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Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

Beilage zu Nr. 6V des „KrteUenauer Lokal-Anzeiger 
Dienstag, den 11 März 1913 
Zuschriften 
(Für diese Rubrik übernehmen mir keine Verantwortung.) 
Kinderfürsorge. 
Wohl jedem edeldenkenden Menschen liegt daS Wohl und Wehe 
unsere« Volkes, insbesondere dcS unserer Kinder, am Herren. Viel 
wird auf diesem Gebiet getan, doch ist daS noch nicht ausreichend, um 
so wirken zu können wie mau möchte, weil die Mittel fehlen. Großer 
Segen liegt in der Gründung der Kinderheime. Vor 6 Zähren rief 
8röulein Gertrud Genfichen daS erste Heim unw.it Berlin ins Leben, 
heute ist sie Leiterin von 11 Kinderheimen. In thuen finden arme 
Kinder jeden Alters liebevolle Aufnahme, deren Erziehung der Straße 
überlassen ist. Sie werden hier zu ordeuilichen Menschen erzogen. Die 
Kinder bleiben bis kurz nach der Konfirmation in unsern Häusern und 
wird ihnen auch dann noch im Leben weiter geholfen. Gewiß ein 
Teil geht wohl unter kotz aller Fürsorge, doch durften wir schon viele, 
vielleicht den größeren Teil der Kinder auf diesem Wege retten die 
sonst tu Schmutz, Elend und Kränkelt verkommen wären. Und welch 
8rohstnn und Sonnenschein herrscht bei unsern Kindern, die fiüher 
nur Kummer und Mot kannten. Das allein ist uns schon Dank genug, 
wenn wir sonst keinen hätten. Doch die Gorgen bleiben auch nicht 
aus, und oft ist eS recht schwer allen Anforde ungen gerecht zu »erden. 
Drum tut eure Herzen und Hände auf für unsere armen Kinder, 
damit wir ihnen allen helfen können! Gott vergelt's Euch! Es kann 
alles gebraucht werden, insbesondere Betten, Wische, Kleider und 
Möbeln. Jahresbeitrag ist mindestens 1 M. Gaben der Liebe 
nimmt mit innigem Dank entgegen Fräulein Gertrud Genfichen, 
Poblctz b. Zezcnow, Pommern, Kinderheim. 
Ein Freund unserer Kinder, besonders der Hilfsbedürftigen. 
Zur Landtagowahl 
erhalten wir folgende Zuschrift: 
Eine schreiende Ungerechtigkeit. 82 Prozent des preußischen 
Volkes find bei den Landtagswahlen Wähler dritter Klaffe und haben 
nicht mehr Recht, al« die etwa 14 Prozent Wähler der zweiten oder 
die nur rund 4 Prozent bildcndenden Wähler der ersten Klaffe. Ist 
daS schon an fich eine Ungeheuerlichkeit, die namentlich die Rechte dcS 
Mittelstandes, der zumeist der 3. Klaffe angehört, schwer schädigt, so 
wird diese Ucgeheuerlichkeit zu einer schreienden Ungerechtigkeit, wenn 
Wahlmänuer, die fich vor ihrer Wahl für eine bestimmte Partei ver- 
pflichtet haben, hinterher bei der Abgeordnctenwahl ihre Wähler im 
Stich laffen und richt für den Abgeordneten einireten, der den An- 
schauungcn ihrer Wähler entspricht. Zum Glück gehören solche Wahl- 
männer zu den Eeltenheilen. Friedenau aber soll bei der nächsten 
Landtagsersatzwahl am 12. März dieses seltene Schauspiel erleben. 
Wie der Friedenau« Lokal Anzeiger vom 6 März aus der Mitglieder 
versammlung deS evangel. Arbeitervereins für Friedenau und Umgegend 
berichtet, werden Herr Landschaflsgirtner Hugo Richter, Borfitzender 
deS evangel. SrbcttervereirS, und Herr Marrro ischleifer Strehler, 
ebenfalls Mitglied deS Vereins, am 12. März nicht für den liberalen, 
sondern für den konservativen Kandidaten stimmen. Beide Herren 
find s. Z>. als liberale Wahlmänner der 3. Wihlerklaffe gewählt 
worden, beide Herren haben sich s. Zt. für die liberalen Kandidaten 
verpflichtet. Beide wollen aber .in Anbetracht der gegen früher be- 
deutend veränderten politischen Lage' nicht mehr liberal wählen, und 
die Mitglt'derversairmlung hat diesen Entschluß .einstimmig gutge- 
heißen'. DaS Wahlgesetz gibt leider keine Handhabe, den Schritt zu 
verhindern. Selbst beim Erlaß dieses .widersinnigen, elende»' Wahl 
gesetzeS hat M4N wohl nicht au die Möglichkeit eines solchen Ver 
hallens gedacht. Gewiß soll niemand ge-wungen werde», an seinen 
politischen Snstchteu unverändert festzuhalten. Wer sich aber alS 
„wahlmavn' zu einem politischen Programm bekannt hat, hat seinen 
Wählern gegenüber bestimmte Pflichten übernommen. Erfüllt er fie 
nicht, so sind seine Wähler wie eS im Boiksmunde heißt, .verraten 
und verkauft'. Solche IlmfallmLnner mögen schlimmstenfalls der 
Wahl fern bl.-iben. Zn keinem Falle dürfen sie es mit ihrer Bürger 
pflicht für vereinbar halten, den Kandidaten einer anderen Partei zu 
wählen alS der, von deren Wählern sie gewählt find Bei der 
Hauptwahl im Jahre 1903 war H-rr Hugo Richter der einzige von 
69 Friedenau« Dahlmännern, der nicht zur Abgeordnetenwahl ge- 
kommen ist. Schon damals waren also seine Wähler nicht vertreten. 
Diesmal will er und sein Vcreinsgenosse, Herr Schleifer SIrrhIer, die 
Wähler im entgegengesetzten Sinne vertreten. Heißen das auch alle 
Vorstandsmitglieder der evangel. - nationalen Arbeitervereins für 
kriedenau, namentlich die dem Verein angehörigen Herren Pastoren 
gut? Freilich, Herr Richter, der Vorsitzende des evangel.-nationalen 
Arbeitervereins, hat ja seine politischen Ansichten i» den letzten 
Jahren schon 3 bis 4 mal gewechselt! 
Vermischtes 
'o Friedrich Wilhelm Raiffeisen. Vor 25 Jahren, am 11. Mir, 
1588, starb in HkddeSdorf der Begründer der ländlichen Spar- und 
DarlehnSkaffenvereine Friedrich Wilhelm Raiffeisen. 1818 zu Hamm 
a. d. Sieg geboren, schlug er zuerst die miittärrsche Laufbahn ein, 
mußte fie jedoch wegen eines Augenleidens aufgeben und trat ln den 
Verwaltn igsdienst über. 1843 wurde « Kreissekrettr in Mayen, 
1846 Bürgermeister in Weyerbusch, 1849 zu Flammersfeld, 1852 zu 
Hedd.-sdorf bei N-.uwied. Im genoffenschafllichen Zusammenschluß 
einen Weg zur Abhilfe der ländlichen Not namentlich der Kreditnot 
erblickend, grü >dete er 1846—1847 in Meyerbusch einen Konsum 
verein. Seine Ideen fanden bald Nachahmung. 1865 trat er infolge 
seiner Pensionierung auS dem Verwaltungsdienst aus und widmete sich 
ganz der Ausbreitn ig seine« Werkes. Er faßte die Vereine in einen 
Verbandrzusammen, dessen Zentralstelle heute noch in Neuwied liegt 
1879 begründete er das „Landwirtschafllihe GenoffenschaftSblatt." 
1902 wurde ihm in HeddeSdorf ein Denkmal errichtet. 
'o Der Kampf um die deutsche Schrift. Ueber dieses Thema 
schreibt Peter Rosegger im Februarheft seines .Heimgalten': Der 
Kampf um die deutsche Echlift. um unsere liebe angestammte traute 
Frakturschrift, wird heftiger. Ja Berlin und anderen Städten ver 
einigen sich große, deutschfremde Verlags- und Zeitungsfirmen, um 
gegen die deutsche Schrift zu arbeiten, sowohl mit Bargeld als auch 
mit ihrem riesigen Zeitung-einfluß. Es sollen Zeitungen und Zeit- 
schriften gegründet werden, besonders auch literarische, schöngeistige, 
volkstümliche, die in lateinischer Schrift gedruckt werden. Große Kreise 
beabsichtigen die gänzliche Verdrängung der deutschen Schrift. Da 
müssen wir voran, alle zusammen und jeder für sich. Das Reden 
allein hilft nichts. Also nur schnurgerade zur Tat. Ich Einzelner 
und Geringer verpflichte mich, von heute ab alles, was ich in deutscher 
Sprache veröffentliche, nur in deutscher Schrift drucken zu laffen. 
Wer das nicht zusagt, kriegt nichts von mir. — Wenn es auch die 
anderen deutschen Dichter und Schriftsteller so machen, dann haben 
wir den Sieg. Am 1. Jänner 1913, deS großen Gedenkjahres 
deutscher Befreiung, — Recht so! Wenn wir den Romanen schon 
die Sitten, die Moden und w.r weiß was alles noch nachäffen, so 
wollen wir wenigstens noch unser liebes Deutsch — das auch der 
Type — behalten, daS übrigens viel schöner ist als da« harte, leere 
Latein. 
'o Demselben zufolge. .Der Vorsitzende erstattete den JahreS- 
Demselben zufolge trat der Verein am 2. August in sein sechstes 
Lebensjahr.' Herrliches Kanzleideuljch, dem man noch immer, wenn 
auch nicht mehr allzuhäufig begegnen kann. WeShalb denn nicht: 
.Nach ihm' oder: „Danach', oder deutlicher: .AuS ihm (diesem) 
ergibt sich (ersehen wirs, daß . . .'? Denn offen und ehrlich: ist der 
Jahresbericht die Ursache oder Veranlaffung, daß der Verein in sein 
sechstks Jahr getreten ist? Mau merke sich doch endlich einmal daß 
„derselbe' sowohl wie .zufolge' gar zu leicht lächerlich wirken können. 
'o Der belobte Mickel. ,Na Michl, waS habe», s . denn zu dir 
g'iaqt bei der Stellung?' — ,No — g'lobt haben 8’ mi'. Sakra, 
haben 6' g sagt, wann der Kerl net bucklat waar' und ab' besser'» 
G'schau hätt' und kane so krummen Haxm, — was könnt''dös für a' 
fescher Soldat sein!' 
'o Idyllisch .Aber Eva, ich begreife nicht, wie Du stundenlang 
dasitzen und daS Schwein betrachten kannst.' — .Siehst Du denn 
nicht, daß es sein Schwänzchen immer in Gestatt eines E ringelt, und 
mein Bräutigam heißt doch, wie Du weißt, Eduard.' 
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