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Periodical volume Nr. 66, 18.03.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

reichend ist. de fürchte, daß man schließlich zu lange 
wartet und dar Kind mit dem vade aurgeschüttet werde. 
Bürgermeister Walger antwortet, daß e« so schlimm nicht 
sei, wie er immer gemacht werde, er kann noch jeder 
Brand von unserer Wehr bewältigt werden, Außerdem 
ist,r nicht so leicht, sich über die Sache schlüsstg zu 
machen, da die Ansichten der Techniker, war für Friedenau 
dar richtige sei, ob Benzin- oder elektrischer Betrieb, sehr 
verschieden sind. Man müsse da sehr genau prüfen. Die 
letzteren Aurführungen werden auch vom Schöffen Lichtheim 
und von den G-v. Franzrliu» und Matthter unterstützt. 
Der FeuerlöschauSschutz werde die Sache eingehend p:üfen 
und dann mit seinen Vorschlägen kommen. — G-V. 
Kunow beantragt, den Ausschuß für Jugendpflege 
wieder abzulehnen. Durch den GemeindeauSschuß werde 
der Ortsausschuß vollständig unmöglich gemacht. Ec 
glaub« nicht, datz sich ferner Leute finden zur freiwilligen 
Ueberwachung der Jugend. Gr halte auch den Betrag 
von 1500 M. für viel zu gering und beantrage, ihn auf 
3000 M. zu erhöhen. Bürgermeister Walger bittet, den 
Antrag Kunow abzulehnen. Man habe bei dem Beschluß 
über die Fürsorge für Tuberkulöse den Grundsatz gelten 
lassen, sobald von der Gemeinde größere Summen her 
gegeben werden, die im Mißverhältnis zu den Mitteln 
stehen, die von den Vereinen usw. aufgebracht werden, 
daß dann der Verein seitens der Gemeinde überwacht 
werde. ES war bisher keine direkte Instanz vorhanden, 
sodaß seitens der Gemeinde nicht» geschehen konnte. Mit 
Hilfe deS Ausschüsse» hoffe man die Jugendpflege besser 
fördern zu können. Mit den 1500 M. werde man aller 
dings nicht viel machen können. Aber vorläufig genüge 
e», wenn man diesen Betrag einstellt. Jedes Mitglied 
de» Ausschusses werde energisch mitzuarbeiten haben. SS 
werden viele Aufgaben zu erledigen sein. Sr bitte also, 
den Ausschuß bestehen zu lassen. G.-V. Kalkbrenner 
bittet, den Antrag Kunow anzunehmen. ES freue ihn, 
auch au« anderem Munde zu hören, waS er selbst schon 
vertreten habe. ES bestehe in der Tat die große Gefahr, 
daß da» Gute, war geschaffen wurde, wieder durch den 
Ausschuß zu Grunde gerichtet werde. Mit Geld kommt 
man da garnicht heran. Wenn man dafür ist, daß Kräfte 
sich für die Sache interessieren, müsse man sie freiwillig 
heranziehen. Wenn man, wie der Herr Bürgermeister 
sagte, sie überwachen wollte, werde man keine Männer 
fi iben;.bte müßten ja sonst die Achtung für sich verloren haben 
(Oho). Der Ortsausschuß war doch bestrebt, die Fühlung 
mit dem Gemeindeoorstand zu erlangen, indem er immer 
wieder mit der Bitte kam, gebt uns doch Geld. Aber im 
umgekehrten Sinne habe man noch Geld vom Ortsausschuß 
gefordert. Wenn man damit rechne, daß die Arbeiten 
sehr umfangreich werden, dann sehe man wohl schon vor 
aus, daß man auf ehrenamtliche Mitarbeiter nicht mehr 
rechnen könne. Bürgermeister Walger bestreitet, das 
Wort „überwacht" gebraucht zu haben. G.-V. Kalkbrenner 
erwidert, er habe sich das Wort sofort notiert und er 
höre, daß das auch vom Pressetisch bestätigt werde. 
Bürgermeister Walger antwortet, daß ihm die Presse nicht 
maßgebend sei. Er bestreite jedenfalls, das Wort „über 
wachen" gebraucht zu haben. G.-V. Kalkbrenner 
erwidert, er habe sich das Wort sofort notiert. G.-V. 
Kunow meint, er möchte mal wissen, waS der Gemeinde 
ausschuß eigentlich machen soll. Man brauche doch iinen 
solchen großen Ausschuß nicht zur Verteilung der Mittel. 
Schösse Lichtheim fragt, ob man denn glaubt, daß die 
Herren, die jetzt nicht mehr mitwirken wollen, unentbehrlich 
wären. G.-B. Finke erklärt, er sei der Meinung, daß 
diese Herren unersetzlich sind. Mer soll eS denn später machen; 
werden alle die Herren deS Ausschusses wirklich praktisch 
mitarbeiten wollen. Werden sie sich SonntagS Abends 
hinstellen, um sich mit der Jugend zu unterhalten? Und 
wenn sie eL machen wollen, die Jugend werden sie nicht 
finden. DaS kann man nur, wenn man die FortbildungL- 
schullehrer für die Sache gewinnt. Gewinnt man diese 
nicht, ist die ganze Arbeit hinfällig (Sehr richtig) Bürger 
meister Walger bemerkt, man wolle doch die Herren 
gewinnen, darum sei ja der Vorsitzende und Oberturnwart 
de» Turnverein» in dem Ausschuß, ebenso ein Rektor, 
Pfar-er Vetter u. a. G-B Dr. Tänzler fp icht sich auch 
gegen den Ausschuß auS. Sr habe geglaubt, der Ausschuß 
solle nur die Verteilung der Gelder vornehmen. Dazu 
brauche man aber keinen so großen Ausschuß. G.-Ä. 
Uhlenbrock äußert sich über die rechtliche Seite. Wenn 
eS sich bei dem Ortsausschuß nicht um einen rechtlichen 
Verein handele, so könne man ihm doch keine Gelder zu 
weisen. Der Bürgermeister erklärt, daß die Orts 
ausschüsse sich überall gebildet hätten auf Anregung von 
der Regierung Es sind allerdings keine Vereine mit be 
stimmten Satzungen. Er erkennt die Tätigkeit der Lehrer 
voll und ganz an, man werde auch ferner auf deren Mit 
hilfe in hervorragendem Maße angewiesen sein. Der 
Ortsausschuß soll der Gemeinde einen Voranschlag ein 
reichen, der von dem GemetndeauSschuß geprüft wird. ES 
sind auch schon Mißstimmungen im Ortsausschuß vor 
handen gewesen und da soll der Gemeindeausschuß als 
Vermittler einsetzen. Der Ortsausschuß sei doch in der 
Gemeindevertretung nicht vertreten. G. V. Kalkbrenner 
erklärt, daß der Ortsausschuß sehr wohl Satzungen habe. 
Einzelne Herren de» Gemeindeausschusses haben sich ja 
schon in hervorragender Weise in der Jugendpflege be 
schäftigt. Herr Kühn sei sogar amtlicher Jugend 
pfleger für den ganzen Kreis. Man habe diese Herren 
hier wohl gewählt, habe sie aber nicht gefragt, ob 
sie daS Amt annehmen. In dem Ortsausschuß sind auch 
Handwerksmeister tätig, Herr Bäckermeister Wermke ist der 
Vorsitzende, ferner ist im Vorstand der Werkmeister Ey u. a. 
Der einzige Lachende, wenn man den Ausschuß wähl», ist in 
dieser Sache der Kollege Richter. Ein Schlußantrag, der 
j tzt einläuft, wird abgelehnt. G.-B. Finke meint, man 
könnte vielleicht die Sache so machen, daß man Herrn 
Schöffen v. Wrochem Sitz und Stimme im Ortsausschuß 
gebe. G.-V. Dr. Tänzler beantragt, den Ausschuß zu 
verkleinern, bestehend au» einem Schöffen und drei Ce- 
mrindeverordnetrn. G.-V. Richter bemerkt, er wäre nicht 
in der Lage, ein« Erklärung dafür abzugeben, daß die Be 
strebungen der Jugendpflege lobenswert sind. Und darin 
werde er noch bestärkt, durch die heutige Debatte. Er sei 
dafür, daß Gemeindemittel auch gleichmäßig verteilt 
werden. DaS sei hier nicht der Fall. Dem Arbeiter- 
turnverein versage man beispielsweise dir Turnstätte. Auch 
den Arbeiterkreisen muß die Möglichkeit gegeben werden, 
turnen zu können. G.-V. Kunow erwidert, daß auch die 
Arbeiter im Friedenauer Turnverein turnen können. ES 
geht dort nicht nach politischen Anschauungen (G. V. Richter 
lacht). Wir lieben da» Vaterland (G >V. Richter: Wir 
auch) und unser Königshaus. Wenn Sie das vielleicht als 
politisch betrachten. Sie brauchen keinen Arbeiterturnverein. 
In der nun folgenden Abstimmung wird der Antrag: den 
Ausschuß für Jugendpfl.-ge bestehen zu lassen, mit 11 gegen 
12 Stimmen abgelehnt. Der Antrag deS G.-V. Tänzler, 
einen Ausschuß bestehend auS einem Schöffen und 3 Ge- 
meindeverordneten einzusetzen, wird gleichfalls abgelehnt. 
Schöffe v. Wrochem erklärte vorher, daß er e» ablehne, 
mit einem Ausschuß zu arbeiten, in dem nur Gemetnde- 
verordnete und keine Bllrgerdeputierte wären. G.-D. 
Kunow zieht seinen Antrag, den Betrag für die Jugend 
pflege auf 3000 M. zu erhöhen, zurück. Ein Antrag deS 
G.-V. Uhlenbrock, in der Bemerkung zum Ausdruck zu 
bringen, daß der Betrag für die Jugendpflege zur Ver 
fügung des GkmeindevorstandeS bleibt, wird nahezu ein 
stimmig angenommen. (Schluß folgt.) 
Lokales 
(Nachdruck unserer o-Originalartikcl nur mit Quellenangabe gestattet.) 
o Unsere Kinderfürsorgestclle, die z. Z>. Ried- 
straße 2 untergebracht ist und unter Leitung des Kinder- 
arzteS Herrn Dr. SchapS steht, erfreut sich in unserem 
Orte großer Beliebtheit. Im vergangenen Jahre be 
suchten die Ep cchstunde 1109 Kinder, die geringste Zahl 
war 52 im April, die Höchstzahl 115 im März. ES 
wurden insgesamt 1554 Hausbesuche gemacht. Die geringste 
Zahl mit 32 im April, die höchste Zahl mit 252 im 
August. Die Gesamtzahl der in Aufsicht stehenden Kinder 
betrug 179. Von diesen waren Haltekinder 01 (11 ehelich, 
80 unehelich), uneheliche Kinder bei der Mutter oder den 
Großeltern 33. Kinder arm-nunterstützter relp als arm 
anzusehender Eltern 55, sämtlich ehelich. ES traten in 
Beobachtung im Alter von 0— 1 Monat 63 Kinder. 1—2 
Monaten 31 Kinder. 2—8 Monaten 18 Kinder, 3—6 Monaten 
30 Kinder, 6—9 Monaten 15 Kind«, S—12 Monaten 
7 Kinder, 12—15 Monaten 7 Kinder, '15—18 Monaten 
4 Kinder, 18—21 Monaten 8 Kinder und von 21—24 
Monaten 1 Kind. Es wurden an der Mutierbrust ernährt 
19 Kinder V2 Monat lang, 5 Kinder IV2 Monat lang. 
2 Kinder 2 Monate lang, 5 Kinder 3 Monate lang. 
4 Kinder 4 Monate lang. 4 Kmder 5 Monate lang. 
6 Kinder 6 Monate lang. 2 Kinder S Monate lang, 
1 Kind 10 Monate lang. SS ist bemerkenswert, daß trotz 
deS heißen Sommer» 1911. der allgemein ein starke« An- 
steigen der Säuglingssterblichkeit verursachte, kein Todes 
fall in der hiesigen Fürsorge zu verzeichnen war. Im 
Jahre 1912 ersolgte ein plötzlicher Todesfall au» unbe 
kannter Ursache bet einem bis dahin völlig gesunden Kinde. 
Diese» Ergebnis ist um so erfreulicher, als allgemein «in 
gute» Gedeihen der Kinder zu verzeichnen ist. Die Pflege- 
eltern unterziehen sich fast ausnahmslos sehr gern der 
Kontrolle. Die Qualität der Pflegefrauen ist al« gut zu 
bezeichnen, die Nachfrage nach solchen konnte stets de- 
friedigt werden. 
0 Die neuen Reichssteuern. Wie der Hansa-Bund 
auf Grund zuverlässiger Nachrichten mitteilt, kommen 
Kohlensteuern, Dividenden- und KotterungSabgaben. ferner 
QüittungSsteuern für die Deckung der neuen Ausgaben 
nicht tn Frage. 
0 Die Handwerker nnd daS Negierung»» 
jubiläum de» Kaiser». Der Vorstand der Handwerks- 
k atmn er zu Berlin fordert in einem Rundschreiben an 
sämtliche Gkwerbeveretne, Organisationen deS Handwerks 
und Innungen tm Bezirk zum bleibenden Andenken de» 
25jährtgen ReglerungsjubtläumS de» Kaiser» zur Sammlung 
von Beiträgen zu einer Jubiläumsgabe auf, die den 
Veteranen deS Handwerks und ihrer Witwen zugute 
kommen soll. Da« RegierungSjubtläum soll am 16. Juni 
tn sämtlichen Räumen der Kammersäle durch eine Fest- 
versamlung des Handwerks gefeiert werden. 
0 Abouuementserneuerurrg nicht vergessen! 
Um sich den pünktlichen Fortbezug unsere» BlatteS zu 
sichern, bitten wir unsere Postbezieher, die Erneuerung der 
Bestellung sofort zu veranlaffen. Sie geschieht am ein- 
sachsten durch den Briefträger, der auch Neubestellungen 
annimmt. Durch die Post bezogen kostet der „Friedenauer 
Lokal-Lnzeiger" (einschließlich Bestellgeld) nur 64 Pf. Die 
Bestellung erfolgt jeden Abend pünktlich mit der 6. Be 
stellung (6—7 Uhr abends). ' , ■ 
' 0 Silberne Hochzeit. Am 31. März 1913 feiern 
der Chauffeur Adolf Schönfeld und feine Ehefrau, die 
gewerbsmäßige Stellenvermittlerin Frau Anna Schönfeld 
geb. Schubert, tn Friedenau, Ringstr. 25, da« Fest der 
silbernen Hochzeit. Beide Eheleute, die sich des besten 
RufeS erfreuen, librn in glücklichster Ehe. Möge ihnen 
auch für die Zukunft nur Glück befchieden fein. 
0 Einstweilen eingestellt ist. da« Verfahren betr. 
die Zwangsversteigerung deS Grundstücks Stubenrauch- 
straße 11/12, Ecke Rotdornstraße 4,-dem Rentier Anton 
Kaufmann hierfetbst gehörig. — Hertelstr. 7, der Grund- 
stückSverwertungSgefellfchaft Büsingstraße m. b. H. tn 
Berlin gehörig. Das ZwangSversteigerungsoerfahren ver 
fiel der Vertagung. Ein neuer Versteigerungstermin wird 
bekanntgegeben. 
0 Im Wege der Zwangsvollstreckung soll da« 
Hähnelstraße 12 und zur Hähnrlstraße belegene, auf den 
Namen der offenen Handelsgesellschaft'in Firma Großkopf 
und Schulz. Bauttschleret zu OctelSburg, Zwetgniederlaffung 
tn Berlin Schöneberg, jetzt tn Liquidation eingetragene 
Grundstück am 26. Mai 1913, Vormittags 10 Uhr, ver 
steigert werden. Das Grundstück ist mit einem jährlichen 
Nutzungswert von 10 530 M. veranlagt. 
0 Zum Besten eine» LyuagogeubaueS in 
Friedenau-Steglitz oeranstaitet der ,Jüdisch- ReUgtonS- 
verein Friedenau, Steglitz und Umgegend" einen Festball 
am Sonnabend, den 22. cr., abends 9 Uhr und ein 
Künstler-Konzert am Sonntag, dem 23. März, nachm. 
5 Uhr, beides im „GesellschaftihauS de- Westen«* zu 
Schömberg, Hauptstr. 30/31 Schon der gute Zweck der 
zweite ihm zu, und das melancholische Konzert dauerte : 
ununterbrochen fort, bald lauter, bald leiser, aber immer J 
an derselben Stelle. ■ 
„Sie laufen nicht mehr," flüsterte Rob angsterfüllt. ' 
„Um Gottes willen, was kann da los sein?" 
Sir Harrys größere Erfahrung machte es ihm möglich, * 
die Frage zu beantworten. „Sie haben den Gesuchten in 
der Nase, oder sie sehen ihn, aber sie können ihn nicht er 
reichen," sagte er und fügte mit plötzlich erwachtem Ent 
setzen hinzu: „Bei Gott, ich weiß, wo sie sind. Sie sind 
an dem alten Eishaus. Kommen Sie beide mit, schnell, 
schnell!" 
Der Baron drang in den Wald ein, und die andern 
folgten ihm, so schnell sie konnten, denn bald stolperten sie 
über alte Baumwnrzeln, bald blieben sie in den Dornen 
der Brombeeren hängen. Endlich erblickten sie beim Licht 
der Laternen ein niedriges, halb zusammengefallenes Haus 
mit einem chinesischen Dach, halb im Unterholz versteckt. 
Es hatte keine Fenster, und die Tür war längst den An 
griffen von Wind und Wetter zum Opfer gefallen. Durch 
den offenen Eingang eilte der Eigentümer des Schlosses 
hinein, dicht gefolgt von Robert und dem Inspektor, der 
kaum noch atmen konnte, so war er gerannt. Die Laternen 
warfen einen finsteren Schein auf das Bild, das sich den 
Augen der Herbeieilenden darbot, und das nur zu deutlich 
für sich selbst sprach. Die beiden großen Hunde liefe» 
unter fortgesetztem lauten Bellen um ein kreisrundes Loch 
im Boden herum, manchmal setzten sie sich auch nieder und 
versuchten in die Tiefe zu schauen. 
„Gott sei seiner Seele gnädig!" sagte Sir Harry und 
nahm seine alte Sportmütze ab. „Die Schurken haben I 
den Unglücklichen in den Eisschacht hinuntergeworfen, und > 
der ist vierzig Fuß tief." ' , 
... Er legte sich längelang ans den Boden und schaute ; 
über den Rand des Loches in die schwarze Tiefe hinab, ' 
ober die schwachen Strahlen seiner Laterne beleuchteten nur 
ein paar Fuß des feuchten Manerwerks, weiter drangen ! 
sie Nicht. Der Baron sprang wieder auf. i 
„Ich werde die Hunde halten," sagte er nnd nahm die 
Riemen aus Roberts Händen. „Sie haben die jüngsten 
Beine, laufen Sie, was Sie können, um Hilfe zu holen, 
wir brauchen ein paar kräftige Männer nnd ein paar lange, : 
haltbare Taue. Versuchen Sie es mal zuerst ans Blumers > 
Hof. Es ist der nächste, und ich weiß, daß mehrere Knechte \ 
dort schlafen." 
Wie der Wind war die schlanke Gestalt des jungen ! 
Mannes zwischen den Buchen verschwrmdcn. Sir Harry 
band die Hunde an einem der halbverfanlten Türpfosten 
an, dann machte er sich mit Black daran, den Boden rings 
mn das Haus zu untersuchen. Es war nicht schwer, dar 
aus zu schließen, wie das letzte Kapitel in dem Lebeiis- 
roman des arinen Penfold gelautet haben mußte. In 
einer Entfernung von etwa vierzig Meter hatten die Träger 
den schweren Körper des jungen Mannes auf die Erde ge 
würfen und ihn dann nicht wieder aufgenommen, sondern 
bis an den Rand des Schachtes geschleift. Dadurch war 
es den Hunden möglich geworden, das Endziel zu erreichen, 
nachdem sie an der Stelle, wo den Mördern ihre Last zu 
schwer geworden, die Spur wieder aufgenommen hatten. 
Der Baron ließ von Zeit zu Zeit einen zornigen Aus 
ruf hören, aber der Inspektor schwieg, tief in Gedanken 
versunken. Er sah jetzt keinen Ausweg mehr, er mußte 
Olivia verhaften, denn es war keiner mehr da, der sie 
hätte von dem Verdacht reinigen können. Die einzige Hoff 
nung für sie schien nur noch darin zu liegen, daß Schnrnock 
und seine Genossen verhaftet wurden, und daß vielleicht 
einer von ihnen sich dazu hergab, Kronzeuge zu werden. 
Aber diese Hoffnung hing an einem sehr schwachen Faden. , 
Die Bande war ihm so oft wieder entschlüpft, wenn er 
schon geglaubt hatte, sie zu halten, daß er auch diesmal 
»icht mit allzu groß:,» Vertrauen in die Zukunft blickte. 1 
So verging eine halbe Stunde, als man Licht durch die 
Bäume schimmern sah und näherkommende Stimmen ver- 1 
kündeten, daß Rob mit Hilfe zurückkam. Wenige Minuten , 
darauf umstand die kleine Gruppe die schwarze Oeffäung 
des Eisschachtes. ' 
„Ich werde hmuntcrsteigen!" rief Robert eifrig und 
begann sich mit dem Seil zu umgürten, das er mitae- 
bracht hatte. 
„Rein, mein junger Freund, das werde ich tun", ver 
setzte Sir Harry ruhig, aber in einem Ton, der keinen 
Widerspruch duldete. „Es ist mein Eishaus und meine 
Schuld, daß es zu einem solchen schurkischen Zweck benutzt 
wurde. Also habe ich das erste Recht, den Schacht zu 
untersuchen. Ich bitte um das Seil." 
Der entscheidende Stoß Blacks. 
Es war halb elf, als Inspektor Black die Billa wieder 
erreichte. Trotz des ereignisreichen und ermüdenden Tages 
ging er mit raschen Schritten auf das erleuchtete Hans zu. 
Da kam plötzlich aus dem Gebüsch eine weißgekleidete Ge 
stalt und legte die Hand auf seinen Arm, um ihn aus 
zuhalten. 
„Herr Black," flüsterte ihm eine Stimme leise ins Ohr. 
„Fraulein Bilcon?" erwiderte der Inspektor. „Wenn 
es nicht etwas sehr Wichtiges ist, dann schieben Sie es. 
bitte, auf. Ich habe dringende Angelegenheiten im Hause 
zu erledigen." 
AVer Nora wollte sich nicht abweisen lassen. Sie 
wartete hier schon lange auf ihn, erklärte sie ihm, weil 
etwas geschehen war, was er unbedingt sofort erfahren 
mußte. Nachdem er ihre ateinlose Erzählung angehört 
h-stte. wie Herr Trenkley sie hatte rufen lassen, um ihr 
Olwias Verwandtschaft mit den Graßmüns zu verraten, da 
gestand Black zu, daß sie recht gehabt habe, wenn sie ihm 
dies gleich habe initteilen wollen. Es flog sogar ein Zu 
friedenes Lächeln über sein Gesicht, als sie ihre Erzählung 
mit einer ausführlichen Beschreibung von Herrn Trenkley« 
heimlichem Besuch im Schloß beendigte, und er erfuhr 
wre der Sekretär damals, ohne daß er es wußte, von den 
Kunden verfolgt wurde. 
(Forts rtzmrz folgt.)
        
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