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Periodical volume Nr. 48, 25.02.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

zu führen (oergl. § 7 der Steuerordnung), au« dem die 
Biersorte, die Menge, der Tag der Einführung usw. er 
sehen werden kann. WaS die Höhe deS Auskommens der 
Biersteuer anbelangt, so schätzen wir sie auf mindesten« 
15 000 M. jährlich. Bei unserer Schätzung haben wir die 
Erfahrungen der Nachbargemrinden zu Grunde gelegt. 
Bnliu-Elegtitz mit rund 80 000 Einwohnern, besitzt eine Brauerei, 
ein Gartenlokal uvd 179 Gatt- und Schanksirtschasteu. DaS Bier- 
steucraufkommeu betrug im Iah» 1911 rund 41000 M. 
Berlin-Ltchterfelde mit 15000 Einwohnern, hat keine Brauerei, 
Ci Gartenlokale und etwa 100 Gast- und Echankwirtschaften. DaS 
Steueraufkommen betrug 26 800 M 
Berltn-Lankwitz mit lOOtO Einwohnern, hat keine Brauerei, 
5 Gartenlokale und 4 East. und Schankwirlichasten. Das Snuer- 
auskomo.en betrug 6800 M 
Berliu Friedenau mit 43 000 Einwohnern hat keine Brauerei, 
keine Gartenlokale, aber 100 Vast und Echankwirlschaften, darunter 
einig« grvßeie Lokale und CafS». Das Steueraufkommen wird nach 
Maßgabe, der vorstehenden Ergebnisse etwa 15 000 M. betragen. 
Daß dies« Schätzung nicht zu gering bemessen ist, 
würde auch die Berechnung nach Maßgabe deß Bierkon 
sum» im Deutschen Reiche ergeben, der pro Kopf der Be- 
vöikerung 106 4 / 10 1. beträgt. Unter Zugrundelegung der 
Einwohnerzahl Friedenau« mit 43 000 ergibt sich eine 
Sleuersumme von rund 29 000 M. Wir nehmen aber 
an. daß diese Summe zu hoch ist und halten die von unS 
geschätzte Summe für richtiger. Di« Einsührung einer 
Btersteuer erfolgt nach den Vorschristen besonderer, aus 
Grund der Kommunalabgabengesetzes vom 14. Jult 1893 
zu erlassender Steuerordnungen. Für diese haben die 
Minister de« Innern und der Finanzen durch Erlaß vom 
29. Januar 1910 eine Musterordnung aufgestellt. Wir 
haben nunmehr die beiliegende Steuerordnung entworfen, 
deren Wortlaut nur insoweit von der Musterordnung ab- 
weicht, al« sie im § 6 neben dem Empfänger auch den Ein 
bringer de« Bieres zur Entrichtung der Steuer verpflichtet. 
Zu dem Entwurf bemerken wir noch, daß die in den 88 
1 und 2 vorgesehene Besten« ung deS im Gemetndebezirk 
gebrauten BiereS für Friedenau, mangels vorhandener 
Brauereien, zur Zeit keine praktische Bedeutung hat. Wir 
ersuchen die Gemeindevertretung zu beschließen: a) Die 
Einführung der Biersteuer im Gemetndegebiete Berlin- 
Frtedenau wird grundsätzlich genehmigt, d) die dem Pro 
tokoll alS Anlage beigefügte Steuerordnung wird beschlossen, 
e) die Erwirkung der Genehmigung der Aufsichtsbehörden 
ist so zu beschleunigen, daß die Einführung der Biersteuer 
noch vor dem 1. April d. Js. ab erfolgen kann. 
Borlage betreffend Bewilligung der Mittel für die Einrichtung einer 
3. Eixla am Reform-Realgymnasium zu Ostern 1^13. 
In der letzten S tzung ist einem Anträge aus der 
Mitte der Gemeindevertretung entsprechend, die Einrichtung 
einer dritten Sexta am Reform-Realgymnasium zu Ostern 
1913 beschlossen worden. In dem Beschluß ist aber nicht 
zum Ausdruck gebracht, daß die erforderlichen Mittel be- 
willigt werden. Wir ersuchen deshalb die Gemeinde- 
Vertretung, zu beschließen: Die durch die Einrichtung der 
3. Sexta an dem Reform-Realgymnasium zum 1. April 
1913 erforderlichen Mittel a) für einen Oberlehrer 4000 
Mark, d) für Ausstattung der Klasse lOoO M., in Höhe 
von zusammen 5000 M. werden bewilligt und sind im 
nächstjährigen Voranschlag« bereitzustellen. 
Borlage betreffend Annahme eines Vergleichsvorschlages. 
Der Vertrag zwischen der Gemeinde und der Gothaer 
LebenSversicherungSbank Uber die Aufnahme der V/ a 
Millionenanlrihe von 1909 hat unerwarteterweife einen 
Stempel von 1250 M. erfordert. Die Verhandlungen 
über die Erstattung de« BetlageS, die mit der Vertrag«- 
gegnerin und der VertragSoermittlerin, der Bankfirma 
Haassengier & Co., geführt sind, halten daS Ergebnis, daß 
sich letztere bereit erklärte, au« GrjchäftSkoulanz die Hälfte 
der Summe mit 625 M. zu übernehmen. Die Zahlung 
ist bereit« erfolgt. Eie stellt sich al« ein wirkliche» Ent 
gegenkommen dar, da die Gemeinde weder vertraglich 
noch gesetzlich berechtigt ist, die Erstattung de« Stempel- 
betrage« zu fordern. E« wird daher beantragt, den von 
der Firma Haassengier & Co. gemachten BergleichSvorschlag 
anzunehmen und zu genehmigen, daß die verbleibenden 
625 M. auf die Gemetndekafle übernommen werden. 
Borlage betreffend Aenderung der Kanalisation-gebührenordnung. 
Nach § 22 der hiesigen Kanalisation-gebührenordnung 
vom 3. März 1908 ist zur Zahlung der Entwässerung», 
gebühren derjenige verpflichtet, welcher zur Zeit ihrer 
Fälligkeit Eigentümer de« Grundstück« ist. Da diese Ge- 
bühren nach der Rechtsprechung de« Oberverwaltung«, 
gericht« nicht dinglichen Charakter haben, also nicht da« 
Ein zweiter Punkt zu selueu Gunsten war der gute 
Revolver, der in der rechten Seitentasche seines Rockes 
steckte. Er hatte, während er mit Scharnock sprach, die 
Hände in den Taschen gehabt, und es bedurfte daher 
keiner verdächtigen Bewegung, um die Waffe heraus 
zuziehen. 
Zu seinen Ungunsten sprach es. daß Rüben Hislop, den 
er für den Henker der Gesellschaft hielt, mit gespanntem 
Revolver unbeweglich zwischen ihm und der Tür stand. 
Allerdings hatte der Raum noch einen andern Ausgang, 
doch die zweite Tür befand sich hinter Scharnock und seiner 
Mutier, und um sie zu erreichen, hätte er mitten durch 
die ganze Gesellschaft Spießruten laufen müssen. 
Außerdem war zu bedenken, daß selbst, wenn cs 
ihm gelang aus.dem Speisesaal herauszukommen, vor 
aussichtlich alle Türen, die aus dem Hause führten, versperrt 
waren. 
Die letztere Gefahr wollte er jedoch gern auf sich 
nehmen, wenn es ihm nur gelang, hier herauszukommen. 
In den langen dunklen Korridoren würde man ihn schwer 
verfolgen können, und vielleicht glückte es ihm, in dem 
oberen Teil des Hanfes eine einstweilige Zuflucht zu finden. 
Vielleicht konnte er sich in irgendein Schlafzimmer flüchten, 
mit den dort vorhandenen Möbeln die Tür verbarrikadieren 
und dann durch das Fenster an dem alte» Efeu hinuiitei- 
klettern, der das Schloß fast überall bekleidete. Ja, e» 
würde schwer sein, aber es war feine einzige Chance. 
Plötzlich flog seine Hand ans der Tasche, und in ihr 
blitzte der Revolver, dessen Lauf er zwischen den Fingern 
hielt. Wie der Blitz drehte er sich um, versetzte mit dem 
Kolben Hislop eine» wuchtigen Schlag auf den Kopf, stieß 
den betäubten Schurken beiseite und ivar mit einem Svnina 
Grundstück als solche» belasten, so ist die Gemeinde außer 
stande, die Gebühren von dem neuen Eigentümer einzu 
ziehen, wenn ein EigrntumSwechsel nach der Fälligkeit der 
Gebühren, d. h. nach dem 1b. deS zweiten MonatS in 
jedem Quartal, eintritt. In vielen Fällen müssen daher 
Gebühren, wenn der alte Eigentümer zahlungsunfähig ist, 
in Ausfall gebracht werden. Nach einer Entscheidung de« 
O. B. G. ist «8 nun aber zulässig, einen größeren Zeit 
abschnitt, z. B. ein Kalendervierteljahr al« Einheit hinzu 
stellen und für die ihm entsprechende Gebühr auch den 
neuen Eigentümer schon dann pflrchtig zu machen, wenn 
seine Benutzung der Entwässerungseinrichtung auch nur 
während eine« Teils jene» - Zeitabschnitte- stattfindet. 
Durch Aufnahme einer solchen Bestimmung würde einem 
Mangel, der der Gebührenordnung anhaftet, abgeholfen 
werden. ES wird daher beantragt, den anliegenden 
Nachtrag zur KanaUsationSgebührrnordnung zu genehmig»». 
Bsrlage betreffend Beseitigung von Straß:nbäumen in dcr Fehlerstraße 
und am Wagnerplatz. 
Auf G und einer im Herbst vorgenommenen Be- 
sichtigung hat der GaitenauSschuß an den Gemeinde- 
vorstand den Antrag gestellt: „Die Gemeindevertretung 
wolle genehmigen, daß in der Feylerstraße von den dort 
stehenden Akazien und am Wagnerplatz von den Platanen eine 
um die andere entfernt werden kann." Bet der Anlage 
der neuen Straßen im Wagnerviertrl und in den Straßen 
um den Eüdwestkorso sind die Bäume auf 5 Mrtrr 
gepflanzt, um so bald wie möglich etwas Schatten zu er 
langen. Nachdem nun aber die Bäume groß geworden 
sind, ist eS notwendig, dieselben auf die normale Ent- 
sernung von 10 Meter zu bringen. Außerdem darf auch 
nicht länger gewartet werden, da bet dem starken Wuchs 
der Bäume ein späteres Verpflanzen immer schwieriger 
wird. Dazu kommt noch, daß wir diese Bäume gut ge 
brauchen lönnen, um die in anderen Straßen fehlenden zu 
ersetzen, einige an den Zaun deS erweiterten hiesigen 
Friedhofes zu pflanzen, und, wenn ein Rest vorhanden, 
würde dieser in Gütergotz Verwendung finden. Der 
Gemetndevorstand stellt drShalb den Antrag: Die Gemeinde' 
Vertretung wolle sich dem oben angesührten Antrag dcS 
GartenauSschuffeS anschließen. 
Lokales 
(Nachdruck unserer o-Originalartikel nur mit Quellenangabe gestattet.) 
o DaS Ergebnis der gestrigen Ltichwahleu 
für die Ersatzwahl der Wahlmänner zur LandtagSwahl ist 
zugunsten der Vereinigten Liberalen ausgefallen. In allen 
Bezirken siegten die Liberalen, und zwar in 5 Bezirken 
gegen die Sozialdemokraten und in einem Bezirk gegen 
die Konservativen. Im Einzelnen ist folgende? Ergebnis: 
1. Bezirk, 3. Abteilung: Lcntz und Gantikow gewählt 
(58 lib., 42 soz., Haupiwahl: 42 lib., 17 kons., 43 soz); 
3. Bezirk, 3. Abteilung: Ey gewählt (31 lib., 29 soz., 
Hauptwahl: 30 lib., 16 kons, 23 soz,); 5 Bezirk, 3. Ab 
teilung: Habermann gewählt (124 lib., 104 soz., Haupt- 
wähl: 111 116., 37 kons., 90 soz.),- 7. Bezirk. 1. Ab- 
leilung: Draeger gewählt (10 lib., 6 kons., Hauptwabl: 
6 lib., 5 kons, 2 zerspl.); 3. Abteilung: Afdring, Gerrcke 
gewählt (79. 89 lib., 49, 48 soz., Hauptwahl: 55 lib., 
29 kons., 44 soz.); 12. Bezirk, 3. Abteilung: Dr. Büchner, 
Dr. Fernbach gewählt (161 lib., 77 soz, Haupiwahl: 
110 lib., 44 kons., 82 soz). Mithin sind 9 liberale 
Wahlmänner gewählt. Bet der Haupiersatzwahl sind ge 
wählt worden 20 Liberale, 2 Konservative und 2 Sozial 
demokraten, svdaß jetzt nach der Stichwahl die Liberalen 
auf 29 gestiegen sind. Hierzu kommen noch die alten 
Wahlmänner au» der Wahl im Jahre 1908, sodaß die 
Zahl der Wahlmänner in Friedenau insgesamt beträgt: 
60 liberale, 7 konservative und 2 sozialdemokratische Wahl 
männer. E« ist dasselbe Ergebnis wie 1908. Auf ver 
schiedene Anfragen, die an da« Amt und auch an unS ge 
langten, möchten wir noch erklären, daß die diesmalige 
Wahl nur in den Bezirken notwendig war. in denen 
Wahlmänner durch den Tod und durch Verzog seit 1008 
ausgeschieden sind. ES hatten darnach nicht alle Wähler, 
die tn der Wählerliste stehen, diesmal zu wählen. — Ueber 
den Rückgang der konservativen Stimmen wird dem 
„Teltower Kreisblatt" aus Friedenau geschrieben: 
Der auffallende ȟckgwg der kooseivainen W-hlmSnner (im 
Jahre 1898 waren ei 26 konservative u d nur 4 lib-rale und 19oS 
roch 23 ko seroaiice urb 18 liberales ii eine ßolg» der mavgelhrNc« 
weiberidea Täiigkelt. L-ihr-vd die beiden andern Parteien in Wert 
und Echri t. in vereine« und Versammlung,« fortgesetzt rührig an 
der Ar!eit sind, hört man hier von dem kouscrrailven Verein und 
an der Tür. Der Schlüssel steckte im Schloß, er drehte ihn 
um, zog ihn heraus und stürzte sich in den nachtschwarzen 
Gang, von drei Kugeln verfolgt, die das Holzwerk dicht 
neben seinem Kopf durchbohrten. Alle waren ihm nach 
gestürzt, und mit Aufbietung aller Kraft zog er die 
schwere Tür hinter sich zu und verschloß sie gerade, als 
der erste Verfolger daran augekoinmen war. Drinnen 
hatte sich lautes Geschrei erhoben, aber die helle Stimme 
Scharnocks übertönte die anderen.. 
„Laßt die Tür! Hier, mir nach I Er kommt nicht aus 
üein Haus heraus, und wir werden ihm den Weg ab 
schneiden, ehe er es überhaupt versuchen kann." 
Julius rannte den Korridor entlang in der Richtung 
nach der großen Vorhalle. Er hatte keine Hoffnung, durch 
die Vordertür hinauszugelangcn, denn er war fest über 
zeugt, daß gerade diese sorgfältig verschlossen und ver 
rammelt sein würde, aber er hoffte, die große Haupttreppe 
erreichen zu können, um seinen Pia» auszuführen und 
sich in irgendeinem Schlafzimmer zu verschanzen, von wo 
aus er trachten würde, das Freie zu erreichen. Seine Ver 
folger würden ja vielleicht auch auf den Gedanken 
komincn, aber doch nicht gleich, sie würden ihn sicher erst 
ii» Hause suchen, und unterdessen gelang es ihm vielleicht, 
zu entfliehen. 
Endlich hatte er die Halle erreicht, und richtig, das 
Glück war ihm hold, er statte im Dunkeln auch die Treppe 
gesunden. Begierig griffen seine Hände nach de», allen 
geschnitzten Geländer und atemlos erreichte er den erste» 
Treppenabsatz, von wo aus die Treppe im rechten Winkel 
iveiterfüstrte. 
Eben wollte er die nächsten Stufe» ersteigen, da 
blieb er überrascht stehen, ein schwacher Lichtstrahl kam 
seiner Wirksamkeit wenig oder gar nicht? Und doch woh»t gerade 
hier ein He>r von höheren und mittleren Beamten, die aversingS, 
weil sie außerdcud, besonder! in der R sidrnz beschäftigt sind, wenig 
dinn für hiesige Komma along leg" hüten hrben die aber zum 
groß n Teil kooserva imr Richlucg stad und dethalb bei Landtags- 
und R ichslagSwahlcn mit «uiwe duao einiger Mühe leicht an den 
Walütijch gebracht werden Uiuitm. Mächte dies wenigstens bei der 
»a-buen kondtagswahl aeschrh n! 
o Für de« Eislauf gesperrt. Infolge deS schweren 
Unfalls ouf dem Grunewaldsre sind von der Regierung 
sämtliche Wafferstraßen wie Spree, Havel, und die märki 
schen Seen für den Eislauf gesperrt worden. 
o Eine Königin»Luise» Feier veranstaltet am 
Montag, dem 10. März. Abend« 7 Uhr unsere Königin- 
Luise-Schule (öffentliche« Lyzeum) in der Aula der Anstalt. 
Nach Gesängen, musikalifchru und deklamatorischen Bor- 
tiägen findet eine Aufführung Mn Bild aus dem Leben 
der Königin Luise", von Oberlehrer Dr. Falke, statt. 
o Trinker»Fürsorge. Gestern Abend fand im 
Hohenzollern eine von Herrn Schöffen Sadör und Herrn 
Dr. raed. Heimcker einberufene Versammlung statt, in 
welcher nach einem Vortrage de« Herrn Prof. Dr. Gonser 
der Beschluß gefaßt wurde, auch in Friedenau eine 
systematische Bekämpfung der Schädigungen deS Alkohol- 
genuffeS recht bald in die Wege zu leiten-. Für die 
nächste Zeit sind aufklärende Vorträge in den hiesigen 
Vereinen beabsichtigt. Im Herbst d. I. soll sodann eine 
Wanderautstelluvg dts „Deulfchen Verein» gegen den 
Mißbrauch geistiger Getränke" in Friedenau veranstaltet 
werden, in der die ganze Llkohoifrage durch bildliche und 
plastische Darstellungen usw. in klarer Weise veranschaulicht 
wird. Man hofft hierdurch daS Verständnis für die Be 
deutung der Sikoholfrage bei unserer Bürgerschaft zu 
wecken und zu fördern. ■ > 
o Da« Konzert des Fricdenaner Parochial» 
Vereins wird folgende 8 Konzrrtgefänge de« Königl. 
Hof- und DomchorS ausweisen: 1. Kyrie (6st>mmig) 
ti. d. Mch Papae Marcellt v. Palestrina. 2. AdoramuSte 
Christe Coisi. 3. 0 bona Jesu (Männerchor) Palestrina. 
4. Die 8stimmige Motette von I. S. Bach „Der Geist 
hilft". 5. Geistlicher Lied: „Ergebung" von H Wolf. 
6. In stiller Nacht, alle« Volkslied von I Brahm«. 
7. Palmsonntagmorgen von Mox Bruch und 8 Schlummer 
lied von R. Kahn. Die Altistin Fräulein Anna Grarve 
wird unter Begleitung von Margot JltuS singen: Allmacht 
von Schubert, Sehnsucht von Schumann, ferner „ES muß 
woS Wunderbares fein" und „Loreley" von LiSzt. Die 
Violinvlrtuostn Frau Fordan ElgerS wird mit dem 2. 
und 3. Satz au» dem Violinkonzert de« Alttlalienifchen 
MeisteiS Tartini und mit dem „Cantos doloris“, op. 78 
von Sinding aufwarten. Mitglieder - ElnlrtttSkarten zu 
dem Konzert zu 2. 1,50 und 1 M. sind noch bet den 
durch die ESulenanfchläge bekannt gegebenen Verkaufs 
stellen und AbendS an der Kaffe zu haben. 
o Männer»Turnverein. Daß man nicht gerade 
immer in die Ferne zu schweifen braucht, um daS Herr 
liche der Natur zu genießen, bewies die gestrige erste dies 
jährige Turnfahrt der AiterS-Abteilung. die dnSmal durch 
die Gründe deS nahen GrunewaldS führte. Leider ließ 
die Teilnehmerzahi, trotz deS für Winterturnfahrten vor 
züglich geeigneten sonnigen FrostwetttrSs zu wünschen 
übrig. Ein Teil der sonst regelmäßigen Turnfahrtler war 
ausgeblieben. Der Marsch begann gegen 9 Uhr von der 
Station Grunewald nach der Rennbahn, wo daS noch im 
Ban befindliche Stadion besichtigt wurde. ES. wird dort 
noch ein gutes Stück Arbeit zu bewältigen fein, bevor da» 
Stadion seinem Zweck, allen Zweigen der Leibesübungen 
al» Freistatt zu dienen, übergeben werden kann. Nach 
dem Frühstück wurde der Weg fortgesetzt, Über Berg und 
Tal, mitten durch den Grunewald, den wenig begangenen 
Gestellwkg G entlang nach dem Kaifer-Wilhelm-Turm. 
Hier nahm man noch einen Rundblick über die zum 
größten Teil mit TiS bedeckte Havel mit. Dann ging cS mit 
Gesang fröhlicher Wanderlieder an .der Havel entlang über 
die Haoelbrrge nach Krumme Lanke. UnierwegS. lief ein 
Rudel Dammwild sorglos über den Weg. . In der 
Krummen Lanke um 1 Uhr angelangt, hatte die Tum- 
fahrt ihr Ende erreicht. Sin Teil der Turnfahrtler er- 
wartete dort ihre Familienangehörigen, um die Turnfahrt 
in dem üblichen Eonntagnachmittag-Aurflug auSklingen zu 
lasten, während die übrigen über Zehlendorf nach Frie 
denau zurückkehrten. 
o DieJrfnite« — dkeTodfeiude der vreformatio«. 
Zu einer wuchtigen Kundgebung deutsch- ivangelischer Art 
gestaltet« sich die gestern Abepd in Steglitz veranstaltete 
von oben herunter, und zwar ging V von einer flackernden 
Kerze aus, die Olivia Maitland in der Hand hielt. Das 
Mädchen erschien ihm wie ein wundervolles Bild in einem 
dunklen Rahmen, wie sie da mit entsetzten Augen stand 
und auf ihn herunterschaute. Julius konnte sich gar nicht 
erklären, wie sie so plötzlich dahingekommen war, bis 
seine Augen sich an das schwache Licht gewöhnt hatten, 
und er erkannte, daß sie in einer Oeffnung in dem Holzwcrk 
der Treppe stand. ' , 
„Schnell!" mit leiser, bebender Stimme rief sie es 
dein gehetzten Mann zu. „Hier herein! Es ist Ihre einzige 
Rettung. Sie sind ein Mann des Todes, wenn Sie sich 
fangen lassen." 
Rasch kreuzten sich die Gedanken in Penfolds Hirn. 
Konnte er ihr vertrauen? War er nicht heute nacht schon 
einmal in eine Falle gegangen, und zwar auf eine Bot 
schaft, die von ihr ausgingf Aber ein Blick in das lieb 
liche, tieferschrockene Gesicht, auf die wogenden Spitzen, 
djtz ihren hellen Morgenrock an der Brust schmückten, aus 
die bebende Hand, die den Leuchter hielt, überzeugte ihn, 
daß, wenn sie ein Werkzeug in der Hand seiner Feinde 
gewesen, dies sicher ohne ihr Wissen gesiheh«r war. Dieses 
Mädchen mit dem mörderischen Zweck in Verbindung 
bringen, dein ihr Brief hatte dienen sollen, hieße, sich am 
Heiligste» versündigen. Er rannte die paar Stnien noch 
hinauf und folgte ihr in die schwarze gähnende Oeffnung. 
Die geheime Tür glitt geräuschlos wieder a» ihren Platz, 
und er wußte, daß nur zwei Möglichkeiten vor ihm lagen. 
Entweder war er vorerst vor seinen Verfolgern geschützt, 
oder sein Rückzug war hoffnungslos abgeschnitten. 
(Smischung folgt.)
        
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