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Periodical volume Nr. 60, 11.03.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

nicht verläßt, so verläßt auch das Volk seinen König nicht: Liebe um 
Liebe, Treue um Treue! 
Heule richten wir unsere Augen auf den erhabenen HohenzeUerr- 
sproß, den Urenkel der Königin Luise, der nicht nur die Krone Preußens, 
sondern auch die deS neuen Deutschen Reiches trägt. Wir erneuern 
das Gelübde der Treue durch den Ruf: Unser König und Kaiser 
Wilhelm H. hoch, hoch, hoch! 
Mit Heller Begeisterung stimmte die Festversammlung 
in dieser Hoch ein und sang anschließend daran stehend 
die Nationalhymne. Dem Gesänge deS MädchenchorS: 
„Gott segne den König", folgte die Festrede des Herrn 
Oberlehrers Dr. Falke. Man muß sie gehört haben; 
wuchtig und markig, getragen von einem glühenden 
Patriotismus, einer idealen Begeisterung, zündete Wort 
auf Wort. Wer die Rede gehört hat, wird sie auch gern 
lesen; aber auch wer sie nicht gehört hat, wird Freude 
daran beim Lesen finden. So geben wir sie im Wort 
laut wieder: 
Hochverehrte 8«stversammlurig! Eine Entwicklung von hundert 
Jahren liegt zwischen der großen Zeit, die unser Vaterland jetzt feiert, 
und dem heutigen Tag. Eine gewaltige, fast beispiellose Entwicklung, 
ein Aufstieg aus den Tiefen der Schmach zu den Höhen der Ehre und 
Freiheit, der Einigkeit und Größe. Da drängt sich uns unwiUküilich 
die Frag« auf: Was hat uns mit solcher Macht emporgrführt? 
Selche» find die Eigenschaften, die Kräfte, die uns auS Nacht und 
Verzweiflung zum Licht und Siege geleitet haben? Dies zu erkennen, 
tut unS vor allem not. Wir dürfen es nie vergessen. Es muß uns 
tief in» Herz gegraben sein. Denn was uns emporgehoben, das wird 
un» auch auf der Höhe halten, ja mit GoitcS Hilfe noch höher führen. 
AIS gute Preußen und echte Deutsche können wir, gerade heut am 
10. März nicht zusammenkommen, ohne jener Freu zu gedenken, die 
unsterblich ist in unserer Geschichte, unserer Dichtung, unseren Herzen: 
der Königin Luise. Sie war unter den Frauen die glotzte, in all 
ihrem Leid, in all dem Glanz ihrer Hoheit. Sie war die größte, doch 
nicht die einzige Heldin. Jenes Edelfräulein. Ferdinande v. Schmettau, 
daS, beseelt vom heiligen Drang, ihrem Volke zu dienen, nicht« 
andere» vermochte, al» ihr prächtiges Haar auf dem Altar de» Vater 
land-S zu opfern, auch sie war groß Und all die Hunderte und 
Aberhunderte, die ihren Schmuck, ihren Reichtum und Ueberfluß hin- 
gaben.,für» Vaterland, auch sie haben groß und edel gehandelt. Die 
Frau aber, die Mutter, ist die Hüterin der kommenden Geschbchler. 
Solche Frauen konnten nur Gattinnen hochgesinnter Männer, Mütter 
todesmutiger Jünglinge sein. Und welches Gefühl hat diese» G - 
schlecht beseelt? Glühende Liebe zum Vaterlandr. Gewiß. Aber war'« 
nur Vaterlandsliebe? Nein. Nicht nur Lust und Liebe find die 
Fittiche zu großen Taten, auch der Haß. Jener aufrichtige, lodernde, 
heilige Haß, der da beten lehrt: Herrgott, zeig' unS den Feind, daß 
wir un», offen gegen ihn bekennen, daß wir mit ihm ringen und nicht 
eher ablassen, als bi» wir ihn bezwungen! Mr können diese Tat 
sache kaum noch in ihrem vollen Umfange begreifen, aber wir muffen 
sie wieder verstehen lernen: Hier hat unser ganzes Volk geliebt und 
gehaßt mit aller Glut seiner Seelen. Nicht ein anderes Volk gehaßt, 
sondern einen einzigen Mann. In diesem Manne aber war neb, n 
hervorragendem Genie der Uebermut verkörpert, der sich gewissenlos 
hinwegsetzt über dieGrenzen derMenschheit, der mit frevelnderHandunser 
Hetltgium schändete. Nie wohl ist ein Mensch mit glühendem, mit 
gerechterem Haffe verfolgt morden, als Napoleon Bonaparte damals 
durch unsere Ahnen und besonder» durch Heinrich v. Kleist, unseren 
größten märkischen Dich!«. Aber auch nie ist ein Land von seiner 
Köniain, von seinen Kindern tnbiünstiger geliebt worden, als Preußen, 
al» Deutschland in jenen Tagen. Und diese Liebe, dieser Haß standen 
einander nicht feindlich gegenüber. Eie waren miteinander verwachsen 
zu einem starken, alle» durchdringenden Gefühl. Das ergoß sich wie 
unermeßlicher Krästestrom in die Herzen der Dichter und ließ all ihr 
Schaffen ausklingen in ein einziges Hohe» Lied der Begeisterung. 
DaS erleuchtete das Hirn der Denker und ließ sie Worte finden, die 
das Volk verstand/die richt bloß kalter Gelehrsamkeit entsprangen, 
sondern der Liebe und dcö Haffes Feuer in sich trugen und deshalb 
zündeten, wohin sic. fielen.. TdaS lieh.den Plänen der Staatsmänner, 
dem Willen dcs Fürsten Feffigkeit und Klarheit. Das weitete ihren 
Blick sür, neue, ungeahnte Auisttten. Das drang in Schlösser und 
Hütten, in jede Stätte menschlicher,Tätigkeit. Das arbeitete tu den 
Köpfen der Handwerker, Kaufleute, Beamten. Das laa in dir März- 
luft, die den sorgenvoll über seinen Acker schreitenden Landmann um 
wehte. DaS drück e dem Jüngling wie dem Greise das Schw.-rt in 
die Hand und wies unserem geschlagenen Heer wieder die Bahn der 
Ehre deS Sieges und Ruhmes Das riß unser ganzes Volk cmper, 
über das Gemeine, daS Allliglichc weit hinaus und entfachte die Ge- 
müter zu flammender Begeisterung. Und hier liegt der Kern der Lehre, 
die wir auS jenen Tagen ziehen sollen. Es gilt, uns hinauszudeben 
über den Alllag mit seiner Miilelmäßigkeit, seiner arnistligcn Zank- 
und Eifersucht, seiner schmachvollen Selbsterniedrigung und dem Allel- 
schlimmsten: seiner Gleichgültigkeit. Wir stehen jetzt auf Gipfeln, 
deren Erreichung unsere Groß, und Urgioßväler kaem zu erträumen 
wagten. Da wäre cö umühmbch und unklug, den Blick von den 
Höhen, die unser noch harren, die wir noch nrait erstiegen, eschen in 
die Niederungen zu senken. Wieder, wie vor 100 Jahren, brauchen 
wir.neue, erhabene Ziele, opferfieudlge Herzen und hehre Empfin- 
dünge», ein firtenreinis, kö pc,ltch gestählter, gotteSfürchiiges, vor allem 
aber freies Geschlecht. Männer u d Frauen, denen Menschenfurcht 
fremd, die das Licht der Höhen nicht blendet, die groß sind in der Liebe 
zum Valerias de und allem, waS ihm frommt, aber auch groß im Haß 
gegen all S, was ihm schadet. Denn, wieder wicvor lOOJahrcn, gilts einen 
heiligen Krieg zu führen Diesmal aber zieht kein sichtbares Heer 
tu Wehr und Waffen wider uns. Nur selten erkennen wir den Feind, 
der Plötzlich unheimlich in unseren eigenen Reihen auftaucht. Und 
wir köunin ihm nicht mit Speer und Schwert zu Leibe rücken. Wir 
müssen ihn zu bekämpfen suchen mit ten Waffen dcs Geistes. Gleich. 
G'sit""o8ev mindestens ein Betäubungsmittel enthielt, um 
g n zu verhindern, während der Nacht an Julius Penfolds 
telle die Wache in der Villa zu übernehmen, und daß 
die Komtesse es absichtlich umgegossen hatte, nachdem sie 
erfahren, daß er einen Wagen am Parktor stehen hatte, 
dessen Führer sich wundern würde, wenn sein Fahrgast 
nicht zurückkam. Auch hätte der Mann ja jedem Auskunft 
geben können, wohin der Inspektor gegangen, wenn man 
ihn später vermißt hätte. 
Und weil die Tatsache, daß er nach dem Schloß ge 
fahren war, ihre Pläne gestört hatte, so hatten sie ihn 
mit gut gespielter Gastfreundschaft bei dem Portwein zu 
rückgehalten, bis ein Bote auf schnellstem Weg nach Wyeome 
gesandt morden, um dort das gefälschte Telegramm auf- 
zuzeben, das angeblich von Penfold kam. 
Und es stimmte vollständig zu der Meinung, die Black 
von dem Privatsekretär Sir Williams, dem Herrn Hermann 
Trenkley hegte, daß dieser es gewesen, der ihrn im Vor 
gärten der Villa aufgelauert und ihm den Inhalt der De 
pesche mitgeteilt hatte, um ihn zu verhindern, Sir William 
anzubieten, er wolle die Nacht über in der Villa bleiben. 
Während Black diesen Gedanken nachhing, durchforschte 
er sämtliche Räume des Oberstockes, auch das kleine Zimmer 
unter der Kuppel, wo Olivia die letzten Stunden vor der 
Abreise der anderen zugebracht hatte. Und nachdem er 
mehrere wichtige Punkte in seinem Gedächtnis verzeichnet 
hatte, kehrte er in die Hatte zurück, wo Olivia unter der 
Aussicht des Konstablers auf ihn wartete. 
„Als Sie uns vorhin die Tür öffneten, Fräulein Mait- 
land," redete er sie an. „erwarteten Sie jemand anders 
zu sehen, nicht wahr? Ich habe wohl nicht ganz unrecht, 
wenn ich annehme, daß dieser jemand Herr Doktor Pen- 
svld war?" 
Olivin jchüttclte.abwehrend den Kopf. „Ich habe den 
glltigkeit und Uneinigkeit sind unsere Haupiwldersacher. Wahrlich, 
einen heißen Kampf «erden wir zu bestehen haben in diesem neuen 
»heiligen Krieg". Und heut, wo wlr des bedeutenden 10. März ge 
denken, wo wir die herzerheberden Tage von 1813, das große Er 
wachen unseres Volker feiern, heut ist'S an der Zeit, unserem Preußen- 
land unserem gemeinsamen deutschen Vaterland das Gelöbnis der 
Treue zu erueuern. Vergessen wollen wir sitzt alle kleinen Werkel- 
togssoigkn, vergeffcn alle«, waS je den Einzelnen vom Einzelnen 
getrennt. Den Eid, den unsere Ahnen einst in der Stunde höchster 
Not und Gefahr ablegten, heut wollen wir thu wiederholen mit den 
Worten, die der protze Ernst Moritz Arndt geschrieben und die un 
auslöschlich eingeprägt sein sollen in jideS Deutschen Seele: 
»O Deutschland, heiliges Valeriaad, 
O deutsche Hieb' und Treue! 
Du.hoheS Land, du schönes Land, 
Dir schwören wir aufS Neue: 
dem Buben und dem Knecht die Acht, 
der fütt're Kräh'n und Raben! 
Laßt brause«, was nur brausen kann 
in Hellen, llchlen Flammen l 
Ihr Deutschen alle, Mann für Mann, 
zum hell'gen Krieg zusammen I" ' 
Der Begeisterung für diesen heiligen Krieg, der Liebe zum Vater- 
lande geben wir Ausdruck, indem wir einstimmen in den Ruf: Unser 
herrliche» Vaterland, unser heißgriiebtetz Deutschland, e» lebe hoch, 
hoch, hoch! 
Kraftvoll erscholl da» dreifache Hoch und begeisternd 
erklangen die Stimmen in dem sich daran änschlteßtuden 
gemeinsamen Gesänge von .Deutschland, Deutschland llbrr 
alle»". Und dann setzte ein stürmischer Bpplau» ein, der 
dem Redner galt und nicht enden wollte. E» stieg nun 
da» erste Allgemeine: »Sind wir vereint zur guten 
Stunde". Fräulein Nube rezitierte darauf mit Feuer 
„Frisch auf mein Volk' unter Orzelbegleitung und erntete 
reichen. Beifall. E» folgten nun vier lebende Bilder, ab 
wechselnd mit gemeinsamen Gesängen. Die packenden 
Bilder, gestellt vom Friedenau« Männer-Turnverein unter 
Leitung de» Herrn Kunstmaler» Zirge» und Herrn 
RechnungSrat Luckwaldt, zeigten: Opferwilltgkeit de» 
Volke», Abschied, Einsegnung der Freiwilligen, Auf in den 
Kampf, und wurden mit reichem Beifall bedacht. Der 
„Friedenau« Männer-Grsangvdrrin 1875" sang hiernach 
„LlltzowS wiide Jagd', .Der Trompeter an der Katzbach". 
„Brautfahrt" und .Kamerad komm". Dem unter Leitung 
de» Musikdirektors Herrn Paul Antont-stehenden, vielfach 
ausgezeichneten Männerchor, spendet« man auch diesmal 
wieder für seine herrlich vorgetragenen Lieder, voller Ton 
schönheit und Reinheit der Stimmen, stürmischen Beifall. 
Nach dem Gesangverein: der Friedenau« Männer-Turn» 
verein! Jener die Kraft de» .LiedeS, da» un» begeistert, 
dieser die Kraft selbst, die unser Volk stark und mächtig 
erhält. 5 Damen eröffneten die Borsührungen mit 
Keulenschwingen unter Leitung deS Herrn Busack. Dieser 
selbst zeigte sich al» vortrefflicher Keulenschwtnger auf 
finster« Bühne mit elektrisch «leuchteten Keulen. Herr 
Kuke sang mit schöner Barstonstimm« ein von unserem 
Mitbürger Herrn o. Rohrscheid verfaßte» Lied: „Hoch 
Deutschland". Die JUnglingSabteilung (Leiter Herr Koppe) 
führte Eifenstabllbungen exakt vor und. die 1. Männer- 
abteilung (8 Turner, Leiter Herr G. Pälchen) fanden Be- 
wunderung mit ihren schwierigen Kürübungen am Reck. 
Lebhafter ApplauS'und manch kräftiges „Bravo" begleitete 
sämtliche 'Vorführungen. Nachdem Herr. Bürgermeister 
Walger allen Mitwirkenden den herzlichen Dank der 
Gemeindeverwaltung ausgesprochen hatte, wurde mit dem 
letzten Allgemeinen: „Zwischen Frankreich und dem 
Böhmerwald" der offizielle Teil geschloffen. — Herr 
Dr. Lohmann übernahm nun die Leitung der FidelitaS 
und führte sie in UiebrnSwürdig-humorooller Weife. Viele 
Kräfte fanden sich bereit, zur Unterhaltung beizutragen, 
fodaß auch dieser Teil deS Abends einen schönen Verlauf 
nahm. Den Damen wurde auch noch zum Dank für ihre 
Teilnahme ein Salamander gerieben. Als wir um 
1 / 2 2 Uhr den Saal verließen, war noch äußerst lebhafter 
Betrieb. Alles in allem: Der FestkommerS war «ine 
imposante patriotische Kundgebung! 
Auch die Feier der Kriegeroereine nahm einen 
würdigen, von patriotischer Begeisterung getragenen Verlauf. 
Hierüber berichten wir später. 
In der Köntgin-Luise-Schule. 
Der dritte UnterhaltungSabend der Königin Luise- 
Schule, der zugleich eine Königin Luise-Feier war, wuchs 
unter der Bedeutung des Tages weit über den Rahmen 
einer geselligen Unterhaltungs-Veranstaltung hinaus. Als 
die große Schar der sangesfreudigen Schüstrinnen der 
Anstalt das Podium betrat, sah man wieder — was wir 
Aussagen, die ich Ihnen vorhin machte, nichts mehr hinzu 
zufügen," sagte sie. 
Black zuckte die Achseln. „Dann bedaure ich, daß cs 
meine Pflicht ist, Sie vorläufig festzunehmen, und zwar 
unter dem Verdacht, an dem Mordanfall auf Sir William 
Graßman beteiligt zu sein," sagte er sehr ernst. „Wenn 
ich dies Resultat meines Besuches hier hätte ahnen können, 
so würde ich natürlich einen Wägen initgebracht haben. Nun 
muß ich Sie leider ersuchen, uns zu Fuß nach dcni Städt 
chen zu begleiten." » 
i 89. Kapitel. 
; Schlangengift. 
Als der Inspektor und seine Gefangene sich den ersten 
Häusern von Mönksglade näherten, war er in großer 
Verlegenheit. Denn das arme junge Ding war, teils in 
folge körperlicher Erschöpfung, teils infolge ihrer Aufregung 
einer Ohnmacht nahe. Sie hatte die beiden letzten Nächte 
kaum geschlafen. Die Scham über ihre Lage nüd ihre 
Angst um Julius hatten ihre Nerven vollständig zerrüttet, 
und doch verhinderte sie ihr Stolz, den Arm anzunehmen, 
den Black ihr freundlich geboten hatte. 
Dieser hatte von dem Gendarm erfahren, daß-sich in 
dem Städtchen selbst kein eigentliches Gefängnislökal be 
fand. Die Diebe, Trunkenbolde und Läsidstreichcr, die 
das Äerbrechertum des kleinen Ortes ausmachten, wurden ! 
gewöhnlich in einem Wagen nach Beaconsfield gebracht, ! 
um in den dortigen Poljzeigewahrfam eingeschlossen zu 
werden. Natürlich konnte man nicht daran denken, mit 
Olivia in dieser Weise zu verfahren. 
„Es liegt eigentlich noch nichts Bestimmtes gegen sie 
vor," erklärte Black 'flüsternd dem Gendarm. „Ich habe 
sie eigentlich ebensosehr um ihrer ^ selbst willen mitge- 
schon früh« erwähnten — daß Frtedenäu mit Recht von 
seinen Nachbarn um die große -Zahl seiner reizenden 
Mädchenknvspen beneidet wird. Mit großem Fleiß hatte 
Herr Gesanglehrer Woelffel die mehrstimmigen Gesänge 
einstudiert, die tadellos vorgetragen und mit verdientem 
Beifall aufgenommen wurden. Bon den zahlreichen Dar 
bietungen wollen wir besonders LützowS wilde Jagd und 
den Schlußchor aus dem Kaisermarsch von Richard Wagner 
ermähnen. Das waren Kinderchorleistungen, wie man sie 
bester kaum hören kann. Lehrer und Schülerinnen parti 
zipierten gleichmäßig am schönen Erfolge. Eine Schülerin 
der 3LI Klaffe trug dann recht hübsch rin Konzertstück auf 
dem Flügel vor. Nach weiteren Schülerinnenchor-Bdrträgen 
ergriff dann Herr Direktor HannemaNn da» Wort zu 
einer Begrüßungsansprache. Er sagte: „Heute am 10. März, 
dem Geburtstage der Königin Luise, der immer ein 
Feiertag für unsere Schule sein wird und der in 
'diesem Jahre ein Feiertag ist für alle, welche deutsch 
fühlen und deutsch denken, begrüße ich Sie, sehr geehrte 
Damen und Herren, namen» des Kollegium» besonder» 
herzlich, in erster Linie die Eltern.-Freunde und Wohltäter 
unseter Schule, sodann Herrn Bürgermeister Walger, die 
H«ren Schöffen und Gemeindtvertreter, die in großer 
Zahl erschienen sind. Mit besonderer Freude begrüße ich 
auch H«rn Pcooinzialrat Doblin, der un» die Ehr« seine» 
Besuchs schenkt. Wir freuen un»/ daß so viele gekommen 
sind, und wir bedauern, daß nicht alle Einlaß erhalten 
konnten, da der Platz nicht reicht. Lied und Wort sollen 
bewirken, daß unsere Herzen warm werden» erglühen für 
Deutschlands Ruhm und Ehre,- Einigkeit und Stärke. 
Nicht müßige Neugier hat Sie hierher getrieben, sondern, 
das weiß ich bestimmt, neben dem Interest« für unsere 
Schule der Gedanke: „Wir wollen unS erfreuen an dem 
Geist, der in der Königin Luise-Schule herrscht, an dem 
starken, kcäfteerwrckenden Geist der Liebe zu Volk und 
Herrscherhaus. Und darüber soll kein Zweifel herrschen: 
Wir wollen in unserer Schule echte Deutschgrstnnung 
pflegen, damit uns unsere Schülerinnen einst Frauen 
und Mütter werden, die Opfer zu bringen wiffen 
für daS Vaterland nach dem Vorbild der edlen deutschen 
Frau, deren Namen unsere Schule trägt. Wir wünschen» 
daß die heutigen Vorführungen dazu beitragen mögen, 
vaterländische Gesinnung zu pflegen. Gelingt uns da», 
so ist e» Lohn, der reichlich lohnet." Eine Schülerin 
trug mit vielem Verständnis und richtigem Patho» da» 
Gedicht FrühlingSgruß an daS Vaterland von Echenken- 
dorf vor, worauf Chorgesänge mit Flügelbegleitung, die 
Herr Oberlehrer Dr. Falke ausführte, zum Vortrag kamen. 
Zum Schluß kam ein vom Oberlehrer Dr. Falke verfaßter 
Theaterstück: „Ein Bild aus dem Leben der Königin Lüise" 
zur Vorführung. Die jugendlichen Darstellerinnen, Schüle 
rinnen der Io Klaffe ernteten reichen Beifall. Ihr Spiel 
war recht natürlich und ihre Bewegungen anmutig Und 
ungeziert. Weihevoll klang-die schöne Fei« auS, die den 
Teilnehmern gewiß lange bl«: angenehmer Erinnerung 
bleiben wird. - - F. 
Lokales 
(Nachdruck unserer o-Originalartikcl »ur mit Quellenangabe gestattet.) 
o Hypothrkenregelrrng Im Austrage unsere» 
Gemeindeoorstandes nahm Herr Schöffe Sadöe gestern Vor 
mittag an einer Versammlung im Berliner Rathause teil, 
die sich mit der Frage der Hypothekenregelung befaßte. 
Bekanntlich wird sich unsere Gertzetndkvrrtrelung demnächst 
mit dem Antrage des Hau»- und Giundbesitzeroerein» betr. 
Errichtung eines Hypothekenamtes-beschäftigen. 
o Dis Einjährigen-Prüfrrug an unserem R-form- 
realgymnastum bestanden vom Realgymnasium 22 Schüler 
(6 unter Befreiung von der mündlichen Prüfung), von der 
Realschule 13 Schüler (1 unter Befreiung der mündlichen 
Prüfung), insgesamt 35 Schüler. Die Prüfung fand am 
Freitag und Sonnabend voriger Woche statt. 
o Die Teefifchkochkurse, die zu morgen und über 
morgen angesktzt waren, sind aufgehoben worden. Näheres 
darüber, wann die Kurse stattfinden, wird noch später mst- 
geteilt werden. 
o Gegen die Bodenreform wandte sich eine Ber- 
sammlung, die gestern der preußische Landesverband der 
HauS- und Grundbesitz« veranstaltete. Nach einem Bericht 
des Herrn Justizrat Dr. Baumert über die Frage „WaS 
nomiuen, aks aus irgend welchem anderen Grunde. Das 
arme Ding ist außerdem so todmüde, daß möglichst bald 
eine Unterkunft für sie geschafft werden muß. Es ist zwar 
etwas ungewöhnlich, aber ich werde sie mit nach der 
Villa Sicbeneichen nehmen, und sie der Verantwortung 
Ihres Wachtmeisters übergeben. Dort findet sie die nötige 
Pflege und Erquickung sowie Ruhe." 
Olivia war zu abgespannt, als daß ihr etwas daran 
gelegen hätte, wohin man sie brachte. Ohne eine Frage zu 
stellen, folgte sie den beiden Beamten durch den Garten 
an die Tür der Villa. Diese wurde von Winter selbst ge 
öffnet, den Black beiseite nahm, um ihm den Erfolg seines 
Besuches im Schloß mitzuteilen. Winter war vollständig 
der Ansicht seines Kollegen, was die Unterbringung Olivias 
in' der Billa betraf. 
„Sie kann einstweilen Hierbleiben," sagte Black, 
„morgen werden wir sicher mehr über die Angelegenheit 
erfahren. Noch ist sie nicht eigentlich verhaftet, sondern ich 
habe sie nur einstweilen festgenommen, bis ich weitere 
Nachforschungen angestellt haben-werde." 
„Ganz recht," meinte Winter,,„aber wir werden wohl 
der Form genügen müssen und' Herrn Trenkleys Ein 
willigung erbitten, daß sie die Nacht hier zubringen darf. 
Denn er ist^gewiffermaßen jetzt hier Herr uyd Gebieter, 
da weder Sir William noch seine Gemahlin in der Lage 
sind, irgendwelche Anordnung , zst treffen. Uebrigens-geht 
cs beiden besser, wie mir der Arzt vorhin sagte." 
„Das ist eine gute Botschaft, "^rief Black. „Ja, natürlich 
werden wir uns an Trenkley wenden müssen. Ich bin be 
gierig, wie er sich benehmen wird. Aha, da kommt er ja 
selbst. Gute» Abend, Herr Trenkley, auf ein Wor-t. bitte!" 
(Fortsetzung folgt.)
        
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