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Periodical volume Nr. 61, 12.03.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

Eollflrich nachgewiesen. Ich glaube lagen zu dürfen, daß unser Vor 
anschlag jetzt so übcrfichrlich und klar ist, daß selbst jeder Laie ii)» 
rhne weiteres verstehen kann. 
Der Reihe der einzelnen Voranschläge folgend, will ich das Be- 
deuturigSvolle hcrauSgreifen: Zum ersten Male übersteigt der Gesamt- 
Voranschlag der ordentlichen Verwaltung drei Millionen (rund 
3 065 010 M.). In der außerordentlichen Verwaltung erscheint unS 
der Rest der letzten 3 Millioncu-Auleihe mit 428 800 M. In der 
Besoldungsordnung der Biamten hat sich nichts geändert; deS- 
gleichen auch bet den Lehrkräsleu nicht, wie schon hier vorweg de- 
merkt sein mag. Nur die Diäten der Supernumerare find, in 
folge einer Anregung der Finanzkommission erhöht worden. Eine 
neue, 1913 zum ersten Male erscheinende stärkere Belastung find 
die Beiträge für die Angestelltcnveisichcrung, die insgesamt 
rd. 2500 M. betragen. Das ist aber nur die auf die Gemeinde ent- 
fallende Hälfte. — Die Beamtenvermehrung (3 Assistentenslellen und 
1 VollriehungSb-amtenstelle) ist gering und entsprich: nur dem unke 
dingt Erjoidcrltchen. Die Baugebühren haben eine weitere Herab 
setzung erfahren muffen (1911 =25OCO Dt., 1912=12000 M.» 
1913 = 5000 SW.). In den gemeinnützigen Einrichtungen find neu: 
die Ech lkinderspeisung mit 3500 M Ausgabe, der Arbeitsnachw iS 
mit 2030 M. Ausgabe und 1000 M. Einnahme und die Jugendpflege 
mit 1500 M. Ausgabe. Bei der Feuerwehr ist die Brandwache 
von 18 auf 25 Mann verstärkt und dementsprechend die Ausgabe er 
höht worden. Für gemeinnützige Bestrebungen ausschließlich Feuer 
wehr (.9 000 M.) wendet die Gemeinderd. 28500 M. auf. Im 
Grundeigenlumsetat erscheint die Einnahme deS neuen Marktes an 
der Rheingaustratze mit 10 000 M. Im Voranschläge VI find Armen- 
und Waisenverwaltung getrennt worden. Der Gesamtzuschuß der 
Armen- und Watsen-Verwallung erfordert pro Kopf der vrrölterurg 
2,i9 M. Die weltire Verbesserung der Straßenbeleuchtung er- 
fordert ein Mebr von 4000 M. gegen 1912. Gesamtkostcn 111 000 
Mark. Ein früheres Einschalten der Straßenbeleuchtung an trüben 
Tagen ist darin berücksichtigt. Ein besonderes Jntereffe beansprucht 
der Steuerctat. Ich gehe deshalb auf ihn etwas näher ein. Eine 
rein äußerliche Aenderung ist die Vereinigung der Personalsteuern 
(Zuschläge zu über 900 M., untrr 900 M. und Forensen) zu einer 
Etatestelle. Wir bringen damit unseren Voranschlag in eine zweck- 
mäßige Uebereinstimmung mit den Boranschlägen anderer Vororte und 
dienen zugleich einer Vereinfachung der Buchführung und Rechnungs- 
legung. Das Auskommen aus jeder Steuergatteng für sich ist noch 
wie vor aus dem Etat und den Büchern zu ersehen. Wieder ist cs 
ohne Schwierigkeit gclungeu, den Voranschlag ohne Erhöhung des 
EinkommensteuerzuschlageS zu balanzteren; eS bleibt bet 100 Pro;. 
Auch eine Elhöhung der Gemeindegrundsteuer war nicht in Betracht 
zu ziehen; 2,50 bezw. 5 40 °/o 0 des gemeinen Wertes sollen, wie im 
Vorjahre, erhoben weiden. Dle Umsatzsteuereinnahmc für 1912 beträgt 
bis jetzt rd. 156 000 M. Dennoch haben wir geglaubt, gerade bei 
dieser Einnahmequelle besonders voisichttg zu sein und j-tzt schon mit 
der Herabsetzung des Voranschlaasolls vorgehen zu muffen. Daher 
sind im Voranschläge 1913 nur 85 000 M. (1912 90 000 M) cmg:- 
sitzt. Nachdem die Lierstcuer von der Vertretung abgelehnt worden 
ist, muß sie natürlich im Entwurf gestrichen werden. Dagegen tritt 
laut Gemeindebeschluß vom 27. Februar b. IS. die Filialsterrer, vcrar . 
schlagt auf 10000 M., hinzu. Jntereffant ist die Tatsache, daß mau 
bet dem im Januar 1911 für 50 000 Einwohner berechneten Ein- 
kommensteutljsll pro Kepf der Bevölkerung 14,44 M. glaubte «in- 
nehmen zu müssen. Heute beträgt dieses Soll aber bei 43 000 El'- 
wohner bereits i0,10 M Der Kreis hat seine vorjährigen Prozentsätze 
von 24'/, und 49 beibehalten. Durch die regelmäßiqen Sollzugänge flciut 
die Ausgabe vonrd. 269000 M. (1912)auf 300000 M. also um 31000 M. 
In dir Kapital- uud Schurdenvexüraltung erscheint der zur 
Gleichstellung deS Voranschlages notwendige und aus dem Rescive- 
fonds entnommene Betrag, der rund 51 300 M. detiägt. Erfreulich 
ist d r Rückgang dieses Postens in den letzten Jahren. 1910 155 100 
Mark, 1911 62 400 M., 1912. 64 500 M., 1913 51 300 M. Zieht 
man in Betrachts daß der Voranschlag rund 63 290 M. dem 
Sammelfonds zuführt, also ohne gefctzl chen Zwang .Ersparnisse in 
dies r Höhe zurücklegt, so balanziert der Voranschlag für 1913, wie 
auch fern Vorgänger, ohne jeden Zuschuß. In der Ausgabe tritt bei 
der Schuldenverzirisung nur die Hypolh.k für das Grundstück Laubachcr 
S'raße 13 neu hinzu. Sonst bleibt alles unverändert. D e Ver 
mögens- und Schuldennachwiifung ist auch in diesem Jahre wieder 
einer genauen Prülunz unterzogen worden. Bei drn.Inventarien 
und dergl. sind die erforderlichen Abfchreibunaen vöraenommen. 
Tesamivermöge» 13 435000 M., Schulden 9 293 000 M, Rein- 
vermögen 4 137 000 M. Die Schulen stellen, wie bekannt, eine de- 
deutende Belastung der Gemeinde dar. Aus dem Entwurf ergeben 
sich folgende «nieuffanie Zahlen. Kosten pro Kopf der Bevölkerung 
nach Adcug der Einnahme: s) höhere Schulen 7,23 M, b) Volks- 
schulen 7,44 M, c) aller Lehranstalten 14,78 M. (einscht. Fortbildungs 
schule uuo HandferligkeilSunterricht). Die Gsamtzuschüssc erfordern 
von dem Gesamtbeträge deS Hauptvoran'chlages der ordentlichen Ver 
waltung a) sür di- höheren Schulen 16 3l Prozent, b) für die Volks 
schulen 10 23 Prozent, o) für olle Lchranstaltcn 26,89 Prozent (ein- 
schließlich Foitbildurigsschiile und Handfeiligkeitsuntcriichl). Die 
Lehrkräfte mußten der Zunahme der Bevölkerung und dem Lachsen 
der Anstalten entsprechend vermehrt werden. Wie bereits erwähnt, 
haben die Besoldungssätze Aenderungen nicht erfahren. Unser 
Elektrizitätswerk bildet, wie bisher, neben derStcuerverwallung, 
unsere Hauptcinnahmequclle. Die Gesamteinnahme ist bei vorsichtiger 
Berechnung an der Hand der bisherigen E>fahrungen auf rund 498 550 
Mark geichätzt. Davon ab die Ausgabe mit 255 410 M., ergidt einen 
veranschlagten Reingewinn von 243 140 M. Im E.-W. ist ein 
Kapital von rund 1 132 000 M. investiert, daS sich nach Abzug aller 
Unkosten, auch der für die volle Planmäßige Tilgung und Verzinsung 
der Schulden, bei einem Reingewinn von 243 000 M mit 22 08 Proz. 
verzinst. Für 1912 rechnen wir mit einem Ist.Reingewinn von 
240—250000 M. = 24,57 Prozent Verzinsung. In der außer- 
ordentlichen Verwoliung erscheint der Rest der 3 000 000 Mark- 
Anleihe, soweit noch nicht über thu verfügt worden ist. Die Aufnahme 
ciner neuen Anleihe wird 1913 votauc sichtlich noch nicht notwendig 
sein, wenn scheu cS zweckmäßig erscheint, die Verhandlungen im Sause 
deS JuhreS einzuleiten. Der Reservefonds in der FondSvcrwaltung 
— Voranschlag XVI A — zeigt die Resultate einer guten geordneten 
Finanzwtrtschast. Die angesammelten Reserven betragen btS Ende 
1911 1»/. Million und mit den voraussichtlichen Überschüssen für 
1912 1'/, Million Mark. Als weitere Reservebeslände sind die 
nebenher noch angesammelten Fonds für PensionS-, Witwen- und 
Walsenversorgung, Schuldentilgung usw. anzusrhen, deren G-sam!wcrt 
für 1913 sich auf rund 1023 000 M. beläuft. Trotzdem die 
Gemeinde auch über düse Fonds frei verfügen kann, s.Ncn sie doch 
unangetastet bleiben. Stach Abzug der aus dem Reservefonds zu 
leistenden Ausgaben bleibt als Gesamtreserve ein Kapital von 
2 448 000 M. Das ist ein Ergebnis, das uns mit einem gewissen 
Vertrauen in die Zukunft blicken läßt. Gerade die letzten Jahre 
haben gezeigt, daß bei einer gesunder, und vernustigen Finanz- 
Verwaltung, wie sie schon immer in Friedenau geübt worden ist, 
keine Veranlassung zu irgend einer Beunruhigung vorliegt. 
Allerdings gehö't dazu, daß heule schon, wie es schlüßlich 
ja stets geschehen ist, die äußerste Vorsicht waltet. Mit 
erheblich anwachsenden Einnahmen haben wir ruht mehr zu 
rcchn.n. wohl aber noch mit brdeutcnd steigenden Ausgaben. 
Dle Schulen werden bis zum völligen Ausbau aller Anstalten, (au ß 
der II Realschule) große AnsoiLeiungen stellen, und die automatisch 
sterge-.den Lehrer- und Beamtengchälter belasten unseren Etats von 
Jahr zu Jahr mehr. Im Jahre 1915 setzt die volle Schuldentilgung 
unserer großen MMionen-Äl,leihen ein. Die «usahme einer rnicii 
Anleihe steht bl vor. sie wird allerdings nicht so hoch sein, daß si: 
unser finanzielles Gleichgewicht auch nur im Geringsten ins Schwanken 
bangen konnte. Lou größeren Ausgaben, die tür die Zukunft noch 
in Frage kommen oder Frage kommen können, will ich nennen: 
1. in den nächsten Jahicn weiden an größeren Ausgaben zu 
erwarten sein: Umlegung dcS Wannscnba.hr ho,ed (Eaarstr.) lüOCOJ M 
einmalige 4000 M. doueindc, Arbctlsiiachwkis (weileicr Ausbau) 
im O M. einmalige, 2600 M. dauernde, RechlsauSkunslsstclle ULOM. 
einmalige 1000 M bauende, Mädche-pflichlfvitbildu gSschuie 1000SN. 
einmalige 5000 M. dacernde, Aurrmiurg der Fcuerweh mit Auto- 
mobilen 40 000 M. einmalige 3u00 M dauernde. Zwcckverbanddei- 
»ag'- d 2 in spaterer Ze t, vielleicht nach 10 Jahren: Ardeitslosrn- 
Veistchrning, Wohnungsamt (relchsgesitzlich), Erncnerunz dos Etrotzeu- 
pslatzerS. 3. Durchaus uubestiinint. Größere VerkehrSproiektc (linier- 
grul'dbohn und faVi.), Badeanstalt (Schwimmbad). Jugendpflege 
(Beihilfe dcr Gemeinde). Außerdem kommen in Betrachr die Ihnen 
bereits bekannten und geplanten Neubauten. das Rathaus, die 3 Volks 
schule, der Umba» dcr Schulgebäude in dir Albcflraße, der Erweiterungs 
bau im Gymnasium, die Baulichkeiten auf dem Fkicdhof und evtl, 
vielleicht ein neues Reatjchulgebäude. 
Wir haben infolgedessen alten Grund, vorsichtig und sparsam 
zu sein und uns vor Ausgaben zu hüten, die nicht unbedingt notwendig 
sind. Wir dürfen nicht, wie andere leistungsfähige und aus ihrer 
Entwickelung schöpfende Gemeinden uns auf j de Neuerung, wenn sie 
nicht zugleich eine iverbende Einrichtung ist, einlassen. Jede ncu an 
uns hei antretende Aufgabe muß nicht nach drn gegenwärtigen Ver 
hältnissen. sondern cuch^arauf hin sorgfältig geprüft werden, welchen 
Einfluß sie auf die Finanzlage unserer Zukunft anSuiüber im 
stande i>i. Friedenau ist der erste Ott in Groß-Berlin, der kurz vor 
seinem völligen Ausbau steht. Es wird den Beweis zu erbringen 
haben, daß die Selbständigkeit zu wahren ist auch ohne die Eni- 
wntinngSeinnahmen. Und in dieser Beziehung sehe ich trotz m.iner 
Mahnung zur Voisichl und Sparsamkeit voller Vertrauen den 
kommenden Zeiten entgegen. Unser Olt wird unter der regen u, d 
segensreichen Mitarbeit seiner Bürgerschaft zeigen, daß er seinen Auf 
gaben in der Konkurrenz mit den anderen Vororten gcwochsen s in 
wild. Dafür mag auch die Arbeit an dem neuen Voranschlag, d n 
ich Jhocn hiermit übergebe den Beweis erbringen. 
In der Haupterörterung führt G.-V. Ott auS, er 
möchte zunächst seststellen, daß der BUrgerpreister zum ersten 
Mal den Voranschlag nicht so rosig gemalt habe, wie eS 
in früheren Jahren seine Gepflogenheit war. Ec habe 
versucht, in ruhigen Morsen den Voranschlag zu schildern. 
Nachdem er sich ebenfalls eingehend mit dem Voranschlag 
beschäftigt habe, sei er zu der Ueberzeugung gekommen, 
daß kS hier nicht mehr so ist, wie in den Zeiten der fetten 
Jahre. Wir haben daher alle Ursache. unS nach der Decke 
zu strecken. Der Voranschlag schließt mit 3 Millionen 
Mark ab. Gr habe sich nun die Mühe gemacht, die 
Zahlen zu berechnen, die wir für Gehälter der Lihrer, 
Beamten und für sonstige persönliche Kosten aufzuwenden 
haben. Darnach stellen sich diese persönlichen Ausgaben 
für 1913 auf 1 380 630 M. gegenüber 1 260 190 M, 
sodaß ° für 1913 ein Mehr von 120 431 M. aufzu- 
wenden ist. Diesen Zahlen die Einnahmen auS drn 
direkten Steuern gegenübergestellt, ergeben für 1912: 
1317 600 M. und für 1913: 1424 800 M. Steuer, 
einnähme, sodaß nur noch 44 169 M. Ueberschuß (57 400 
Mark i. V.) auS den Steuern gegenüber den persönlichen 
Ausgaben verbleiben. Diese Zahlen geben zu denken, da fast 
die gesamten direkten Steuern aufgebraucht werden sllr die 
persönlichen Ausgaben. Alle übrigen Einnahmen werden 
durch die indirekten Steuern aufgebracht, deren Ergebnisse 
aber ständig zurückgehen. So brachte die Umsatzsteuer von 
1903 an folgende Ueberschüfse: 58 659 61 490, 256 934, 
94 124, 39 072, 66 420, 186 609, 138 966, 116 689 M. 
Im Jahre 1912 sind bereits eingegangen 142 600 M, 
daS Soll beträgt aber 163 500 M., sodaß noch 42 000 M. 
fehlen. DaS wäre dann ein Ueberschuß von 73 500 M. 
gegenüber 116 689 M. im Jahre 1911. Die Einkommen 
steuer ergab im Jahre 1903 eine Mindereinnahme von 
279 M. und 1906 eine solche von 20 104 M. Von 1907 
ab betragen die Ueberschüffe 11 417, 20 292, 47 110, 
57 068 M. und 1911: 43 701 M. Für 1912 sind erst 
eingegangen 570 045 M., eS sollen eingehen 764 500 M, 
da5 Weniger von 194 495 M. werde ja wohl noch ein- 
gehen aus dem letzten Vierteljahr. Nun hat aber der 
Gemeindrvorstand für daS Jahr 1913 wieder ein Mehr 
von 100 000 M. eingestellt. Ec glaube kaum, daß sich 
dos Mehr im nächsten Jahre wird erzielen lasten. Die 
WertzuwachSsteuer hat 24 560 M. 1912 gebracht. Wenn 
der Herr Bürgermeister sagte, wir müßten mit den Aus 
gaben zurückhalten, so könne er daS nur ganz und gar 
unterstützen. Vom 1. April 1916 setzt dte erhöhte 
Schuldentilgung ein. ES sind dann 200 000 M. für 
Schuldentilgung aufzuwenden, während wir j-tzt dafür 
48 000 M. labführen. Angesammelt sind jetzt 206 000 M. 
dasür. Wir werden jdann um 150 000 M. mehr den 
Voranschlag belasten. Auf eine große Zunahme der Ein- 
wohnerzahl wird in den nächsten Jahren nicht zu rechnen 
sein. Tie 160 Grundstücke, die z. T. Villen, noch auSzu» 
bauen sind, werden so schnell nicht bebaut sein. Von 1905 
anstieg dieEinwohnerzahl wie folgt: 15 808, 18 354, 21254. 
23660, 26549, 31377, 35583, 40024 und 1903: 43000. 
Während früher also eine jährliche Zunahme der Bevölkerung 
um 5000 stattfand, sind int letzten Jahre nur 3000 Ein 
wohner mehr geworden. Zu berücksichtigen ist, daß die 
Leute, die höhere Steuern zahlen, 'auch größere Anfpiüche 
an den Gemeindesäckel stellen. Unsere Schulen kosten unS 
viel Geld. ES kostet ein Kind im Gymnasium 152,23 M, 
im Nealoymnastum 116,85 M., in der Königin Luise- 
Schule 100.10 M., in der Volksschule 118,35 M. Da unS 
noch erhebliche Ausgaben bevorstehen, haben wir alle Uc- 
fache, mit den dauernden Ausgaben recht vorsichtig um 
zugehen. Wir müssen vor allem verhüten, daß der Be- 
amtznetat so hoch anschwillt. WaS die VermözenSnach- 
weisung anbetrifft, so wäre eS endlich einmal an der Zeit, 
daß man daran geht, den Wert derBaulichkeiten abzuschreiben. 
Wie könne man die Bauten in der Albestraße noch alS 
Neubauten betrachten. Auch der Sündfluibiurmen steht 
mit einem Wert von 10 000 M. verbucht, man könnte ihn 
mal auf 1 M. abschreiben. Später bedürfen wir- auch 
größerer Beträge sllr die Pensionen, die augenblicklich ja 
nur 8500 M. betragen. ES tut ihm leid, daß er unsere 
Zukunft nicht so rosig schildern könne, denn wer daS tut, 
muß tatsächlich farbenblind sein. Wir müssen den Vor 
anschlag genau prüfen und scheu, ob wir nicht noch er 
hebliche Abstriche machen können. (Schluß folgt) 
Lokales 
(Nachdruck unserer o-Originalartikel nur mit Quellenangabe gestattet.) 
o Die Pferdevormustirungc», gleichzeitig mit 
einer Prüfung der Fahrzeuge und Geschirre findet in Frie- 
dcr,au am Mittwoch, dem 2. April, Vormittag« 9 und 
U Uhr auf dem Maybachplotz statt. 
o Vom Bahnhof Wilmersdorf»Friedenau. 
Der Bezirksoerein Kaiserplatz teilt unS mit: Der Vorstand 
dis Königlichen Eisenbahn. LrtriebSamtS 10 ersucht auf 
eine regere Benutzung dcS neuen Zu- und AukgangeS auf 
Bahnhof Wilmerldorf-Friedknau hinzuwirken. — Die An 
lage bezweckt die Entlastung des friiher allein bestehenden 
Zn- und Ausganges. Unsere Mitbürger werden auch an 
dieser Stelle gebeten, dem Wunsche des Königlichen Eisen» 
bahn-BetriebsamtS nachzukommen und nach Möglichkeit den 
neuen Zu- und AuSgang zu benutzen. 
o Landtagsersatzwahl. DaS Ergebnis der heutigen 
Landtagsersatzwahl in unserem Wahlkreise ist folgendes: 
Für Eisenbahnsekcetär Haseloff (kons.) wurden 612, für 
Pfarrer Traub (üb.) 455 Stimmen abgegeben. Die 
Sozialdemokraten stimmten überhaupt nicht. Mithin ist 
der konservative Kandidat, Eisenbahnsekretär Haseloff, ge 
wählt. . Bei der letzten Landtagswahl im Jahrs 1908 
erhielten die Konservativen 618, die Liberalen 482 und 
die Sozialdemokraten 402 Stimmen. 
o Der April>U«zug in Groß-Berlin dürfte — 
nach allem, was man schon jetzt zu sehen bekommt — ganz 
gewaltige Dimensionen annehyicn. Die innere Stadt 
wird sich, den roten MiesSzrttrln nach zu urteilen, noch 
mehr entvölkern und auch tn den Außenbezirken, die noch 
mit den vorsintflutlich eingerichteten Häusern bestanden 
sind, lichten sich die Reihen derer, dte dem „modernen 
Komfort" abhold sind oder ihn garnicht kennen. In 
einer Promenadenstraße deS SüdwestenS z. B. hängt fast 
an jedem HauStor ein roter Zettel und in vielen Häusern 
stehen schon ganze Etagen leer. ES ist nicht etwa der 
„Zug nach dem Westen", der die besseren Mieter vertreibt, 
sondern der Mangel jeder Bequemlichkeit, der ihnen iv 
den finsteren, stickigen Wohnungen zugemutet wird. In 
Massen werden daher die neuen Wohnviertel bezogen, so 
in Neu-Tempelhof, am Großgörschen-Bahnhof, in den süd 
westlichen Vororten, Friedenau rc. Für geringe Mehr 
kosten, dte meist schon durch dte Ausgabe für Feuerung 
ausgewogen werden, werden hier Helle, freundliche und 
vernünstig eingeteilte Wohmäume geboten, die allen Fort 
schritten der Neuzeit Rechnung tragen. Zentralheizung, 
Warmwasserversorgung, elektrische Lichtanlage, Fahrstuhl, 
praktische Bade- und Wascheinrichtungen usw. Alles steht 
ohne weiteres zur Verfügung und die Vermieter wett 
eifern, die Eonderwünsche ihrer Mieter prompt zu er 
füllen. Welch großen Umfang der Umzug schon jetzt an 
genommen hat, ersieht man daraus, daß die Fernsprech-, 
die GaSarbetter, die Elektrotechniker usw. alle Hände voll 
zu tun haben und von einer Wohnung zur anderen eilen, 
um die Flut der auf sie einstürmenden Wünsche be 
wältigen zu können. Ts will aber jeder, der eine neue 
Wohnung im neuen Hause schon jetzt beziehen kann, zu 
den Ofter-Feiertagen möglichst fertig eingerichtet, sein. 
o Veteranenfpeude und »Hilfe. Am vergangenen 
Sonnabend überbrachte der Vorsitzende des Kegelklub« 
F. M. N., Herr Bildhauer Albert Koch, hier Südwest» 
korso 8, und noch ein Herr, dem Geschäftsführer der Für 
sorge-Vereinigung für dte hiesigen KriegSoeteranen 46,35 M. 
mit dem Wunsche, am Tage der Hundertjahrfeier an neun 
hilfsbedürftige KriegSoeteranen je 6 M. zu verteilen; hierzu 
bewilligte dte Fürsorge-Vercinigung noch 3 M. für jeden 
Veteranen» sodaß am 10, März im Saale deS EchloßgartenS 
zu Steglitz im Ganzen 126 M. an 27 Veteranen verteilt 
werden konnten. — Wir freuen uns, wieder feststellen zu 
können, daß da« Interesse für upsere örtlichen Kriegs 
veteranen in immer wettere Kreise sich verbreitet, möchte 
eS doch dahin kommen, daß die Jllrsorge-Verrinigung in 
die Lage kommt, den Lebensabend dieser alten Veteranen, 
mit Hilfe unserer Bewohner, vor allen Entbehrungen 
schützen zu können. Einem der unglücklichsten, dem Veteran 
Hennig, Handjerystr. 52, ist durch. Vermittelung der Ver- 
trauenSdame der Fürsorge-Vereinigung. Frau Minni Stoye, 
Fregestr. 25, eine Badekur in Wiesbaden von dem Roten 
Kreuz bewilligt worden; der erste Veteran Friedenaus, 
dem eine solche Wohltat zuteil wird! Bravo! 
o Für das Jürgensen-Grabdenkmal erhielten 
wir von Hern: I. Schumacher 2 Mark. 
o Die Abeudunterhaltung im Helmholtz.Real» 
gymnasium findet morgen Donnerstag, dem 13. März, 
Abends 7 j / 2 Uhr statt. Eintrittskarten zu 75 Pfg. sind 
noch beim Schuldiener oder an der Abendkasse zu haben. 
o Bezitksverein „Südwest". Am Sonnabrnd, 
dem 15. Mäcz, abends 8% Uhr findet im Restaurant 
„Zum Rembrandt" ein Eisbetneffen statt. Zur Unter- 
hallung der Teilnehmer werden namhafte Künstler bei 
tragen. Anmeldungen werden bis Donnerstag, dem 13. März, 
an Herrn Kaiser!. Techn. Rat Panzerbieler, Rembrandt- 
straße 8, erbeten. 
o Verein der Gartenfreunde in Berlin-Friede» 
nau. Zu dem am Sonnabend, dem 15. März, abends 
8 Uhr, im oberen kleinen Saale des „Hohenzollern", 
Handjerystr. 64, stattfindenden EtSbeinessen sind weitere 
Anmeldungen an den Wirt deS „Hohenzollern" baldigst, 
spätestens bis znm 14. d. Mts. zu richten. 
o Der Tennis- und Hockey.l?lub 99 E. V. 
Friedenau begeht am 14. d. MlS. fein 14. Stiftungsfest in 
Gestalt eines Kostümfestes, benannt: „Friedensfest auf dem 
Baikau". Es findet im Gcsellschafrshaus des Westens, 
Berlin Schönebrrg, statt. Durch zahlreiche Vorträge und 
Ueberraschungkn usw. ist für die Unterhaltung der Gäste 
vorzüglich gesorgt. Billets sind noch zu haben an der 
Abendkasse oder beim Schriftführer Herrn Wiencke, Wil- 
metSdorf, Weimarschkstr. 13. — Am Sonntag, dem 16. März, 
spielt die 1. Mannschaft des Klubs gegen die Hockeymann- 
schaft d«S „Dresdener Sportvereins". DaS Spiel findet 
auf dem Sportplatz Steglitz an der Ring- Ecke Eüdend- 
straß- statt und beginnt um 3 Uhr. Eintritt 50 Pfennig. 
o Die letzten Wege des Kapitän Scott, ein 
hochinteressaiitkr Film auf drn Eiswüsten des Südpols, 
kommt von heute ab im Biofontheater in drr Rhcinstr. 14 
zur Vorfühlung. DaS ergreifende Schicksal dcr jüngsten 
Südpolarexped tion ist noch in Aller G-dächtni«. Sie 
hatte wohl daS ersehnte Ziel, den Südpol erreicht, aber 
auf dem Heimwege gingen die Teilnehmer elend zugrunde. 
Auf den Stufen deS Thrones heißt der zweite Schlager, 
der irgendwo in Exotien spielt. Die Handlung ist 
spinnend und sehr geschickt aufgebaut. Nach mancherlei 
Kabalen wendet sich alles zum. Guten. Von Göschenen 
nach Waffen ist eine Fortsktzung der Sankt Gotthardreise.
        
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