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Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

Eine Weihnachtsaufführung „Friede auf Erden", an der im 
ganzen 11 Personen mitwirken, Blitzstabübungen mehrerer 
Turnerinnen, musikalische Vorlräge auf Klavier, Harmonium 
und Geige, somie Letterpyraniiden bieten ein abwechselungs 
reiches Programm. Unterbrochen wird dieses noch durch 
eine Tombola, zu der jeder Teilnehmer bei Zahlung des 
Eintrittsgeldes von 25 Pf. ein Los erhält. Um der Feier 
auch das richtige äußere Gepräge zu geben, sind die Riegen 
führer gebeten worden, für eine „Schönheitskonkurrenz" im 
Ausschmücken der einzelnen Weihtiachlsbäumchen Stimmung 
zu machen Reben diesen Darbietungen soll natürlich auch 
der Tanz in seine Rechte treten, sodaß zu erwarten steht, 
daß jeder Teilnehmer auf seine Rechnung kommt. Jedem 
also, der infolge des schlechten Wetters während der Feier 
tage ans Zimmer gefesselt war, wird es wohl ein Be 
dürfnis sein, sich einmal gewaltsam von Hause loszureißen, 
um Fühlung mit Freunden und Bekannten unterm brennen 
den Weihnachtsbaum zu suchen. 
o Der evangelische Arbeiter-Verein für Friedenau 
und Umgegend veranstaltet heute, Sonnabend, abends 
8 Uhr im großen Saal des „Kaiser Wilhelm-Garten", 
Rheinstr. 64, die Feier seines Weihnachtsfestes. Als Weih 
nachtsgruß kommt „Weihnachlsflammen", von unserem ver 
storbenen Dichter Eduard Jürgensen, zum Bortrag. Die 
Weihnachtsansprache hält Herr Pfarrer Kleine. Vor Be 
scherung der Kinder geht ein Weihnachtsfestspiel in Szene, 
diesem folgt eine Verlosung gespendeter und gekaufter Gegen 
stände, die nur in hiesigen Geschäften gekauft und zum Teil 
von hiesigen Geschäftsleuten in dankenswerter Weise ge 
spendet worden sind. 
o Das Biofontheater in der Rheinstraße 14 zeigt 
heute zum ersten Male den humorvollen Film: „Tango- 
Zauber". eine Komödie in 2 Akten von Ellen Kanitz und 
dürfte damit viel Beifall ernten. Die Tangoseuche, welche 
gegenwärtig überall grasiert, wird darin nach Berdieiist ge 
würdigt Die Fabel selbst ist einfach, aber die Aufmachung 
und das Spiel der Mitwirkenden ist erstklassig und zum 
Teil pikant und ausgelassen. Des Lebens Herbst, ein Drama 
in 2 Akten zeigt den Ernst des Lebens in einer zwar nicht 
neuen, aber beachtenswerten Seite. Der eifersüchtige Freier 
ist auch ein Drama aus dem Leben, doch kommt so etwas 
glücklicherweise nicht alle Tage vor. Auf dem Flußlauf des 
Doubs ist eine schöne Naturaufnahme und auch die Biofon- 
revue von Pathö frbres zeigt eine ganze Reihe Aufnahmen 
nach der Natur von Vorkommnissen aus aller Welt. Wie 
Mar (minder) englisch spricht ist sehr ulkig und Johann als 
Rekrut zum Quietschen. Ernst und Scherz wechseln in bunter 
Folge im Programm des Biofontheaters ab, daß jeder Be 
sucher reichlich auf seine Kosten kommt. Heule Sonnabend 
und morgen Sonntag Anfang 4 ilhr an Wochentagen 6 Uhr. 
Garderobenablage kostenfrei. 
o Tie Direktion der „Hohenzollern-Lichtspiele", Hand- 
jery 64, hat die berühmte Tänzerin Tilly von Ka ul dach, 
die Gattin des Enkels des Münch ner Meisters, zu einem 
dreitägigen Gastspiel gewonnen. Die Künstlerin fand in 
einer Berliner Soiree der Fürstin Bülow. auf der sie ihre 
Tanzkunst zuni erst n t.late zeigte, großen Beimll Frau 
von Kaulbach hat » a. mich aut einem Balle beim Prinzen 
Leopold ihre Tanz-- vor dem deutschen Kaiserpaare ausge 
führt und wurde auch hier mit lautem Beifall bedacht. Ueber 
die Künstlerin lesen wir in einer Halberstadter Kritik folgendes: 
Tilly von Kaulbach tanzt nicht Chopin, Brahms oder Mendels 
sohn, sie schöpft die Charakle isli nicht aus der Musik. Bei ihr 
bildet die Musik gewißermoßen nur das Metronom, nachdem sie 
ihre Ben»au»gen äußerlich rytyn.isch einstellt Ja man darf sage», 
daß die Musik, nach der sie tanzt, nicht e »mal für ibren Tanz 
charakteristöch genug ist Die Tänze bieten vi l Schönes Im 
mystischen Dunkel schwebt dje Opfernde durch den Saal, um schließlich 
am Altare des Gottes sich nieder.-uwirf.n Tilly v. Kaulbach ist 
eine KLnsilerin von Größe und Bedeutung Die feinen schlanken 
Linien ihres Körpers zeichnen sich im La bdnnket der Tühne aus 
dem schimmernden «r>ewande. Jeder Pylhmus, jede'Gesie, jede 
Pose ze gt von der Gesa meidigieit ihres L ibes und seiner Glied 
maßen. Alles an ihr ist et gant, vollendet und mit einen, Wort 
schön 
In den „Hohenzollern-Lich,spielen" tritt Tilly v. Kaul 
bach in dem Roman einer mdiiche» Tänzerin, betitelt „So- 
raita", auf. Wer dieses glänzende Tunztalent sehen und 
sich an dem rylhmischen Spiel ihrer Glieder erfreuen möchie, 
besuche die „Hohenzollernlichtsviele". Rur drei Tage wird 
dieser Film gezeigt — Ein anderes Drama, das in guter 
Gesellschaft spielt, führt den Titel „Hinter der Maske". Auch 
die übrigen Darbietungen des geschmackvoll gewählten Pro 
gramms finden allseitigen Beifall. 
o Die VP-Lichtspiele stehen im Zeichen des außer 
ordentlich reichhaltigen Weihnachtsprogramms. „Das rosa 
Pantöffelchen" ift jeden Abend die Ursache anhaltender Lach 
salven. Roch nie hat das Publikum sich so köstlich amüsiert, 
wie bei diesem Lustspiel. Auch die Komödie „Hoheit 
Jncognito" ist ein vorzüglicher Schlager, und Max Linder 
in der Humoreske „Wie Max englisch spricht" trägt nicht 
wenig dazu bei, die Besucher in bester Laune zu erhalten. 
Damit das Aufregend sticht fehlt, sehen wir eine Nashornjagd 
in Ostafrika und „Das Zureiten wilder Pferde in Brasilien." 
Dramen wechseln milHumoresken und die beliebte 0. P.-Woche 
erzählt das Neueste aus aller Welt. Alles in allem ein 
wirklich hervorragendes Programm. 
o Aus Liebe uud — Furcht vor ihrem Manne. Am 
Weihnachtsheiligabend betrat ein Käufer ein Geschäft in der 
Rheinstraße. Ec hing seinen Hut an den Garderobenhalter 
und stellte auch den Schirm in den Ständer. Als er noch 
mit der Verkäuferin verhandelte, erschien eine Dame in dem 
Laden, fragte nach einem Gegenstand, der aber nicht vor 
rätig war, um darauf sich sofort wieder zu entfernen. Als 
nun auch der Herr sich entfernen wollte, entdeckte er das 
Fehlen seines Schirmes. Niemand konnte Auskunft geben, 
wo dieser geblieben war. Es blieb dein Herrn nichts 
anderes übrig, als ohne Schirm nach Hause zu gehen und 
sich von dem gerade heftig einsetzenden Regen durchnässen 
zu lassen Einige Stunden später ist der Herx gerade bei 
der Weihnachtsbescherung in seinem Heim. Da erscheint an 
der Wohuungstür ein Bote des betr. Geschäfts und gibt 
den — Schirm ab. Und nun kommt auch die Aufklärung: 
Die betr.Dame halte von ihren, Ehemann einen neuenHut zum 
Weihnachtsgeschenke erhallen. Sie mußte ihn natürlich 
sofort mit Stolz tragen, als sie aus dem Hause ging, 
obwohl das Wetter nicht günstig war. Doch der Regen 
wurde ärger und dem Hut drohte die Gefahr der Ver 
nichtung durch den Guß von oben. Flugs ging die Schöne 
daher in ein Geschäft, fragte nach einem Gegenstand, von 
dem sie mußte, daß er nicht vorrätig war, nahm den 
Schirm und — der Hut war gerettet. Zn Hause ange 
kommen, schickte sie, um nicht als Diebin zu gelten, den 
Schirm durch einen Jungen sofort in das Geschäft zurück 
mit der Enischuldignng. daß sie aus Furcht vor ihrem 
Manne so, wie geschildert, gehandelt habe!! 
o Strastennnfälle in den Feiertagen. Als am 
Weihnachtsheiligadeiid der Bote einer Weiubandlung durch 
die Roennebergstraße fuhr, bekam er plötzlich keinen geringen 
Schreck, als er einen Gegenstand mit Gewalt zwischen die 
in einem Korbe auf seinem Dreirad stehenden Rotwein 
flaschen fallen hörte. Der Sturm hatte vorher jedenfalls 
eine Zinkplatle von einer Dachsimsabdeckung losgeriffen und 
der heftige Wind löste das etwa einen halben Meter große 
Metallstück vollends ab und schleiiüerle es auf die Straße. 
Der Bote konnte von Glück sagen, daß nicht statt des 
Rebenbiules sein eigenes auf das Pflaster floß. Beim 
Andrang auf die Straßenbahn kam am ersten Feiertage ein 
Mann an der Ecke der Rhein- und Maselstraße zu Fall, 
wobei er einen Bruch des rechten Handgelenks und eine 
Knieoerletznng erhielt. Man brachte ihn in einer Drokchk 
nach dem Krankenbanse. — Auf dem vom R-gen glatten 
Asphaltpflaster schleuderte gestern ein Prioaianio an der 
Fröaufstraße gegen eine Kraftdroschke mit solcher Gewalt 
daß die Fensterscheiben brachen. Durch Glassplitter wurde 
eine Frau Dobernn und deren Tochter nicht uneryeblich 
verletzt. Beide mußten ihre stark blutenden Wunden von 
einem Arzt verbinden lassen. - Vor dem Hauke Ringklr 54 
siel gestern Abend, ein Herr Rudolf aus Neukölln zu Bode,, 
und brach sich den Knöchel uin linken Fuß. Passunteu 
sorgten für seinen Transport nach dem Krankenhause. 
o Unter schwerem Verdacht festgenoinmen wurde 
am gestrigen Nachmittag der 24 jährige Schlächiergeselle Ä 
aus der Innsbrucker Sttaße in Schöueberg. Am 19 0 M. 
wurde, wie berichtet, in der G, sellenstube eines Schöneberger 
Schlächtermeisters das Dnnttmädch-m Marie W erhängt 
ausgesunden Da die ärztliche Untersuchung Selbstmord als 
zweifellos erscheinen ließ, ivnrde die Leiche nach dem Schau 
hanse gebracht, wo am ersten Feiertag b,e Ellern der Talen 
erschienen, um die Leiche nach ihrer Heimat in Falkenderg 
(Mark) zu überführen. Als die Mutter auf dem Rücken 
und Kopf der Toten mehrere Beulen und dunkle Flecken 
eindeckte, beschuldigte sie den bei demselben Meister in 
Diensten stehenden Schlächtergesellen A., das Mädchen er 
drosselt zu haben, da er mit ihr ein Liebesverhältnis unter 
halten und ihrer überdrüssig geworden sei. Da die Frau 
angab, daß auch Hausbewohner verdächtige Schreie in jener 
Nacht gehört haben sollten, wurde der Beschuldigte in Hast 
genommen. Er bestritt jede Schuld und vermochie a,ich 
ein einwandfreies Alibi nachzuweisen. Infolgedessen luurde 
A. wieder auf freien Fuß gesetzt. Die Eitern des Mädchens 
haben darauf die Obduktion beantragt, um die Ursache der 
verdächtigen Flecke festzustellen. 
o Zwei Kranen bei einem Brande schwer verletzt. 
In dem Hause Miquelstr. 4 in Steglitz, das unserni Mit 
bürger, Herrn Architekten Gustav Großmann gehört, enistand 
gestern Abend ein Weihnachlsbaumbrand, der eine größere 
Ausdehnung annahm und auch eine Explosion zur Folge 
hatte. Eine Rabitzwand der betr. Wohnung wurde eingedrückt. 
Zwei Frauen erlitten so schwere Brandwunden, daß sie ins 
Krankenhaus Britz gebracht werden mußten. 
o Selbstmord eines Kassierers. Am Mittwoch Vor 
mittag wollten die Inhaber der Weinhandlung von L. M. 
in der Französischen Straße eine Kassenreoision vornehmen. 
Als dies dem Kassierer Herbert Ottens, der in Schöneberg 
in der Ebersstraße wohnte, eröffnet wurde, begab er sich 
auf einen Abort und jagte sich hier eine Reooloerkugel in 
die rechte Schläfe. Da er noch Lebenszeichen von sich gab, 
brachte man ihn in einem Wagen des Verbandes für Erste 
Hilfe nach der Charitee, wo aber nur noch der bereits ein 
getretene Tod festgestellt werden konnie. Die Leiche übergab 
man dem Schauhause. 
Vereins-k2a6)ricbten 
Am Montag tagen: 
Friedenauer Gesangverein für' gern. Chor. UebungSstunden: 
9,9— ,11 Uhr im Hohenzollern, Handjerystr. 64. Dirigent: Musik 
direktor Heinrich Weinreis. 
Pater-tfcbau 
mitgeteilt vom Patentbüro Johannes Koch, Berlin NO. 18, Große 
Frankfurter Straße 59. Ablchriflen billigst. Auskünfte kostenlos. 
OttoFriedel, Berlin-Friedenau.Ortrudstr. 3: Tastensncher (GM.) 
F W. Wimmer, Berlin-Friedenau, Bismarckstr. 6: Projektions 
wand für kiiiemakographlsche Borführungen. (GM.) 
Laudis & Gyr, G. m. b. H., Berlin-Friede,lau: Grundplatte 
für eleklrische Meßgeräte. (GM.) 
Albert Risdorff, Berlin-Friedsnau, Ringstr. 46: Signalstütze 
an Nummcrsteinen. (GM., 
A. Leo Schwarz, Berlin-Friedenau, Südwestkorfo 11a: Bcr» 
vielfältiguiigsoorrichtting mit beweglichem Massenträger. (GM.) 
Dr-Jag. Max Kusch, Berlin-Friedenau, Fregestr, 27a: Klär 
anlage mir ringförmigem Absetz,aum. (Ang. Pat.) 
Seböneberg 
—o In das Handelsregister ist eingetragen worden: 
Bei Nr. 2928 offene Handelsgesellschaft chweisenz & Co, 
Berlin-Schöueberg. Die Gesellschaft ist ausgelöst. Der bis 
herige Gesellschafter Joseph Schweizer ist alleiniger Inhaber. 
Die Prokura des Philipp Schmersenz bleibt bestehen. — 
Nr. 39 803 Easö A -B.-C. Arthur Lewin, Kommandit 
gesellschaft, Berlin-Schöneverg: Die Kominandilgesellschaft 
ist ausgelöst: Lignidalor ist der bisherige periönlich hastende 
Geselischakrer Arthur.Leustn. — Nr. 41 899. Firma: Sieg 
fried Rosendorff in Berlin-Schöneberg. Inhaber: Siegiried 
Rosendorff. Kaufmann, Berlin Schöueberg. — Bei Nr. 3 -699 
Firma Felix Philipslhai in Berlin-Schöueberg: Niederlassung 
jetzt Charlottenburg. — Bei Nr. -.037. ~ Firma Rudolf 
Spulst in Berlin: Niederlassung jetzt: Berlin-Schöneberg. 
LZerim und Vororte 
o Steglitz. Gy'mnasiatdireklor Dr Lück ist zum 
Geh Stuviencal ernannt wo:den. 
6eTcbättücbes 
Ci». NI Teile der vorlieg öden Nu,„liier unseres Blattes 
HA die Musikschule von Frau Elisabeih A e»stedt einen 
Prospekt beigelegt, den wir tu seren Lesen, zur Beachtung empfehle». 
W eile railsn ft,i 
Sonntag: Enpas kühler, zeitweise aufklarend, aber sehr 
veränderlich mit geringen Niederschlägen und langsam ab 
nehmenden westlichen Winden. 
aerantwvrtlich.'r Schriftleiter ö- rnnmi Marlint.,» gnedenau. 
Hierzu eine Beilage. «,
        
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