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Periodical volume Nr. 171, 23.07.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

(Friederrauer 
Anparteiische Zeitung für kommunale und bürgerliche 
Angelegenheiten. 
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Rheinstr. 15, 1,50 M. vierteljährlich; ourch 
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OTitjblatt „Seifenblasen“. 
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Erscheint täglich aöends. 
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Organ für den Kriedenauer Ortsteil van Zchäneberg und 
Oezirksverein Züdmest. 
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Druck und Verlag vonLeoSchultz, Friedenau. 
Geschäftsstelle: RheinTtr. 15.f.rnkpr.-ber- Hmt puijburg 3.39. 
Yr. 306 
Derlin AntdeNau, Mittwoch, den 3l. Aezemöer tni3. 20. Zayrg. 
Ein fröhliches, glückliches 
und gesundes Umfahr 
wünschen wir allen unsern verehrten Lcferi», I,r- 
serenterr und Mit,rrdcitorn. 
lvi- verbinden dam t gleichzeitig der 7a rk für die 
liebrnswürdvg« Unterstützung, die un» im verflossenen 
Jahre in reichem IN iße zu teil wurde. Die wiederhoUrn 
Ulagen und Belchweiden über die Aeitungszustrllnng 
virrnlaßien uns im September, hierin ein« Aenderung 
eintreten zu lassen, lvir lösten die Verbindung mit dem 
Zeitun sfpedlteur und stellten eigene Boten ein. Dadurch 
find wir in die Lage gekommen, auf die Zustellung 
selbst einwirken, und alle Beschwerden direkt r-ledigen 
zu körinen. Unser« Bitte geht auch heut« wieder dahin, 
bei unregelmäßiger oder unpünktlicher Bestellung unserer 
Zeitung uns sofort Nachricht zu geben, lvir v'erden 
bamüht sein, jedem Ulangel nma-bent» < bzubelien 
Mit dem Dank an unsere Lcfrv, Injorentei» 
i nd Ulitnrbeiter verknüpfen wir ater noach dl» 
Bit.«, an» ihr gishätztes Mohlwollrn auch im scheuen 
Jahre zu erhallt». Gut Neujrhr! . - 
Lchriktirilung, 6rschgttsstk!lr und 
Orriag drs 
„Prirdrnaurr LoKal-^lnfkigkrs". 
kreujaKrsgrulZ. 
Das alte Jahr ging still zu Ende! 
Kein Machtwort hielt das fliehende zurück, 
Zum Neujahisgraß nun reichen wir die Hönde 
Einander uns und wünschen Heil und Glück. 
Ein frischer Lebenshauch zieht durch die Welt. 
Steht doch der neuen Zukunft Pforte offen; 
Quillt hell'res LiMt doch schon vom Himmelszelt 
Und weckt allüoerall ein frohes Hoffen. 
Sei uns gegrüßt bei neuer Jahreswende. 
Du frischer Sproß am großen Zeitenbaum! 
Neujahr, verheißungsvolle Gnadenspende 
Aus Gotteshand, erfüllt den Zukunftstraum! 
Wer schmückte nicht mit Hoffnungsblüten aus 
Den Pfad. den wir ourch deine Tage schreiten! 
Hascht nach des Glückes Strahl nicht Herz und Haus? 
O, möcht' er dich, du neues Jahr, begleiten! 
Betrübten Herzens mögst du Balsam streuen; 
Was morsch und krank geworden war im allen, 
Will sich in dir verjüngen und erneun: 
Selbst die Natur will sich aufs neu' entfalten. 
Es harret neuem Leben, neuem Licht 
Das ganze Weltall sehnsuchtsvoll entgegen; 
Denn alles, alles hoffend sich verspricht 
Dom neuen Jahreswechsel Heil und Segen . . . 
So sei denn froh begrüßt, du junges Jahr! 
O möchtest du nicht ungenutzt entschweben 
Dem Einzelnen, wie auch der Völker Schar! 
Und kannst du auch nichts nehmen und nichts geben, 
Was nicht nach Gottes weisem Ratschluß ist. 
So lehr' uns doch die eignen Kräfte regen; 
Daniit, wenn du dereinst verronnen bist. 
Wir sagen können: „Uns warst du zum Segen!" 
Adamine v. Diemar. 
vepelcken 
Letzte Nachfichten 
Halle. Ein gut besetzter Personenzug, der'vor 12 Uyr 
nachts in Querfurt eintreffen sollte, blieb zwischen Oschers-, 
leben und Querfurt im Schnee stecken. Sämtliche Personen 
mußten die Nacht im Zuge verbringen. Bis heute morgen 
10 Uhr gelang es nicht, die Strecke frei zu bekommen. 
Hilfszüge sind von Halle aus abgegangen. 
Greifswald. Bis ll Uhr Nachts stieg das Hoch* 
wasser weiter. Infolgedessen mußte die Feuerwehr die 
ganze Nacht an gefährdeten Positionen eingreifen. Sie hat 
iützbesonder wiederholt Tiere und Menschen in den durch 
das Hochwasser gefährdeten Straßen zu retten. Das 
Elektrizitätswerk und die Ueberlandzentrale haben ihre Tätig 
keit einstellen müssen; infolgedessen ist Greifswald ohne Licht 
und Trinkwasser. Der Schneesturm hält auch heute noch 
an. Seit 1 Uhr Nachts ist das Wasser wieder gefallen. 
Um l l Uhr Vormittags war es bereits um etwa l Meter 
gesunken. 
Misdroy. Der die letzten Tagr andauernde Sturm 
hat das ganze Seebad Misdroy schwer geschädigt. Die 
Badeanlagen am Strand, ein großer -Teil der Anlegebrücken 
sind von den Fluten und dem Sturm vollständig wegge 
schwemmt worden. Das Familienbad ist weggeschwemmt. 
Der für die Rettungsstation so überaus wichtige Signalmast 
ist von der Gewalt des Sturmes geknickt, was um so be 
dauerlicher ist. als ein Dampfer und ein Schoner auf See 
in Gefahr schweben. 
Kopenhagen. Fast die gesamte Schiffahrt an der 
dänischen, schwedischen und norwegischen Küste ist unter 
bunden und auch der Eisenbahnverkehr ist durch Ueber- 
schwemmungen vielfach unterbrochen. Die Zugoerbindungen 
mit Deutschland mußten in Warnemünde bezw. Gjedser ab 
gebrochen werden. 
Budapest. In Maria Theresiopel in Ungarn wurde, 
infolge persönlicher Differenzen, zwischen dem Direkt 'r des 
dortigen Theaters. Joseph Nadassy, und dem Schauspieler 
Slejun Szeudrei, ein Duell unter schweren Bedingungen zum 
Austrag gebracht. Direktor Nadassy wurde am Arm und 
im Gesicht schwer verletzt. 
Paris. Das Blatt „Aoenir du Tonking" meldet, daß 
an Boro des Kreuzers „Desaix" im Hasen von Saigon eine 
ernste Meuterei ausgebrochen sei. 280 Matrosen, die sich 
über die Haltung des zweiten Offiziers und die schlechte 
Kost beklagten, flüchteten sich in die Heizräume des Schiffes 
und weigerten sich, die Befehle auszuführen. Erst nach 
vielen Bemühungen gelang es, die Ordnung wieder her 
zustellen. 
Oes Verwalter. 
Roman von Rudolf E l ch o. 
g, (Nachdruck tti>au) 
„Und welche Au'gabe hat unser gütiger Patron mir 
zugedacht?" — Gespannt blickte der Rektor in das Frauen 
antlitz, auf dem der Ausdruck stiller Resignation lag. 
„Das wird er Ihnen selber sagen, sooald er aus dem 
durch eine Morphiuminjektion herbeigeführten Schlaf er 
wacht. Unterdessen möchte ich Ihnen rasch erklären, wie er 
zu dem Entschlüsse kam. Sie mit der Ausführung seiner 
Absichten zu betrauen. Dem Grasen war beim Tode seines 
Vaters ein reiches Erbe zugefallen. Er gehörte derzeit einem 
Kavallerieregiment als Offizier an und gab sich, sobald 
er in den Besitz reicher Gelomittel kam — sein sparsamer 
Vater hatte ihn sehr knapp gehalten — den gleichen 
Ausschwei ungen hin, wie so viele andere in gleicher 
Lebenslage befindliche Männer. Im Alter von zweiund- 
dreißig Jahren verließ er die Armee und heiratete meine 
Schwester. Trotzdem diese ihn herzlich liebte und ihm 
zwei gesunde hübsche Söhne schenkte, war die Ehe keine 
glückliche, denn der verwöhnte Graf ließ sich an den stillen 
Freuden des Familienlebens nicht genügen und meine arme 
Schwester war zu zartfühlend, um sich über das treulose 
und rücksichtslose Verhalten ihres Gatten wegsetzen zu 
können. Als sie nach neunjähriger Ehe starb, fühlte mein 
Schwager sich nicht imstande, die temperamentvollen Söhne 
zu erziehen, und übergab sie einer Anstalt; er selbst suchte 
Trost und Zerstreuung in jenen Gesellschastskreisen großer 
Städte und fashionabler Badeorte in denen da» leichtfertige 
Schlagwort gilt: »Da es ungewiß ist, ob du im Ienfeits 
ein Paradies findest, so suche es dir schon aus Erden zu 
verschaffen." ) 
Auf der Jagd nach Zerstreuungen traf der Graf mit 
einer jungen österreichischen Aristokratin zusammen, die in 
Wien um ihrer Schönheit willen viel bewundert und um 
worben wuroe. Es gelang ihm, alle Rivalen aus dem 
Felde zu schlagen, trotzdem er bereits doppelt so alt war 
wie Baronesse Josefine, die bei der Verheiratung sechsund 
zwanzig Jahre zählte. Der Graf bot jedes Mittel auf, um 
die verwöhnte junge Frau >ür das Opfer, das sie dem altern 
den Manne angeblich gebracht hatte, durch Zerstreuungen 
und Vergnügungen aller Art zu entschädigen, allein es ge 
lang ihm nicht, ihr eme tiefere Zuneigung einzuflößen und 
sie zu beglücken. Daß ihn die herzlose Kokette gerade in 
der Zeit verließ, da ihn die furchtbaren Schicksalsschläge 
— ich meine die kurz au einander gefolgten Verluste seiner 
beiden Söhne — in tiefste Trauer versenkt hatten, das 
brach ihn vollends nieder. Die wenigen Jahre nach diefer 
Kab.ftrvphe brachten ihm nichts weiter als ein langsames 
Hinsterben." 
„Seine Leiden wurden durch Ihre liebevolle Pflege 
gnädige Frau, wesentlich gemildert, wie mir Doktor Heil, 
mann noch gestern versicherte." 
„Das war nur meine Schuldigkeit," erwiderte sie mit 
leichtem Erröten. „Ich bin aber froh, daß es mir gelang, 
meinen Schwager zu besserer Einsicht zu leiten Er gibt 
jetzt zu, daß das Glück ihn fliehen mußte, weil er die 
ihm von Gott auferlegten Pflichten gegen seinen Nächsten ver 
säumt hatte. Diese Emsicht wurde in ihm noch erweitert 
und befestigt durch Sie, Herr Rektor! — Ja. durch Sie. 
Bei jenen Beratungen, die wir in der von Ihnen geleiteten 
höheren Bürgerschuse betreffs unterstützungsbedürftiger 
Die Aeberlanckzenlralen. 
In der neuesten Zeit sind in Deutschland und in 
anderen Ländern^ Kraftwerke zur Versorgung des flachen 
Landes mit Elektrizitäten vielen Gegenden errichtet werden. 
Es ist nicht zu leugnen, daß hierdurch dem Landwirt 
Energie und Licht auf billigem Wege zugeführt wird. 
Durch den Ersatz menschlicher und tierischer Kräfte ist es 
möglich, die landwirtschaftlichen Betriebskosten mit Hilfe der 
Elektrizität im wesentlichen herabzusetzen. 
Aber nicht bloß das flache Land hat den Vorteil davon, 
es können für den Verbrauch auch größere Ortschaften, ja 
sogar Städte an das Leitungsnetz eines Ueberland-Krast- 
werkes angeschlossen werden. 
An einem günstig gelegenen Orte, an dem eins 
Wasserkraft oder eine günstige Kohlenzufuhr vorhanden ist, 
wird das Kraftwerk errichtet, das hochgespannten Wechsel 
strom erzeugt, welcher mittels einer weitverzweigten Leitungs 
anlage an alle angeschlossenen Verbrauchsorte verteilt wird. 
Das Leitungsnetz eines solchen Ueberland-Krastwerkes nimmt 
oftmals eine Länge von 100, 150, ja sogar von 200 und 
mehr Kilometern ein. Die Fläche des gesamten Ver 
sorgungsgebietes ist dabei elwa 200 bis 300 Quadrat 
kilometer groß. An den Verbrauchsstellen wird der hoch 
gespannte Wechselstrom dann durch Transformatoren auf die 
Gebrauchsspannung erniedrigt und den Motoren oder der 
Lichtleitung zugeführt. 
Bei einem so ausgedehnten Leitungsnetz kann es nun 
aber vorkommen, und das hat sich in letzter Zeit mehr und 
mehr als Uebelstand gezeigt, daß das Netz an einer Stelle 
durch einen äußeren Einfluß, der von der Verwaltung des 
Werkes unbeabsichtigt ist. unterbrochen wird. Solche Zufälle 
treten im Sommer bei Gewittern sehr häufig ein. indem der 
Blitz in die Leitungsanlage einschlägt und die Trennungs 
sicherungen, Schalter oder andere Betriebsapparate zerstört. 
Ehe nun solche Gegenstände wieder erneuert eingesetzt 
werden, können Stunden vergehen, während welcher, wenn 
in einer Hauptleitung die Störung verursacht morden ist. 
ein großer Teil der angeschlossenen Verbrauchsorte ohne 
Strom, also ohne Kraft und ohne Licht ist. Es ist noch 
garnicht lange her, daß aus Ahlbeck die Nachricht kam. daß 
der ganze Ort an einem Abend im Dunkeln lag. „Infolge 
einer Störung an dem elektrischen Ueberland-Ku mwerke 
erlosch plötzlich das Licht, sodaß alle Wohnungen (man 
beachte: in einem Seebade) im Finstern lagen. Die Kerzen 
geschäfte konnten die Nachfrage nach Lichtern kaum be- 
friediaen Die heutige Reunion fand bei Kerzenlicht statt, 
während der Geschäftsverkehr am Abend vollständig ruhte." 
Sollte nun aber einmal eine Störung im Kraftwerk 
selbst einmal eintreten, so ist das ganze Vcrsorgungsgebiet 
ohne Kraft und ohne Licht. 
Aber nicht allein solche durch äußere Einflüsse einge 
tretene Leitungsstörungen können die Anlage stromlos 
machen, sondern sie muß auch bei Neuanschlüssen, bei Nach 
prüfungen, bei Reinigungen stromlos gemacht werden, wobei 
die Verbraucher keine Kraft und kein Licht während dieser 
Zeit erhalten. Neben dem Blitzschlag treten dann noch 
andere unerwartete Stromunterbrechungen, wie Störungen 
durch Maschinenschäden, durch überlastete Leitungen und 
Scbüler hatten, ,ewann ich dle Ueberzem ung, einem auf 
geklärten, warmfüylenden und grundehrlichen Manne gegen 
überzustehen." 
Als der Rektor errötend eine abwehrende Bewegung 
machte, huschte ein mattes Lächeln über ihr Gesicht, und 
sie fuhr fort: „Nichts liegt mir in dieser Stunde,erner, als 
Ihnen schmeicheln zu wollen, ich muß nur die Absicht des 
Sterbenden erklären. Mein Vertrauen auf Ihren reinen 
Charakter erhielt noch eine Steigerung durch Ihre SUef- 
tochter Elaire, der ich wiederholt in der armseligen Be 
hausung Hilfsbedürftiger begegnet bin. Sie ist so liebens 
würdig, daß ich niir sagte: Wer seine Stieftochter zu 
eineni so edlen Menschen erzogen hat, ist gewiß vertrauens 
würdig. Ihre Frau und eigenen Kinder kennen 311 lernen, 
mußte ich mir um des Kranken willen versagen. Dieser 
war lange der von ihm mitbegründeteu Bürgerschule fern 
geblieben " 
„Die nur durch seinen Jahresbeitrag erhalten werden 
kann," warf Dr. Ruht ein. 
„Als Sie nun, der Aufforderung des Bürgervereins 
entsprechend, neulich einen Vortrag in der Aula hielten 
und der Graf sich etwas wohler fühlte, bewog ich ihn, 
diesen zu hören. — Und nun geschah etwas Wunderbares. 
Ihre Rede enthielt die Antwort auf all die bangen Fragen, 
die ihn während feiner langen Krankheit bewegt und 
gequält hatten. Es schien ihm, als habe Gott Ihnen auf 
gegeben. seine Zweifel zu lösen und ihm den rechten Weg 
zu zeigen!" 
„Wie seltsam!" 
„Mein Schwager kehrte ganz erschüttert insSchloß zurück 
und rief mir zu: „Mein Entschluß ist gefaßt: Der Rektor 
fall — loweit es noch möglich Ist — mein Unrecht kühnen.
        
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