Path:
Periodical volume Nr. 29, 03.02.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

wiegt, nl« der ganze Zug, den man zur Zeit deS geringsten 
Verkehrs wirklich braucht. DteseS rollende Kraftwerk muß, 
um die Rauchentwickelung hinten zu hallen, sehr gute 
Kohle verwenden, die etwa 20 M. pro Tonne kostet, 
während die Zentrale im Braunkohlenrevier, die die 
elektrischen Züge betreiben wird, denselben Heizwert durch 
drei Tonnen Braunkohle erzielt, die zusammen nur 6 M. 
kosten. Bet solchen Differenzen ist »S wahrlich kein 
Wunder, daß die zweitausendpferdigen Dampflokomotiven 
ebenso wie die zweitausendpferdigen Elektrizitätswerke durch 
die elektrischen Rirsenzentralen verdrängt werden. Bei 
nur einer Wagenklaffe würde man übrigens nicht nur durch 
die Verminderung der Wagenzahl Ersparnisse machen, 
sondern auch durch die Verkürzung deS StationSaufenthalteS, 
da da« Suchen nach bestimmten Wagen wegfällt; auch die 
Fahlkartenkontrolleure wären dann überflüssig. DaS be 
deutet eine weitere Erhöhung der durch die Elektrisierung 
zu erwartenden Ecsparniffe von rund sechs Millionen 
Mark, und zwar ohne Mehrbelastung des Publikums. 
o Quittung. Für die mit Drillingen gesegnete 
Familie Paasch, Echildhornstraße 102, gingen unS noch zu 
von Herrn M. 20 M., Frau L. 3 M., Familie B. 5 M. 
Die Beträge haben wir heute abgeliefert. Wir bitten 
unsere Mitbürger, weitere der hilfsbedürftigen Familie 
zugedachte Beiträge dieser nun selbst zu überweisen. 
o Ein Rekchsgesetz gegen die Rummelplätze. 
Der Gesetzentwurf umfaßt drei Materien: Maßnahmen zur 
Einschränkung der sogenannten „BergnügungspIStze", zur 
Bekämpfung deS AnimierkneipwesenS und der Auswüchse 
deS Kinematographenwesens. ES handelt sich im wesent 
lichen um Abänderung der §§ 33 und S3a der Gewerbe 
ordnung, in dmen die Konzessionspflicht der betreffenden 
Gewerbetreibenden geregelt ist. Bet der Erteilung der 
behördlichen Erlaubnis für dieBergnügungSpIStzr („Rummel 
plätze') hat sich als Mißstand herausgestellt, daß sie nicht 
auf Veranstaltungen dieser Art ausgedehnt werden kann, 
die sich auf Privatgrundstücken befinden. ES soll daher 
durch entsprechende Bestimmungen Abhilfe geschaffen werden. 
Bezüglich der Bekämpfung de» AnimierkneipwesenS dürfte eS 
sich um Bestimmungen handeln, die die Annahme weib 
lichen Personals beschränken oder ausschließen. Wenn auch 
tatsächlich eine Gesamtverminderung der Animietkneipen um 
464 in den letzten 10 Jahren festgestellt wurde) — einer 
Verminderung um 536 steht eine Vermehrung von 72 
gegenüber — so haben sich doch in Frage kommende Be 
hörden dahin ausgesprochen, daß die noch vorhandenen er 
heblichen Mißstände nur auf gesetzlichem Wege zu be 
seitigen sind. Bet der reichsgesetzlichen Regelung der AuS- 
wüchse der Kinematographenwesens, die zuerst im Rahmen 
der Theatergesetzes in Frage stand, ist zu erwarten, daß 
die Kinematographen dem § 33a der Gewerbeordnung 
unterstellt werden, die für theatralische Vorstellungen, 
Schauspiele, Singspiele usw. die behördliche Erlaubnis ver 
langt, wie sie der 8 33 für die eigentlichen Theater vor 
schreibt. Die Konzession gemäß 8 33a kann dabei von der 
Bedürfnisfrage abhängig gemacht werden. Eine Unter 
stellung der KonzessionSpflicht für Kinematographen gemäß 
8 33a kann zur Zeit nicht erfolgen, da das OberverwaltungS- 
gericht entschieden hat, daß die KinoS zu den Schau 
stellungen und Lustbarkeiien zu rechnen sind, für die die 
Gewerbeordnung lediglich die behördliche Erlaubnis vor 
schreibt. 
o Da» Konkursverfahren über das Vermögen 
der Frau Frieda Alber», geb. Trunk, Wilhelmstr. 11, ist 
nach erfolgter Abhaltung des Schlußtermins aufgehoben. 
o Da» Fest der silbernen Hochzeit begeht heute 
mit seiner Gattin unser Mitbürger der Oberbuchhalter der 
ReichShauptbank Herr Kaiserlicher RechnungSrat Lange, 
Goßlerstraße 40. Zahllos waren die Glückwünsche, die 
dem allseitig beliebten Hochzeitspaare zugegangen sind in 
Liebe, Verehrung und Dankbarkeit, innig und herzlich, von 
Freunden, Mitbürgern und Vereinen unseres OrteS. . Mit 
a lfrtchtiger Freude gedenken auch wir dieses Festtages, 
klang meyr erpyrvckeu als erstaunt. „Ich hasste — das 
heißt, ich dachte, Sie brächten eine Botschaft von Sir 
William oder Lady Graßnia» für meine — meine Ver 
wandten." 
«Rein, gnädiges Fräulein," entgegnete Julius, „ich bin 
nur gekommen, um mit Ihnen zu sprechen, und zwar 
über eine Sache, die Sie ganz allein angeht. Ich möchte 
mich einigermaßen erkenntlich zeigen für Ihren tapferen 
Entschluß, als Sie mir die Warnung überbrachten, ehe 
ich die Stellung bei Sir William annahm. Sie haben da- 
inals in gutem Glauben gehandelt, aber ich fürchte, Hislop 
hat Ihre Gutmütigkeit zu unlauteren Zwecken benutzt. 
Jetzt ist es an mi,-. Sie zu warnen, und wie Sie damals 
mir nicht erklären konnten, welche Gefahren mich bedrohten, 
so kann ich auch jetzt nichts Näheres über die eigentümliche 
Lage sagen, in der Sie sich befinden und aus der ich Sie 
gern erretten möchte." 
Eine tiefe Bläffe hatte das Gesicht des Mädchens über 
zogen, und sie warf unwillkürlich einen angsterfüllten Blick 
nach dem Schlosse zurück, als ob eine Gefahr, die sie 
bedrohte, nur von dort kommen könne. 
„Was ist es, vor dem Sie mich warnen möchten 
Herr Doktor Penfold?" fragte sie mit offenbarer An 
strengung. 
„O bitte, regen Sie sich nicht auf, und verzeihen Sie 
mir, daß ich Ihnen eine unangenehme Nachricht bringen 
muß," bat Julius. „Die ganze Sache ist so furchtbar 
lächerlich. Aber ich habe zufällig gehört, daß ein Detektiv 
aus der Hauptstadt hierher kommt, um das Original einer 
Photographie zu suchen, die in irgendeinem geheimnis 
vollen Zusammenhang mit einem Mord stehen soll. Sie 
haben sicher auch von der Ermordung des alten Brown, 
Sir Williams Hausmeister, gehört." 
„Ich verstehe nicht recht, was Sie meinen: ist denn 
die Photographie von mir?" fragte Olivia und faßte in 
ihrer Erregung nach Julius' Arm. Und als er nickte, rief 
sie in immer größerer Aufregung: „Oh, das ist furchtbar! 
Oh, die Schande, die Schande!" 
Wo keine Schuld ist, kann auch keine Schande sein," 
suchte Julius sie zu beruhigen. „Liebes Fräulein Mait- 
land, ich stehe ganz zu Ihren Diensten, ich bin nur des 
halb hierhergekommen. Fällt Ihnen nicht irgend etwas 
ein. wodurch sich dieser Irrtum des Inspektors aufklären 
gedenken wir der segenschaffenden, reichen ehrenamtlichen 
Tätigkeit de» Jubilar». Wie gern erinnert sich jeder von 
unS noch der Wirksamkeit de« Herrn Lange im Vorstände 
deS ParochtalvereinS und der köstlichen Stunden, die durch 
ihn mit den unter seiner Leitung veranstalteten Weihnachts 
ausführungen des Verein» unS und unseren Kindern ge 
spendet wurden; wie gern gedenken wir seiner frucht- 
bringenden Arbeit in unserem Ktrchrnrat, der Ausübung 
seines blüten-, wenn auch dornenretchrn schiedsrichterlichen 
AmteS; wo nur nicht finden wir die stillschaffende, fegen- 
stiftende Hand unsere» Jubilars l Mögen dem Jubelpaare 
weitere 25 schöne, an Arbeit und an Ehren reiche Jahre 
bkschieden sein! 
o Kriegkveterau Wathe f. Gestern am 2. Februar, 
dem Tage, an welchem unsere Truppen bei Miffunde zum 
erstenmale im feindlichen Kugelregen standen, hat der 
Veteranen- und Kriegerverein Friedenau seinen Mit 
begründer dcS Vereins, den Kameraden Wüthe, Mit 
kämpfer 1864/66, 70/71, zu Grabe geleitet. Hat Kam. 
Wüthe durch 17 jährige Mitgliedschaft) seine echt soldatische 
Treue dem Verein bewiesen, so haben nicht minder die 
Kameraden deS Verein» auch gestern ihre kameradschaft 
liche Treue dem Verstorbenen bezeugt, denn trotz sehr 
miserablen Wetters waren 22 Kameraden mit Musik und 
Fahne erschienen. Nachdem die Musik einen Choral ge 
spielt. hielt Herr Pfarrer Vetter, ein alter 35 er, eine er 
greifende, jedem alten Soldaten zu Herzen gehende Rede. 
Nach Cinsrnkung de» Verstorbenen sprach Herr Pfarrer 
Vetter den Segen. Die Musik spielte einen Choral und 
drei Salven über» Grab beschlossen die von echt kamerad 
schaftlichem Geist zeugende Feier. — Wie schnell die Zahl 
unserer Kriegsveteranen im Orte sich vermindert, kann man 
daraus ersehen, daß seit der Speisung dieser Veteranen am 
26. v. MtS. bereit» zwei abberufen worden sind. Am 
28. v. MtS. Veteran Grunau und am 30. v. MtS. Veteran 
Wüthe. Wirf möchten hierbei wiederum darauf aufmerk 
sam machen, durch Beitritt zu der Fürsorge-Vereinigung 
für hilfsbedürftige KriegSoeteranen Friedenaus das Los 
dieser armen Veteranen lindern zu helfen. 
o Friedcuauer Bürgerverei«. Wir erinnern 
nochmals an die morgen (Dienstag) Abend 9 Uhr im 
Hohenzollern stattfindende Hauptversammlung. Ueber die 
geplante Errichtung einer Landkrankenkasse wird eine Aus 
sprache siattfinden. 
o Die 2. Gemeiudeschule (Mädchen) veranstaltet 
am 12. Februar in der Aula deS Realgymnasium» 
(Homuthstraße) einen Unterhaltungsabend unter gütiger 
Mitwirkung der Kapelle der König!. Hauptkadettrnanstalt 
Berlin-Lichterfrlde und der Solisten Herrn Schaarfchmidt 
und Voigt-Berlin. Die Vortragsfolge verzeichnet: Jubel- 
Ouvertüre von C. M. o. Weber; Aufruf von Th. Körner; 
Lichtbilder-Vortrag: Die Erhebung der Deutschen gegen 
Napoleons Fremdherrschaft; Ouvertüre zu Egmont von 
L. v. Beethoven; sechs altniederländische Volkslieder von 
Ed. Kremser (Chor, Soli und Orchester). Programme, 
die zum Eintritt berechtigen, sind durch die Mitglieder 
deS Lehrerkollegiums der 8. Gemeiudeschule sowie in der 
Wohlthatschen Buchhandlung, Rheinstraße 10 und in der 
Buchhandlung der Goßnerschen Mission, Handjerystraße, 
erhältlich. , 
o In der QuartalSversammluug der Tischler- 
Zwangsinnung wurden mehrere neue Mitglieder auf 
genommen. Zur Verlesung kamen die hauptsächlichsten 
Bestimmungen der Selbstversicherung bet der Norddeutschen 
Holz - Berufsgenoffenschaft. Bezüglich de» Arbeitgeber- 
Schutzverbandes teilte Obermeister Ernst Lehmann mit, daß 
nunmehr auch die Berliner Innung dem Verbände beige- 
treten fei. ES wurde erneut als sehr wünschenswert be 
zeichnet, die LehrlingS-Autstrllung am Zoologischen Garten 
möglichst reich zu beschicken. 
o Die Vereinigung selbständiger Schneider« 
merster von Friedenau und angrenzenden Ortstellen 
feiert ihr 10 jähriges Stiftungsfest am Dienstag, dem 
ließe? Er kommt morgen abend mit dem letzten Zug 
hierher und ich soll ihn am folgenden Morgen treffen. 
Können Sie mir nicht irgendeine Erklärung geben, was es 
mit der Photographie für eine Bewandtnis hat? Ich 
will sie ihm gern übermitteln, um Ihnen fernere Unan 
nehmlichkeiten zu ersparen." 
„Ich kann nichts erklären, ich kann mir gar nicht denken, 
wie meine Photographie in seinen Besitz gelangt sein kann," 
antwortete sie und schickte wieder einen scheuen Blick nach 
dem Schloß zurück. Es schien Julius fast, als habe sie 
mehr Angst vor den Bewohnern des alten Hauses hinter 
den Bäumen, als vor dem Kommen des Inspektors, trotz 
dem sic vorhin offenbar erschrocken war. 
„Ich halte Black," fuhr er fort, „nicht gerade für einen 
sehr begabten Beamten, aber trotzdem wird er Sie sehr 
rasch auffinden, wenn er mit dem Bild hierherkommt. 
Denn wenn Sie auch noch nicht lange hier wohnen, so ist 
Ihre Erscheinung doch auffällig genug, daß man Sie nach 
der Photographie im Dorf erkennen wird. Was soll ich 
ihm sagen, wenn er mich befragt? Soll ich ihm ganz 
offen die Wahrheit sagen und ihm erklären, daß man 
ihn zum Narre» gehalten hat, und daß das Original des 
Bildes eine junge Dame von tadellosem Ruf ist, die bei 
ihren hochangesehenen Verwandten hier im Schlosse wohnt ? 
Oder soll ich gar nichts sagen und ihn selbst herausfinden 
lassen, wie die Sache liegt ? Ich halte die erstere Methode 
für die beste. Er würde dann wahrscheinlich wie ein be 
gossener Pudel sich drücken." 
Das Mädchen schaute Julius an, und er fühlte sich' 
im tiefsten Herzen bewegt, als er Tränen in ihren schönen 
Augen sah. Und dennoch erfüllte ihre Antwort ihn mit 
einer angstvollen Unruhe. Sie erklärte nicht, cs sei ihr 
völlig gleichgültig, was der Inspektor gegen Sie unternehme, 
noch drückte sie den Wunsch aus, von ihm befragt zu 
werden, dainit die geheimnisvolle Sache vollständig auf 
geklärt werde, wie Julius gehofft hatte. Nein, sie schaute 
bittend zu ihm auf und rief in flehenden, Tone: „Oh, sagen 
Sie, was Sie wollen, lieber Doktor Penfold, nur machen 
Sie. daß er wieder geht und nicht zurückkommt. „Bitte, 
bitte!" 
„Soll ich das wirklich?" fragte Julius ernst, „wäre 
cs nicht doch vielleicht besser, ihn hierherkommen zu lassen, 
damit er sich mit eigenen Augen überzeugt, daß Sie pn- 
11. Februar, Abends 8'/„ Uhr im großen Saale der 
Restaurant» .Kaifer-Wilhetm-Garteü". Seine gütige Mit- 
Wirkung hat der Gesangverein „Liedertafel" (Dirigent Herr 
M. Voigt) zugesagt. Au» dem Programm de» Abend» 
erwähnen wir: Begrüßungsansprache durch den Vorsitzenden 
Herrn O. Wezner, Prolog, gesprochen von Fräulein 
Göttert, Festrede der Obermeister» Herrn Göttert, GesangS- 
vorträge der „Liedertafel", Ansprachen, Festspiel: „Der 
Schnetderstreik", Schwank in 1 Akt von Walter Freimut. 
Darauf Ball, der durch eine Polonaise mit Ueberraschungen 
für die Damen eröffnet wird. Um 1 Uhr ist Kaffeetafel. 
o Dle Steiusetzer-Zwangsinuung nahm eine 
Reihe neuer Mitglieder auf. AIS Stellvertretet bezw. 
Ersatzmann de» Gesillen-PrüfungSauSschusseS und der 
JnnungS-Schlichtungskommiiston wäblte man F. Ritze. 
o Der Friedenauer Verein für Ferieuksloute» 
hält eine Ausschuß-Sitzung am Mittwoch, dem 5. Februar, 
8 V 2 Uhr abends, im oberen Saale de« „Hohenzollern' ab. 
Tagesordnung: Bericht über die Sommerpflege 1918; Be. 
richt über die Hauskollekte; Neubrsttzung der Portirrstelle; 
Sommerpflege 1913; Wahlen; Verschiedene». 
o Werkmeister» Kuustfalon, Berlin W. 8. 
Kronenstr. 58, direkt an der Friedlichstraße. Februar- 
AuSstellung: Alf. Bachmann, München: 34 Pastelle von 
der Nordseeküste, FiduS: Original-Pastelle und-Zeichnungen, 
Heinrich Vogeler, WorpSwede: Aquarelle, Oelgemälde, 30 
Federzeichnungen, 49 Exlibris. — Von jüngeren Talenten 
sind vertreten: Adolf Propp: 60 Aquarelle, Ch. RolliuS: 
farbige Holzschnitte, Otto Delling: Zeichnungen. Ferner: 
„Die Märkische Landschaft'. Originale von Erich Büttner, 
Meta Cohn, A. v. Jinck, Martin Frost. Rudolf Hellgrewe, 
Karl Hrnnemann, Kayser-Eichberg, LoutS Lejeune. Han» 
Licht, Schulze-Schulzenberg, Franz Türcke, Prof. P. Vor 
gang u. v. a. 
o Der Evangelische Verein junger Männer 
in Friedenau feiert am 5. Februar, Abend» 7 l / 2 Uhr 
sein 14. Stiftungsfest durch einen FrstgetteSdienst, bet dem 
Herr Pfarrer Riemer früher Berlin St. Simeon die Fest- 
predigt hält, und durch einen Familienabend im großen 
Saale des Gemeindehauses Kaiserüllee 76. Der Eintritt 
beträgt 30 Pfg. zu dieser Veranstaltung werden alle 
Freunde und Gönner de« Vereins herzlich eingeladen. Au» 
den reichen Darbietungen heben wir besonders hervor die 
Cellovorträge des Herrn o. Freeden, Klavierbegleitung 
Herr Musikdirektor Werner. Zum Vortrag kommen 
Romanze o. G. Lewin, Is Eygne von Saint-Eoün» und 
Humoreske von Dwocak. Herr shüä- jur. H. Frtedmann 
wird im Verein mit Herrn Peter» das Melodrama 
„Leonore" von Bürger, Musik von Fr. LiSzt rezitieren. 
Die Turnabtetlung wird Uebungen>am Barren lfnd einen 
Fahnrnretgen unter Leitung de» Turnwarte» Herrn Lehrer» 
Meißner vorführen. Die Trommler Und Pfeiffer der 
Knabenabteilung werden sich hören lassen. Plattdeusche 
und hochdeutsche Deklamationen ernsten wie humoristischen 
Inhalt» werden nicht fehlen. Den Schluß bilden 5 lebende 
Bilder aus der Zeit der Befreiungskriege mit verbindendetn 
Text, den der Arrangeur Herr Besiermann spricht. 1. Au» 
langer Schande Nacht, 8. Schwur und Freiheit, 3. Biwak 
auf dem Schlachtfeld, 4. Leipzig, 5. Krieger» Heimkehr. 
Eintrittskarten bei Kossakowlkt. Schmargendorferstraße, in 
der Goßnerschen MissionSbuchhandlung Handjerystr. 19-20, 
bei Voigt, Südwestkorso und beim Küster Rösener. — 
Schon jetzt wird hingewiesen auf den nur für junge 
Männer bestimmten, vom Verein peranstalteten Sittlich- 
keitrvortrag de« Herrn Dr. med Seher, Groß-Lichterfelde: 
Wa» sagt der Arzt den jungen Männern über da» Ge- 
schlechtSleben? Der Vortrag findet am 4. März (Dienstag), 
Abends 8 l /a Uhr im großen Saale de» Gemeindehaus!» 
Kaisrrallee 76a statt. Eintritt frei, jeder junge Mann ist 
herzlich eingeladen. 
o Da» berechtigte Jutereffe, welche» die zahl- 
reichen Besucher de» BiofontheatftS in der Rheinstr. 14 
dem großen PrkiSfilm ,DaS Sterben im Walde" entgegen- 
schuldig sind. Sie müssen es ja sein, liebstes, bestes 
Fräulein, und wenn Sie seine Fragen offen beantworten, 
so wird er bald sehen, wie lächerlich er sich durch seinen 
Verdacht gemacht hat. Auf der andern Seite wird er 
sich vielleicht auch überzeugen, daß Ihr Vetter, Herr Franz 
Scharnock, an dem ganzen Mißverständnis schuld ist, in 
dem er gestattet, daß ein Schurke wie Rübe» Hislop in 
seinem Haus ein und aus geht. Er würde vielleicht 
manches Interessante herausfinden, aber sicher nichts, was 
auch nur den leisesten Schatten auf Sie werfen könnte. Ich 
gestehe Ihnen ganz offen, daß ich Herrn Scharnocks Schütz 
ling stark im Verdacht habe, in die Mordaffäre verwickelt 
zu sein, auch glaube ich, daß er an den Plänen gegen 
das Leben Sir Williams beteiligt ist. Wäre es nicht 
besser, wenn ich dem Inspektor von diesem Verdacht Mit 
teilung machte oder ihn wenigstens in die Möglichkeit 
versetzte, sich selbst eine ähnliche Ansicht zu bilden?" 
„Ach nein, nein! Schicken Sie den gräßlichen In 
spektor fort! Sagen Sie ihm, was Sie wollen, nur lassen 
Sie mich aus dem Spiel. Ich habe nichts getan. Nichts, 
was irgend jemand veranlassen könnte, mich mit so gräß 
lichen Dingen in Zusammenhang zu bringen." 
Bei den letzten Worten verließ ihre Selbstbeherrschung 
sie vollständig, und sie brach in heftiges Weinen aus. Im 
nächste» Augenblick war sie von Julius' Armen um 
schlungen, und das leidenschaftliche Geständnis seiner Liebe 
strömte unaufhaltsam über seine Lippen. 
Alle seine Worte klangen in dem Schlußsatz aus: „Es 
ist ja alles gleich, wenn du mich nur liebst und mir das 
Recht gibst, dich zu beschützen. Ich habe dich geliebt von 
dem ersten Augenblick an, als ich dich sah. An jenem Abend, 
als du ' so mutig zu mir kamst, um mich vor einer Ge 
fahr zu warnen, da wußte ich cs schon, daß niemals 
eine andere in meinem Herzen thronen würde als du. 
Aber warum weinst du, inein Lixb? Warum bist du 
heute nicht ebenso tapfer wie damals?" 
„Es ist leichter tapscr zu sein, wenn ein anderer 
in Gefahr ist, als wen» man sich selbst darin befindet," 
sagte sie endlich mit einem leisen Versuch, sich aus seinen 
Armen zu befreien, und dabei schaute sie ihn trtit einem 
so todestraurigen Lächeln an, dgß er sich nicht entschließen 
konnte, sie freizugeben. 
(tzortsrtzung folg».)
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.