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Periodical volume Nr. 44, 20.02.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

wenn er die Ausführung der Baues einem Bauherrn 
übertragen habe. Ec glaube nicht, daß sich Baugeldgeber 
finden lassen. Weiter erläuterte Herr Ruhemann die 
Stellung der Treuhänders und die Tätigkeit der Bau- 
schöffenamtS. Fachleute seien der Ansicht, daß mit der 
Einführung de8 2. Teil« eine kolossale Erschwerung deS 
BaumarkteS eintreten werde und damit auch eine Ver 
teuerung der Mieten. Die Schäden wären bedeutend. 
Dem kleinen Unternehmer wäre die Möglichkeit unter 
bunden, weiter zu schreiten. Nur der kapitalkräftige 
Unternehmer könne dann noch bauen. Zur Zeit sei man 
dabei, eine Statistik aufzustellen. Dar Abgeordneten 
haus hat sich trotz der gegenseitigen Stellung deS Handels- 
mtnisterr für die Einführung des 2. Teilr entschieden. 
Für die Einführung lagen Eingaben der Grundbesitzer 
und Handwerker-Verbände vor. Gegen die Einführung 
petitionierten die Grundstücksmakler und die Aeltesten der 
Kaufmannschaft. Wenn eine Einführung deS 2. Teils 
erfolge, so könne sie nur für einen bestimmten Bezirk ge 
schehen. In Steglitz hatte man sich für den 2. Teil ent 
schieden, doch dürfte für einen Ort allein dar Gesetz nicht 
in Kraft gesetzt werden. Ale Bezirk dürfte vielleicht das 
Gebiet Groß-Berlin in Frage kommen. Er persönlich 
möchte zu der Sache keine Stellung nehmen. Herr 
Graßmann betonte, daß die sogen. Bauschwindler Haupt- 
sächlich durch das Vorgehen der Terraingesellschasten ent 
standen sind, die jeden kleinen Mann zum Bauen ver 
anlaßten. Auch ohne Einführung der 2. Teils ist es den 
Bauhandwerkern schon jetzt möglich, eine SicherheitS- 
Hypothek eintragen zu lassen. Er wandte sich dann gegen 
die Miete- und Zinszefstonen und auch gegen das Recht 
der Hypothekenbanken, bet Zwangsversteigerungen die 
Hypothek sofort kündigen zu dürfen. ES müßte festgelegt 
werden, daß eine Hypothek mindestens noch ein Jahr 
stehen bleiben müßte. Durch diese Zessionen und 
sofortige Kündigungen muß ein Handwelker, der mit 
10 000 M. am Bau beteiligt ist, erst 26 000 M. auf- 
wenden, um zu seinem Gelde zu gelangen. Ferner betonte 
er die Notwendigkeit der Abschaffung der Umsatzsteuer für 
Staat, Kreis und Gemeinde. Er sei nicht direkt für Ein 
führung des zweiten Teiles, der viele Nachteile bringen 
würde, wohl aber für eine Verschärfung des ersten Teiles. 
Herr Mittelftädt stimmt« im allgemeinen Herrn Graßmann 
zu, erklärte sich aber für sofortige Einführung deS 2. Teils, 
allerdings nur für eine bestimmte Zeit, damit erst einmal 
bessere Zustände geschaffen werden. Wenn man erst wieder 
ein neues Gesetz beantrage, so vergehe wieder viel Zeit 
und eS geschähe doch nichte. Herr Graßmann kann sich 
nicht ohne weiteres für Einführung deS 2. Teils bereit er 
klären. ES entstehen doch große Schäden. Der kapital 
kräftige Mann wird dann nur noch bauen können. ES 
müsse aber auch d?r kleine Unternehmer geschützt werden. 
Herr Niemann sprach sich ebenfalls für eine vorübergehende 
Einführung des 2. Teils auS. Eine Steigerung der Mieten ist 
s. A. nach nicht zu befürchten. Herr Graßmann mlint, 
daß wenn solide Verhältnisse einkehren, eine Wohnung?- 
Verteuerung eintreten werde. ES sei jetzt bereits eine Ge 
sundung auf dem Baumarkt eingetreten, die immer weiter 
schreite. Vor 4 Jahren sti er auS dem Verbände der 
Baugewerbetreibendr ausgetreten, weil der 2. Teil nicht ein 
geführt werden sollte. Damals wäre die Einführung 
dringend notwendig gewesen. Herr Mittelftädt betonte, 
daß die kleinen Unternehmer ja garnicht so ängstlich wären. 
Gegen die Einführung drS 2. Teiles seien hauptsächlich die 
Groß-Unternehmcr. Herr Klemnr weist auch auf die Ver 
luste hin. die viele Bauhandwerker erlitten haben durch 
den Bauschwindel. Die Eintragung einer Sicherheits- 
Hypothek kann wohl ein Bauherr fordern; niemals aber 
ein Handwerker, wie Tischler, Stukkateur usw. Der bc- 
käme die Aibeit einfach nicht. Herr Graßmann meinte, 
daß nach den Kautelcn deS Gesetzes in Zukunft niemand 
Geld geben werde (Zuruf: Abwarten). Herr Schultz brachte 
in Vorschlag, eine Erklärung anzunehmen, daß der Ge 
werbeoerein sür die Einführung de? 2. Teiles sei. Diese 
Erklärung möge man an die Handwerkskammer senden. 
Nachdem noch Herr Graßmann gegen eine solche Erklärung 
gesprochen, brachte Herr Ruhcmann in Vorschlag, zu be 
schließen, daß 1. der Gewerbeoerein, da der 1. Teil eine 
Verbesserung nicht gebracht habe, für eine Ver 
schärfung deS 1. Teils fei; 2. er. eine Aenderung der 
Hypothekengesrtzzebung beantrage, damit die Zinsen- und 
MtetSzessionen fallen, und 3. er eine Aenderung der 
Steuergesetzsebung beantrage. Die Herren Klemm und 
Mittklstädt sprachen gegen diese Anträge und für die Be 
schlußfassung um Einführung de» 2. Teile». Schließlich 
wurde ein Antrag deS Herrn Davidsohn angenommen, den 
Punkt auf die nächste Tagesordnung zu setzen und zur 
Ausarbeitung einer Erklärung einen Ausschuß einzusetzen. 
ES wurden in diesen Aurschuß gewählt die Herren 
Ruhemann, Graßmann, Mittelftädt, Klemm und Recht»- 
anwalt Oettinger. (Schluß folgt.) 
o Friedenauer Vortragsabende für Kunst, und 
Wissenschaft. Sven und Lisa Echolander werden nicht 
am morgigen Vortragsabend mitwirken, sondern erst im 
letzten Abend am 13. März. Für morgen Abend lautet 
da» Programm: Russischer Trio (Kammermusik) und Licht 
bildervortrag „Die Kunst de» Städtebaues", Dr. Ed. Thoma. 
o Mit der Frage der Auflösung der Zwaugs- 
iuuung beschäftigte sich eine außerordentliche Verfammlung 
der Barbier-, Friseur- und Perückenmacher-Innung. Die 
Einladungen waren mit dem ausdrücklichen Bemerken 
erfolgt, daß die Abstimmung ohne Rücksicht auf die Zahl 
der Anwesenden zu erfolgen hat. Von den" 230—240 
Mitgliedern der Innung waren 119 gekommen. Den 
Besprechungen wohnte auch ein Vertreter der Aussichtr- 
behörde bei. Gegen die Beibehaltung der Zwangsinnung 
wendete sich besonders Kollege Wittkowski; die von ihm 
vorgebrachten Gründe wurden von Obermeister Paul 
Wilcke u. a. zurückgewiesen. Die geheime Abstimmung 
ergab 78 Stimmen für Beibehaltung, 40 sür Auslösung, 
1 Zettel war unbeschrieben. Demnach ist dar Weiter 
bestehen der Zwangsinnung gesichert. Mit einem Hoch 
auf diese wurde die Versammlung geschlossen. — Am 
nächsten Dienstag findet eine Meisterprüfung durch die 
Meisterprüfungskommission der Friseure für den Kreis 
Teltow unter Vorsitz der Obermeisters P. Wilcke statt. 
o Ueber die Tuberkulose und ihre Bekämpfung 
hielt gestern sAbend Herr Or. weä. Heinicker einen sehr 
interessanten Vortrag vor der Gemeindevertretung, dem 
ArmenauSschuß und dem Waisenrat. Die drei Körper 
schaften waren fast vollzählig erschienen. Auch der 
Dezernent drS ArmenauSschusseS Herr Schöffe Wofsidlo 
und der Dezernent des WaisenratS Herr Schöffe Sadee 
waren zugegen. An der Hand eine» reichen statistischen 
KartenmaterialS, welches das Zentralkomitee zur Bekämpfung 
der Tuberkulose zur Verfügung gestellt hatte, berichtete 
der Vortragende über die Ausbreitung und daS Wesen 
der Seuche, sowie über die Maßnahmen zu ihrer Be 
kämpfung. Durch die Aufwendungen der ReichSverstcherungS- 
anstalten für Heiistätlenbehandlung sind dauernde Heil 
erfolge erzielt worden und eS kann von einem Zurück 
gehen der Tuberkulose berichtet werden. Redner machte 
darauf Angaben Uber die erfolgreiche segensreiche Tätigkeit 
der hiesigen Fürsorgestelle. Darüber berichten wir später. 
Mit reichem Beisall wurde der Vortrag aufgenommen. 
Herr Schöffe Wosstdlo sprach Herrn Dr. Hetmcker be 
sonders den Dank sür die lehrreichen Ausführungen auS. 
o Zur Laudtagöersatzwahl. Die Geschäftsstelle 
deS Wahlausschusses der vereinigten Liberalen Parteien, 
der Fortschrittlichen Bolkspartet und der Nationalliberalen 
Partei in Friedenau, brfindet sich bei dem Vorsitzenden deS 
Wahlausschusses, Geheimen Rechnungsrat Kalkbrenner, 
Rhrinstr. 10 III und ist für Wahlhilse jeder Art von 5 Uhr 
Nachmittags an geöffnet. 
o LaudtagSersatzwahl und Demokratische 
Vereinigung. Die Demokratische Bereinigung hatte an 
die Kandidaten Traub und Hofer die Anfragen gerichtet: 
1. Wie stellen Cie sich zur Uebertrogung deS ReichSiagSwahl- 
rechtts auf Preußen? 2. Treten Sie im Falle einer 
Stichwahl für den linksstehenden Kandtdalen ein? Die 
erste Frage wurde von beiden Kandidaien bejaht. Auf 
die zweite haben beide Kandidaien sich dahin geäußert, 
daß ihre Wahlkreisorganisationen die Entscheidung zu 
trrffen hätten. Tie Delegiertenversammlung der zwölf 
demokratischrn Vereine d-S Wahlkreises Teltow-BseSkow 
beschloß deshalb in ihrer letzten Sitzung, in einer öffent 
lichen Wählerveisammluug zur Landtagswahl Stellung zu 
nehmen. Die Versammlung soll am kommenden Montag, 
dem 17. Februar, im Albrechtshof zu Steglitz stattfinden. 
o Konservative Versammlung. Am Freitag, 
dem 14. d. Mts., Abends 8 1 /, Uhr. wird im Restaurant 
Kaiser Wilhelm-Garten, Rhetnstr. 63, oberer Saal, der 
von den Konservativen unsere? Wahlkreises als Kandidat 
für die Abpeordneten-Ersatzwahl am 20. d. Mls. aufge 
stellte Herr Eisenbahn-Obersekreiär Haseloff ous Zehlen 
dorf sein politisches Programm entwickeln. Das Er 
scheinen sämtlicher Mitglieder und aufgestellter Wahl- 
männer ist dringend erwünscht. Nationalgefinnte Gäste 
sind herzlich willkommen! 
o Der Akademische Turubuud Berlin (L. T. D. 
zu Berlin, A. T. V. Arminia, A. T. V. Kurmenk, A. T. 
V. der Märker) feierte sein diesjähriges Winterfest am 5. 
und 7. Februar unter Leitung deS A. T. V. der Märker, 
der in Friedenau seinen Eitz hat, durch ein Schauturnen 
in der städtischen Turnhalle in der Prinzenstraße pnd 
durch einen FestkommrrS in der Philharmonie. Da» 
Schauturnen, das stuck, math. Born vom A. T. V. der 
Märker leitete, begann mit dem sehr cxakt ausgeführten, 
allgemeinen Freiübungen, an denen stch etwa 250 
Akademiker beteiligten. Darauf hielt eanck. weck. Wenzel 
eine auf die Veranstaltung bezügliche Ansprache. Von 
namhaften Persönlichkeiten waren der Dezernent im Kultus 
ministerium. Geh. Ober.-Reg.-Rat Hintze und in Berttetung 
von Erz. v. d. Goltz, Generalleutnant Krause anwesend. 
Weiter bemerkten wir Prof. Dr. Reinhardt, Oberst Brix, 
daS Lehrerkollegium der LandeSturnanstalt in Spandau, 
Seh. Rat von Hülsen, Ober.-Reg.-Rat Timm, Prof. Dr. 
Wurtzel. Stadtrat Wagner, Bürgermeister Blankenstein, 
verschiedene Direktoren höherer Lehranstalten sowie Ver 
treter der Turnvereine von Groß-Berlin. ES folgte dann 
das Geräteturnen von 22 gut ausgebildeten Riegen und 
daS Kürturnen an R,ck und Barren, bei dem die einzelnen 
Darbietungen die vollste Befriedigung aller Turner fanden. 
Den Schluß der schönen Veranstaltung bildeten eine Pendel 
stafette von 400 Meter und einige Spiele. Unter dem Ge 
sang der Liedes „Die Spiele sind auS" erfolgte der Auszug der 
Schar. Der Festkommers vereinigte am 7. Februar die vier 
Berliner Akademischen Turnvereine in der Philharmonie mit 
einer gewaltigen Zahl von Freunden und Gästen. Von Ehren 
gästen waren erschienen: Frhr. v. Schenkendorff, der um 
die akademische Turnsache so verdiente Vorsitzende de» 
Zent'.alausschuflkS für Volks- und Jugendspiele, Gehetmrat 
Prof. Dr. Lampe und Prof. Laa« von der Technischen 
Hochschule, Ober.-Reg.-Rat Kimm, Oberbürgermeister Cuno- 
Hagen, Oberbürgermeister Dominica» - Schöneberg, Ober 
bürgermeister Kayser - Neukölln, Pros. Dr. Reinhardt 
und andere; auch halten zahlreiche befreundete studentische 
Korporationen ihre Vertreter in Wich» entsandt. Ein 
doppelter Kranz von Damen umgab auf Tribünen 
und Emporen daS f-stltche Treiben. Bald nach der Kaiser- 
huldigung gedachte canck. weck. Wenzel vom A. T. V. der 
Märker in seiner Festrede der großen Zeit vor 100 Jahren, 
wo unter Führung Ludwig Friedrich Iahn» Berliner 
Studenten und Turner an erster Stelle für Freiheit und 
Vaterland wirkten und. al» dann die Schicksalsstunde 
schlug, stch als erste Freiwillige in BreSlau dem König zur 
Verfügung stellten. Durch strenge Selbstzucht und stille 
tatkräftige Mitarbeit in der Deutschen Turnrrschast und 
dcmJungdeutschlandbunde beweisen die heutigen akademischen 
Turner einen Patriotismus der Tat. Seine Wünsche 
galten dem Akademischen Turnbund. Die Damen feierte 
Dr. Hübner vom A. T. V. zu Berlin, und auf die Säste- 
begrüßung erwiderte Geheimrat Prof. Dr. Lampe in ein- 
druckoollsteu Worten, die in einem Salamander auf die 
frische, gesunde Jugend auSklangen. Turnerische Vor 
führungen deS A. I. D. zu Berlin, wie rin vollendet auS- 
geführteSBarrenkürturnen und äußerst schwierige Pyramiden, 
die biS zur Höhe von 4 Mann cmporstirgin, erweckten 
brausende Begeisterung. Diese erreichte ihren Höhepunkt 
nach der wirkungsvollen und sehr gut gelungenen Mimik, 
die mit Balleis und andern Scherzen .den Befreiungskrieg 
vom Jahre 2013", erneu Kampf der beiden starken Ge 
schlechter gegeneinander, schilderte. Die reichen und 
freudigen Beifall findende musikalische Begleitung durch 
das Orchester des A. T. D. Berlin leitete canck. phil. 
Adolf Wille vom A. T. V. zu Berlin. 
o Ter Evangelische Verein Junger Männer 
zu Friedenau beging am Sonntag Abend sein 14. JahreS- 
fest zunächst in der Kirche, wo Pastor ein. Riemer über 
den Text predigte: „Wachet, stehet im Glauben, seid männ 
lich und seid stark! (1. Kor. 16, 13) Der zweite Teil 
vereinigte in Form eines Familienabends eine überaus 
zahlreiche Jestoersammlung in dem großen, neuen Ge- 
meindesaal im Gemeindehause, Kaiserallee 76. Das Fest 
nahm unter Leitung deS Vorsitzenden Pastor Vetter einea 
stimmungsvollen Verlauf. Es wurde eingeleitet vom 
Posaunenchor der Goßnerschen Mission und dem gemein 
samen Gesänge: „Großer Galt wir loben Dich!" und zeigte 
ia den folaenden Darbietungen ein gelunaenes Bild der 
zwischen Ihnen und einer Räuberbande stand, die nicht 
mit Handschuhen zu arbeiten pflegt." 
16. Kapitel. 
Zwei Gläser Wein. 
Inspektor Black verlies; das Zimmer, nachdem er sich 
höflich von Sir William verabschiedet hatte, und beeilte 
sich den Gasthof zu erreichen, wo er den Wagen aus 
Beaconssield eingestellt hatte. Nach oem, was der Staats 
anwalt ihni gesagt hatte, hielt er es für besser, nach dein 
Schloß zu fahren, denn an dein heißen Herbstnachmittog 
hatte er bei seiner schwerfälligen Körperbeschaffcnheit nicht 
Lust, den weiten Weg zu Fuß zurückzulegen. Er war in 
dein Alter angelangt, wo die Gedanken weniger schnell 
arbeiten, wenn der .Körper ermüdet ist, und er hatte eine 
Ahnung, als wenn er seine geistigen Fähigkeiten im Schloß 
recht nötig brauchen würde. 
Denn wenn auch all diese sonderbaren Vorgänge, die 
er heute selbst erlebt hatte, und die ihm erzählt worden 
waren, nicht so genau ineinander griffen, um einen be 
stimmten Schluß daraus ziehen zu können, so deuteten sie 
doch alle darauf hin, daß hier nicht ein blinder Zufall 
waltete, sondern- daß die Fäden alle in der Hand eines 
Meisters zusammenlaufen mußten, der sie nach seinem 
Willen in Bewegung setzte. 
Ehe das klapprige Gefährt ihn an den Parkeingang 
des Schlosses gebracht hatte, war er darüber ganz sicher. 
Der Bluthund hatte sich nicht geirrt, als er seinen jungen 
Herrn direkt in das Schulhaus führte; der junge Arzt mit 
den hellen Augen und dem offenen ehrlichen Ausdruck 
hatte ihn sicher nicht herkommen lassem, ui» vor seiner 
Ankunft absichtlich zu verschwinden; das Bild, welches den 
Verdacht auf eine junge Dame von fleckenlosem Ruf und 
hervorragender Stellung lenken sollte, mußte — wie ja 
auch der Staatsanwalt sofort herausgefunden hatte — von 
demjenigen geschickt worden sein, — und zwar mit einer 
ganz bestimmte» Absicht, — der die Fäden in der Hand 
hielt, die Black ihm für sein Leben gern abgenommen hätte. 
Da er sein Erscheinen nicht zu auffällig machen wollte, 
ließ er den Kutscher am Parktor halten und ging zu Fuß 
durch dem waldartigen Park dem Hanse zu. Als er endlich 
unter den Bäumen hervorkam und dich! vor dem Schloß 
stand, empfing auch er wie alle neuen Besucher einen 
überraschenden Eindruck von dem großen düsteren Gebäude. 
Es kam ihm fast vor wie ein Märchenschloß, so still und 
verlassen lag es da, an keinem der vielen Fenster sah 
man ein menschliches Gesicht, und kein Laut einer mensch 
lichen Stiinnic wurde hörbar. 
„Donnerwetter!" entfuhr cs ihm. „In dein Riesenbau 
fände ein Regiment Soldaten Unterkunft, und hundert 
Schritte davon hat man überhaupt noch keine Ahnung, 
daß ei» Haus da ist. Ich gebe ja nicht viel auf französische 
Titel, aber diese Leute müssen sehr vornehin sein und 
com, reich, sonst könnten sie sich das nicht leisten." 
Als die Tür durch Louis geöffnet wurde, fragte Black, 
ob er die Komtesse de Veaucourt oder Herrn Scharnock 
sprechen könnte. Es handele sich um eine Privatange 
legenheit. 
Black wollte mit der immerhin peinlichen Sache nicht 
gleich das junge Mädchen überfallen, der sein Besuch 
eigentlich galt, sondern er dachte, ihr die Sache weniger 
nnangenehln zu machen, wenn er in Gegenwart ihrer Ver 
wandten mit ihr sprach. , 
„Die Herrschaften empfangen gewöhnlich niemand, 
wenn sie auf dem Lande sind, aber ich kann Sie ja 
nieldcn." 
„Black ist mein Name," erwiderte der Inspektor be 
scheiden. „Ich glaube nicht, daß er den Herrschaften be 
kannt sein dürfte. Aber sagen Sie nur, es handele sich 
nicht um einen gesellschaftlichen Besuch, sondern nur um 
eine Frage in einer delikaten Angelegenheit." 
Louis verneigte sich höflich und verschwand in einen 
der vielen Gänge, die auf den Hausflur mündeten. Er 
blieb ziemlich lange aus, kam aber dann mit dem Bescheid 
zurück, die Herrschaften ließen bitten. Als Black ihm den 
Gang entlang folgte, fiel ihm wieder das tiefe Schweigen 
auf, daß in dem ganzen Haus herrschte, und er wunderte 
sich, daß Leute, die keine Besuche empfingen, sich dieses 
weitläufige Schloß zum Wohnsitz gewählt hatten. Nach 
seiner Ansicht hätte der düstere Bau von mindestens dreißig 
bis vierzig lustigen, lachende» Menschen bevölkert sein 
müssen, um einen einigermaßen gemütlichen Eindruck zu 
machen. 
Er wurde in dasselbe geschmackvoll ausgestattete kleine 
Zimmer geführt, in dem Sir William und Pcnfolö sowie 
Trenkley empfangen worden war. Als er die Schwelle 
dieses Gemaches überschritten hatte, .fühlte Black sich von 
einer großen Verlegenheit ergriffen. Wie tonnte er dieser 
stattlichen, vornehmen, alten Dame in dem wundervoll 
geschnitzten Stuhl gestehen, daß er Kriminalpolizist war 
und daß es sich darum handelte, einem Mitglied ihrer 
Familie verschiedene Fragen in einer Mordsache vorzulegen ? 
Dazu gehörte wirklich mehr Mut, fasste er sich, als zur Fest 
nahme eines schweren Jungen. 
(Kcrtsetzung folgt.)
        
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