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Periodical volume Nr. 44, 20.02.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

(Friedenauer 
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Pr 44. 
Berlin-Friedenau. Donnerstag, den 20. Februar 1913. 
20. Iahrg. 
Friedenauer Adreßbuch 
1 04 ist erschienen. 1 Ql Q 
Preis 2 Mark. it/X*X 
Verlag Rheinstraße 15. 
vepescken 
£etjtc Hachrichten 
Berlin. In preußischen Finanzministerium besteht 
der „Lib. Korr/ zufolge der Plan, schon vor der für 
später in Aussicht genommenen allgemeinen Revision der 
Beamiengehälter die Gehälter der Richter zu erhöhen und 
dadurch die Gleichstellung mit den Oberlehrern, die vor 
einiger Zeit erreicht wurde, wieder zu beseitigen. 
Soest. Beim Abbruch eines Hauses an der Möhne- 
talsperre wurden zwei Arbeiter von einer Gtebelwand ver 
schüttet. Sie wurden als Leichen geborgen. 
Nizza, In der vergangenen Nacht statteten Ein 
brecher der Billa des Kämmerers des Kaisers von Oester 
reich, Baron o. OttenfelS, einen Besuch ab und stahlen 
Juwelen im Werte von etwa 100 000 M. 
Tokio. Ja dem Bezirk Kanda in Tokio ist heute 
früh Feuer auSgebrochen. Hunderte von Häusern sind 
niedergebrannt. 
Paris. Rach einer Pariser Blättermeldung hat der 
DioistonSgeneral im Ruhestande Alexander Dumas sem 
Hau» in Boulogne-sur-Seine bet Pari» vor 16 Monaten 
verlassen und ist seither.verschollen. 
Bukarest. Die Erregung im Lande über die Ver 
zögerung der 'Verhandlungen mit Bulgarien hält unver« 
mindert au. Rumänien beharrt energisch aus seiner For 
derung der Abtretung eine» Streifen Landes, der von 
Sllistrta nach Baltschik am Schwarzen Meere» nordöstlich 
von Warna reicht. Die Haltung Bulgariens gegenüber 
dieser Forderung ist noch immer ablehnend. Die Groß 
mächte haben sowohl in vukurrst wie in Sofia interveniert, 
um den Ausbruch eines Krieges zu vermeiden. 
Konstantinopel. Die tendenziösen Meldungen über 
die Ereignisse bei der Landung bei Scharköt werden durch 
Meldungen ntchitürkischer Augenzeugen der Kämpfe vom 
8 , 9. und 10. d. M. widerlegt. Nach diesen Berichten ist 
die Landung der Türken vollkommen geglückt. Die 
Bulgaren wurden unter beträchtlichen Verlusten zurückge- 
schlagen, während die Verluste der Türken an allen drei 
Kampftagen nur 17 Tote und 53 Verwundete betrugen 
und kein Türke als Gefangener in die Hände der Bulgaren 
fiel. Die Wtedereinschrffung der Truppe» am 10. Februar 
Der Glaalsantvalt. 
Bob H. Hill. 
38, P*0»nur irrtet««.) 
Der Mörder hat wahrscheinlich sein Opfer für tot 
liegen lassen ?" bemerkte Winter. 
„Das durfte er wohl, nachdem er ihm eine solche 
Wunde beigebracht hatte," war die Antwort.. „Es ist ein 
Wunder, daß der Tod nicht sofort eintrat. Ich habe den 
Verletzten in ein anderes Zimmer bringen lassen, damit 
die Herren von der Polizei den Schauplatz der Tat unter 
suchen können, ohne ihn zu beunruhigen. Augenblicklich 
ist er ohne Bewußtsein, und ich fürchte, er wird nie wieder 
den Mund zum Sprechen öffnen." 
Nachdem der Arzt gegangen war, erhob sich Black 
aus seiner bequemen Lage und gab Winter ein Zeichen, 
ihm in eine Ecke zu folgen, wo ihr Gespräch nicht gehört 
werden konnte. 
„Diese Sache geht Sie an," sagte er leise, „und ich 
möchte mich nicht hineinmischen, ehe mir von oben be 
fohlen wird, die Sache in die Hand zu nehmen. Ich 
will ihnen ganz offen gestehen, daß ich bestimmt erwarte, 
daß dieser Befehl eintreffen wird, sobald die Meldung nach 
London gelangt, denn der jetzige Fall hängt mit dem 
Fall Brown eng zusammen, es ist tatsächlich nur e i n 
Fall. Wenn Sie also wünschen, daß ich die Untersuchung 
gleich mit Ihnen aufnehme, so würde uns das nachher 
Zeit ersparen, und wir könnten gleich Hand in Hand 
arbeiten." 
„Ich bin stolz, mit Ihnen arbeiten zu dürfen," versetzte 
der Wachtmeister kurz. „Nichts könnte mir lieber sein." 
„Dann wollen wir damit beginnen," fuhr Black laut 
fort, „das Fenster des Billardzimmers in Augenschein zu 
nehmen. Herrn Trenkleys Mitteilung hat mein Interesse 
erregt, und wir können von dort aus versuchen, den Weg 
des Mörders zu verfolgen." 
verlief ohne Belästigung seitens der Bulgaren und erfolgte 
auf Befehl aus Konstantinopel. 
Kalkutta. Die Gährung, die der Balkankrieg unter 
dkr mohammedanischen Bevölkerung verursacht hat, dauert 
unvermindert fort. Die anglo-indische Presse weist auf 
dir Leidenschaft der Reden hin, die hier gehalten werden, 
und auf die Bestrebungen, einen Boykott zu veranstalten. 
Mas uns in srieclenau noch fehlt? 
ES wird unS geschrieben: 
Die verschiedenen ermunternden Zuschriften, welche ich 
auf meine Anregung zu einem Friedenauer Stadttheater 
erhalten habe, veranlaffen mich zunächst allen denen zu 
danken, welche mir ihre Bereitwilligkeit zur Mithilfe im 
Falle der Inangriffnahme dcS Plans zugesagt haben. 
Ganz besonder» freute mich die Anregung deS Herrn II., 
welche dieser in seinem Artikel vom 16. d. M. gegeben, 
und glaube ich, daß hiermit wohl der Nagel auf den Kopf 
getroffen ist. Daß unS in Friedenau ein derartiges Ge 
bäude. ein richtiges Kunst- und VereinShauS wirklich 
fehlt, ja daß eS für unseren Ort ein dringendes, auf die Dauer 
unabwendbares Bedürfnis ist, wird niemand abstreiten 
können, weil jeder Verein, jede Gesellschaft, ja überhaupt 
jeder, der in Friedenau eine größere Festlichkeit oeran- 
stalten oder einen öffentlichen Dortrag halten will, diesen 
Mangel am eigenen Leibe.erfahren muß. Die paar hier 
noch vorhandenen Prioatsäle entsprechen nun einmal ab 
solut nicht mehr dem Bedürfnis der Neuzeit und erweisen 
sich in jeder Hinsicht als unpraktisch und unpassend, die 
Kommune aber kann ihre Schul« und sonstigen Festsäle 
und selbst den projektierten RathauSfestsaal nicht zu allen 
Stunden und allen Gelegenheiten hergeben. Darum noch 
mals Dank dem Herrn 8 für seinen schönen Gedanken, 
treten wir dem näher, dann haben wir einen Theater-, 
Konzert-, Ball», BortragS-, Vereins- usw. Festsaal, der sich 
durch den RestaurationSbetrieb und alle seine anderen Ein 
nahmequellen auch sicher selbst erhalten wird und dessen 
Bauprojekt kein gewagte», phantastisches Unternehmen ist. 
Ich bitte deshalb um noch recht viele Zuschriften an die 
Redaktion von Herren, welche sich zur Mithilfe bereit 
erklären. a M- Gr. 
£ohales 
(Nachdruck unserer o-Originalartikel nur mit Quellenangabe gestattet.) 
o Die finanziellen Schwierigkeiten der Ge« 
meinden machen sich besonders bei den j-tzt schwebenden 
VoranschlagSverhandlungen bemerkbar. Unsere Nachbar- 
gemeinde Steglitz wird trotz des 110 Proz. Einkommen 
steuerzuschlages gezwungen sein, zur Gleichstellung ihre» 
Voranschlages eine Summe von nicht weniger als 267000 M. 
au« dem SteuerauSgleichSiondS zu entnehmen; in Friedenau 
Der Sekretär beeilte sich, die beiden Herren in das 
Billardzimmer zu führen, das ungefähr in der Mitte an 
einem langen Korridor lag, der von der Vordertür nach 
den hinten gelegenen Räumen für die Dienerschaft führte. 
Es war ein ziemlich gcräuiniges Zimmer mit einem großen 
Billard, aber es besaß kein Oberlicht. Wie in vielen 
Privathänsern, wo nur selten bei Tageslicht gespielt wird, 
kam dieses durch zwei gewöhnliche Fenster herein, während 
an der Decke über dem Billard zwei elektrische Lampen 
angebracht waren. 
„Dies ist das Fenster, das nur angelehnt war," sagte 
Trenkley, auf das weiter entfernte zuschreitend. „Auf meine 
Anordnung hat man es genau so gelassen, wie es gefunden 
wurde." 
„Also das Fenster war zu, aber nicht verriegelt?" 
fragte Black. 
„So ist es," erwiderte Trenkley. „Oer Mörder muß 
das Fenster geschloffen haben, nachdem er seinen Rückzug 
bewerkstelligt hatte." 
Black stieg auf einen Stuhl und betrachtete sich den Riegel 
genau durch eine Taschenlupe, vermied jedoch sorgfältig, 
ihn zu berühren. Die Besichtigung dauerte wenigstens 
zehn Minuten, dann bat er plötzlich darum, hinausgeführt 
zu werden. Er nahm den Stuhl, auf dem er gestanden 
hatte, mit und folgte Trenkley in den Korridor und durch 
eine Seitentür in den Garten. Dort stellte er den Stuhl 
vor das Fenster, unterwarf dieses auch von außen einer 
sehr genauen Beobachtung, nicht nur den Flügel, sondern 
auch das Fenstersims und die Wand darunter. Der Boden, 
der auch sehr genau besichtigt wurde, konnte keine Geheim 
nisse verraten, denn es war ein hart gewalzter Kiesweg, 
der rings um das Haus herumlief. 
»Ja, ja," sagte der Inspektor und schnaufte ein wenig 
nach seiner Anstrengung,,„das Fenster hat eine Geschichte 
zu erzählen, aber um sie zu verstehen, müssen wir einen 
unserer Photographen von der Kriminalpolizei in London 
kommen lassen, damit 'er die Fingerabdrücke aufnimmt." 
Wachtmeister Winter gab feint Zustimmung durch ein 
werden nur 51000 M. auS den Ueberschüssen der Vor 
jahre herangezogen. 
o Heranziehung der Gesellschaften ui. b H. zur 
Grmeindeeinkommensteuer. Um Abänderung deS 
Kommunalabgabenges.tzcS dahin, daß an Stelle der Gesell 
schafter die Gesellschaften mit beschränkter Haftung ebenso 
wie die Aktiengesellschaften mit ihrem gesamten Gewinn 
zur Gemeindecinkommensteuer zu veranlagen sind, hat der 
Vorstand de» preußischen Landgemeindeorrband S in 
Berlin-Friedenau petitioniert. Die Gemeindekommission 
deS Abgeordnetenhauses hat diese Petition der Regierung 
alS Material überwiesen. Die Abänderung würde eine 
schärfere Heranziehung der Gesellschaften mit beschränkter 
Haftung in dreifacher Beziehung zur Folge haben. Erstlich 
würde eine Beseitigung der steuerlichen Vorteile, welche 
bei der Veranlagung der Gesellschafter einer Gesellschaft 
m. b. H. diesen infolge der Degresston de« Tarifs zuteil 
werden, erfolgen. Zweitens würde für die Gemrinde- 
einkommensteuerzuschläge der höhere Tarif deS 8 18 deS 
Einkommensteuergesetzes statt deS Tarifs in 8 1? derselben 
alS Grundlage eintreten. Drittens würden die Gesell 
schaften m. b. H., welche Gesellschafter einer anderen 
. Gesellschaft m. b. H. seien, nicht allein für sich, sondern 
auch alS Gesellschafter einer Gesellschaft m. b. H. indirekt 
steuerpflichtig werden. Tie bisherigen gesetzlichen Be 
stimmungen haben für die Gemeinden eine ungünstige 
Wirkung gehabt. Regierungsseitig wurde die Erklärung 
abgegeben, daß diese Frage einen Gegenstand eingehender 
Erwägungen bildet und bei der bevorstehenden Revision 
deS KommunalabgabengesetzeS diese Materie zweckent 
sprechend geregelt werden soll. Ein Teil der Kommission 
war mit den Tendenzen der Petition nicht einverstanden, 
die den Charakter der Gesellschaft mit beschränkter Haftung 
vollständig verkenne und sie der Aktiengesellschaft steuer 
pflichtig gleichstellen wolle. Die Grsellschasten m. b. H. 
seien nach wie vor in steuerlicher Hinsicht den Handels 
gesellschaften gleichgestellt. Es wurde betont, daß die vor 
geschlagene steuerliche Behandlung der Gesellschaft m. b. H. 
im Parlament sehr zahlreiche Gegner finden werde. 
o Eine nachahmenswerte Polizelverordnuug 
betreffend den Handel mit Nahrung»- und Genußmitteln 
hat Polizeipräsident von Jagow für den Landerpolizei 
bezirk Berlin soeben veröffentlicht; sie tritt am 1. April 
dieses JahreS in Kraft. Die Verordnung bestimmt u. a.: 
Räume, in denen NahrungS- und Genußmlttck zubereitet, auf. 
bewahrt und feilgehalten weiden, müssen, stweit die sachgemäße Be 
handlung der Nahiungs- und Genußmittel dem nicht entgegensteht, 
trocken und leicht zu lüften sei. Eie sind in gutem baulichen Zustand, 
sauber uvh frei von üblen Gerüchen zu Hallen. Sic bücken nur dem 
elgeutlichen Gffchästszweck dienen, als wohn- oder Schlafiäume nicht 
benutzt werden und mit Ställen und Aborlanlagen nicht in direkter 
Verbindung stehen. Nicht dahin gehörige Gegensttide, insbesondere 
Betten, Kl'ider, Wäsche und allecket Gerümpel dürfen in ihnen nicht 
aufbewahrt w-rden. Auch find in Räumen, in denen Eßwaren zu 
bereitet und verkauft werden, Hunde und Katzen nicht zu dulden 
kurzes Nicken zu verstehen, und Trenkley, der sich zufrieden 
die Hände rieb, wie jemand, der einen nützlichen Dienst 
geleistet hat, schlug vor, in das Billardzimmer zurückzukehren, 
damit er von dort aus ihnen den Weg zeigen könne, den 
der Mörder voraussichtlich eingeschlagen haben mußte. 
So geschah es denn auch, aber als sie das Zinimcr 
wieder verließen und eben die Treppe hinaufsteigen wollten, 
blieb Black stehen. 
„Ich möchte die Depesche nach London schreiben und 
abschicken, und ich habe gesehen, daß da drinnen alles vor 
handen ist," sagte er und deutete nach der Bibliothek. 
„Wollen Sie, bitte, unterdessen mit Herrn Trenkley voran 
gehen, Herr Wachtmeister, ich folge Ihnen, sobald ich das 
erledigt habe." 
Er verschwand ln der Bibliothek, schrieb sein Tele 
gramm und drückte dann auf die elektrische Klingel. 
Darauf erschien Friedrich, der Diener, der Julius am Abend 
von Browns Ermordung in die Speisekammer geführt 
hatte, und den Black infolge der damaligen Ver 
nehmungen schon kannte. Seitdem die Familie sich auf dem 
Lande befand, versah der junge Mann die Obliegenheiten 
eines Hausmeisters, und da er sich sehr tüchtig und 
zuverlässig zeigte, so war vorauszusehen, daß er diesen 
Posten für die Dauer behalten sollte. 
„Guten Morgen, Friedrich," sagte der Beamte, der in 
London einen günstigen Eindruck von dem jungen Menschen 
empfangen hatte. „Das ist eine böse Geschichte, und ich 
brauche Ihre Hilfe. Erstens sollen Sie eine zuverlässige 
Person mit diesem Telegramm nach der Post schicken. Es 
ist in Chiffreschrift, und der Bote kann es affo nicht lesen. 
Wenn dies erledigt ist, werden Sie dann Zeit haben, per 
sönlich ein vertrauliches Amt zu übernehmen?" 
„Ich werde mir selbstverständlich Zeit dazu nehmen, 
Herr Inspektor. An einem Tage wie dieser, muß man 
natürlich Ausnahmen von dem gewöhnlichen Lauf der 
Dinge machen." 
zForffctzung folgt.)
        
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