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Periodical volume Nr. 221, 19.09.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

Der Antrag wird abgelehnt. 
Schöffe Bache führt au», er möchte nur bemerken, 
um keine irrtümliche Auffassung auskommen zu lassen, 
daß der Gemeindeyorstand. weil er gegen die Dringlichkeit 
stimmte, nicht etwa gegen dir Sexta sei. Der Borstand 
wolle nur vorsichtig sein; die paar 100 M. für die eine 
Klasse spielen keine Rolle für den Etat. Aber später, da 
kommen die großen Summen. Man möge doch nicht 
denken, daß die Einnahmen so weiter wachsen wie bisher, 
die Schullasten steigen von Jahr zu Jahr um rund 
50 000 M., für die höheren Schulen um 25 000, für die 
Volksschulen um 20000 M. Wenn gesagt wurde, es müssen 
20 Schüler abgewiesen werden, nun, beim Oberlyzeum 
waren auch 15 da. Er halte eines so notwendig wie daS 
andere. Ec sei gegen die neue Realschule. 
Bürgermeister Walger wollte genau dasselbe be 
tonen. Der Vorstand habe durchaus nicht prinzipiell die 
Sache abgelehnt. Er würde in allererster Linie dafür sein. 
Aber er könne nicht mit fliegenden Fahnen so hineinstürzen 
(Unruhe). Da« wäre abenteuerlich, wenn wir so hinein 
stürzten (Unruhe). Um 20 Schüler gründet man noch keine 
neue Schule. Man möge erst anfangen, wenn die Not 
wendigkeit eine dringende ist. WaS Herr Draeger sagte, 
sei garnicht so unrecht. Gewiß ist der Zuzug zum Real 
gymnasium größer. Aber warum muß eS gerade daS 
Realgymnasium sein. Wir bieten doch den Kindern die 
Möglichkeit der höheren Schulbildung. Er sei gegen die 
Realschule solange wir nicht daS Oberlyzeum haben. 
Für die Knaben sei viel geschossen. ES gibt Eltern, die 
haben dieselbe Empfindung für die Mädchen wie andere 
für die Knaben. ES besiehe hier eine einseitige Bevor 
zugung für die Knaben. Man müsse auch den Eltern, die 
Mädchen haben, Gerechtigkeit zukommen lassen. 
Schöffe v. Wrochem ist auch dafür, daß man nicht 
ohne eingehende Prüfung an die Sache herangehe. Er 
beantrage deshalb, die Angelegenheit an das Kuratorium 
zurückzuverweisen. Er glaube ja auch, daß man mit dem 
AuShtlfkmittel der drei Klassen auskommen werde, wünsche 
aber nicht, daß dies heute genehmigt werde. Herr 
Kalkbrennrr hat außerhalb dieser Versammlung in einem 
Verein erklärt. daS Oberlyzeum werde nie kommen. Er 
wisse nicht, ob Herr Kalkbrennrr so genau die Ansichten 
der einzelnen Herren kenne, um solches zu behaup.'en. 
Wir müssen für dak Oberlyzeum eb.nso sorgen, wie für 
die Knabenschulen. Er nehmen da einen mittleren Stand 
punkt ein. 
G.-V. Schultz erklärt, er habe auch im Kuratorium 
nicht dafür gestimmt, daß wir eine neue Schule gründen. 
Aber eS besteht am Realgymnasium tatsächlich eine Not 
lage und so stimme er für die 3. Eexm (Bravo). Die 
Kinder müssen doch untergebracht werden. Aber dar weiter 
ausgebaut werde, dafür möchte er nicht sein. Ec möchte 
da auch empfehlen, daß die Lehrer bet den Versetzungen 
nicht so streng urteilen, öfter mal ein Auge zudrücken und 
versuchen, Schüler, auch wenn sie nicht ganz so tüchtig 
sind, in eine höhlre Klasse zu „schieben^, damit die unteren 
Klassen mehr entlastet werden. Er empfehle da, etwas 
mehr Schiebung zu machen (Heiterkeit). 
G.-V. Kaikbrenner glaubt, im Gegensatz zu Herrn 
Schultz, daß bzgl. der Versitzung gerade rechte Strenge 
obwaltet, um nicht zu viel Schüler in die Klassen zu be- 
konimen. ES sei verständlich, daß ein strengerer Maßstab 
angelegt werde. Wenn da von 20 Schülern gesprochen 
wurde, so möchte er betonen, daß eS sich doch nicht um 
20 Schüler handelt, sondern darum, daß 50 Schüler zu 
viele in einer Klasse sind. Bezüglich de§ Unterrichts sei e§ 
heule viel schlimmer als damals. Wie es die Lehrer heute 
manchmal fertig bringen, sei ein Kunststück. Der Herr 
Bürgermeister sp.ach von dem Hineinstürzen mit fliegenden 
Fahnen, von Kurzsichtigkeit usw., er möchte vermeiden, 
in dieser Art und Weise die Sache weiter zu behandeln. 
Wenn der Herr Bürgermeister den Vorwurf macht, daß 
man abenteuerlich wäre, dann sei doch der sachliche 
Boden vollkommen verlassen. Hier handelt es sich 
doch darum, wie wir mit einem paar hundert Mark dem 
Uebelstand abhelfen können. Diese Schule ist doch gerade 
eine Schule für den Mittelstand, da sorg« man für (Schösse 
v. Wrochem: Sie haben doch überhaupt keinen Mittelstand). 
Sie rechnen sich doch nicht dazu. (Stürmische Heiterkeit, 
v. Wrochem: Sehr sogar). Nun soll daS Kuratorium noch 
mals über die Sache beralen. Wenn das Kuratorium vom 
5. Dezember bis heute nichts fertig gebracht hat. wird'S 
auch weiter nichts zustande bekommen. Auf die Umfrage 
werde man die wunderlichsten Antworten erhalten. Ec 
glaube, man wolle nichts weiter, als ein Begräbnis im 
Kuratorium. Von Gerechtigkeit war die Rede. Die beste 
Gerechtigkeit erfährt der Ort, wenn man seinen Antrag 
annimmt. Ec beantragt namentliche Abstimmung. 
G.-V. Eggert meint, wenn jetzt schon 20 Anmeldungen 
vorliegen, so werden viele schon abgewiesen worden sein. 
DaS spricht sich dann so schnell herum, daß Niemand erst 
herzieht. Die Frage dürfen wir garnicht ablehnen, sie ist 
eine BedürfniSfrage. Wenn ain Lyzeum die innen» 
Klassen überfüllt sind, wäre er auch für Abhilfe. Beim 
Oberlyzeum aber handelt eS sich um 15—I6jährige Mädchen, 
die können eher nach außerhalb fahren. Hicr handelt eS 
sich um kleine Schüler (Sehr richtig). Warum komme 
man immer mit dem Oberlyzeum und nicht mit der 
Studirnanstalt. die billiger ist. Da wäre vielleicht darüber 
zu sprechen. An den Hauswirt kommen oft Fragen über 
die Schulen und da müsse er dann schließlich antworten, 
zieht nicht erst her, Eure Kinder finden keine Aufnahme. 
G.-V. Richter bemeikt, daß nach den eingehenden 
Darlegungen die Notwendigkeit für die Errichtung der Scxia 
anerkannt werden müsse. Allerdings feien finanzielle 
Schwierigkeiten vorhanden. Ec möchte nicht verfehlen, 
wieder darauf hinzuweisen, daß der Staat im Schul 
wesen nicht seine Pflicht tue. Wir sind aber nicht in der 
Lage, ihn zu zwingen und so müssen wir eS schönmachen. 
Anders war eS mit dem Oberlyzeum, das doch mit dein 
richtigen Namen genannt, eine Lehierinnen-Bildungranstalt, 
«in Seminar ist. Da konnten wir den Staat an seine 
Pflicht erinnern, und mit der Ablehnung ist nur den 
Machtverhältniflen Rechnung getragen worden. Im Inter- 
esse der Gemeinde und der Bürgerschaft müssen wir aber 
■ die 8. Sexta schaffen und können die Sache nicht verdrehen. 
G.-V. Berger beantragt Schluß der Debatte. 
Bürgermeister Walger erklärt, daß nur noch G.-V. 
Dr. Lohmann auf der Tagesordnung steht, ob man diesen 
nicht noch hören wolle. G.-V. Dr. Lohmann ruft, er 
verzichte. 
Bürgermeister Walger will dann noch Autsührungen 
machen zur Rede deS G.-V. Gggert. 
G.-V. Berger ruft: Ich habe doch Schluß der Debatte 
beantragt. 
Bürgermeister Walger meint, daß er als Versamm 
lungsleiter das Recht habe, noch zu sprechen. 
G.-V. Kalkbrennrr (zur Geschäftsordnung) erklärt, 
daß nach § 6 der Geschäftsordnung nur der Antragsteller 
und Berichterstatter noch sprechen dürfen. Der Herr 
Bürgermeister sei aber weder Antragsteller noch Bericht» 
erstatler. Es mag daS eine Lücke in der GkschäflSordnung 
sein. Man müsse sich aber ebenso darnach richtin. wie man 
sich bei anderen Gelegenheiten darnach richte. 
Bürgermeister Walger führt zur Geschäftsordnung 
auS, daß wenn Dinge gesagt worden seien, die berichtigt 
werden müssen, da sie unrichtig wären, so müsse er unbe 
dingt noch daS Wort haben. Er werde nicht sprechen, 
bedauere aber, daß auf diese Weise auch eine unrichtige 
Mitteilung in die Oeffentlichkeit komme. 
ES wird nun zunächst über den weitgehendsten An 
trag (weil VertagungSanlrag) der Schöffen v. Wrochem: 
Die Angelegenheit an das Kuratorium zurückzuverweisen, 
namentlich abgestimmt. Mit 11 gegen 15 Stimmen fällt 
dieser Antrag. Es stimmen für ihn Bürgermeister Walgcr, 
Schöffen Bache, Draeger, Lichtheim, Wosstdlo, Satöe, 
v. Wrochem, Dr. Lohmann, Ott, Sachs und Dr. Thurmann; 
dagegen stimmen die G.-V. Berger, Dregcr, Eggert, Finke, 
FranzeliuS, Haustein, Dr. Heincckcr, Heise, Kalkbrennrr, 
Lehment, MatthieS, Richter. Echönknecht, Stöcker und Schultz. 
Der Antrag des G.-V. Kalkbrenner: Zum 1. April 
dieses JahrcS die Sexta am Reformrealgymnasium zu er 
richten, wird mit 18 gegen 8 Stimmen angenommen. 
ES stimmen für den Antrag: Schöffe v Wrochem, die 
G.-B. Berger, Drcger, Eggert, Finke, FranzeliuS, Haustein, 
Dr. Heinccker, Helfe, Kaikbrenner, Lehment. Dr Lohmann, 
MatthieS, Richter, Schönknecht, Swcker, Schultz und Tr. 
Thurmann. Dagegen stimmen: Bürgermeister Walper, 
Schöffen Bache, Draeger, Lichtheim, Wosiidlo, Sadö.', 
G.-V. Olt und Sachs. 
Lokales- 
[Ka^ira* sstret o-Origiuairrltkel nnt nsit Qu&eaansabe erstatt« ) 
o Erncuvnug. Dem hier Bennigsenstr. 5 wohnenden 
Geh. exped. Sekrciäc und Kalkulator im Reichskolonialamt 
Herrn Höft ist der Charakter als RechnungSrat verliehen 
worden. 
o Nachttelcphondicnst beim Fernsprechamt 
Steglitz. Nach Uebernahmen der Garantiesumme durch die 
Gemeinden Schöneberg, Steglitz und Dahlem hat die Post 
sich bereit gefunden, den Nachttelephondienst beim Fern 
sprechamt Steglitz einzuführen. Durch diese Einrichtung 
ist auch den Einwohnern dcS Friedenauer OrtSteilS von 
Schöneberg die Möglichkeit gegeben, bei Nacht Telephon- 
Anschluß zu erhalten. 
o Tuberkulosebekämpfung. Wir weisen noch 
mals darauf hin, daß Herr Dr. med. Heinccker morgen 
DirnStag Abend 8 3 / i Uhr im Sitzungssaal« der Gemeinde 
vertretung einen Vortrag hält vor der Gemeindevertretung, 
dem Armenaukschuß und dem Waiscnrat Uber „Die Tuber 
kulose und ihre Bekämpfung". Herr Dr. Heinccker wird 
auch besondere Mitteilungen Uber die bisherige Tätigkeit 
der hiesigen Fürsorgestelle für Tuberkulöse machen. 
o Beseitigung eines Engpasses. Der verkehr?- 
rciche Engpaß der Kaiserallee zwischen der Spichernstraße 
und dem Hohenzollerndamm, der schon zu mannigfachen 
Unznträglichkeitkn geführt hat, soll jetzt endlich erweitert 
ireeden. Bekanntlich münden in diesen Teil der Kaiserallee 
6 verkehrsreiche Seitenstraßen, die Spichern-, Meierotto-, 
Pariser-, RegenSburge» und Nachodstcaße und dcr Hohen 
zollerndamm. Außerdem wird hier der Fahtdamm auch 
noch durch den Straßenbahnverkehr stark in Anspruch ge 
nommen. Diese Inanspruchnahme wird sich in Zukunst 
noch erhöhen, wenn die projektierte Gleiknerbindung 
Spichernstcaße—Kaiserallec—hohenzollecndamm zur Aus 
führung gelangt und wenn gegebenenfalls später auch noch 
eine südwestliche Kurornoerbindung zwischen den Gleisen 
der Kaiserallee und beS Hohenzollerndamms geschaffen 
wird. Eine Verbreiterung der Straße von 30 auf 40 m 
soll dadurch herbeigeführt werden, daß die Vorgärten bet 
den in Betracht kommenden Grundstücken fortgeräumt 
werden. Tie Einteilung dieser 40 Meter breiten Straße 
ist derart vorgesehen, daß zwei je 7 Meter breite Bürger- 
steige, zwei je 8 Meter breite Fahrdämnie und eine 10 
Meter breite Mittelonlage anzulegen sind; letztere wird 
durch den Kreuzdamm Kaiserallee-, Pariser- und Regens 
burger Straße in eine nördlich und eine südlich dieser 
KcenzdammeS gelegene Insel geteilt werden. Die Mittel- 
inseln sollen die Slraßenbahngleise einschließlich der Weichen- 
Verbindungen aufnehmen, und soweit sie im Jnlereffe deS 
Fußgängerverkehrs nicht zu pflastern sind, mit Giüuanlagkn 
versehen werden. Gleichzeitig wird die Elraß» asphaltirrr. 
o Die neue IVL.Lokomotive (d. h. vier-D Trieb 
achsen und vor und hinter denselben je eine-1-Laufachse) 
machte in den letzten Nächten schon ausgedehntere Exkur 
sionen auf dem Nordring. Demnächst wird si; ihre eigent 
lichen Fahrten beginnen, zu welchem Behufe ein Leerzug, 
der durch künstliche Belastung auf daS Gewicht eines voll 
besetzten StadtbahnzugeS gebracht ist, gestellt werden wird. 
Auch diese Probefahrten werden nachts, in den Betrieb!» 
pausen, auf dem Nordringe stattfinden. 
o Seinen 8V. Geburtstag feierte heule der Kriegs- 
Veteran F. Eicke, Albestr. 3 wohnhaft- Der Jubilar be 
findet sich in bedrängter Lage; er hat keine Verwandten 
und ist so auf die Mildtätigkeit Fremder angewiesen. Sr 
ist heule durch die Fllrsorgeoereinigunz für hilfsbedürftige 
KeiegSoeteranen besonders geehrt worden. Frau Stoye 
und der Geschäftsführer der Vereinigung. Herr Kanzietrat 
Borck. begaben sich in die Wohnung des Jubilar« und 
überreichten ihm außer einem Geldbetrag verschiedene 
StärkungS- und Genußmittel. Vielleicht finden sich noch 
weitere mildtätige Herzen, die dem alten Herrn an seinem 
hohen Wiegenfeste eine Freude bereiten. Wir wünschen 
ihm jedenfalls noch einen recht langen, freudigen Leben«- 
abend bei bestem Wohlsein. 
o Ueber 90 Korp» deS Köfeuer Seuiorrn- 
KonvrotS hoben sich zur Teilnahme am diesjährigen 
Kammer« alter Korpsstudenten gemeldet und ihre Ver 
treter füllten gestern den Saal des .Askanier' in der 
Anhaltstraße, um die letzten Votbereitungen für diese nun 
zum 39. Male wiederholte Veranstaltung in die Wege zu 
letten. Der bisherige Präsident LandgerichtSrat Nehrl 
wurde einstimmig wiedergewählt, ihn werden SanitätSrat 
Dr. Bröse und Schuldirektor Dr. Begemann in der 
Leitung dc§ Kommerses, der am 15. d. MtS., Abends 
8 Uhr in den Ausstellungshallen am Zoolog. Garten 
seinen Anfang nehmen wird, zur Seite stehen. Die Kaiser- 
rede wird, wie im Vorjahre, der frühere TisenbahndirektionS- 
Präsiden von Kranold, halten. 
o Dcr Handel, und Gcwerbevereiu hält seine 
Monatsoersammlung morgen, DienStag, Abend 9 Uhr, im 
oberen Saale de« „Hohenzollern* ab. AIS wichtigster 
Punkt steht auf der Tagesordnung: Aussprache über den 
2. Teil deS Gesetzes zur Sicherung der Bauhandwerker, 
forderungen. Die Anwesenheit sämtlicher Mitglieder ist 
dringend erwünscht. Gäste sind willkommen. 
o DaS 10 jährige Stiftungsfest feiert die Ver 
einigung selbständiger Schneidermeister von Friedenau und 
angrenzenden Orlktrilen morgen, DienStag, AbendS 8% Uhr. 
Seine gütige Mitwirkung hat der Gesangverein „Lieder- 
laset (Dirigent M. Voigt) zugesagt. Im ersten Teile 
findet Konzert statt und werden Ansprachen gehalten. Mit 
einem lustigen Schwank schließt der zweite Teil. Daraus 
folgt Ball. 
o Der König!. Hof. und Domchor aus Berlin, 
der unter Leitung seiner rühmlichst bekannten Direktors 
Professor Hugo Rüdel am 28. Februar 1913, Abends 
8 Uhr, in der schönen Aula de« ResormrealgymnasiumS 
zu Friedenau konzertieren wird, ist dcr auS 10 Herren 
und 36 Knaben bestehende ,Cchloßchor", dessen Lied mit 
den persönlichen Erlebnissen der Hohenzollernfamilie eiig 
verbunden ist. Wie in alten Zeiten der Sänger mit dem 
Könige ging, so darf der „Schloßchor" mit dem Kaiser 
ziehen, die guten wie die bösen Tage ihm zu verklären. 
Vom KrönungStage zu Königsberg (1861) durch all die 
schweren und herrlichen Zeilen biS zu der Stunde, wo er 
dem Unvergeßlichen die letzten Schlummerlieder weihte, 
durste nach dem Willen der alten, lieben Kaisers 
Wilhelm I. die „mvuica sacra“ des König!. Hof» und 
Domchores nicht fehlen. Und so hält Se. Majestät Kaiser 
Wilhelm II. eS auch. — Außerdem haben ihre gütige Mit 
wirkung zugesagt die in weilen Kreisen beliebte Konzert- 
sängerin F:l. Anna Graeoe und die Biolinvirtuosin Frau 
Hilde Jordan ElgerS, die alS Violinoirluostn bestens 
bekannt ist. 
o Kunst und Wissenschaft werden sich am 11. 
Februar auf der „Ballnacht in Berlin W.*, dem Winter 
fest deS „Vereins Berliner Journalisten", ein Stelldichein 
geben. Das ohnehin sehr reichhaltige und interessante 
Kinoprogramm der Pathe fi£res erfährt eine wertvolle 
Bereicherung durch Einschaltung eines LichtbildervortrageS, 
den Professor Dr. Archenhold, der Direktor der Stern 
warte in Treptow, über die letzte Sonnenfinsternis hatten 
wird. Ihm ist eS gelungen, dieser Naturphänomen in 
einem vorzüglichen Film zu verewigen. ES wird den Be 
suchern nicht unintelkffanl sein, zu erfahren, daß die meisten 
Mitglieder deS EhrenauSschußeS ihr Erscheinen zugesagt 
haben. Auch die bekanntesten Schriftsteller und Künstler, 
sowie auch die heroorragsten Mitglieder unserer Bühnen 
neiden auf dem Ballfest erscheinen. 
o Mänucr'Turnvcrein. DaS diesjährige Bezirks. 
Alters-Turnen findet morgen Abend 8*/ 2 Uhr in Steglitz 
in der Turnhalle der Oberrealschule in der Elisenstraße 
statt. Die Teilnehmer der AlterSaüteilung treffen sich um 
8 Uhr an der Kaisereiche um gemeinsam nach dort zu 
gehen. Der Turnabend der Altersabteilung fällt auS 
diesen Gründen aus. 
o Ein FrühstückSdirb ergriff, n Unserer Polizei 
ist eS gelungen, r.r der Büsingstraße den Frühstücksdieb zu 
fassen, der wochenlang die Bewohner jener Gegend be 
unruhigte. Fast täglich wurden in den Straßen im Cüd- 
wcsten Friedenaus Frühstücksbcutel gestohlen. Trotz größter 
Ausmerlsamkeit der Bewohner, Hauswarte und auch der 
Bäcker konnte man des DiebeS nicht habhaft werden. 
Heute wurde er nun auf frischer Tat ertappt. ES ist ein 
Stukkateur Liidecke, der bereits seit 1911 arbettS- und 
obdachlos ist. Herr Kommissar Jccobi ließ den Spitzbuben 
nach Moabit bringen. 
o Lysol anstatt Kognak. Einer Verwechslung ist 
am gestrigen Sonntag Nachmittag der 38jährige Arbeiter 
Wilhelm Bauer. Geitbergstr. 8 zu Echöneberg zum Opfer 
gefallen. B., der in dem im selben Hause befindlichen 
Gitreidegeschäst von Gäbe beschäftigt ist, hatte eine mit 
Kognak gefüllte Flasche auf ein Brett gestellt, auf d«m 
sich auch Medizinflaschcn befanden. In der Dunkelheit 
vergriff er sich und faßte elne Ly-olflasche, deren Inhalt 
er fast ganz leerte. In schwer verletztern Zustande wurde 
er in die Unfallstation in der Vorbergstrr.ße und von da 
rach dem Schöneberger Krankenhaus gebracht. 
o Von einer Kraftdroschke überfahren wurde 
heute Vormittag 12 Uhr vor dem Hause Rheinstraße 55 
ein brauner Jagdhund, einem Herrn Meißner gehörig. 
Die Räder gingen dem Tier über den Rücken, sodoß eS 
gelähmt war. Mit einem Dreirad wurde der Hund zum 
Tierarzt gebracht. 
o Von einem Automobil rnngestofieu. Gestern 
Abend gegen 3 / 4 G Uhr wurde in der Kaiserallee vor dem 
Haus« Nr. 86 ein 6jähriger Knabe namenS ScharrikS 
von der Kraftdroschke 1 A 7423 ersaßt und zur Seite ge-
        
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