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Periodical volume Nr. 47, 24.02.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

sollen. NaS die Aussühruvgcn deS Herrn VauratS über finauzielle Kragen 
betreffen, so bringen die Beträge aus dem AusgleichsforidS nicht die 
Finanzlage klar zum Ausdruck. Er hätte auch angeben müssen, wie 
die Schulden gestiegen sied und welche >morttsationSbe1räge zu tilgen 
sir-d. Wir wifien auch noch gar nicht, in welcher ungeheuerlichen 
Weise d.r Zw«ckoerband die einzelnen Gemeinden belasten wird. Man 
spricht von 2 M. auf den Kepf der Bevölkerung Großdcrlins, da 
wären 200 000 M für Friedenau. Wenn ferner Friedenau aus dem 
Kreise ausscheiden muß, so kämen auch da noch große Beträge in 
Frage. ES wurde gesagt, daß wir mit 100 Proz. Steuerzuschlag noch 
am günstigsten dastanden, da sei zu bedenken, daß wir ausgebaut 
sind. die anderen Gemeirdrn aber neck große Summen hereinbekommen 
durch die Umsatzsteuern usw. Die Umsatzsteuer werde vielleicht er 
mäßigt oder ganz aufgehoben werden. Erweistauf die traurige Lage 
de- Glundbesitz-rs hin und beruft sich aus Herrn Gemeindeverordneten 
Olt, der fiter ein guter Etalskenucr sei und erklärt habe, daß später 
der Etat nicht mehr zu balanzierep wäre. Denn wären die Grund- 
befitzer die die bluten muffen Sir könnten einpacken, wenn die Um 
satzsteuer noch höher wird. Herr Sturm bespricht seinen Artikel in 
einem auswärtigen Blatte und erwähnt die da aufgestellten Be- 
rechnungeu ^über die künftigen Losten deS Rathaus bauS. Herr 
Drarger fuhrt an, daß der Zweckverband doch alle Gemeinden g'eich- 
mäßig belaste. Er fei aber an solche Beträge, wie fie HerrKonieczka 
erwähnte, garnicht zu denken. 53 Millionen will der Staat haben, 
ob er fie bekommt, möge man abwarten. Aber selbst bet dieser Summe 
kommen nur 50 Pf. aus den K pf der Bevölkerung und nicht 2 M. Herr 
Beymel dankt dem Herrn Baurat für die Aufklärung. Man war 
bisher in dem Irrtum, Friedenau stände am Rande de» Abgrunde-. 
Man wisse, daß der Herr Baurat billig und gut baue; es wurde 
immrr von einem RalhauSbau von mehrer-n Millionen gesprochen. 
Das Semeindektrchenhau«, da- doch auch Säle in sich schließt, ist für 
300 000 M gebaut worden. Er halte dies für sihr billig. Der Hirr 
Bourat hat zwar den Preis für das Kbm umbauten Raume- für da» 
Rathaus genannt, er vermiffe aber, wie hoch die ganze Summe sein 
werde. D«r Rrdrer verurteilt dann d>e Zeitungsartikel in denen 
die Lage der Grundbesitzer wie auch die Finanzlage der Gemeinde so 
Ir de geschildert werde. Dadurch bekomme mau keine steuerkräftigen 
Mieter nach Friedenau (sehr richtig). Gemeindebaurat Altmann sührt 
aus daß man nicht nur über dar teure Grundstück geredet hätte, 
sondern wirderholt sei von den vielen Millionen für daS Ra'hauS 
gesprochen worden. Nach den bisher vorliegenden Entwürfen berechne 
er die Kosten für das Rathaus auf 925000 M.. also rund 1 Million. 
Herr stonieczka hatte gesagt, er vermiffe die Schulden. Ja, er könne 
noch vte e Zahlen nennen, aber wenn er alle Zahlen so einzeln auf- 
sühren wollte, würde wohl niemand mehr im Saale bleiben und so 
habe er sich darauf beschränken müffeo, nur die Hauptsummen anzu 
geben und seine Ansicht über die Zukunft Friedenau» zu äußern. Er 
habe auch schon gesagt, daß die Bckräge für Verzinsung und Amorti 
sation allein schon durch die Ueberschüffe des El-ktrizttäiswerkS gedeckt 
werden. Herrn Sturm entgegne er auf seinen Artikel und seine Aus- 
sührungen, baß jeder Steuerzahler gleichmäßig an der Erhaltung 
unserer Gemeinde beitrage und alle t it gleichem Interesse dahin 
arbeiten, daß es gut wird in unserer Gemeinde. Wenn man aber 
häufiger solche Artikel dringt, wie Herr Sturm, we-u man Verhältnisse 
schildert wie sie heute tatsächlich richt und und späier nickt sind, dann 
schädigt man den Ort nach allen Seiten (Bravo) Wenn einige 
Grundbisitzer die Eingemcidung «ünsch'n, so ist das -icht der richtige 
Weg, die Eingemeindung zu erzielen. Wenn man sagt, wir 
werden so vuf den Hund gebracht, glaube man nicht, daß dann 
eine Gemeinde unS eingemeinden will. Wenn wir dar wollen, 
müff.n wir unseren Ort loben und rühmen und nicht durch 
solch- Artikel das eigene Nest beschmutzen (lebhafte» Bravo). Den 
Zw-ckveib ud, man nennt ihn schon S» eckv rband, solle man doch 
nicht fürchten; alle Gem-i den parliz Pieren dcch an den von ihm zu 
crwa tend-n Lasten. Daß wir aus dem Kreise sobald oder übe-Haupt 
ausscheiden dar»n ist garnicht zu denk-n. Er könne auch den Stand- 
punkr des H>rrn Ko«tcczk« nicht anerkennen, daß man erst das 
Geld in der Taste haben müßte Das gibt eS nirgends, in keiner 
Gemeinde und auch beim Staat nicbt D„ß die Hausbesitzer heute in 
einer schlimmen Lage sind, ist riaftg, aber was kann da das kleine 
F iedenau “jus tun? Wichtige BSuIcn können wir' nicht zunichte Uen 
und daß er die größte Sparsamkeit walten lasse, habe er mit den 
genannten Zahlen denn, sein Er wurde Herr Ott als Zeuge angerufen, 
er bedauere, daß der Herr nicht hier ist. um sei cn Ansichten ent 
gegentreten zu tönnen. Er cehi noch näher auf die Ausiührungcn 
des H-rrn Simm über das Rathaus, die dort v.rgesehenen Reserve- 
räume n w. ein und betont zum Schluß daß ein gesunder Optimismus 
b-ffer sei als ein hemmender Pessimismus Man möge da die 
Politik der and-ren Völker betrachten, bescnders bezügl der Weh:- 
fragen B-r uns frägt man immer zuerst nach d«r Dcckungsfrage. 
Zum Vorwärtsaibeiten gehört Optimismus (Bravo). Der Vor 
sitzende entschuldigt Herrn Ott, der verhindert sei, in der heutigen 
Veriam lung ru n scheinen. Er teilt dann mit, daß die Friedenaucr 
O ffenilichc Meldung, der „Friedenaucr Lokal-Anzeiger". d!e Ausncinne 
des Artikels d S Heirn Siurm vecwiigert hatte (Lebhaftes Bravo). 
Herr Schmidt m-.int d-ß man durch die Vergangenheit zu einer 
gewissen Vorsicht geknnmen sei. Er weißt aus das Wagnervicrtcl 
mit seinen eigen Sin ßen hin wo mau jetzt in der Sieglinde- und 
Jseldcstraße die Vergärten beseitigen müsse. Herr Konieczka er 
kennt an, daß Herr Baural Alimann seine Interessen gut vertrcle. 
Er dürie aber nicht dackiber hinausgehen Der Herr Baurck habe 
etwas scha-fe Worte gegenüber einzelnen Rednern gewählt. Wie der 
Vorsitzende fegte s> lle doch durch die Red? und Gegenrede Aufklärung 
geschaffen wilden, da dürfe der Herr Bairrat aber nicht sa wie ge 
schehen, gegen einzelne P rsanen v rächen. Herr Sturm meine cs 
sicher gut. wenn er auch ird}t der geeignete Mann fei, seine Inter- 
essen sachlich zu vertreten. Ec hatte auch n cht gemeinh Mi wir das 
Kapital dar in d r Tasche haben müssen, sondcra dgß mit d n Ein 
nahme i besiimirrt zu rechnen sein müßte We «n Herr Bourat d e Zukunft 
als glänzend bez.ichnete, sa ist dies Ansichlssache. Die Unruh: über 
das Ratüa. s wurde nur erzeugt, weil immer behauptet wurde, daß 
„Nun in Oiottes Namen, so sagen Sic mir doch 
endlich, was Sic von mir wollen," rief Julius, der diese 
Ungewißheit nicht länger ertragen konnte. Zudem baute 
er auf seine schon so oft erprobten Körperkräfte, er fühlte, 
daß cs ihm ein Leichtes sein würde, zwei bis drei der 
grinsenden Schurken, die an den Lippen ihres Herrn und 
Meisters hingen, niederzustrecken. Es widerstrebte ihm, hier 
noch länger als Zielscheibe der versteckten Drohungen dieses 
Herrn vor der traurigen Gesellschaft zu stehen. Es ver 
langte ihn danach, zu erfahren, was man von ihm wolle, 
und dann zu handeln. 
Vielleicht hatte die Komtesse bemerkt, daß seine Geduld 
zu Ende ging, denn sie beugte sich zu ihrem Sohn herunicr 
und flüsterte ihm etwas zu. Scharnock lauschte ihren 
Worten wie immer mit größter Ehrerbietung und nickte 
dann zustimmend. 
„Meine gute Mutter erinnert mich daran," fuhr er 
dann fort, „daß Sie unser Gast sind, und daß es nicht 
recht wäre, Sie noch länger auf die Folter zu spannen. 
Nun denn, Herr Doktor Penfold, ich muß Ihnen das Kom 
pliment machen, daß ich Sie zwar für einen ziemlich 
albernen Menschen halte, aber doch nicht für so albern, 
daß Sie nicht längst bemerkt hättest, daß Sie sich hier in 
mitten von Sir William Graßmans Feinden befinden, 
jener treuen Genossen, deren Kampf gegen den ungerechten 
Staatsanwalt und verwerflichen Mensche» jetzt an dein 
ersehnten Ziel angelangt ist. Und dieses Ziel wäre eher 
erreicht worden, wenn Sie nicht dazmisckwngetrctcn wären. 
Und deshalb muhten wir Sie auf die Seite bringen, Sie 
werden uns den Weg nicht länger versperren." 
„Das wollen wir erst noch sehen, ihr verfluchte Bande," 
schrie Julius wütend. 
'Aber ohne die geringste Notiz von der Unterbrechung 
zu nehmen, fuhr die wohlklingende Stimme gleichmäßig 
der Rathausbau über l Million weit hinausgeht. Die Unruhe wäre 
nich) gewesen, wenn Vorstandsmitglieder, die die Verhältnisse doch 
kennen, früher schon Aufklärung gegeben hälten Der Vorsitzende 
erwiderte, daß durch Herrn Bourat Allmanu, als Ehrenbeamten der 
Gemeinde, die AuSsührungen autorätiver kommen. Herr Michaelis 
berichtet über die früheren Verhältnisse in Friedenau. Die 
heutige Aussprache habe mit Sturm angefangen. Wie nach 
Sturm wieder Sonnenschein folgte, so Hesse er auf einen ruhigen 
Ansgang der heutigen Vklhantlangen. Herr Sturm erllä:t, daß er 
nur dar Guie walle und meint, wenn all:S jo schön sei, warum man 
dann den armen Gat wirten eine Blersteuer auferlegen well:. Er 
we-dct sich auch gegen den Abendmarkt, der die G'werbetietbend n 
schädige. Hc:r Loos meint, mau habe heute gehört, d-ß wir so viel 
Geld Haien, war wohl die Gemeindeverordnelea bisher selbst nicht 
wußlen. DaS RaihanS am Marktplatz halte er für günstig n sei 
auch sür einen wlbdigen Ban. ES wü de dann jeder, der nach Frte- 
denau kommt oder d»rch Friedenau fährt, auf unseren Orb aufmerk 
sam (sehr richtig) Dnr geplanten Markt im Westen FrtedeuauS hält 
er für lehr wichrlg; er mützte aber auf dem Grub scheu Tennisplatz 
eirgeckchlet werden Eine gesund: Kwkurrenz schad: den Gew rbe- 
lieer enden nichts. Sr tcrurteilt ebenfalls die den Olt schädigenden 
Artikel drS H.rrn Sturm noch dazu in solchem „Außenseiter". — 
Herr St-.rm meldet sich unn noch »um Wort Allgemein wird 
„Schluß" gerufen. Der Schüßantrag findet Annahme. Darauf be° 
wert der Vorfitzrude, e» möge jeder du» Gefühl mit nach Harfe 
nehmen taß die heutige Be'prechuua nicht nur ersprießlich, sondera 
auch uoiwendig war Sr hoff . daß sic nicht iu vergesse« heit gerat: 
und eia Werkstein im Leben des BereinS sein werde. Möge si: d:o 
Erfolg haben, dm der Vorstand erhoffe. Nochmals dankt er Herrn 
Baerat Allmann — Herr Zimmelmav> stellt noch di: Anfrage uiter 
Inter« sserfraeen, ob d e Sleli rs iu Frt:denau benrtzt werden dürfen. 
Herr Drefftl bejaht die», eS dürfe dort jedoch NilmMd wohnen. 
Der Vorsitzende schließt hiernach gegen '/,U Uhr die Ansammlung. 
Lokales 
(Nachdruck unserer o-Originalartikel nur mit Quellenangabe gestattet.) 
o Gegen die kommunale Biersteuer. Der Se- 
mrindevorstand hat bekanntlich in den neuen Boranschlag 
eine Summe von 15 000 M. bet der Steuerverwaltvng 
in Einnahme gestellt, die durch Erhebung einer Biersteuer 
aufgebracht werden soll. In der nächsten Grmeindevkr» 
Icetersitzunq am Donnerstag, dein 27. d. MtS. soll bereits 
Uber die Eteuerordnung beschlössest werden. Der hiesige 
Verein der Gast- und Schankwirte hat heute jedem Mit- 
gltede der Gemeindevertretung da» folgende Schreiben 
zugeschickt: 
Wie wir iu Erfahrung gebracht haben, beabsichtiat drr hiesige 
Gcmeindevvrftard die Einführung einer kommunalen B>erstcuer. Lt. 
reichsgesetziicher Bestimmung ist die Steuer nicht vom Etnfüdrer, 
sondera vom Empfänger zu zahlen und folged'ffen müßen die hi-sigen 
Gast- und Schankwirte in dieser Sleuer eine schwere Schädigung er- 
blicken. Unser Stand ist sowieso nicht auf Rosen gebettet Die durch 
die letzte ReichSsinanzietorm eincesührten Steuern, insbesondere die 
R-ichsbiersteuer und die Verbrauchssteuern haben gerade uuserm Ee- 
werbe neu: und empfindliche Belastungen gebracht, aber auch die durch 
die allgemeine Teuerung herbeigeführte teuere Lebenshaltung hat ganz 
besonders dazu beigetragen, die Elwerbsverdättniffe tm Gastwirt»- 
gewerbe bedeutend und ungünstig za becir.fi rflen. Jeder Gast- und 
Schankwirt hat heute schwer um seine Ersten, zu kämpfen. Groß« 
Lokale, die früher gut srequenttert wurden, siad U ihren pekuniären 
Ersetzen zurückgrgaugen. Str erinnern rur an da» Hohenzollcrn- 
Restaurant. Wenn nun vielleicht auch einige Lokale heut roch bc- 
sriedigrnde Geschäfte machen, so siad daS uur Autnahmei. Die große 
Mehr;-hl erübrigt au» dem Echavkbctricbc kaum da» Röttgstc zum 
Lebensunterhalt, wcs etverseils durch den fortwährenden Wechsel der 
Inhaber der, Lokale, andererseits durch den andauernden Rückgang tn 
der Steverkraft der Gastwirte bewiesen toirb Die Frtedenauer Gast- 
und Echaakwlrte würden aber durch die Einführung einer kommunalen 
Bicrsteuer noch ganz besonders geschädigt werden. Die Friedenau.-r 
Bevölkerung ist geg,n früher eine andere geworden. Der altavgeseffcne 
Bürgersta- d verschwindet mehr und mehr uud an seine Stelle tritt 
eine gut; situierte großstätische Bevölkerung, die ihre Unterhaltung in 
den haup städtichen Bterpalästen sucht, die hiesigen Lokale also 
möglichst melket. Der btsiere Bürger wir der lleiue Mann, 
die urs srühir guten Verdienst brachten, leiden ebenfalls unter den 
heutigen Teucrungsveihältuiffen und find gezwungen, fich Be- 
schränkungen aufzuerlegen uud taffen besondere Zurückhaltungen tn der 
Ausgabe sür Gennßmittrl wallen. Würde in Berlin, wa» ebenfalls 
I hr zu bedauern wäre, die vierstruer eingeführt, so würden die 
Frtedenauer Wicke durch eine kommunale Blersteuer doppelt belastet 
werden, well der Ring der Brauereien bereits brschtoffen hat, in 
solchem Falle eine allgemeine BierpreiS-rhöhung eiutttlcn zu lasten, 
unter der alle Gastwirte Groß Berlins — also auch dl« Fitedenauer 
Gastwirte — zu leiden hitten. Eine Brauerei besteht am Orte nicht, 
durch die sich die Gastwirte eventuell vor einer doppelten Steuer 
schützen könnten. Eine Adwilrung der Steuer auf die Konsumenten 
>it ganz unmöglich, di die Gefäße ritt noch mehr verkleinert werden 
können. Mithin bringt eine kommunale Bterstruer einzig und allein 
dem Gastwirtsstande — cin«r einzigen ErwerbSgruppe — eine neue Be 
lastung. In unserer letzten Vereinsversammlurg hat die Bekanntgabe de» 
SBie;flfuet-flrojcftö allgemeine Bestürzung hervorgerufen. Man hielt 
es bisher sür unmöglich, baß die hiesige Gemeinde ebenfalls dazu 
beitragen würde, das schwer baniedcrttegende Gaslwirtsgewerbe der 
Beruichnng preiszugeben. Wenn die Gemeinde Mittel braucht, so 
dürfte e» doch angebracht erscheinen, dleselben durch eine allgemeine 
Verteilung schon auS Gerechtigkeitsgründen aufzubringeu, zumal das 
Gastwiitsgewerbe schon Eondersteueru gerade genügend und wie kein 
■■■■■■pm———————————— 
fort: „Es handelt sich nur darum, ob Sie nach dein, was 
ich Ihnen sagen werde, uns gutwillig ans dein Wege 
gehen wollen, oder ob Sie uns vor die unangenehnie Auf 
gabe stellen, Gewaltsmaßregeln gegen einen Mann an 
zuwenden, mit dein wir schien Streit suchen. Um Ihren 
Entschluß zu unterstützen, muß ich Ihnen ein Stückchen 
Familiengeschichte erzählen, von dem ich hoffe, daß es Sie 
nicht langweilen wird. Ich bin, wie Sie vielleicht erstaunt 
sein werden zu hören, Sir William Graßmans Neffe. Mein 
Vater, der die Atzten Jahre seines Lebens unter einem 
anderen Namen bekannt war, war in Wirklichkeit Viktor 
Graßman, Sir Williams älterer Bruder. Sie bewarben 
sich beide um die Hand der Dame, die heute Lady Eraß- 
man ist, und der jüngere Bruder trug de» Sieg über 
meinen Vater davon, aber nur infolge eines ganz ge 
meinen schurkischen Streiches." 
Julius war aufs äußerste überrascht. „Die Sache ist 
mir nicht unbekannt," versetzte er, „Sir William bedauert 
seinen jugendlichen Irrtum aufs tiefste." 
Schnrnock winkte ihm zu schweigen und fuhr fort: 
„Ich selbst habe ja keinen Grund, mich über seinen Schur 
kenstreich zu beklagen, denn dadurch wurde die teure Frau, 
die hier bei mir steht, meine Mutter. Ader die Stimme 
des Toten schreit ^iach Rache. Meines Vaters Karriere 
wurde durch den Streich seines Bruders zerstört. In der 
Verzweiflung über seine verlorene Liebe und sein zerstörtes 
Leben erklärte er der Gesellschaft den Krieg und gesellte 
sich denen zu, die ihr eure Feinde nennt. Mit seinen 
Talenten wurde es ihm nicht schwer, sich bald zum Führer 
einer gut organisierten, internationalen Verbrecherbande zu 
inacktcn, einer Gesellschaft von Glücksrittern, deren Stolz 
es ist, daß sich noch niemals, weder in Europa noch in 
Amerika, ein Polizcibeamter gefcknden hat, der ihnen ge 
wachsen wäre. Viele Jahre lang hak mein Vater alle ihre 
anderes Gewerbe auszubringen hat. Der angenommene Ertrag von 
15 000 M. ist auch tür den GemeindcClat von so minimaler De- 
dculuug, daß man dei-kniwegen nickt ein schon bedrückte- Gewerbe 
noch »etter bmrruhigen sollle. Bit büken Sie daher namens der 
Frtedenauer Gast. und Schankwirte, Ihren Einfluß freundlichst dahin 
geltend zu machen, daß eine kommunale Btersteuer in Friedenau nicht 
eingeführt wird. Wir hoffen Ihre Unterstützung zu finden, wofür wir 
Ihnen schon im voraus verbindlichst danken. 
o Keine Hundesperre in Fttr-enau. Nach den 
von uns eingezogenen Erkundigungen an amtlicher Stelle 
ist fllr Frikdcr.au biS jeßt noch nicht die Hundesperre ver 
hängt. Ein Antrag aus Emsührung der Hundesperre auch 
in den zu Großberlin gehörenden Gemeinden deS Kreises 
Teltow befindet sich allerdings beim Landrat v. Achenbach; 
bis zur Stunde ist darüber aber noch keine Entscheidung 
getroffen. Die Meldungen Berliner Blätter, daß auch sür 
Friedenau bereits die Hundesperre vrrsügt ist, sind also 
unrichtig. Immerhin besteht die Möglichkeit, daß auch 
Friedenau noch tn den Bezirk einbezogen wird, für den die 
Hundesperre verhängt ist. 
o Der Bezirk-Verein Sieglitz-Nordost hat an 
die Eisenbahndireklion folgende Eingabe gerichtet: 
.Der Bez'rkiverein Eteglitz-Nordost legt gegen die «tsicht der Kgl. 
Eisenbahndirektlon, den Bahnhof Friedenau näher an die Saarbrücke 
zu legen, Protest «in. Denn da durch diese Veränderung der Bau 
deS iFeldstraßeubahnhoss zur Unmöglichkeit würde, so bliebe 
der Laurnbmger Oiitteit <d. h. da- au Friedeuau - Schöneberg 
grenzende Steglitzer Vierlck) für immer vom Verkehr mit Berlin ab- 
geschnitten, und Steglitz erlrtte einen niemals wieder gutzumachenden 
Schaden. Der Bezirksverein fordert nach wie vor den Bau de« Feld- 
ftraßenbahnhoss. Den Grundsatz der Eiscnbahndirekttou, daß die 
Wannseebahn ander» zu beurteilen sei wie di« Stadt- und Ntngbahü, 
vermag er angesichts des rtesizen Wachstums der Gemeinde« an drr 
Wauuseebahn alS berechtigt nicht anzuerkenveu." 
An Amtloorsteher Burow sandle der Verein ein 
Schreiben, mit der Bitte, den Sisenbohnfikku» zum Neubau 
der Feldstraßenbrücke aufzufordern, oder mindestttt« dir 
Pflasterung der ZugangSwege zu verlangen. 
o Zwei «eue Züge werden, wie die Staairbnhn- 
Verwailung bekannt macht, vom 1. März d. I. ab auf 
drr Lichterfelder Vorortbahn an dm Werktagen eingelegt 
werden und im folgenden Jahrplan verkehren: ab Berlin, 
PotSb. Rtngbahnhof 6,50 Vorm., an Groß-Lichterfeldr-Ost 
7.07 Vorm., ab Groß-Lichterfeldr-Ost 10.15 Vorm., an 
Potsdamer Rtngbahnhof 10 32 Vorm. 
o Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbs. 
Soeben ist der Bericht der „Zentrale zur Bekämpfung un 
lauteren Wettbewerbs E. V/, Berlin-Echönebrrg, übrr daS 
Geschäftsjahr 1912 erschienen. Wie auS diesem erflchtlich 
ist, war die Tätigkeit der Zentrale im vergangenen Jahre 
eine äußerst umfangreiche. Im Ganzen wurden 317 Ver 
mahnungen, die sich auch auf die Provinz erstreckten, er- 
lassen. Hiervon entfallen allein 162 auf die Möbel- 
branche. Auf die Pianobranche kommen 48, die Schrrtb- 
maschinenbranche 25, die Pkerdebrar.che 8, die Schuh- 
warenbranche 7. Von Kaufhäusern wurden 15, von 
Warenhäusern 8. von Partiewarengeschäften 3 vermahnt. 
Die anderen Vermahnungen entfallen auf die anderen 
Branchen. In der Möbel- und in drr Pianobranche er 
folgten die meisten Bermahnungen deswegen, weil durch 
Ankündigungen der Anschein erweckt wurde, alS handle cs 
sich um einen Verkauf aus Privathand. Such wegen An 
kündigung „au» Konkurs" mußte »ine größere Anzahl von 
Vermahnungen erlösten werden. Sehr häufig wurden 
Ausverkäufe unter den verschiedensten Bezeichnungen ange 
kündigt, wobei Unterlasten worden war» den Ausverkaufs- 
gründ anzugeben. In den weitaus meisten Fällen hattm 
die Bermahnungen Erfolg. Leider sah sich die Zmtrale 
gezwungen, in Fällen, in denen die wiederholten Ver 
mahnungen unbeachtet gelosten wurden, Strafantrag zu 
stellen. Dies geschah u. a. in der Möbelbranche 84, in 
der Vianobranche 22, in der Echteibmafchtnrnbrtmche 5 masi 
Als Gutachter wurde die Zeuiralr zu verschiedenen Malen 
von Behörden und Verbänden angerufen. 
o Für daS Eduard Jürgroseu-Deokmal sandle 
unS Herr Lehrer Echwägermann, Hörde (Westfalen) 1 M., 
bei der Frtedenauer Spar- uud Darlehnskafle wurden für 
den gleichen Zweck 10 M. eingezahlt. Außerdem erzielten 
wir durch Verkauf deS lustigen AnekdotenbüchleivS „Ein 
Fresten kür'n Staatsanwalt" von Max Gräbner 3 M. für 
dar Denkmal. 
o DaS Abraupen der Bäume hat bi» zum 
15. März zu erfolgen. SS fei die Oberprästdialordnung 
in Erinnerung gebracht, die bestimmt, daß alle Bäume, 
pleiSviel ob sie sich in Gärten, auf Wegen, Straßen oder 
Unternehmungen geleitet, und niemals ist cs einem 
Schergen gelungen, sie zu überlisten. 
Bei dem Tode meines geliebten Vaters ging der 
Oberbefehl auf mich über, und außerdem leistete ich meinem 
Barer auf dem Sterbebette einen feierlichen Eid, daß ich 
ihn, sobald die Zeit gekommen wäre, an seinem Bruder 
rächen würde. Noch hielt ich diese Zeit für nicht gekommen, 
und Sir William hätte vielleicht noch länger leben dürfen» 
hätte er nicht kürzlich den Tod eines unserer besten 
Kameraden verschuldet, worauf meine Brüder hier ver 
langte», daß die Rache nicht länger aufgeschoben werden 
dürfe. 
Wir begannen daher unseren Feldzug gegen Graßman, 
und mit mehr Ritterlichkeit als er zu erwarten berechtigt 
war, warnten wir ihn, daß er auf keine Gnade zu hoffen 
habe. Seme Strafe hätte ihn schon am ersten Tage ereilt, 
an dent wir unsere Feindseligkeiten eröffneten, wäre nicht 
Ihre Wachsamkeit gewesen, Herr Doktor, infolge deren 
Sie das Geheimnis der Weinflasche entdeckten." 
„Ich bin dankbar, daß mir diese Entdeckung gelang,^ 
versetzte Julius ruhig. 
„Ihre Freude war zu früh," entgcgnete Scharnock. 
„Als wir m Erfahrung gebracht hatten, daß Sir William 
in feiner Feigheit beabsichtigte, Sie als eine Art Prügel- 
* jungen in Dienst zu nehmen, ließen wir Sie vor der An 
nahme der Stellung warnen. Sie hielten es für angebracht, 
unsere gutgemeinte Warnung in den Wind zu schlagen, 
und diesem Eigensinn verdanken Sie Ihre heutige Lage. 
Wir konnten uns nicht dem aussetzen, zum zweitenmal 
einen Fehlschlag zu erleben, die Notwehr zwang uns dazu, 
Sie von Ihrem Wachtposten zu entfernen." 
(Fortsetzung folgt.)
        
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