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Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

Beilage zu Nr. 32 des „Kriedeuauer Lokal-Anzeiger . 
Donnerstag, den 6 Februar 1913 
Aas MhnenweMestspiel parstfal. 
. Von Referendar Friedrich Krug.Friedenau 
Parfifal — ein seltsam klingender und doch jedem 
bekannter Wort: DaS Lied vom reinen Toren, der durch 
deS Mitleids führende Hand die Kraft zum Siege der 
Reinheit, zur Erlösung der schmachtenden Mitwelt fand. 
Heftig tobt der Streit, ob dar höchste, in deS Alters 
Reife niedergeschriebene Werk Richard WagnerS, daS keinen 
Geist fast 40 Jahre hindurch beschäftigte, nur in Bayreuth 
aufzuführen sei, oder ob e» nach Ablauf der gesetzlichen 
Schutzfrist, die eS am 1. Januar 1914 freigibt, auf jeder 
beliebigen Schaubühne gezeigt werden kann. Es ist eine 
irrige Auffaffung, daß Wagner den Parstfal einzig für 
Bayreuth bestimmt habe, schreibt er doch unter dem 
29. September 1882 an den bekannten Theaterleiter Angela 
Neumann: „Haben Sie Ihr Wagnertheater auf den richtigen 
Stand erhoben und erhalten, so würden diesem Theater 
auch Bühnenweihfeftspiele sehr wohl zu überlasten sein, 
und einzig ihm würde dann in diesem Sinne der „Parstfal" 
von mir abgetreten werden können." DieForderungWagnerS 
war also: eine Darstellung, welche dem heiligen, höchste 
Geheimnisse verkündenden Inhalt eine würdige Form an 
ernster Stätte gab. 
Der Inhalt deS Parstfal fordert dies Gebot mit Recht. 
Der Kampf der Meinungen würde bald in ruhigeren Bahnen 
lenken, wenn das Gesamtbild de» Dramas allgemeiner, als 
e» der Fall ist, bekannt wäre. Nur wenige können nach 
Bayreuth pilgern, und die Einzelteile, die wir im Konzert 
saal vernehmen, sind zwar die musikalischen Höhepunkte, 
aber eS umschlingt sie kein geistiges Band, welches sie im 
Zusammenhang zeigt. DaS Mysterium Parstfal bedarf 
aber. wie kein zweites, vieler geistig-seelischen Verbindung 
und deswegen hat eS der Verfasser dieser Zeilen unter 
nommen, in der Form einer Vortrages mit musikalischen 
Erläuterungen in größerem Kreise ein umfassendes Bild 
deS christlichen Drama» zn geben. 
(Anmerkung der Schriftleitung: Herr Referendar Kcu.. 
wird diesen Vortrag mit musikalischer Unterstützung von 
Flügel, Harmonium, Violine, Cello, Solisten und ge- 
mischtem Chor im Parochialverein am Dienslag, dem 
18. Februar 1913, haben. (Karten in beschränkter Anzahl 
zu 1 M., Schülerkarten 50 Pf. bei KoffakowSki. Schmargen- 
dorferstraße, und in der Notenhaudlung von Schwartz, 
Rheinschloß.) 
Für einen ernsten Menschen ist e8 etwa« GefühlS» 
widrigeS ein Werk an einer Stätte, womöglich stümperhaft, 
mit unzureichenden Mitteln aufführen zu sehen, wo an 
anderen Abenden komische Opern oder gar Operetten über 
die Bretter gehen. Es ist nicht gut Lenkbar, auf Bühnen, 
welche der Lustbarkeit und dem Vergnügen, wenn auch in 
Werken der Kunst, bestimmt sind, — ganz abgesehen von 
den ariogermanischen Weisheiten oder den freimauerischen 
Gedanken, welche stets nur wenigen verständlich fein werden, 
— die hohen christlichen Sakramente zur Darstellung zu 
bringen, die feierlichen Worte deS Abendmahls zu ver 
nehmen und von der Erlösung de« Karfreitag» und ihrem 
zauberhaften Widerhall in der Natur zu hören. Zu fordern 
wäre also eine B-stimmung durch Ges,tz oder Verordnung, 
welche daS Aufführungsrecht deS Parstfal solchen Bühnen 
vorbehält, welche durch ihre bisherige G.'fchichte und gegen, 
wärtige künstlerische Arbeit die richtige, andachlerweck-»de 
Darstellung gewährleisten. 
Sollte aber die schrank-nlose Freigabe nicht aufge 
halten werben können, so trägt der Prnstsal seinen Schutz 
in sich selber. Nicht besser könnte man dies ausdrücken 
als durch jenes Wort, welche» Wagner in den Schlußstein 
de» Bayreuthrr Hause» niederlegte: 
Hier schließ' ich ein Geheimnis ein, 
Da ruh' e» viele hundert Jahr': 
solange eS verwahrt der Stein, 
macht eS der Well sich offenbar, 
oder auch jene denkwürdigen tiefen Worte, welche in der 
herben und keuschen Dichtung deS Parstfal auf die Frage, 
wer der Gral sei, also lauten: 
DaS sagt sich nicht! 
Doch bist Du selbst zu ihm erkoren, 
Bleibt Dir die Kunde unverloren 
Kein Weg führt zu ihm durch das Land 
Und niemand möchte ihn beschreiten. 
Den er nicht selber möcht' geleiten! 
Entläuscht wird der sensationShungrige Hörer und Zu 
schauer von dannen gehen. Feierlich gelragene Chöre, die 
den Opfertod deS Heilands verklären, ein Held, der sich 
von der Sinnenlust der Welt nicht betören läßt, eine Er 
lösung durch den stärkende» Glauben an die heilige Kraft 
deS Erlöser»: sie entsprechen nicht mehr dem Geschmack der 
Menge! 
Kassen lassen sich damit nicht füllen und von den 
Dingen, bei denen kein Geschäft winkt, läßt man bekannt- 
lich lieber die Hände. 
Es werden immer nur ganz wenige bleiben, welche 
di« goldenen Türen der Burg Monsalvat, in deren bergen 
den Holle der Gral glutet und mit seliger Liebe all-S er 
füllt, suchen und finden. Das Mysterium schützt sich 
von selbst: 
„Höchsten HstleS Wunder!' 
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Bekanntmachung. 
Die Angehörigen der Militärpflichtigen, die beim diesjährigen 
MusteningSgeschift Gesuche »« S«rückst»>«u, »,« MtlitSrdieuft 
anzubringen haben, werden aufgeford rt, ihre ReklanattonS^efuche 
fpSt-Ae«» »iS zu« *9 Fe»r»ar diese» Jahre» hier «inzurerchen 
»er.tttche Zeugnisse find nicht erforderlich. 
Diese vekannimachung bezieht fich nicht auf Zurückstellungsgesuche 
von Landwehrmannjchasien. 
Oeriin-ßriedenau, den 29. Januar 1918. 
Der Amts- und Gemeinde-Vorsteher. 
fert. an, erneuert I «askenkoAüne für Damen ver- 
LlslDltz H.«sack, »llhelmstr. ».'leiht. Wielaudftr. 11, UI, vorn r. 
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GeVerdeverriuszu Friedenau. 
Versammlung oer Mitglieder monatlich rtrnnur — Neumcidungen von Mitgliedern 
erfolgen in der Geschäftsstelle des „Fciedenauer Lokal AnzegerS. 
Wilhelm Ebers 
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Bekanntmachung 
Die bisher 'eg lrißiq alle zwei Jahre durch Eichbeamte im Be. 
meindebezirk -e lia-Frlkd-nau auSgesüh len Maß u- d Sew'.chlSr, Visionen 
find mm > Januar 19 2 b in JoitfuB gekommen «litt bissen fi.den 
ran jetzt ab -iriotztsche NachrichargkN durch Eibbeam'e xaU Für 
den Bemei it«bezirk Verlin-Fri denau findet diese Nachiichung in der 
Zeit vom 7. Januar bis 21 März 1913 statt Dar Eichamt ist auf 
dem Gemcind grurdflück am Mark Pt tz Niedstrvße 2 entrichtet und 
von vormittags 8 Uh: bis nachmittags 2 Uhr ununt'lbrrchen geöffnet 
Sämtliche hi-r ansäsfigen Gewerbetreibende welche zum Zumessen 
und Zuwiegen von Waren im öffentlichen Verkehr Wagn Gewicht« und 
Meßw rkzeug; verw nden, werden aufgefordert, während eingangs er 
wähnter Zeit diese an der bezeichneten Stelle racheichen zu lassen. Die 
für die Nacheichnng zu zahle den Gebühren werden von dem Eichamt 
gleich erhoben Ueb r die Höhe derselben ist i -> Eichamt eine Bekannt- 
machuug ausgehängt. 
Berltn-Iriedenau, den 1. Februar 1918. 
Der AmtSoirsteher. 
Suter MalmllleiM 
für Damen P-nftonat, Dtainiuer- 
strafet 2,111 (M. 1). Das. Zimm. frei. 
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