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Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

Beilage zu Nr- 
Friedenaser Lokal Mzeiger". 
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stellgeld. Für Selbstabholer monatlich 50 Pfg. 
We vunle Woche. 
P'audnei für ten .Fiiedenauer Lokal Anzeigte'. 
Berlin. ten 3. Januar. 
Kleine veschichtche« aus Berlin — G o! und Bariier — Eine 
15 Millionen.S.üridun, mit 40 Pievnig««. — Siistr K. m. 
•. H — Ta» Li d ker Lchaukpirlir» — Ter Nied-reanz des 
Köa glichen Lchauspitlhau-rs. 
Von merkwürd^en Gefchichtch-n will ich erzählen; von Grschichtchcu, 
die sich nur in Berlin ereignen können. Auf diesem eigenartigen, 
spiegelglatten Pflaster neudeutscher Sch-rnkuliur; aus di>j:m soa'ter- 
barea Boden, auf dem die kindlichsten Gemüter des deuischen Vater 
landes sich laut ihres Lebens freuen. 
Das erste Geschichlchen hat Mir all rdlrgs ein ganz Großer vor 
etwa 60 Jahren schon vorweg genomme:'. In seioe-i Meistcrnoorllen 
„Die heute von Seldwyia' erzählt Gottfried Keller von dem 
Echneiderletn Wenzel Strapin-ki, den ein herrschasllrcher Kutscher auf 
der Landstraße trifft. Wenzel darf in den r.'mnkwagen steigen, und 
in Goidach. vor dem Gasthcst.wird der wrgemüde Schneider abgesetzt. 
D<r Wirt hilft ihn ehreibietiz aus der Kr ross?; der Wagen fährt in 
lustigem Trab weiier und Wensel wird mit tausend Bücklingen in das 
HanS geführt, wird sofort els Graf angeredet und lebt, ohne die 
Absicht dösn Betruges, herrliche Tage in wärmster Behaglichkeit. 
Seine Taschen fiiid jo leer wie sein Magen auf der Landstraße; 
aber er war doch in einer filbcibschlagcnen'Karosse angekommen! — 
Der Berliner wird gewiß nur mit spöttisch geschürzter Lippe von 
Goldach sorcche». ,Det iS doch Provinz'" — Und dennoch: DaS 
große, dicke Berlin ist das wahre, richtige Eoldcch. Der Goldacher 
Herbergsvater wäre versichiiger gewesen, wenn der fclajfe Straprnsli 
zu 8uß unter seinem Wirtsschrld gelandet wäre.... 
Aber hi.r, am Spre«stiand! — Kommt da im ersten Hotel 
der Stadt Unter den Linden ein junges Herrchen an. Lactschuhe, 
Zylinder urd Monokel: die drei Grundbegriffe Neuberliner Eleganz. 
In das Fremder,huch schreibt er sich ein als Henri d'Orville. 
Dies allein genügt, um sofort ols .Herr Gras" angeredet zu werden. 
Der Herr Graf rauscht durch duö Vestibül; der Poiiier pfeift sofort 
ein Auto heran. .Portier, zahlen Sie die Chose" Der 
Portier zahlt und zahlt; der .Herr Graf" lebt bei Schaumwein und 
Trüffelpasteten ganz leidlich und versteh' sicher richt, daß eS draußen 
tm Lande beschränkte Leute gibt, die über schlechte Zeilen klagen. 
Der Hrrr Graf würde sicher heule und Olein noch zu den 
Zierden der Hotelgäste gehören, wenn richt ein Zimmermädchen sich 
seiner erinnert halte. Dieser weibliche Shnlock HolmrS ei kannte, — 
was bei manchen Zimmermädchen gewiß viel heißen will, — ihren 
Emil wieder! 
Dir Polizei kam, sah und verhaftete Herrn Emil Mittelmann, 
Barbier, 2t Jahre alt. der als Henri d'Orville zwei Wochen im ersten 
Hotel Berlins den Postier angepumpt und die Gefchäitsfühcer derb 
angefahren halte, wenn einmal ein kleines Nachnahmepakczchen nicht 
sofort eingelöst worden war. 
Bei seiner Verhaflung halte Emil noch 8 gute Groschen in 
der Tasche. 
DaS ist ein Slück Berlin, so echt, so lebenswahr, wie es nrS 
die Leute ia Gcldach und in Seldwyla nimmermehr nachmachen würden. 
Das zweite Geschichlchen: 
In den Berliner Zeiiungrn wurden für ein Millionen- 
unternehmen Teilhaber grsucht. Bewerber erhielten Einladungen 
nach einem hiesigen vornehmen Hotel. In weichen Klubsesseln 
plaudert fich's brkaunilich leichkcr. Aus d:m Brief ersah man, daß c8 
sich um ein großes Bergweilsunlernehmen mit insgesamt 15 Mill. 
Mark Aklienkapital hanoclie. Der Brief iiuz den Aufdruck: 
, Gewerkschaft England-Preußrn. St, ie.kohlenbergwcrk, Vnwaltunas- 
burv: Charlottenburg, Stallstr. 3. Büro: Berlin 0, Heilizegeiststr. 46. 
Banken: Reichsbank und Deutsche Bank." 
Die .Ginedcr" entpuppten sitz als ein 20jähriger Schreiber 
Kurt Oberempt und alS ein LljLhrizc: stellenloser Kaufmann 
Ignatz Schwiliing. Beide wurden verhafte! u-d die Haussuchung 
ergab, baß sich schon drei L.-nte mit einem Gesamttupital von 110 000 
Mark zur Beteiligung beicck gesunden halten. Das G.io war ancr- 
dwgs noch nicht eingezahlt sodaß dl- derben Gründer noch nicht 
einmal die nötigen Mittel für ihre PortoauSgaben 
besaßen! Bei der Lerhastlng besaß Oberempt noch 40 Pfennige, 
Echwilling garnlchts mehr. . . 
Das ist wieder ein Stück Berlin. Eine echte „Spree-Gründung", 
die unö die Leute von Seidayla nimmermehr nachmachen würden. 
DaS dritte Geschichlchen aber berichtet von einer Gründung, di; 
man vertrauensvoll loden kann Aber auch sie konnte nur auf dem 
Pflaster dieser merkwürdigen größten Kleinstadt Deutschlands gedeihen. 
.Siesta G. m. b. H.", betitelt sich ein neuarliaes Unternehmen, 
das auch ins Handelsregister eingetragen ist. Es bezweckt die 
Schaffung von Ruhe- und Erholungsg-lezenheit durch Bereitstellung 
uud Unterhaltung aeeigneler Räumlichkeiten für das ruh'- und 
«rholurgsbedüistige Publikum. Das Stammkapital beträgt 20 0C0 SJl. 
S-i den Arbeils- uud Eschüslsviertellr der Stadt soll den 
Menschen Gelegenheit geboten weiden, ihre cinstündige Mstiagspause 
behaglich zu verbringen. Das ist eine löbliche Absicht; eine zeitgemäße 
und notwendige Gründung, dre sicher vielen Zuspruch finden wieö. Auf 
gemütlichen Ruhebcllen, \n weichen S. stein werden sich die jung- 
dnliner Kaufleute räkeln und werden neue Kräfte sammeln zur er 
müdenden Nachmittags arbeit. 
ES werden Ruhestuben für Damen und Herren grschaffen und 
auch qemctnschafiliche ErhvIungSsäle. 
Ich habe den leisen Verdacht, daß die letzlgenann'en den giößien 
Besuch ausweisen werben, uud daß der Treffpunkt d:r Derittbien in 
Zukunft nicht mehr die Normaluhren, sondern d!c Grscllschrflsrinme 
der „Siesta G. m. b. H " sein werden! 
Denn man will ein liebes Mädel doch auch mal Mittags sthm, 
und utcht jeder ist so glücklich, ein Arid der Gclublen te! sich zutragen. 
Und hat er wirklich eines, darn kann eö vorkomme», daß eö 'hm von 
rauher Hand abgeknöpft wird. 
So crgioa eS durch Gerichtsbeschluß einem hiesigen Schau- 
spielet, der sich widerrechtlich das Bild-eener heiß geliebtem sehr 
bekannten Kollegin angeeignet haste. Die Dame siegte mit Erfolg 
auf Herausgabe dir Photographie, und de: Aermste mußte sich schweren 
Herzens dem Richterjpruch fügen — ,, v . . . 
Da« Bild der Geliebten! Wie vul ist schon ü,er dieses 
Symbol klagender Sehnsucht seit Mona Lisas glanzvollen Eider tagen 
kr^V rp 
Sonntag, den 5 Januar 1013 
gesungen und gejagt worden? Es tlstigt so innig, so poethtsch und 
dantijch: es klingt wie weiche Musik und ferner Vogelfang: Das Bild 
der Geliebten . . . 
Urd jetzt, da tm Januar in der Mark di- Veilchen blühen 
da wärmn Lcnzwind durch di- Land- weht, läßt man sich schon einen 
kurzen Traum, einen kleinen Sonnenstrahl aus dem Laude der Lieb- 
gefallen. 
Denn wer von ih: singt, hat stets die dankbarsten Zuhörer . . . 
Kein Mensch auf Erden darf es wissen, 
daß sie stets heimlich bei mir ist, 
und daß mein Herz mit heißen Küssen 
bei ihr des Lebens Last vergißt. 
Ich sag ihr tausend liebe Worte; 
ich seh des Frühlings Fahnen weyn, 
wenn wir an unsres Glück.s Pforte 
mit jchnsuchtkvollerr Augen stehn. 
Und oft, wenn seine lieben Träume 
der stille Abend traulich webt. 
geh ich mit ihr durch unsre Räume, 
in denen manch Erinnern lebt. 
ES klingt wie alle, schöne Lieber, 
kein Laut ist wach in dieser Stund, — 
ich beug mich leise zu ihr ni.d.r 
und küss- ihren schönen Mund. 
Nn sie? Sie kann mir ja nicht grollen, 
sie laßt es still und gern geschehn . . . 
Ich w-iß, daß unser Wunsch und Wollen 
und unser Glück zusammengehn. 
Sie ist bei mir! — Doch ihren Namen 
wag' keiner je deshalb zu schmähn, — 
denn nur als Bild in goldnem Rahmen 
kann man di- Dame der mir sehn! 
Aber der Trost in dieser stillen Verehrung liegt da:in, daß me iti e 
Dam« ihr Bild nicht aus dem Klagewege zurück haben will. wenigsten 13 
j-tzt noch'nicht. Vielleicht wird st- es dann tun, wenn ich mein'erstes 
Lunsplel schreibe. Denn seit gestern habe ich mir vorgenommen, diese 
tödliche Absicht in die Tat umzusetzen. 
Ich habe tu. Königlichen Schauspielhaus den Militär, 
schwank .Der Austaujchleutnant" g-s-ge-i, den die Herren Rlch. 
Wilde und C von N-gelein in gemeinsamer Valcrschast auf dem 
Gewissen haben. Und seit dieser Stunde weiß ich. daß ich ein solch 
schlechte« Stück alle Tage schreiben kann. Es ist vielleicht nicht ange 
bracht, über einen solchen Abend der ersten Berliner Bühne in billigen 
Spätz-n zu richten. Aber der Zorn wird entwaffnet durch so viel 
Harmlosigkeit und uralte Mätzchen, wie sie uns Heu von Hülsen mit 
dieser „Neuerwerbung" geboten hat. 
Dieser armselige Mtlitärschwauk, der an die allen Mes.-rkomöbien 
nicht im entferntesten heranreicht, hat mit Kunst nichts zu tun. Ter 
KunstkurS d-S Kgl. Schauspielhauses in Berlin scheint jetzt auf dem 
Niveau der großderliner Amüsiervühnen angelangt zu sein. Zwar 
kostet das alles des Königs Geld und er allein hat schließlich zu be- 
stimmen, was in seinem Schauspielhaus-gespielt werden soll. Aberder 
Ausdiuck tiefsten Bedauerns fei gestattet,'daß eine Bühne, auf der viel 
«Lutes und Schön:« geleistet- werden tonnte, eine Kunst verzapft, bei 
der dem ehrlichen Patrioten die Haar: zu Berge stehen und bei der der 
einzig versöhnende Gedunke ist, daß der eine Milveijajscr, Herr Wilde, 
eia Berliner Theatnkritiker ist. 
Was ja vieles erklärt. . . Heinr. Binder. 
Watcntschalt 
mitgeteilt vom Patentbüro Johannes Koch, Berlin NO 18, Groß: 
Frarikfurtorftraße 59, Abschriften billigst. Auskünste kostenlos. 
Optische Anstalt C. P. Goerz, A.-A., Berlin-Friedenau: Fahrt 
messer. (Angem. Pat.) 
Gustav Henkel, Berlin-Friedenau Kaiserallee 79: Schutzbelag 
gegen Einfallen schädlichen LichteZ bei Fenster. (GM.1 
Carl Flügge, Berlin-Friedenau, Wicsbadencrstr. 15: Rellspatcn- 
egge mit Kutschersitz. (GM.) 
Derselbe: Fahivorrrchtuuq für Rollspateneggen. (GM) 
Alfred Hübner, Berlin-Frirdenau, Lübwrstkorso 62: Konlakt- 
Vorrichtung für SichcrungSavparate (GM.) 
Richard Behrendts, Beilin-Fnedenau, Elsastr. 5: Zigaretten, 
schachtet mit entfernbarcri Zigaretten als Scherzartikel. (BM.) 
(Für dirfr Knbstk übrrurha::;! wir Idu Zirrrveortunr.) 
Wie es h-ißt, macht cö unserer Gemeindeverwaltung dr-seS Mal 
Schwierigkeiten den Etat bei demselben Sicucrsatz balanzreren zu 
können. (? Schrifll.) Die ©nuibittucr ist in den letzt-» Jahren von 
2,25 auf 2 85 bez. 2,70 pro Taujerd erhöht worden. Jetzt soll mau 
auch an eine Erhöhung der Kommunalsteu-r (st denken. Dar braucht 
weiter niemand in Eistaunen zu setzen. Erstens ist die EalwlcklungS- 
p riebe für unsern Ort vorüber — aus d:r Entwickelung sind keine 
groß-n Einnahmen mehr zu erwarten — und zweitens halten die Aus- 
gaben mit den Einnahme., j-tzt nicht mehr Schrill. Da! letzte Ab 
r-chnungSjahr, für das Entlastung erteilt worden ist, war das Jahr 
1910. 'Dieses gehörie noch der Entwickelung an und schloß deshalb 
recht günstig ab. E« wurde ein wirklicher und nachweisbarer Ueber- 
schuß von 248 6 l0 M. und 37 Pf. erzielt. Hierbei ginne» a»-Z der 
Entwicklu'g, näiüilch aus der Umsatzsteuer allein, Ü0 885 M. zu. 
Seitdem aber dürste der Ruhm, daß unsere Gemeindefmanzeir glänzend 
sind, der Vergangenheit angehören. Ohne daß tre Gemcindever- 
walrung sich neue Einnahmequellen verschafft hat, urch in der Lage 
war, sich solche velschaffcu zu können, sind die Beamten- und Lehrer- 
gehäller tm Jahre 1911 um 104 457 M. uud im nächsten Jahre um 
120 060 M. — zusammen um 224 517 M. — erhöht worden. Im 
Jahre 1912 ist eine Anleihe von 3 Millionen Mark ä 4 Pro,. Zeusen 
aufgenommen worden, daS sind jährlich 120 000 M. Zinsen. In 
diesem Jahr 1913 wlid zur Ausführung bereirS bcschloffenec Bauten 
eine Anlci-e von 2 360 000 M. erforderlich sein, nämlich: 1 100 000 
Mark zum Rathaus, 720000 M. zum Bau der 3 Aolkstchule, 
350000 M. zum Erweiterungsbau der Volksschule in der Aldestraße, 
190 00) M. zur Einrichtung ü-S Friedhofs in Glltergotz. ES heißt 
zwar, zu diesen Lauten wird ein Pump nicht nötig sein, dafür muß 
der Sammelfonds herhalten, das ist aber unglaublich. Der Gammel- 
fond«, der vornehmlich zu Pcnfionicrungrzwecken und für Der- 
sorgung der Witwen urd Waisen unserer Beamte» angeI-0 
ist, darf auf solche Weise nicht verbraucht werden. Mit der 
Anleihe von 2 360000 M. muß daher entschieden gerechnet werden 
und beträgt der Z nsanfwand hierfür 94 400 M. Die ganze Mehr 
belastung für den Elat von 1910—1913 beläuft sich nach vorstehender 
Berechnung auf 439 917 M WaS nun noch weiter unsere Gemeinde- 
frnanzen ungü-stig beeinflußt, das ist die Schuldentilgung. Bisher 
haben unsere Gemeinde» rtreter uoleu» voleus Anleihen bewilligt, die 
Schuldentilgung größer» Maßstabes s-lbst aber für die Zukunft aufge- 
spart. Der Zeitpunkt jedoch ist nun bald da. Beispielsweise ist vom 
Jahre 1915 ab an Schuldentilgung 98 000 M. mehr als im Jahre 
vorher aufzubringen. Für das darauf folgende Jahr, nämlt-v für 
1916, kommt noch di- laufende Schuldenlilgurg für di- im Jahre 
1912 entliehenen 3 Mivior en Mark ä 1'/, Prsz. hinzu, das find 
45 000 M. Rechnet man alle diese Summen zusammen, so findet 
man, daß der Etat innerhalb 6 Jahren von 1910—1916 eine Niehr- 
bclaslung von 581917 M. crsahren hat. Dess n ungeachtet siod die 
LluSgaberi unseres OrleS noch lange nicht gelöst. Im Gegenteil die 
Projekte lchreßen wie Pilze aus d-r Erde. In erst.r Lrnre soll die 
Realschule, die allerdr/gs auch höchst nötig ist, ausgebaut, eine Mitlel- 
schule und eine Badearrslait gebaut uud ein Ober Lyzeum eingntchtet 
werden. DaS Ober-Lr-zrum ist zwar vor turzem in d:r Gemcindever- 
Ircter Eitzing durchgesallen, doch keinmt eS bald wieder auj's Tapet. 
Ja, ja die Ausgaben hören hier nicht auf! Nur zusehr werben sich 
die am 19. Dezember v. Js. tu der Gemeinbeverlreter-Sitzung ausge. 
sprochcnen Worte des Herrn G-V. Olt bewahrheilen: „Die Ausgaben 
nehmen Derartig unsere Finanzen in Anspruch, daß uns späler noch die 
Augen übergehen werden." Nehmen wir nun an, daß unsere G 
mcrndeverlreter in Anbelracht der immer schlcchicr werbenden Fine 
verhällniffe unseres OrteS alle kostspielizen Projekte nunmehr 
lehnen, so steheri wir benricch bald vor einem ungeheuern Defizit, 
nur durch eine kräsiige Erhöhung der Kommunal, Grund- uud 
werbesteuer beseitigt werden kann. Bemerken möchie ich »och Fole 
des: Zwar stehen den ungeheueren MehrauSgoben auch größere Ein- 
nahmen an Peisonalsteuern und Belrägeu für Eleklrijitätsgebühren 
gegenüber, doch sind diese Mehreinnahmen im Verhältnis zu den AuS- 
guben nicht so qestieg-n, bez. wcrdrn nicht j, steigen, daß daS später 
ouftrciende Defizit gehoben wird, eS fei denn, daß eben ble erwähnte 
allgcmeine^Eteuererhöhung durchgesührigwird. Sturm. 
(:) Eine iniereffante K.'agesärbe. Vor kurzem beschäfirgie die Ge- 
richle ein Fall, der besonders d.e Aufmerksamkeit der Frauenwelt auf 
sich lenkte uud zu machcrlei verschiegenen und öffentlichen Fragen 
Anlaß bot, die hier heule tu der Haupisache belenchler und beernt- 
wollet werden sollen. Eln miticlloser Ehemann hatte nämlich seiner 
vermögenden Gallin drei Pleurcufen geschenkt. So wert war alles 
gut und schön. Nun cs aber an das Bezahlen, dieses unangenthmen 
Bestandteil cineS Kaufabschlrrffes, gehen sollte, st:üle cS sich heraus, 
daß der galante Ehemann bereits Ion Lffendaiungscid geleistet und 
Zahlung verweigerte. Der Verkäufer verklagte nun die Ehefrau, jedoch 
ohne cir.en Erfolg zu erzielen. In erster Instanz wurde die Ehefrau 
verurteilt, weil unierstellt war, daß der Verkäufer bei einer für die 
Frau bestimmten Ware, im Falle der kaufende Mann sich ai« miltelloS 
erweist, die Ehefrau direkt Habs verpflichten wollen. Auf den Willen 
des Verkäufers kommt eS nun aber allein nicht an. Der Ehemann 
ist Kaufvcnragßpartei. DaS Ergebnfs muß als zutr.ffmd festgehalten 
werden. Auf Grund d-S Anfechtaugsgef-tzes kann der Verkäufer 
i.ämlich, wenn er gegen den Ehemann geklagt hat, gegen die Gattin 
vorgehen. Das La:.kgertcht tn zweiter Instanz führte aus, daß die 
Ehefrau besagte Pleureujen in Erfüllung der Unlcrhallungspflrcht 
empfangen hätte. Zwar besteht ein niedticher französischer Vers, der 
lautet „sie heißen also, w.ii die Frau weint, wenn sie darauf ver 
zichten muß", aber daß sie unter die zur UnteihaltungSgewähruag ge< 
hörigen Gigenständc fallen, steht darum doch noch nicht fest. Die 
Ehefrau muß daher die Pleurcufen an den Verkäufer herausgeben, 
weil sie sie uneutgeltlich erhallen hat und im Falle der nicht mehr 
möglich!» Herausgabe einer, W-rteisatz leisten (§ 7 ArifechlungSges. 
und Reichsgericht Bd. 21 S. 436; 27 S. 23) In einer gegen die 
guten Sillen verstoßenden Weise hat oie Ehetrau aber nur dann ge 
handelt, wenn sie in arglistigem Zusammenwirken mit ihrem Mann 
drcsili vorschob, um den V-rkäuicr um ben Kaufpreis zu bringen. Der 
Verkäufer kann sie gem. § 826 BGB. belangen, ohne zuvor den Ehe 
mann verklagt zu haben. In diesem Falle muß sie oem Verkäufer 
nicht die Pleur-ujen wirdergeben, sondeiu den Kaufpreis entrichten. 
Denn der Verkäufer ist so von ihr zu stellen, als ob sie direkt mit ihm 
den Kaufvertrag abgeschlossen Härle. . . 
Vc> 
"o Henri Herz. Vor 25 Jahren, am 5. Januar 1333, starb zu 
Paris der Kompomst und Pianist Henri Herz. Geboren am 6. Ja.ruar 
1803 zu Wie», war er jahrz-hnlelong einer der bekanntesten Größen 
dsr'Kiavirrmusik, der cr^sich als Virtuos und Komponist widmete. 
Nachdem er seine Ausbildung an dem Pariser Konseivalorium genoffen 
Halle, durchreiste er dar Kontinent und Englar d und begab sich 1845 
auch wach Amerika .Diese Lpisodo hat.er.ckelLst. ru „Jles v*>yiges eu 
Aaeriqae“ beschrieben. Seil! dauernder Wohnsitz war Paris, wo er 
1824 Teilnehmer eines Klaviersabrikanten wurde und von 1842 bis 
1874 am Korservatorlum unlerrichtele. Seine Elüden folgen der 
Richtung Czernys und können noch heute für Uulcnichlszwecke nützliche 
Dienste tun. 
'o Bauernregeln. Ist der Januar gesund und lind, Lenz und 
Sommer fruchtbar sind. — Ist oer Jänner vom Anfang bis End 
gut, so hat das ganze Jahr gutin Mut. — Je frostiger der Januar, 
je freudiger das ganze Jayr. — Januar muß krachen, soll der Früh 
ling lachen. — Wenn Gras wächst im Januar, wächst es schlecht daS 
ganze Jahr. — Sind die Flüffe klein, gibt cs guten W:in. — Neu- 
jahrsnacht, still und k!ar, deutet auf ein gutes Jahr. — Januar muß 
vor Kälte knacken, wenn die Ernie gut soll sacken. — Ist der Januar 
hell und weiß, wird der Sommer sicher heiß. — Januar, Schnee zu 
Häuf, daun Dauer, holte d u Sack auf. — Reichlich Schnee im 
Januar, machet Dung fürs ganze Jahr. — Januar warm, daß Gott 
erbarm! — Ist der Januar warm und uatz, bleibet leer Scheune und 
Faß. — Tauzen im Januar die Macken, muß der Bauer nach dem 
Futicr gucken. — lstebel im Januar macht ein nasses F ühjahr. — 
Im Jänner'viel Regen, wenig Schnee, tat Saaten, Wief.n und 
Därmen w:h. 
'o Die höflichen Schüler. Eine lustige Schulgefchichie erzählt 
ein Fachmann in der „Köln. Z!g.": Der Herr Schulinspck.oc har d^e 
Schule in X i' spiziert und hätt nun Konferenz mit dem Direktor und 
den L.hrcin -,D:r gestreng- B-rgesctzle äußen sich sehr lobend über 
die Leitungen der Schüler. „Aber" jo fügte'cr hinzu, „die Schule ist 
nicht nur dazu da, den Schülern den WlffenSstvff beizubringen, sondern 
sie soll-den Knaben auch zu einer gefälligen Lebensart erziehen. Dazu 
pchö't, daß sie eS v.rstehcn, in angemcffener Form Antnort zu geben. 
Es ist mir anfaefallen, daß die Ackworlrn der Schüler ungelenk, ja 
geradezu unhöflich herauskommen. Sie geben dem gragrnden, dem 
sie anlwoiten, nicht die dirjem zskommend: Anrede So antwortete 
oer Schüler, den ich nach feinem Namen fragte, mit einem kurzen: 
Müller, jlait höflich: Miller, Herr Inspektor. Sorgen Sie dafür, 
meine Herren, daß wütigsten« diese einfache Höflichkeitsregel den 
Schüler» fest eingepräg! wird." — Ein Jahr späler! Der Herr In 
spektor ist von ncu:m zur B-sichligung e-schienen und trill in das 
Klassenzimmer, in dem so'b.'n RiliZionountenicht erteilt wird. Man 
ist ge-ade beim „Sündmsall." D:r H-rr Inspektor — als Mann der 
S — greift unmittelbar in den Uaterrrcht ein und nimmt dem 
Herrn L-hrer die Fragestellung ab. „Me sagte da Gott zur 
Schlange?" so fragt er den kleinen Müllrr. Urd prompt erfolgt, ein- 
gedenk, dir strengen Instruktion, die Antwori: „Verflucht sollst Du 
sein, Herr Inspektor." — „Nein, nein, das meine rch nicht; waS sagte 
der Herr noch weiter zur Scblange?' Müller: „Auf dem Bauche sollst 
du kriechen. H:rr Inspektor." „Um Gottes Willen weiter, waS noch 
mehr?" Müller: „Ich werde dir den Kopf zertreten, Herr J rspeklor." 
'o Autlandhnmor. Laura: „Mabel Hut sich phologcaphicren laffen, 
aber ich glaube, das Bild sicht ihr sehr ähnlich." — Fred: „Warum?" 
— Laura: „Stc hat eS noy keinem gezeigt." 
"o Dcuillch. „Schick' Derne Gcdichte doch mal an me' 
Freund, den Redakteur Müller, der wird Jotercsse dasür yabco." 
„M.inft Du?" — „Gewiß, der ist nämlich Vcgelarlaner, und 
solcher inlcrcssiert er sich nalüilich für Kohl." 
Hemeinttützige 
V. 
Schnitzel (Bratlinge) zu Gemüsen (Flcischersatz). '/* Pfund Re 
wird mit einem Stückchrn Autler uud einem Maggi-Bouillonwürfel 
ziemlich dickem Brei gekocht. Unter den noch warmen Reis mischt ma 
2 gut zerdrückte Würfel Maggis Pilzsuppe und reibt 1-2 groß 
Kartoffeln vom Tag« zuvor dazu. Düs- Masse vermengt man gut, 
streicht sie auf ein Brett und läßt fi- erkalleir. Dann schneidet mar 
daraus beliebige Formen (Schnitzel, Koteletten oder ähnl.) paniert d!» 
Bratlinge mit Ei und geriebener Semmel und brät sie in gutem Fett 
oder Butter hellbraun, zuerst auf lleinem, dann auf stärkerem Feuer. 
Damit die Schnitzel gut durchbralcn, nehme man reichlich Feil in Mi 
Pfanne. Sehr wohlschmeckende Beilage zu Mohnüden, Blumenkoh 
Wirfing usw.
        
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