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Periodical volume Nr. 62, 13.03.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

Jahren auch schon mal aufgebraucht und mußten ihn 
ncchher wieder auffüllen. Bezgl. der Druckspritze möchte 
er nur sagen, daß ihm eine Druckspritze mit Pferden be 
spannt immer noch lieber wäre. alS gar leine. 
Bürgermeister Walger erwidert, daß man den Re 
servefonds s. Zt. nicht aufgebraucht sondern ihm nur 
Beträge entnommen hatte, um eine günstigere Zeit 
für die Aufnahme der Anleihe zu erhalten. DaS Hingt 
doch etwas anders, als wenn man sagt, der Reservefonds 
sei verbraucht worden. 
Es wird nun in die Einzelberatimg eingetreten. Und 
zwar jedesmal zuerst die Ausgabe, dann die Einnahme der 
einzelnen Verwaltungen. Die Personalsachen werden in die 
geheime Sitzung verwiesen. 
Allgemeine Verwaltung, Ausgabe: Der Betrag für 
Schreibbedarf usw. wird von 3000 M. auf 2700 M. er 
mäßigt nach Vorschlag deS Finanzausschusses. Bet Miete 
für Geschäftsräume werden 1600 M. an den Eigentümer 
Wollermann gestrichen. Für Empfehlung deS Ortes sind 
500 M. eingestellt. G.-V. Richter beantragt, diesen Bc- 
trag zu streichen. Friedenau brauche keine besondere Re 
klame mehr zu machen, da eS bald ausgebaut sei. W nn 
dadurch leere Wohnungen vermietet werden sollen, so sei 
dies Angelegenheit der betr. Hauseigentümer. G.-V. 
Kalkbrenner ist auch gegen diese Bewilligung. Diebeste 
Reklame für den Ort sei eS, wenn man dahin wirkt, daß 
in der Rheinstraße die Gleisanlagen der Straßenbahn 
baldigst verbessert werden. Schöffe v. Wrochcm ist der 
Ansicht, daß eine Reklame für den Ort. durch die leer 
stehende Wohnungen vermietet werden, durchaus auch im 
Interesse der Gemeinde liege. ES stehen hier hauptsäch 
lich große Wohnungen leer. Werden diese vermietet, gewinnt 
die Gemeinde auch an Stenereinnahmen. G.-V. Haustein 
ist auch für die Bewilligung. Zu einem heiteren Zwischen 
fall kommt es, als G.-V. Kalkbrenner Verbesserungen 
in der Rheinstraße anregt und Schöffe Lichtheim die Be 
merkung dazwischen wirft: ungelegte Eier. Schöffe Licht- 
heim will noch weiter sprechen, worauf G.-V. Kalkbrenner 
für sich dar Wort beansprucht. Der Bürgermeister sagt: 
„Ich dachte, Sie sind fertig." G.°V. Kalkbrenner erwidert: 
Nein, Herr Lichtheim hat seine ungelegten Eier mitten 
in meinen Satz hineingebracht. — Der Antrag Richter 
wir abgelehnt und die 500 M. für die OrtSreklame werden 
bewilligt. — G.-D. Kalkbrenner wünscht, daß beim Ab 
schluß auch die Zahlen deS Vorjahres zum Vergleich an 
gegeben werden. Bürgermeister Walger sagt dieS zu. 
Polizciverwaltung. Ausgabe: Besoldung der Boten 
wird um 100 M. auf 6450 M. erhöht. W.-V. Schultz 
frägt an, was die Obliegenheiten des TierwartS wären. 
Bürgermeister Walger erwidert, daß dieser die Pferde auf 
den Bauten beaufsichtige, auch die Gespanne in den Straßen. 
Ec achte auch darauf, daß bissige Hunde den vorschrifts 
mäßigen Maulkorb tragen usw. Der Tterwart kenne in 
der Tat fast alle Hunde in Friedenau. — Die Untersuchung 
der Lebensmittel und Piüfung der Drogen- usw. Hand 
lungen soll künftig durch die Landwirtschaftskammer ge 
schehen. Die für den Tierarzt vorgeschlagene Erhöhung 
der Entschädigung bitten die G.-V. Richter und Schultz zu 
streichen. Diese Angelegenheit wird in die geheime Sitzung 
v.'rwiesen. — Einnahme: G.-V. Kalkbrenner frägt an, 
ob der Beitrag des KreifeS zu den Amtskosten nicht erhöht 
werden könne. 700 M. wäre ja eine lächerlich geringe 
Summe. Bürgermeister Walger erklärt, daß dies ein 
freiwilliger Beitrag wäre. 
Hochbau und Baupolizei-Verwaltung, Ausgabe: 
G.-V. Ott beantragt, den Heizungsingenieur mit 3600 M. 
Gehalt zu stretcheu. Die Heizer mären hier mit den Oefe» 
gut vertraut und der Ingenieur könne auch nichts weiter 
ma^en, als bet Nutwendigwerden von R.paraturen die 
betreff. Firmen anrufen. Baurat Altmann hält den 
HeizungStngenicur für sehr wünschenswert, er könne bei 
den bevorstehenden Bauten sehr nützlich sein. Außerdem 
würde sein Gehalt durch die von ihm geübte Kontrolle 
und dabei erzielte Kohlenersparnis reichlich gedeckt. Die 
G-V. Richter, Olt, Haustein und Huhn sprechen gegen den 
HnzungSingenteur. EZ wird denn auch beschlossen, diese 
Stelle zu streichen. (Schluß folgt.) 
Lokales 
(Nachdruck unserer o-Lriginalartikcl nur mit Quellenangabe gestattet.) 
o Die Gemciudeschulcn schließen da? Winter 
halbjahr am Mittwoch, 19. März. An diesem Tage 
sinder die Entlastung der Kinder statt. Die Osterferien 
dauern bis einschließlich Sonnabend, 29. März. DaS neue 
Schuljahr beginnt am Montag, 31. März. — Bei den 
höheren Schulen schließt das Winterhalbjahr ebenfalls am 
19. März. Das neue Schuljahr beginnt hier jedoch erst 
am 3. April. 
o Uv v. H. Mukommenstenerzuschlag iu Schöne» 
Die Schöneberger Stadtverordnetenversammlung 
hat in ihrer gestrigen Sitzung die Erhöhung deS Gemeinde- 
zuschlages zur Einkommensteuer von 100 auf 110 v. H. 
beschlosten. Die Redner sämtlicher Fraktionen erkannten 
au, daß, obwohl ihnen dieser Schritt nicht leicht geworden 
sei, im Interesse einer Gesundung der städtischen Finanzen 
die Erhöhung erfolgen mußte. Man hätte endlich einmal 
den Mut hierzu haben müsten. Sladtv. Zobel (lib. Fr.) 
führte hierzu aus, daß die Etats mehrerer Groß-Berliner 
Gcnieinden künstlich zusammengestellt wären, nur um den 
Zuschlag zur Einkommensteuer nicht auf 110 v. H. zu er- 
höhen, sondern bei dem alten Satze von 100 o. H. zu 
verharren. Auch Schöneberg lönnte bei 100 v. H. bleiben, 
wenn eS seinen Elat frisieren wollte. ES würde nicht 
lange Zeit dauern, dann müßten auch die übrigen Groß- 
Berliner Gemeinden den Steuersatz auf 110 v.H. erhöhen. 
Stadto. Zobel beantragte namens drs ElatLausschussiS die 
Einkommensteuer auf 110 v. H festzusetzen. Stadto. 
Ed. Bernstein (Soz.) trat gleichfalls entschieden für die 
Erhöhung de§ Zuschlages zur Einkommensteuer ein. Es 
wäre ein Schrill, der Schöueberg nur zur Ehre gereicht, 
denn eS treibe eine ehrliche Politik. Schöueberg tut 
lediglich das, was die Vertreter der Groß - Berliner 
Gemeinden schon vor Jahren wiederholt und dringend ge 
fordert hätten. Die Furcht, daß einige Mieter durch die 
erhöhte Steuer fortziehen, sei unberechtigt. — Diese Maß 
nahme beweist, daß es eben nicht mehr anders ging und 
daß eS mit der finanziellen Situation unserer Nachbarn 
mindesten- nicht bester — wie öfter behauptet wurde — 
bestellt ist, wie bei uns. (Zchriftl.) 
o Das Ergebnis der Landtagöersatzwahl war 
im Einzelnen folgendes: Lichterfelde 136 konservative und 
126 liberale Wahlmänner: Tempelhof 162 konservative 
und 45 liberale, Köpenick 42 konservative und 87 liberale, 
Wilmersdorf 86 konservative und 171 liberale, Neue Mühle 
150 konservative und 25 liberale. Der verstorbene Abge 
ordnete Fetisch erhielt 1908 im ersten Wahlgange 618 
neben 482 liberalen und 402 sozialdemokratischen Stimmen; 
auch damals übten die Sozialdemokraten in der Stichwahl 
Stimmenthaltung, so daß in der Hauptwohl mit 612 
gegen 481 Stimmen zwei Konservative gewählt wurden. 
Eisenbahnbeamter Haselcff wurde diesmal mit 612 Stimmen 
gewählt, während Pfarrer Traub (lib.) 455 Stimmen erhielt. 
o Der Sommerfahrplan der Berliner Stadt« 
und Ringbahn bringt wieder einige bemerkenswerte Ver 
besserungen gegenüber dem vorjährigen Fahrplan. So 
werden — wie unser Usic.-Mitarbeiter berichtet — u. a. 
zwischen dem Schles. Bhf. und Nieder-Schöneweidr-Joh. 
in den Monaten Juni, Juli und August zur Bewältigung 
deS AusflugSverkehis drei neue Zugpaare eingelegt werden, 
welche zu den Stadlbahnzügen bequeme Anschlüsse erhalten. 
Ebenso soll auf der Görlitzer Vorortstrecke dem AuSflug- 
verkehr bester gedient werden; so wird ein neues Zuypaar 
zwischen Berlin und Grünau mit Rücksicht auf den Flug- 
verkehr eingelegt werden (ab Berlin 2,10, ab Grünau 
3.03 Nachm.); ferner werden neue Züge nach Grünau ab 
gehen um 6,50 Vorm., 7,18, 9.20 und 10,10 AbendS; die 
Gegenzüge fahren ab Grünau 7,33 Vorm. bezw. 8,05, 9,53 
und 10,53 Abends. Einen neuen „Theaterzug" werden 
die Anwohner der EtrauSberger Strecke erhalten, derselbe 
geht vom Schles. Bhf. um 10.35 ab und trifft um 11,21 
irr Strausberg ein; weiter wird zur Entlastung der Nach' 
mittagSzüge ein neuer Zug um 5.20 von Strausberg, der 
Gegenzug um 6.20 Abends vom Schles. Bhf. abgehen. 
Auch nach Werneuchen soll ein neuer Nachtzug verkehren, 
nämlich ab Schles. Bhf. 10,14, an Werneuchen 11,13. 
Dem Fciedhofsoerkehr nach Ahrensfelde wird ein um 
4,14 Nachm, vom Schles. Bhf. abgehender Zug dienen, 
der Gegrnzug fährt um 5,14 Nachm, von Ahrensfelde ab. 
Nach Buch soll wegen ständiger Ueberfüllung der Abend 
züge rin neuer Zug ab Stettiner Vorortbhf. 6,30 eingelegt 
werden. Ferner wird der Vorortzug, der um 3,15 Nachm, 
vom Potsdamer Bahnhof abgeht, im Interesse der in 
Werder wohnenden Beamten rc. bis dahin verlängert 
werden (an Werder 4,07 Nachm.). Auf der Wann see 
bahn werden mehrere Züge verlängert, teils über Zehlen 
dorf-Milte hinaus bis Wannsee, teils über Wannsee hinaus 
bis Potsdam; ferner wird ein neues Zugpaar bi« Steglitz 
cerkehren (ab Berlin 3.35, ab Steglitz 3,45 Nachm.). 
Endlich sind an neuen Zügen noch die folgenden hervor 
zuheben: ab N-Schöneweide 2 27, an Grunewald 3,26 
Nachm., ab Grunewald 11,40 Vorm., an N. Schönewetde 
12,39 Nachm., ab N.-Schöneweide 12,12, "an Chärlotien- 
burg 1.04 Nachts, ab Westend 7,43, an Lichtenberg 8.33 
Vorm., ab Luhtenberg 1,26, an Westend 2,16 Nachm., ab 
Weißensee 5 19, an Westend 6,15 Nachm. (Vollring), ab 
Westend 4,36, an Weißensee 5,19, an Westend 6,15 
Nachm. (Vollring), ab Westend 4.36, an Wrißensee 5.05 
Nachm. (Nordrtng), ab Schles. Bhf 9.32, an Potsdamer 
Ringbhf. 10,11 Abends (ZUdrlng) usw. 
o Hundesperre und Eisenbahn. Ueber das in 
folge der Hundesperre von der Etsenbahnoerwaltung beob 
achtete Verfahren herrscht, wie zahlreiche Anfragen und 
Beschwerden beweisen, in den Kreisen deS beteiligten Publi 
kums große Unklarheit. An zuständiger Stelle wird uns 
zu dieser jFrage Folgendes mitgeteilt: Die Beförderung 
von Hunden und Katzen innerhalb deS SperrbeziikS unter 
liegt keiner Beschränkung. Bei beabsichtigter Ausfuhr solcher 
Tiere über die Grenzeu des Sperrbezirks hinaus war bis 
her die ortspolizeiliche Genehmigung erforderlich, welche 
nur nach vorausgegangener tierärztlicher Untersuchung er 
teilt wurde. Nur bei Vorlegung einer solchen Bescheinigung 
der Polizeibehörde wurden an den Fahrkartenschaltern der 
Eisenbahn Hundekarten verabfolgt. Diese Vorschrift ist 
auf Beraub,ssung der StaatSbahnverwaltung dahin abge 
mildert worden, daß von der Vorlegung einer polizei- 
lichen Genehmigung in den Fällen abgesehen werden soll, 
tu welchen der Reisende erklärt, daß eS sich nur um einen 
Aukflug handelt (nicht um die Ueberführung deS Hundes 
usw. zu dauerndem oder längerem Aufenthalte nach einem 
anderen Orte). Auch in solchen Fällen d. h. bei Aus 
flügen werden also die Hundekarten von den Schalter- 
beamten ohne weiteres verabfolgt. 
o Schützenwirt Dabcrgotz *J*. In der gestrigen 
Nacht ist nach längerem Leiden der Gastwirt Alwin 
Dabergotz, Steglitz. Bergstraße 36, im schönsten Mannes- 
alter von 51 Jahren verstorben. Der Dahingeschiedene 
erfreute sich auch in unserem Orte großer Beliebtheit und 
war als Pächter des Steglitzer EchützenhauseS. welches er 
seit 14 Jahren mit Geschick und Umsicht leitete und in 
der auch die Friedenauer Schützengilde jahrelang ihre 
Schießen abhielt, sehr bekannt. 
o Jahrhundertfeier der Kriegervereine. Der 
Krieger- und Landwehrverein in Verbindung mit dem 
Veteranen- und Kriegerveretn beging die Jahrhundertfeier 
zur Erinnerung an die Befreiungskriege Montag Nachmittags 
um 6 Uhr durch einen gemeinschaftlichen Gottesdienst mit 
darauffolgender großer Festfeier im Schloßpark zu Steglitz. 
Zahlreich hatten sich die VereinSmitglteder mit den Gästen 
eingefunden, sodaß der große Saal vollständig gefüllt war. 
Rach einem, von der gesamten Kapelle deS Garde-Schützen- 
BataillonS Groß-Lichterfrlde ausgeführten, einleitenden 
Konzert begrüßte der erste Führer deS Krieger- und Land 
wehrvereins Havptmann d. L, Justizrat Skopnick, die er 
schienenen Gäste und Mitglieder, wobei er gleichzeitig aus 
die Bedeutung des Tages hinwies. In der nun folgenden 
Festrede deS Herrn Generalmajor Imme führte uns dieser 
in die bedrängte Zeit vor hundert Jahren zurück und ent- 
rollle darauf ein Bild der Erhebung Preußens und deS 
anschließenden Befreiungskrieges. Der wirkungsvolle Vor 
trag endete mit dem Gelöbnis der Nacheiferung an die 
unS gegebenen hohen Beispiele der Opferfreudigkeit und 
klang nach dem Gelöbnis unverbrüchlicher Treue in ein 
begeistert aufgenommenes dreifaches Hurra auf Seine 
Majestät den Kaiser und König aus. Hierauf gelangte in 
vorzüglicher Weise das Festspiel „vom Pflug zum Schwert" 
zur Aufführung. Nach Schluß des osfiziellen Teils trat 
der Tanz in seine Rechte. Sämtliche Erschienenen waren 
von der Feier voll befriedigt, was am besten dadurch be 
wiesen wird, daß alle Teilnehmer bis zum Schluß zu 
sammen blieben. 
o Zum Vesten deS Roten Kreuzes. Wir 
erinnern an die Gala-Vorstellung im Zirkus Busch 
am 19. März. Der gesamte Reingewinn fließt der Unter- 
stützungSkaffe für die SanttätSkolonnen vom Roten Kreuz 
in der Provinz Brandenburg zu. Vorbestellungen auf 
Einlaßkarten werden entgegengenommen: in der Theater 
kasse von A. Wertheim, hier, Schmargendorfer Str. 36 (oder 
Berlin, Leipzigerstraße); im Verlage dieser Zeitung (Rhein- 
straße 16); bei Loeser u. Woiff (Rheinstr. 11); sowie bet 
dem Vorsitzenden der hiesigen Kolonne (Lauterstr. 10II, 
Fernspr. Amt Pfalzburg 7171). Am ZirkuS selbst sind 
Einlaßkarten wie sonst im Vorverkauf und an der Abend 
kasse erhältlich. 
o Abschiedöseier der „Muli". Die Abiturienten 
unseres Friedenauer Gymnasiums veranstalteten als 
Abschiedsfeier diesmal ein feierliches Abendeffen in den 
Jacob Knoopschen Weinstuben (Iah-. Fritz DcogieS), 
Bahnhosstr. 3 Ecke Wielandstraße. Mit dieser Veran 
staltung welchen die diesjährigen Muli von der Regel ab, 
die zumeist in einem Ball oder in" einer oft plumpen 
Nachahmung studentischer Kneipen besteht. Ja den intimen, 
anheimelnden Räumen der genannten Weinstuben wurde 
der kleinen Feier ein würdiger und ihrem Inhalte nach 
vornehmer Rahmen gegeben. Die geliebten Lehrer zu 
ehren galt's und so hatten sich mit den Abiturienten Herr 
Direktor Busch, der Ordinarius der Oberprima sowie die Ober 
lehrer der Anstalt zu dem Abendeffen ringefunden. Unter 
wechselseitigen Trinksprüchen verlief dar Mahl. Den Schluß 
bildete ein gemütliches, ungezwungene» Beisammensein bet 
einem Glase Bier und einer guten Zigarre in den be 
haglich eingerichteten Räumen deS Lokals. Für die an 
sprechende Ausmachung und die ollen ausgezeichnet 
mundenden Speisen und Getränke wurde den liebens 
würdigen Wtrisleuten allgemein gedankt. Die ganze Ber- 
anstallung stellt eine hübsche Neuerung dar, die allen 
künftigen Mulis zur Nachahmung empfohlen werden kann. 
oDerSteuographenverein GabelSberger Berlin- 
Friedenau veranstaltet am Sonnabend, dem 15. d. MtS., 
abends 8 1 / 2 Uhr, im unteren Saale seines Vereinslokal-, 
Restaurant Hohenzollern, Handjeiystr. 64, einen VortragS- 
und Familienabend. Der Voi sitzende, Redakteur und staat 
lich gepr. Lehrer der Stenographie Schirmer wird über das 
Thema sprechen „Unsere Aufgaben in Friedenau", während 
das Mitglied deS Berlins, Großherzogl. Badischer Kammer- 
stenograph Mox Cohn einen Bortrag über „DieStenographie 
als Berus" hallen wird. Dem Verein, der in letzter Zeit 
wieder seine Arbeiten in größerem Umfange aufgenommen 
hat, sind in letzter Zeit eine große Reihe praktischer 
Stenographen, namentlich Mitglieder der Journalistentribüne 
deS Reichstags, beigetreten. Ein AnsängerkursuS wird 
demnächst eröffnet werden, wozu Anmeldungen schon jetzt 
entgegengenommen werden. 
o Allgemeiner Deutscher Sprachverein. In der 
Märzversammlung de« ZweigveretnS Berltn Charloltrnburg 
sprach Herr Professor Dr. Hoetzsch über die kulturgeschicht 
liche Bedeutung der Besiedelung deS deutschen Ostens. Der 
Redner führte auS, daß die Besiedelung deS östlichen 
Deutschlands in der Zeit von 1150—1350 vor sich ge 
gangen ist. Er würdigte die geschichtliche Entwickelung 
dieser Besiedelung unter folgenden vier Gesichtspunkten; 
1. Die Besiedelung hat die räumlich-politische Abgrenzung 
Deutschlands zur Folge gehabt, wie sie im wesentlichen 
heute besteht. 2. In dieser Wanderung und Besiedelung 
hat sich eine neue Gattung deS Deutschtums heraus- 
gebildet. 3. Durch die Besiedelung sind 3 / 5 deS bestehenden 
Deutschen Reiches für das Deutschtum gewonnen worden. 
4. Diese Gesamtentwickeliing hat eine neudeutsche Kultur 
hervorgebracht und dem deutschen Volke auch auf volks 
wirtschaftlichem Gebiete Nutzen geschaffen. In den weiteren 
Ausführungen würdigte der Vortragende die hervorragenden 
Verdienste einzelner Fürsten, wie Heinrichs I, ÄttoS I., 
A brecht« des Bären und anderer, um sich daun ein- 
nkhend über die planvolle Kulturarbeit deS Deutschen 
Ordens zu verbreiten. Von dauerndem Erfolg ist die 
deutsche B.stedelungSarbeit nur dort gewesen, wo Ritter. 
Bürger, Bauer und Mönch zusammengearbeitet haben. 
Wo diese zusammen 1ät:g waren, sind Land und Be- 
völkerung dauernd dem Deutschtum gewonnen worden. 
Redner wieS das treffend an Beispielen nach und schloß 
mit dem Ausdruck der Hoffnung, daß doS deutsche Volk 
auch bei der neuen BestedelungSarbeit. die jetzt im Osten 
vor sich geht, Erfolg haben wird. — Reicher Beifall lohnte 
dem Redner, dem auch von dem Vorsitzenden v. MllhlenfelS 
der Dank für die geistvollen Ausführungen deS BortragS 
ausgesprochen wurde. Au« den geschäftlichen Mitteilungen 
ist hervorzuheben, daß der Verein jetzt 1998 Mitglieder 
zählt. Herr Oberlehrer Saure sprach zum Schluß noch 
über Wege zu eine: erfolgreichen Werbetätigkeit für die 
Sache deS Sprachvereins. — Für den April ist ein Bortrag 
deS Herrn Pfarrers Liz, Anz über die Sprachpflege in der 
Kolonien in Aussicht genommen. 
o Der Rationaltiberale Orisverein veranstaltet 
am Freitag, dem 14. März, 8^ Uhr, einen VereinSabend 
in der „Kaisereiche". Rheinstr. 54. ES findet eine freie 
Aussprache über „DaSBevölkerungsproblem unter besonderer 
Berücksichtigung des Geburtenrückganges in Deutschland" 
statt. Berichterstalter ist Herr Geheimer RegierungSrat Bogt. 
Damen und Herren als Gäste -willkommen.
        
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