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Periodical volume Nr. 87, 14.04.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

Frik-kmrr LoKal-Amü-n. 
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Zeitung.) 
Organ für dm Friedmauer Ortsteil m Zchdnederg und 
Gerirksnerein Züdwest. 
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Klätter für äeulfcbe grauen. 
Druck und Verlag von Leo Schultz, Friedenau. 
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Berlin-Friedenau. Mittwoch, den 5. Februar 1913. 
Nr. 31. 
Friedenauer Adreßbuch 
1 Ql Q ist erschienen. i Ql O 
Preis 2 Mark. 1*3 
Verlag Rheinstraße 15. 
Depeschen. 
Letzte Nachrichten. 
Neukölln. Ju einer Wohnung des HauseS Prinz. 
Handjery Straße 40 entstand heute morgen ein Wohnungs 
brand. Zwei Kinder, die in der Wohnung allein waren, 
wurden durch Brandwunden verletzt. 
Brandenburg a. H. In der Berlin Neuroder Kunst- 
druckanstalt, die am 19. Dezember v. Js. von einem ver 
heerenden Brande heimgesucht wurde, brach heute morgen 
wieder ein großes Schadenfeuer aus, das ein großes Fabrik- 
gebäude vollständig vernichtete. 
Posen. Tinen Bombenanschlag versuchte gestern 
abend in Gembitz im Kreise Mogilnow ein bisher unbe- 
kannter Attentäter gegen den dortigen Schornsteinfeger- 
meister Kugler, offenbar in der Absicht, Kugler zu töten. 
Kugler war eben nach Hause gekommen, als jemand an 
die HauStür klopfte. Im selben Augenblick wurde daS 
Doppelfenster des nach der Straße zu aelegenen Schlaf» 
zimmeis eingeschlagen und eine Bombe flog ins Zimmer 
und explodierte dort mit lautem Knall. Der im Schlaf, 
zimmec angerichtete Schaden ist bedeutend. Bon der 
Familie wurde aber niemand verletzt, da sie gegen ihre 
sonstige Gewohnheit gestern in einem Hinterzimmer schlief. 
Man glaubt dem Täter auf der Spur zu sein. 
Bukarest. In der Nähe von Chitila, 12 Kilometer 
von Bukarest entfernt, sind zwei Perfonenzllge zusammen 
gestoßen. Hierbei wurden 2 Personen gelötet und 15 
schwer verletzt. 
Tours. Der bekannte Theaterschriftsteller Alfred 
CapuS sowie seine Gattin sind das Opfer eine« Automobil- 
unfalls geworden. Beide sind aber nur leicht verletzt worden. 
Rom. Der türkischen Botschaft ist die Nachricht zu- 
gegangen, daß General Effad Pascha in Albanien, unweit 
Skutarie, einen serbischen Lebensmttteltcansport von 
400 Mann abgefangen und zwei serbische Infanterie- 
Bataillone entwaffnet habe. Effad Pascha habe die Serben 
indessen auf Ehrenwort freigegeben. 
Konstantinopel. Die drahtlosen Telegramme von 
hier kommen in Adrianopel stark verstümmelt an, während 
in Adrianopel aufgegebene Funkentrlegramme hier richtig 
eintreffen. Der Grund dieser Erscheinung ist nach der Ansicht 
Der ötaateanwalt. 
^ Bon H. Hill. - 
25 Mich»»»« 
~ Abel er mußte sich wohl entfernen, wie sie es ge 
wünscht hatte, und so schritt er in entgegengesetzter Rich 
tung dahin. Doch nachdem er eine kleine Strecke gegangen 
war, konnte er es sich nicht versagen, noch einmal zurück 
zuschallen, und er überzeugte sich, daß er richtig geraten 
hatte, und daß der Diener herausgekommen war, um seine 
junge Herrin zu holen. Er ging jetzt in respektvoller Ent 
fernung einige Schritte hinter ihr her, und Julius schaute 
ihnen nach, bis der letzte Schimmer von Olivias hellem 
Kleid hinter den dunklen Buchen verschwunden war. 
„Ich glaube, ich werde niemals ein guter Diplomat," 
brummte Julius vor sich hin, „und noch weniger eigne ich 
mich zum Leibwächter. Und doch wäre es sehr gut für 
mich, wenn ich meine Stellung ausfüllen könnte. Ich 
kriege ein gutes Gehalt, um das Leben meines Chefs zu 
schützen, und besitze außer diesem Gehalt nicht einen einzigen 
Pfennig. Und da muß ich ausgerechnet mich in ein Mädchen 
verlieben, das von der Polizei gesucht wird, und das nach 
allem, was ich bis jetzt von ihr gehört oder gesehen habe, 
in irgendeinem geheimnisvollen Zusammenhang mit denen 
steht die dem Staatsanwalt nach dem Leben trachten, und 
zu deren Abwehr ich engagiert bin. Aber es tut nichts. 
Ich liebe sie, und ich werde sie beschützen und ihr zur 
Seite stehen, wenn ich auch darüber meine Stellung auf 
geben müßte und sie nachher von dem armen Schlucker nichts 
wissen will." 
13. Kapitel. 
Die nächtliche Botschaft. 
Jemandem ein Versprechen geben, besonders wenn 
es die soeben gewonnene Braut ist, ist nieist sehr leicht, 
aber es zu halten, ist zuweilen bedeutend schwerer. Das 
sagte sich auch Julius Pensold oierundzwanzig Stunden 
des Adrianopeler Kommandanten Schükri Pascha die Er 
schütterung der Luft durch die auf beiden Seiten heftig 
geführte Kanonade. 
Konftantinopel. Auf der Halbinsel Gallipoli be 
gannen die Bulgaren den Kampf bei den Ortschaften 
Mereste und Kadiköj mit zwei Regimentern, die zu Beginn 
des Kampfes von den Türken mit großen Verlusten zurück- 
geworfen wurden. 
Lokales. 
iRachLruck unserer o-Oriztaalarttkel nur mit QueHenaagad« aestattki) 
o Vom Frrederrauer Voranschlag. Der Entwurf 
des Voranschlages unserer Gemeinde für 1913 ist jetzt an 
den Finanzausschuß gelangt. Wie wir hören, soll er in 
Einnahme und Ausgabe mit rund 3 Millionen Mark ab 
schließen. Der Zuschlag zur Staatseinkommensteuer ist auf 
100 v. H. geblieben, und die Grundwertsteuer soll wieder 
mit 2,70 bez. 5 40 v. T. zur Erhebung gelangen. Da 
gegen soll eine Erhöhung der Hundesteuer und die Ein 
führung einer Btersteuer beabsichtigt sein. 
o Ein eigenes Wasserwerk wird, wie schon ge- 
meldet, unsere Nachbargemeinde Steglitz errichten. Dadurch 
löst sich diese Gemeinde von den Charlottenburger Wasser 
werken, die auch nach Friedenau das LeitungSwaffer liefern, 
loS. Jedenfalls hat Steglitz die Verhältniffe eingehend 
geprüft und es ist zu erwarten, daß das eigene Waffer- 
werk unserer Nachbargemeinde gute Ueberschüffe bringen 
wird. Die Charlottenburger Wasserwerke arbeiten ja nur 
auf einen möglichst hohen Gewinn hinaus, damit sie reiche 
Dividende zahlen können. Dabei ist bekannt, daß diese 
Gesellschaft ihrer Kundschaft gegenüber wenig Kulanz bezeigt. 
Für unsere Gemeinde dürfte vielleicht die Prüfung der 
Frage angebracht sein, ob sie nicht ebenfalls die Verträge 
mit den Charlottenburger Wasserwerken kündigt und ver- 
sucht, Anschluß an das Steglitzer Wasserwerk zu bekommen. 
Die Leistungsfähigkeit des Werkes dürfte ja bei einer 
größeren Ausdehnung noch gesteigert werden, Steglitz 
wird also einem derartigen Anschluß nicht abgeneigt 
sein. — Inzwischen sind Bedenken aufgetaucht, ob 
nicht durch dar Steglitzer Wasserwerk der Grundwasser 
spiegel sich so erheblich senken würde, daß dadurch der 
Botanische Garten gefährdet würde. Hierzu wird geschrieben: 
Die Gemeinde Steglitz hat schon seit Jahren Bohrungen 
im alten Bäketal vornehmen lassen, um festzustellen, ob 
sie für ihr Elektrizitätswerk aus einem Tiefbrunnen ge- 
nügend Wasser erhalten könne. Nachdem sie nun sehr 
ergiebige unterirdische Wasserläufe angebohrt hatte, hat sie 
neuerdings von der Geologischen Landesanstalt ein Gut- 
achten eingefordert, um vor allem festzustellen, ob durch 
eine reichliche Wasserentnahme aus diesen unterirdischen 
Wasserläufen benachbarte Gebiete, besonders der Botanische 
Garten und Grnnewald, gefährdet würden. Die Geolo 
später, nachdem er unter den Buche» des Schloßparks um 
Olivia Maitland geworben hatte. In seinem Liebesglück 
hatte er etwas versprochen, wovon er jetzt nicht wußte, wie 
er es ausführen solle. 
Wie konnte er Inspektor Black loswerden, ohne daß 
der joviale Beamte versuchte, das Original des Bildes 
selbst zu finden? Dies Problem hatte Julius eine schlaf 
lose Nacht bereitet, und es würde ihm voraussichtlich noch 
eine zweite kosten. Es war ihm nicht schwer gefallen, 
Olivia zu überzeugen, daß es für ihn ein Leichtes sei, den 
Inspektor unverrichteter Dinge fortzuschicken, aber er fürchtete 
jetzt, nachdem er über die Sache nachgedacht hatte, daß es 
bedeutend schwieriger sein würde, es ivirklich auszuführen. 
Im tiefsten Innern hatte er ein ungemütliches Gefühl, das 
ihm sagte, das joviale Wesen des Inspektors verdecke 
etwas, was — nun, nicht ganz so jovial war. Dazu 
kam, daß er den Brief Blacks immer noch nicht recht ver 
stand. Der Beamte schien darin vorauszusetzen, daß Julius 
sein Kommen erwartet habe, ja, es klang fast, als habe er 
ihn gerufen. Und das war doch durchaus nicht der Fall. 
Was für ein Märchen konnte er nur erfinden, um 
Black von der Spur Olivias abzubringen? Und war es 
überhaupt wahrscheinlich, daß der Inspektor, als gewiegter 
Polizeibeamter, sich durch irgendeine von Julius erfundene 
Geschichte in die Flucht schlagen ließ, ohne auf eigene 
Faust den Versuch zu machen, seinen Zweck zu erreichen? 
Und soviel stand ganz fest, wenn Black auch nur einem 
Menschen in Monksglade die Photographie zeigte, so er- 
fuhr er ohne jeden Zweifel, daß die schöne junge Dame, 
die sie darstellte, seit kurzem mit ihren Verwandten das 
alte Schloß Sir Harrn Dunloos bewohnte. 
Je mehr Julius sich den Kopf über die unangenehme 
Geschichte zerbrach, desto mehr kam er zu der Ueber 
zeugung, daß der Plan, den er zuerst vorgeschlagen hatte, 
der beste sei, nämlich dem Detektiv ganz offen das zu sagen, 
was er unter allen Umständen doch entdecken würde. 
Aber dieser Weg war ihm verschlossen, nachdem er Olivia 
die Versicherung gegeben hatte, er würde den Beamten 
fortschaffen, ohne daß sie mit ihm zusammentreffen müsse. 
80. Iahrg. 
gische Landesanstalt hat in einem ausführlichen Gutachten 
verneint, daß irgendeine Gefährdung der benachbarten 
Gebiete eintreten würde. Daraufhin hat die Gemeinde 
Sieglitz den Charlottenburger Wasserwerken den Vertrag 
auf Wasserlieferung gekündigt und will nun ein eigenes 
Wasserwerk einrichten, da das erwähnte Gutachten aus 
drücklich frststellt, daß die erwähnte Wasserader hierfür ge 
nügend Wasser liefere. 
o Die Strecke der Wilmerödorfer Untergrund 
bahn nach Dahlem ist jetzt fertiggestellt und abgenommen 
worden. Sie endigt in der Nähe dkS GrunewaldeS bei 
Zehlendorf hinter den Schiebständen der Garde-Schützen, 
nahe dem dortigen Sportplatz. Es wurden bei der Ab 
nahm« die Bahnhöfe: „Thtel-Platz", „Dorf Dahlem", 
„Podbielskiallee' und „Rastatter Platz" sowie der offene 
Geländeeinschnttt mit dem Tunnel eingehend besichtigt und 
nach sorgfältiger Prüfung durch die Kommission abgenommen. 
Die Eröffnung der Schnellbahn soll sobald als möglich 
erfolgen. ES wird dies aber vor der Fertigstellung des 
UmsteigebahnhofeS Wittenberg-Platz nicht möglich sein. Die 
Bahn läuft von diesem Platz durch Charlottenburg, berührt 
Wilmersdorf am Hohenzollerndamm und mündet am 
Südwest-Korso in den Bahnhof am Rastatter Platz. 
o Klage vor dem Potsdamer Bezirksausschuß. 
Der Architekt Bruno Schneiderett hier hatte wegen einer 
Veranlagung znr Wertzuwachssteuer in Höhe von rund 
1200 M. Einspruch und dann Klage erhoben mit dem 
Antrage, die Steuer zu ermäßigen. Nun halte aber der 
Kläger die gemachten Aufwendungen nicht nachgewiesen, 
sodaß die Gemeinde auf eine Schätzung angewiesen war. 
Streitig in dem Verfahren war, ob die Bauzinsen und 
sonstige Aufwendungen für Bürgersteig usw. in der 
Schätzung schon enthalten sind oder extra hinzugerechnet 
werden müssen. DaS Urteil deS Bezirksausschußes erging 
dahin, daß die Steuer auf 550 M. ermäßigt wurde, wie 
eS schon in einem Vorbescheide geschehen war. 
o Mit Auszeichnung bestanden. Der älteste 
Sohn unseres Gemetndefchöffen Sadöe hat kürzlich in 
Berlin die erste juristische Staatsprüfung, das Referendar- 
Examen, „mit Auszeichnung" bestandkn. Dieses außer 
ordentlich gute und nur sehr selten verliehene Zeugnis 
läßt den Lerneifer und die hohe Befähigung deS 21jährigen 
jungen Herrn erkennen. Herr Referendar Eadöe besuchte 
unser humanistisches Gymnasium und bestand hier auch 
die Reifeprüfung mit besonderer Auszeichnung unter Befreiung 
von der mündlichen Prüfung. Wir wünschen ihm auch 
fernrr solch glänzende Erfolge. 
o Danksagung. Herr Geheimer Oberbaurat Dr. Otto 
Sarrazin, der hier in der Kaiserallee 117 wohnhafte Vor 
sitzende deS Allgemeinen Deutschen Sprachvereins, ver 
öffentlicht in der Zeitschrift des genannten Vereins die 
folgende Danksagung: Kraft und Zeit deS einzelnen 
Offenbar fürchtete sie sich aus irgendeinem Munde üor 
den Fragen des Beamten, und wenn auch Black, nachdem 
er gehört haben würde, in welchen Verhältnissen die junge 
Dame lebte, seinen Verdacht vielleicht teilweise fallen lassen 
würde, so wäre er doch nicht des Namens eines tüchtigen 
Detektivs wert, wenn er sie nicht einem Verhör unterzöge. 
So drehten sich Julius' Gedanken immer im Kreise, 
und er konnte zu keinem endgültigen Entschluß kommen. 
Immer und immer wieder legte er sich die Frage vor, 
warum Olivia eine solche Scheu vor einem Zusammen 
treffen mit dem Beamten habe, und immer wieder kam 
ihm der Gedanke, den er schon gestern verworfen hatte, weil 
er ihm lächerlich und beleidigend erschienen, war, und 
der sich ihm doch immer wieder aufdrängte. Und es ge 
lang ihm nicht, ihn ganz zu verbannen. Es war zu 
merkwürdig, daß Olivia im Auftrag der Komtesse den 
Gegenbesuch so schnell gemacht hatte, und zwar gerade an 
dem Tag, an dem er abwesend war, und daß Hislop an 
demselben Tag den durch Noras Vorsicht verhinderten 
Anschlag auf Sir Williams Leben unternommen hatte. 
Sollte am Ende doch zwischen der anscheinend so 
vornehmen alten Dame im Schloß und dem entlassenen 
Sträfling ein geheimes Einverständnis bestehen? So un 
wahrscheinlich der Gedanke erschien, Julius konnte ihn 
nicht los werden, wenn er sich auch immer wieder sagte, 
es sei unmöglich. Schließlich meinte er, es sei nur seine 
eigene Dummheit und Gedankenträgheit, die ihn immer 
wieder auf diese Idee zurückkommmen ließen. Denn es 
war entschieden die einfachste Lösung des Rätsels. Nahm 
man einmal an, daß die vornehme alte Dame mit dem 
ehrwürdigen weißen Haar, und vielleicht gar auch ihr 
kranker Sohn in Verbindung mit einer Mörderbande 
stünden, so war sofort alles, erklärt. Aber nein, es war 
unmöglich und nur einem Gehirn entsprungen, das zu 
schwach war, um den wirklichen Zusammenhang ergründen 
zu können. 
(Fortsetzung folgt.)
        
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