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Periodical volume Nr. 42, 18.02.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

(Kriedenairer 
Anpartcktsche Zeitung für k-mmmule und bürgerliche 
Augelegeubeiteu. 
Kefonderr 
vezugsprels 
bet Abholung aus der Geschäftsstelle, 
Rhetnstr. 15,1,50 M. vierteljährlich: durch 
Voten inSHaus gebracht 1,80M., durch die 
Post bezogen 1,92 M. einschl. Bestellgeld. 
Jeelen CQlttwo<ht 
„Seifenblasen". 
f»rnTpi-«bers Hmt ptaljbnrg 3139. tÄgsld) (ißCttbö. 
Zeitung.) 
Organ für dm Kriedmairer Kristeil van Zlhöneberg nnd 
KeNagen 
Jeelen Sonntag: 
Klarier für deutsche stauen. 
Druck und Verlag von Leo Schultz, Friedenau. 
Geschäftsstelle: Rbeinstr. ,Z. 
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werden bis 12 Uhr mittags angenommen. 
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Raum 80 «Pf. Die Reklamezeile kostet 
75 Pf. Belagnummer 10. Pf. 
sernsprecker: Hmt Ptaljbarg 8139. 
Mr. 42. 
Berlin Friedenau Dienstag den 18 Februar I9IB 
20 Aahrg 
DepeTcben 
Letzte Nachtickten 
Konstantinopel. In Kreisen de- MarineministertumS 
liefen gestern Abend Gerüchte um, daß'die Bulgaren nach 
hartnäckigem Kampfe die Fons Vikioiia und Napoleon, 
die beiden wichtigsten Festungswerke von vulatr auf Tallt- 
Polt, genommen hätten. ^ > - 
Konftantinopei. Das bet Karaburnu am Schwarzen 
Meere aufgelaufene türkische Panzerschiff „Affart-t-Tewfik" 
gilt für verloren» da e» zu kostspielig sein würde, et ab 
zubringen. Die gröberen Geschütze sind an Bord geblieben, 
die leichten sind geborgen. 
Posen. Der Schmuggler Joseph Ziolkowiki wurde 
bei Elgischewo, als er sich auf einem Kahne auf dem 
Gcenzflüßchen Drewenz befand, von einem russischen Grenz 
soldaten erschossen. 
Washington. Der Präsident von M-xiko, Madrro 
hat in einem Schreiben an Präsident Tast Verwahrung 
gegen die Entsendung amerikanischer KcsigSschffe in 
mexikanische Gewässer und die Landung amerikanischer 
Truppen in Mexiko eingelegt und dieses Vorgehen der 
Bereinigten Staaten als provokatorisch bezeichnet. 
Voranschlag 1913 
lSchiub.) 
Die Straßenbeleuchtung kostet die Gemeinde 
110 224.18 M. Die Einnahme stellt sich auf 893,38 M. 
(488 M. mehr). Es sind di-S Beiträge der Nachbarge 
meinden für Beleuchiung an den OrlSgrenzen. Die Aus 
gabe beträgt 111 117,80 M. ES brennen in Friedenau 
18 ganznächtige. 9 haldnächtige Flammenbogenlampen 12 
Bmp., 120 ganznächtige, 102 halbnächtige Flammenbogen 
lampen 8 Amp., 68 ganznächtige, 49 haldnächtige gewöhn» 
liche Bogenlampen, 4 ganznächtige, 1 haldnächtige Metall- 
sadenlampe und eine GaSlaterne. 
DaS Hauptinteresse beansprucht wohl der Voranschlag 
der Steuerverwaltung. Wir lassen ihn hier vollständig 
folgen: 
Einnahmen: Personallleutrn 
100 Proz. der Etaatseirkommmllkuer, rilschi. 
der nicht staatseinkommenstcnnpflichligea Ein- gegen 
kommen von 660—900 M. und von Steuern 1912 
der Forensen 864500+.00000 
Realsteuern 
100 Proz Zuschläge zur Netnebrst urr . . . 2 400 — 
Gewerbesteuer 150 Proz. der staall veranlagten 
Betröge der Klaffen 1—III, 100 Proz. der 
Klaffe IV 60 000+ 2 500 
Gemeilidkgruubsteuer mit 2,70 Proz. der gemeinen 
Wertes der bebauten Giundftück: und 5.40 Proz. 
der unbebauten Grundstücke ....... 497 900 + 4 700 
1 421800+ 107 2 0 
Indirekte Steuern 
Viersteuer , 15 000+ 15 000 
Umsatzsteuer 85 0(0 — 5 000 
Anteil an der ReichSwertzuwachssteuer ... 10000 — 
H -nbesteuer 35000+ ,5000 
LustbarkellSsteuer ; 5 ooo + 200 
Insgemein 
Hundefieuer-S,setzmark n 100 — 
Ordnungsstrafen . 50 — 50 
Insgesamt 1 oH 950+ .22 3ju 
Ausgaben 
Kreissteuerii 24'/, Proz. von den Personalsteuern, 
der Giweibefteuer Kaffen III u IV u> d dir 
Lelliedtsteuer sowie 49 Proz. von der Ge- 
werbesteurr Klaffen l und II und ven der 
Grund, u. GcbLi. desteuer als Krelsg-undsteuer 300 798+ 31 542 
Steuerrückzahlungen 5 000+ 3 000 
Hundesteuermarken . 50 — 
Insgesamt 80.8.8+ 34 542 
llebers a.utz 1 269 101 M. 
Der Zuschlag für die Grundwerifteuer beträgt nach 
dem festgesetzten Tausendsatz 137 98 M. v. H. Die Um- 
satzsteuer wird erhoben mit 1 v. H. beim Wechsel deS Be- 
sitze« von bebauten und iy a v. H beim Wechsel deS 
Besitzes von unbebauten Grundstücken. Für 1912 sind bis 
jetzt 153 901 M Umsatzsteuer eingegangen. 
JnderKapital- und Schuldenverwaltung stehen 
in Einnahme der Betrag von 51 358 55 M, zur Gleich 
stellung deS BoranschlageS, 72 000 M. Zinsen auS laufen 
den Kassenbeständen und aus Anleihemtuelu und die Er 
stattungen auS anderen Verwaltungen an anteiligen Ber- 
zinsungS- und TtlgungSkosten der aufgenommenen Schulden; 
aus dem Eleklrizitätswe'k 73 101 04 M.; Einnahme zus. 
199 459.69 M. (10042.83 M. wemglt). Die Ausgabe' 
verzeichnet an Zinsen für Schulden und für Schulden 
tilgung insgesamt 404468 20 M. (1131.24 SR. mehr). 
Zuschuß 208 008 01 M. Hierzu Verzinsung und Tilgung 
der noch nicht verwendeten Anlethemittel 16 335,11 M. 
In der Vermögens- und Schuldennachwetsung finden wir 
dar neue Grundstück Loubacher Strohe 13 neu verzeichnet 
Die Vermögensaufstellung unserer Gemeinde ist 
folgende: 
1913 1912 
Vermögen io bar uud in Werte» .... 3465966 ( 2 841 797) 
Grurdeigentum und Gebäude 8 292 552 ( 8 283802) 
Stroßknarilagen 37 000 ( 84 200} 
Park- ü b Baumavlazeu 91 ooo ( 86 900) 
I v'Ntaiten 46 - 882 ( 4>7 352) 
ElekUlzttätswerk I 132439 s 1 06083!.) 
zusammen 13 48« 829 (|2 104 891) 
Schulden ab 9 297 883(9 311 /68) 
bleibt Reinvermögen 4 186 965 ( 3 393 6<2) 
ES folgen nun die Gemeindeanstalten, zunächst dir 
Höheren Schulen. Der Voranschlag für letztere (Gym 
nasium/ Realgymnasium nebst Realschule und Königin 
Luise-Schule) ist zusammengefaßt. Die Einnahmen be 
tragen beim G. 107 175 M (1300 M. mehr) beim Rg. 
Der Staatsanwalt 
Bti H. Hill. 
36. »iichlta« —»—»» 
19. Kapitel. 
Der Streich fällt. 
Inspektor Black war am nächsten Morgen sehr früh 
auf. Erstens erwartete er, daß der junge Arztlhn zeitig 
aussuchen werde, und zweitens war er begierig zu hören, 
was die schnelle Abfahrt des grauen Autos veranlaßt 
hatte. Die freundlich lächelnde Kellnerin,:' die ihm das 
Frühstück brachte, konnte ihm alles sagen, was über den 
Fall überhaupt bekannt war, und das wär nicht viel. 
Es schien, daß niemand außer dem Inspektor selbst das 
Auto wegfahren gesehen oder gehört hatte, erst heute früh 
um sechs hatte ein Stqllknecht die Entdeckung gemacht, daß 
der Wagen nicht mehr im Schuppen war. Der Mann hatte 
dies dem Wirt mitgeteilt, und dieser hatte sich in das 
Schlafzimmer des Chausseurs begeben, wo er auf dem Tisch 
ein Kuvert fand, das eine Summe enthielt, die reichlich ge 
nügte, um die Rechnung zu bezahlen, und außerdem einen 
Zettel mit den merkwürdigen Worten: 
„Wurde von meinem Herrn abgerufen. Erwartete 
es und nahm mir daher die Freiheit, mich trunken zu stellen, 
damit ich im Wagen schlafen konnte und durch meinen 
frühen Aufbruch den Haushalt nicht zu stören brauchte. 
- - Larrimer." 
Plack schloß "daraus, daß der Herr des Chauffeurs 
wahrscheinlich irgendein exzentrischer reicher Mann sei, und 
daß das sonderbare Benehmen seines Angestellten durch.ilm 
veranlaßt worden" tvar. Auf alle Fälle zerbrach ^r-stch 
nicht weübr den Kopf darüber, sondern machte sich mit 
gutem AppeM-Aöerffein Frühstück her. Der Zwischenfall 
wurde lehr bald ganz aus seinen Gedanken vertrieben. 
denn diese wurden durch wichtigere Vorkommnisse in An 
spruch genommen. Nach. dem F rühstück ging er, wie 
gestern, auf die Straße hinaus, rauchte seine erste Zigarre 
und wartete auf das Erscheinen des jungen Doktors. Er 
schaute eben nach seiner Uhr, um zu sehen, ob er hoffen 
könne, ihn bald kommen zu sehen, als das Klappern von 
Pferdshufen ihn veranlaßte, die Straße hinunterzublicken. 
Er sah einen Groom zu Pferd in vollem Galopp daher- 
kommen, und es zeigtö sich sehr bald, daß der „Gasthof 
zum Ochsen" sein Ziel war. Er sprang ab und wollte 
eben sein Pferd festbinden und in den Gasthof eintreten, 
als etwas in des jungen Mannes Gesicht den Inspektor 
darauf brachte, ihn anzureden. Er schaute drein, als fei 
ihm etwas Furchtbares geschehen. 
„Nun, was ist denn passiert, mein Junge? Sie sehen 
ja so aufgeregt aus!" 
„Oh, etwas sehr Schlimmes," versetzte der junge 
Mensch. „Sind Sie vielleicht Herr Inspektor Black?" 
„Der bin ich allerdings," entgegnete Black gespannt. 
„Was ist denn los?" 
Der Groom reichte ihm ein Billett, und der Inspektor 
riß es hastig auf und las: 
„Sehr geehrter Herr! 
Bitte, kommen Sie sofort hierher. Es ist heute nacht 
etwas Furchtbares passiert. Sir William ist heute früh 
in seinem Schlafzimmer durch einen Stich schwer verletzt 
aufgefunden worden. Ich habe nach dem nächsten Arzt 
und nach der Ortspolizei geschickt, aber es würde uns alle 
sehr beruhigen, wenn Sie uns mit Ihrer Erfährung unter 
stützen wollten. ^ 
Ihr ganz ergebener 
Hermann Trenkley." 
w Black atmete tief auf und schaute in, das blasse er 
schrockene Gesicht des Boten. 
„War Sir William tot, als Siö fortritten?" fragte er 
dann. 
„Wie^ich gehört habe, atmete er noch, Herr In 
nebst R. 100 050 M. (14 750 M. mehr) bet der K-L. Sch. 
91 850 M (1540 M mehi). An Schulgeld werden er 
hoben für Schüler in den Vorschulklassen für hiesige 120 
Mark, für auswärtige 150 M., in den Hauptanstalten für 
hiesige 140 M., für auswärtige 180 M. Die Ausgaben 
betragen beim G 211 364 50 M. (l l 600 M. mehr), beim 
R fl. n. R 153 259 M (23 578 M. mehr), bei der 
K L Sch. 135 175 Dl. (9546 Dl. meh>) Zuschuß: G 
104 189.50 Dl.. Rg. u. R. 53 209 M.. K. L S. 43 325 
Mark.- Hierzu Verzinsung und Tilguna der Grundstücks- 
anleihen: G 27 407.82 Dl., Rg. 47 115,33 Dl., K L. S. 
35 417,50 M. — Die BesoldungSordnungen schließen ab 
für da, G. mit 168 812 50 M. (9487.50 M. mehr), für 
das Rg. mit 114 125 M. (20 900 M. mehi), für die 
K.L.Sch. mit, 99 600 M. (8350 M. mehr.) 
Die Volksschulen besuchen 1200 Knaben. 1250 
Mädchen. Die Einnahmen stellen sich auf 38 745 M. 
(2160 W. mehr). ES ist hierbei aber zu beiücksiwt'gen der 
auch tn der Ausgabe erscheinende Betrag von 37 825 M. 
für staatliche Dienst >Ite»Szulaaen. D>e Au»aab«-n stell-n 
sich insgesamt auf 313 547.70 M. (24 556 20 M. mehr). 
Zuschuß 274 802,70 M. Hierzu 41 739.55 M. für Der- 
zmjung und Tilgung der Anleihen. Die BesoldungS- 
ordnung der Volksschulen schließt ab mit 205 517,50 M. 
(19 162,50 M. mehr). 
Handf-rtiflketis Unterricht: Einnahme 1200 M, 
Ausgabe 3570 M. (230 M mehr). Zuschuß 2370 M. 
Gewerblich» ForrbtldungSia-ule: Einnahm-1200 
Mark (600 M. weniger, da nu- 600 M SlaatSbetlrag 
bew'lllgr wurden). Ausgabe 7097 M (110 M. mehr); 
Zuschuß 5897 M 
Der Zuschuß für sämtliche Schulen beträgt 483 793,80 
Mark, hierzu 151 680,21 M. sü- V-'ziickung uno Tilgung 
ergibt einen Gesamrzuschuß von 635 473 41 Dl. 
DaS EleklrtztiälSwerk ist die Goldquelle unserer 
Gemeinde. ES soll auch in diesem Jahre wieder einen 
Ueberschuß von 243 139 M. bringen (rund 50 000 M. 
mehr alS im Vorfahre festg-setz'). Die Einnahmen sind 
insgesamt auf 498 550 M. (61 780 M. mehr) veranschlagt, 
die Ausgaben auf 255 410 M. (12 604,50 Dl. mehr). 
Die Garten- und Friedhofs-Verwaltung hat 
eine Einnahme von 63 260 M. (9240 M. mehr) einge 
stellt. Auf die Gärtneret entfallen davon 30 260 Dl., auf 
den F iedhof 33 000 M. Die Ausgaben sind berechnet 
auf 88 687,55 M (8997,55 M. mehr) und zwar entfallen 
auf die Gärtneret 58 312 55 M.. auf den Frtedhol 30 375 
Mark. Der Zuschuß von 25 427,55 M. bleibt fast der 
gleiche wie im Vorjahre. Er kommen noch hinzu 4955,21 
Dlark Verzinsung und Tilgung deS auf das Gärtnerei- 
grundstück entfallenden AnletheieilS und 13 569 24 M. 
Verzinsung und Tilgung der anteiligen Anleihebrträge für 
Ankauf der FriedhosSIändereien und Bau der Leichenhalle. 
Darnach Gejamtzuschuß 43 952 M. 
spektor, aber sein Ableben wurde jeden Augenblick er 
wartet," war die Antwort. 
„Doktor Penfold ist wohl bei ihm und hat das 
Nötigste besorgt, bis der Arzt kommt, nach dem geschickt 
wurde?" 
„Nein, Herr Inspektor," versetzte der Groom, „Doktor 
Penfold ist gar nicht in der Billa. Er sollte gestern abend 
zurückkommen, soviel ich weiß, aber er ist nicht eingetroffen." 
Black, der außerordentlich bestürzt war, bat den Boten, 
sofort wieder zurückzureiten und Herrn Trenkley zu melden, 
daß er so schnell wie möglich folgen werde. Dann lief er 
nach dem Stall, um sich wegen eines Wagens zu er 
kundigen, und zehn Minuten später sauste er in einem ' 
Dogcart, der von dem schnellsten Traber gezogen wurde, 
den das Hotel aufzuweisen hatte, auf der Straße nach 
Monksglade dahin. Es dauerte kaum zwanzig Minuten, 
da fuhr der Wagen durch das Parktor der Billa, und 
Black schaute sofort nach den Fenstern des eleganten Baues, 
der da so friedlich in der Sonne lag, als ob nichts ge 
schehen wäre. Die Jalousien, waren noch nicht« herunter 
gezogen, also war Sir William noch nicht vor den Richter- 
stuhl getreten, vor dem wir alle, ob Staatsqnwalt,-ob 
Richter, ob Angeklagter, einmal Rechenschaft ablegen müssen. 
Bor der offenen Haustür stand ein kleines Automobil, 
und auf den Stufen erwartete Hermann Trenkley den Ip- 
spektor. Der Sekretär sah furchtbar angegriffen und elend 
aus, und die Hand, die er Black entgegenstreckte, zitterte 
wie Espenlaub. 
„Noch lebt er," flüsterte er. „Der Arzt ist eben ge 
kommen und ist bei ihm. Der Polizeibeamte aus dem 
Städtchen unten ist in der Bibliothek und wartet auf 
seinen Vorgesetzten, den Wachtmeister Winter aus Wycome. 
Er hat natürlich choch nicht viel tun können,-außer mir ein 
paar Fragen.-stellen, denn selbstverständlich dürfen wir ihn 
nicht- in Sir Williams Zimmer lassen, ehe der Arzt da 
gewesen. Vielleicht möchten Sie gern mit ihm sprechen. 
Aber hier kommt der Wachtmeister." 
(Fortsetzung folgt.)
        
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