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Periodical volume Nr. 119, 23.05.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

Protestversammlung gegen die Aufhebung der Jesuiten' 
gksetzer. Vorzügliche musikalische Darbietungen der Konzert- 
Vereinigung der Kaiser Wilhelm-GedächtniS-Kirche unter 
der Leitung des Musikdirektors Alex Kießlich, sowie ein 
Baritonsolo deS Herrn Karl Burckhardt-Friedrnau um- 
rahmte den Hauptoortrag, den Pfarrer Mann-Charlotten- 
bürg über daS Thema: „Dt- Jesuiten die Todfeinde der 
Reformation" hielt. Eröffnet wurde der Abend durch eine 
Begrüßungsansprache des Oberstleutnants o. D. Bauer- 
Schöneberg namens der Zweigvereins des Evangelischen 
Bundes Echöneberg. Friedenau, Steglitz. Lichterfelde. Wil- 
merSdorf. Zehlendorf, Schlachtensee, Nikolassee. Nach dem 
Hauptoortcage, welcher stürmischen Beifall erntete, und dem 
Schlußwort des Professor- Dr. Maas-Nikolaffee gelangte 
folgende Resolution einstimmig zur Annahme: 
„Inmitten einer Zeit, die alle Vaterlandssr-unde mit Sorge in 
die Zukunft blicken läßt, ob eS gelingen >vird, uns-rem V-t-rlande 
den äußeren Frieden zu erhalten, und in der die bkv-rsteherde Ent> 
scheidungüber große nationale Aufqaben die Einigkeit des deutschen 
Volkes nötig macht, hat sich die Zmtrumspartei nicht gescheut, im 
Wege eines Initiativantrages im Reichstage die Aushebung des 
Jesultengesetzes zu fordern und solcher Weise den konfessionellen Frieden 
zu stören Wir protestieren gegen dieses rücksichtslose Vorgehen um 
so mehr, als der Antrag d.s Zentrums nur daS Ergebnis Partei, 
taktischer Eiwäguag ist, durch Au-rolluag eines neuen Kultu-kampfes 
der inneren P.nteischwierigkeiten H.rr zu w rdcn Wir btttcn den 
BundeSrat, dem Beschuh.des Reichstages vom 19. Februar d. Js die 
Zustimmung aus folgenden Giünden zu veisagm: Der Antrag dcs 
Zentrums ist mit Unterstütz, ng der soziaidemokratischen Partei der 
Eisäffer vnd der Polen angenommen, d h von «in« Mchrhelt, die 
'neq im vlkigen Reichstage die Minderheit bildete, und gegen die 
einst im Bülcwtlock vereinie Rckch-tagsmehrheit. — Es erscheint nicht 
angängig, das; eine die religiösen Interessen der die große Mehrheit 
des deutschen Volkes bilderd.m proteiianiischen Bevölkerung so tief 
berührende Frage auf Gruid einer zufällig möglich gewordenen Mehr- 
heitsdilduag im Reichstage endgültig entschieden wird, in der zudem 
höchstens der kleinere Teil dieser Meh heit d.s ZraUurn, die Deitretung 
der religiösen Interessen der katholischen Bevölknusig, also der Minder- 
heit des dcutschen Volkes, für sich in Ansoiuch nehm n darf, mährend 
die Abstimmung der religio, sfeindlichen Sczialdemokralie bei Fragen, 
die das religiöse Gebiet berühren, sür die Entscheidung des Bundes 
rats nicht ins Gewicht fallen kaun. Wir bitten weiter, die beantragte 
ablehnende Entscheidung möglichst bald zu treffen und bekannt >u 
geben, um einer weiteren Beunruhigung der prolestgniischen Be 
völkerung vorzubetizen" 
o Vortrag. Am Donnerstag, dem 27. Februar, 
Abends 81/2 Uhr, hält Frau Professor Seler-SachS im 
LlbrechtShof-Steglitz einen Vortrag über Familie und 
Frauenstimmrecht, zu welchem Freunde und Gegner ein 
geladen werden. Wir verweisen auf die Anzeige in der 
heutigen Nummer unserer Zeitung. 
0 Sei» 17. Stiftungsfest feiert der Veteranen, 
und Kriegrr-Verein Friedenau und Umgeb. am Sonnabend, 
dem 1. März, Abends 8 Uhr, im großen Saale deS 
Katfer-Wilhelm-Garten, Rhelnstr. 65. 
0 Ein Teufelsweib betitelt sich der neue Schlager, 
der von heute ab im Btofontheater in der Rheinstraße 14 
zur Vorführung kommt. Es ist einer der so sehr beliebten 
Nordischen Kunstfilme in 3 Akten, dargestellt von den be 
kannten Kopenhagener Hofschauspielrrn. Von dem von 
Anfang bis Ende fesselnden Inhalt des Stückes wollen 
wir nicht verraten, um die Spannung, die dieser Film 
erzeugt, nicht abzuschwächen. Auch der zweite Schlager: 
Die verhängnisvolle Bluse,' ist eine ergötzliche Komödie. 
Don Airolo nach Andermal ist die Fortsetzung der mit so 
großem Beifall aufgenommenen Bilder von der Sankt- 
Gotthardtbahn. Wochenschau von Gaumont und das Ton- 
bild sind wieder sehr abwechslungsreich, während deS 
Schutzmanns Rache und die vertauschten Kosser wegen ihres 
ulkigen Inhalts viel Heiterkeit erregen. Anfang 6 Uhr, 
Sonntags 4 Uhr. Voranzeige: Der Graf von Monte 
Christo kommt demnächst ohne erhöhte EintritSpreife im 
Biofontheater zur Vorführung. 
0 Drei jugendliche Einbrecher verhaftet. Unserer 
Kriminalpolizei ist eS gelungen, drei 17—18jährige Burschen 
festzunehmen, die verschiedene WohnungS- und Boden- 
dirbstähle hier und in den Nachbarorten verübt haben. 
ES handelt sich um Söhne achtbarer Ettern, einen Arnold Th. 
aus Steglitz, H. H. 'und Wllly R. aus Friedenau. Die 
Barschen sind nach Moabit gebracht worden und 'werden 
sich wahrscheinlich auch noch wegen Bandendiebstahls zu 
verantworten haben. 
0 Die Blau Weist.Blaue Union als Samariter. 
Am Sonntag übte die 0. Kompagnie dkS 9. Bataillons am 
TrufelSsee. Plötzlich bemerkte eine Patrouille unter 
Führung deS Gefreiten Bcnk. daß eine Dame auf dem 
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Eis hinfiel und nicht mehr aufstehen konnte. Sofort eilte 
die Patrouille der Dam« zu Hilfe. Sie führte die 
Verunglückte bis an dos Ufer. Dort kamen die Mann 
schaften unter Führung deS Leutnants d. U. Gehrke mit 
mehreren Zeltbahnen herbei. Drei Zeltbahnen wurden zu 
einer Trage zusammengelegt und die fünf stärksten Leute 
trugen die Verletzte nach dem nahen FörsterhauS. Der 
Führer schickte nach der Unfallstation Charlottenburg und 
bald war ein Krankenautomobil zur Stelle, daS die 
Verunglückte nach ihrrrWohnungamKurfütstendammbrachte. 
0 Vo» der Kriminalpolizei verhaftet wurde 
der Diplomingenieur Becker auS Steglitz, der in einem 
Geschäft in der Schloßstraße angestellt war. B. hat sich 
g.oße Unterschlagungen zuschulden kommen lassen. 
0 Ein Einbruchs-Diebstahl wurde in der Nacht 
zum Sonntag bei dem Friseur Fritz Flicke in der Lauen-' 
burger Straße 88 verübt. Der Spitzbube erbrach die 
Ladentür und entsendete sämtliche Parfümerien und Friseur- 
artikel,! Handwerkzeug, wie Scheren, Messer, Bürsten usw., 
auch Kleidung-gegenstände. Der Schaden ist erheblich; 
außerdem wurde Herr Flicke auch durch daS Fehlen der 
verschiedenen. Werkzeuge und Artikel in seinem Geschäfts 
betrieb behindert. Von dem oder den Tätern fehlt jede 
Spur; der Bestohlene vermutet jedoch mit Bestimmtheit, 
daß ein Racheakt vorliegt. 
Fortsetzung^ des Lokalen in der Beilage. 
Schömberg 
—0 Eine stürmische Sitzung gab k§ gestern in der 
Stadtverordneten - Versammlung. Zur Beschlußfassung 
stand ein Antrag der liberalen Fraktion, 2600 M. für be 
dürftige Kriegsveteranen anläßlich der Jahrhundertfeier des 
Aufrufes ,An mein Volk* zu bewilligen. 
T« Stedtv. Haselbach begründet« den Antrag. Darnach nahm 
Etadiv. Bernstein (soz.) daS Wort, der erklärte, daß. so gern seine 
Fraktion jederzeit bereit sei, Arme zu unterstützen, sie doch gründ- 
sätzlich Segner der Kri ge sei. Diejenigen, die für ihr Vaterland ge- 
kämpft haben, inüffen vom Staat unterstützt werden. Der geforderte 
Betrag von 2600 M. soll aber zum Gedächtnis deS Aufrufs .An 
mein Volk" verwendet werden. Der Aufruf spielte im Jahre 1813 
eine große Rolle, aber er habe dem Kampfe nicht seine Bedeutung 
gegeben. Die damalige Bcwrgung galt dem unerträglichen Joch des 
Kaisers Napoleon. In unseren Tagen, wo jene Tendenz sich so 
aufdringlich geltend mache, große Bewegungen zu monarchischen 
Zwecken auszunutzen, hätten alle Parteien ohne Unterschied die Pflicht, 
keine Fälschungen eintreten zu lassen. Nicht der König Friedrich 
Wtlbelm II!., sondern Freiherr vom Stein und seine Freunde wären 
die Hauplagitatoren jener Zeit. Der König wäre mit dem Aufrufe 
„An wein Volk" erst hervorgetreten, atS die Bewegung lange im 
Zuge war. Friedrich Wilhelm III. habe sympathische, aber auch 
schlcchte Eigenschaften gehabt. Aber bad müsse man sagen: Ec war 
richt schnoddrig I (Großer Lärm.) Die foziaid.-mokrattsche Fraktion bc- 
antrage deshalb, daß in dem Antrage zum Ausdruck gebracht würde, 
daß die Stadt den Bctcag bewillige zur Eljnneruug der Erhebung 
deS ganzen Volkes. Oberbürgermeister Dominlcuö teilte mit, der 
Antrag würde vom Magistrat mit Freude begrüßt. Der liberale 
Stadtverordnete Bamberg wtrjt dem Etadtv. Brrasteia vor, daß seine 
Ausführungen nicht in eine Stadtverordnetenversammlung passen, 
sondern in'eine Wählerversammlang gehören. (Große Unruhe bei den 
Sozialdemokraten.) Im Namen aller bürgerlichen Fraktionen könne 
er die Erklärung abgeben, daß er lief bedauere, daß das Andenken an 
preußische Könige jo verunglimpft würde. (Sladv Küter ssoz.j 
ruft: Das bakcn Sie wohl vom Beiliaer Eladlverordiietcn 
Casffl gehöit?) Die Liberalen seien überzeugte Monarchisten, die» 
müsse öffentlich konstatiert werden. Etadiv. Jatzow erklärt, daß die 
liberale Bereinigungsich dem Antrage drr liberalen Fraktion anschließt. 
Stadtv. Ed. Bernstein erklärt, er müsse Verwahrung dagegen einlegen, 
daß seine Rede geeignet gew-ten sei, patriotisch: Gefühle zu veileynr. 
Er bcantroge lediglich, die Gabe zur Erinnerung an einen Befrei- 
ungskampf deö Volkes zu spenden Dieser Befretungskawps würde 
auch von sozialdemokratischer Sette anerkannt. DaS Bürgertum von 
1813 habe die Dinge anders als daS heutige Bürgertum beurteilt- 
ES wären gerade auS bürgerlichem Munde viel schärfere Worte gegen 
König Friedrich Wilhelm HI. gefallen, als er geäußert habe. Erst 
jetzt hätten Konservative gewagt, einen ostpreußischen Herrn zu ver 
teidigen gegen eine Herabsctzuug aus Königs Mund! Ein tcsend.-r 
Sturm der Entrüstung erhob sich nach diesen Ausführungen. Stadtv.- 
Dörsteher Graf v. Matuschka erleilte dem Etadiv. veruflein einen 
Ordnungsruf. Der fozialdemokiaiische Etadiv. Küt-r erkläit, daß der 
Lärm der kladiveroidaeten beweise, daß sie nicht imstande seien, 
eine Sache ruhig und sachlich zu behandeln. Die 2600 M, die 
von den Bürgern der Stadt ausqebraitt worden wären, sei n 
nur ein Trinkgeld gegenüber dem Milltoncnprofi', den die Grund- 
spekulanten aus Echöneberg herausgezvaen hätten. Die sozial 
demokratische Fraktion beantragt, statt 2(00 5000 M. zu bewilligen. 
Stativ. Bamberg wist nochmals die Ausdrücke Bernsteins, daß 
König Friedrich nicht schnodderig war. energisch zurück und v-rbiiter 
sich im Namen der bürgerlichen Parteien derartige Redewendungen. 
Etadiv. Bernstein ei klärt zum Schlüsse, daß £>er Ausdruck sich nicht 
auf Friedrich Wilhelm Hl. bezöge; man könne den Ausdruck auch auf 
t bende Personen beziehen. Nach diesen Worten entstand ein großer 
Lärm im ganzen Hause. Der Vorsteher Graf Matuschka konnte nur 
mit großer Mühe die Ruhr wieder herstellen! Er machte den R-dnrr 
darauf aufmerksam, dos; auch diese Redewendung nicht am Platze sei 
Der Antrag der liberalen Fraktion, 2600 M. zu bewilligen, wurde 
angenommen. 
Berlin und Vororte 
Die Ortsgruppe Lichters.lde und südwestliche Vor 
orte der Aytiultramontanen ReichSverbandeS hat am 
20. Februar in einer zahlreichen Äerfammlung folgende 
Entschließung einst mmig angenommen: 
.So unerfreulich die Annahme des Jesuitenantrages in den vor 
gestrigen Reichstagsverhandlungen an sich ist, so begrüßen wir doch 
als hochbedeutsam die Tatsache, drß die bürgerlichen Parteien des 
alt«"^Blocks mit Ausnahme von nur drei Abgeordneten sich diesmal 
endlich wieder zu einer geschloffenen Abwehr gegen den neuen Zen- 
tmmsvorstoß zusammengefunden haben. Wir vertraue« daher darauf, 
daß die Regierung diesmal der Aufhebung deS Jesultengesetzes ihre 
ZuMimung versagen wird, weil die jetzige Mehrheit tm vorigen 
Reichstage die Mindnhckt war, und auch jetzt wieder die Grund- 
richtuvg des Reichstages der Majorität nach zweifellos antiultra- 
montan ist. Alle aber, die mit uns die Oeffentlichkeit in diesem 
antiultramöntanen Sinne politisch aufklären und durch die Wucht des 
VolkswtllenS die alten Blockparteien wieder zu einer zuverlä sigen 
Phalm je gegen das Zentrum zusammenzwingen wollen, trotz aller 
Gegensätze zwischen konservativ und liberal, die immer bleiben werdm, 
die fordern wir auf, sich unseren Reihen anzuschließen durch BeitrtitS- 
erklärung an die GeschästSstelle des Antiultlamonlanea ReichSverbandeS, 
Berlin SW. 48, Wilhelmstraße 122a." 
Gerichtliches 
P. Mit Süßstoff verfälschtes Bir feilgeholten und vetkaust zu haben, 
war den Bierfahrern «uz. Kuß und Paul Marx, sowie dem Brauerei- 
besitz« Alfred Strebelow zur Last gelegt. Die Genannten mußten 
sich vor der 2. Straikammer w:gcn Vergehens gegen dar Gesetz detr. 
den Verkehr mit Nabrungmilleln mraniwor ea. Der Angeklagte 
Strebelow fabrizierte Malzbier, zu bissen Herstellung er das als ge 
sundheitsschädlich «kannte Saccharin, einen künstlichen Süßstoff, ver- 
wenden ließ. Das als „Füllbicr" auf den Straßen zumeist feilge 
botene mit dem täuschenden Namen .Mal,bl«' belegte Fabrikat war 
von dem Chemiker Dr. Prause im Aufträge ,dcS Berlin« Pollzet- 
Präsidiums auf seine Bestandteile in der Z sammensitzurg untersucht 
und als minderweritg erkannt worben, weil cs den Namen ,Malz'- 
bi« zu unrecht trägt und lediglich aus einem mit dem künstlichen 
Süßstoff vnsüßten Gemisch besteht. Vom Schöffengericht Berlin- 
Echöneberg war der Angiklagte Kutscher des Braueiwiqeirs freige 
sprochen worden, dagegen «folgte die Verurteilung deS Mgx. und des 
Strebelow zu je 10 M. Geldstrafe. Der Amtsanwalt halte Bc- 
rusung eingelegt, höhere Strafen gegen die beiden Letztgenannten be- 
antragt und fernrr auch die Verurteilung deS Kutschers bczw. Bier- 
fahrerS Kuß, well dies« auS d-m billigen Presse des ihm von 
Strebelow verabfolgten .Malz'-Biereö «sehen mußte, daß er sich um 
minderwertiges Fabrikat handele, welches den Namen „Bier" über 
haupt nicht verdient. Die genannte Strafkammer verwarf auf Grand 
des Ergebnisses der erneuten Beweisaufnahme die Berufung des 
Amtsanwalt insoweit eS sich um die Angeklagt n Marx und Strebelow 
handelte. Daaegen ab« erachtete die Strafkammer, auch den Ange 
klagten Kuß für fchu'dtg und erkannte gegen ihn uni« Aushebung des 
angefochtenen Urteils auf 5 M. Geldstrafe cv. 1 Tag Gefängnis. 
Vermischtes 
*0 Friedrich I, König von Preußen. Seit dem Tode des 
Preußenküntg» Friedrichs I., dem Sohn des Großen Kurfürsten, find 
heute 200 Jahr« vergangen. Friedrich I. (geb. 11. Jett IC57 in 
Königsberg) war von Kindheit an schwächlich und kcänkelnd. Ein 
schiefes Rückgrat entstellte ihn. Aach die geistige B.ranlagung, die so 
oft Ersatz bietet für törveriich schwächliche Veranlagung, war keine 
kraftvolle. So fühlt« sih Friedrich I. bereits in seiner Jugend 
lurückzesitzt, worbe argwöhnisch und mißtrauisch gegen seine nächste 
Umgebung. Dennoch war er besorgt, die geistige und malerielle 
Wohlfahrt seines Volkes zu heben. Nachdem « am 9. Mat 1638 zur 
Regierung gelangt war, erwarb « durch Kauf Qaedltndurg und die 
Grafschaft T-cklenburg, auö der oranischen Erbschaft Ltngcn, Möis 
und Neuenburg, nahm, wie sein Bat«, zahlreiche prolestaniijche 
Flüchtlinge auS Frankreich und der Pfalz in seine Lanhe auf,- eröffnete 
der freieren Richtung deutscher Wissenschaft eine Zufluchtsstätte durch 
Gründung der Universität Halle, an der ThomasiuS und Francke 
lehrten, ließ in Berlin durch Echlüt« und Eosand« herrliche Kunst- 
werke entstehen (Denkmal feines VaterS, Zeughaus, Schloß) und die 
1699 gestiftete Akademie dcr bildenden Künste sollte seine Residenz zn 
einem Mittelpunkle der Kunst machen („Spree-Athen"). Auf Vcr- 
aulafsuug seiner geistig hochstehenden zweiten Gemahlin Sophie 
Charlotte zog Friedrich I. das größte Genie feiner Zckt, Leibniz, an 
fernen Hofi und gründete mit Leibnt.,' Beistand 1700 die Sozietät der 
WiffenfLaften. Friedrich 1. war dreimal vermählt und zwar von 
1679—1633 mit der Prinzessin Elisabeth von Heffen-Kassel, die ihm 
eine Tochter schenkte (Luise, Gemahlin deS Landgrafen Friedrich von 
Kaffel, späteren Königs von Schweden), alsdann lf81 —1705 mit der 
schon genannten Sophie Charlolte von Hannover, von der ihn ein 
Sohn, König Friedrich Wilhelm I., überlebte und endlich — 1703 — 
einer mecklenburgischen Prinzessin, die dem Wahnsinn veifirl. Ein 
Denkmal Friedrich I. von G. Elberlein steht rn der SregeSallec 
zu Berlin. 
Wetterausfichten. 
Mittwoch: Trocken und vielfach heiter, RachiS wieder 
Frost. Am Tage mild bei mäßigen südlichen Winden. 
Verantwortlicher Schriftleiter: Hermann Martinius, Friedenau. 
' Hierzu eine Beilage.' 
wwaU»»aM0wMM»»»»»«w»W»^»M«aWWUWWa», 
Zur Einsegnung und Prüfung 
finden Sie bei mir am Lager vorrätig: 
„ aus blauem Cheviot, 2reihig, in guter |Q m 
l3inS€(f]lUngS(in£U(J€ Verarbeitung von Mk. 
aus blauen Kammgarnstoffen, 2reihig, fQ m 
v2J2S€(/JlUn(/SOnfUff€ in guter Verarbeitung von Mk. 
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cT/7?<3 egnungsanjuge 1- U . 2reihig, in erstkl. Verarbeitung von Mk. 
SW- aus dauerhaften Cheviot- u. Kamm- in Sf|«r3S — 
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