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Periodical volume Nr. 65, 17.03.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

Sicherungen vergingen 15 Minuten, dann war die Be« 
leuchtung wieder in Ordnung. Der Ausschuß hat sich die 
Lache angesehen; eS läßt sich nicht feststellen, au» welchem 
Grunde der Schalter plötzlich versagte. Ts kommen der» 
artige Fehler auf allen Werken vor. Die Elektrizität ist 
ein Element, da« der Mensch noch nicht meistern kann. 
Wenn bei Wafler» und Gasleitungen Mängel eintreten, 
so weiß man die Ursache festzustellen. Bet der Elektrizität 
ereignen sich aber immer noch Vorfälle, die dem mensch» 
lichen Wissen sich verschließen. E» sind aber Maßnahmen 
getroffen worden, um solche Vorfälle künftig zu vermeiden, 
indem noch weitere Reserven geschaffen werden.» G.-V. 
Ott bittet, die Gemeindevertretung zur Besichtigung de« 
jetzigen neuen Betriebe» einmal einzuladen. Bürgermeister 
Walger verspricht die». 
Kapital- und Schuldenvrrwaltung wird genehmigt. 
Eine längere Aussprache findet über die Vermögeninach- 
wetsung statt. G.-V. Kalkbrenner beantragt, den Wert 
der Denkmäler auf 1 M. herabzusetzen. Dieser Antrag 
wird abgelehnt, nachdem Baurot Altmann erklärt hatte, 
daß die Denkmäler doch einen Wert besitzen. Der Sintflut- 
brunnen habe beispielsweise 13 000 M. gekostet, dabei ist 
der künstlerische Wert noch garnicht berücksichtigt. Der 
Antrag de» G.-V. Kalkbrenner, die VermögenSaufstellung 
au» dem Voranschlag herauszulassen, wird abgelehnt. 
Dagegen wird auf Antrag de» G.-V. Richter beschloffen, 
die Vermögensaufstellung dem Finanzausschuß zur ein 
gehenden Prüfung zu überweisen. G.-V. Berger wünscht 
auch, daß bet den Inventarien die richtigen Abschreibungen 
erfolgen. Der Bürgermeister erklärt, daß Abschreibungen 
vorgenommen sind, die Erhöhungen ergeben sich aus 
neuen Anschaffungen. 
Bet den Höheren Schulen wünscht G.-V. Finke sür 
den Schuldiener deS RealgymnastumSjdieselbe Gehaltsstufe 
wie für den Schuldiener des Lyzeums. Der Antrag wird 
abgelehnt. Ein« Anfrage deS G.-V. Berger über die 
Unterhaltung der Gartenanlagen der Direktoren soll in 
geheimer Sitzung besprochen werden. Die Umzugs^ und 
Reisekosten werden für sämtliche höheren Schulen gleich 
gestellt. Ueber die verschiedenartigen Pauschbeträge sür 
kleinere Ausgaben der Direktoren und Rektoren soll in 
2. Lesung Auskunft gegeben werden. 
Die Anregung drs G.-V. Finke, die Auslagen für 
die Schulprogramme und damit die Kosten dafür herab 
zusetzen, soll im Kuratorium eingehend besprochen werden. 
G.-V Finke bittet, die sür Reinigung der Turnhalle deS 
Realgymnasiums von den Vereinen gezahlten Beträge auch 
voll an die mit der Reinigung beauftragten Personen 
abzuführen. Bürgermeister Walger erklärt hierzu, daß 
dies geschieht. In der 2. L.sung soll Auskunft darüber 
gegeben werden, ob der Evangelische Männer- und 
JünglingSoerein und der Maischiereroerein die Benutzung 
der Turnhalle bezahlen. 
Volksschulen. Der Voranschlag wird genehmigt. G.-V. 
Finke wünscht, daß auch denjenigen Kindern, die trotz 
eineS Unfalls die Schule besuchen, die Unterstützung ge 
zahlt wird. Bürgermeister Walger eiklärt, daß dicS in 
Zukunft geschehen soll. Der Vertrag mit dem Schularzt 
Dr. Schultz ist verlängert worden. G. V. Richter fragt 
an. waS bisher geschehen sei bezüglich der Einführung der 
Lklasstgen Volksschule. Bürgermeister Walger erklärt, 
daß die Schuldeputation diese Angelegenheit dauernd im 
Auge behalte. ES sei die Entscheidung aber nicht so 
leicht zu treffen. G.-V. Schultz befürwortet ebenfalls die 
Lklafstge Volksschule. Die Mehrkosten hierfür würde er 
gern bewilligen. Bürgermeister Walger erklärt, daß die 
Echuldipulation demnächst mit Vorschlägen kommen werde. 
Die Voranschläge: HandfertigkeitSunierrtcht, Gewerb- 
ltche Fortbildungsschule, Elektrizitätswerk wurden glatt 
genehmigt. 
tSarten- und FriedhofSverwaltung, Ausgabe: G.- 
Richter fragt an, ob dir Lohnberechnung nach dem To 
der Einstellung oder der Anstellung erfolgt. Schöffe Lichthel 
antwortet: nach dem Tage der Anstellung. Für die n 
wendigen Fuhren nach Gütergotz sollen 2 Pferde bescho 
werden. 1000 M. sind dafür eingestellt. G°V. Berg 
hält den Betrag sür zu gering und G.-V. Ott hofft, d 
die Pferde so stark werden, daß sie bei Fuhren nach Güt 
gotz auch über die Weichbildgrenze Friedenaus hinar 
kommen (Heiterkeit). Schöffe Lichtheim glaubt, daß t 
Betrag ausreichend ist. — 70 Meter Tiergartengitter, i 
auf dem Laubengelände lagern und aus dem Südwestkoi 
stammen, werden auf Anregung de- Schöffen Lichthe! 
den Ferienkolonieveretn kostenlos überwiesen. 
Außerordentliche Verwaltung. G.-V. Kuno 
wünscht, daß ein Teil deS Spielplatzes an der Laubach 
Straße schon jetzt eingerichtet wird. Bürgermeifl 
Walger antwortet, daß da» geschehen könne, wenn ar 
schließlich vorerst als Buddelplatz für kleine Kinder, l 
wird darüber eine Vorlage gemacht werden. Auf A 
rrgung der Schöffe Lichtheim werden die Beträge f 
Projektierung und Fahrgeld bei dem Punkt: Einrichtung d 
Friedhofes in Gütergotz gesondert eingestellt. 
Die Voranschläge der FondSoerwaltung und d 
Stiftungen und Vermächtnisse werden nicht beanstandet. 
Steuerverwaltung: Er wird angeregt, sür t 
Gewerbesteuerklaffen I und II einen höheren Prozents! 
festzusetzen schon mit Rücksicht darauf, daß auch der Kre 
für diese Klassen höhere Sätze erhebt. Es soll in d 
2. L.-sung eine Aufstellung gemacht werden, welchen Eff, 
diese Erhöhung hätte, um dann darüber zu beschließe 
Die Filtalsteuer wird mit 10 000 M. eingestellt. ‘ 
Berger beantragt, die Hundesteuer zu erhöhen, 
meister nimmt diesen Vorschlag sofort freudig auf. 
er noch bemerkt: auf wieviel hundert Mark? E 
Berger schlägt 50 M. vor. Schnell läßt der Bitt 
meister abstimmen und mit 11 Stimmen wird der Ant 
die Hundesteuer auf 50 M. zu erhöhen, angenomme 
Rach Verlesung und Unterzeichnung deS Proto 
wird die öffentliche Sitzung gegen 1 / 2 l 1 Uhr geschlo 
Es folgt eine geheitne Sitzung. 
Lokales 
(Nachdruck unserer o-Originalartikel nur mit Quellenangabe gestattet.) 
o Veraulagnng»ko»misfion Berlin-Steglitz. 
Der GerichtSaffessor Boenicke in Berlin ist vom 1. April 
1913 ab dem Vorsitzenden der Veranlagungskommission in 
Berlin-Steglitz al« Hilfsarbeiter überwiesen und zu seiner 
Stellvertretung ermächtigt. 
o Die geplante Verschandelung deS Dürer- 
platzes, die vom Schöneberger Magistrat den Stadtver 
ordneten zum Beschluß vorgelegt wurde, soll nun doch 
aufgegeben werden. ES war beabsichtigt, die gesamten 
gärtnerischen Anlagen zu beseitigen, um für den Wochen 
markt mehr Platz zu bekommen. Nunmehr soll der Platz 
nur umgestaltet werden, um durch eine anderweitige Ver 
teilung der gärtnerischen Anlagen Platz zu schaffen. 
o Denkmünze« 1813—1913. Heute ist die AuS- 
gäbe der neuen Gedenkmünzen (Zwei- und Dreimarkstücke) 
zur Erinnerung an die Hundertjahrfeier erfolgt. Die 
Münzen zeigen auf der Vorderseite einen Adler, der in 
seinen Klauen eine Schlange hält. Die Aufschrift lautet: 
„Deutsches Reich 1913 — zwei Mark." Die Rückseite 
zeigt Friedrich Hilhelm III. zu Pferde, umgeben von einer 
Gruppe Kriegsfreiwilliger. Am oberen Rande befinden sich 
die Worte: „Der König rief und alle, alle kamen." Und 
unter der Gruppe steht der preußische Wahlspruch: »Mit 
Gott für König und Vaterland‘ und dar Datum 
17. 3 1813. Da die Denkmünzen nur in einer beschränkten 
Anzahl angefertigt würden, dürfte eS schwer sein, sie zu 
erlangen. Wie wir gesehen haben, sind mehrere dieser 
Münzen im Schaufenster der „Adler-Apotheke", Rheinstr. 16 
ausgestellt. Dein Besitzer der Adler-Apotheke Herrn Süd,'-?, 
war eS möglich, einen größeren Posten dieser Münzen zu 
erwerben, um sie seiner Kundschaft zugänglich zu machen. 
ES kann also jeder Kunde die Gedenkmünze, solange der 
Vorrat reicht, durch Einwechseln in der Adler-Apotheke 
erhalten. 
o Das Ende des Familienbadrs in Wannsee. 
Im vorigen Jahre war bekanntlich schon die Rede, daß 
der Familienbadbetrieb in Wannsee aufgehoben werden 
soll. Die Betriebsgesellschaft hatte in der Familienbade 
anstalt gestern eine AussichtSratSsitzung, an der alle Mit 
glieder teilnahmen. Rach eingehender Beratung wurde 
beschlossen, den Familienbadebetrieb völlig abzuschaffen, so 
daß nur noch die getrennten Bäder für Damen und 
Herren übrig bleiben. Die Pachtsumme muß deshalb 
natürlich bedeutend ermäßigt werden, sonst würden auch 
diese Bäder wohl kaum erhalten bleiben. ES ist mit 
Sicherheit anzunehmen, daß daS Freibad nunmehr einen 
großen Teil der Gäste deS ehemaligen FamilienbadeS be- 
kommen wtid. Die Benutzung deS FamilienbadeS, wie 
sie in Dieppe, Ostende und an der französischen Küste 
allgemein eingeführt ist, scheint sich hier nicht einbürgern 
zu wollen, war auch in gewisser Beziehung ganz gut ist. 
o Grundstücke ohne Eigentümer. Zwei Schlachten- 
seer Eigentümer haben freiwillig da» Eigentum an ihren 
Grundstücken aufgegeben. Dieser Fall ist.noch dkkt.Be- 
stimmung-n des Bürgerlichen Gesetzbuches möglich. Es ist 
dann niemand Eigentümer, und eS bleibt den Hypothrken- 
gläubigern überlassen, die Zwangsversteigerung zu be 
treiben. Diese» Manöver wurde früher häufig zu dem 
Zwrcke ausgeführt, um Steuerersparnisse zu erzielen, nament 
lich um die Wertzuwachssteuer zu umgehen. Ta nur der 
Veräußerer, nicht aber der Erwerber zur Wertzuwachssteuer 
herangezogen wird, so kann, da niemand Eigentümer ist, 
in solchen Fällen auch kein Eigentümer zur Wertzuwachs- 
steuer veranlagt werden. Ob bei den beiden Schlachtenfeer 
Fällen eine ähnliche Absicht vorliegt, kann natürlich nicht 
behauptet werden. 
o Der Verein der Gartenfreunde in Berlin- 
Friedenau veranstaltete am Sonnabend Abend im oberen 
Saale deS »Hohenzollern* ein fiöhlicheS Eisbeinessen. Die 
Milde und Wärme, die Heiterkeit und Innigkeit, die FloraS 
liebliche Kinder ausstrahlen, hat ganz selbstverständlich auch 
in den Herzen unserer Gartenfreunde ein Heim gefunden. 
Fern von allem Tagisgezänk und politischem Streit, steht 
der Verein der Gaitenfreunde als der Ruhepunkt da, der 
in sich sammelt die Freunde der Natur. Und die Innigkeit 
des Gemütes trat auch in der kleinen festlichen Ver- 
anstallung deS Vereins am Sonnabend wieder hervor. Es 
wurden keine großen Reden geschwungen, keine Toaste aus 
gebracht. Jeder fühlte sich als Mitglied einer großen 
Familie, die durch jeden Teil für die löblichen Bestrebungen 
d-S Vereins Herz und Hand einsitzt. Auf doß, wenn der 
Fiühling inS Land gezogen, olle Welt von unserem schönen 
Oit singen kann: 
Ich grüße dich, mein Zriedenau, 
">>n Frühlingssonnenglanz, 
Wenn deiner Gärten holde Pracht 
Erstrahlt im Blüienkranz. 
Wenn s mir Balkönen leuchtend winkt: 
Die Pelargonien glühn, 
Elch'S um Pergolen ringelnd schlingt 
Und Bäum' und Sträucher blühn! — 
Ohne Blumen ist eine Veranstaltung des Vereins 
undenkbar und so waren denn auch die Tische reich mit 
blühenden Hyazinten, KrokoS u. a. Blumen in allen Farben- 
tönen geschmückt. Und zu dem Blumenflor die Blumen 
der Schöpfung: die Damen. Sie waren auch bei dieser 
Veranstaltung nicht ausgeschlossen! Und wenn das Fist 
einen so ruhigen, harmonischen Verlauf genommen hat, 
haben dazu sicher auch die Domen ihr Teil beigetragen. 
Gegen 1 I 2 9 Uhr eröffnete der Vorsitzende Herr RechnungSrat 
Richter das von rund 80 Personen besuchte Fest mit einer 
kurzen Ansprache, in der er auf die schön verlaufenen 
Jahrhundertfeiern in unserer Gemeinde und die Elternabende 
hinwies mit der Empfehlung, derartige Veranstaltungen, 
die Gute» bieten, stets zu besuchen. Er wünschte dann 
allen guten Appetit. Dieser Wunsch wurde freudig auf 
genommen, denn die zarten Eisbeine mit dem dazu gereichten 
Erbsenpüree und Sauerkohl mundeten allen vortrefflich und 
brachten dem neuen Hohenzollernwirt manches Lob ein. 
Während des Essens sorgte ein Klavierspieler durch 
vollendeten Vortrag hübscher Weisen sür gute Unterhaltung. 
ES wurde darmrf das erste allgemeine Lied zum Lob des 
Eisbeins gesungen. Der Vorsitzende begrüßt« dann Ul 
einer Ansprache die Gäste, insbesondere Frau und Herrn 
Wirth au» Dahlem und Herrn Garteninspektor Körte nebst 
Gemahlin. Den Gästen wurde "'ein kräftiger „Schluck" 
daigebracht. Herr Königlicher Kammermusiker Günther 
erntete nun reichen Beifall für einen Violinvortrag, innig 
und technisch sauber gespielt. St wurde dabei von seiner 
Tochter anpassend auf dem Klavier begleitet. Fräulein 
Maurer erfreute darauf mit einigen heiteren Rezitationen, 
die lebhaft applaudiert wurden. Nachdem noch zwei lustig« 
Lieder — auf Erbsen und Sauerkohl —. gemeinsam ge 
sungen waren, wurde die eine Hälfte deS Saales aus 
geräumt. Ein gemütliches Tanzkränzchen sorgte dann 
dafür, daß die fröhliche Gesellschaft noch bi» weit nach 
Mitternacht sich vergnügte. AIS Andenken an den schönen 
Abend durfte jeder eine hübsch«' Topfblume mit nach 
Hause nehmen. 
o Die Hohenzollern-Lkchtspiele, Handjerystr. 64, 
finden mehr und mehr Anklang. Gestern war dar Hau» 
wieder einmal ausverkauft 1251 Besucher wurden gezählt, 
die sich die ganz vorzüglichen Darbietungen diese» größten 
und vornehmsten Lichtspieltheater» ansahen. Da» Programm 
ist durchweg erstklassig, sodass jeder höchst befriedigt über 
daS Gebotene wird. Auch die mir letzten Mittwoch ver 
anstaltete Echüleroorstellung hatte einen ganz starken Besuch 
auszuweisen. Dadurch sieht sich di« Direktion der Hohen» 
zollerrr Lichtspiele veranlaßt, jeden^HNttrvoch eine derartige 
Vorstellung zu ermäßigten Preisen zu veranstalten. 
o Wegen Einbruch «u^Srandstiftuug ver 
haftet wurde in Hamburg der erst 15 Jahre alte Gürtler- 
lehrling Gustav Mennicke au» Schöneberg. Tr lernt« in 
einer Militäreffektenfabrik in der! alten Jakobstraße und 
ließ sich vor acht Tagen vom Pförtner nach GeschästSschluß 
die Schlüssel zu den Geschäftsräumen geben, um sich an 
geblich umzuziehen. Gegen 3 Uhr Nacht» bemerkte der 
Wächter hellen Lichtschein in den Büroräumen der Fabrik. 
M. hatte sich dort Eingang verschafft Und ein Pult erbrochen, 
au» dem er 150 M. stahl. Um den Einbruch zu verteckea, 
hatte er Feuer angelegt, daS aber bald bemerkt und ge 
löscht wurde. Der Bursche entfloh und wurde nun in 
Hamburg festgeoommen, nachdem er dqs .Geld verpulvert 
hatte. Von Hamburg dachte er auf einem Schiff ins Ausland 
flüchten zu können, was aber nicht so leicht ist, wie er 
glaubte. ' 
o Ein Autourobilzusammenstotz ereignete sich in 
der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag gegen 12 Uhr 
an der Haupt-, Ecke Hähnrlstraße. DaS Privatauto IA 
3932 kam auS der Hähnelstraße und wellte in die Haupt 
straße einbiegen, als von Schöneberg her die Autodroschke 
IA 9208 in scharfem Tempo angefahren kam. Bei dem 
Zusammenstoß wurde beide Auto» erh! blich beschädigt« 
Die Droschke kam mit einer solchen Wucht an, daß sie 
nach dem Zusammenstoß noch bi» auf m tten auf den 
Bürgersteig hinauffuhr. Verletzt wurde niemand. 
^llscbrlflen 
(Für diese Rubrik übernehmen' svir keine Verantwortung:)' “ 
Jrs Nr. 63 des „Friedenaaer Lokal-llnzeigeiS" befindet sich eine 
— augenscheinlich von konsereatlver Stile ausgehende — Zuschrift, 
die man nicht gleich ähnlichen lächeind zur Seite legen darf/ sondern 
die so viele Unrichtigkelien enihälr, daß sie eine Entgegnung heraus 
fordert. Auf den historischen Exkurs, dm der Verfasser der Zuschrift 
dabei, gestützt auf die Autorität deS „Vorwärts" (l) macht, soll gar 
nicht eingegangen werden, auch nichr a.f die Beschimpfungen deS 
Liberalismus, die vermullich dem Sprachschatze unseres lieben Mit 
bürgers, des konservativen Generalsekretärs Kunze, entnommen find. 
Nur zur taisächlichen Berichtigung sei aus folgendes htngrwiejen: 
1. Wenn gesagt wird, daß der Mittelstand bei dem bestehenden 
Landtagswahlrrcht nicht gischädigt wird, so wird diese unrtchlige Be- . 
hauptung aufs gründlichste durch die Landlagswahl Statistik widerlegt. 
Bo den preußis cen La.dlagSwählern gehörten IS08 3 82 Proz. in 
die erste, 13,87 Proz. in die zweite uns 82,32 Proz in die dritte 
Abteiluag. Glaubt der Artikelschreiber etwa daß die 17 Pro; der 
i. und 2. Ableilung neben den »oberen Ständen» auch noch den 
Mllielstand umfaßt, und daß die 8? Prozent der 3 »dteilnng nur 
auS dem „Proietariar" bestehen? Ach nein! Dr allergrößte T«il diS 
MiltclianbeS muß sich mir der Wahl'in der 3. Abteiln g begnügen. 
Dazu kommt, daß der Mittelstand nicht nur unter der Klasseneinteilung, 
sondern ganz besonders auchlunter drr Orffentlichkelt der Wahl zubleiben 
hat. Davon kann jeder Handwerker und kleine Kaufmann rn Gegen 
den, in denen emwrber eine starke agrarische oder eine starke sozial 
demokratische Bevölkerung vorhanden ist, ein Lied fingen. Gerade m 
diesen Tagen noch hat eine Handwerker-Jnnung in Linden bei Han 
nover erk ärt, daß ihre Miigliedir wegen, der Orffentlicbkeit der Wahl 
gezwungen seien, sozialdemokratisch zu wählen. — 2. ES tst unrichtig, 
Vaß die entschieden Liberalen in Hamburg, Bremen und Lübeck „die 
Macht-, d. v die Majorität haben. Lüder befinden sie sich in allen 
drei Hansestädten in d-r Minderheit, und deshalb sind fie an der 
Wahlrcchisvcrschlechierung, d e dort in den letzten Jahren beschlossen 
worden ist, und die si- auf das schärfste bekämpft haben, unschuldig. 
Im Gegenteil haben sie dort später bei jeder Gelegenheit sür Ein- 
sühruvg deS R-ichswahlrechtr oder sür Reformierung dc§ bestehe den 
Wahlrechts in liberalem Sinne gestimmt. — 3 ES ist unrichtig, wenn 
d>r Einsender es den „Liberale»- zum Boiwurf macht, baß die 
Berliner Handelskammer das Dreikrasse,Wahlrecht eingesührt hat. 
Gerade umgekehrt ist auf Veranlassung der Konseroarivrn und 
Naiionallideialcn durch die Novelle zmri Handeiskammergesetz im 
Jahre 1897 daS bis dahin vorhandene' gleiche und geheime Wahl- 
rechl der Handelskammern pnnzipi>ll Inseln Dreiklassenwahlrccht um 
geändert worden Die gr tsinutgcn haben gegen diese B-stimmung, 
uid im w-iieren Bcrlou' auch gegen -die ganze Novelle, gestimmi. 
4. Es ist unrichtig, daß die gortschr. Bolkspariet für die Wahlrechis- 
verschlcchteiung in Reuß j. L. verantwortlich gemacht werden kann. 
Die preußische Landeeorgamsation der gortschr. Boikspartei hat sich 
entschiede» gegen d:e Abänderung ausgesprochen, und der fortschrrttttche 
Abgeordnete des Landtags, der dafür war, ist genötigt worden, auS 
der Partei auSzutreten. — 5 Selbst einem poutrschen Kinde müßte 
bekannt fein, daß die gesetzgebenden Faktor,« tu Preußen Monarch 
und Landtag find. Es ist also vrllkomrizen Unsinn, von Berlin und 
anderen Kommun,n zu verlangen, daß 1 fie sür Nebertragung deS 
RiichstagswahlrechlS auf die Eiadiverordvitenwahlen tint:eien sollen. 
Denn dazu haben sie gar keine Maast und gar keine Befugnis, ja sie 
haben nicht einmal das Recht, in diesem Sinne an den Landtag zu 
petitionieren, da sich die kommunalen Körperschaften mit politischen 
Angelegenheiten nicht beschästigen dürf<U>j 
Man sieht, daß auch nicht eine einzige Behauptung in der Eln- 
endung der Kritik standhält. ES wäre wlikltch zu würschco, baß 
Leute, die ln der Oiffenilichkeit sich mit Politik beschäftigen, sich 
wenigstens einen minimalen FondS von polischen Kenntnissen erwürben, 
damit sie sich nicht derartig blamieren wie dieser Herr II. R. J. 
50 M. Hundesteuer! FilednraSsM wieder einmal roran. Ob 
aber zu seinem Borletl, möchte ich sehr bezweifeln. Die ewige, 
andauernde Schröpspng der Hundebesitzn muß dazu führen, dag man 
Gemeinden, die sich so, wenig lierfreunblich zeigen, meidet. Dre hier 
wohnenden Huvdebefitzer find nicht die kleinsten Steuerzahler. Sie
        
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