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Periodical volume Nr. 306, 31.12.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

durch Schädenabsperrungen auf. An den den hochgespannten 
Wechselstrom führenden Leitungen kann nur dann gearbeitet 
werden, wenn die Leitung' stromlos gemacht worden ist. 
Der hochgespannte Wechselstrom wirkt in den allermeisten 
Fällen tödlich aus den menschlichen Körper ein, daher muß, 
um Unfälle beim Arbeiten an Leitungen zu vermeiden, die 
Leitung während dieser Zeit stromlos sein. 
Aus diesen Störungsgründen werden sich größere an 
geschlossene Versorgungsstellen, wie Städte, Ortschaften, 
größere Abnehmer selbstständig zu machen suchen. Aber 
diese Selbständigkeit werden sie in den wenigsten Fällen er 
reichen können, daß sie Kraft-Maschinenanlagen für sich 
selbst anschaffen, die ihnen einen Wechselstrom liefern, der 
ihrer Gebranchsspannung entspricht, oder dadurch, daß man 
den aus dem Netz kommenden Wechselstrom in einen Motor- 
Dynamo in Gleichstrom verwandelt und in einer Akkumn- 
latoren-Battecie aufspeichert. * 
Die vollständige Unabhängigkeit von einem Ueberland- 
Kraftwerke erhält man aber allein durch Errichtung einer 
Kraftmaschinenanlage für Starkstrom mit Akkumulatoren 
batterie. Mau kann unter bestimmten Verhältnissen eine 
solche Anlage so billig herstellen, daß die Stromkosten nich' 
wesentlich erhöht werden brauchen und dabei doch die söge 
nannte Reserve vorhanden ist. Soll jedoch nur die halbe 
Unabhängigkeit erreicht sein, dann würde das Ortswerk für 
seinen Motor-Dynamo Wechselstrom aus dem Ueberland- 
Kraftwerk beziehen und in Gleichstrom verwandeln und 
diesen an die Verbraucher abgeben. Findet in der Leitungs 
anlage des Ueberland-Kraftmerkes dann eine Unterbrechung 
der Stromlieferung statt, so ist das Ortswerk in der Lage, 
mit Hülfe seiner Akkumulatorenbatterie über diese Unter 
brechungszeit hinwegzukommen. 
Die Regierungen machen die Verwaltungen heute be- 
stehender kleinerer Ortswerke darauf aufmerksam, daß, wenn 
sie den Anschluß an ein Ueberland-Kraftwerk bewerkstelligen, 
sie das eigene Ortswerk für eine Reserve bestehen lassen 
sollen. Dieser Hinweis hat seine volle Berechtigung und es 
kann ben Ortswerken nicht dringend genug empfohlen werden, 
danach zu handeln. * 
Die Ueberlandwerkü haben ihre Leitungen in fast uner 
wünschter Länge ausgebaut, indem selbst der kleinste Ver 
braucher eine eigene Leitung unb einen eigenen Trans 
formator erhält. Hierdurch werden weite Flächen mit 
Leitungen belegt, die z. B. es den Fliegern und den Luft 
schiffen schwer machen, geeignete Landungsplätze zu finden, 
ja sogar des Nachts werden Landungen auf solchem Ge 
biete gefährlich werden. Dann aber auch werden die 
Leitungen vielfach durch die Hauptstraßen und nicht durch 
die Nebenstraßen geführt, alte Tore und Tortürme werden 
durch Leitungen verunziert, die Kronen selbst 100 jähriger 
Bäume werden zugunsten der Ueberlandleitungen gestutzt 
und zerstört. Darum verlangt heute mit Recht der Heimats 
schutz, daß dieser dem Interesse an der Anlage eines Ueber- 
land-Kraftwerkes vorangeht. 
Die Technik ist heute soweit vorgeschritten, daß selbst 
das kleinste Dorf seine eigene Kraftanlage erhalten kann, 
in welcher es sich den Strom selbst herstellt und ihn nicht 
mehr aus einer Ucberlandzentrale beziehen braucht. 
Die elektrotechnische Zeitschrift bringt in Heft 88 vom 
21. September 1911 auf S. 051-53 eine Zusammenstellung 
der Anlage- und Betriebskosten eines ausgeführten Dorfkraft 
werkes für Gleichstrom. Die Anlagekvsten für dieses Werk 
sind für die Turbine und für das Turbinenhaus zur Hülste 
eingesetzt worden, weil sie auch noch für einen anderen 
Betrieb benutzt werden. Die Anlagekosten hierfür und für 
die Dynamo. Schalttafel, Verteilungsnetz einschl. Montage, 
für die Alkumulatorcnbatterie und für den Anteil für die 
Herstellung der Wchranlage betragen zusammen 23 000 M. 
Der Betrieb erbringt einen Ucberschuß von 1555 M. nach 
Abzug für Verzinsung und Amortisation der Anlage (8 Proz. 
von 13 500 M.), Batterieverzinsung, Abschreibung und 
Unterhaltung (15 Proz. von 3500 M.). für Anteil für 
Verzinsung und Amortisation von Turbine, Turbinenhaus, 
Obergraben und Wehranlage (10 Proz. von 0000 M.) 
Ebenso wie hier gibt es tausend andere Fälle, wo ein 
eigenes Kraftwerk einen Nutzen abwirft und eine Unab 
hängigkeit von dem Ueberlandkraftwerk gewährt, und selbst, 
wenn das eigene Werk keinen Nutzen abwirft, aber auch 
keinen Zuschuß erfordert, ist seine Unabhängigkeit vom Ueber 
land-Kraftwerk nicht hoch genug anzuschlagen. 
E. Nohrbeck. 
Gleich morgen will ich meinen Notar sprechen." — Nach 
einer lang » Unterredung mit diesem konnte er seinen Ent 
schluß ausführen. Seither verlebten wir schlimme Tage 
und der Kranke wird auch heute kaum iinstande sein, 
längere Zelt zu sprechen. Ich will nachsehen, ob er aus 
dem Schlaf erwacht ist." 
Sic wart dein Rektor noch einen freundlichen Blick zu 
und verließ ihn. Er blieb in starker Erregung zurück. Die 
herzbeklemmende Sorge um seine Zukunft war von ihm 
genomiiten und Gefühle des Stolzes und der Freude 
wogten bei Tante Verths Anerkennung durch fein Herz. 
Er sprang vom Sessel auf und ging im Zimmer auf und 
nieder. Vergebens suchte er die Frage zu lösen: Zu 
welchem Entschluß hat deine Rede den todkranken Grafen 
bewogen und welche Aufgabe wird er dir zu lösen 
geben? 
Erfüllte nicht lange darüber im Zweifel bleiben. Nach 
wenigen Minuten schon erschien Tante Verths rundliches 
Gesicht unter der Türe und sie flüsterte: „Er ist wach und 
wünscht Sie zu sprechen." 
Das Schlafzimmer des Grafen war sehr geräumig. Die 
hohe fassettierte Balkendecke zeigte goldschimmerndes Orna 
ment auf braunem Grunde. Die im Elfenheinton gehaltenen 
Tapeten und Gardinen erhielten durch ein rotes Sammet 
muster malerischen Reiz.. Im Stil dir Frührenaissynce 
waren die geschnitzten Eichenrnöbel sind dos von einem 
Baldachin überspannte Bett gehakten. Keine Bilder 
schmückten die breiten Wandflächen, wohl ober waren in 
den Zimmerecken muschelförmige Nischen angebracht, von 
deren rotem Grunde sich leichtgetönte Marmorbüsten, Por 
träts der beiden Frauen, und Söhne des Grafen, kräftig 
abhoben. ,, , 
Lokales 
(Nachdruck unserer o-Onginalarlikel nur mit Quellenangabe gestattet.) 
o Der Winter hat seinen Einzug gehalten und 
zwar nicht nur dem Kalender nach. sondern in Wirklichkeit. 
Er hat bereits sich recht heimisch gemacht. Nun, er hat in 
der Zeit seiner Herrschaft auch das Recht dazu. Wenn er 
auch nicht gerade freundlich ausschaut, liefert er Ms doch die 
schönste Schlittenbahn. Ununterbrochen ist seit gestern der 
Schnee gefallen und große Berge der „weißen Masse" 
lagern in unseren Straßen. Für den Verkehr ist diese Bei 
gabe des Winters nicht sehr angenehm. Ueberall stocken 
die Verkehrsmittel. Eisenbahnen und Straßenbahnen; am 
besten kommen noch die Automobile fort. Die Lastfuhr 
werke müssen Vorspann nehmen. An vielen Stellen liegen 
die Wagen fest. Die armen Gäule haben es nicht leicht. 
Bei der Glätte kommen sie oftmals zu Fall und das Er 
heben wird ihnen dann schwer. So mußte unsere Feuer 
wehr gestern Abend am Lauterplatz ein Merd wieder auf 
die Beine bringen. Aber für unsere Jugend ist der Schnee 
gerade recht. Der volle Winterjubel ist angebrochen. 
Schellengeläute erfüllt die Luft und verlockt zu dem gemüt- 
ichen und gemächlichen Sport des Schlittenfahrens, während 
aas junge Volk der Kinder in heller Lust auf dem Hand 
schlitten die Berge hinabrutscht — modern ausgedrückt: 
rodelt — oder unter beständigem Jubel durch die Straßen 
gleitet, wobei das fingierte Pferd nicht minder heiteren 
Sinnes ist wie der gefahrene Insasse. Besonders die 
Steglitzer Rodelbahn und die Abhänge im Grunewald sind 
jetzt stark bevölkert. Die Winterfreude ist im schönsten Zuge! 
o Ausschreibungsergebnisse. Um die Ausführung der 
Le- und Entwässerungsarbeiten für den Neubau der 3. Ge 
meindeschule haben sich 10 Firmen beworben. Der Bau 
ausschuß hat beschlossen, die Arbeiten dem niedrigsten An 
gebot, der Firma Schubert, Berlin, zum Preise von 16 034 
Mark zu übertragen. Das Höchstaugebot stellt sich auf 
18 940 M. Die drei Friedenauer Firmen befinden sich unter 
den höchsten Angeboten. — Die Töpferarbeiten für die Ge 
bäude auf dem Gütergotzer Friedhofe sollen nach einem Be 
schlusse des Gärlnereiausschuffes der Firma Wenkel in 
Potsdam zum Angebot von 834 M. übertragen werden. 
o Erhöhungder Kirchensteuer. Wie wir hören, soll 
die evangelische Kirchensteuer in Friedenau für das nächste 
Jahr aus l5 v. H. erhöht werden. 
o Eisenbahnwünsche der Vororte. Die Vertreter des 
Vereins der Vororte Berlins unter Führung des Vorsitzen 
den Franz Freist hatte der Eisenbahndirektionspräsid.nt 
Rüdlin zu einer Konferenz eingeladen. Es handelte sich um 
eine Besprechung der zahlreichen Wünsche, die von dem Vor 
ortverein zn einer umfangreichen Eingabe an die Kgl. Eisen- 
bahndirektion Berlin vereinigt waren. Es war dies die 
25. Ksnferenz, zu der der Vorortverein zur Besprechung von 
Eisenbahnwünschen im Vorortverkehr eingeladen war. In 
der einstündigen Besprechung stellte Präsident Rüdlin die Er 
füllung mehrerer Wünsche in Aussicht, lehnte aber die Ein 
führung von Sonntägsfährten nach Ae'n Vororten, die Ein 
stellung von Triebwagen im - Berliner«Vorortverkehr, die 
Errichtung eines Fernbahnhosts Stralau - Rummelsburg 
u. a. m. ab. 
o Hydranten freihalten! In Anbetracht de- jetzigen 
Schneefalls dürfte es angebracht sein, beim Zusammenfegen 
des Schnees auf den Bürgersteigen die Hydranten frei zu 
lassen; sie sind durch die Verschlüsse und Schilder zu er 
kennen. Gerade in Feuersfällen ist ein rasches Auffinden 
der Wasserstellen von allergrößter Wichtigkeit. 
o Die Berechtigung der Lberlyzeen. Durch den 
Minisierial-Erlaß vom l 1. Oktober d. I. ist, wie schon be 
richtet, eine Erweiterung der Studienberechtigung der 
preußischen Oberlyzeen erfolgt. Mit Rücksicht auf die weit 
tragende Bedeutung dieses Erlaffes wird Herr Direktor 
Hannemann auf Wunsch vieler Eltern Dienstag, den 
6. Januar 1914, Abends 8>/^ Uhr, in der Aula unserer 
Königin Luise-Schule einen Vortrag über diesen sogen. 
4. Weg halten. Die Eltern der Schülerinnen werden dazu 
ergebenst eingeladen. Auch Gäste, die sich für die zu be 
handelnde Frage interessieren, sind willkommen. An den 
Vortrag wird sich eine Aussprache anschließen. Zur 
Orientierung für die Eltern können folgende Sätze aus dem 
Erlaß dienen: 
1. „Frauen können nach Erlangung der Lehrbefähigung für 
mittlere und höhere Mädchenschulen zum Studium mit dem Ziele 
der Prüfung für das höhere Lehramt zugelassen werden, ohne daß 
sie eine praktische Tätigkeit nachzuweisen haben. 2. Um den In 
haberinnen des Reifezeugnisses eins Obcrlyzeums außer der Obrr- 
„In ähnlichen Prunkgemächern mögen die Mediceer 
geruht haben," sagte sich Ru hl, als er die Schwelle über 
schritten hatte, und gleich darauf lief ihm ein Schauer über 
den Rücken beim Anblick des unter einer roten Atlasdecke 
ruhenden Grafen. Dieser hatte die Augen geschlossen und 
sein von einem Patriarchenbart und spärlichem Kopfhaar 
umrahmtes Gesicht war wachsbleich. Rach einer Weile erst 
schlug der Kranke die Lider auf und erhob mühsam, von 
Tante Berth gestützt, den Oberkörper in den Kissen: 
„Danke Ihnen, lieber Rektor, daß Sie gekommen sind," 
flüsterte er und atmete aus beklommener Brust. „Welche 
Wandlung Ihre Rede in mir bewirkte, sagte Ihnen wohl 
die da —" Er blickte nach seiner Pflegerin hin. „Ja, Sie 
haben recht — es stünde besser — tausendmal besser um 
uns — um die ganze Menschheit, wenn wir in dem uns 
zufallenden Besitz nicht Eigentum, sondern ein von Gott 
anvertrautcs Lehen sähen. Tausenden wurde das Erbe zum 
Fluch . . . auch mir. Meines war befleckt durch Wucher. 
Mein Urgroßvater hatte — wie ich gestehen muß — während 
der Befreiungskriege Burgholm und Heideck dadurch er 
worben, daß er bedrängten Standesgenoffen Geld zu 
Wucherzinstn lieh. Mein Baker hinterließ mir Millionen ... 
hab' einen spottschlechten Gebrauch davon geniacht... hab' 
nie nach dem Wohlergehen der Armen gefragt, deren 
Schweiß und Lebenskraft mir die Summen erwarb, die 
ich verpraßte. 
Die Strafe blieb nicht asts —- mein Leben wurde 
elend. mußte elend werden. Ihre Redö'hat mir die Augen 
geöffnet, ich weiß jetzt, welche Schuld ich durch meine 
Selbstsucht auf mich geladen habe." 
Der Kranke hatte diese Selbstanklaaen ruckweise mit 
matter Smmne herborgvsftMm. IeM schickst er trfchck/st die 
lehrerinnen-Laufbahn auch andere auf akademischer Vorbildung 
beruhend« Berufe zu erschließen, wird ihnen ermöglicht, «in dazu 
berechtigende» Reifezeugnis durch eine Nachprüfung zu erwerben. 
Zu einer Nachprüfung sind Meldungen nicht vor Ablauf 
eines Jahres nach Bestehen der Reifeprüfung des OberlyzeumS 
zulässig." 
o „Unbestellbare" Neujahrskarten. Trotzdem in den 
letzten Jahren die Zahl derjenigen Neujahrskarten, deren 
Inhalt gegen die Gesetze verstößt oder die aus Rücksichten 
des öffentlichen Wohles oder der Sittlichkeit von der Post 
beförderung ausgeschlossen werden müssen, erfreulicherweise 
abgenommen hat, wird es doch vereinzelt wieder versucht, 
derartige Karten wieder in Verkehr zst bringen. Die Post 
beamten haben auch in diesem Jahre ein scharfes Auge für 
Sendungen dieser Art und werden jede Karte anstößigen 
Inhalts von der Beförderung und Bestellung ausschließen. 
o Zeugnißpflicht der Banke». Von der Direktion 
für die Verwaltung der direkten Steuern in Berlin erhalten 
wir folgende Zuschrift: 
„In hiesigen Bank- und Depositenkassen wird durch Aushang 
der Befürchtung des Publikums entgegengetreten, daß Banken all- 
gemeine Auskünfte über Guthaben und Depots ihrer Kunden den 
Behörden zu erteilen hätten. Diese Bekanntmachung könnte in 
Kürze in Laienkreisen leicht zu der irrigen Mciuuug v riesten, daß 
auch im Strafverfahren wegen Vergehens gegen da» W.hrbeitlags- 
gesetz die Banken zur Auskunft über ihre Kunden nicht verpflichtet 
seien. Die WchrbeitragSpflichtigen werden daher in ihrem eigenen 
Interesse darauf aufmerksam gemacht, daß wie im gerichtlichen 
Strafverfahren die Strafprozeßordnung, so im Verwallungsstrqf- 
verfohren das maßgebende Zollstrafgesetz vom 28. Juli 1897 (§29, 
80) die Banken bezw. deren Vertreter von der allgemeinen Zeugnis- 
pflicht nicht ausnimmt." 
o Ein allgemeiner Kirchensonntag ist zum 1l. 
Januar in Aussicht genommen. Die beiden General- 
superintendenten für Groß-Berlin haben in Sachen der 
Austrittsbewegung ein Anschreiben an sämtliche Vorsitzende 
der ihnen unterstellten Kirchenvorstände gerichtet, indem sie 
folgenden Vorschlag machen: Sie verkennen nicht den Wert, 
den inöglicherweise große öffentliche Gegenversammlungen 
gegen die demonstrative kirchenfeindliche Schürung haben 
können, sie weisen aber vor allem darauf hin, daß die Kraft 
unserer evangelischen Kirche in der Gemeinde liege. Dem 
zufolge bringen die genannten Vertreter der kirchlichen 
Oberleitung für Groß-Berlin die Idee eines allgemeinen 
Kirchensonntag in Anregung. Am 11. Januar 1913 finden 
in allen Berliner evangelischen Kirchen Gottesdienste statt, 
in denen ohne direkte Bekämpfung der Auslrittsbewegung 
in aufbauender Weise den Gcmeindegliedern klargelegt 
wird, was sie einerseits an der Kirche des Evangeliums 
haben, und andernteils, was sie ihr schuldig seien, wie 
sie das Leben der christlichen Gemeinden mittragen und in 
unermüdlicher, selbstloser Mitarbeit zu fördern vermöchten; 
das bedeute aber in allem daS gerade Gegenteil eines Aus 
scheidens aus der Kirche. 
o Unfall des Oberbürgermeisters Schnackenburg. 
Wie uns mitgeteilt wird. erlitt unser früheres Ortsoberhaupt 
Oberbürgermeister Schnackenburg-Altona vor einiger Zeit 
einen schweren Unfall, der ihm bald das Leben gekostet 
hätte. Zu seiner Erholung hielt sich Oberbürgermeister 
Schnackenburg in Südfrankreich auf. Als er im Seebade 
in Nizza badete, wurde er von einer großen Welle erfaßt 
und dermaßen gegen die Pfähle des Bades geschleudert, daß 
er ohnmächtig wurde. Vom Badepersonal wurde der Unfall 
glücklicherweise sofort bemerkt, sodaß Oberbürgermeister 
Schnackenburg gerettet werden konnte. Er soll jedoch von 
dem Unfall noch nicht vollends geheilt sein und immer noch 
unter innerlichen Schmerzen leiden. 
o Sich auf die einfachste Weise zu erwärmen ist 
besonders bei schnellem Temperaturwechsel von hohem Wert. 
Es geschieht dies auf die natürlichste Art dadurch, daß mau 
mit geschlossenem Munde möglichst tiefe Atemzüge tut so 
lange, bis inan Zurückkehr der Wärme in den Körper deut 
lich spürt. Das tiefe Atmen führt dem Blute erstens frischen 
Sauerstoff zu und befördert den Kreislauf des Blutes, welches 
dann bis an die äußersten Ausläufer der Adern bis unter 
die Haut strömt. Beginnende Erkältungen werden dadurch 
leicht gehoben. Noch besser wirkt gleichzeitige kräftige Be 
wegung zu dem tiefen Atemholen. 
o Auf der Suche nach neuen Vorstandsmitgliedern. 
Wie bekannt, hält der Haus- und Grundbesitzerverein am 
16. Januar seine Generalversammlung ab, in der auch Er 
gänzungswahlen für den Vorstand stattfinden. Hierzu wird 
uns geschrieben, daß bei den Mitgliedern Stimmung ge 
macht wird, für die Wahl de? Herrn Rechtsanwalts Bering 
zum Vorsitzenden, des Herrn Bcymel zum Schriftführer und 
des Herrn LooS zum Beisitzer. — Sollte es sich bei dieser 
Mitteilung nicht um einen Silvesterulk handeln? Wir können 
Augen, Taute Berth wischte ihm Schweigtropsen von ver 
Stirn, flüsterte il»,» beruhigende Worte zu und rieb ihm 
die Schläfen mit Kölnischem Wasser euz. 
Rach einigen Minuten öffnete der Graf wieder die 
müden Augen, sah Ruht lange schweigend an und fuhr 
daun fort: „Das schmähliche Versäumnis ist an den Toten 
nicht wieder gutzumachen, wohl aber an den Lebenden. 
Leider bin ich jetzt nicht mehr dazu imstande ... es ge 
länge mir wohl auch nicht, selbst wenn ich am Leben bliebe, 
denn nur reine Hände können das für die Armen in 
Segen auflösen, was unreine ihnen gierig enlriffen habe». 
Ich bedarf eines Verwalters meiner Hinterlasjeuschast und 
dazu habe ich Sie ausersehen." 
„Mich?" — Der Rektor erschrak und schaute mit weit 
1 aufgerissenen Augen bald den schweratmenden Grafen, 
bald Tante Berth an. „Rach Ihren Bekenntnissen. Herr 
Graf," sagte er dann, „hatte ich angenommen, Sie wollten 
Ihre Schwägerin zur Erbin einsetzen und mir die Stellung 
eines Beraters zuweisen. aber daß ich . . ." Er ver 
stummte, denn ihm kamen Zweifel, ob er die Absichten 
des Sterbenden richtig verstanden habe. 
Tante Berth las diesen Zweifel von seinen Augen ab 
und sagte leise: ^Ia, Sie, Herr Rektor, sollen das Erbe 
meines Schwagers in Ihren Ve.'i.z nehmen, um Gutes 
damit zu stiften.. Dieser Aufgabe fühle ich mich nicht ge 
wachsen. wohl ober will ich Ihnen eine treue Helferin fe.n, 
sobald ich zwingende Pflichten gegen meine alte und ge 
lähmte Mutter erfüllt habe." 
(Fortsetzung folgt.)
        
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