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Periodical volume Nr. 4, 05.01.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

Mitgliede. Bruch ist einer der bedeutendsten Komponisten 
auf dem Gebiete de» Chorgrsang»;- mit seinen Werken 
für Chor und Orchester beherrschte er Jahrzehnte lang dir 
Konzerlsäle. Fast »klassisch" zu nennest ist sein erste» 
Violinkonzert, welche» allein genügt» ihn unvergessen 
za machen. 
o Ein Bürgervaud Groß-Berlin ist vor einigen 
Wochen in aller Stille gegründet worden. Die Freis. Zig. 
schreibt: 
„In einem vom 28. Dezember datierten Rundschreiben wird zu 
einer Versammlung eingeladen, die an diesem Sonnabend abgehalten 
werden und „die weiteren Maßnahmen" beraten soll. Mit dem Schreiben 
zusammen werden die Satzungen des Biirgerbundcs Eroß-Bcrltn ver 
sandt, „in der Fassung, die gemäß dem Auftrage der Versammlung 
vom 1. Dezember v. I. von dem hierfür gewählten Ausschüsse be 
schlossen worden ist". Die hier erwähnte Versammlung vom I. Dezember 
scheint uut r Ausschluß der Oeffentlichkeit getagt zu haben; uns ist 
wenigstens nichts von ihr bekannt geworden. Was bezweckt nun der 
Bürgerbund Groß-Berlin? Nach dm Satzungen liegen ihm folgende 
Aufgaben ob: 1. Die Beratung gemeinsamer Kommunal-Angelegenheiten 
der Groß-Bcrliner Gemeinden, 2. Die Schaffung einer Aüskunftsstelle 
für Groß-Berliner Gcmcindefragen, 3. Die Abwehr sozialdemokratischer 
Bestrebungen in den Groß-Bcrliner Genicinwescn. Ausgeschlossen ist 
die Erörterung allgemcinpolitischer und religiöser Angelegenheiten. 
Das ist ein sehr merkwürdiges Programm, das in vieler Hinsicht noch 
einer weiteren Erläuterung' bedarf.' Wenn man die Punkte 1 und 2 
betrachtet, so könnte man annehmen, daß der Bürgerbund ein gewisser- 
maßen inoffizielles Gegengewicht gegen die Organe des Groß-Bcrliner 
Zweckverbandes darstellen soll. Viel deutlicher ist schon der Punkt 3. 
Hier zeigt es sich, daß der Bürgerbund Groß-Berlin sich einseitig nur 
gegen links wenden will; die Beeinträchtigung der kommunalen Selbst 
verwaltung durch Hebelgriffe und Eingriffe von oben her scheint da 
gegen die Herren nicht zu kümmern. Ter Bund verlangt von seinen 
ordentlichen Mitgliedern einen Jahresbeitrag von mindestens 2 M,, 
und läßt auch die Mitgliedschaft von Personen-Gesamtheiten zu. Ver 
sammlungen werden nach Bedarf veranstaltet. Ebenso seltsam wie die 
Satzungen und die ganze Jnaugurierung des Bundes sind die Unter 
schriften, die sich unter dem Rundschreiben befinden. Auffallcnderwcise 
ist dort Berlin nicht durch einen einzigen Stadtverordneten vertrete», 
während aus mehreren Vororten ein'ganze Anzahl vorhanden sind. 
Soweit die politische Stellung der Unterzeichner bekannt ist, entdecken 
wir unter ihnen nur RechtsnationaUiberale und Konservative. Wir 
nennen beispielsweise die Abgg. TV Böttgcr, Fritsch, Sicbenbürger und 
Ziethen sowie den Reichsvcrbändlcr Tr. niev. Heinecker-Friedcnau, den 
Generalsekretär des Bundes vaterländischer Vereine Geuer, den Stadtv. 
Prof. Dr. Leidig, den Spndikus der Hauptstelle Deutscher Arbeitgeber- 
Verbände Dr. Tänzler. Tie Oeffentlichkeit wird gut tun, dem Vor 
gehen des Bllrgerbundes alle Aufwerksamkcit zu schenken." 
Hierzu schreibt man un»: 
Tie hier genannten beiden Friedenauer Gemeinde- 
verordneten, Herr Dr. Heinecker und Herr Dr. Tänzler, 
würden der Friedenauer Bürgerschaft einen Dienst erweisen, 
wenn sie da» Siegel drr Verschwiegenheit lösen und durch 
die OrtSpreffe allen Mitgliedern der Gemeindevertretung 
und auch der Bürgerschaft ausführlich darlegen wollten, 
weiche Ziele der .Bürgerbund" verfolgt. 
o Die Weihnachtsfeier des Parochialvereins 
der „Positiven von Nathanael" erbrachte wieder 
den Beweis erfolgreicher Arbeit dieses Verein» in der 
Nathanaelgemeinde. Selbstverständlich war auch diesmal 
wieder, wie man i» bet Veranstaltungen größeren Etil» 
von dieser Seite nicht ander» gewöhnt ist, der Saal über 
füllt. Jeder der Anwesenden, ob Alt oder Jung, und 
auch die lieben Kleinen verharrten in der Erwartung der 
Ueberraschungen, die ihnen der Weihnachtsmann bringen 
würde, und man kann wohl sagen, daß niemand enttäuscht 
wurde. Die Festansprache de» Herrn Pfarrer Lange kam 
so ron Herzen, daß jeder der Anwesenden mit sichtbarer 
Aufmerksamkeit zuhörte. Herr Pastor Lange wußte nicht 
nur mit Freude und heiligem Ernst den Kindern in ver 
ständnisvoller Weise die Bedeutung deS WeihnachtSfestes 
zu erklären, sondern machte auch die erwachsenen Zuhörer 
auf den Segen einer rechten Weihnachtsfeier aufmerksam 
und wie man innerlich erfüllt au» vollem Herzen singen 
kann: O du fröhliche, o du selige gnadenbringende Weih 
nachtszeit. Nach der Ansprache wurden von Herrn 
Burkhard mittel» Goerz'schen Apparat» die Lichtbilder von 
der Kindheit Jesu vorgeführt, zu denen Herr Redakteur 
Uhl den erklärenden Text mit einem Schlußwort, in 
welchem nochmals auf den Ernst drr Weihnachtsfeier hin 
gewiesen wurde, zum Vortrag brachte. Außerdem ver 
schönten musikalische Darbietungen in reicher Abwechselung 
die Lichtbtldervorsllhrung. Herr Musikdirektor Max Werner 
begleitete in recht stimmungsvoller Weise durch Harnionium- 
spiel die Bilder und unter seiner Leitung erklangen auS 
frischen fröhlichen Kinderkehlen zu den schönen Bildern 
noch unsere lieben alten WeihnachtSlieder. Solovorträge 
der Konzrrtsängrrin Frau Frauenhelm sowie de» Cello- 
virtuosen Herrn von Frerdrn und die Klavierbegleitung 
des Herrn Musikdirektor Werner erfreuten die Zuhörer 
Augen auf ihrer zarten, schlanken Gestalt, während ihre 
Blicke angsterfüllt auf den nahenden Zug gerichtet waren, 
der ihr fortnehmen sollte, was ihr das Liebste auf der 
Welt war. 
Erichs körperliche Gesundheit war jetzt völlig wieder 
hergestellt, seine im Grund kräftige Natur hatte über 
raschend schnell die Schäden überwunden, die ihm durch 
die Qualen, die er in Heckholzhausen hatte erdulden müssen, 
zugefügt worden waren. Auch seine geistigen Kräfte hatten 
sich gehoben, nur war er immer noch nicht fähig, sich der 
Vorkommnisse zu erinnern, die in die Zeit seit seiner 
Verheiratung fielen. Er wußte nichts mehr von dem 
Testament seines Onkels, nichts von seiner Ehe, nichts 
von seinem Aufenthalt in Afrika. Erst von dem Augen 
blick, wo er dort den Dampfer zur Heimfahrt betreten, 
hatte er wieder einigermaßen klare Vorstellungen, und 
auch diese waren durch die schrecklichen Leiden, die er hatte 
erdulden müssen, wieder zum Teil verwischt. 
Aber er ließ sich nicht mehr willenlos leiten, sondern 
hatte es entschieden durchgesetzt, Hammerstein zu verlassen 
und seine alten Räume in Berlin wieder zu beziehen. 
„Wenn Stern zurückkehrt," erklärte er Angela, „werde 
ich bestiminte Pläne über meine Zukunft fassen, bis dahin 
werde ich mir schon allein forthelfen können, jetzt, wo ich 
dank Ihrer aufopfernden Pflege wieder im Besitz meiner 
Gesundheit bin. Nach und nach wird es mir dann auch 
schon gelingen, nüch ein bißchen besser zu erinnern." 
Angela hätte sich gewundert, daß das große Gut 
haben, das er auf der Bank vorgefunden, ihn gar nicht 
an das Vermächtnis Matthias Kästners und die sonder 
baren Bedingungen erinnerte, unter denen es ihm zu 
gefallen war. Aber er nahm die Abrechnung der Bank als 
etwas ganz Selbstverständliches hin, und kein Gedächtnis 
und fanden reichen Beifall. Dann erschien für die Kinder 
der WeihnqchtSmann v mit seiner Rute, der so bedrängt 
wurde, daß er dttse garnicht in Tätigkeit setzen konnte. 
Hierüber waren die Kinder natürlich auch weiter nicht böse, 
sondern sahen nur zu, daß jedem eine Ueberraschung 
zuteil wurde. Während drr Weihnacht-mann so seine 
Gaben verteilte, wurde den Großen die Ueberraschung 
durch die Tombola, zu der in dankenswerter Weise außer 
den Mitgliedern auch etliche Frauen sehr nelte Angebinde 
überwiesen hatten. Zum - Schluß dankte der Vorsitzende 
allen, die znm guten Gelingen der Feier beigetragen 
hatten und mächte dann noch auf die Zwccke und Ziele 
des Verein» aufmerksam. Dieser will die Gemetnde- 
mitglieder zusammenführen und behilflich sein beim Suchen 
nach dem ewigen Heil und unseretN Heiland Jesu» 
Chrtstu». Wer da» Weihnacht-fest auch in diesem Sinne 
und nicht der Geschenk« oder äüßrrltcher. Dinge wegen ge 
feiert hat und sich immer mehr vorbereitet zum Empfange 
de» Herrn, der hat richtige Weihnachten gefeiert und wird 
eine dauernde Freude davon behalten uttd diesen Segen 
mir in» neue Jahr hinüber nehmen. 
o Eine fröhliche Weihnachtsfeier veranstaltete 
der »Friedenauer Männer-Gesangvcrein 1875' am Donner», 
tag, dem 2. Januar im »Kaiser Wilhelmgarten', Rhein- 
straße 65. Schon frühzeitig halte sich eine außerordentlich 
zahlreiche Festversammlung eingesunken, in der diesmal 
die Jugend tonangebend war. Gegen 9 Uhr leuchteten 
die elektiischrn Kerzen des hohen prächtigen Tannenbaum» 
auf und mit dem gemeinsamen Gesang eine» Weihnacht!- 
liebes begann nun die Feier. Hierauf hielt der Vorsitzende 
Herr P. Schmidt eine Begrüßungsansprache. Tann öffnete sich 
dieBÜhne und 35 Kinder sührtendas Märchenspiel von Hedw. 
Müller »Weihnachten im Reich der Unterirdischen" auf. 
All die bekannten, lustigen Märchengrstalten erschienen auf 
der Bühne und da» wunderbare, glänzende Zusammenspiel 
der kleinen Bühnenkünstler täuschte eini wirkliche Märchen 
welt vor. Reicher Beifall wurde den Darstellern zuteil, 
insbesondere den Allerkleinsten (der jüngste »Schauspieler' 
war 3 Jahre alt) sür ihre originclle .Kunst". Er fand 
darauf ein kleines Tänzchen für die Ktnder statt. Dann 
rief sie der Vergnügungsausschuß an den Gabentisch, von 
wo Mädchen wie Junge mit fröhlichem, zufriedenem Ge- 
sicht zu den Eltern zurückkehrte. In dem ferneren Ver 
laufe deS Festes erfreute der Verein noch durch Vortrag 
einiger Chöre unter Leitung seine» Chormeister» Herrn 
Musikdirektor» Paul Antoni, gemeinsam wurden Weih- 
nachtslieder gesungen, Neumann-Bliemchen, der immer 
Fidele, erzeugte wieder heitere Gesichter durch seine lustigen 
Vorträge, und Groß und Klein wicgte sich im Tanz nach 
den neuesten Melodien, die Herr Kapellmeister Robert 
Schmidt auf dem Klavier erklingen ließ. Der Vorsitzende 
sagt« in einer Ansprache allen, die zur Verschönerung de» 
Abends beigetragen halten, den besten Dank und brachte 
dem VergnügungsauSschuß, besonders den Herren Schuster 
und Franke, ein Hoch dar, daS kräftigen Widerhall fand. 
In echt fröhlicher WeihnachtSstimmung dehnte sich die 
schöne Feier bis nach Mitternacht auS. 
o Männer - Turnverein (1. Männer-Abteilung). 
DaS Turnen der Abteilung beginnt wieder am Montag, 
dem 6. Januar, um 8 l / 2 Uhr. Außerdem werden die 
Mitglieder darauf vusmerlsam gemacht, daß die ordentliche 
Abteilur gSoersammlung am Donnerttag, dem 16. Januar, 
um 9 Uhr, im Restaurant Hohenzollern stattfindet. Pflicht 
eine» jeden Turngenvssen ist rS, diese Versammlung zu 
besuchen. DaS Turnen fällt an diesem Abend auS. 
o Ferdinand Bonn, der hervorragende Mime, tritt 
in einem herrlichen Kunstfilm »Seine schwierigste Rolle' 
gegenwärtig allabendlich in den mit vornehmer Eleganz 
ausgestattetkn „Hohenzollern-Lichtspielen" auf. LS ist ein 
herrliches Lebensbild aus dem Künstlerleben, das unS in 
diesem Film gezeigt wird und wir erkennen darin die 
großartige Mimik de» bekannten Künstlers, der in der 
»schwierigen Rolle" abwechselnd tiefen Schmerz und unge- 
bundeneLebenSfreundezumAvSdruck bringt. Auch dieübrigrn 
Nummern deS neuen Programm» fesseln da» Publikum. 
»Hüter deS.Gesetzes' ist ein amerikanisches Lebensbild, „Wenn 
zwei sich zanken" ein wundervoller farbiger Filn auS der 
Rokokkozeit. In einer farbenprächtigen Naturaufnahme 
b.trachten wir daS Einsammeln der Seemuschrl. »Militärische: 
Sport" zeigt die Schüler einer Militärschule >n Frankreich. 
.Bubi kommt auk dem ZirkuS" ist eine neue Komödie 
deS jüngsten KinokünstlerS. Der Spezialbericht der 
wurde dadurch in keiner Weise aufgefrischt. Von seinem 
Entschluß abzureisen, war er jedoch nicht abzubringen, und 
Angela blutete das Herz, als sic bemerkte, daß ihre Bitten 
zu bleiben, ihn in eine gereizte Stimmung versetzten. 
Der Arzt machte einen tastenden Versuch, ihn an seine 
Verheiratung zu erinnern, aber Erich hatte nur ein zorniges 
Lachen als Antwort. Er erklärte, er habe nie eine Frau be 
sessen, und habe auch für die nächste Zukunft nicht die Ab 
sicht, sich eine zuzulegen. Er verhielt sich der wiederholten 
Versicherung des Doktors gegenüber so ungläubig und 
ärgerlich, daß dieser davon abstand, ihn noch weiter zu 
reizen. 
Und so war es gekommen, daß Angela endlich wider 
strebend und unter tausend heimlichen Tränen in die Ab 
reise ihres Gatten hatte willigen müssen, und so stand sie 
jetzt mit ihm am Bahnhof, um neuen 'Abschied auf unbe 
stimmte, vielleicht wieder auf lange Zeit von ihm zu 
nehmen. Es war ihr klar, daß sie ihm mehr war als eine 
Freundin, der er Dank schuldete, wenn er auch nie durch 
ein Wort seine Gefühle für sie, in der er die Frau eines 
andern sah, verraten hatte. Aber jetzt, als der Zug in 
Sicht war, der ihn ihr aufs neue, vielleicht für immer, 
entführen sollte, da konnte sie dem Verlangen nicht wider 
stehen, einen letzten, verzweifelten Versuch zu machen, ihn, 
den sie über alles liebte, für sich zu behalten. 
„Erich," flüsterte sie ihm bebend zu, als der Zug in 
die Halle donnerte und Erich ihr die Hand zum Abschied 
reichte, „Liebster, geh' nicht von mir, glaube mir doch! 
Ich bin deine Frau, nur dein, ich gehöre keinem andern'" 
Ein erschrockener Blick traf sie; fast streng sah Erich sie 
an und ließ ihre Hand fallen. 
(Fortsetzung folgt.) 
»Hohenzollern-Lichtlpiele" bringt die neuesten Begebenheiten 
au» aller We'.r Dazu noch viele hum°risti,ch- 
von Mox Lindner usw. Viele f ' g h Q 6en. 
»Hohenzollern.Lichtspiele" anderenLlchtsp'c c & 
Zunächst di, prachtvolle Musik; um st- zu v««' ' . 
man schon da» Theater aufsuchen. Dann d e st loolle Ein 
richtung und Ausstattung, die da» Gefühl de» W hlb^ 
Hagen» erzeugt. Drittens: die vorzügliche Ins 
Beleuchtungsanlage: ganz allmählich tritt der chs 
Lichte» zur Dunkelheit ein. Vierten»: 'st bereit» für vte 
Theater da» polizeilich- Rauchverbot in Kraft ß< 
E» darf also dort nicht geraucht werden, sodaß immer 
eine klare Luft in dem weiten Saale zu staden 'st "no 
daS störende Geräusch der Ventilatoren in Wegfall kommt. 
Fünsten»: arbeitet der Apparat vollkommen ß"au,chlo». 
Dtr Hauplsorzug der Hoherrzollern-Lichtspiele aber tjt, B 
sie nur die neuesten Films vorführen, krnotechmsch au»- 
gedrückt: die erste Woche spielen; während manche anderen 
Vorortlichtspiele zweite, dritte usw. Woche fptden’ 
gar noch ältere Film» zeigen. Durch daS Vorführen 
neuer FilmS steht da» Bild prächtig, ist klar, geradezu 
lebenStceu und selbst sür die vorderen Plätze sttmmersrel. 
Ja keinem großberliner Lichtspieltheater dürfte man daher 
bessere Bilder vorfinden. Wir sind überzeugt, daß die 
»Hohenzollern-Lichlspiele" gar bald der Treffpunkt der 
Friedenaurr vornehmen Welt sein werdn. 
o Auf der Treptow-Dternwaits spricht Direktor 
Dr. F. S. Archenhold am Sonntag, den 5. Januar, Nach 
mittag» 6 Uhr über: .Die Bestimmung der Zeit und ihre 
Weitergabe " Wegen de» großen Anklänge», den die kine- 
matographischen Vorführungen gefunden haben, werden die 
selben Sonntag um 3 und 6 Uhr wiederholt. Da» Pro 
gramm lautet: »Tine Wanderung durch das bayrische Hoch 
land und die KöuigSschiösser und ein Weihnachtsmärchen " 
Am Montag. AbrndS 7 Uhr findet ein Vortrag von Dir. 
Dr. Archenhold über: »Die Sternbilder und Anleitung zu 
ihrer Ausffydung" statt. Mit dem großen Fernrohr wird 
am Tage die Venus, abends der Saturn und der Orion- 
nebel gezeigt. Außerdem stehen den Besuchern der Treptow- 
Sternwarte noch kleinere Fernrohre zur Beobachtung be 
liebiger Objekte unentgeltlich zur Versüguna. 
o Clu groftrs öffentliches Prciökegcln findet 
morgen Sonntag und am Sonntag, dem 12. Januar im 
»Lauterplatz-Castno', Hauptstraße 80, anr >Markt statt. 
60 Gewinne im Werte von 350 M. kommen zur Ver 
teilung. Beginn des Kegelns 4 Uhr Nachmittags. 
o Der Schwindler mit dem Scheck. Tin 
Schwindler sucht in den westlichen Vororten kleinere Ge 
schäftsleute, mit Vorliebe Goldarbeiter, auf, kauft mehrere 
Sachen, nimmt einen der gekauften Gegenstände mit und 
bezahlt mit einem Scheck. Der Scheck stammt au? einem 
Scheckbuch der Schaffhaufenschen BankorreinS Bonn, unter 
zeichnet Dr. Kurt Weil. Wie die Ermittlungen ergaben, 
ist daS Scheckbuch gestohlen. Von dem Betrüger wird 
folgendes Signalement gegeben: Etwa 38 Jahre alt, etwa 
1,70 Meter groß, mit dunklem, graugrünem Ulster be 
kleidet und ebensolchem Hut, schwarzes Haar, schwarzer 
Schnurrbart, spricht ausländischen Dialekt und tritt vor 
nehm auf. 
o Eine jugendliche Diebesbande festgenommen 
hat gestern die Scböneberger Kriminalpolizei. Seit 
längerer Zeit machte sich in Berlin W-, Schönederg, Frie 
denau. Wilmersdorf und anderen Bororlen eine Ein 
brecherbande bemerkbar, die nach einer bcstimmte Schablone 
„arbeitete". Er war eine DiebeSgesellschaft von sechs 
Köpfen unter dem Kommando deS 23 Jahre alten Schlosser- 
gesellen Schlaffke au» Schöreberg. Allnächtlich zogen die 
6 Burschen auf Raub aus, bis sie gestern von ihrem wohl 
verdienten Schicksal ereilt wurden. Sie hatten zuletzt die 
Webei'sche Billa in Wilmersdorf, die seit Weihnachten 
unbewohnt war, ausgeplündert. Ein Teil von ihnen hatte 
darin Quartier gekommen und dann kamen noch etwa 20 
halbwüchsige Burschen hinzu, die alles, was die andern 
hatten liegen lassen, wegschleppten und verkauften. Gestern 
Nacht überraschte die Schöaeberger Kriminalpolizei «ine 
Anzahl der Burschen, wie sie in der ausgeplünderter, Villa ein 
Festgelage abhielten. Die Bagabonden wurden festge 
nommen und gleich darauf.gelang es auch, die Schlaffke'sche 
Bande dingfest zu machen. Dir Westen Großberlin» ist 
dadurch von einer geiährlichen Einbrechergesellschaft auf 
lange Jahre hinau» befreit worden. 
o Freiwillig verhungert ist die in der Glrditsch- 
straße 11 in Schömberg wohnhaft gewesene 32 Jahre alte 
Schneiderin Frida Gärtner. Nachbarn hatten diese 
schon 14 Tage lang nicht gesehen, sodaß man annahm, 
die G. sei verreist. Erst durch starken aus ihrer Wohnung 
kommenden Verwesungsgeruch wurde man auf das Gegen 
teil aufmerksam. Der HauSwirt ließ die Tüc gewaltsam 
öffnen, wobii man die Leiche der G. völlig entkleidet und 
bt» auf die Knochen abgemagert vorfand. Die Leiche 
hatte schon tagelang in der Wohnung gelegen. Aus ange- 
stellten Ermittelungen hat sich ergeben, daß die G. einen 
in der Stallschreiberstraße in Berlin wohnenden Geliebten 
hatte, der in Konkurs geriet und dann nach Amerika 
auswanderte. Die Schneiderin wartete immer auf 
Nachricht, wann st; nachkommen könne. Die Nachricht 
blieb au» und das Mädchen wurde geistig gestört. E» 
nahm keine Nahrung zu sich, magerte sichtlich ab und starb 
schließlich an Entkrästung. Sie ist nach dem ärztlichen 
Befund tatsächlich verhungert. Mit einer Hand hielt sie 
eine kleine Puppe krampshaft fest, welche ihr der noch 
Amerika Verduftete einmal scherzweise geschenkt hatte. In 
der Wohnung lag alles wüst durcheinander. Die Leiche 
wurde nach F.ststellung des Tatbestandes nach dem Schau- 
Haufe in der Me.xflraße gebracht. Das ergreifende Schicksal 
d-s Mädchens hört sich wie ein Kintoppdrama an. ent- 
spricht aber doch vollkommen der Wahrheit. 
o Wahrscheinlich verschleppt wurde da» im 
Hause Nachodstr. 27 in Wilmersdorf wohnende 20 Jahre 
alte Fräulein Charlotte Grünthal, ein s,hr hübsche» 
Mädchen, welcher dort al» Gesellschafterin angestellt war 
Seit geraumer Zcit zeigte die G. ein gcdlücktrs Wesen ver^ 
ließ am Eylv.'sterabend ihre Wohnung und ist seitdem
        
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