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Periodical volume Nr. 304, 29.12.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

alten Theater am Sonntag, dem 21. d. Mts. beiwohnten 
und die Eröffnungsvorstellung am 25. d. Mts. besucht 
haben. ES wird kaum einen geben, der diese Leistung für 
möglich gehalten halte, wenn er nicht jetzt vor der voll 
endeten Tatsache stände. Und trotz der vollendeten Tatsache 
wird es noch jedem ein Rätsel bleiben, wie so etwas über 
haupt möglich ist. Niemand, der der Eröffnungsvorstellung 
beigewohnt hat, wird das Theater unbefriedigt verlassen 
haben. Was das Programm selbst betrifft, so war es in 
jeder Beziehung einwandfrei, wie wir es ja von diesem 
Lichtspieltheater nicht anders gepröhnt sind und verdient mit 
Recht die Bezeichnung „Das Programm des guten Ge 
schmack". Alles in Allem ein Erfolg auf der ganzen Linie, 
wozu wir der rührigen Direktion von Herzen Glück ivünschen, 
o Die Hohcnzollernlichtspiele, deren fein gewählte 
Programme stets guten Geschmack verraten, hatten an den 
Festtagen stets überfüllte Häuser aufzuweisen. Auch die 
Jugendoorstellungen waren stark besucht und die den 
Kindern gezeigten Bilder erweckten bei ihnen Freude und 
Jubel. Zudem erhielt jedes Kind noch eine leckere Spende. 
Heute Abend tritt zum letzten Male die indische Tänzerin 
Tilly von Kaulvach auf. Morgen beginnt ein neues 
Programm mit dem Hauptschlager „Die Musikantenlene", 
der Liebesroman einer Sängerin von Emil und Arnold 
Golz, in 3 Akten. Die Hauptrollen spielen Jenny Barnay 
und Eugenie Werner. Aus dem Inhalt dieser spannenden 
Handlung sei folgendes wiedergegeben: 
Fürst Karieski entführt die Frau des armen Musikers Brand. 
Sie verlaßt treulos ihren Manu und ihr Töchterchen Lene und 
heiratet den Fürsten. Zwölf Jahre später verliebt sich der junge 
Fürst Karieski in ein bildhülyches Mädchen — Lene. Sie weist 
seine Werbung zurück und zieht das Leben eines armen Dienst- 
mädchens dem eines Fürstenliebchens vor. Ein glücklicher Zufall 
macht sie zur berühmten Sängerin. Aber da sie dem Vater von 
ihrem ersten Triumph Kunde bringen will, findet sie ihn, der durch 
die Flucht feiner Frau furchtbar gealtert ivar, als Leiche. Es naht 
der Tag der Abrechnung. Zu einer glanzvollen Soire im fürst 
lichen Palais ist auch Lene, bis gefeierte Künstlerin geladen und 
unvermutet schleudert sie der Fürstin die furchtbarste Anklage ent 
gegen in denr Liede: „Berslncht die Mutter, die ihr Kind verleugnet!" 
Bon Selbstoorwürfcn gepeinigt und durch die unerschütterliche Liebe 
des jungen Fürsten gerührt, erfleht die Fürstin aus beit Knien die 
Verzeihung der Musikantenrochter. Nun erst ist Lene zur Ver 
söhnung mit der Mlitter bereit und reicht Sascha die Hand 
fürs Leben. 
Außer diesem spannenden Drama kommen heilere 
Bilder, Naturstudien usw. zur Vorführung, ferner das 
Drama aus dem Russischen „Die Troika". Wir empfehlen 
also den Besuch in denHohenzollernlichtspielen, Handjerystr.64. 
o Bodendiebe und Klingelfahrer. In der Festwoche 
haben wieder zahlreiche Bodeudiebe und Klingelfahrer unsern 
Ort heimgesucht. Namentlich den Bodendieben sind mehrere 
Einbrüche gelungen. Eine reiche Beute machten sie u. a. im 
Hause Sieglindestr. 6, von wo sie mit einem reichgcsüllten 
Reisekorb abzogen. Sie sind mehrfach gesehen worden und 
eine Frau aus dem.Hause soll ihnen obendrein die Türe geöffnet 
haben. Auch diesmal wiederholen wir die Mahnung: 
Achtet auf die im Hause verkehrenden Personen. 
o Keffelerplofion in der Jregestrasie. Gestern Mittag 
ereignete sich im H -k. 'er des Hauses Fcegestr. 55-56 eine 
heftige Erplosion. durch den gewaltigen Luftdruck wurde 
eine massive Kellerwand eingedrückt und die Kellerdecke in 
die Höhe gehoben, so daß in der darüberliegenden Wohnung 
mehrere Möbelstücke durcheinander geworfen wurden. Auch 
ein Ofen erhielt große Risse. An der Hofseite gingen zahl 
reiche Fensterscheiben in Trümmer, und die Erplosion hatte 
auch im Keller Feuer verursacht. Die Schöneberger Feuer- 
rvehr war schnell zur Stelle und löschte den Brand in kurzer 
Zeit ab. Die Ausräumungsarbeiten nahmen aber fast zwei 
Stunden in Anspruch. Die Explosion ist vermutlich dadurch 
herbeigeführt worden, daß an dein Kessel für die Warm 
wasseranlage ein Zuleitungshahn abgesperrt war. Verunglückt 
ist niemand. 
o Von einem Kraftwagen nmgestosien. Der Arbeiter 
Albert Neumann, Kaiser-Allee 123 wohnhaft, wurde in der 
Kaiser-Allee von einer Kraftdroschke angefahren und zog sich 
hierbei eine Ausrenkung des stinken Schultergelenkes und 
Abschürfungen im Gesicht und am linken Knie zu. Nachdem 
der Arzt vom Rettungsdienst auf der Sanitätswache die 
erste Hilfe geleistet hatte, konnte N. nach seiner Wohnung 
gebracht werden. Den Fahrer soll keine Schuld treffen. 
Vereins-Nackrickten 
Am Dienstag tagen: 
Stenographenverein „Stolze-Schrey". >/,9 Uhr in der Gemeinde- 
Mädchenschule, Goßlerstraße. Diktalschreiben in verschiedenen Ab 
teilungen. 
Charlottenburger Touristen-Club „Märkische Föhre." Am 
Sonntag, dem 4. Januar 1914 unternimmt die Lehrliugsabteilung 
des Klubs ihre 48. Wanderfahrt nach Wustermark, 'Knoblauch, 
Paretz, Gr.-Kreuz. Versammlung - 8 Uhr Bahnhof Jungfernheide. 
Teilnehmergebühr 1,80 M. An demselben Sonntage unter 
nimmt die «chiiler- und Mädchenabteilung ihre 55. (16.) Wanderung 
nach Heimsdorf, Glienicke, Schönsließ, Mühlenbcck, Mönchsmühle, 
Franz. Buchholz. Versammlung 3 / 4 8 Uhr, Charl. Bahnhof Haupt 
portal. Teilnehmerkarte 0,75 M. 
Die Nachricht von dem Tode Meneliks, des Königs der Könige 
Abessiniens, ist geeignet, die besondere Aufmerksamkeit zu erwecken 
für einen Vortrag „Drei Jahre im Reiche Meneliks", den die Ab 
teilung westliche Vororte der Deutschen Koionial-EeseUschaft am 
14. Januar, Abends 8 llhr, iin Hörsaal des Königlichen Museums 
für Völkerkunde veranstaltet. Es ist ihr gelungen, den lang 
jährigen amtlichen Vertreter des Deutschen Reiches in Abessinien 
Herrn Dr. Zechlin zu gewinnen, der augenblicklich auf Heimat 
urlaub in Deutschland weilt. Von Tr. Zechlin, der Abessieri ein 
gehend kennt und das Land in fast allen seinen Teilen bereist hat. 
sind neue und spannende Darlegungen über das interessante Berg 
land zu erwarten. Der Vortrag wird durch zahlreiche Lichtbilder 
begleitet werden. 
Sdbövicberg 
—v Dem Polizeisekretär Backhaus irr Berlin-Schöne- 
berg ist der Charakter als Rechnnngsrat verliehen worden. 
—o Zwangsoersteigerungsergebnisse. Ebersstr. 40 in 
Gcklnarknng Berlin-Schöneberg, dem Rentier Muthes Seydel 
in Berlin-Steglitz,- Sachsenwaldsir. 27, bei Schräder ge 
hörig. Fläche 6,50 Ar. Nutzungswert 126 000 M. Mit 
dem Gebot von 21 863 M- bar und Uebernahme von 
170 0'0 M. Hypotheken blieb die Frau Helene Zwenke, 
geb. Henow, in Berlin-Schäneberg, Ebersstr. 40 Meist 
bietende. — Aufgehoben wurde das Verfahren betr. die 
Zwangsoersteigernng der beiden nachbeiiannten Grundstücke: 
Aschaffenbiirger Str. 6a und Bamberaer Str. Ecke Güntzel- 
straße 1 in Gemarkung Derlin-Schöiieberg, dem Architekten 
Carl Schmidt in Berlin-Wilmersdorf, Hohcnzollerndamm 
185, gehörig. 
.... i . 
Zuschriften 
(Für diese Rubrik übernehmen wir keine Verantwortung.) 
Kicchen-Ilustrittöbewegnngk 
Wie am Sonnabend zu lese» war, haben die hiesigen kirchlichen 
Körperschaften Maßnahmen gegen die AuetrittSbeivegung beschlossen. 
Endlich! Endlich! Lange hat es gedauert, bis sie einen ähnlichen 
Weg fanden wie der Aezirksverband Evangelischer Arbeiter- und 
Volksoerclne Berliner Vororte, der bereits a>n 16. November 1916 
in Potsdam die Abhaltung von Gegeuverfammlungen beschlossen 
hat. Ter Fricdeuauer Arbeiterverein veranstaltet schau am 
Dienstag, dem 6. Januar 191'3, 'Absuds 8 Uhr, im Kaiser-Wilbelm- 
Gartcn, Rhcinstr. 64 seine öffentliche Versammlung. AIS Redner 
sind geioounen: Pastor Unguad-Berlin und Generalsekretär Rüffer- 
Charlottenbnrg. Für sein mutiges und rühriges Vorgehen gebührt 
dem Verein öffentliches Lob, da er — unbekümmert um 'die ge 
rade von den am meisten beteiligten Kreisen geäußerten ängstlichen 
Ablenken (!) — seinen Weg als „Evangelischer" Verein geht. 
Durch seine Versammlung hat er die führende Stellung in dieser 
Frage eingenommen. Ich freue mich dessen aufrichtig. 
l)r. iur. Friedrich Krug. 
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Neujahrs 
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in einfachen und modernen 
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— Anstvürterin gesucht von 8—12. 
Autwürterin sofort gesucht. Mcnzelstr. 13, 1, r. s>0678 
TMSTlMMW 
10791j Ralhje, WUHelmstr. 14. l Jurgait, Wilhelmshöher Str. 14. 
jg. Mädchen 
welches bei den Eltern schläft, für 
Hausarbeit für den ganzen Tag 
verlangt. Meldung bei Osninn, 
Wilh.-Hauffstr. 15 Ist. [10785 
Vermisstes 
*o Leimen! Wohl in jedem Heim — Pflegt man nach dem Fest 
zu kochen — Einen großen Tiegel Leim! — Denn da ist gar viel 
zerbrochen — Steckenpferde für die Buben, — Schiebekarren, 
Puppenstuben, — Holzgetier, zumeist mit Fellchen, — Lebensräder, 
— Pferdeställchen, — Ziehharmonikas und Mühlen, — Formen^ 
um in Sand zu wühlen, — Hühnerhöfe, kleine Städte, --- Puppen» 
küchen, Holzgeräte, — Peitschen, Trommeln, Schlitten, Kegel, — 
Schiffchen mit und ohne Segel, — Puppen die Gelenke haben, — 
Ritterburgen für die Knaben, Nüsseknacker, bartumflossen, — Kleine 
Wagen und Karossen, — Harlekins mit hohlen Schädeln, — Puppen 
wiegen für die Mädeln, — Tivolis und Kausmannsläden, Alle, 
alle zeigen Schäden, — Doch als großer Hexenmeister — Kommt 
der Hausherr dann in Eil, — Und mit einem Tops voll Kleister — 
Macht er alles wieder heil. 
*o Ein komischer Brief.. Ter Direktor einer wandernden Schan- 
spiclertruppe sandte einst an die Firnra, von der er seine thea 
tralischen Vorrichlnngcn, wie Kulisse», bezog, folgenden originellen 
Brief: „Wir sind nun in R. angelangt und alle'Sachen sind nach 
und nach eingelaufen. Ihr Bote hat uns den Schnee unversehrt 
abgegeben; einen Tag später kamen die Sturmwinde, ein Zephyr 
ist unterwegs verloren gegangen. Leider ist der Donner geplatzt 
und wir haben schadhafte Blitze zusammenlöten müssen. Die be 
stellten Flüsse und das Meer lassen Sie zu Wasser expedieren, da 
so die Transportkosten billiger. Vergessen Sie nicht die neuen 
Wolken und die neue Sonne. Vor allem aber senden Sie einen 
Wasserfall, der unsrige ist verbrannt. Auch bitte ich um ein paar 
Meter Wald und 20 Meter klare Luft." 
3H5 6Ö 10Psg.cl.Stck. 
Orient Taböku.Cfgareffen.-Fabrik. 
v c •isdze / Di^sden / 0nhIiugoZiet2'/ 
i rio flfeferani SMaltömgs viSadisen. - 
VerantwortlicherSchristleiter: HerrnannMartinius Friedenau. 
w—r—Bawrev .ui mmmmmmmm mir Win 
Bekanntmachung. ' 
Auf Grund der Ziffer 133 der Ausführungsanweisung zur Reichs- 
Gewerbeordnung in Verbindung mit der Ermächtigung des Herrn 
Regierungspräsidenten in Potsdam vom 28. Juli 1892 und des 
Herr» Landrats des Kreises Teltow vom 2. August 1892 setze ich 
hiermit für den hiesigen Vlumcnhandlnngen für den 1. Januar 
(Nenjahrstag) eine verlängerte Geschäftszeit bis 6 "Uhr nachmittags 
fest. Vis zu dieser Stunde ist neben dem 'Offenhalten der Blumen 
verkaufsgeschäfte die Beschäftigung von Gehilfen, Lehrlingen mid 
Arbeitern in letzteren gestattet. 
Berlin-Friedenau, den 29. Dezember 1913. 
Der Amtsvorsteher. Walger. 
Dlenstmadcbsii 
Köchinnen, Hausmädchen jeder 
Art, auch Anshilfen finden 
kostenlos Stellung durch das 
Städtische Arbeitsamt 
Schonetiepg (5694 
Grunewaldatrasse 19. 
r > 
Arbeitgeber aller Art 
erhalten täglich kostenlos 
gelernte, ungelernte u. jugend 
liche Arbeiter, sow. Handwerker, 
Radfahrer, Lauf- und Arbeits- 
hnrschen, ■ Portiers, • Teppich 
klopfer, Bohner u. Lohrlingo 
durch das [5684 
Städtische Arbeitsamt 
Beriin-Schöneberg 
Grunewaldstr. 19 
Eck# Schwäbische Str. 13/14. 
Fernsprecher Amt Nollendorf 
Nr. 230 und 231. 
J 
Cuoii zum Milchausjrageu wird 
ölUU sofort verlangt. [10782 
Lemke, Bornstr. 24. 
Mtmrtuno 
l0784j - Zwanzig, Beckerstr. 25 I. 
SiuTiDttctecin 'M'W 'Ä 
Peter-Vischerstr. 3. 2. Alrsg III l. 
[ vermischte Anzeigen J 
tfftfihrflMI t ür Aufwartung 
JIWwUJvll Vorm, verlangt. 
Herrschaft, Wilhelmshüherst. fl, III 
Saubere Aufwärterin vormitt, 
od-r junges Mädchen tagsüber 
sucht Braun, Eschcnstr. 3, 1. 
»Itooeit, Sä 
Belohnung Alndtstr. I, I rechts. 
Berlvken 
gestern, Sonntagnoä,mittag zw. 
‘/V— 3 ,40 Ist eine silberne Tasche 
nebst Ja halt, Außcnrand in. Mono- 
graijl K. K. und 20. 10. 1904, den 
.innen Rand mit K. Koch, Frie 
denau gezeichnet. Dieselbe ist an 
der Hansklinke des Hauses Rhein- 
straße 47 versehentlich hängen ge 
blieben. Gegen gute Belohnung 
bei Frau Koch, Mosclstr. 13 iil 
links abzugeben. [10797 
jf^ Stellengesuche J 
Mädchen f. n., Verkäuferin f. 
Bäckerei empf. z. 1. 1 14 Iran 
Wieihölter.gewerosmgßlgeSteUen. 
yeruüttlerin. WiclaMtp,.A4.Z..„. 
Allst. Mädchen sucht Aufwartung. 
10788s Canovastc. 6. Plätterei.
        
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