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Periodical volume Nr. 61, 12.03.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

(«Kriederrarrer 
Unparteiische Zeitung für kommunale und bürgerliche 
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»r 61. 
Berlin-Friedenau, Mittwoch, den 12 März 191H. 
20 Iahrg. 
Depeschen 
Letzte nadiricbten 
Halle. Ein Attentat ähnlich dem in Hennigsdorf 
verübten Automobilverbrechen wurde j tzt auch in Salz- 
wedel ausgeführt. Q rer über den Pcomenadenweg wurde 
ein starker Draht gespannt. Zwei Radfahrern wurde 
dieser Hindernis verhängnisvoll;,ste stürzten von den Rädern, 
der eine wurde schwer, der andere leichter verlltzt. Von 
den Attentätern fehlt jede Spur. 
Hamburg. Tin folgenschweres Schifflunglück hat sich 
in den frühen Morgenstunden in der TlbmUndung erelgmt. 
Das Feuerschiff „Elbe I" meldet, daß drei Sermeilen Nord- 
nirdwrst von ihm ein großer Segler gesunken ist, deffcn 
Masten gerade noch aus dem Wasser herauiragen. 
Parts. Rach einem dem französischen Kolonial- 
mtnisterium zugegangenen Kabeltelegramm wurde die Insel 
Röunion im Indischen Ozean am 4 d. M. von einem 
furchtbaren Wtrbrlsturm heimgesucht, der an den Häfen, 
E.senbahnbauten, Fabrikanlagen, Wohnhäusern und Pflan 
zungen sehr großen Schaden anrichtete. 
London. Tin 33 jähriger deutscher Artist Arthur 
Bieber verübte gestern in London Selbstmord. Tr saß in 
" dem Continental.Exprrßzug auf dem Charing-Croß Bahnhof 
und jagte sich kurz vor der Abfahrt eine Kugel ins Herz. 
Sitzung cler Gemeindevertretung 
vom Donnerstag, dem 11. März 1913. 
VoraufchlagSber-rtung 
Gemeinde und Kriegerverein. — Die Tuberkulose-Fürsorge in 
Verwaltung der Gemeinde. — Höherer Zuschuß für die Ferien 
kolonie. — Gemeindeausschuß für Jugendpflege. — Wohlfahrts 
ausschuß für sämtliche Wohlfahrtü- und gemeinnützige Be 
strebungen. 
Der gestrigen Sitzung wurde brr Lvrarschlag für 1913 vorgelegt. 
Bürgermeister W»lg,r gab in einer längeren Aniprache nähere Er 
läuterungen über die Bestallung des dleSfährigen Boraofchlages. über 
unsere Finanzverdältruff- und warf einen Blick in die Zukunft. Ob 
wohl er zur Borstcht und Epaifamkeit gegenüber größeren Ausgaben 
mahnen müfle, sei er dcch der Ueberzeugung, daß unsere Finanzen 
dauernd pul fein werden und wir mi Bertrauea in die Zukunft blicken 
dürfen. G-V. Ott sah die Sache nicht sa rvfig au, rr wies auf die 
1916 einsetze» de große Schuldentilgung hin und suchte durch Zahlen 
nachzuweisen, daß unsere Finanzen turchauS nicht so glänze, d find. 
AuchG.-B Kalkdrenner war auch der Anficht, daßu-flere Zukunst durch. 
auS nicht so klar vor uns liege, wie fie der Herr Bürgermeister 
schilderte. Er kiltifierte inSbesoi dere die vermögensnachweisung, in 
der man immer noch mit angenommenen Werten rechne. Er wäre an 
der Zeit, daß man endlich mal mit d esem p piernen Berv ögen auf 
räume. Bll'germeister Walger antwortete, daß die De,mögenkauf 
st'llnvg auch tn anderen Gemeiiden in der gleichen Weise geschähe. 
Man kam dann zur Etuzelberaiung der Voranschläge. Beschaffen 
wurde, die Tuberkulose-Fürsorge ln die eigene Derwallung za über- 
rehmeo. Dem Friedenau» Verein für Ferienkolonien wurde die 
Beihilfe um 1500 M erhö-1; ebenso wuide für die Krippe der 
Bettrag um 500 M. erhöht. Für die Jrtgendpslege wurde ein be. 
sorderer Ausschuß unter dem Vorsitz des Schöffen v. wrochem ein- 
gesetzt. Dieser Beschloß gab dem G B. Berger Deranlaffung, für 
einen Ausschuß einzutreten/ der als »Kontrollausschuß" auch für die 
übrigen ivohltitigen Vereine: Ferienkolonie, Vaterländischer Frauen 
verein usw. gelte. G L. Ott erweiterte diese Anregung zu dem 
Antrag, einen Wohlfahrtsausschuß einzusetzen, dem alle Wohl- 
fahrtSbestrebungen unterstehen Grundsätzlich wuroe diesem Antr ge 
zugestimmt. Die Frage der Errichtung eines Arbeitsnachweises 
wurde einem Ausschüsse übertragen Vor Beginn der Sitzung äußerte 
sich der Bürgermeister noch über die Ursache d:r nach außen hin 
hervorgetretenen Spannung zwischen Verwaltung und Kriegerverein 
betr. die Jahrhundertfeier und stellte die in einem Rundschreiben des 
Vereins gemachten Ausführungen richtig. Wir lassen nun den Ver- 
handlungsbcricht folgen: 
Es fehlen oie Schöffen Bache und Draeger wegen 
Krankheit. Später erscheinen die Schöffen Ltchtheim und 
Satör, die G.-V. Dreger, Dr. Thurmann und Uhlenbrock. 
Anwesend sind ferner Gemrindrbaurat Altmann, Affeffor 
Grundmann. DaS Protokoll führt Obersekretär Borck. 
Bürgermeister Walger widmet vor Eintritt tndte TageS- 
ordnung dem verstorbenen Kaffenrendanten Schoen einen 
ehrenden Nachruf. „Wir verlieren in dem Berstorbenen 
einen zuverlässigen, tüchtigen und ehrenhaften Beamten, 
dessen Andenken wir stets tn Ehren halten werden/ Die 
Versammlung hatte sich während dcS Nachrufs von den 
Plätzen erhoben. 
Bürgermeister Walger erklärt dann, er wolle noch 
besonders auf die Angelegenheit des „Krieger- und Land- 
wehrvkrein»' eingehen. AIS in der vorigen Sitzung der 
Beschluß gefaßt wurde, eine Jahrhundertfeier von der Ge- 
meinde aus zu veranstalten, da habe niemand gewußt, 
daß auch der Krtegrrverein an diesem Tage eine solche 
Feier veranstaltet. Es ist dieS ein unglückliches Zusammen 
treffen, daS zu bedauern ist. Der Krtegeroerein hatte nun 
aber an seine Mitglieder eine Zuschrift gemocht, in der er 
ersuchte, an seiner Frier teilzunehmen und auch für seine 
Feier zu werben. Der Borstand deS Vereins fei auch in 
seiner (deS Bürgermeisters) Wohnung gewesen, um eine 
Verlegung der Gemetndefeter ans den Bormtttag zu be 
fürworten. Er habe auch Entgegenkommen gezeigt, doch 
ließ sich, nachdem er Rücksprache mit dem Gemeinde- 
vorstand genommen, die Verlegung der Feier auf den 
Bormiltag nicht durchführen. In dem Schreiben deS 
KriegeroereinS heißt eS weiter, daß die Gemeinden»- 
ordneten und die Verwaltung aus dem Rundschreiben vom 
Februar wissen mußte, daß der Verein eine solche Feier 
beabsichtigt. In diesem Schreiben ist aber kein Tag gr- 
nannt; dar stelle er ausdrücklich fest, mithin wußte 
niemand etwas von der Feier deS Vereins. Wenn daher 
tn dem Schreiben ausgeführt wird, die Gemeindevertretung 
hätte von der beabsichtigten Feier gewußt, so ist da« eine 
Unrichtigkeit und er enthalte sich da jeder Kritik. 
Ec habe nicht vorher in der Zeitung eine Erklärung 
abgegeben wollen, um die Feier nicht zu stören. 
Außerdem sei auch hier die Stelle, wo er Erklärungen 
abzugeben hätte. G.-V. Dr. Tänzler erklärt, er hätte 
einen solchen Vorwurf, wie der Herr Bürgermeister, nicht 
auS dem Rundschreiben herausgelesen. Er habe nicht den 
Vorwurf herausgefunden, daß die Gemeindevertretung 
bewußt einen Beschluß gegen die Veranstaltung deS 
KriegeroereinS gefaßt habe. Er könne auch dem Krieger- 
verein durchaus keinen Vorwurf daraus machen, daß er 
für seine Veranstaltung werbend eingetreten ist. Das sei 
durchaus verständlich; einen Vorwurf habe er nicht 
empfunden. Bürgermeister Walger erklärt, er habe 
geglaubt, daS hier feststellen zu müffen, weil die von ihm 
vorgetragene Auffaffung in der Bürgerschaft vorherrschend 
war und ihm gesagt wurde, der Gemeindevorstand hätte 
nicht richtig gehandelt und hätte daS dem Herrn Justtzrat 
Skopnik nicht antun dürfen. Da nun, wie er gehört 
habe, der Verein eine sehr schöne Feier hatte und auch die 
der Gemeindeverwaltung eine imposante patriotische Kund 
gebung war, brauche ja keiner scheel auf den andern zu 
sehen (Sehr richtig). Aber im Interesse der Richtigstellung 
habe er geglaubt, daS hier sagen zu müffen. 
Hierauf tritt man in die Beratung deS Vor 
anschlages ein. Bürgermeister Walger gibt hierzu, 
nachdem er auf den den Gemeindeverordneten gleichfalls 
unterbreiteten Verwaltungsbericht über daS Jahr 1912 
hingewiesen, daS folgende Geleitwort: 
Im allgemeinen gleicht daS Aeußere des Voranschlages 1913 dem 
feines Vorgängers, ».ur find wir bestrebt gewesen, im einzelnen 
wieder einige Verbefferungen durchzusühren und den ganzen Voran-' 
schlaz noch klarer zu gestalten. Hat taS Vorjahr eine Kürzung deö 
T'it S und der Einteilung der Sollseite gebracht, so ist diesmal die 
rechte Seite, die ©eile der Bemerk, nqen einer gründlichen Revision 
unierzogen und dort alles liebe» flSssize und Schwülstige beseitigt 
worden. Langatmige Aue führungen find, soweit eS angängig erschien, 
kurze Bemeiku'gen und Hinweise g,worden. Reu ist bet den Be 
melkungeu die Spalte .zahlbar", deren Abkürzungen auf Seite 2 er- 
läutert find, die aber auch ohne Eiläuiecung verständlich sein 
dürften. Dies- neue Cp:ltr bewirbt eine Kürzung deS T-xteS und eine 
größere U beisichilichkett, die d»m Kaffen- unv Zahlgejchäft zugute 
kommt. Ein völlig n-Uis Gesicht zetqt die Verwaltung der höheren 
Schulen. Die btrh-iigen 3 Voranschläge find zu einem vereinigt 
worden, daß neben einem einheiilichen T xle der Solbpalren aller drei 
Schulen nebeneinander stehen. Hierduich ist nichl nur eine wesentliche 
Vereinfachung und Kürzung, sondern auch die Möglichkeit deS un- 
miitelbaren Vergleiches der Ein"Iposten der Anstalten untereinander 
he»beigeführt. Wir hoffen, daß diese Neuerung Jh en Beifall finden 
finden wird. Vielleicht ließe fich durch eine etwas kräftigere Ltntatur 
noch eine schärfere Gruppieiung der Zahlen schaffen. Bus den 
Stiftungen und Vermächtnis; n haben wir die »Einmaligen Zahlungen 
zur dauernden llnterdaltung von Giabstät'e».' ausgeschieden und einer 
zweiten Abteilung „B“ im Voranschlag XVIII zugewiesen. Damit ist 
wohl auch hier dle notwendige Klarheit heibeigesührt. Neu ist der 
Versuch, zu zeigen, war jede einz-lne Veiwaltung an Zuschuß ein- 
schließlich der Schuldenti gung und Verzinsung erfordert: Während 
bisher die Schuldensofition an irgend einer geeignet erscheinenden 
Stelle innerhalb dcS Voranschlages mit dem Betrage ver der Eoll- 
spal'e stand und es erst eines Rechenex-mpelS -bedurfte, um den Ge- 
iamtzuschuß festzustellen, ist deiselbe fitzt ohne weiteres auS dem Ab 
schluß jede« EtaiS abzulesen. Dabei »st vermieden worden, den »Ge- 
saml"-Zuschuß nach dem Haupivoranschlag zu übertragen, um diesen 
nicht um etwa 400 0(0 M. in die Höhe schnellen zu taffen. In Vor 
anschlägen, die verschiedene, verwandte Verwaltungszwetge um'aflen, 
find die auf den Cchuldendieust- entsallendeu Beträge außerdem noch 
in der bisherigen Weise bei den Abschnitten j-deS ZwelgeS vor dem 
.Der Staatsanwalt 
55 iMNi 
Der Privatsekretär, der leise aus der Bibliothek in die 
Vorhalle getreten war, blickte neugierig auf Olivia, die noch 
mit dem Gendarm an der Eingangstür stand. Trenkleys 
Gesicht, als er sie erkannte, drückte Erstaunen und zugleich 
Befriedigung aus, als ob ihin etwas sehr Angenehmes 
widerfahren wäre, das er kaum zu hoffen gewagt. Der 
Ausdruck verschwand aber schnell, und er begrüßte sehr ge 
lassen den Inspektor. , , . ... 
„Haben Eie Erfolg gehabt?" fragte er mit be- 
deutungsvoller Betonung. 
„Es geht," erwiderte der Inspektor. „Aber ich habe 
. eine Bitte an Sie, Herr Trenkley. Ich fand diese junge 
Dame ganz allein in dern Schloß, welches offenbar der 
Mörderbande, die wir suchen, als Hauptquartier diente, 
und ich vermute, daß sie verschiedenes weiß. Sie ist noch 
nicht verhaftet, aber ich wünsche, daß sie die Nacht über 
hier bleibt, bis ich morgen weitere Nachforschungen vor 
nehmen kann. Können Sie ihr ein Ziminer einräumen 
lassen und für eine Erfrischung sorgen? Vielleicht würde 
Fräulein Bilcon so freundlich sein, -" 
Nein nein, nicht Fraulem Bilcon," unterbrach Trenkley 
rasch" Ueberlassen Sie das nur mir. Die Wirtschafterin 
wird' die Sorge für die junge Dame übernehmen, und 
unterdessen wollen wir sie in ein Ziinmer führen, wo sie 
sich ausruhen kann, bis ich Frau Nickel gefunden habe." 
Der Inspektor wandte sich zu Olivia und erklärte ihr 
in freundlichen Worten, man habe beschlossen, daß sie die 
Nacht über in der Villa bleiben solle,, und der Herr dort 
werde sie in ein Zimmer führen. In wenigen Minuten 
werde er ihr die Wirtschafterin schicket,. der gegenüber sie 
ungeniert irgendwelche Wünsche aussprechen möge, die sie 
1;0be Öliotst kühlte sich so elend, daß es ihr völlig aleichgültig 
war, »vas mit ihr geschah, und schweigend folgte sie dem 
lächelnden, überhöslichen Sekretär. Kanin waren die beiden 
hinter einer Mr verschwunden, da näherte sich Friedrich 
dem InspektiM 
„Sir Harry Dunloo und Herr Robert Brandis sind 
draußen im Hof und haben zwei ihrer Bluthunde mitge 
bracht," sagte er. „Sir Harry läßt sich Ihnen empfehlen 
und ansragen, ob Sie sich vielleicht irgendwie nützlich 
machen könnten." 
„Das trifft sich ja herrlich," rief Black freudig. „Ich 
wollte eben hinschicken und fragen lassen, ob ich die 
Hunde haben kann. Sagen Sie den» Herrn, Friedrich, ich 
würde in wenigen Minuten bei ihm sein. Und nun, 
Winter, sind die Photographien der Fingerabdrücke aus Lon 
don' eingetroffen? Ah, danke. Sie haben das Paket noch 
nicht geöffnet? Nun, sie müssen warten, bis ich Zeit 
habe, sie zu vergleichen. Was ist's mit der Depesche? 
Keine Nachrichten von dem Auto? Das ist schliinm. Und. 
nun hören Sie, lieber Winter, ich möchte Ihnen in kurzen 
Worten klarlegen, wie die Sache jetzt steht. Es liegen 
zwei Möglichkeiten vor. Entweder haben die teuflischen 
Schurken da drüben im Schloß Penfold durch Bestechung 
oder Ueberredungskünste dazu gebracht, auf ihre Seite zu 
treten, oder sie haben ihn ermordet. Das letztere halte 
ich für wahrscheinlicher. Aus dem Mädchen ist nichts 
herauszubringen, sobald es sich uin Penfold handelt. So 
offen sie »nir sonst antwortet^, sobald ich seine»» Namen 
nannte, war sie verschlossen wie ein Buch mit sieben 
Siegel»». Ich muß den Doktor also ohne ihre Hilfe 
suchen, und mit Unterstützung des alten Barons und 
seiner Hunde wird es mir »vohl gelingen; ob ich ihn 
allerdings tot oder lebendig finde, das ist eine andere 
„Sie wollen jetzt noch eininal nach dem Schloß?" 
„Jawohl, mit den Bluthunden. Es wird'allerdings 
ganz" dunkel fein, bis wir hinkommen, aber das macht für. 
die Hunde keinen Unterschied. Unterdessen lassen Sie 
Trenkley nicht aus den Augen. 2ch balle es kür wahr 
scheinlich, dutz er versuchen wird, Fräulein Maitland unter 
vier Augen zu sprechen. Lassen Sie das ruhig zu, aber 
sehen Sie, daß Sie horchen können. Ich »nächte haupt 
sächlich wissen, ob die beiden sich vorher gekannt haben. 
Sie werden ja nicht viel Herauskriegen, der Kerl ist zu 
schlau. Und nun muß ich fort, die beiden Hundeliebhaber 
werden schon ungeduldig sein." 
Unterdessen war Olivia in einem kleinen Zimmer, das 
den Namen Gartenziminer führte, untergebracht worden, 
und die freundliche alte Haushälterin hatte sich ihrer 
mütterlich angenornmen. Das schöne traurige Gesicht des 
jungen Mädchens hatte es der guten alten Dame sofort 
angetan, und ohne sie mit Fragen zu belästigen, brachte 
sie ihr einen Hühnerflügel und ein Glas Rotwein. Mii 
ruhiger Bestimmtheit zwang sie das Mädchen, die kleine 
Erfrischung zu sich zu nehmen. Dann überredete sie es, 
sich auf das Sofa zu legen und zu ruhen. 
Die einzige Anspielung, die sie auf die Tragödie machte, 
die sich hier zugetragen, war die Bemerkung, Sir William 
gehe es, Gott sei Dank, etwas besser. Er sei iminer noch 
bewußtlos, aber sein Puls gehe wieder lebhafter, und der 
Doktor habe Hoffnung, ihn am Leben zu erhalten. 
„Oh, wie mich das freut," sagte Olivia. „Es war so 
grausam, so furchtbar grausarn. Die Welt scheint ganz 
voll von grausamen Menschen zu sein." 
Die Haushälterin zündete eine verschleierte Lampe an, 
dann verließ sie das Zimmer, und Olivia blieb allein 
zurück. Sie war zu erinüdet, um folgerichtig denken zu 
können, und doch konnte sie nicht einschlafen. Es mochte 
vielleicht eine Stunde verflossen sein, als die Tür leise ge 
öffnet wurde und jeinand hereintrat. Sie öffnete die Augen 
und sah, daß es der unsympathische Mensch war, der sie 
auf den Wunsch des Beamten der Pflege der Haushälterin 
übergeben hatte. Cr beobachtete sie mit schlecht verhehlter 
Neugierde, aber als er bemerkte, daß sie wach war, ver 
wandelte sich sein Gesichtsausdruck in übertriebene Freund 
lichkeit, und nachdem er die Tür sorgfältig geschloffen hatte, 
.trat er näher.. (tzortsetzung folgt.)
        
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