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Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

fjr.it cxz&lrd rrird. £3: 
t "in tnsn cfsl:: sinn; 
Stand besonders belasten, wo unsere Finanzen nach 
dem Vortrage de8 Herrn Altmann so glänzend da- 
stehen? Warum auf den Stand der Schankwirte, 
der besonders durch die ungünstigen Verhällmsse 
im Baugewerbe auch sehr schwer zu leiden habe. 
Man gehe doch einmal in die hiesigen Restaurants. 
Hier gibt eS kein Laufpublikum: es sitzen hier dieselben 
Gäste den ganzen Abend an einem Tisch und verzehren 
nichts, der Gastwirt zahlt noch daS Licht. Die Gastwirte 
vegetieren hier nur. Eie sollen ein Lagerbuch führen! Die 
Herren vom grünen Tisch stellen sich wohl studierte Leute 
unter den Gastwirten vor (Heiterkeit). DaS Lagerbuch 
führen kann den Gastwirt krank machen. Wenn die Frau 
einmal die Eintragung vergessen hat und eS kommt dann 
der Schnüffelbeamte und entdeckt bey Fehler, gibt ei 
Aerger. Der Gastwirt hängt sich schließlich auf, um die 
fortgesetzten Quälereien los zu sein. 5000 M. brauchen 
wir sür SchnLsielbeamte und damit hat man halb Friedenau 
geärgert. Er beantrage Schluß der Debatte. Auf der 
Rednerliste stehen noch die G.-V. Berger und Uhlenbrock. 
Der Schlußantrag wird abgelehnt. G.-B. Berger ent 
gegnet Herrn Schönknecht, daß sein Vergleich mit Zehlen 
dorf nicht zutreffend ist. Dort ist die Biersteuer vor dem 
Brausteuergesetz rtngesllhrt. Jetzt aber haben die Brauereien 
grundsätzlich erklärt, daß sie tn Zukunft die Zahlung der 
Steuer ablehnen. G.-V. Uhlenbrock erklärt, eS war ihm 
neu, zu hören, daß man einen „Stand" versteuert, das Bier 
soll doch versteuert werden. (Die G.-V. Kalkbrenner und 
Berger melden sich zum Wort.) Die Steuer zahlen die 
Biertrinker. Die Gastwirte haben ls bisher immer noch 
verstanden, alle Lasten abzuwälzen. Die Gläser werden 
eben noch kleiner werden. Gr sei aber nicht für die Steuer, 
weil sie zu vielen Schikanen Anlaß geben wird. Ec kann 
c-S verstehen, wenn sich die Gastwirte die Belästigungen 
wollen vom HalS schaffen. Wegen der überaus großen 
Belästigungen und deS verhältnismäßig geringen Gewinns 
sei er gegen die Steuer. G.-V. Kalkbrenner erklärt aut 
das Wort zu verzichten, nun sich Herr Uhlenbrock gegen 
die Steuer erklärt hat. Ebenso verzichtet G.-V. Berger. 
G.-B. Dr. Tänzler beantragt, die Vorlage an den 
Ausschuß zuiückoerweisen. Bürgermeister Walger führt 
im Schlußwort auS, daß man den Borwurf gemacht habe, 
der Herr Baurat habe die Finanzen so gut dargestellt. 
Der Herr Baurat hat nur wiederholt, was er (Lürger- 
metste,) bet jeder BoranfchlagSberütung ausgeführt hat 
In seinem Vortrage sei Herr Baurat Altmann nur den 
unsinnigen Aufstellungen entgegen getreten, waS nicht im 
Gegensatz steht von dem, waS er selbst immer aus 
gesprochen habe. Er habe auch gelogt, daß wir mit unseren 
Finanzen immer vorsichtig sein müssenundnichtmit fltcgenden 
Fahnen in jede Reubelastung der Gemeinde hineingehen 
dürfen. Wir müffen vorsichlig sein und unS genügend» 
Reserven schaffen, der vorjährige Etat hat nicht so glänzend 
abgeschloffen, wie die srühcren. GS zeigt sich auch, wie 
fatsch cS ist, die Beratung der Steuer vor der Etens 
beratang vorzunehmen, wie es die Herren deS Ausschusses 
wünschten. Die Gemeindeverordneten brsitzen noch keinen 
Ueberbltck über den neuen Voranschlag. Zur Gleichstellung 
des Voranschlages sind solche Beträge immer notwendig. 
Wenn g-sagt wird, daß die Gastwirte durch die Steuer 
sehr belastet werden, so trifft daS nicht zu. Wo ein kleiner 
Umsatz ist, ist die Steuer natürlich auch gering. Er habe 
sich eine Ausstellung gemacht über einen hiesigen Gastwirt 
habe nachsehen lassen, was er verbraucht und habe da die 
Unkosten abgerrchnet, wobei rr zu einem ganz erheblichen 
Reingewinn kam, worüber er selbst erstaunt war. E- 
habe dann die Steuerliste dieses Herrn eingesehen 
und sestg stellt, daß dieser Herr sogar noch 200 M 
mehr angegeben habe als er sich berrchnet hatte. Die Steuer 
werde also auch sür große Restaurationen gar kein, 
Rolle spielen. Er weist wieder auf die Erklärung hin, 
die ihm em Brauereidircklor gemacht habe, daß die 
Steuer die Brauereien zahlen, wo die Gastwirte sich 
weigern. DaS volle Maß bekommt man wohl selten, bei 
den 0,35 tel 1 fehlen doch die 0,05 meistens, soviel macht 
schon der „Feldwebel" aus. Daß die Gastwirte die Eteuei 
abwälzen auf die Biertrinker, hat Herr Uhlenbrock schon 
gesagt. Er bedauere eS, daß der Ministerialerlaß, wo 
nach der Einbrtnger verpflichtet ist, den Brauereien an 
scheinend nicht bekannt ist. Redner weist auf die hohen 
Dividenden der Brauereien hin, woraus sich ergebe, daß 
sie gut die geringen Beträge für die Steuer zahlen können. 
Er führt dann die großen Einnahmen an, die andere Ort» 
durch die Biersteuer erzielen (Zurufe: DaS sind doch 
Brauereistädte; ist ja alles ganz falsch. Bei den ferneren 
Autzführungnn des Bürgermeisters ist es ziemlich unruhig, 
einzelne Gcmeindeverordnete unterhalten sich laut). E« 
glaubt dann, daß sich die Kontrolle gut durchführen lass» 
und nicht zu Schwierigkeiten führe. Auch die Schnüffe 
leien seien nicht zu fürchten. Mittelalterliche Zustände, 
von denen Herr Kalkbrenner sprach, haben wir in Groß 
berlin schon lange. Die Zerrissenheit GroßberltnS 
sind mittelalterliche Zustände (Zurufe: Eingemeindung). 
Jeder wird zugeben, daß alle kleinen Gemeinden keine 
Lebensberechtigung haben (hört, hört); aber das gilt 
für alle Gemeinden Großberlins. So lange es der Wunsch 
der Vertretung und der Bürgerschaft ist, daß wir selbst 
ständig bleiben, müffen wir auch sür die nötigen Mittel 
sorgen. Er glaube bewiesen zu haben, daß der Gastwirt 
durch die Steuer nicht bedrückt wird und auch keine Be 
lästigung deS Gastwirts stattfindet. 
Es kommt nun zur namentlichen Abstimmung. Die 
Gemeindeverordneten stimmen mit 3 Ausnahmen gegen 
die Biersteuer, als dir Liste der Schöffen verlesen wird, 
ruft G.-B. Kalkbrenner: Jetzt kommt-1 .Er meint damit 
die Zustimmungen, worauf Schöffe o. Wrochem sagt: Sie 
irren sich. Heiterkeit erweckt eS, als Schöffe Draeger sich 
der Abstimmung enthält. Für die Biersteuer stimmen: 
Bürgermeister Walgrr, Schöffen Lichtheim. Wosstdlo und 
v. Wrochem, G.-V. FianzetiuS, Schönknecht und Dr. 
Tänzler. Gegen die Bteisteuer stimmen: Schöffen Bache 
und Sadör, G.-V. Berger, Dreger, Eggert, Finke, Hau 
stein, Dr. Hcir.lck^r, Hcisr, Huhn, ShRüiennsr, Kunow, 
(® -S. Kalkbrenner ruft: Bravo), Lemhent, MatthieS, Ott, 
Richter, Sachs. Schultz, Stöcker, Dr. Thurmann und 
Uhlenbrock. Mit 21 Stimmen gegen 7 Stimmen und 
1 Stimmenenthaltung ist also die Biersteuer abgelehnt. 
Dieses Ergebnis wird mit lebhaftem „Bravo" aus- 
genommen. 
Nach einer kurzen Pause kommt man zur Beratung 
über die Einführung einer Gewerbesteuer (Forcnsal- 
FilialbetriebS-Steuer). Der Bürgermeister weist auf die 
ausführliche Borlage hin. G.-B. Uhlenbrock äußerst 
juristische Bedenken; er bezweifelt, daß die Steuer ge 
nehmigt wird und vor dem OberverwaltungSgertcht be- 
stehen kann. Besonders an dem Worte Forensal Fllial- 
betrieb werde die Aufsichtsbehörde sicher Anstoß nehmen. 
Dieses Wort sei wohl eine eigene Erfindung dcs 
GemtindcvorsiondcS (Bürgermeister Walger: Nein, nein! 
Er weist auf einen Komentar). Obwohl er nicht für eine 
solche Steuer schwärme, da ihm der eigentümliche Charakter 
solcher Steuer nicht gefalle und er hoffe, daß man dahin 
komme, sie abzulehnen (G.-V. Berger: Die ganze Gewerbe 
steuer), glaube er doch, daß die groß,n Geschäfte, die sür 
Friedenau in Frage kommen, die Steuer gut abwerfen 
können. G.-V. Berger begrüßt die Steuer mit Freuden, 
dieser Vorschlag sei ein glücklicher Gedanke deS Grmeinde- 
oorstandrs (Heiterkeit). An und sür sich sei er wohl gegen 
jede Gewerbesteuer, viel besser wäre eS, man führe rin» 
Vermögens- und Erbschaftssteuer ein, dabri könnte die Ge 
meinde vielleicht auch noch etwas erben. Die Gewerbe 
steuer sei ein Unrecht, da sie nur Einzelne treffe, während 
andere nichts zahlen. Da biete diese Steuer einen Aus 
gleich. Er bitte sie zu beschließen, selbst wenn die Ge- 
meinde wieder reinfallen sollte. G.-V. Ott schließt sich 
Herrn Berger an, es sei dies eine gerechte Steuer und man 
trrffe damit die Betriebe, die keine Einkommensteuer zahlen. 
Die Berechnung dcs GemeindevorstandeS fei nur nicht ganz 
richtig; eS kommen nicht 10 000M., sondern nur 8000 M. 
mehr heraus. G.-B. Richter ist dagegen, daß-wir hier 
mit einer Steuer vorangehen. Friedenau gehöre zu Grcß- 
berlin. Die Filialen hätten dazu beigetragen, die Ge- 
schäfiSlage im Orte zu heben. Die Grundstückswerte seien 
durch sie grstiegen und auch das Elektrizitätswerk hab» 
gute Abnehmer gefunden. Er müsse daher eine solch- 
Sondersteucr für kleinlich finden. Ec vermisse auch den 
Nutzen, der den anderen Gewerbetreibenden daraus er 
wachsen soll, wie cs in der Vorlage heißt. So stelle er, 
falls die Steuer genehmigt wird, den Eoeniuaiantrag, di> 
4 Klasse von der Gewerbesteuer gänzlich frei zu lassen. 
G.-V. Uhlenbrock ist nur für dis Steuer, weil wir st- 
trabrn müssen. Die anlässigen Gewerbetreibrnden haben 
durch die Filialen keine Nachteile, sie haben nur Vorteile, 
da die Filialen einen wirtschaftlichen Aufschwung für 
Friedenau gebracht haben. G.-V. Kalkbrenner steht au' 
dem grundsätzlichen Standpunkt, daß die Gewerbetreibenden 
die persönlich in ihrem Geschäft tätig sind, entlastet wcrden 
müssen und daß der M»hc«rtrag der Filialsteuer dasü> 
verwendet werden müßte. Er vermisse aber diese Ent- 
lastuiig in der Vorlage und würde sich in diesem Falle 
dem Antrage deS Herrn Richter anschließrn. Für dt. 
Steuer stimme er. Schöffe Lichtheim erklärt, er habe im 
Vorstand auch den Antrag gestellt, die 4. Klasse nicht zu 
besteuern, sei aber mit dem Antrage nicht durchzukommen, 
da man keine Ausnahmen machen wollte. Bürgermeister 
Walger führte an, daß der Ausdruck Forensal-Filialbetrib in 
der Judikatur und Literatur gang und gäbe sei. E« 
glaube nicht, daß die* Steuer von der Ausstchrsbehörde be 
anstandet werde. ES freue ihn, auS den Kreisen de 
Herren, die vorhin gegen die Biersteuer waren, j tzt ct> 
Ja zu hör«n. Assessor Grundmann betont rdrnfalls. 
oaß daS Wort Forensal-Filialbetrieb b-kannt sei, womit 
stch G.-V. Uhlenbrcck befriedigt erklärt. M'.t groß r 
Mehrheit wird die Einführung der Besteuerung der 
gorenfal'Filialbrtriebe beschlossen und die Sleuerordnung 
rn erster und gleich darauf in zweiter Lesung genehmigt. 
G.-V. Richter stellt seinen Antrag auf Befreiung der 
4. Gewrrbesieuerklasse von der .Steuer, auf Anrate» 
öeß Bürgermeisters bis zur VoranfchlagSberalung zurück 
Die Mittel in Höhe von 5000 M. für die Einrichtung 
der 3. Sexta am Reformrealgymnafium werden mit 19 
gegen 10 Stimmen genehmigt. 
Mit der Annahme des von der Firma Haassengier & Co. 
gemachten VeigletchSoorschlageS (ocrgl. die Erläuterungen 
t-- N» 48 unseres Blatlek) ist die Vertretung ein 
verstanden. 
Eo-uso stimmt sie der vorgeschlagenen Abänderung 
der Kanaltsationsgebührcnordnung ohne Erörterung in 
1. und 2 Lesung zu. 
Schösse Ltchlhetm empfiehlt zu beschließen, daß in 
der Fehlerstraße und am Wagnerplatz ein Baum um den 
anderen . herausgenommen wird. Die Bäume könne er 
j»tzt gerade gut gebrauchen zu Anpflanzungen in anderen 
Straßen und am Friedhof. Der Rest kann in Gütergotz 
Verwendung finden. G.-B. Richter kann ein Bedürfnis 
für Entfernung der Bäume nicht anerkennen. Ec glaub« 
daß der Grund der Beseitigung weniger in dem Jn- 
einanderwachsen der Bäume als in dem Wunsch, dt. 
Bäume in Gütergotz zu verwenden, liege. G. - V 
Kalkbrenner betont, daß es durchaus notwendig sei, di» 
Bäume dort in der vorgeschlagenen Weise fortzunehmen. 
Der Gartenausschuß hat diesen Beschluß schon vorh,r 
gefaßt, ehe die Einrichtung von Gütergotz beschlossen war. 
G.-B. Heise kann eine Notwendigkeit sür die Entfernung 
der Bäume am Wagnerplotz nicht für vorlirgend erachten. 
G.-V. Kunow hält dagegen die Entfernung sür durchaus 
notwendig. 5 Meter Abstand sei zu wenig für Platanen. 
ES war durchaus richtig, die Bäume zuerst so dicht zu 
pflanzen und sie nun herauszunehmen. DaS macht jede 
denkende Gartenverwaltung so. G.-B. Ott hat stch schon 
>m SoMmer überzeugt, daß die Kronen ineiriandenvachsen. 
G.-V. Uhlenbrock meint» daß er etwas vorsichtig gr- 
worden sei, damit nicht wieder schöne Bäume einfach ab 
gesu, lagen werden, wie in der Wiesbadener Strotze 
geschrhen. G.-V. Dr. Heinecker fragt an, was dar 
HrrausNLhrnen kostrt und tnteolel ein neuer Baum kostet. 
Schöffe Licktheim nennt für beidrs 30—40 M Doch 
habe mau jetzt große Bäume. Der Antrag» in der Fehler- 
traße und arn Wagnerpilatz einen Baum um den anderen 
>u entfernen, wird darauf genehmigt. ^ , , * 
Mit der Verlesung und Unterzeichnung deS Protokolls 
chließt die öffentliche Sitzung gegen 11 Uhr. ES folgt 
eine geh'ims Sitzung. 
Oie bunte bloche 
Berlin, den 28. Februar. 
Jetzt hat es Herr ron Jagow auch mit jenem Teil der Berliner 
Bevötk-rung verdorben, drr bisher c-bsciis von allem Hader und 
Streit stand; der sich um die Derlincr Pclizeivrrbot« nicht kümmerte 
und friedvoll seine Tage in gelassener Beschaulichkeit dahinlebte. . . 
60000 Großberliuer Hundeseelen tragen cinen stummen 
l im Herzen. Einen Groll, der sich argen den ungewohnten 
Maulkorb und gegen die Lerne wendet. Diese beiden, zur Hunde 
erziehung sicher notwendigen Instrumente sind auf Bef'hl des Polizei 
präsidenten auf die Dauer von drei Monaten eingeführt worden, w il 
ein schlecht erzogener Köter auS Berlin X auf die verrück e Idee kam, 
tollwutartige Erscheinungen zu zeigen und Menschen zu beißen, die thu 
garnichis angingen. 
Natürlich mußten, wie cs iwmcr in der Well zugeht die Ul- 
schuldigen nun leiden und ohne Rücksicht auf Stammbaum und Rasse, 
auf Denkart und Bildungsgrad hat man jeden Hund kurzerhand a« 
die Leine gcnommrn. Am ersten Tag der Sperre sah man in den 
Straßen den üblichen Widerstand. Mit den Vorderpfoten vrrsuchleu 
einige intelligente Pudel den Maulkorb herabzustretfen. Andere — 
meistens Terrier, die zu solchen Untugenden Neigen — versuchten du'ch 
Hestig-S Scheuern deS Kopfes auf dem Erdboden oder an den Stiefeln 
der .Tierhalter' sich von dem eie« den Zwang zu befreien; die Teckel 
Riffen zu dem bet ihrer Rasse üblichen Mitlcl: sie legten sich auf den 
Kücken und ließen sich als Schlicken über den Asphalt ziehen. 
Vor eivlgen Tagen brachen 21 Personen auf dem Grune- 
"aldfer b-rm «alittschuhlausen ein. Durch das mutige Zugrcifen 
tcherzter Retter kvniten olle der eisigen Tiefe entrissen werden. Bei 
dem Reltungswerk beteiligte sich vor allem ein Pudel. 
Er holte ein dreijähriges Kind aus dem Wasser und brachte dreimal 
tue Rettungsleine über das dünne Eis, daS von Menschen nicht be« 
m werden konnte, zu den Menschen, die im Wasser um ihr Leben 
terL-ine 33Cmn *° fl et> a '~' ei ^ ct flanj cornr ' und tüchtig an 
. Tier mag vielleicht nickt in dem Bewußtsein ge- 
vandklt haben, dgh xg hier um Leben und Tod geht. Eicker hat eS 
fpielend und vergnügt wedelnd tie Leine apportiert und sicher glaubte ' 
tM L i!« k lustiges Spiel, als er in die kalten Fluten sprang 
nud bas Kind ar, den Kleidern Packle. Dem braven Tier war eS ein 
o"'Uertretb. De„ Eitern des KtndcS war es eine befreiende Tat, eia 
Heidenstua, eine Rettung auS Todesnot und bitterster Herzensangst, 
em hatte der Pudel kein Verständnis daiür, daß -ie 
Mutier be» kor, ihm geretteten Kindes ohnmächtig vor Freude auf 
jeln niesendes, zottiges F.ll niedersank: daß sie daS Kind und ihn 
und nit eiuem dankt aren Aufschrei starr festhielt. 
Biell^cht wehrt« „ gar die Mutter knur end ab. 
. „ *?» vli* „ fcQä dob gefangen worden. Und die Chinesen hab n 
„iS“*, unte ^i, wenn sie im Sprichwort sagen: „W.-c 
"tbi. ist ein schlechter Mensch.' Sicher est, 
baß kaue, bcrchs,f,dr Craraktere Hunde nicht leiden können. 
^mer Zuneigung gewiß run nicht so weit, wie der 
„ "^„'Dletmann tn d-r Schönhauser Allee, der gestern 
"* 6 ©cfängnis verurteilt ward». Dieser Mann hat 
"L 2"N gehabt, daß er sie nicht nur selber aufgesessen hat, 
L- anderthalb Jahre hindurch auch feinen Gössen 
dl- Teere als Rind und K.-Ibsleisch vo-ges.tzl halte. 
Ich kann mj wohl denken, wie man aus einem gut durch- 
zi P J ein schuldiges Lendeeibressteak herstellen kann. Einem 
ganz findigen Kack w«rd es sogar gcliuoen, aus einem kleinen R.h- 
pt-scher gestlüte w«4|,« r.-p Daß ab«-«in Mensch sa-lauge.^ 
> m Unwcltll iMdon konute, daß er eine qanze Bande besoldete, die 
-hm für seine feine Küche täglich neues Material tn Berlin stuhl, u>d 
tafe m allem unter den Gästen kein Mensch war, der eine Bern- 
hardinerreule von Kaibklende zu unterscheiden vermechic, da« wlu u.ir 
r.rcht in ocn fcinji. 
“ U A Berlin die Hunde besser hüten, als ändert rro. 
Nirgends werd.i, so viele unserer vierbeinigen Freunde gestohlen nie 
Ijia zu Same. ^ selber habe mein Gewissen belastet. 
Eitlen im Hasten der Riesenstadt, 
»sind rr traurig an einer Eck», 
wje ein Bettler der Hanger Hai; 
luhrt- sitz nicht von seinem Flecke 
Sie Ohren hi-gen schtaff herunter, 
dl«: kleinen P'olen zitterlen, 
Nasinflügei spielten munter, 
"d sie das Herrcheo witterten. 
pfiff uno rief ihn. — Und er kam, 
uno war ganz glücklich, als ich ihn nahm. 
«"Ute erst küizlich den Freund verloren, 
okd hatte die glcichen zottigen Ohren, 
d'i gleiche Farbe im seidigen Fell. 
FUhttc er «£? — Wie wurde so hell 
kaz lluge^ ernste Augenpaar, 
er der mir geborgen war. 
bet mir, k,einer frierender Marn, 
tte>e das Erbe dcs andern an! 
Schenk mir, gleich ihm. durch alle Zeit, 
all Deine poldene Ehilichkettl 
£ c ir.e die Sorgen mit mir teilen. 
vJundschaft kann ja so vieles heilen! 
Wer we.ß, vielleicht legst Da am Ende 
dre kl.ine, schwär e Nase, — wie spielend — 
auf ein Paar müde, heiße Hände; 
so li dernd. kleiner K rl, so kühlcodl 
Bleib immer b.t mir zu j bet Stunde. 
Wer M», schen kennt und Me schenttst, 
dez we ß, waS ihm die Treue der Hunde 
»l guten und bösen Tagen ist. 
Es soll mich nicht wundern, wenn ich auf Grund dieser kleinen 
Berchte demnächst eine Zuschrift b»S Polizeipräsidiums bekomme, durch 
die ich wegen der begangenen Fundunterschlagung zur Rechen- 
scha t gezogen wtz,den soll. An tiefer Zuschiift wird mich doch die 
Tatsache erfreuet,, daß sie ein amtliches «chriftsiück ,de» König- 
tchen Polizei Prästdii' ist. a 
Dieses Klippschül.r-Lat in prangt r.ämiich über vielen Be-annt. 
machungen der gevannten Bchörce. Vor allem steh! eS über einem 
intenssanlen Dvkuwent. das täglich d«n Juwilieren und Pfandleihern 
persvaltch durch äblrmtnol«'»om'k überbr.ckt wird. ES heißt: 
or ^ Gestohlene Gegenstände. 
«mI* 8 Manuslrrpt d-S Koutgl Polizri-Präfidii. 
er i. !. Bekanntmachungen, die auf einem oicrfcitigen Oktav» 
Mtt, AÄ k. i "Aden, finden sich dir hunterttausend G-genstLr.de auf. 
gezählt, die in Berlin g-stohlen werden. 
„nt. MW?»? Meikdlä ler ja geheim gehalten werden. 
^ xf. ter Polizei nicht zu «schweren, will ich ledig- 
"ch auS älteren Nummern d.r Mitteilungen, die ein paar Wochm 
ÄU1U re« aufzählen, die gestohlen wurden, 
ft,.*!a IL iU bcmcrk-n. daß werivrller Schmuck tn scharfen 
■ m "bg-btldkt vorgeführt wird. Bon einigen Kossba ketten haben 
die Bestohlenen Skizze»« entrorsen, die clichiert ur>d im Bilde wieder- 
gegeben werde». 
n f pluvkt auf Sette 1 der Mitteilungen ein Pracht, 
volles Diadem. Die Beschreibung sagt: Eia Dtad m mit 65-68 
erbsengroßen Bnllanien ur d 24 Perlen, karn auch getrennt in mi 
Teilen getragen werden. Wert 22-25 000 M.' 
Sicher nach Tausenden von Fällen' zählend sind nun die ge 
stohlenen Kolliers, Armbänder, Ringe und Broschen, bet denen fir ott 
Werte von 10- und 20000 M. oerzerchn« finden. Diebpähl- vo 
Schmuckstück-.n im Wert- von. .000 oder 8.000 M. k-dien täglich z" 
Dutzenden wieder. Gleich zahlreich fast sind U- D'.ebstäh,e von
        
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