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Periodical volume Nr. 303, 28.12.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

8-Klasse und bei Kommissionsprüfungen jedenfalls vor dem 
Eintritt in die Lehramtsprüfung abzulegen, und zwar an der An 
stalt oder vor der Kommission, bei welcher die Bewerberin die 
Lehramtsprüfung ablegen will. 
Wenn bei Kommissionsprüfungen die Bewerberinnen sich gleich 
zeitig für die Ergänzungsprüsung und für die Lehramtsprüfung 
melden, so können sie zu der Lehramtsprüfung zugelassen werden 
unter der Voraussetzung, daß sie die Ergänzungtzprüfung bestehen. 
r~ unter 111, 1 Bezeichneten müssen bei Eintritt in die 
Seminarklasse des Obcrlyzeums das in § 4 der Ordnung für die 
Lehramtsprüfung an den Oberlyzeen vom 11; Januar 1911 vorge 
schriebene ärztliche Zeugnis beibringen und, falls sie nicht wenigstens 
in den drei obersten Klaffen einer Stttdienanstalt an den im Oüer- 
lyzeuin verbindlichen technischen Fächern mit ausreichendem Erfolg 
Icilgenommeit haben, in diesen Fächern die erforderliche Fertigkeit 
nachweisen. 
Lokales 
(Nachdruck unserer o-Originalartikel nur mit Quellenangabe gestattet.) 
o Weihnachten vorüber! Sturm und Regen! Unter 
diesem Zeichest standen die vergangenen Weihnachtstage. 
Ein Wetter mar es, das man keinen Hnnd hinausjagen 
mochte. Der erste Feiertag ging an. Er war, wenn auch 
ein scharfer Ostmind wehte, immerhin noch .trocken". Da 
gegen ist der zweite Festtag total verregnet. Aus dem 
Spazierengehen und Flanieren der Jugend mit neuen 
Kleidern, Pelzen, Hüten usw. wurde nichts. Jeder war 
froh, wenn er in der warmen Stube sitzen konnte. Aber so 
ganz ohne Lergnügen wollte man doch nicht sein. Und 
mancher, der Besuch bekommen hatte, mar schließlich auch 
genöligt, dem Gaste „Friedenau" zu Zeigen. So waren be 
sonders unsere Lichtspieltheater stark besucht. Auch die Ver- 
anstaltung des Theatcrocreins ck'erxes 1873 im „Kaiser- 
Wilhelm-Garten", vorüber wir noch an anderer Stelle be 
richten, hatte zahlreiche Besucher angelockt. In unseren 
besseren Familienrestaurants mar der lebhaftere Verkehr am 
2. Feiertage. Sonst sind die Weihnachtsfeiertage in Frie 
denau in Ruhe und Frieden verlaufen. Sie nahmen am 
Mittwoch Abend mit den stark besuchten Christvespcrn in 
nnseren Kirchen ihren Anfang. Nachdem diese geschlossen, 
flammten gar bald die Kerzen an den Tannenbäumen auf. 
Und damit begann der frohe Jubel, der sich über zwei 
Festtage ausdehnte. Nach dem Feste tritt gewöhnlich das 
Extrem, die Alltagsstiminnng in verstärktem Maße ein. All 
die lange Zeit des freudigen Höffens, der nie endenden 
Aufregung beruht in zivci Tagen, die sehr schnell verfliegen, 
und ehe mai 's gedacht, ist der geheimnisvolle Zauber ver 
schwunden, der Wochen vorher alle Gemüter mit einer 
magischen Macht ergriffen halle. Das erwartungsvolle, das 
Phantastische in der Einbckdung ist der märchenhafte Nimbus 
der Weihnachtsfeier. Zwar hat das Fest den größten Teil 
der Menschheit äußerlich zu erneuern und zu verschönern 
verntochl, denn der größte Teil der Weihnachtsgeschenke be 
steht in neuen, festlichen Kleidungsstücken, die nun der Welt 
vorgeführt werden müssen; aber „mit dem Gürtel, mit dem 
Schleier reißt der schöne Wahn entzwei". Der reale Beug 
hat im allgemeinen nicht den feenhaften Nimbus an sich, 
welchen das stocke Erwarten in sich birgt. Das sonst liebe 
Sch-vesterleiu fjabert'init dem Bruder, daß dieser zuviel er 
hallen habe. Kiärcheit' sttiuß 'natürlich^ zu allererst den 
>vttnderstWteliG^üen^PälsloÜihre*-trauihnk Freundin zeigen, 
und die Folge davon ist det ganz frivole Neid. Am besten 
sind immer die Kinder dran. Ihr Glück hält sich an den 
augenblicklichen Genuß, ihre Freude ist eine vollständige 
beim Vertilgen der Mengen von Pfefferkuchen, Nüssen, 
Aepfeln, Mmzipan u. dcrgl., wenn nicht etwa ein ver 
dorbener Magen oder der Eltern Scheltwort sie an die 
rauhe Wirklichkeit erinnert Mit dem Feste ist auch sofort 
der gotdene Schimmer verflogen, und selbst die nagelneue 
Puppe, der schöne Hampelmann, der Pudel aus weißer 
Wolle Hai schon Schaden gelitten und die Mängel des 
irdische» D iseins erfahren Dazu gesellen sich vielleichi gar 
nach Siraien der rrzürnien Ellern >iber das zciiige Be- ! 
schädigen Aut den Treppen filibei seitens der Dienst- 
petsonen ein eingeheitdes Besprechen der erhallenen Ge 
schenke stau aber ma i kann weilen, es kommt mehr llnzu 
friedenheil, auch Neid üoer andere zutage ab- Daulbatkeit. 
Der Christbaum erfieut wohl noch einigemal diiich seinen 
Lichterglanz, aber sein Zauber in der heiligen Nacht ist 
dahin. So erinnert gerade das Weihuachlsfest mit seiner 
äußerlichen Herilichkeil an die Vergänglichkeit aller irdischen 
ergraute Haar fuhr^ zitterte: „Du weißt recht gtik, wie 
sauer cs mir wird, Streitigkeiten zwischen dir und deiner 
Tochter zu schlichten, aber so oft dies geschah, war ich 
redlich bemüht, unparteiisch zu sein. Jbr steht beide 
meinem Herzen gleich nahe und wenn ich deine Tochter 
gegen deiite Beschuldigungen in Schutz nahm, so geschah 
es, weil ich diese für unberechtigt hielt. Dich verblendet 
nur zu oft die Leidenschaft." 
„Ei, du weiser Schiedsrichter! Also auch heute bin 
ich die Schuldige und deine Stieftochter ist die von der 
grausameit Mutter verfolgte Unschuld!" 
Elaire erkannte, daß ihre Gegenwart die Heftigkeit 
der Mutter nur steigere, sie verließ daher leise das zum 
Kampfplatz gewo:dene Zimmer. 
Frau Ruhl sandte ihr noch ein höhnisches Lachen nach 
und bemerkte: „Himmel, wie taktvoll! Das gute Kind weiß, 
daß seine Verteidigung bei dem Stiefpapa in guten 
Händen ist." 
„Albertiile, du, du — —" Des Rektors Augen 
flammten und in der zornigen Aufwallung spreizte er 
die Hand, um nach ihrem Arm zu greifen, allein er zwang 
seine Empörung nieder, biß sich auf die Lippen und lies 
dann schweigend im Zimmer alif und nieder. 
„Nun, so laß endlich deine Vorwürfe hören! Wodurch 
habe ich das Fiasko verschuldet?" 
Er bemerkte ihre herausfordernden Blicke, hielt dicht 
vor ihr an und sagte mit gedämpfter, aber immer noch 
vibrierender Stimme: „Ich muß es zwar nach meinen ! 
bisherigen Erfahrungen bezweifeln, daß woblgemeinte Vor 
haltungen bei dir eine Umkehr bewirken, aber vielleicht — ! 
des Rektors Blicke wurden warm und flehend — vielleicht 
beherzigst du doch die eine oder andere, weitn ich dir ver- | 
sichere, daß deine Wünsche auch die meinen finb. Glaube 
mir, daß mir nichts so sehr am Herzen liegt, als dich 
und die Kinder in eine günstigere Lebenslage bringen 
zu können." 
„Ei, was muß ich hören ! Aber sobald ich Schritte tue, i 
Freuden, nur das Gefühl der Weihe und des Glaubens, 
das es im Herzen zurückgelassen, bleibt für die Ewigkeit. 
o Ernennung. Der Körnerstr. 54 wohnhafte Hofrat 
Tillich ist als Nachfolger des Geheimen Regierungsrats 
Mudlack zum Bürodirektor des Geheimen Zioilkabinctls des 
Kaisers und Königs ernannt worden. 
o Der Steuerbvgen zur Selbsteinschätzung ist jetzt den 
Steuerpflichtigen mit einem Einkommen von über 3000 M. 
zugegangen. Hierbei sei bemetkt, daß auch alle diejenigen, 
die keine Aufforderung zur Selbsteinschätzung erhalten, aber 
doch über 3000 M. Einkommen haben, sich selbst einschätzen 
müssen. Sie können die betr. Formulare durch unser Steuer- 
büro Feurigstr. 8 beziehen. 
o Auch die Teltower Kreissparkasse erhöht den 
Zinsfuß für Spareinlagen von 3 v. H. auf 3 1 / 2 D - H- vom 
1. Januar 1914 ab. 
o Weihnachtsbescherung der Ortsarmen. Durch die 
reichen Gssben, die zum Besten der Ortsarmen gespenke: 
wurden, konnten 325 Familien (mehr als 1100 Einzelne) 
beschert werden. 
o Sparprämien. An die regelmäßig und fleißig bei 
den Schulsparkassen des Kreises Teltow sparenden Kinder 
sind 995 M Sparprämien verteilt worden. 
o Kalender liegt bei. Der heutigen Auslage unseres 
Blattes haben mir den Wandkalender für das Jahr 1914 
beigelegt. Mir überweisen unseren Lesern den Kalender mit 
dem Wunsche, daß er für sie nur glückliche und fröhliche 
Tage verzeichnen möge. 
o Die sich mehrenden Anslrittsanmeldungen aus 
der Landeskirche beschäftigten die kirchlichen Körperschaften 
unserer Kirche Zum guten Hirten in längerer Sitzung. Nach 
eingehendem Bericht der Geistlichen über die Gründe, die 
angegeben werden, sowie über eventuelle Maßnahmen der 
Kirchengemeinde und nach angeregter Besprechung durch die 
Laienmitglieder kam man dahin überein, 1. daß die Geist 
lichen ein Flligblatt anfertigen und möglichst in alle Häuser 
der Gemeinde hineinbringen sollen, 2. daß am 1. Sonntag 
nach Epiphanias (I I. Januar) ein Gottesdienst gehalten 
werden soll, in dem die Frage: „Was haben mir an unserer 
Kirche?" zum Gegenstand der Predigt gemacht wird, und 
der beides ist: ein Bekenntnis der Gemeinde zur Kirche und 
eine Stärkung ihrer Liebe zu ihr, — 3. daß außergotles- 
dienstliche Versammlungen der Gemeinde veranstaltet 
tverdcn müßten, wenn möglich durch den Parochialocrem 
oder doch unter dessen Mitwirkung. in denen brennende 
kirchliche Fragen zur Besprechung gelangen. 
o Wohttungsküudignng nicht vergessen! Nach den 
üblicheil Mietsvertragsbestimmungen müssen Wohnungen 
drei Monate drei Tage vor Ablauf des Vertrages gekündigt 
i erbet. Mithin ist die Kündigung zum 1. April sofort, 
spätestens am morgigen Sonntag zu bewirken. Bei dieser 
Gelegenheit möchten wir wieder alle Vermieter von Woh- 
nungen, leeren oder möblierten Zimmern, Läden, Garagen, 
Ateliers usw. auf den billigen und wirksamen „Friede 
nau er Wohuungsanzeiger" aufmerksam machen, der 
mit dem „Ftiedenauer Lokal-Anzeiger" verbunden ist. Für 
eine volle Woche, die jedesmal Sonnabends beginnt, 
kosten -dt^An^eigeii nur 10'Pfg die Zells'. Dafür er-- 
scheuien sie im „Friedenaner Lokal-Anzeiger" und in den 
Anschlägen an den Bahnhöfen. Die Geschäftsstelle befindet 
sich Rheinstr. 15. 
o Ein eigenes Wasserwerk will bekanntlich unsere 
Nachbnrgemeinde Steglitz errichten. Aus diesem Grunde ist 
es für diese Gemeinde wichtig, festzustellen, wie lange sie 
gegenüber den Charlonenburger Wasserwerken, die bisher 
das Wasser liefern, verpflichtet ist. Im Jahre 1885 kam 
zwischen der Gemeinde Sieglitz und d.n Eharlottenburger 
Wasserwerken, A -G. ein Vertrag zustande, der die Wasser- 
vcrsoigung der Landgemeinde zum Gegenstand balle. Er 
war für die Zeit bis 1. Januar l'Mii abgeschlossen und 
baue folgende Prolongattouskiansel: Wad der Vertrag drei 
Jahre vor dem Anlauf von keiner Seile gekündigt, so gilt 
et als an' 10 Jabre veilän.erl. Am 17. Dezember l 02 
ei hielt die A-G ein Kündiguugsichr ioe» der Landgemeinde,. 
das nur von dem Gemeindevorsteher unierzeichael war. 
Als sich Sireiiigkeitcii über die Rechtsverbiiidlichkeit dieses 
Schreibens ergaben, erhob die Landgemeinde gegen die 
Wasserwerke beim Landgericht Berlin eine Feststelluiigsklage. 
die dazu führen können, bereitest du mir im Verein mit 
Elaire Hindernisse über Hindern issc." 
„Weil diese Schritte verkehrt sind." 
„Willst du mir das bewei cn?" 
„Ja, Albertine, das will ich. Der Schulinspektor ist 
ein lcbenskluger, einfacher Mann, dem ein Mahl, wie man 
cs bei einem Lehrer gewohnt ist, vollkommen genügt 
hätte. Statt dessen glaubtest du ihm mit einem Diner vor 
nehmen Stils imponieren zu können. Der Doktor und 
die Plattes wurden eingeladen und der stark ramponierte 
Rest unserer Großstadtherrlichkeit ausgekramt. Du selbst 
prunktest mit einer Toilette, die in sch eiendem Mißve hält- 
nis zu meinem Amt und meinen Mitteln steht. Ein Miß 
verhältnis trat auch bei den in großer Haft zubereiteten 
Spei en zutage, denn was sich auf den feinen Tellern und 
in den geschlissenen Gläsern befand, war lläglich und zuin 
Teil ungenießbar." 
„Weil Elaire mich im Stiche ließ." 
^,Jch wiederhole es, du tust ihr unrecht. Die vor 
handenen Mittel genügten.nicht zur Ausführung deines 
kostspieligen Projektes. Für dessen Ausführung fiel dir die 
Verantwortung zu. Du aber verbrachtest den größten Teil 
der karg bemessenen Zeit vor dem Toilettenspiegel." 
Albertine zuckte nervös ap der goldenen Uhrkette, die 
von ihrem weißen Hälfe zum Gü tel herabfiel. 
„Du traust mir eine unerschütterliche Geduld zu," 
knirschte sie, „da du mir solche Bitternisse zu kosten gibst." 
„Die Wahrheit mundet selten dcitcn, die zu besserer 
Einsicht bekehrt werden sollen. Au deinen Be stand wende 
ich wich mit der stehen cn Bitte, prahle nicht länger inii 
Kenntnissen und Fähigkeiten, die du nicht besitzest. Suche 
nicht durch Ausrufe und Bemerkungen in französischer 
Sprache und dadurch, daß du Inlchen auffattend oft mit 
„Schülieh" an■ tust, die Vorstellung zu erwecken, daß du 
französischer Abst mmung eist. Rechtfertige lieber durch ein 
ungebrochenes Deutsch deinen Mäochennamen Albertinc 
Kühn." 
Der Antrag ging auf Feststellung, dahin, daß der Wasser- 
liefernngsvertrag am 1. Januar 1910 beendet sei. Zur 
Begründung ihres Antrages machte die Klägerin geltend, 
daß das Kündiglingsschrelben auf einem Gemeinderats- 
beschluß über die Errichtung eines eigenen Wasserwerkes, 
für dessen Vorarbeiten 4 5 000 M. bewilligt worden seien, 
basiere. Die erste Instanz wies jedoch die Klage ab. da 
das Kündigllngsschreibeu iticht den Formvorschriflen des 
§ 88 der LaNdgemeindeordnung entspreche. Gegen diese 
Eitischeiduiig legte die Landgemeinde beim Kammergericht 
Berlin Beruinng ein. Sic Halle mit diesem Rechtsmittel 
Erfolg, das Berufungsgericht erkannte ihrem Klageantrags 
gemäß. Das Reichsgericht wies die Revision zurück, sodaß 
die Kündigung zur Aufhebung des Vertrages führen wird. 
o Warnung! Hundediebe! Dem Tierschutzverein für 
die südwestlichen Vororte, Sitz Steglitz, ist Mitteilung 
gemacht worden, daß in Friedenau und anderen Vororten 
uilberechtigterweise Hundefang ausgeübt wird. Es handelt 
sich in den meisten Fällen u>n einen zu Rad ei scheinenden 
jungen Mann, der angibt, Hundefängrr zu sein. Er 
versucht von den Besitzern, meist Danien oder Kindern, 
eine Geldstrafe zu erheben, in anderen Fällen fährt er mit 
dem Hund davon, angeblich um ihn im Tierasyl abzu 
liefern. Wir machen darauf aufmerksam, daß in Friedenau 
nur voin hiesigen Tierwart Hundefang ausgeübl werden 
darf. Der Tierwarl ist kennllich durch die Dienstmütze, an 
der ein Schild befestigt ist mit det Aufschrift „Tiermart 
Friedenau". Wir bitten vorkommendenfalls den Täler 
polizeilich feststellen zu lassen. 
o Ueber „Große Bildnismaler verschiedener Jahr 
hunderte" wird am Montag, dem 19. Januar, Privat 
dozent Dr. Daun in der hiesigen Lehrställe der Humboldl- 
Akademie (Goßlerstr. 15) einen kunsiwissenschastlichen Bor 
tragszyklus unter Vorführung von vielen Farben-Licht- 
bildern nach dem Lumiere-Verfahren halten. Tie großen 
Porlätisten van Eyck, Dürer, Holbein, Raffael, Tizian, 
Rubens, van Dyck, Vtlasquez, Soya, Regnolds, Sains- 
borough, Leibl, Lenbach; Lieberinann werden eingehend in 
ihren Meisterwerken behaildclt werden. Gerade dieser inter 
essante Vortragszyklus vcrdienl die Beteiligung der weitesten 
Kreise. Die Kalten sind in dee Theaterkasse von Wertheim 
in der Schmargcndorferstraße lind in der Wohllhnlsschen 
Btichhandlung in der Rheinstraß? erhältlich. 
o Ter Kommnnalvcrcin Schöneberg, Friedenaner 
Ortsteil, veranstaltet am.Mvnlag, dem 29. ds. Mts., abends 
8 1 / 2 Uhr im Restaurant ,,Bnrgho>", Hauptstraße 85, eine 
Prolestoersammlung gegen die beabsichtigte Anlage eines 
Abslellbahnhoss mit Lokomotivschuppen usw. im Südgelände 
von Echöneberg Alle Interessenten, insbesondere der Ru 
bens-, Spanholz-, Ebersstraße, Tcmpelhoier Weg. Sachsen 
damm und der umliegenden Straßen, merdcn durch die Anlage 
schwer geschädigt. Sie müssen alle Einspruch erhebeir bis 
zum 3 t. Dezember ds. I- beim Schönebcrger Magistrat. 
Formulare hierzu sind in der Versammlung zu haben. 
o Ein Tummelplatz für Hunde. Durch die Hnnde- 
spene sind unsere vierbeinigen Freunde nun schon ein Jahr 
lang an die „Kelle" gelckgk Es fehlt ihnen an der er 
forderlichen sreien Bewegung und daher ist von verschiedenen 
Selten m Vorschlag gebracht worden, einen „Hundespielplatz" 
zu eröffnen, auf dem sie sich nach Herzenslust anslaufen 
können. Es müßte dem Tierschutzverein gelingen, von den 
Behörden die Erlaubnis für dre Hiindebesitzer zu erwiiken, 
ihre Hunde auf den Feldern, wenigstens zeitweise frei 
iimherlaiisen zu lassen. Es könnten ja cventnell Ansstchts- 
beamte zu den Zeiten zugegen sein. Wie nötig so ein 
Auslaufen den armen Tieren ist. di? nun schon ein volles 
Jahr unter dem Zwang der Leine leiden müssen, weiß 
jeoer Tierfreund Vielleicht ist es möglich, diescir Vorschlag 
zu verwirklichen, noch ehe die armen „llöier von Berlin" 
wegen Freiheitsbermwimg" elend zugrunde gegangen sind, 
o Aus die Weihnachtsfeier, die die Damen- und 
Männer - Aoieiliingen des Männe, - Turnvereins zu 
Friedenau am Soimtag dem 28 d Ms von nachm 
() Uhi an im „Gesellschaft Hans de Weilen-" in Säwnc- 
berg. Hanptstr 3» 31, begehen, sei an dieser Sielte und in 
letzter Stunde nochmals hingewiesen Ter Vergnügungs- 
ausschnß har sich zur Aufgabe gemacht, seine Gäste an diesem 
Abend, soweit es in seinen Ktäflcn steht, zu nnierhallen. 
SS**'.:.' SWtawofiaw 
„Komm zu Ende, komm zu Ende!" — p rau Ru hl- 
Lippen zuckten, ib c Hände glitten an der Keile auf und 
nieder. „Deine Slr fpre igt wird uncrt äglich!" 
„A! e tine, bei der Liebe, die uns einst vc band, bc- 
schwöre ich dich, beherzige wenigstens meine letzte Mahnung : 
Lüge nicht." 
„Halt! Meine Geduld ist zu Ende. Wann hätte ich je 
gelogen — Sic schrie ihm wütend die Frage entgegen 
und ihre Augen blitzten. 
Oer Rektor rang die Hände und aus seinen Mienen 
sprach tiefe Seelengnol. Einen Augenbliä schwieg er, dann 
wuide auch in ihm die Empörung da über, deß ane seine 
Verstellungen an der Verblendung dieser Frau abprallten, 
übermächtig, und er antwortete spöttisch: „Um dir alle 
diese Fälle aufzuzählen, dürfte der A end nicht aus> eichen. 
Ich will dich nur au die Behauptung et innern, du härtest 
die De,'c Keller bemalt. Und du sagtest dms in Gcgenwait 
deiner Töchter, die dabei erröteten, und in Gegenwart der 
Plotkes, uor denen du einst beschämt bekennen mußtest, 
daß bii weder zeichnen noch malen kannst! Ja, bildeil du 
dir denn ein, daß ein so kluger Mann, wie Professor 
Dorn, sich durch diese Vorspiegelung täuschen läßt, oder 
daß Jungfer Justine Plotke, trotzdem sie dir die derl sten 
Schmeicheleien sagt, ans dem Heimgang deine Sucht zu 
renommieren nicht vor dem Proscssor lind Doktor ge 
kennzeichnet und ve:spottet bat? Ach, Albe: tine, wie ist es 
nur möglich, daß du deine Uebertreibungen und Unwahr- 
heilen vor mir und deinen Kindern ausiptichst, trotzdem du 
weißt, daß wir die Wah.heit kennen? Ja, fällt cs dir 
denn niemals ein, wie ve ächllia, und ve Verblich dies 
ist? Dein schlechtes Lcijpiel har schon unseren Jungen 
und Itilche» ülel beeinflußt, denn beide ertappte ich 
wicdc holt ans falscher Fährte. So kann das niäit weitcr- 
;chcn, AUertiiie, und wenn du die'.:, groben Fehler nicht 
rl legst, zwingst du mich, vor den Kindern und Gästen 
deinen Mangel an Ehrlichkeit bloßzustellcn." 
(yerljctzung felgt.)
        
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