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Periodical volume Nr. 306, 31.12.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

nicht gut glauben, baß die genannten Herren nach einem 
Norstandspöftchen, wohl gar auch nach einem „Gemeinde- 
vertreterpöstcheu" (das Borstandsamt im Grundbesitzeroerein 
soll ja gewissermaßen.die Vorstufe auf dem Wege zum 
Mitgliede der Gemeindevertretung sein!) streben! 
o Männer-Turnverein. Sonntag, den 28. d. Mls- 
versammelten sich die Männer-Abteilungen und die Damen- 
adteilung mit ihren Angehörigen zu einer gemeinsamen 
Weihnachtsfeier, um deren Vorbereitung sich besonders Herr 
Seidter wohl verdient gemacht hat. Es war dem Festcuis- 
schuß gelungen, da man bei dem bekannten Saalmangel in 
Friedenau nicht unterkommen konnte, hierfür recht geeignet, 
Räume im Gesellschaftshaus des Westens tn Schöneberg zu 
mieten. Zwar erwies sich der Saal für die recht stattliche 
Teilnehmerzahl — eL waren im Laufe des Abends über 
200 zugegen — als zu klein, doch waren alle, dank der 
bequem - gelegenen, ansprechenden Nebenräume angenehm 
untergebracht. Kurz nach 6 Uhr begrüßte naniens des Der- 
gnügungsausschusses Herr Richter die Gäste, dann ver 
dunkelte sich der Saal und im Schimmer der Weihnachts 
bäume erklang als erstes Allgemeines „O Tannenbaum." 
Hierauf nahm der Vereinsvvrsitzende, Herr Geh. Hofrat 
Fehler, das Wort. Er wies daraus hin. wie es leider bis 
her nicht möglich gewesen sei. daß der große M T. B. alle 
seine lieben Angehörigen gleichzeitig zu einer gemeinsamen 
Weihnachtsfeier versammeln konnte, xoa9 doch gewiß das 
beste märe; so mußten sich die einzelnen Teile des Vereins 
gesondert zusammenfinden zu zwar wöhlgelungenen Feiern, 
bei denen doch aber das Gefühl der Zusammengehörigkeit 
zu einer großen Familie nicht zur Geltung komme. Dann 
streifte der Redner kurz noch die großen Ereignisse des 
Turnjahres 1913, stellte fest, daß der Berein sein gutek An» 
sehen im Orte und in der deutschen Turnerschaft aufrecht 
erhalten konnte, und schloß mit den besten Wünschen für 
das kommende Jahr und einem freudig erwiderten Gutheil 
aus die Damen, die Gäste und den Verein. Nun brachte 
die Jünglingsabteilung unter Leitung- ihres Turnwans 
hübsche Leilerpyramiden, deren gute Ausführung frohen 
Beifall fand. Ebenso beifällige Aufnahme fanden Blitzstab 
übungen der Damenabteilung, sowie das von den Herren 
Direktor Lönge, Mielke und Seidler (Klavier, Geige und 
Harmonium) vorgetragene „Largo" von Händel, das durch 
die vorzügliche Ausführung seine Wirkung nicht verfehlte. 
Die Vorführungen wurden mit dankbarem Beifall belohnt. 
Ein Weiynachiskestspiel „Freude auf Erden" fand gleichfalls 
mit Recht lebhafteste Anerkennung und löste noch einmal 
feierliche Weihnachtsstimmung aus.r Die Mitwirkenden, 
2 Herren, 4 Damen und 5 Kinder, machten ihre Sache auch 
ganz prächtig, sodaß jeder Zuschauer seine herzliche Freude 
daran haben konnte. Der erste Teil des Abends hatte da 
mit sein Ende gefunden und -es kam bei frohem Tanze die 
Jugend zu ihrem Rechte. Weitere, - musikalische Genüsse, 
geboten von den oben genannten Herren, eine kleine Ver 
losung netter Gegenstände und Abteilung persönlicher Ge 
schenke sorgten zwischendurch für die allgemeine Unter 
haltung. tstach der Kafieepause wurde weiter fleißig getanzt) 
bis man in der z 7: ., Mitternachtsstulide in angeregter 
Stimmung durch d._ pwtzlich hervorgezauberte schöne Winter- 
landschaft nach Hause pilgerte. 
0 Eine erhebende Weihnachtsfeier veranstalteke der 
„Krieger- und Landwehrverein" gestern Abend im 
oberen Saale des „Hohenzollern". Bei dein außeroidenltich 
starken Andränge erwies sich der Saal al»> viel zu klein, so 
daß selbst die „Stehplätze" nicht ausreichlen Viele mußten 
am Eingang wieder umkehren. D-r 1. Führer, Herr 
Justiziul Skvpmk, eröffnet' die Feier mit einer kurzen Be 
grüßungsansprache. An der prächtigen Tanne leuchteten 
»uu die elektrischen Kerzen 'auf, während die Kinder „O 
Taunebaum" saugen. Der gemeinsame Gesang „Ich bete 
an die Macht der Liebe" folgte, worauf Herr Psarrer Vetter 
die Wrihiiachisanjprache hielt. Er erwähnte darin auch die 
Ausllltlsbeweguligcn aus der Landeskirche und gemahnte, 
treu zum christlichen Glauben zu hallen, der auch eine Wehr 
für den Staat und unser Vaterland bedeutet. Gemeiusam 
wurde daraus ..Stille Nacht" gesungen. Hiernach führten 
mehrere Kinder ein Weihnachtsmärchen „Weihnachten im 
lllixenhaus" auf. Lanier Beifall wurde den kleinen talent 
vollen „Mimen" für ihre prächtige Darstellung zuteil. Dem 
gemeinsamen Gesänge: „Ihr Kinderlein kommet", folgte die 
Zescheruug. Jedes Kind wurde reichlich mit Pfeffertucheu, 
lepfelu, Nüssen usw. beschert. Der Hohenzolleruwirt hatte 
noch ein übriges getan, indem er jedem Kinde ein „Freibillet" 
zu einer Jugendvvrstellung in den „Hohenzollernlichtspieten", 
die jeden Sonnabend 3 Uhr N chmittags stattfindet, auf 
den Teller legte. Nach der Bescherung sorgte der rührige 
Festausschuß noch dafür, daß sich die Kinder bei Tanz, 
Polonaise u. a. stöhlichen Veranstaltungen bestens vergnügten. 
0 Kein Verkauf der „Kaisereiche". Die iu ben letzten 
Wochen verbreiteten Gerüchte, daß bas Restaurant „Kaiser- 
eiche" ei.ieu neuen Inhaber bekomme, bestätigen sich erfreü- 
ln.>erweije : Der seit 13 Jahren bekannte und beliebte 
Wirt. Herr Konietzki, wird auch un neuen Jahre den ihn 
beehrenden Gästen mit füner guten Küche, bestgepflegtetl 
Bieren usw. den Aufenthalt in seinem Restaurant wie bis 
her angenehm gestalten. 
0 Männer-Turnverein. Das Turnen der Damen- 
sowie der beiden Mädchen-Abteilungen beginnt am Dienstag, 
dem 6. Januar zu den üblichen Zeiten. 
0 Die U. T.-Lichtspiele haben die neueste Film 
schöpfung des Dichter-RegisseurS Urban Gad, das mimische 
Lustspiel „Engelein" auf den Spielplan gesetzt. Urban Gab 
zeigt uns hier. daß er nicht nur ein Meister in der Be 
arbeitung schwerer dramatischer Stoffe ist, sondern er versteht 
er auch Heiterkeit und Satyre in reicher Fülle auszustreuen. 
Di« von Asta Nielsen verkörperteHeldin ist mit tollem Uebermut, 
mit zwerchfellerschütternder Komik in so hohem Maße ausge 
stattet, daß den Theaterbesuchern kein herzlicheres Amüsement 
geboten werden kann. Die ganze Filmgemeinde der Welt 
wird der großen erhabenen Künstlerin, Asta Nielsen, Und 
dem PrimuS der Filmdichter, Urban Gad. herzlichen Dank 
wissen für diese ritzende Perle der Filmkunst. 
Gedenket der darbenden 
und frierenden Böget! 
0 Eine lustige Hasenjagd fand gestern Vormittag in 
der Schloßstraße statt. Die zahlreichen Schneeschipper waren 
bemüht, den flinken Ausreißer einzufangen, jedoch ohne Er 
folg. Verschiedene mußten vielmehr ein unfreiwilliges 
Schneebad mit in den Kauf nehmen. Die vielen Passanten 
vergnügten sich bei den diversen Purzelbäumen auf das 
köstlichste. Meister Lampe nahm siegesbewußt seinen Weg 
durch die Mommsenstraße! Wer weiß, wer nun das Glück 
! hat, ihn — in den Topf zu bekommen? 
j ; • 0 Brandstiftung und Selbstmord eines Irrsinnigen 
in Schöneberg. Passanten bemerkten heute früh, wie aus 
dein noch geschlossenen Laden des Zigarrenhändlers Fischer 
- in der -Hohenstaufenstr. 40 zu Schöneberg, der- als Jung 
geselle in einem Gelaß neben seiner Verkaufsstelle wohnte, 
dichte Rauchschwaden herausdrangen. Da die eisernen 
? Jalousien noch 'nicht herausgezogen waren und auf 
! wiederholtes Klopfen auch nicht geöffnet wurde, alarmicrle 
man die Feuerwehr. Als diese eintraf und sofort die Tür 
einschlug hörte man iin Laden einen Schuß fallen. Die 
Feuerwehrleute sahen den Manu tot auf dem Boden liegen, 
neben ihm den Revolver. Durch kräftiges Waffergeben 
konnten die Flammen bald erstickt werden. Der Zigarren 
händler F, der sich seit langer Zeit in einem an ‘SieifteS* 
«rankheit grenzenden nervösen Zustand befand, hatte das 
Feuer selbst angelegt und sich dann in den Kops geschossen 
0 Ihren Verletzungen erlegen. Fräulein Marga 
Menzel, die, wie berichtet, an den Weihnachlbtagen in ihrer 
Wohnung, Miquelstr 14, bei einem Brand des Weil,uachttz- 
baumes schn»er verletzt wurde, ist im Kreiskrankenhaus Britz 
gestorben. Alle ärztlichen Bemühungen erwiesen sich, wie 
das freilich vorauszusehen war, leider als nutzlos. 
0 Polizcibencht. Als gesunden sind hier angemeldet 
worden: 1 Paar Stiefel, 1 Kassenschein, l Kinderbajonett, 
1 Spazieistock.^Die rechtmäßigen Eigentümer vorbenannler 
Gegenstände ’werben" 'aufgefordert, ihre Ansprüche binnen 
Jahresfrist im hiesigen Fundbüro, Feurigslraße 7, Zimmer 6, 
gellend zu inacheli, da sonst anderweil darüber verfügt 
werden wird. 
SÄonederg 
— 0 Die bekannte'Finna Wilhelm Joseph hat, wie 
wir hören, von dem der Realkredil- und Jmmobitien-Ber- 
merltingsgesellschasl gehörigen Terrain am allen Botanischen 
Garten, dort, wo das westliche Berlin mit dem lebhaftesten 
Geschäftsteile HchönebergS in unmittelbare Verbindur^ tritt, 
eine Baustelle in einer Größe von etwa 300 Quadratruten 
käuflich erworben, um voraussichtlich auf dein Grundstück 
ein modernes, hochvornehmes Warenhaus zu errichten. Das 
Grundstück hat eine Baufrvnt von etwa 110 Meiern und 
und liegt an der Ecke der Potsdamer- und der Grunewald- 
straße. Die Firma Wilh'lm Joseph besitzt schon seit mehr 
als 20 Jahren ein Kau! aus an der Haupt- Ecke Groß- 
görschen-Straße. Mit de,.: Ban des iteuen Geschäftshauses 
soff im kommenden Frühjahr begonnen werden. 
Geri6)tliÄ)es 
(:) Ein gemcingefährltchex Schwindler, der im Laufe dieses 
Jahres die westlichen Vororte, liamentlich Friedenau, Lichlcr- 
selde, Zehlendorf und Nikolaösce heinisuchle, und zwar ein gewisser 
Carl Möbus, hatte sich wegen vollendeten und versuchteu Betrugs 
im Rückfälle vor der 4. Strafkammer des Landgerichts II zu ver 
antworten. Ter Angeklagte, der schon 24 mal wegen der ver 
schiedensten Straftaten vorbestraft und namentlich wegen ganz 
gleicher Schwindeleien wie die vorliegend zur Anklage stehenden 
mit ganz erheblichen Strafen belegt ist! ging in der Weise vor, daß 
er nach verbüßter Strafe im schwarzen Gehrock besser situierte 
Personen, namentlich Pastoren, aussuchte und diesen erklärte, er sei 
bei einer Berliner Zeitung tätig oder tätig gewesen, verdiene aber 
nicht so viel, um davon leben zu können, weshalb er sich um eine 
andere Stelle bemühen müsse. Im Anschluß hieran äußerte er 
dann weiter, daß er sich in einer augenblicklichen Notlage befinde 
und bat um eine llnterstützung. Aus diese Weise gelang cs ihm, 
bei verschiedenen Pastoren in Lichterfelde und in Zehlendorf größere 
resp. kleinere Betrage zu erhalten. Tas gleiche Manöver versuchte 
M. auch bei dem Pastor H. in Nikolassee. Ter letzte machte ihn 
darauf aufmerksam, daß er seine Angabst: auf ihre Richtigkeit 
genau prüfen und ihn nur dann unterstützen würde, wenn sie auf 
Wahrheit beruhen. Um diese Prüfung zu hintertreiben, richtete der 
Angeklagte am nächsten Tage an den genannten Geistlichen ein 
Schreiben, in welchem er mitteille, dgß er zu Hause Arbeit vorge 
funden habe und daher eine Unterstützung nicht mehr bedürfe. 
Pastor H. zog trotzdem Erkundigungen ein und erfuhr nun, daß 
die Angaben des Angeklagten, auf Unwahrheit beruhten. Er 
warnte sofort sänitliche Amtsbriider der Diözese vor dem Schwindler, 
der letztere wurde alsbald ermittelt und verhaftet. — Bor Gericht 
war M. in vollem Umfange geständig. Ter Staatsanwalt bean 
tragte l Jahr 6 Monate Gefängnis und 8 Jahre Ehrverlust, der 
Gerichtshof erkannte auf ein 1 Jahr Ö Monate Gefängnis, wovon 
1 Monat durch die Untersuchungshaft für verbüßt erachtet wurde. 
Vermischtes 
*0 Blüchers Uebergang über den Rhein bei Taub. „Herunter 
muß der Kerl vom Throne!" hatte der Feldmarschall Blücher ge 
rufen, und wen er damit gemeint, das war kein andrer als 
Rapeleon I. Nach mancherlei Hin und Her war am 1. Dezember 
1813 beschlossen worden, den Krieg gegen Napoleon I. weiterzu» 
führen, da dieser den Rhein nur als Grenze zwischen Deutschland 
und Frankreich, nicht aber als deutschen Strom im deutschen Land 
gelten lassen wollte. Das böbmiiche Heer sollte nun durch die 
Schweiz und Burgund vorgehen, das schlesische von Mainz aus, 
und Bülow sollte Holland erobern, um sich dann mit Blücher zu 
vereinigen. So wenigstens war der Plan! — In den letzten Tagen 
des JahreS 1813 traf'Blücher ganz iin stillen die nötigen Vorbe 
reitungen, den Rhein zu überschreiten und nach Paris vorzurücken. 
Aorks und Langerons Trupi>en »oaren nach Caub marschiert, wo 
mit dem Bau von zwei Schiffsbrücken begonnen wurde. Die Rhein 
schiffer unterstützten eifrig den Bau, indem sie alle verfügbaren 
Kähne herbeibrachten. Als die Turmuhr in Caub die 12. Stunde 
schlug, ries Blücher ein kräftiges „Prosit Neujahr!" das von den 
Soldaten ebenso kräjtlg erwidert wurde. Da sich der Bau der 
Brücken verzögerte, wurde ein Teil des Heeres auf Fähren und 
Kähnen über den Rhein gebracht. Blücher rückte darauf, vhne er 
heblichen Widerstand zu finden, ins feindliche Land vor und zog 
am 18. Januar 1814 in Nancy ein, tim den 29. Januar bei Brienne 
aus Napoleon zu stoßen. 
Von der Reis» zirtck. 
Zahnarzt Meubaur, Eheinstr.9. 
Geschäftliches 
MB" Der heutigen Auslage unseres Blattes hat dcr'ffMan- 
dolinen- und Gitarrelehrer Redliuger einen Prospekt beigefügt, 
den wir unseren Lesern zur Beachtung empfehlen. 
Wetteronsächtcn- 
Donnerstag: Zeitweise heileres, aber noch vielfach 
nebliges oder wolkiges Frostwetter mit geringen Schnee- 
fällen und ziemlich frischen nötdlicheu Winden. 
Verantwortlich.-KchirtitieUc: i> er mann MartintuS strtedenau 
Hierzu eine Beilage. 
ToucntticP’ Strosse 20 
Oropfcn < 
K6nig«$trasse 3« 
Leipziger Strasse ©5 Ororlcn»Strosse 411» 
Oranien-St rosse 34 Friedenau. Rhcihslr.14 1 
Muüct-Slrasse 3a Ncuköiln, Bcr^sir. 7.S 
Tu.'PV'Siröüe so 
Herren: 
. LTV 
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