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Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

Sonntast, d-n -S März' 1ik13 
Die bunte W[od)e 
Piaitdürk {fit den „Frieöcnauer Letal AMkKr . 
^ ^ Berlin. den 7. Märi. 
fein Fiasko de§ Grafen Hülsen. — stönkgliche Freibilletts. — 
Die, vierte-tzhe Eugen d^ktbeils. — Ter. neueste Freund des 
Kaisers. Der „Hals" der Frau Kommerzienrat. — Die Tpiel- 
schnts des Botschafters. — Der Prozeß Krauzler. 
Am Lyeatclt/imuiit unjerer Hosbutzne tiäiigen diauende Wolken. 
Hrir von Hälj-n, Ussen Weg über Bkumerckhal üad Sau ff >.,.s 
Oed- reiläap, — i n Phiiippi sehen wir unS wieder, — hat in dem 
lilitccT Mict eine Niederlage erlitten, als er aus der Hosbühue ein Ge> 
schäftslhrater machen wollte. 
Er schenkte, vier Moriale nach Stnitgrrt, den Berlinern die 
„Ariadne auf Naxok"; er fühlte sicher selbst die Netwendigkeit, in 
seinen entwaffnende!,, Mitleid erregenden Spielptan eine künstlerische 
Tat einzureihen. 
Ader die Berliner sollten dieses Breltcrglück teuer erkaufen! 
Die Preise der Plätze wurden aus 35 40 und 60 M. erhöht, 
urd Herr von Hülsen gab sich sicher der lichivollen Hoffnung hin, die 
passive Masse der Widerstrebenden in seiner, Tewpel zu lecken. 
Herr von Hülsen wurde enttäuscht. 
Tie Berliner, die für Caruso, für da? Sechstagerennen und 
andere wunderliche Kulrarbliitin Geld und VeistLndmS Hader, 
reagierten sauer. 
Das „Haus" war inorge'S noch so schlecht „vorucikaust", dcO 
an manche Freunde telephoniert weiden mußte „Wenn Sic 
heute Abend mit Frau Gemahlin zur Ktrauß-Premiöre 
kommen wollen, liegen zwei Karlen jür Sie an der Kasse 
bereit" .... 
Was zu bewrifen isi. 
llnd so wü.dte sich der Theaterhimmel unserer Hosbühne über 
Gerechten und Ungerechten, über Bielen, dien, kostenloser Begeisterung 
heftig tlalschien. 
Halt! — Hier stocke ich schon. — Es ist eine bekannte Tatsache, 
daß die ßreiplLtzlrr im Theater am .enspruchvollsten find. Abgesehen 
vi Leicht von jungen Enrtznsiasten. Und wer weiß, ob die tatsächlich 
etwas kühl: Aufnahme der „Ariadne" nicht zurückcusühren ist auf 
die kohlschwarze Gest, nuug der vielen Frergüste, dre schon der lieben 
Nachbarn wegen so tuen müssen, als hätten sie 35 Mark in bar 
befahlt! 
Das wäre ein böser, aber ins Schwarze treffender Witz. Ein 
Witz, der Herr von Hülsen Anlaß geben sollte, seine Stellung zu ccn 
G-setzen wahrer Kunst doch zu revidieren. 
. Wenn wahre Kunst, nach Goethes schlichtem Wort, nichts weiter, 
als inneres Er leben ist, wie arm mutz da mancher Mann in seinem 
Juern sein! 
Wie arm im Verhältnis zu Eugen d'Klbert, der soeben seine 
vierte Ehe hat scheiden lassen! 
J,n Ernst: In d'Albcrts Kunst spiegelt sich sein ganzes cchleZ 
Kü filerleden. Don srii.eu, lr-moil-Konzer! b!S zu der musikalischen 
LrogSdie „Kain" kann man diesen wechselvollen Ausstieg verfolgen. 
Kain dankbar das Walten des Geschickes anerkennen, daß diesen pracht- 
voü-n Künstler immer wieder in. Kampf und Liebeonot flies;. 
Er ist keineswegs der alle Sünder, für den ihn di^ Fama hält. 
Seire ewe EheUebste, Teresa' Earenno, weiß vielleicht ein Lied davon 
zu erzählen, wenn sie sich an ihrer Jagend Maienblüte erinnert. 
(W'ssen Eie noch, in Budapest, Frau Teresa?) Und seine letzte Frau 
pasiie wirtlich nicht zu ihm. Gewiß: Er stand schon auf des Lebens 
Ho.;en, als er Jda Theumrr, geschiedene Fulda, heiratete. Er hatte 
sich vielleicht zu sehr auf den Dichter verlassen und hotte sich gesagt: 
Dr Frau, dre Ludwig Fulda zu seinem „Talisman" begeistert hat, 
la u doch wohl nicht ganz hohl sein. . . 
Aber er halte nicht bedacht, daß sich Fulda 'Loch auch Halle scheiden 
lassen! Künstlrrbiut, — küntrieroolk. . . . Mit anderem -lag; zu 
messen! Ihr Leid und auch ihre Freude. . . 
Bon Gsitck und Hoffen, Lenz und Lieben 
hat d'Albcrts reifet Genius 
so manches schöne Lied geschlichen, 
das man von H rzen lieben mutz. 
Alt seine Echviuchr, sein Entsagen 
klingt hell durch dieser Lieder Zier. 
Im Tiefland der Gefühle tragen 
sie Traum und Sang zu ihr,' — zu ihr! 
„J'Ä fühl'S, so.oft ich von ihr gehe", 
hcitz! eines aus Der reichen Zahl. 
Er suhlt cs, wie ich hör uno sehe, 
soeben schon -um vierten Mal! 
Er hat das tiefe Lied geschrieben, 
nachdem sein hritzcS Künstirrblnt 
die Liede seh: eu groa betrieben .... 
Und deshalb ward eS auch so gut! 
Ein andres Lied aus seincr Feder 
heißt: „Keinen hat es noch gereut". 
Na, ua, ich glaub', hier flunkecl jeder, 
weil cs di: Eitelkeit gebeut. 
Er, der cS gründtich doch Probiert hat, 
zeig», daß c'r sich mit diesem Sang 
von Herzen doch desavouiert hat 
durch seiaeö eigne.! Schicksals Gang . . . 
Ich bin begierig, wie sein Leben 
sich ferner spiegelt in der Kunst. 
Er wird uns noch viel EchSncs geben 
durch holder ffrauen reiche Gunst. 
Ich freu mich schon auf jen:ö Fühlen, 
das musikalisch dann ersteht, 
wenn er mir h.h:n Künstlerzielen 
demnächst von seiner — — Fünften geht. 
Selbst der Kaiser, dessen strenge Ansichten doch hinreichend bekannt 
sind, hat Eugen d'Aibert gegenüber über dessen chronisches Ehepech 
seiner Zeii einen treffenden Witz gemacht. . . „Na, eines freut 
mich: Ihre Kunst ist Ihnen doch wenigstens immer treu 
geblieben." 
Ein anderes Grschichtchen vom Kaiser auS den allerletzten Tagen 
macht in Berlin jetzt die Runde. 
Bekanntlich hat der Monarch dem Börsenspekulanten 
Markus Kapppel einen Besuch abgestattet und dem Finanzmann 
auch den Kroncnorden 2. Klasse verliehen. Daß viele Kreise 
darüber verstimmt find, ist zu verstehen. Kappel hat dem Kaiser- 
Fr i-drich-Muscum viele wertvolle Gemälde gelüstet. Ein Blatt, das 
in den besten Kreisen gelesen wird, schreibt u. a. über diesen Besuch: 
„Bloße BSrjenspekulauten sind kein Umgang für den 
deutschen Kaiser. Genügt es diesen tztrebern nicht, sich ihre 
Süstuugeu mit hohen Orden bezahlen zu lassen, so soll man 
eben darauf verzichten. Kaiserliche Besuche als Tauschobjekte 
goutiert die dcutjch: Nation nicht." 
Dasselbe Blatt stellt noch fest, daß die anderen Börsengünstiinge 
des Kaisers, Mendelsohn, RaveaL, Ltathcnau, Ainhold, Goldberger 
und James Simon über diese neue Freundschaft nicht erfreut sind, 
und daß diese goldene Schar auch nicht tm Hause Kappel verkehr:. 
Doch das nur nebenbei. 
Es soll sich bei jenem Besuch folgendes Gefchichtchen zugetragen 
haben. Der Kaiser mcinle zu der Dame des Hauscö, das eine der 
kostbarsten Gemäldegalerien' hat: „Sie sollen doch einen so 
wunderbar schönen Hals haben" ... Worauf die Dame er- 
röieie, zur Erde sah und sich barm langsam au een Hals fühlte. Der 
Kaiser merkte die Verlegenheit und rief lachend: „Ich meine natür 
lich baö Porträt von Franz Hals" ... 
An der Berliner Börse, wo sich Ohrenzerrgcn für diesen Witz ge 
haart haben, wird augendüciüch auch noch'ein anderes Gcjchtchtchen 
vielbesprochen. Der Bolschafter einer Großmacht, der in 
Berlin wohl eine gksilischaftliche, aber keine politische Rolle spielt, 
weigert sich ganz cne.gsich, seine die Höhe von 280 000 Mart er- 
reichende Splrt- bc^w. BorsenschuU? zu zahlen!.— 
Hcffki tllch entwickelt sich aus der Augelegcnd:il kein Kiieg. wenn 
wir schließlich allch gerade von dieser Seite ass nichts zu befürchten 
hätten ! . . 
Dann ist noch ein Prozeß zu erwähnen, den die Stadt Berlin 
verloren hü. Er handelt fiH um das weltberühmte Kranzlerfche 
Haus, Ecke Linden und Friedilchstraße. 
Der alte Hoskonditor war gestorben urd hatte der Stadt, sein 
Hau8 vermacht. Diese Gemütsregung dcS ältlichen Kuchenbäckers stand 
nm keineswegs den Beifall seiner verhältnismäßig jungen Witwe, 
die auch durch einen PassuS im Testament sich nicht wieder verwählen 
!arf . . . (Man sollte alle Männer, die ein derartiges Testament auf 
setzen, noch zu Lebzeiten heftig an den meisten langen Obren zupfen.) 
. . . Die Witwe focht das Testament an und zwar mit Erfolg-- Das 
HauS wurde ihr zugesprochen.:-- i ?>? .-j 
Bedauerlich ist es nur, daß es der Magistrat, zu einem Prozeß 
kommen ließ undimicht gleich, wie es z-B.'der Kaiser schon wieder- 
beit getan hat; den Erben daS in Frage stehende Objekt freigab. 
Hoffentlich gelingt eö auch der Dame, den andern Zwangsparagraphen 
des Testaments durch eine pli.cfiidje und harmor,siche zweite Ehe null 
und nichtig zu machen. Haus und Heim dazu hat sie ja jetzt . . . 
■ ■■'• - - . : Hetvr. Binder. 
Die Mühle. ' 
Plauderei von Käthe Dam nt. 
fii . * ' 'iiachdrück Verbotes. 
Neues Korn! .Brot'von neuem Mehl! 2m 
Getriebe des hastenden modernen Lebens haben diese 
Worte, hat diese Zeit nicht die Wichtigkeit mehr, die 
man früher damit verhand. In der Großstadt kennt 
man nur die'verschiedenen Arten fertiger dunkler und 
heller Brote. und Brötchen, die in den Bäckereien 
appetitlich ausgebaut sind, eine kleine schwache Eiinne- 
rung an die längst vergessene Schulzeit läßt dann wohl 
den Gang der Ereignisse vor dem geistigen Auge auf 
leben: Ernte des reifen Korns, Ausdreschen, Mahlen 
der Körner zu Mehl und Verbacken dieses neuen 
Mehls. 
Es ist auch selbstverständlich, daß. in diesem Zeitalter 
der Elektrizität und der Maschinen die Dampfmühlen 
das Mahlen des Korns besorgen, dennoch sind sie 
noch vorhanden, ih dieser Gegend ihrer mehr, in andrer 
Gegend ihrer weniger, die frei im Felde oder mich an 
der Dorfgrenze stehenden Wind- und Wasserniühlen, 
die. noch heute trotz mancher Gegenrede ein tzenjch von 
' Poesie umschwebt. 
Die Poesie und. die Nomantik der Mühle ist so 
alt wie die Mühte selbst, trotzdem ihre Ausgabe,' das 
Mehl 
fertige Brot rankt, der Aberglaube wenig mit der Mühle 
beschäftigt. 
In manchen Gegenden streut man eurer aus einem 
Müllerhaiisc'getragenen Leiche drei tzande voll Mehl 
nach, in anderen Gegenden glaubt man, ein ans einer 
Mühle gestohlenes Sackband sei ein Heilmittel cse---" 
verren"- A ' r! - C -- ' ‘ • ~ A 
einen 
M.. 
Mcher 
Wezist'sich nun öas Rav'irr.'DelvcgnngFpstt, so-w 
Man, huch der Mr-Äccher stnüsse wie Mt'immcr rntidunr 
länfen Niidhsich dadjirch dcrraten. 
' Die W'nssertriühleü in Wf Schwiüz habest auch 
ihre Schutzheilige: die heilige Verena; deshalb Nässen 
oft die Müller im Aargan am Verencntaa die Steine 
schasten. dgilll eine christliche tzeiltge Wernäyick.' Sie 
bändigte durch ihr Wort ailschweuetldc Ströme,'lenkte 
die Mühlengewässer )jnd ist sogar, als. der Eistifel sie 
verffolgte, auf einem Mühlstein stihend his A<rr hinab- 
gefähkest ilnd bei Koblenz gelandei. Dort wurde über 
dein Mühlstein eine, kleine Kapelle gebalst, d'id noch 
in späteren Zeiten gezeigt wnkdtz, und aUf"dem Stein 
war'zu lesen: 
„Auf -diesem Stein .hier ans derBaren 
. Ist die heil'ge' Verena einst gefahren, 
Ohne Ruder, ohne Schiff und Schalten, 
Wie solches gtglanbt die frommen Alten." 
t2lilßerdcni wqr Veresta eine.Wohltäterin der Armen 
und Kranken, die sie! reinigte und erquickte.' Sie trug 
eine Kanne und einen Knlg.mit frischen^'Wasser bei 
sich, und Kanne lind' Krug sind ihre Wahrzeichen ge 
worden. Aber sie war auch die Schüizerin.der Liebes 
paare in den Mühlen, und solcher. Liebespaare hat 
.es bekanntlich stets sehr viele gegeben, sowohl in .Wirk- 
Mühlc ist nicht ans unsere Zeit gekommen.^ Jeden 
falls war cs.ein gescheiter Mann, der den Gedanken 
hatte, den Wind als treibende ^Kraft für rotierende 
Flügel zu nutzen, welche wiederum die die Körner zer 
malmenden Walzen drehten. 
In früheren Zeiten wurde nun fast niemals ge 
kauftes Korn in der Mühle gei'nahlc'n und vom 'Müller 
als Mehl weiter verkauft. Man hatte allgemein die 
Kilndcnmnkierei, d. h. der 5-knndc, den man' auch wohl 
Mahlgasc nannte, brachte sein Korn zu einer Mühle, 
meist natürlich zu der ihm zunächst.liegenden, und mußte 
die -Mühlgäuge selbst beschütten^.dann Kleie und Mehl 
einsacken. Dafür erhielt der Besitzer der Mühle keine 
bare Zahlung, sondern ungefähr.den sechzehntell Feil 
des 'Scheffels. - ^ 
Dann entwickelte sich später die Tauschmnllerci, 
indem der Müller von eigene,u oder gelaustem Ge 
treide das Mehl n'.ahlle und cs gegen Liesernng neuen 
Korns dem Landmann.' austauschte. Damit fiel das 
lästige Warten auf das Mahlen fort,'ebenso das Warten, 
wenn etwa andere Kunden vorher eingetroffen waren, 
Es ging närnli'ch genau nach der.Ankunft, der Mghl- 
rnne'en, wie wir noch heute ans dem oft angewendeten 
Wort entnehmen rönnen: 
„Wer zuerst komrüt, mahlt zuerst." 
Schließlich verbanden zahlreiche Müller sogar mit 
ihrer Mühle gleich eine. Bäckerei, und das ist heute 
noch vielerorts der Fall. Für ein bestinuntes Gewicht 
Korn gibt es ein besiira.mtes Gewicht fertig gebackenen 
Brotes. Als der Äcüller nicht nrchr.die Bezahlung 
für das Mahlen in Körst oder Mehl erhielt, entstand 
die Lohirmüllcrei, nrcin zahlte den Lohn in barem 
Gelde. 
Von Windmühlen sind cs immer, noch die beiden 
alten Formen der rundlichen holländischen Mühle, die 
ans Steinen erbaut, auch gleich die Behausung des 
Müllers bilden kann, was bei der hölzernen Bock- 
mühle nicht möglich ist. Denn ans der holländischen 
Mühle ist die Wundrose, welche die Mühlenslügcl selbst 
tätig nach dem Winde dreht, dagegen ist.dre Bostmühle 
ans einem Bock errichtet. Es wird bei veränderter 
Windrichtung, die g-airze Mühle nach denk, Winde 
gedreht. . h 
Die Poesie und Romantik kann sich, natürlich nie? 
mals mit der neumodischen Dampfmühic beschäftigen, 
sic muß einzig und allein der Windmühle..und auch 
der Wasscrnrühlö verbleiben, denn das durch das 
Wassergefälle railschenbe Mühlrad löst auch ein.gutes 
Teil Poesie.ans, wie'es die sausenden und auch melan 
cholisch stillstehenden Flügel, das Rollen und Stampfen 
der Steine, der kräftige Kyrndrrft und die ganze. Pm- 
gebnttg der Mühle tun, die nicht, selten ihrest Namen 
von solcher. Amgebung führt. Waldürühle', Rosen 
mühle, Berginühlc, .WeideM'ühle, Holdermühle, solche 
Namen sind nicht selten. 
Eine Ronrantit der Mühle spricht schon ans der 
mittelalterlichen u Bezeichnung des ' Lehrlings deS 
Müllcrgcwcrbcs; der heißt nicht, wie jeder andere 
Handwer'kslehrling, , Lehrling, sondern Mühlknappe, 
eine Erinnerung an das alte Ritterwescif, bei dem. der 
Stand der .Knappen hie Vorstufe zü. ritterlicher Würde 
war. Dagegen hat. sich, im.Gegensatz..zu dem reichen 
Aberglauben und Volksgiaub.n, der sich um daS Se- 
Ueidefeld, um Ernte und um geerntete- Körn, auch üm das 
Wür 
Mühle , 
elf Welfenkinder heimlich großzog, die eine treue Dienc-- 
rin vor dem Zorn dc!s Vaters,' der'sie zu ertränken 
befohlen hatte, rettete. 
Schöne Müllcrstöchter und Müllcristnen als die 
Gcli'ebkeik irgendwelcher Fürsten nstd höhen Herren 
kennt Lcgcstde Und Sage ebenfalls. Einsam am Walde 
liegende Mühlen, erschienen ja zims 'St-Phichein heim 
licher Braut- odek Piebespstgre' wfe "Mcyasfest. ,-Einc 
alte Chronik weiß, daß, als Otto v'ost Bstverir die Mar! 
Brandenburg an den Kaiser verkaufte,'er Mien großen 
Teil der Kauftummc niit seiner Gelicbtcig elfter schonen 
Müllerin ans der Gretclmühle,'hustig'vdrjnbelte. 
Aber auch andere Sagen weiß man von den 
Mühlen zu nreldcn, solche von schönen Nixen, die ihr 
Heim in den MühlbächLn hätten nüd sich ist die Mnhl- 
knappen verliebten. .Dönst in. alten Zeiten hätten zm 
Nachtzeit, wenn die Nixen ans Land steigest durften, 
die Mühllnappen nachts Wache am Mühlenw'eh'rp Do 
stieg' denn das Nixchen' äus'dLr duttklest Fkttt,"scherzte 
und lachte mit'ihm, um noch vor Aufgäng. der Sönne 
wieder unterzutauchen. Dabei haste, '.es aber hcistcrkt, 
daß der Knappe elftem hübschezi Erdcnstlädchenp des 
Müllers Tochter, gut war,. Dst würde-die. Nire'f dic 
sich schöner dünkte als das.Srdeninadchen, cksetsüchtic 
und beschloß, cs, wenn ös sich zn'm Wstssörhölest bücken 
würde, in die Tiefe zü ziehen. .. Beim Warchft'aus dae 
Nkädchcll bemerkte'diö Nixe nicht, daß,es.Heller und 
Heller wurde und'die Nacht wich und dann traf 
ein Strahl der ausgehenden Sostste, die sie ans Erden 
nicht sehen durste, das Nircnkind. Da wurde ans der 
Von Argwohn und Eifersucht erbitterten Nixe ein' 
tranentropfendc, weißgrüne, duftlose Bluine, die Sümpf- 
kalla, von der mast nicht weiß: gehört sies ins Wässer 
oder iil die Erde. ' f. ' , ft' ft'f . 
Es wohnte, nach Glänbenft BeLerlkefernüg rrnd 
Sage, oft die getreueste' Liebe in der Mühle, oft'aber 
fand der von der Wanderschaft heimkehrende Müller 
die Geliebte auch äls 'Gattin'eines andern.' Von der 
treuen Llebe weiß Ahland zu verkündest ist erstem zum 
Volkslied gtzstördeststr Gedicht: "ftftp'" 
„Da unten'im NieddlchökzK 
Dreht sich cift' Mühlen stolz 
Die mahlet alle Mo.rgcir 
Da^ Üöilber und rote Gold. 
Dort oben ans jenem Berge, 
Da geht eist Mühle'sttad, 
.Das mahlet nichts töte 'Lieb., 
Die Nacht bis an dcn"Tag." 
Das Gegenteil: stntrene Liebe' klingt aus dem eben 
falls im Völksmnnd lebenden Äed vorr Eichendorsf: 
„In einem' kühlest' Gfüstde - 
Da geht ein Mühleirrast 
Mein Liebchtzn''ist' verschwstndön, 
'Die dort gewöhnet'hüt." 
InsiinnsftKerfter führt uns. an das Totenbett eines 
Müllers.:..'' ' 
.'„Ich steig hinab den Fclsenstein. 
Es donnert'dumpf die Mühle, 
Pnd chic Glocke tönt.darein: 
Die Arbeit ist gift Ziele'.' " ' 
In Müllers Kammer tret ich ein 
Starr liegt des Greises Hülle, 
Es stockt sein Herz, die Pulse ruhn, 
bind draußen auch wird's stille. 
Die treuen Liebest Wcistest sehr, 
Milk'bleibt sein Herz-und' kühle- 
Die Wasser fließen"wühl daher, 
Still aber st'eht die 'Mühlö."
        
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