen kann, aber 
die beiden haben mir damals beinahe die ganze Sache 
verdorben, weil sie ein bißchen zu — sehr mit sich selbst 
beschäftigt waren. Aber Fräulein Nora und der junge 
Herr Brandis sind die geborenen Detektivs, sie haben beide 
die richtige Nase für die Arbeit." 
Alle tranken auf die Gesundheit dcr beiden jungen 
Leute, und dann sprach Sir William: 
„Ich stimme mit Ihnen darin überein, lieber Black, daß 
unsere beiden jungen Freunde großes Talent zur Ent- 
deckung von Verbrechern bewiesen haben, und ich will 
ihnen daher Gelegenheit geben, dieses Talent in ehren 
hafter Weise auszunützen. " Nora können wir einstweilen 
»och nicht entbehren, aber Robert soll auf meine Kosten 
Iura studieren und während dieser Zeit — nicht in meinem 
Hause wohnen —, das würde sich nicht schicken, da ich 
zwei liebliche Töchter besitze, aber alle seine Mahlzeiten 
hei mir einnehmen. Ich hoffe, er wird mir Ehre machen, 
und vielleicht ist es mir vergönnt, noch so lange zu leben, 
daß ich ihn einst mit dem Namen nennen höre, den so 
viele erstreben und so wenige erringen: Eine Zierde des 
Richterstandes." 
Ende.
        
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