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Periodical volume Nr. 10, 12.01.1913 1. Beilage zu Nr. 10

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

der Zunahme der kubcrkulösen Familien auch die Büro- 
und LLboratoriumSarbeiten der Fürsorgeschwester ganz er 
heblich vermehrt haben. — Der Fürsorgeschwester bleibt 
nicht mehr die genügende Zeit übrig, um dieselbe Zahl 
von Hausbesuchen ausführen zu können, wie zu Anfang 
des Bestehens der Fürsorgrstelle. Es hat sich außerdem 
der Uebelstand herausgestellt, daß eS der Fürsorgeschwester 
nicht mehr möglich ist, die einzelnen Familien so häufig 
zu besuchen wie früher, weil sie die Besuche auf einen mit 
jedem Tage größer werdenden KreiS von tuberkulösen 
Familien verteilen muß. — Ueber kurz oder lang wird »S 
sich nicht umgehen lassen, eine zweite Fürsorgeschwester 
anzustellen, da die aufklärende und vorbeugende Tätigkeit 
der Fürsorgestelle innerhalb der tuberkulösen Familien 
unter keinen Umständen weniger Berücksichtigung finden darf. 
Soweit e8 erforderlich war, hat die Fiirsorgestelle 
einzelne Familien durch kostenlose Verabreichung von 
Milch, Stärkung«-, Nähr» und Heilmitteln, Kleidungs 
stücken und Wäsche, besonderen Bettstellen, Eß- und Trink 
geschirren für die Kranken, Spuckflaschen, MielSzuschüffen 
und Kohlen unterstützt. 
Um einer Wetterverbreitung der Tuberkulose ent 
gegenzuarbeiten, ist beim Wohnungswechsel und bei Todes 
fällen von Tuberkulösen 67 mal die Wohnungsdesinsektion 
ausgeführt worden. 
In den 2l/z Jahren ihres Bestehens hat die Für- 
sorgestelle reichlich Gelegenheit gehabt, sich an einer stifte- 
malischen Bekämpfung der Tuberkulose in unserem Orte 
teils durch vorbeugende, teils durch Heilung bringende 
Maßnahmen zu beteiligen. 
Aus den täglich erfolgenden Neuanmeldungen von 
Tuberkuloseerkrankungen darf man aber wohl den be 
rechtigten Schluß ziehen, daß uns bisher erst ein kleiner 
Bruchteil der in Friedenau von der Tuberkulose heim 
gesuchten Familien bekannt geworden ist und daß die Ge 
samtzahl aller in unserer Gemeinde wohnenden Tuber 
kulösen in Wirklichkeit eine viel höhere sein muß. 
Somit erweitert sich der Wirkungskreis der Fürsorge- 
stelle mit jedem Tage, und ihre Mitarbeit an dem Kampfe 
gegen die Tuberkulose ist in stetem Wachsen begriffen! 
Lokales 
(Nachdruck unserer o-Originaiarlikcl »ur mit Quellenangabe gestattet.) 
o Das Ergebnis der Laudtagsersatzwahl in 
Friedenau. Elstern Nachmittag sanden in den 12 
Ucwahlbezilken in Friedenau die Ersatzwahlen für die seit 
der letzten Wahl im Jahre 1908 ausgeschiedenen Wahl- 
männer statt. Die Wahlen nahmen im allgemeinen ^inen 
ruhigen, glatten Verlauf. Nur im 3. und 9. Urwahl- 
bezirk, in der 2. Abteilung, wurden die Wähler durch 
Versehen vom Amte verwirrt. Während nämlich für den 
3. Bezirk nach den amtlichen Bekanntmachungen die Wahl 
zeit für die zweite Abteilung auf Nachmittags 4—5 Uhr 
angesetzt war, zeigten die amtlichen AusweiSkarten die 
Wahlzett eine Stunde später an. Der Wahlvorsteher, 
Buchdruckereibesitzer Schuitz, hielt sich an die Bekannt 
machung und schloß um 5 Uhr die Wahlhandlung. Bis 
dahin hatten erst zwei' konservative und zwei liberale 
Wähler ihre Stimmen abgegeben. Durch Loo» wurden 
die beiden liberalen Wahlmänner als gewählt festgestellt. 
Im 9. Bezirk, am Eingang zum Wahllokal, erhielten die 
Wähler Zettel, auf denen für die zweite Abteilung zwei 
Namen verzeichnet waren, obgleich nur ein Mandat frei 
war. Aber auch das amtliche Material war in dieser Be 
ziehung unrichtig, worauf der Wahlvorsteher Büro 
vorsteher Dreger aufmerksam gemacht wurde. Die amt 
liche Blkanntmachung war richtig, wie es kam, daß dar 
amtliche Wahlmaterial falsch war, muß noch aufgeklärl 
werden. Der Wahlvorstand hätte selbständig beschließen 
können, wandte sich aber, da noch eine halbe Stunde Zell 
war, an Bürgermeister Walgcr. Er erschien bald rin 
Bürobeomler, der auf ein Schreiben deS Bürgermeisters 
hinwies, daS bei dcn Akten lag, abcr übersehen worden 
war. Darin war der Irrtum berichtigt, aber die konser 
vative Pa teileitung war doch auf den Lapsus eiuge- 
pangen. Den Wählern, welche zwei Namen — nach den 
Wahlzetteln — nannten, wurde bedeutet, daß sie nur 
einen wählen dürfen, so kam es denn, daß einige Herrn 
x., andere den zweiten, Herrn 9)., wählten — nicht zum 
Vorteil der Partei. — Die eigenartige Verordnung für die 
Wahlen zum Landtag bereitete vielen Wählern Schwierig 
keit; sie erkundigten sich erst im Wahllokal, wen sie zu 
wählen hallen. Einige wählten bietst den LandlagSabge- 
ordneten. Andere, die sich Auskunft über die Wadi 
männer ihrer Partei eingeholt hatten, wählten schlnßlich 
die Wahlmänner der anderen Partei. ES kam auch vor, 
daß die „geschuppten" Wähler nicht die Wahlmänncr der 
Partei wählten, von der sie zur Wahl geholt wurden. — 
Aus dem Ergebnis der gestrigen Ersatzwahlen läßt sich 
trotz der in einzelnen Bezirken ganz bedeutenden Zunahme 
der Wähler weiter der „Zug nach links' festst llen. 
Während 1908 in der Hauplwahl nur 19 liberale Wahl- 
männer von 68 bestimmt gewählt waren, wurden gestern 
von 33 Mandaten LU liberale Wahlmänncr bistimmt ge 
wählt. In 5 Bezirken stehen die Liberalen mir 8 Wahl 
männern ln Stichwahl mit dcr Sozialdemokratie, in einem 
Bezirk mit den Konservativen. Die Konservativen er- 
oberten wieder zwei Mandate. DaS eine behielten sie und 
für daS andere, dak sie an die Liberalen verloren, ge 
wannen sie ein neues. Die Sozialdemokraten hielten ihre 
beiden Wahlmänner im 9. Bezirk, 3. Abteilung. Voraus 
gesetzt, daß die Stichwahlen zu Gunsten der Liberalen ver 
lausen, wird an dem Gesamtergebnis von 1908 nichis ge 
ändert. Für die Stichwahlen ist eine rege Wahibe- 
tetligung dringend notwendig. In den 5 Bezirken, in 
denen die Liberalen mit der Sozialdemokiatte mit 8 Wahl- 
männern in Stichwahl stehen, fehlten den Liberalen nur 
6—10 Stimmen, um schon im eisten Wahlgange zu siegen. 
Jeder Wähler möge daraus ersehen, wie sehr eS auf ferne 
Stimme ankommt und möge daher bei der Stichwahl 
am Montag, dem 24. Februar auf dem Posten fdn. 
Daß es auf eine einzige S.siir me ankommen könn, beweist 
die Wahl im 6. Bezirk, wo der liberal« Wahlmann, 
Kaufmann Michaelis, mit einer Stimme Mehrheit siegte. 
Die absolute Mehrheit betrug dort 179, Herr Michaelis 
erhielt 180 Stimmen. — Im Einzelnen hatten die 
gestrigen Ersatzwahlen der Wahlmänner in Friedenau 
folgendes Ergebnis: 
l. Bezirk, I Abteilung: Meineber (lib.) gewählt (8 lib., 1. kons.), 
3. Abteilung 2 SilchwahUn lib.-soz. (42 lib., 17'/, kons., 43'/, so.z.j; 
2. Bezirk, 1. Abteilung: Haustein (lib.) gewählt (8 llb., 1 kons.); 
». Bezirk, 2. Abteilung: Kalkbrenner und Keller (lib.) gewählt (2 lib., 
2 kons.. durch Loo) liberal bestimmt), 3. Abteilung: Stichwahl lib.- 
soz. (30 lib., 16 ko.is., 23 soz. 1 zerspl.); 4. Bezirk, 1. Abteilung: 
Behr (lib.) gewählt (8 lib., 2 kons); 5. Bezirk: 1. Abteilung: 
«kovnick (lib.) gewählt (20 lib., 12 kons ), 3. Ab eilung: Stichwahl 
lib.-soz. (IN lib. 37 kons.. 90 soz); 6. Bezirk, l. Abteilung: Bolck, 
ThiaS (lib.) gewählt (15 lib., 5 kons.), 2 Abteilung: Bieiing, 
Oettingcr (lib.) g. wählt (44 lib., LOkois), 3. Abteilung: Michaelis (lib.) 
gewählt (180 lib., 63 kons., 111 soz., 2 zerspl.); 7. Bezirk, 1. Ab 
teilung: Stichwahl lib-kons. (6 lib., 5 kons., 1 zer>p!,) 2. Abteilung: 
Kleinecke (kons) gewählt (10 üb., 14 kons., 2 zerspl.) 3. Abteilung, 
2 Eiichuahlen lib. so,. (55 56 llb., 28-29 kons. 44 soz ); 8. Bezirk; 
2. Ableilung: Lavgneff (kons.) gewählt (l0 lid., 13 kons, I zeiipl ): 
9. Bezirk, 1. Abteilung: Dreger (lib.) gewählt (5 lib.) 2. Abteilung: 
Hoher; (lib.) gewählt (10 lid., 6 kons., 3 soz.), 3. Abteilung: Holz, 
Mersederger (soz) gewählt (.0-17 lib. 6.1 kons.. 37.38 so,.): 10. Be 
zirk. 1. Lbterlunr: Pusch, Richau (lib.) gewählt (13 lib.. 6 kons.), 
2. Abteilung: Boick-SLwrrz (lib.) gewählt (33 lib., 21 kons.); 
11 Bezirk, 1. Ableilung: Mittel,'lädt (lib.) gewählt (14 lib. 12 ko s). 
2. Abtiilung: Neumann (üb) gewählt <98 üb., 52 kons); 12. Bezirk, 
2. Abteilung: Buckow (üb.) gewählt (29 lib., 13 kons.), 3. Adtellung: 
2 Stichwahlen lib.-soz. (HO lib., 44 kons, 82 soz.). 
EL wurden also gewählt 20 liberale, 2 konservative 
und 2 sozialdemokratische Wahlmänner. 9 Stichwahlen 
sind erforderlich, 8 lib.-soz., 1 lib.-kons. Insgesamt wurden 
abgegeben 880 liberale, 397 konservative und 434 sozial 
demokratische Stimmen; 10 Stimmen sind zersplittert. — 
DaS Wahlergebnis in den übrigen Orten unseres Wahl 
kreises ist nach vorläufiger Feststellung folgender: 
Südcnde 1 Liberaler und 1 Sozialdemokrat, Treptcw-Baum- 
schnlcnwkg 6 Liberale und 9 Socialdemokraten, Dahlem 1 Konservativer, 
Halensee 7 Liberale und 3 Konservative, in die Stichwahl kommen 
4 Lib. mit je 2 Kons, und 2 Sozd., Sloikow 6 Lib. urd 5 Kons., 
Zossen I Sozd. und 4 Kons.. Maricndorf 8 Liberale, 12 Sozial 
demokraten und 1 Kons., Britz 5 Lib. und 6 Sozd., Echlachtensee 
8 Lib, Trebbin 3 Sozd. und 1 Kons., Köpenick 17 Lib. und 22 Soid., 
ÄdierLhof 1 Lib.. 10 Sozd. und 1 Kons., KönrgS-Wusterhausen 3 Lid. 
2 Sozd. und 1 Kons., Steglitz 13 Lib., 14 Soz. uud 21 Kons: die 
Literalen kommen mit den Koi jcrvativen 8 mal, mit den Sozialdemo 
kraten 2 mal in Stichwahl: ferner kommt je eine Clichwahi zwischen 
Soz., Lib. und Kons, Trmpclhof 2 L:b., 8 So;, urd 3 Kons., Wil 
mersdorf 10 L:b., 11 Sozd. und 2 Kons.; erforderlich sind Stich 
wahlen der Lib. 18 mal mit Soz. und 10 mal Mlt Kons, der Sozd. 
3 mal mii den Konservativen. 
o Siegelung der Sonntagsruhe l'm Handels» 
gewerbe. Tie Vorlage über die Regelung der Eonniagk- 
ruhe im HandelSgrwerbe ist, wie man der „Voss. Zlg." 
schreibt, von den Ausschüssen deS BundeSrateS durchberalen, 
so daß dem Plenum deS BundeSrats bereits in der 
nächsten Sitzung Bericht erstatlet werden kann. Unter 
diesen Umständen ist damit zu rechnen, daß die Vorlage 
dem Reichstag bereits bald, jedenfalls aber noch in der 
gegenwärtigen Tagung zugehen wird. Es ist natürlich 
nicht anzunehmen, daß eine Durchberatung oder Verab 
schiedung bis zur Vertagung im Sommer möglich sein 
wird. Men darf annehmen, daß die endgültige Vorlage 
ln allen wesentlichen Purktrn mit dem Vorentwurf über 
einstimmen wird, der im vergangenen Jahr den Vertrelnngen 
von Handel und Industrie noch einmal zur Begutachtung 
unterbreitet war. 
o KouzcssiouSpslicht der Kinotheater. Die 
Petitionskcmmlsston des Reichstags besprach nach dem 
Referat detz R.-A. Dr. Pfeiffer die bekannte Eingabe des 
Deutschen DühnenvereinS um Erlaß schärferer Brstimmungen 
gegen die Kinematographentheater. Im Laufe der Debatte 
gab der Regierungskommifsar Gcheimrat Landmann die 
Eikläiung ab, daß drm Bundesrat ein Gesetzentwurf vor 
liege, in dem die Konzessionspfficht der Kinematographen' 
theater nach § 33a der Gewerbeordnung eingeführt werde; 
ferner sei auch die Bedürsnisfrage und eine Einschränkung 
der Reklame in Betracht gezogen. Dieser Gesetzentwurf 
werde, falls die Einbringung eines NeichStheatergeletzet 
sich verzögern sollte, alsbald und gesondert erfolgen. 
o Ja dcr Reifeprüfung am Hclmholtz-Neal« 
gymnasium, 20. Februar, bestanden alle neun Plüflingc; 
zwei wurden vom mündlichen Examen befreit. 
o Kirchliches. Am Sonntag, dem 23. Februar, 
VormitiagS 10 Ugr, wird Herr P'arrer Vctter den Gotles- 
i nst hallen. Für Nachmittag 6 Uhr hat Herr Stadt- 
mllsionSinspektor Pastor Mox Braun von dcr Jesukknche 
in Berlin (zum 1. April berufen an die Apostel PauIuS- 
klrchr in Schöneberg) die Predigt übernommen. 
o Zur 3. Klaffe der 2. Preußisch-Süddeutschen 
Klafseulolterie (228. König!. Preußischen) liegen die 
Lose gegen Vorzeigung dcr Vorklaffenlose vom 22. d. M. 
ob zur Einlösung bereit. Diese hat bis spätestens zum 
7. März zu erfolgen. Die Auszahlung der Gewinne der 
2. Klaffe findet vom 24 d. Mts. ab statt. Am 11. März 
oeginnt die Ziehung der 3. Klaffe, in welcher 10 000 Ge- 
winnc im Betrone von 2 277 197 M., darunter 2 Haupt 
gewinne zu je 75 000 M., gezogen werden. 
o Fricdeuaucr Wohuuugsauzelger. Wir er 
innern wiederholt daran, daß Erneuerungen von Wohnungk- 
anzeigen oder neuen Anzeigen über Vcimietung von Woh. 
iiungen, Läden, leeren oder möblierten Zimmern, Aleliets, 
Garagen, Ställen usw. jedesmal spätestens bis Sonn 
abend Mittag Punkt 12 Uhr im Besitz der SeschäflS- 
stelle, Rheinstraßc 15, sein müssen. Anzeigen, die nach 
12 Uhr einlaufen, mllsien bis zur nächsten Nummer zurück- 
flkstellr werden. Für nur 40 Pf. die Zeile erscheinen die 
WohnungS-Anzeigen eine volle Woche hindurch im 
„Friedenauer Lokal Anzeiger" und in den Anschlägen an 
den Wannsee- und Ringbahnhöfen in Fiiedenau und Berlin 
(Potsdamer Bahnhof). 
o „Ter Andere" von Dr. Paul Lindau, ein 
Filmdrama mit ganz besonderer Note, mit Albert 
Lassermanir in der Hauptrolle, kommt von heute ab im 
Biosontheater in der Rheinstcaße 14 in der Zeit von 
5—7, von 7—9 und von 9—11 Uhr. allabendlich ohne 
erhöhte Eintrittspreise zur Vorführung. H'ppolyt Taiue. 
ein fianzösischer Gclehiter, der vor 10 Jahren starb, hat 
die Behauptung aufgestellt und ln seinem Buch „Do 
l’iutelligeuce“ zu beweisen versucht, daß menschliche 
Gehirnarbrit mit einem chemischen Prozeß zu vergleichen 
sei und ein überarbeitetes Gehirn schließlich den Unrer- 
schied von Gut und Böse zu machen außerstande ist und 
so unbewußt zum gemeinen Verbrecher werden läßt, wer 
sich im Dienste wissenschaftlicher Exaktheit geistig aufreibt. 
Diese Hypothese ist nicht ohne Widerspruch geblieben und 
der Sireit der Meinungen platzte in den Krriseu der 
Psychiater wie der Juristen mächtig aufeinander. Dr. Paul 
Lindau hat dieses Problem aufgegriffen und versucht, uns in 
seinemRechtSanwaltDr.Haller« eine lypischrFtgur mit der er 
wähnten geistigen Belastung plastisch vor Augen zu führen. 
Der erfahrene Theatermann Paul Lindan weiß geschickt 
den Knoten zu schürzen und spannende Szenen zu schaffen, 
ob er den Beweis für TaineS Annahme erbracht, möchten 
wir bezweifeln. Dagegen liefert Albert Baffermann den 
untrüglichen Beweis seiner großen dramatischen Künstler- 
schaft. Das allein schon rechtfertigt einen Besuch der Vor 
führungen im Biofonrheater. 
o In den Pfalzburg.Lichtspielen, Kaifer-Allee 72, 
Eck« Bachestraße, findet morgen Sonnabend wieder eine 
große Jugendvorstellung mit besonder« ausgewähltem 
Programm statt. Abends kommt da? spannende Drama 
„Der Lpfertod", mit Wanda Treumann und Viggo-Larsen 
in den Hauptrollen zur Vorführung. (Vgl. Anzeige.) 
o Eine Kartosfelausstelluug findet in der nächsten 
Woche im Restaurant „Grenzschlößchen" (Inh. Wilh. Grube), 
Kreuznacher- Ecke Laubacherstraße statt. Diese eigenartige 
Ausstellung wild sicher das Interesse vieler finden. Wir 
bitten, die Anzeige in dieser Nr. gest. zu beachten. 
o Die Grube schon Eisbahnen sind wieder er 
öffnet. Wir können allen Freunden deS Eislaufs die 
Glube'schrn Bahnen, die größten im Westen Groß-Berlin«, 
bestens empfehlen. Nachmittags ist Konzert. 
o Vodendiebftähle sind in Friedenau wieder all 
täglich. Im Hause Rheinstraße 5 sind bereits in kurzer 
Zckt dreimal die Bodenoerschläge ausgeräumt worden. Die 
Täter wurden in den beiden letzten Malen gesehen. Beim 
vorletzten Male öffneten ihnen Mieter deß Hause« noch 
bereitwilligst die Haustür, damit sie mit dem gefüllten 
Waschkorb bequem hinauskamen. Trotzdem dadurch die 
Mieler gewarnt waren, ließen sie heute morgen gegm 
9 Uhr doch wieder die Spitzbuben mit den: vollen Wasch 
korb abziehen. Die Kriminalpolizei besitzt die Personen- 
beschreidung der Täter und ist ihnen auf der Spur. 
o Jugendliche Valkankriegcr aus Steglitz 
wurden in der Nähe von Posen festgenommen und de- 
finden sich heute schon wieder in unserem Nachbarort. 
Vier Söhne gut situierter Eltern, Schüler deS dortigen 
Gymnasiums, halten Mitleid mit den Türken und be 
schlossen, ihnen ihre nicht zu unterschätzende Hilfe anzu- - 
bieten. Am Sonntag machten sie sich auf die Socken, in 
den Taschen hatten sie zusammen 60 M. Waffen hatten 
sie nicht, aber Mut. Ueber Posen und Rußland wollten 
sie die Türkei erreichen und letzterer zum Siege verhelfen. 
Auf einer kleinen Station bei Posen fielen sie einem 
Beamten auf, der die 13 und 14 Jahre alten Kämpfer 
für die verlorene Türkcnsache festnehmen ließ. Die Türket" 
hat Pech! 
o Einem Brande zum lOpfcr gefall«« ist die 
12 Jahre alte Gertrud Schulz aus der Kaiserallee 112. 
DaS Kind spielte in der Stube Murmel, mobei eine Kugel 
unter ein Spind rollte. DaS Mädchen leuchtete mit einem 
Streichholz unter dcn Schrank, wobei seine Kleider in 
Brand gerieten. Nachbarn eilten auf daS Geschrei d»8 
Kindts herbei und warfen ihm Decken über. In sehr 
kritischem Zustande wurde daS Mädchen nach dem Lichler- 
felder KeciSkrankenhouS gebracht, wo eS bald seinen 
schweren Verletzungen erlag. Ein harter Schicksal für daß 
Kind und seine Eltern, ein Menschenleben um eine — 
Murmel. 
Vereins-Nacknchten 
Morgen Sonnabend tagen: 
Männer > Tuinrercin. Sonnabend findet im HvhenzoPr.1 eine 
Sitzung der Fcstball-Riege der 1. Minner-Abteilnng statt. Beginn 
10 Uhr nach dem Turnen der JüngltnaS Ableilung. — Die Jagend, 
man: schaft spielt Sonntag Bormitlag 10 Uhr gegen ,8riejc»' Berlin 
ln Steglitz. 
Schömberg 
—o Anläßlich der Hundenjahlserer des Aufrufs ,An 
mein Volk" ist von den Bürgern der Stadt eine Summe 
von 2600 M. zur Verteilung an unterstützungSbedürstige 
Beierailkn der KnegSjahrc 1864. 66, 70/71 aufgebracht 
worden. Tie Sladlo. Hasclbach und Gen. ersuchen den 
Magistrat, die gleiche Summe au§ dem Ueberschusse der 
Spaikaffe zu bewilligen, um bei der großen Anzahl der 
Veteranen eine angeweffene Unterstützung verteilen zu können. 
—o DaS Oberoerstcherungkamt Groß Berlin hat auf 
den Beschluß der städtischen Behörden im Dezember v. I. 
gemäß § 229 dcr NcichSoerstcherungSordnung genehmig», 
daß die Eritchtung einer Landkcavkerikoss» unterbleibt. 
Berlin und Vororte 
§o Am Bahnhof „Gleisdreieck' sillv die Albeiter zur 
Weileiführung der Lst-Westlinie feit Weihnachten um ein 
gutes Stück gesördeit worden. Während Tag und Nacht 
ungezählte Züge über daS GleiSgewirr deS AußenbahnhofS 
rollen, hat man in luftiger Höhe die schwere Eisen 
konstruktion, zwei hohe Diaduktträger von ansehnlicher 
Spannweite, über die massige» Pfetlerwerke gelegt, von 
denen das eine der Flucht der beiden Güterschuppen ein 
gereiht werden mußte, weil der Raum zwischen den 
Gleisen knapp bemessen ist. So sind bereits gegen 20 
Schienenwege überbrückt und ungefähr die Hälft« der 
neuen Hochbahnbrücke hergestellt, die ihrer Schwester, der 
nach der Bülowftraße führenden Brücke, an Länge und 
Wucht der Etsenmassen nichts nachgibt. Die andere Hälfte 
d«S VIaduktS, welche demnächst in Angriff genommen wird, 
soll sich auf einem mächtigen Pfeiler stützen, dessen Fuoda- 
mknie auf der Grenze des bahr fiskalische» Geländes schon 
im Bau begriffen sind. Bon hier aaS wird dann die
        
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