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Periodical volume Nr. 45, 21.02.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

Fm-emtt 
(Krledenauer 
Anparteiische Zeitung filr kommunale und blirgerliche 
Angelegenheiten. 
Bezugspreis Besondere 
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Rheinstr. 15,1,50 M. vierteljährlich; ourch 
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Jeden QHttwoch: 
CKujblatt „Seifenblasen". 
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Zeitung.) 
Organ für den Kriedenauer Ortsteil von Ichiineberg und 
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Keilagen Knzelgen 
Jeden Sonntag: 
Blätter für deutsche grauen. 
Druck und Verlag von Leo Schultz, Friedenau. 
SelchäftslteUer Bheinltr. 15. 
Reklamezeile kostet 
76 Pf. Belagnummer 10 Pf. 
femtpreeber: Hmt ptaljbnrg 2139. 
»r. 45 
Berlin-Friedenau, Freimg, den 21. Februar 1913. 
20. IaHrg. 
1913 
Friedenauer Adreßbuch 
ist erschienen. 
Preis 2 Mark. 
1913 
Verlag Rheinstraße 15. 
Oepelcken 
Letzte Nachrichten 
Berlin. Der FichHänüler Friedrich PeterS auS der 
Schönhäuser Allee 186a. der rin Schwindelunternehmen 
gründ'»« unter dem Namen Groß-Berliner Fischzentrale, 
ist g. flilchtet. 
Golenburg. Der schwedische Dampfer „Murjek" stieb 
bei Gotenburg mit dem russischen Dampfer .Hurrikane* 
zusammen. Die „Hurrikane" ist schwer beschädigt worden. 
Die Besatzung wurde an Bord der „Mure!" gerettet. 
London. Die britische Admiralität hat beschlossen, 
die englischen Eeestreitkräfte in der Nordsee auf acht 
Schlachtsch ffzeschwader zu erhöhen. 
London. Die Birmingham Daily, Post meldet, daß 
selbst der König und die Königin vor der Belästigung 
.durch fanatische Suffragetten nicht sicher seien. An zu 
ständiger Stelle hat man bisher darüber Schweigen be 
obachtet, daß die Frauenrechtlerinnnen auch in den Gärten 
des' vucktughampalast.s wie die Bandalen hausten. 
Athen. Bet Metzowo im Wtlajet Janina haben am 
Mittwoch türkische Truppen gemeinsam mit Abteilungen 
von Irregulären das griechische Lager von Deorenza 
anäegoffen, sie sind aber unter großen Verlusten zurück 
geschlagen worden. Bei Besani dauert der Artilleriekampf 
sorr. DaS Feuer der türkischen Batterien ist schwach. 
Konstantinopel. Ueber den neuen Landungso-rsuch 
Enoer BeiS erzählt ein heute eingetroffener Sch'fftkapiiän, 
einige lausend Mann unter Enoer Bet seien 7 Kilometer 
nordöstlich von Gallipolt gelandet, durch eine List der 
Bulgaren tnS Innere gelockt, mit heftigem Artilleriefeuer 
angegriff n und unter beträchtlichen Verlusten zurückgetrieben 
worden. Mehrere Transportschiffe mit Truppen sollen heute 
nach dem Golf von Jrmid (an der kleinastatischen Marmara- 
küst>) zurückgekehrt sein. 
Auslrunkls- und f urTorcjeTtelle für 
tuberkulöse in friedenau. 
Der Fürsorgearzt Herr. Dr. Heinecker gibt über 
unsere Auskunft«- und Fürsorgestrlle für Tuberkulöse, 
Kaiserallee 66, den folgenden Bericht: 
I. Aufgaben der Fürsorgestelle. 
Die Friedenauer Fürsorgestelle für Tuberkulöse verfolgt 
dieselben Ziele und arbeitet rach derselben Methode wie 
die übrigen bereit- vorhandenen 713 Fürsorgestellrn im 
Deutschen Reiche. Die Fürsorgestelle sucht die Tuberkulose 
ausfindig zu machen, wo sie überhaupt nur vermutet 
werden kann, um einerseits die Patienten einer geeigneten 
Behandlung ihres schweren Leidens entgegenzuführen und 
um andererseits auch die Gesunden darüber aufzuklären, 
in welcher Weise sie sich vor Anst ckung von snten der 
erkrankten Familienmitglieder zu schützen haben. 
Tritt in irgend einer Familie eln Fall von Tuberkulose 
auf, so wird sofort die ganze Familie „in Fürsorge ge 
nommen", d. h. eS wird die ganze Familie in regel- 
mäßigen Zeitabständen immer wieder untersucht, um fest 
zustellen, ob nicht außer bei dem offensichtlich Kranken 
auch noch bei dem einen oder anderen Famtlienmitgliede 
oie ersten Anzeichen einer beginnenden Tuberkulose zu 
finden sind. Je früher die Schwindsucht erkannt wird, 
desto rascher und desto sicherer ist sie heilbar! 
Die an Tuberkulose Erkrankten werden von der Für 
sorgestelle zur Kurbehandlung in geeigneten Anstalten 
untergebracht. Za diesem Zwecke übernimmt die Fürsorge- 
stelle den schriftlichen Verkehr sowohl mit den Lungenheil 
stätten, den WalderholunftSslätten und Krankenhäusern als 
auch mit den LandeSoerstch-'Ungsanstalten, den kommunalen 
Behörden, den Krankenkassen und sonstigen wohltätigen 
Einrichtungen, welche die Kosten deS Heilverfahrens zu 
tragen bereit sind. Die erforderlichen Anträge auf Be- 
wtlligung der Kurkosten werden von der Fürsorgestelle an 
den für jeden einzelnen Tikcankungsfall in Frage kommenden 
Stellen eingereicht. 
Kehrt ein Tuberkulöser aus der Anstalt als geheilt 
in seine Familie zurück, so behält ihn die Fürsorgestelle 
auf auSdrücktichen Wunsch der LalideSvelstcherungSanstallen 
in dauernder Beobachtung, um einen etwaigen Wieder 
ausbruch seines Leidens rechtzeitig erkennen und sofort 
wieder energisch bekämpfen zu können. 
Die Leitung der Fürsorgestelle liegt in den Händen 
eineS ArzteS, der die Untersuchung der Erkrankten ausführt 
und den schriftlichen Verkehr mit den vorerwähnten 
Korporationen unterhält. 
I de Auskunft in Fragen der Tuberkulosebekämpfung 
wird bereitwilligst erteilt, ebenso werden die ärztlichen 
Untersuchungen auf Tuberkulose bei jedermann kostenlos 
vorgenommen. 
Dem Arzte steht die Fürsorgeschwester als Mithelferin 
zur Seite. Sie besorgt die Büro- und Laboratoriums 
arbeiten und besucht die tuberkulösen Familien von Zeit 
zu Zeit in ihrer Wohnung, um auf eine genaue Durch 
führung der vom Arzte gegebenen hygienischen Vor 
schriften zu achten. 
II. Bisherige Tätigkeit der Fürsorgestelle. 
Die Fürsorgestelle ist am 15. Juni 1910 unter Be 
teiligung von Vertretern der OrtSbehörden, der Kirchen 
gemeinde, der Schulen, der hiesigen Vereine und auch 
auswärtiger Fürforgestellen eröffnet worden. Die Für- 
lorgrstelle befindet sich im Hause Kaiserallee 66. Die 
ärztlichen Sprechstunden werden am DienStag von 12 bis 
1 Uhr füc Frauen und Kinder abgehalten. Die Fürsorge 
schwester ist täglich am Vormittag von 12—1 Uhr in der 
Fürsorgestelle zu sprechen. 
ES sind bisher 427 Familien in Fürsorge genommen 
worden und zwar: 
1910 1911 1912 
92 Jamilen 131 Familien 204 Familien, . 
In jeder dieser Familien leidet mindestens ein Mitglied 
an Tuberku ose, in manchen Familien sind' eS deren sogar 
mehrere. 
Die zahlreichen Kinder dieser Familien sind fast durch 
weg skrosulöS. 
Aerztltche Untersuchungen der Lungen auf Tuberkulose 
sind bisher ausgeführt worden: 
1910: 453 Untersuchungen. 
1911: 8-6 , 
1912: 1036 , 
Soweit bei den Patienten Auswurf vorhanden war, 
ist die physikali'che Untersuchung der Lungen durch die 
mikroskopische Untersuchung deS Auswurfes ergänzt worden. 
, Die Fürsorgestelle hat bisher untergebracht in: 
kr) Heilstätten: 
d) Walder- 
e) Kranken 
häusern: 
1910 
1911 
1912 
Männer 
6 
21 
19 
Frauen 
8 
13 
20 
Kmbpr 
3 
4 
10 
Männer 
1 
3 
1 
Frauen 
3 
6 
1 
Kinder 
3 
4 
7 
Männer 
5 
1 
5 
Frauen 
6 
8 
6 
K'nder 
2 
2 
1 
Jurgesumt 
37 
s- 62 -i 
hti9 = 
Im ganzen sind bisher also 168 Personen auf Ver 
anlassung und durch Vermittelung der Fürsorgestelle einer 
energischen Behandlung threS schweren Leidens teilhaftig 
geworden. 
Die leichter erkrankten Tuberkulösen, die der AnstaltS- 
behandlung n'cht bedürfen, stehen unter ständiger ärztlicher 
Beobachtung von seiten der Fürsorgestille und werden ins 
besondere durch die Fürsorgeschwester bei deren Haus 
besuchen zu einer gesundheitsgemäßen Lebensweise ange 
halten. 
Von der Fürsorgeschwester sind zu diesem Zwecke bisher 
im Jahre 1910: 642 Hausbesuche 
„ 1911: 1987 , 
1912: 1693 
gemacht worden. —- Wenn die Zahl der Besuche im Jahre 
1912 zurückaeaana-n ist so Legt t-aS daran, daß stchmit 
Der Staatsanwalt. 
fern H. Hill. 
39. MM Mittag 
„Also hören Sie. Dieses Telegramm geht an die 
Kriminalpolizeibehörde in London, um einen geschickten 
Photographen herzubestellen, der Ausnahmen von den 
Fenstern machen soll. Und nun kommt Ihr Amt: Ehe 
dieser Beamte sämtliche Fenster im Erdgeschoß einer ge 
nauen Untersuchung unterzogen, darf keines davon berührt 
werden. Darauf sollen Sie aufpassen. Aber ich wünsche 
nicht, daß Sie über diesen Auftrag sprechen. Gehen Sie 
nur durch die unteren Zimmer, und erst wenn Sie merken, 
daß jemand sich mit einem Fenster zu schaffen machen 
will, dann verhindern Sie ihn daran. Wenn nötig, sagen 
Sie, daß es in meinem Auftrag geschieht. Aber wohl 
verstanden, nur wenn es durchaus nötig ist, denn ich 
wünsche nicht, daß es bekannt wird, daß ich ein Interesse 
daran habe, auch die übrigen Fenster im Erdgeschoß, 
außerdem im Billardzimmer, in ihrem jetzigen Zustand 
zu belassen." 
„Ich verstehe Sie wohl, Herr Inspektor, aber ist es 
nicht ein bißchen viel, wenn ich alle die Fenster im Erd 
geschoß zu gleicher Zeit beobachten soll?" meinte Friedrich 
zweifelnd. 
„Durchaus nicht, denn ich bin der festen Ueberzeugung, 
es wird niemand den Versuch machen," beruhigte ihn 
Black. „Außerdem werden Wachtmeister Winter und ich die 
Fenster ebenfalls im Auge behalten, sobald wir uns Sir 
Williams Schlafzimmer angesehen haben. Es ist nur eine 
Vorsichtsmaßregel, um zu verhindern, daß etwaige Spuren 
verwischt werden, ehe der Sachverständige sie gesehen hat, 
und sie muß ganz unauffällig ausgeführt werden, wenn 
sie von Wert sein soll." 
Friedrich nahm die Depesche entgegen und verließ die 
Bibliochek. und Black wollte ihm eben folgen, als er den 
Kopf wieder hereinftreckte und meldete, der Gendarm Eollin 
sei draußen und wünsche den Wachtmeister Winter sofort 
zu sprechen. 
Black eilte hinaus und fand den Polizisten, der ein 
feines, kleines Spitzentaschentuch, das mit Blut beschmiert 
war, vorsichtig zwischen Daumen und Zeigefinger hielt. 
Er weigerte sich, seinen unheimlichen Fund herzugeben, ehe 
sein Borgesetzter von oben heruntergeholt würde. 
Auf ein Zeichen von Black ging Friedrich hinauf und 
kam bald in Begleitung des Wachtmeisters und Herrn 
Trenkleys zurück. 
„Wo haben Sie dies gefunden?" fragte ersterer und 
nahm seinem Untergebenen das Taschentuch ab. 
„Es hing an einem Rosenbusch am Rande des Tennis 
platzes," war die Antwort. „Wenn man auf dem kürzesten 
Wege von dem Fenster des Billardzimmers nach dem Pari 
gelangen wollte, so müßte man dort vorbei." 
Herr Trenkley, der sich bis jetzt bescheiden im Hinter 
grund gehalten hatte, stürzte jetzt plötzlich vor und deutete 
aufgeregt auf das Stückchen Baust. 
„Sehen Siel" rief er, „es sind Buchstaben darauf." 
Sofort beugten sich die Köpfe Blacks und Winters 
über das elegante kleine Tuch, und der Wachtmeister sagte: 
„Donnerwetter, Herr Trenkley hat recht! Hier stehen 
die Buchstaben O. M. in Seide gestickt in der Ecke. Dies 
dürfte uns doch auf die Spur bringen." 
Aber Inspektor Black sagte gar nichts, diese beiden 
Buchstaben hatten ihm ein ganz neues Feld eröffnet. Ihre 
schreckliche Bedeutung zwang ihn zu einem Kapitel zurück 
zukehren, das er seit gestern als abgeschlossen betrachtet 
hatte, dasselbe Kapitel, das ihn veranlaßt hatte, seinen so 
angenehm verlaufenen Besuch in dem Schloß des verarmten 
Barons zu machen. 
O. M. konnte nichts anders heißen als Olivia Mait- 
land, und wenn .ihm auch gesagt worden war, die junge 
Dame sei in Frankreich, so wußte er nur zu gut aus seiner 
reichen Erfahrung, daß, wenn es sich um Mord handelt 
die Leute nicht immer wirklich da sind, wo sie sich angeb- 
lich aufhalten sollen. 
20. Kapitel. 
I n der Falle. 
Nachdem Julius Penfold dis Haustür leise hinter sich 
geschlossen hatte, eilte er mit schnellen Schritten davon. 
Wenn er sich auch überredet hatte, es könne nichts schaden, 
wenn er seinen Posten auf kurze Zeit verließe, so war sein 
Gewissen doch nicht ganz beruhigt, und er beschloß so rasch 
zurückkehren, als es nur irgend möglich sei. Er konnte und 
durfte Olivias verzweifelten Hilferuf nicht überhören, aber 
er wollte alles tu», was in seinen Kräften stand, um sein 
Amt bei Sir William in allerkürzester Zeit wieder aufzu 
nehmen. 
Ein anderer Grund, der ihn zur Eile trieb, war der, 
daß er sich nicht erklären konnte, was das Mädchen veran 
laßt haben könne, mitten in der Nacht seine Hilfe zu er 
bitten, da sie doch bei Verwandten wohnte, die mehr 
Recht auf ihr Vertrauen hatten als er. Ihr offenbar hastig 
hingeworfenes Billett hatte keinen bestimmten Grund ange 
geben und nur gesagt, sie sei in großer Verzweiflung, 
und wenn sie ihn nicht vor Tagesanbruch sehen könne, so 
würde sie vor Angst sterben. Der Rest des Schreibens be 
stand aus ausführlichen Anweisungen, wie er sie erreichen 
könne, ohne daß ein Einwohner des Schlosses außer ihrem- 
treuen Boten es merkte. 
Vor wem hatte das schöne Mädchen, dem er gestern 
seine Liebe erklärt hatte, so tödliche Angst? Die Mühe, die 
sie sich gab, damit sein mitternächtlicher Besuch geheim 
blieb, deutete darauf hin, daß Sir William Graßman damals 
recht gehabt hatte, als er behauptete, sie' fürchte sich vor 
ihrem Vetter. 
Und doch war es kaum zu glauben, daß der menschen- 
freundliche Kranke mit dem Ehristuskopf ihr solche Furcht 
einflößte, daß sie sich gezwungen sah. die Hilfe ihres Liebsten 
ln.iurusen, zu einer Stunde, wo andere Le>-.e friedlich 
schliefen. Wie konnte ein halb gelähmter Mensch, der tn einem 
Krankenstuhl umhergefahren wurde, so furchtbar sein? 
(Fortsetzung folgt.)
        
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