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Periodical volume Nr. 41, 17.02.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

grenzen, um dadurch die Alarmierung der Nachbarwehren 
zu verhüt.'n. Wir vermissen aber einen Betrag für eine 
Druckpumpe, deren Anschaffung sich bei,den letzten Druck- 
proben und Dachstuhlbrffndey so außerprdtntlich notwendig 
erwiesen hat. Dt« Brandwache erhält Übrigens jetzt einen 
Hvuptte!efonanschluß. Bei den Titeln Oessentlicher 
Rettungsdienst, KrankenlxanSportwefen, Des 
infektion, Schulzahnpflege. Kinderfllrsorge, Volks 
bücherei und Beiträge an WohlfahrtSvereine und Anstalten 
sind durch die erhöhte Inanspruchnahme entsprechend 
größere Ausgaben eingetreten. Neue Abschnitte sind der 
Arbeitsnachweis und die Echulkinder-Spetsupg. 
AuS dem Arbeitsnachweis wird eine Einnahme von 1000 M. 
und eine Ausgabe von 2000 M. erwartet. Für .die 
MtttagSspeisulig bedürftiger Schulkinder wird ein ein 
maliger Betrag von 350 M. und eine lausende Ausgabe 
von 2650 M. erforderlich. 500 M. sind für Frühstück an 
bedürftige Schüler ausgeworfen. Für verschiedene Zwecke 
, stehen in Ausgabe 1500 M. für die Jugendpflege. 
400 M. Beteranenbeihilfe und 100 M- für den 
Verein junger Männer Beihilse zur 141ägigen Ferien 
fahrt der Knabenabteilung. 
Im Grundeigentum kommen in Abgang in der 
Einnahme die Pachtgelder aui den Familiengärten hinter 
dem Friedhof. Die Gebühren für Erlaubnis zur AuS- 
stellung von Waren auf dem Gemeindegelände vor dem 
Ringbahnhof sind für den Blumenhändler Wunsch aus > 
200 M. für den Obsthändler Arndt auf 500 M. erhöht 
worden. Bisher zahlten beide je 100 M. Die Markt- 
standSgelder sind um 3000 M. auf 2b 000 M. verringert 
worden, da durch den RathauSbau einige Stände in 
Fortfall kommen. Dafür sind jedoch 10 000 M. mehr 
MarktstandSgelder aus dem geplanten Markt an der 
Rheingaustraße eingestellt. In der Ausgabe erhöhen sich 
durch den Abendmaikt die Summen zur Reinigung der 
Märkte und Abfuhr d«S MarklkehrrichrS auf 2500 M., 
außerdem um 400 M. für Beleuchtung de» Abendmarktes. 
Der Spielplatz am Maybachplatz soll während der Ferien 
als öffentlicher Spielplatz freigegeben werden; für eine 
Aufsicht werden 150 M. erforderlich. Die Einnahme aus 
dem Grundeigentum stellt sich insgesamt auf SO 610,20 M. 
(7916 M. mehr), die Ausgabe aui 13 522 08 M (42 96 M. 
weniger); mithin Ueberschuß 77 088,12 M Davon gehen 
für Verzinsung und Tilgung 36 747,71 M. ab; Gesamt- 
Überschuß: 40 340,41 M. 
Der Voranschlag der Armettverwaltung ist er 
weitert in ,und Waisenoerwalrung". Er zeigt eine Ein 
nahme von 31400 M, (5050 M. mehr) und eine Aus 
gabe von 123 275 M. (28 375 M. mehr) Der. Zuschuß 
stellt sich aus 91875 M. Verzinsung und Tilgung 2345 99 M. 
Die Ausgaben der Armenverwaltung betragen 120 300 M., 
die der Waisenverwaltung 2975. In letzterem Betrage 
sind enthalten 1200 M. Entschädigung für den General- 
vormund Herrn Toußaint und 1575 M. für die Waisen 
pflegerin Frl. v. Kunowtki. 
Inder Tiefbauverwaltung finden wir «ine Einnahme 
von 199 680 M. (6380 M. mehr), eine Ausgabe von 
218 156,64 (11 976.31 M. mehr). Zuschuß 18 476,64 M. 
Verzinsung und Tilgung 86 081.98 M. Die laufenden 
EntwäflerungSgebühren erhöhen sich um 8730 M. auf 
188 330 M. Sie werden erhoben mit 2 Proz. der Ge» 
bäudefteuer Nutzungswertes. Die einnialige EntwäfferungS- 
gebühr verringert sich durch den Ausbau unseres Onek 
um 3500 M, auf 4000 M. Die Unterhaltung der 
Asphaltstraßen kostet 23 287.15 M. Für die Fortschaffung 
der Friedenauer Abwäffer erhält Echöneberg eine E..t- 
schädigung von 130 000 M. 
Straßenreintgung und Besprengung: Einnahme 
3100 M. (700 M mehr,, Ausgabe 91 584 M. (6246 M. 
weniger) Zuschuß 88 484 M. Verzinsung und Tilgung 
2196,11 M. Die StraßenreinigungSkolonne zählt 33 Mann. 
(Schluß folgt.) 
Lokales 
(Nachdruck unserer o-Originalartikel nur mit Quellenangabe gestattet.) 
o Grundstückskauf der Gemeind». Unsere Ge 
meinde hat das Grundstück Laubacherstr. 13 von Herrn 
Kommerzienrat Haberland käuflich erworben. DaS Grund 
stück ist rund 75 Quadratruten groß. Unsere Gemeinde 
zrhlte 37 500 M.; 500 M für die Quadratrute. 
würde ich mir auf alle Fülle die Nummer des Wagens 
merken." 
„Ja, das habe ich mir auch schon gesagt," bemerkte 
der Inspektor trocken. „Die Nummer steht schon seit heute 
früh in meinem Notizbuch." 
Robert war unterdessen um den Wagen herumge 
gangen. „Beide Nummern?" fragte er jetzt mit großem 
Eifer. * 
„Nein! Was wollen Eie damit sagen?" fragte der 
Beamte. 
„Nichts weiter, als daß das Schild sich umstellen läßt, 
und daß auf der anderen Seite eine andere Nummer — 
ja, auch andere Buchstaben — stehen. Hier, ich habe es 
für Sie aufgeschrieben," antwortete der junge Brandts, der 
sich Mühe geben mußte, die Freude über seine Entdeckung 
zu unterdrücken. Denn er hatte durchaus nicht die Ab 
sicht, über einen wirklichen Detekliobeamten triumphieren 
zu wollen. Und er sagte sich außerdem, daß Black, wenn 
er wirtliches Interesse an dem Wagen und dem Chauffeur 
hätte, sich den ersteren genauer angesehen haben würde. 
Der Inspektor hatte eben das Kuvert genommen, auf 
welches Rob die zweite Nummer mit Bleistift geschrieben 
hatte, als sich am Hostor ein Geräusch erhob. Sie sahen, 
wie ein Mann hereinwankte, der jo betrunken war, baß 
er bei jedem Schritt hinzufallen drohte. Hinter ihm her 
kamen der Wirt und ein Stallknecht, um ihn vor dem 
Fallen zu behüten. Der Betrunkene schrie und focht mit den 
Händen, während die beiden anderen ihm ruhig zu 
redeten. Black zog Robert in den Schatten der Mauer, 
che sie gesehen wurden, und flüsterte ihm zu: „Es ist der 
Chauffeur, und in einem schönen Zustand, muß ich sagen." 
„Ich — will — hup — heute nacht — hup — im 
Wagen, schlafen," stotterte der Betrunkene. „Ist mir — 
hup — zu gefährlich, hup — das Ding hier — hup — in 
dem ollen Schuppen — hup — allein zu lassen."^. 
o Besichtigung der hiesige« Auskunft». und 
Fchrsorgeftelle für Tuberkulöse. Unfrre Auskunft«- 
und Fürsorgrstelle für Tuberkulöse ist bekanntlich die erste 
sin Kreise Teltow. Sie ist am 15. Juli 1910 eröffnet 
worden, besteht also jitzt schon 8% Arhre. — Bor etwa 
Jahresfrist wurde die 2. Fürsorgrstelle im Kreise in unserer 
Nachbargemeinde Steglitz eingerichtet und zwar genau nach 
d§m Muster der Friedenauer. In der vorigen Woche am 
Freitag besuchten der Dezernent der Armendtrektion in 
Ljchterfelde Herr Dr. Domino und drffen Sekretär Herr 
Klingenberg die hiesige Jürsorgeftelle. Die Herren be 
sichtigten die Fürsorgestelle hi» in» Einzelne und ljeßen 
sich eingehend über den Betrieb orientieren, um nach dem 
hiesigen Muster auch in Lichterfelde eine derartige Ein 
richtung zu treffen. Dort wird allerdings die Fürsorge- 
stelle gleich von der Gemeinde betrieben werden. 
o Die Teltower Kreisfparkaffe hat nach dem 
letzten Rechnungs-Abschluß einen Kursverlust der Inhaber- 
papiere von 3 072 436 M. zu verzeichnen. 
o Gegen die unproduktiven Steuer», welche 
durch öandeSgesetze dem Grundbesitz auferlegt wurden, den 
Umsatz- und WertzuwachSfteuern, richtet sich der Plvtest 
der Bereinigung der Steuer- und Wirtschaft- - Reformer 
(nicht zu verwechseln mit den Boden-Resormern). Diese 
Steuern, die daö Jmmobiliengeschäft vollkommen lahm gr- 
.legt haben und — da kaum noch nennerSwerte Umsätze 
Möglich sind — auf die Staat»- und kommunalen 
Steuereinnahmen geradezu vernichtend wirkten, weil keine 
Einnahmen zu verzeichnen sind, sollen durch die Klinke der 
Gesetzgebung wieder beseitigt werden. In den maßgebenden 
Kreisen der Gesetzgebung hat man daS Verfehlte dieser 
Steuern erst eingesehen, al» man durch Tatsachen überzeugt 
war. Glücklicherweise ist man nun soweit, wirksame Hebel 
ansetzen zu können. Morgen, DirnStag morgens um 
10Vj Uhr findet eine große Veisammlung von Eigen 
tümern im Archit-ktenhause zu Berlin, Wilhelmst. 91-92 
stqtt, zu der auch viele angesehene Hausbesitzer Friedenaus 
Einladung erhalten haben. Die Tagesordnung weist zwei 
Punkte auf: Unsere sozialpolirtsche Gesetzgebung — ihre 
Wirkung, R ferent Prof. Dr. Otto Gertach, und die Neu 
belastung deS Grundbesitzes während der letzten Jahre, 
R ferenten: Prof. Dr. von der Borght und Geh. Reg.-Rat 
von Sypel 
cs Vo-ficht beim Wohnungswechsel. Die be- 
vorstehende UmzuxSzett wird in diesem Jahre durch daS 
bereits in daS letzte Drittel deS Monats März fallende 
Osterfest wrsentlich bceirfluß«. Viele Mieter trachten da 
nach, so schnell wie möglich den UmzugStrubelhinter sich zu 
haben und sind froh, wenn sie das Osterfest bereits in ihrem 
neuen Heim verleben können. Um die Mieter, die Woh 
nungen in Neubauten beziehen, beizeiten vor Unannehm 
lichkeiten zu schützen, wird seitens der Polizeioerwaltungen 
wiederum davor gewarnt, Mietsverträge über Wohnungen 
in Neubauten oder in umgebauten Häusern für eine Zeit 
abzuschließen, zu welcher die 6 Monate betragende Frist 
zwischen Ausfertigung deS RohbauabnahmescheinS und der 
Gebrauch-abnahmeprüfung noch nicht verstrichen ist. Die 
Polizeireviere erteilen nach wie vor auf Anfragen auS dem 
Publikum bereitwilligst Auskunft über den vorauSstchlltchen 
Termin der Beziehbarkeit von Wohnungen in neuen und 
umgebauten Häusern. 
o Selbstkostenpreis und 10 Proz. Aus dem 
Büro der Potsdamer Handelskammer, Sch Berlin, er 
halten wir felgende Mitteilung: Die fortgesetzten Klagen 
über die Reklame, die in einzelnen Branchen mit dem 
Preisangebot „Selbstkostenpreis und 10 Proz/ getrieben 
wird, haben die deutschen Handelskammern.veranlaßt, tn 
eingehenden Beratungen zu prüfen, ob jn dieser Reklame 
ein Verstoß gegen die Vorschriften deS Unlauteren Wett- 
beweibe« zu finden ist. Wohl sämtliche Handelskammern, 
die sich zu der Sache geäußert haben, darunter auch die Pots 
damer, sind zu der Ueberzeugung gekommen, daß der Aus 
druck „Selbstkostenpreis und 10 Prcz." zu einer Irre 
führung des Publikums geeignet ist und daß von den 
Veranstaltern der Reklame die Erregung und Aufrecht- 
erhaltung dieses Irrtums beabsichtigt, zum mindesten aber 
oewünscht wird. DaS Publikum versteht nach den Fest 
stellungen der deutschen Handelskammern unter „Selbst 
kostenpreis" den reinen Einkaufspreis, den der Kaufmann für 
die Waren zu zahlen hat. Zum Teil rechnet man noch 
„Ach so," meinte der Wirt, „deshalb wollten Sie durch 
aus in den Hof? Ra, cs ist eine schöne warme Nachr, 
und in dem Zustand sind Sie mir lieber hier draußen, 
als im Haus. Wer weiß, was Sie in der Nacht anstellen 
würden. Na, Ihren Brummschädel möchte ich morgen 
früh nicht haben." 
„Das ist — hup — meine Sacheversetzte der 
Chauffeur und kletterte mit großer Mühe in den Wagen, 
wobei er um ein Haar auf der anderen Seite wieder 
herausgefallen wäre. Dann legte er sich längelang auf 
einen der Sitze und sagte: „Gunnacht. Warmes Wasser 
— hup — zum Rasieren — hup — um sechs Uhr." 
Der Wirt und der Stallknecht entfernten sich lachend, > 
und »ach einer kurzen Pause folgten Black und Robert, 
die sich vor dem Hostor freundlich voneinander verab 
schiedeten. Keiner von ihnen betrachtete das Zusammen 
treffen in einem anderen Licht, als jn dem eines an 
genehmen Zwischenfalles, der mit einer amüsanten, aber 
ganz unwichtigen Episode endete. 
Der Inspektor ging hinein und trank mit dem Wirt 
ein Glas Bier, wobei dieser ihm erzählte, der Chauffeur 
sei den ganzen Tag weggewesen und erst vor einer halben 
Stunde, total betrunken, wiedergekommen. Er habe.ihn 
überreden wollen, ruhig zu Bett zu gehen, aber um 
sonst, der Mensch habe darauf bestanden, im Wagen zu 
schlafen. Eigentlich sei ihm das auch lieber, denn wenn 
der Kerl in seiner Betrunkenheit Feuer anstecke, so sei es 
schließlich noch besser, wenn der Schuppen verbrenne, als 
der neuhergerichtete Gasthof. 
„Passieren kann ihm da draußen nichts," »icintc der 
Wirt, „und wenn er früh aufwacht und hinaus will, so 
braucht er ja nur das Hoftor aufzuriegeln. Bon draußen 
kpim niemand herein, um ihn zu stören. Aber er ist so 
voll, daß ich annehme, er wird seine zwölf Stunden gut 
und gern hernnterschlasen." 
gewisse Spesen, wie Fracht. Zoll und ähnliche« dazu, vrr- 
steht also dann unter dem Selbstkostenpreis den sogen. 
Einstandspreis. Die Veranstalter fever Reklame dagegen 
meinen bei dem Ausdruck .Selbstkosten" den EinstandS- 
preis der Waren zuzüglich etnea prozentualen Anteil an 
den Geschäftsunkosten SS ist klar, daß dieser Preis 
wesentlich höher ist als der vom Publikum gemeinte. DaS 
panze läuft darauf hinaus, daß da« Publikum meint, der 
Rtklamemacher wolle nur 10 Proz. Bruttogewinn erzielen, 
während dieser 10 Proz. Nettoverdienst haben will. Daß 
einzelne Geschäfte in verführerisch ausgestatteten Broschüren 
ausdrücklich auf ihr« Auffassung deS Begriffs.Selbstkosten, 
preis" hinweisen, ändert wenig an der Tatsache, daß die 
Reklame im Publikum bewußt einen Irrtum erzeugt und 
aufrecht erhält. Leider haben die Gerichte sich diese Aus- 
fassung der Handelskammern von den unerwünschten 
Wirkungen der Reklame „Selbstkostenpreis und 10 Proz." 
noch nicht zu eigen macht. Derjenige Teil der Kaufmann- 
schast, der solche Mittel verschmäht, — und die» ist glück 
licherweise noch der weit überwiegende Teil — ist deshalb 
genötigt, immer wieder in der Oeffentlichkeit auf die 
Schädigungen hinzuweisen, die die beanstandete Reklame 
im Publikum selbst, nicht etwa nur innerhalb der Kon 
kurrenz, erzeugt. 
o Alt-Wandervogel. Wie eine befreiende Tat 
wird allen wahren Freunden bei Wandervogel-GedankenS 
die Nachricht auS Hannover kommen, daß der „Alt- 
Wandrivogel" Bund sür Jugendwandern E. V. (Bundes- 
geschäfrSstellt Güttingen, Weenderstr. 27) den Versuch einer 
halb gewaltsamen Auflösung mit erdrückender Mehrheit 
(1035 Stimmen gegen 243) zurückgewiesen hat. Der 
Anschluß an den au« einigen Wandervogel-Sonder-Bereiuen 
vor kurzem gegründeten „Wandervogel E. V." wurde ab- 
gelehnt; dagegen wird der „Alt-Wandervogel" seinen in 
12 Jahren bewährten Grundsätzen treu bleiben. Er wird 
die edle Sache deS Jugendwandern« freihalten von allen 
Nebengedanken. Im „Blt-Wanderoozrl" ist die selbp» 
gewollte Enthaltsamkeit von Alkohol und Nikotin auf den 
Fahrten stets Uebung gewesen. Ebenso da« getrennte 
Wandern von Knaben und Mädchen. Die zuständigen 
Persönlichkeiten müssen jetzt im Interesse ihrer Echvtz- 
btfohlenkn Stellung nehmen und wählen: Wandervögel 
ohne alle möglichen „Kulturbegleiterscheinungen" oder mit 
solchen. Erwähnt sei noch, daß der vorerwähnt« Alt- 
Wanderoogeloerein (langjähriger BundeSleiter Oberlehrer 
Professor Henkel in Söllingen) sich über ganz Deutschland 
verbreitet, und seine Anhänger zu Tausenden zählen. Er 
hat zu Gunsten der Führer eine vorteilhaft« Haftpflicht- 
Versicherung abgeschlossen, gibt «in eigener BundeSorgan 
heraus und besitzt viele Landheimr für die wandernde Jugend. 
o Aufenthalt unbekannt! Die Gründlichkeit 
unserer Post ist wieder einmal bewiesen. Versendet da 
eine Firma einen Katalog mit der Aufschrift: .Herrn 
Lpdwig B Zielitz bei Sukow i. Mecklenburg.". Nach 
einigen Tagen kommt die Sendung mit dem postalischen 
Vermerk zurück: ,Empfänger verstorben. .Aufenthalt" 
unbekannt." — Hoffentlich erwachsen dem beireffenden 
Postbeamten, der diese Mitteilung verzapst hat, keine 
Schwierigkeiten auS dieser tragikomischen Geschichte. In 
der Tat ist ja auch der Aufenthalt nicht ganz sicher. ES 
kämmen zwei Ställen in Frage: Himmel oder Hölle. 
Freilich genügte die erste Tatsache (Empfänger verstorben) 
schon, immerhin berührt die Gründlichkeit der Paßbehörde 
wohltuend, lind im übrigen: wir in tiefen ernsten Zeit 
läuften für etwas Humor sorgt, handelt heilsam. Man 
braucht also dem Beamten nicht gram zu sein! 
o Friedenauer Parochialverein. Der Vorverkauf 
der Eintrittskarten zum Richard Wagnerabend ist bereits 
geschloffen. Eintrittskarten für Nichtmitglieder an der 
Kaffe 1 M. Auf vielfachen Wunsch sind Texte an der 
Kaffe zu 10 Pfennigen erhältlich. Der Vortrag beginnt 
pünktlich 8 Uhr. Den Pflanzenschmuck sür die Bühne 
liefert die Firma MaeckcrNachf., Fechtner, Kaiserallee 116. 
o ,,Johanna Stege» anno 1813", dar 4aktige 
Schauspiel aus den deutschen BesretungSkrtegen von Martin 
Maria Horst (Pseudonym unseres Mitbürgers, deS Echrfft- 
stellerS Martin Görlich-Hindersin). über welches wir s. Zt. 
aussührlich berichlelen, ist bis jetzt von 9 Bühney ange 
nommen worden. Am 8 März findet die Uraufführung 
des Werkes im Stadltheater zu Lüneburg stalt. ( * 
Mit dieser Annahme sollte der Wirt jedoch nicht recht 
behalten. Black, von seiner Tagcsarbcil ermüdet, begab 
sich früh zu Bett und schlief mclirere Stunden fest und 
ungestört. Dann wurde er plötzlich durch ein Surren und 
Sausen geweckt, das aus der Wand hinter seinem Kops 
zu kommen schien. Es war dies die Außenwand des 
Hotels, die imch dem Hof hinausging. Er blieb noch 
einen Augenblick still liegen, um sich über das Geräusch 
klar zu werden, dann sprang er auf und ging an das 
Fenster, von dem aus man die Straße übersehen konnte. 
Und da, ganz deutlich im Licht der Gaslatcrne, Hie über 
dem Eingang des Gasthofs brannte, zu sehen, bog eben 
i das große graue Automobil aus dem Hostor, und Larrimer 
lenkte es ruhig und vorsichtig, ohne eine Spur der kolossalen 
Trunkenheit zu zeigen, die er vor wenigen Stunden Hem 
Wirt offenbar .mit großer Kunst vorgetäuscht hotte. Im 
Innern des Wagens befand sich niemand. Das Fahrzeug 
ifahm allmählich an Schnelligkeit zu und verschwand end 
lich fast geräuschlos wie ein Gespenst in der Rächt. 
Black zündete ein Streichholz au und sah aus seine 
Uhr. Es war kaum eins, also noch nicht fünf Stunden 
her, seitdem er den Chauffeur, anscheinend sinnlos bc- 
trunken, in den Wagen hatte klettern sehen. 
„Der hat sich merkwürdig schnell erholt, wenn er sich 
überhaupt von etwas zu erholen hatte," brummte der 
Beamte vor sich hin, als er wieder in fein Bett ging. 
„Entweder war er überhaupt nicht betrunken, oder er ist 
sehr plötzlich nüchtern geworden, weil sein Herr ihn rufen 
ließ." ...... 
Und als Black schon halb wieder eingeschlafen war, 
murmelte er.noch: 
„Ich möchte wissen, was das bedeutet." 
(Fortsetzung folgt.)
        
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