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Periodical volume Nr. 134, 10.06.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

(Kriederrauer 
Anparteiische Zeitung für tommunale und bürgerliche 
Ungelegenheiten. 
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Ar. 305. 
ZLerlin-Iriedenau» Dienstag, dm 30. Dezember 1913. 
20. Zayrg. 
vepelcken 
Letzte Nachrichten 
Cuxhaven. Durch den schweren Schneesturm ist der 
Schifssverkehr stark behindert. Ueber Nacht ist Frostwetter 
eingetreten. Bei dem scharfen Nordwind nimmt die Kälte 
ständig zu. 
Stockholm. Die Königin-Witwe Sophie ist heute 
früh 6 Uhr 24 gestorben. Das Königspaar und die übrige 
königliche Familie waren seit 5 Uhr früh in den Gemächern 
der Königin-Witwe versammelt. 
Essen a. Ruhr. Im Stahlzeug-Bauwerk der Fabrik 
von Krupp ist eine schwere Gaserplosion erfolgt. Bier 
Arbeiter wurden schwer, einer leicht verletzt. 
Swinemünde. In Ahlbeck'zerschellte gestern abend 
gegen 6 Uhr infolge des heftigen Nordsturmes ein Fischerboot, 
das mit vier Insassen von der See heimkehrte, am Familien 
bad. Sämtliche vier Fischer ertranken. Es sind dies 
Wilhelm Weber, Julius Wolf, Karl Gamradt und Arthur 
Biesendahl. Alle vier sind verheiratet und mit einer Ausnahme 
Bäter mehrerer Kinder. Die Leiche des Gamradt, der Vater von 
dreizehn Kindern ist, wurde um Mitternacht geborgen. — 
Der Nordsturm hat in Swinemiinde Hochwasser hervor 
gerufen. Die Straßen am Bollwerk entlang sind bis an die 
Häuser heran überschwemmt. Viele Keller und Läden stehen 
unter Wasser. Am Swincmünder Strand reicht das Wasser 
bereits bis an die Dünen. 
Petersburg. Wie aus dem Gouvernement Ssaratow 
an der unteren Wolga gemeldet wird, herrscht dort ein 
furchtbarer Schneesturm, der die Kommunikation vollständig 
lahmgelegt hat. 10 Bauern, welche vom Jahrmarkt nach 
Hause kamen, wurden unterwegs erfroren aufgefunden; 
20 weitere Bauern werden noch vermißt, und man nimmt 
an, daß sie dem gleichen Schicksal anheimgefallen sind. 
Montreal. In dem alten französischen Viertel von 
Montreal brach gestern ein Feuer aus. In kurzer Zeit 
standen 20 Gebäude in. Flammen. Durch Wassermangel 
konnte nicht verhindert »erden, daß das Feuer auf die 
nächsten Häuserblocks ü»rsprang. Au mehreren Stellen 
explodierten die Gasleitungen. Endlich gegen Abend gelang 
es, des Feuers Herr zu werden. Der Schaden wird auf 
eine Million Dollars geschätzt. Viele Familien sind ob 
dachlos. Bei den Versuchen, wieder in die brennenden 
Häuser zurückzukehren, um ihre Kostbarkeiten zu retten, 
wurden viele Personen verletzt, llmsf Leben gekommen ist 
jedoch niemand. 
Lokales 
(Nachdruck unserer o-Originalartikel nur mit Quellenangabe gestattet.) 
o Die Silvesterfeier der alten Zeit war nicht nur 
kirchlicher, sondern bei allen Ständen familiärer Art. D^e 
Sitte verlangte, daß ein jeder bei der Jahreswende im 
Kreise der Angehörigen seine Zeit zu verbringen hatte. 
Während jetzt die Gastwirtschaften in der Silvesternacht am 
besuchtesten sind, waren sie früher am leersten. Es würde 
für ganz unpassend und frivol ausgelegt worden sein, sich 
aus dem alten Jahr hinaus- und in das neue hineinzu 
trinken. Selbst sogen. Silvesterbälle, die wenigstens noch in 
Der Verwalter. 
Roman von Rudolf Elcho. 
5' (Nachdruck vtrbolrR») 
Frau Lang, die frühere Besitzerin des stark verschuldeten 
Hofes, war von Dr. Kruse als Wirtschafterin angenommen 
worden. Sie besaß ein Töchterchen, das in dein stillen 
Landhaus wohl gedieh, aber gleich nach der Konfirmation 
bei Plotkes in Dienst trat, weil ihr das Leben im „Narren- 
haus" zu einförmig war. Ein dritter Bewohner des einsamen 
Hauses war besonders dazu angetan, ihm einen unheimlichen 
Charakter zu verleihen. Tom, der Gärtner, war taub- 
stumm und von riesigem Wuchs. Seine finsteren Mienen, 
sein zottiger Bart und seine plumpen Hände verhießen all 
den Neugierigen nichts Gutes, die gern einen Blick über 
die Mauer oder durchs offene Tor geworfen hätten. Seinem 
kleinen Herrn war er treu ergeben und mit ihm konnte er 
sich durch Blicke so leicht verständigen, daß er Sprache und 
Gehör kaum vermißte. 
Der Apotheker verkehrte mit keinem Menschen außerhalb 
seiner Besitzung und beschäftigte sich, wie Dora, die Tochter 
der Frau Lang, den Plotkes vertraute, nur mit seinen 
Tieren und Pflanzen. Zuweilen sah man ihn in dem vom 
taubstummen Tom geruderten Boot über den See fahren, 
wo er an einsamen Uferstellen zu fischen schien, aber ge 
sprochen hatte noch kein Burgstaller mit ihm. Einmal hatte 
der Rektor ihn brieflich gebeten, er möge einen Beitrag für 
die Hinterbliebenen eines verunglückten Dachdeue^s o-ia-»en. 
Dr. Kruse setzte seinen Namen nicht auf die Sammelliste, 
der heimischen Häuslichkeit abgehalten wurden, kamen erst 
in den dreißiger Jahren auf. Zu Ende des 18. Jahr 
hunderts war das Neujahrgratulieren nur unter den An 
wesenden Sitte. Freunde beglückwünschten sich höchstens 
bei passender Gelegenheit, weil das besondere Gratulieren 
durch die Ausartung zur Bettelei sehr an Ansehen verloren 
hatte. Dem Gemeinwesen dienende Personen niederer Art 
hatten das herkömmliche Privilegium, die Neujahrsgratu- 
lationen zu einer Einahmequelle zu benutzen, Ratsdiener, 
Bälgetreter, Schornsteinfeger und Türmer wünschten für 
zwei gute Groschen ein „glückliches neues Jahr" und wer 
mehr gab, bekam die ewige Seligkeit noch dazu. Am 
meisten zeichnete sich das musikalische Geschlecht der Nacht 
wächter aus, die sich sogar mit der ganzen Familie zum 
Absingen geistlicher Lieder verstiegen und in der strengen 
Winterkälte eines erwärmenden Schnapses sehr bedürftig 
waren, der ihnen dann auch regelmäßig zu teil wurde. 
Schließlich wurden allerdings immer von den diversen 
Schnäpsen, die ohnehin nicht allzu sanften Stimmen so 
rauh, daß diese Silvestergesänge mehr an die Kriegsgesänge 
wilder Indianer erinnerten. 
o Schöffe Lichtheim wieder gesund. Herr Gemeinde 
schöffe Lichtheim, der lange Zeit an einer schweren Krank 
heit litt und in einem Sanatorium im Harz Heilung suchte, 
ist jetzt wieder vollends genesen. Er hat auch die Amts 
geschäfte wieder aufgenommen. Wir wünschen, daß ihm 
nun eine dauernde Gesundheit beschieden sein möge, damit 
er seine oft bewährte Kraft noch vielfach zu Nutz und 
Frommen unserer Gemeinde einsetzen kann. 
o Ueber die Zugehörigkeit der Dienstboten zur 
Land- oder Ortskrankenkaffe bestehen, wie aus den vielen 
Anfragen hervorgeht, noch immer Zweifel. Besonders tritt 
dieses hervor für solche Hausangestellte, die nicht direkt als 
Dienstmädchen bezeichnet werden. Es kommt für die Be 
urteilung der Frage, ob eine solche Person zur Orts- oder 
Landkrankenkasse gehört, immer darauf an, mit welchen 
Arbeiten sie im Haushalte beschäftigt wird. Die Bezeichnung 
Stütze, Wirtschafrerin, Hausdame, Kinderfräulein ist nicht 
allein maßgebend. Eine Stütze, die im Hause mit Arbeiten 
beschäftigt wird, die sonst dem Dienstmädchen obliegen, ist 
nichts anderes, als ein Dienstbote und daher zur Land 
krankenkasse gehörig. Ebenso verhält es sich mit Wirt 
schafterinnen und Hausdamen, wenn sie nicht lediglich eine 
leitende oder beaufsichtigende Stellung im Haushalte ein 
nehmen. Auch solche Personen sind bei der Landkranken 
kasse anzunielden. Die Ortskrankenkasse ist dann zuständig, 
wenn vorgenannte Personen in einem Haushalte noch 
Dienstpersonal unter sich haben, deren Beschäftigung sie an 
zuordnen und zu überwacken haben. Ein Kinderfräulein, 
das die Arbeiten eines Kindermädchens oder einer Kinder 
wärterin verrichtet, muß Mitglied der Landkrankenkasse 
werden, während ein als Erzieherin tätiges Kinderfräulein 
bei der Ortskcankenkasse anzumelden ist. Köchinnen in 
privaten Haushaltungen gehören in jedem Falle zum Ge 
sinde und sind deshalb ebenfalls als Dienstboten bei der 
Landkrankenkafle versicherungspflichtig. Aufwärterinnen und 
Portiers sind bei der Ortskrankenkasse anzumelden. Die 
Anmeldungen zu den Krankenkassen haben nur auf den von 
den Kassen herausgegebenen Formularen zu erfolgen und 
müssen jetzt vorgenommen werden. Die Anmeldeformulare 
legte aber einen Hundertmarkschein hinein und sandte Oiste 
und Geld mit der Lang zurück. 
Der Rektor sann über die Beweggründe nach, die 
den buckligen Sonderling zum Entschluß gebracht haben 
mochten, das Leben eines Einsiedlers zu führen, bis ihn 
ein seltsames Geräusch ablenkte. Aufblickend erkannte er 
die zum Schloß hinausführende Platanenallee. Der nächtliche 
Rauhfrost hatte dir Blätter der hochstrebenden Bäum« 
goldgelb und rötlich gefärbt und es lag noch silberiger 
Duft darauf. Nun löste herüber den See streifende Morgen 
wind die welkgewordenen ab und diese fielen auf den 
Fahrweg und den im Tau glitzernden Rasen. Das leise 
Aufschlagen der bunten Blätter berührte Ruhls Ohr wie 
geheimnisvolles Flüstern. Vielleicht wollte die Natur ihn 
ermahnen, auf dielem verhängnisvollen Gange noch ein 
mal rückwärts zu blicken. 
Seiner schwermütigen Stimmung nachgebend, rief er 
die Erinnerung an seine Knabenzeit wach. Personen und 
Erlebnisse glitten in fahlen, verschwommenen Bildern an 
ihm vorüber. Da erschien ihm zuerst seine Muter, deren 
bleiches Gesicht für ihn von der Glorie der Märtyrerin um 
leuchtet war. Wie oft hatte er als Knabe ihre dunklen 
Augen ,n Tränen gesehen und wie oft hatte er ihr Leid 
mitempfunden und sie ihrer Trostlosigkeit zu entreißen ge 
sucht! Die innigste Liebe hatte ihn mit der Unglücklichen 
verbunden. Sie war eine redliche und warmfühlende Frau 
ewesen, die den Schatz von Liebe und guten Gedanken, 
en ihr Mann verschmähte, dem Sohne mitteilte. Ihrer 
konnte Ruhl nur in tiefer Rührung gedenken, seines Vaters 
aber mit peinlichen Gefühlen: der lebte noch als Färber in 
für die Ortskaffe sind in deren Geschäftsräumen sowie in 
den bekannt gemachten Geschäften erhältlich, während die 
Formulare der Landkrankenkasse außer in den Geschäfts 
räumen, Niedstr. 35 in den Büros der Gemeindeverwaltung, 
in den hiesigen Papierhandlungen und in den Zeitungs 
kiosken zu haben sind. 
o Auf die Erhaltung der Bäume wird in unserer 
Gemeinde viel Wert gelegt. Oftmals fanden im Gemeinde- 
parlament heftige Erörterungen statt, wenn von unserem 
Gemeindeoorstand der Antrag ausging, alte prächtige 
Bäume zu entfernen und sie teils durch kleinere, junge 
Bäume zu ersetzen. Hausbesitzer und Mieter wehrten sich 
geschlossen gegen ein derartiges Vorgehen. Man sieht jetzt 
endlich auch in den Großstädten ein, welche ästhetische Be 
deutung — von der hygienischen ganz zu sckweigen — 
Bäume für das Stadt- und Straßenbild haben. Man sollte 
daher bei Neubauten, soweit irgend möglich, den vor 
handenen Baumbestand erhalten. Die „Bauwelt" macht da 
auf das neue Berlin-Schöneberger Rathaus aufmerksam, wo 
einer wundervollen alten Linde mit weitausladenden Aesten 
zuliebe auf die glatte Durchführung der 160 Meter langen 
Front verzichtet worden ist. Man zog einen 05 Meter 
langen Flügel rechtwinklig zurück und erzielte damit zugleich 
ein um so reizvolleres architektonisches Bild. Das Schöne 
berger Beispiel regt hoffentlich zum Nacheifern an. Bisher 
mußten bei Neubauten in unserer Gemeinde stets die alten 
Bäume weichen, so wurde sowohl beim Neubau des kirch 
lichen Gemeindehauses, wie bei Schulbauten und letzthin 
auch beim Rathausbau die Axt an verschiedene schöne 
Bäume gelegt. 
o Gegen die geplante Errichtung eines Abstell 
bahnhofes an der Wannseebahn zwischen Rubens- und 
Tempelhoferstraße wandte sich eine stark besuchte Ver 
sammlung des Kommunalvereins Friedenauer Ortsteil und 
des Haus- und Grundbesitzervereins, die am Montag im 
„Burghof" tagte. Herr Oberbürgermeister Pagels, der die 
Versammlung leitete, wies in seinen einleitenden Aus 
führungen auf die schwere Gefahr hin, die der Stadt durch 
das Projekt der Eisenbahndirektion erwachse. 
Diese Gefahr sei größer, als mancher vielleicht im Augenblick 
glaube. Selbstverständlich müsse man Privatinteresseu gegenüber 
den öffentlichen Interessen zurückstellen; hier handelt es sich um die 
Interessen der ganzen Stadt. Das Südgelände, das nach den 
Grundsätzen der modernsten Städtebaukunst erschlossen werden soll, 
müsse unter einer solchen Anlage schwer leiden. Herr Rechnungsrat 
Müller wandte sich scharf gegen das Projekt, durch das die Gegend 
zum Ortsteil zweiter Klasse herabgedrückt werde. Redner forderte 
die Anwesenden aus, rechtzeitig gegen das Projekt Einspruch zu er 
heben. Der von den Vorständen ausgearbeitete Einspruch mache 
ausführlich auf die verschiedenen Mißstände aufmerksam, die die 
geplante Anlage zur Folge haben würde. Richt nur, daß die Ruhe 
der Gegend ganz empfindlich gestört wird, ist auch eine schwere 
Ruß- und Rauchplage zu befürchten. Diese Belästigungen würden 
aber gegen die Baupolizeiverordnung verstoßen, da in dieser Gegend 
der Vau von Fabriken uud ähnlichen Anlagen verboten ist. Das 
günze Südgelände, das zur laudhausmäßigen Bebauung in muster 
gültigster Weise und im Sinne der Bestrebungen der Regierung er 
schlossen werden soll, dessen preisgekrönter Entwurf vvn Allerhöchster 
Stelle gutgeheißen und genehmigt worden ist, würde durch die beab 
sichtigte Anlage zum Schaden Schönebcrgs und der Bürger in 
seiner Entwicklung vollständig lahmgelegt werden. In der Aus 
sprache, an der sich u. a. die Herren Müller, Borchardt, Woiwode, 
Stötzer und Treugebrodt beteiligten, machte Herr Stadtverordneter 
Treugebrodt den Vorschlag, man möge dahinwirken, daß der Ad- 
stellbahnhof im Anschluß an den erweiterten Rangierbahuhof in der 
seiner Vaterstadt. Er war ein selbstsüchtiger Pfablbürger, 
der am Stammtisch vor den Kumpanen seine Weisheit 
leuchten ließ. Er erzählte gern interessante Kriminalfälle, 
sein Geschäft aber betrieb er lässig. 
Sein Sohn Ewald sollte ein Studierter werden, aber 
die Mittel fehlten, um diese Absicht durchzusetzen. So 
mußte denn der arme Junge um Freitische und Stipendien 
betteln, mußte hungernd und frierend sich auf dem 
Gymnasium die nötigen Kenntnisse erwerben, um auf die 
Universität zu gelangen. Schon als Obersekundaner gab 
er Minderbegabten Schülern Nachhilfestunden, denn vom 
Vater hatte er gar keine Zuschüsse mehr zu erwarten, nach 
dem dieser — schon ein Jahr nach dem Ableben der 
Mutter — sich zum zweiten Male verheiratete. 
Nachdem er seine Studien vollendet hatte, nahm er 
eine Hauslehrerstelle bei den Kindern eines dem Hochadel 
ungehörigen Diplomaten an, der zur deutschen Gesandt 
schaft in Paris gehörte. Dort führte ihn der Zufall mit 
der Baronin Albertine Leroux zusammen, die sich mit ihrem 
Kinde in höchster Bedrängnis befand. Ihr Mann war 
infolge von Ausschweifungen und starken Gemütserregungen 
gestorben und seine Gläubiger hatten der Witwe arg zu 
gesetzt. Das Mitleid, welches Ruhl für seine Landsmännin 
empfand, verwandelte sich bald in heiße Liebe, denn nicht 
nur die sinnliche Schönheit der jungen Frau bezauberte ihn, 
sondern auch ihre Dankesbezeigungen. Um ihretwillen gab 
er seine gute Stellung in Paris auf und suchte sich rasch 
selbständig zu machen. Da der deutsche Diplomat ihm ein 
glänzendes Zeugnis ausstellte, so wurde es ihm leicht, 
eine Stellung als Gymnasiallehrer zu erhalten. Nach
        
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