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Periodical volume Nr. 55, 05.03.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

wegt sich der Zug zur Kirche, wo um 6 Uhr ein Fcst- 
gotteSdtenst staUfindet, den Pfarrer Vetter hält. DaS 
MustkkorpS und der Kirchenchor werden bei dein Fest- 
gottcSdienst mitwirken. Nach dem Gottesdienst marschieren 
die Vereine nach dem Restaurant Schloßpark in Steglitz, 
wo in den großen Sälen die Festsitzung mit anschließendem 
Ball um S 1 /» Uhr beginnt. Die Festrede hält Herr 
Generalmajor z. D. Imme. Außer musikalischen Dar 
bietungen wird dar Schauspiel „Vom Pflug zum Schwert" 
aufgeführt. — Die dritte Veranstaltung ist die der Königin- 
Luise-Schule (OcsseutlicheS Lyzeum), die um 7 Uhr Abends 
in der Aula der Anstalt ihren Anfang nimmt. Klavier- 
vorträge und Gesänge wechseln ab mit Deklamationen. 
Den Schluß bildet die Aufführung ,,Etn Bild aus dem 
Leben der Königin Luise", von Oberlehrer Dr. Falke. 
Programms zu 50 Pfg., die zum Eintritt berechtigen, sind 
durch das Lehrerkollegium der Anstalt zu haben. — Wir 
müssen eS bedauern, daß eS nicht möglich gewesen ist, 
Gemeinde und Vereine zu einer einzigen gemeinsamen 
Veranstaltung an diesem Tage zusammenzuschließen, um 
so eine wuchtige Kundgebung in Erinnerung der für unser 
Vaterland so bedeutungsvollen Zeit vor 100 Jahren zu 
erreichen. ES wird nun durch diese, drei Feiern leider eine 
Zersplitterung eintreten. 
:o Der Ortsausschuß für Jugendpflege hält am 
Freitag, dem 7. d. M., Abends 8 l / 2 Uhr, im Restaurant 
Hohenzollern eine Sitzung ab mit folgender Tagesordnung: 
Rechnungslegung. Verschiedene Mitteilungen und Fort 
setzung der Arbeit. Vorstandswahl. Zahlreiches Erscheinen 
dringend erwünscht. 
- o Ostern ruckt immer näher! Ist Weihnacht 
ein ideales Familienfest, so tritt Ostern mit der Nüchternheit 
der praktischen Lebens an die Menschen und besonders an 
viele Familien heran. ES schafft in denselben manche 
wesentliche und für immer bleibende Veränderungen. Am 
meisten gilt daS von dem Knaben, der Ostern die Schule 
und somit gewöhnlich auch die Familie und daS HauS 
verläßt, um niemals wieder in so nahen und traulichen 
Verkehr mit seinen Lieben zurückzukehren. Allein daS 
Wichtige dabei ist der Ernst der Sache. Es handelt sich 
um die Lebensfrage. „Er hat seinen Beruf verfehlt", 
heißt nicht anders als: er hat sein Leben verfehlt. Den 
richtigen Beruf zu finden, ist sehr schwer, da so viele und 
verschiedene Faktoren auf die Wahl einwirken. Wörtlich 
ist „Beruf" daS, wozu der Mensch berufen ist. Ja, wer 
beruft? Der Knabe, die Mutter, der Vater, die Paten 
und Verwandten sprechen auch ein-Wort mit hinein, und 
dann ist natürlich der Wirrwarr fertig. Jeder hat eine 
Lieblingsidee und jeder glaubt weise zu reden und zu 
raten. Allein die vielen guten Meinungen rufen eben 
die „Qual der Wahl" herbei. Das einfach natürlichste 
ist: die Neigung deS Knaben entscheidet. Doch dieses 
ist wohl gut, wenn sich gleich eine ausgesprochene 
Neigung zeigt. Viele wissen selbst nicht so recht, 
waS sitz weiden möchten. Die meisten sagen: „Ich 
will Förster werden I" Ja, daS Leben im Wald spricht 
jedem Knaben an. Alle wollen gern fahren. DaS sind 
eben noch kindliche Neigungen. Hier muß der Ernst und 
Verstand der Eltern nachhelfen. Ein wesentlicher Punkt 
ist die Aussicht auf die Rentabilität eines BerufSzweigeS; 
doch in unserer schnellen Dampfzeit verändern oft wenige 
Jahre die geschäftlichen Verhältnisse vollständig, und 
machen die Wogen des Erwerbslebens schnell auf- und 
niedergehend. Nur vor zwei Fehlern muß man sich hüten: 
Erstens zwinge man den Knaben nicht etwa zu einer 
Lebensbeschäftigung, zu welcher er keine Neigung und keine 
Lust hat. Er wird sie stets mit Unwillen treiben und 
bleibt zeitlebens ein „Pfuscher". Die Neigung muß in 
erster Linie berücksichtigt werden, die sehr oft bei Ge 
schwistern einen auffallenden Gegensatz bekundet. Zweitens 
lasse die Mutter und der Vater nicht zu sehr die Eitel 
keit bet der Berufswahl sprechen. ES ist nicht die richtige 
Elternliebe, die. um den Genuß der Selbstgefälligkeit 
zu haben, unbedingt aus dem Knaben etwas „Hohes" 
machen will. Solche Liebe ist Selbstliebe, die sich mit dem 
eignen Interesse vorschiebt. Bei der Berufswahl handelt 
e» sich nur um dar künftige Wohl des KindcS, und das 
Elterninteresse muß schweigen. MancheEltern haben daS nicht 
schon aus äußerlichen Gründen bereut, sondern das Hinaus 
schieben in höhere Stände entfremdet immer den rückhalt 
losen Verkehr zwischen Kind und Eltern. Andere Kreise, 
Gewalt einen Ausgang suchen muffte, um draußen in die 
Hände der Bande zu fallen. 
Eines war auf jeden Fall sicher, nämlich, daß Olivia 
sich nur durch Gewalt zurückhalten lassen würde, ihn aus 
seiner schrecklichen Lage zu befreien. Sie wußte, daß er 
weder Nahrung noch Wasser hatte, und daß er den ge 
heimen Mechanismus nicht kannte und auch bei der herr 
schenden Finsternis nicht finden konnte. Wenn sie nicht.in 
der allernächsten Zeit erschien, so mußte ihm dies ein Zeichen 
sein, daß man sie mit Gewalt verhinderte, ihr Zinnner zu 
betreten und siewahrscheinlich irgendwo anders eingeschlossen 
hatte. Ans jeden Fall würde er es noch eine Zeitlang ab 
warten, ehe er sich entschloß, seinen Zufluchtsort mit Gewalt 
zu verlassen. 
Wenn er in seinem Versteck sicher sein wollte, so durfte 
er nicht die geringste Bewegung machen, denn sicher hatte 
Scharnock, wenn er irgend etwas ahnte, Spione in Olioias 
Zimmer untergebracht. Er durfte es also auch nicht wagen, 
mit Hilfe einer Schachtel Wachsstreichhölzer, die er in der 
Tasche trug, nach dem Mechanismus zu suchen, oder sich 
an dgs andere Ende des Ganges zu begeben, um viel 
leicht dort den Ansgang zu finden. Jeder Schritt, ebenso 
wie das Anstreichen der Wachszündhölzer oder der leiseste 
Lichtschimmer hätten ihn verraten können. So verhielt er 
sich denn ganz ruhig, und es »lochten vielleicht zwei 
Stunden vergangen sein, da wurde ihm klar, wie recht er 
damit getan hatte. In Olivias Zinimer wurde plötzlich 
ein rascher Schritt laut, und die Stimme, die er hassen 
gelernt hatte, rief: 
„Nun, Kameraden, hat der Fuchs noch keinen Versuch 
gemacht, auszubrechen?" 
Die Antwort kam von zwei Seiten und Julius konnte 
daraus, ersehen, daß mindestens zwei Schildwachen in 
dem Schlafzimmer postiert waren. 
andere Bildung, andere Anschauungen! Und manche Eltern 
haben darin die gereue Strafe für ihre Eitelkeit gesunden, 
von welcher die meisten Mütter nicht ganz frei sind. 
o Friedeuauer Spar» und DarlchuSkasse. Am 
Montag, dem 3. März, fand im „Hohenzollern" die dies 
jährige Generalversammlung statt, ote sich in der Haupt- 
fache mit der Bilanz sowie der Gewinn- Und Verlustrechnung 
für das Jahr 1912 befaßte. Der Vorsitzende deS AufstchtS- 
rateS Herr Han« Berger erstattete zunächst den Geschäfte- 
bericht und charakterisierte dabei kurz die allgemeine Lage, 
in der sich während deS verflossenen Jahres der gewerbliche 
Mittelstand und daS Kleingewerbe befanden. Während 
man im Großbetriebe von Gewerbe, Handel und Industrie 
fyst ausnahmslos von einer ausgesprochenen Hochkonjunktur 
berichten konnte, war das Jahr 1912 für den mittleren 
Gewerbe- und Handwerkerstand keineswegs rosig. Die 
Ursachen hierfür, politische Unruhen und im Zusammen 
hang damit allgemeine Geldknappheit, seien bereits 
genügend von verschiedenen berufeneren Seiten aus be- 
leuchtet. Diese Geldknappheit, die gegen Ende deS JahreS 
sogar offizielle Sätze van 6 Prozent und 7 Prozent 
zeitigte,- habe auch auf das Ergebnis der Frtedrnauer Spar 
und DarlehnSkasse, wenn auch nur unerheblich, eingewirkt. 
Die Verwaltung habe es .für ihre Pflicht gehalten, den 
kredituehmenden Mitgliedern daS Geld nicht noch mehr zu 
verteuern, sie habe vielmehr von dem gebräuchlichen Auf- 
schlage auf di« genannten Zinssätze abgesehen und sich mit 
der üblichen Provision alS Verdienst begnügt. Ein erfreu 
liches Zeichen für den rüstigen Fortschritt der Genossenschaft 
könne man darin erblicken, daß auch daS abgelaufene Jahr 
der Kasse einen nicht unerheblichen Zuwachs an Spar 
geldern von etwa 20 000 M. erbracht habe, während man 
sonst in Genossenschaften nicht über einen nennenswerten 
Zugang an Depositen berichten könne. Auch die Reserven, 
die im Jahre 1911 37 200 M. und die, wie bekannt, mit 
30 000 M. in guten festverzinslichen Papieren angelegt 
feien, stellen sich, wenn man auch die aus dem diek- 
jährigen Reingewinn vorzunehmenden Zuwendungen hinzu- 
rechne, auf 45 800 M., d. i. 42 Prozent de« Mitglieder- 
Guthabens von 108 273,3! M. Von den mehr als 
zuvor an die Genossenschaft herangetretenen Gesuchen um 
Aufnahme als Mitglieder konnt« die Verwaltung nur eine 
sehr geringe Zahl berücksichtigen, da sie sich der größten 
Zurückhaltung befleißigen zu müssen glaubte. Ohne weitere 
Eiör.erung wurde darauf dem Vorstande und AusstchtSrate 
Entlastung erteilt. Der bet dem Punkte Geviunverteilung 
aus der Mitte der Versammlung gestellte Antrag auf Er- 
Höhung der Dividende von 4 Proz. auf 5 Proz. wurde 
abgelehnt, nachdem der Vorsitzende wie schon so oft in. 
früheren Jahren bei gleichen Anträgen darauf hingewiesen 
halte, daß auf die Stärkung der Reserven nicht genug 
Gewicht gelegt werden könne. Nach Genehmigung der 
seitens deS AufstchtSrateS mit dem Vorstande abge 
schlossenen Verträge fand die einstimmige Wiederwahl der 
satzungSgemäß ausscheidenden AusstchtSratSmitgliedrr der 
Herren Glasermeister Bruno CareS und Architekt OScar 
Haustein statt. Mit der Aufforderung an die anwesenden 
Mitglieder, weiterhin in ihren Kreisen für die Genossen 
schaft zu wirken, schloß Herr Berger die Versammlung. 
o ZwaugSversteigeruugSergebniffe. Feuerbach, 
straße 6, dem Maurermeister Alfred Dieter aus Char 
lottenburg gehörig/ Fläche 9,96 Ar. RutzungSwert 9600 
Mark. Mit dem Gebot von 199 000 M. bar blieb die 
GrundgewerbSgesellschaft Feuerbachstr. 6, G. m. b. H. in 
Berlin-Schöneberg, Neue Bayreuthrr Str. 4, Meistbietende. 
— Einstweilen eingestellt wurde daS Zwangsversteigerung»- 
verfahren betreffend Wielandstr. 23 der .Johanna Jmmo- 
biltengesellfchaft m. b. H." in Berlin gehörig. 
o Astronomisches vom MSrz. Immer sieghafter 
steigt die Sonne am Himmel auf und leuchtet in Ecken 
und Winkel, die viele Monate hindurch von keinem 
Sonnenblick erhellt wurden. Der Frühling nahtl Kalender 
mäßig hält cr am 21. März früh morgens 6 Uhr seinen 
ersehnten Einzug, da zu dieser Zeit die Sonne in daS 
Zeichen des Widders tritt und den Arquator erreicht. 
Damit sind sich Tag und Nacht in der Länge gleich. Am 
1. MSrz beträgt die TageSlänge 10 Stunden 46 Mln., 
den 31. März schon 12 Stunden 50 Min., sodaß die Zu 
nahme der Tagesspanne 2 Stunden 4 Min. beträgt. Den 
22. März 1 Uhr Nachm, haben wir Vollmond, an diesem 
Tage auch eine bei uns unsichtbare Mondfinsternis. In 
der ersten Hälfte deS MonatS ist Planet Merkur ^biS^zu 
*Y4 Stunden sichtbar, während die VeNU» al „och 
an Sichtbarkeitsdauer abnimmt und Ende März <9 
8 Stunden leuchtet. Der Mars bleibt unsichtbar^ Der 
Jupiter nimmt an SichtbarkeitSdauer langsam zu und I 
tx ®«be d. M. 1-V. Stunde zu erblicken. Der Saturn 
geht Mitte März um Mitternacht unter und tft ff 
Mgr, nock> 8 X L Stunden lang sichtbar. . ... 
° Män„°r-Tu,n°°°-in F-,bnHe 
Männer«»,-Um,g ctconfloIKt, am 21. 8*«« 
turnen au dem die Angehörigen ihrer Mitglieder. orr 
Turnrat des Vereins und Turnfreunde geladen waren. Der 
Einladung war zahlreich entsprochen worden. Die turne 
rischen Vorführungen wurden durch Kürturneni ringe • 
ES folgten nach Absingen d-S Liedes »Turner a f z 
Streite" Freiübungen und Turnen in drei Riegen. Den 
Schluß bildete ein fröhliches Spiel. Sichtlich überzeug 
gerade dieses die erschienenen Gäste von der wohltätig 
Einwirkung gesunder Leibesübungen auf Herz und Gemüt 
denn die Fröhlichkeit der Turner fand bet rhr-n Gästen 
ein lebhafte« Echo. Nach dem Turnen vereinte ein ge- 
mütlich-S Beisammensein die Abteilung und ihre Freunde 
im ,Rheineck." Nach dem ersten -M«m«tnen begrüßte 
der Turnwart der Abteilung Herr Oberlehrer Fieberg die . 
zahlreich erschienenen Gäste. In deren und im Namen de, 
TurnratS dankte der DereinSvorsitzende Herr Geh. Hofrat 
Fehler in längeren intereffanten Ausführungen, in denen 
er auch auf die bedeutsamen Veranstaltungen der Deutschen 
Turnerschaft im Jubiläumsjahre 1913 hinwies - auf die 
Einweihung des Stadion« im Grunewald, bei der Be. M. 
der Kaiser die Turner begrüßen wird, auf das Deutsche 
Turnfest in Leipzig und auf den Stafettenlauf anläßlich 
der Einweihung deö BölkerschlachldenkmalS. In besonderer 
Rede wurde der Damen gedacht, deren freudiges Jntereffe 
an dieser ersten größeren Veranstaltung der Abteilung dem 
Abend so recht erst sein festliches Gepräge gab. Neben 
anderen Vorträgen fanden besonders die stimmungsvollen 
Lieder, die von zwei jungen Damen wirkungsvoll zu Ge 
hör gebracht wurden, lebhaften Beifall. Der Abend ver 
lief in fröhlichster Harmonie und wird den Teilnehmern 
sicher die angenehmste Erinnerung hinterlassen. Die 
Abteilung turnt Dienstags und Freitags von 7 bis 9 Uhr 
in der Turnhalle des Realgymnasium, in der Homuth- 
straße. Anmeldungen neuer Mitglieder werden gern ge 
sehen und können in den Turnstunden erfolgen. 
o Der Graf von Monte Cristo nach dem welt 
berühmten Roman von Al-xander Dumas (Later) kommt 
von heute ab im Biofonlheater in der Rheinstr. 14 ohtre 
erhöhte Eintrittspreise zur Vorführung. Der Roman er 
schien 1841—45 in 12 Bänden, die DumaS mit der ganzen 
europäischen Lesewrlt in inniger Verbindung brachten. Die 
phantastisch romantische Art des Werke, ist längst vor: dem 
realistischen Roman verdrängt worden, deffen Reihe mit 
Gustave Flaubert, Madame Bowerry begann. Der Graf 
von Monte Ccisto eignet sich aber wie kaum ein anderer 
wegen seiner stet, wechselnden Schauplätze der Handlung 
al, Filmidee, ifttsehr geschickt zurecht gemacht und verfehlt 
seine packende Wirkung auf die gesamten Zuschauer nicht. 
-Wer den Roman kennt und wer ihn nicht kennt, wird 
dem Film mit großem Jntereffe folgen. Der zweite 
Schlager: Da, verschwundene Vermächtnis, ist ein Detektiv- 
Drama in 3 Akten mit versöhnlichem Schluß. Wochen- 
reoue und Tonbild sind abwechslungsreich, Ananaskultur 
eine hübsche Naturaufnahme. Sehr ulkig sind die humo 
ristischen Bilder: Ein Tag in der Kinderstube und Nunne 
hat ktin Geld. Das Programm ist sehr reichhaltig und 
unterhaltend, daß sich der Besuch des BiofontheaterS al, 
ein lohnender erweist. Anfang 6 Uhr, SonnlagS 4 Uhr. 
o Be«-Ali»Bey, der berühmte orientalische Magier, 
bereitete dem gestern im „Schloßpark" zu Steglitz er 
schienenen Publikum einen unterhaltsamen Abend durch 
seine geheimnisvolle klassische Zauberkunst. ES sind nicht 
die üblichen Taschenspielertricks, mit denen Ben-Ali-Bky 
aufwartet. Seine Kunst ist vielmehr die der Indier und 
Aegypter, und hat ihren Ursprung au, den altindischen 
Klöstern der Brahmanen und Lama,. Mit Zaubern 
und Wundern bewiesen diese dem Bolk, daß sie mit ge 
heimnisvollen, göttlichen Kräften auSgkstattet sind und 
verschafften sich dadurch Ehrfurcht und Ansehen. Aehnlich 
wie in den orientalischen Tempeln hatte der Künstler seine 
Bühne hergerichtet: oben ein dunkler, anscheinend leerer 
„Er hat reinen Laut von sich gegeben, nicht das ge 
ringste haben wir gehört, nicht einmal das Rascheln einer 
Maus hinterm Holzwerk." 
Und dann sagte eine dritte Stimme: „Vielleicht ist er 
am andern Ende der Abflußrohre, in die er hineinge- 
schliipft sein muß. Sie muß wohl irgendwo auf die Treppe 
münden, und das Fräulein hatte sie entdeckt und ihn 
darauf aufmerksam gemacht." 
Ein kurzes Schweige» folgte und dann sagte Scharnock 
langsam: 
„Nein, ich glaube nicht, daß er am andern Ende ist. 
Es ist viel wahrscheinlicher, daß er hier hinter der Wand 
lauscht. Ihr mußt bedenken, daß der Herr Doktor Julius 
Pcnfold ein verliebter Schäfer ist, der die Nähe des 
Zimmers feiner Dame »ichr verlassen haben wird, so- 
länge cr noch hoffen konnte, sie zurückkehren zu sehen." 
Wieder folgte eine Pause, und dann hörte Julius 
Scharnoüs Stunme lrise aber so deutlich, als ob er in 
dem Gang selber wäre: 
„Penfold, inein lieber Penfold," rief er. „Wollen 
Sie nicht sich und uns eine Menge Mühe ersparen und 
uns verraten, wo Sie sich verkrochen haben? Flucht ist 
ganz unmöglich." 
Julius hielt den Atem an und gab keine Antwort. 
„Unser lieber Freund ist eigensinnig," fuhr Scharnocks 
Stimme fort. „Wir mustcn also versuchen, seinen Zufluchts 
ort auf eigene Faust zu entdecken. Ohne Zweifel hat 
das Fräulein den Zugang zufällig herausgefunden und 
sicherlich muß es unserer Intelligenz doch gelingen, ihn 
euch zu finden, wenn wir uns richtig daranmache». Also 
an die Arbeit, Kameraden. Die Treppe ist bewacht, dort 
kann er nicht hinaus, selbst wenn es ihm gelingen sollte, 
auszubrechen." 01,1 
Vielleicht eine halbe Stlinde lang stand Julius mit ae- 
walt ferner Feinde geben würde. Er hörte sie llopst 
und tasten und streichen, und von Zeit zu Zeit war 
ihm, als ob ihre leise gemurmelten Flüche dicht a» sein, 
Ohren ertönten Nicht ein Zoll der Wandfläche schü 
von ihren Untersuchungen verschont geblieben zu sein ui 
dennoch war ihnen der kleine Knopf in dem Muster d 
Schmtzwerks entgangen, der Olivias Aufmerksamkeit a 
Ü^..9ezogen und sie zur Entdeckung des geheimen Gang 
geführt hatte. Endlich gebot Scharnock Halt und ander 
feine Taktik. 
. Penfold," rief er wieder. „Als Heilkünstl 
muffen Sie doch wissen, welchen Einfluß Hunger m 
Durst auf den Körper des Menschen haben. Sie befind« 
sich ja allerdings augenblicklich in einer uneinnehmbar, 
Festung, aber ich furchte, auf eine längere Belageru, 
N S.e nicht vorbereitet. Außerdem kann ich Ihnen sage 
daß das Heer, das Sie zum Entsatz erwarten nicht Hera' 
rucken wird, denn Fräulein Olivia Maitland ist befiel 
und gefangengenommen worden. Und wenn Sie dara 
hoffen, das wir in kurzer Zeit das Schloß verlassen werde 
so ist das auch ein Irrtum, denn es werden noch mindester 
mtrfft 3 Jnin™ Uncljc ,oir unsern Abzug b 
werkstelligen. Wahrend dieser ganzeii Zeit müssen Pi 
u°d »nlen blVn. 
ötejer Frist Ihre Festung nicht gutwillig überaeben 
zwttigen S,e uns, mit dem schweren Geschütz heranzurücke 
das hecht, wir werden dann Aexte und Brechstangen a 
Sir Harry Dunloos alten Mauern probieren Sie werde 
uns doch sicherlich nicht zu den äuffertten IE 
treiben wollen. Ich erwarte Ihre Antwort!" ^ ^ ^ 
Aber Julius blieb stumm. 
(Kortjetzung folgt.)
        
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