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Periodical volume Nr. 303, 28.12.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

(Friedenarree 
Anparteiische Zeitung für kommunale und bürgerliche 
Angelegenheiten. 
Bezugspreis Krfondrre 
bei Abholung aus der Geschäftsstelle, 
Rheinstr. 15, 1,50 M. vierteljährlich; durch —- 
Bolen ins Haus gebracht 1,80 9JJ., durch die Ollt jblatt „Seifenblasen". 
Post bezogen 1.83 M. einschl. Bestellgeld. 
y«mtpr«(her: Hmt pkastdarg 312». GrschSlNl tägtlU) aÜkttdS. 
Zeitung.) 
Organ für den Friedenauer Ortsteil von Zchdneberg und 
se^irksuerein Züdmeft. 
g eiln ßtn Anzeigen 
Jerlen Sonntag: 
Bluter für deutsche frauen. 
Druck und Verlag von Leo Schultz, Friedenau. 
Geschäftsstelle: Bheinftr. 15. 
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75 Pf. Velagnummer 10 Pf. 
Nr. 303 
Fernsprecher: Hmt pfat{barg 3i?9. 
ZZerlin-Arikdenau, Sonntag, Dni 28. Dezernöer 1913. 
20. ZaPrg. 
Depeschen 
Ceijt« Nachrichten 
Oberstenfeld im Oberamt M icbach In der Nacht 
vorn Mittwoch auf Donnerstag zwischen orei und riec Uhr 
früh kam der schon einige Zeit von seiner Frau getrennt 
lebende Wilhelm Kimmerleu von der nahen Stadt Beilstein 
hierher und brachte nach einem Streit seiner Frau, feinem 
Schwiegervater und seinen zwei Schwägerinnen durch Dolch 
stiche schwere Verletzungen bei. Zwei in einem Nachbarhause 
befindliche Männer, die auf die Hilferufe hin zum Fenster 
hinatitzschauten, schoß er an. Ein Schwager Kimmeilens 
erhielt 18 Schrolkugeln in die Brust. Im ganzen verletzte 
der Täler acht Personen, teilweise sehr schwer. Nach der Tat 
kehrte er nach Beilstein zuriick, wo er einige Aufzeichnungen 
machte. Als der Landjäger ihn verhaften wollte, beging er 
Selbstmord durch Erschießen. 
Belgrad. Wie mehrere hiesige Blauer melden, hat 
die bulgarische Regierung den König Ferdinand darauf auf 
merksam gemacht, daß er in großer Lebensgefahr schwebe. 
Die Polizei will ein Komplott gegen das Leben des Königs 
entdeckt haben 
Bochum. Auf Zeche „Zellzerein", Schacht III, ent 
stand in dem neuen Kohlenturm ein Brand, der sich zu 
einem Großfeuer entwickelte. Fünf Feuerwehren hatten 
Mühe, die benachbarten, zum Teil mit Explosivstoffen ge 
füllten Gebäude zu schützen. Der Kohlenturm ist vollständig 
niedergebrannt. 
Wien. In einem Gasthause in Zwettl in Nieder 
österreich fand während der Weihnachtsfeiertage aus unbe 
kannter Ursache eine Azetyleuerplosion statt, das Gebäude 
stürzte ei». Zwei Personen wurden tödlich verletzt. 
Auxerre. Da> Automr bil eines Gutsbesitzers namens 
Jolibri, in dem sich seine Mutter und verschiedene Mit 
glieder seiner Familie befanden, stieß au einer Wegkreuzung 
mit dem Automobil eines Pariser Möbelhändlers namens 
Ernst Herz zusammen. Das Automobil des Gutsbesitzers 
wurde vollkommen zertrümmert. Er selbst sowie eine seiner 
Schwestern wurden gelötet, drei andere Mitglieder der 
Familie wurden sch ver verletzt. Die Insassen de, Aulo- 
inobils des Möbelhändlers kamen mit dem Schrecken davon. 
Paris. Ein italienischer Arbeiter, Ribault, stürzte 
gestern vormittag vom sechsten Stockwerk eines Hauses ab, 
an dem er Ausbesserungsarbeiten vornahm. Seine Kameraden 
eilten entsetzt herbei. Natürlich glaubten sie, eine formlose 
Masse drunten auf dem Pflaster zu finden. Zu ihrem Er 
staunen erhob sich jedoch der Arbeiter wie eine Katze und 
meinte lachend: • „Das hat nicht schlecht gedröhnt". Trotz 
seines Protestes brachte man Ribault in ein Krankenhaus, 
wo ihn die Aerzte einer zweistündigen Untersuchung unter 
zogen. Wunderbarerweise hat der Abgestürzte außer einer 
leichten Verletzung am Ellenbogen und einer leichten Quetschung 
der Hüfte keinen Schaden erlitten. 
Neuyor k. Ein furchtbarer Nordweststurm hat in den 
letzten Tagen an der Küste des Atlantischen Ozeans ge 
wütet und einen außerordentlich hohen Seegang zur Folge 
Oer Verwalter. 
Roman von Rudolf Elcho. 
g (Nachdruck drrbotr».) 
2. Kapitel. 
Im Rektorhause entwickelte sicfi nach dem Aufbruch der 
Gäste ein stürmi'cher Familienkonflikt. Das Ruhlfche Ehe 
paar war in gereizter Stimmung zurückgeblieben. Während 
er auf dem Hausflur tief auf eufzend Gott dankte, das; der 
bittere Kelch endlich geleert sei. kehrte sie mit hastigen 
nervösen Schritten ins Speisezimmer zurück. Hinter ihr 
her knisterte und raschelte die Schleppe ihrer Seidenrobe. 
Mit ähnlichen Gefühlen, wie ein Feldherr nach schwerer 
Niederlage das Schlachtfeld überblickt, sah jic aus die Tafel, 
die jetzt ein wirres Durcheinander von Blumen und Gläsern, 
Tellern und Speiseresten, Flaschen und Aepfeln bedeckte. 
Claire und Emma, die Aussichtslose, hatten schon mit dem 
Aufräumen begonnen, als das Frou-Frou der Seidenrobe 
sie bewog, vom Tisch Ztim Gesicht der Hausfrau hinüberzu 
blicken. Dies verhieß nichts Gutes. 
Albertine Ruhl war ein? Frau im Alter von 43 Jahren, 
die es durch sorgfältige Körperpflege verstanden hatte, ihrer 
schlanken Gestalt die Formenschönhcit und Elastizität der 
Jugend zu erhalten. Ihre stolze Haltung stand im Einklang 
mit dem vom Blondhaar umlockten Gesicht, dessen Profil 
an die Gemmen römi cher Jmperatorinnen erinnerte. Ihr 
Gesicht hatte viel Liebreiz, wenn ein sonnige^ Lächeln dar 
über hinglitt, allein die glänzenden Blauaugen konnten streng 
und drohend im Zorn blicken, und dann zeigte sich auch 
ein herber Zug. um den schängeschnittenen Mund. Da 
gehabt. Das Land ist an verschiedenen Stellen meilenweit 
überschwemmt. J>n Staate Neuyersey hat die Sturmflut 
besonders heftig gehaust. In dem kleinen Städtchen Sea- 
bridge ist ein ganzes Straßenoiertel von den Wogen hin- 
weggeschwemmt worden. Der Schaden, den die Sturmflut 
angeriastet hat, beläuft sich auf mehrere Millionen Dollars. 
Eine ganze Anzahl Leute, die von dem Unwetter überrascht 
wurden und sich nicht schnell genug in Sicherheit bringen 
konnten, sind ertrunken. 
Oie Vereinigung cier Oberlyzeen. 
Vor einiger Zeit berichteten wir, daß vom Kultus 
minister eine Erweiterung der Studienberechtigiing der 
preußischen Oberliizeen bestimmt worden ist. Wir gaben 
auch schon die wichtigsten Bestimmungen aus dem neuen 
Erlaß wieder. Da nun in unserem Orte die Frage des 
Aufbaus unserer Königin-Luise-Schule mit einem Oberzlyzeum 
immer noch in der Schwede ist. so glauben wir im Interesse 
vieler Eltern zu handeln, wenn wir den Ministerial-Erlaß 
vom I k. Oktober 1913 hier zum Abdruck bringen. 
I. Nach dem Erlasse vom 3. April 1809 (Zbl. 1909 S. 411) 
können Frauen, welche die Lehrbefähigung für mittlere und höhere 
Mädchenschulen (jetzt Lyzeen) besitzen, mindestens zwei Jahre an 
Lyzeen voll beschäftigt waren und bann drei Jahre hindurch an 
einer Universität studiert haben, zur Prüfung für das höhere Lehr 
amt (pro sacultat« docendi) zugelassen werden. Nach der Prüfung 
soll das Provialschulkollegium entscheiden, ob ihnen die An 
stellungsfähigkeit als Oberlehrerin an Lyzeen uud weiterführenden 
Bildungsanstalien für die weibliche Jugend verliehen werden kann, 
oder ob ein weiteres Probejahr von ihnen zu fordern ist. Die 
bisherigen Erfahrungen veranlassen mich, Nie Ablegung des Probe 
jahres nach der Prüfung für das höhere Lehramt allgemein anzu 
ordnen, hingegen von der Forderung der zweijährigen praktischen 
Tätigkeit vor dem Beginne des Universitäisstudiums abzusehen. 
Demgemäß bestimme ich: 
i. Frauen, welche den Anforderungen unter Ziffer I des Er 
laßes vom 3. April 1909 im übrigen genügen, können zum Studium 
mit dem Ziele der Prüfung für das höhere Lehramt zugelassen 
werden, ohne daß sie eine praktische Tätigkeit nachzuweisen haben. 
Die Zuerkennung der Anstellungsfähigkeit als Oberlehrerin an 
Lyzeen und weiterführenden Bildungsanstalten für idle weibliche 
Jugend setzt aber voraus, daß nach bestandener Prüfung für das 
höhere Lehramt ein Probejahr mit Erfolg abgeleistet worden i i. 
Flauen, welche bei Inkrafttreten dieses Erlasses die Lehrbefähigung 
für Lyzeen, mittlere und höhere Mädchenschulen schon besitzen, 
können die Anstcllnngsfähigkeit als Oberlehrerin in Gemäßheit der 
bisherigen Vorschriften erlangen. 
3. Die Ueberweisung zu der einjährigen praktischen Ausbildung 
(Probejahr) verfügt auf Meldung der Bewerberin das Provinzial 
schulkollegium, und zivar im allgemeinen derjenigen Provinz, in 
der die Bewerberin die Lehramtsprüfung des Oberlyzeums be 
standen hat. Dabei ist zu beachten, daß für sich bestehenden Lyzeen 
oder für sich bestehenden Oberlyzeen oder Studienanstalten nicht 
mehr als zwei, an Lyzeen mit angegliederten Oberlyzeen oder 
Studienanstalten nicht mehr als drei Kandidatinnen gleichzeitig zu 
beschäftigen sind. 
Die Bestimmungen über das Probjahr unter 8 (§§ 8ff) der 
Ordnung der praktischen Ausbildung der Kandidaten für das Lehr- 
amt an höheren Schulen vom 15. März 1908 finden sinngemäß 
Anwendung, jedoch sind die unter A § 5a dieser Ordnung für das 
Seminarjahr angeordneten wöchentlichen Sitzungen in entsprechender 
Weise auch mit diesen Kandidatinnen zu halten. 
3. Die Zuerkennung der Anstellungsfähigkeit erfolgt nach Be 
endigung der einjährigen praktischen Ausbildung, wobei ebenfalls 
die Ordnung vom 15. März 1908 und der Erlaß vom 2. Januar 
war jetzt Der Fall, uilv ln herrischem Tone rief sie über 
den Tisch: „Ihr hakt mir ja zu einer rechten Blamage 
verholfen, ihr beiden. Deine Tauben waren zäh wie 
Schuhleder, und die tölpelhafte Einina goß gal den köst 
lichen, jahrelang aufbewahrten Wein in den Eiskübel. 
Da hört doch alles aufl" 
„Ei, gnädige Frau," verteidigte sich Emma, und dicke 
Tränen quollen unter ihren Lidern hervor, „ich konnt' 
doch nicht wissen, ivie's gemeint war. Bei die vornehmen 
Leut' erlebt unsereins ja die dollsten Sachen, Sie sagten 
ganz deutlich: Der Wein kommt ins Eis." 
„Bitte, Emma, tragen Sie die Schüsseln und Teller 
in die Küche und fangen Sie mit dem Aufwaschen an, ich 
folge Ihnen." 
Claire wandte sich, sobald Emma das Zunmer ver 
lassen hatte, der Mutter zu: „Deinen Borwurf verdiene 
ich nicht. Mama. Um ein gutes Diner herzurichten, dazu 
fehlte» uns die Mittel und Zeit. Der Unfall mit dein 
Chablis tonnte verbätet werden, wenn du selbst die Flasche 
in den Eimer gestellt hättest: das Eis war ja schon darin." 
„Ei, das ist nicht übel! Du hast noch die Stirn, dies 
kläglich^ Fiasko mir zuzuwälzen, trotzdem du rücksichtslos 
dis Gesellschaft verlassen hast? Willst du mir ge älligst 
sagen, wo du zwischen der Suppe und dem Dessert zu 
weilen geruhtest?" 
Ohne sich durch die ironische Frage verwirren zu 
lassen, antwortete Claire, sie habe durchs offene Fenster 
Magnus Schmidt bcmerlt und vermutet, daß er ihren 
Bater besuchen wolle. Um jede Störung fernzuhalten, 
sei sie ihm entgegengegangen und habe ihn über die An- 
wesenheit des SchulinFektors unterrichtet. 
„Gleichzeitig nahmst du die Gelegenheit wahr, mit 
diesem ungehobelten Burschen eine halbe Stunde zu ver- 
1913 (Zbl. 1913 S. 241) sinngemäß anzuwenden ist. Insbesondere 
ist bei nicht genügendem Ergebnisse nach § 15 der bezeichneten 
Ordnung und Nr. 3 des genannten Erlasses zu verfahren. 
kl. Um den Inhaberinnen des Reifezeugnisses eines Ober 
lyzeums außer der Oberlehrerinnenlaufbahn auch andere auf aka 
demischer Vorbildung beruhende Berufe zu erschließen, wird ihnen 
ermöglicht, ein dazu berechtigendes Reifezeugnis durch eine Nach 
prüfung zu erwerben. Bezüglich dieser Nachprüfung bestimme ich: 
1. Für die Oberrealschulreife sind in Mathematik, Physik und 
Chemie, für die realgynmasiale Reife in Latein und Mathematik, 
für die gymnasiale Reife in Latein und Griechisch die nach den 
Lehrplänen der betreffenden Anstalten erforderlichen Kenntnisse 
nachzuweisen. Die Nachprüfung ist im allgemeinen in der Provinz 
abzulegen, in der die Reifeprüfung des Oberlyzeums stattge 
funden hat. 
2. Zu einer Nachprüfung sind Meldungen nicht vor Ablauf eines 
Jahres nach Bestehen der Reifeprüfung des Oberlyzeums zulässig; im 
übrigen gellen für sie die Anforderungen und Vorschriften der Ord 
nung der Reifeprüfung an den Ostufigen höheren Schulen (Gymasien, 
Realgymnasien und Oberrealschulen) vom 27. Oktober 1901 und 
des Erlasses vom 24. Januar 1909 (Zbl. 1909 S. 308), betreffend 
Aenderungen dieser Ordnung, gegebenenfalls (s. 3) die Vorschriften 
der Ordnung der Reifeprüfung an oen Studienanstalten vom 
20. Oktober >910 
3. Mit Rücksicht auf die verschiedenartigen Verhältniße in den 
einzelnen Provinzen bleibt es dem Prooinzialschulkollegium über 
laßen, ob sie für die Nachprüfungen eine besondere Kommission 
ernennen oder die Prüslinge öffentlichen höheren Lehranstalten 
für die männliche Jugend oder öffentlichen Sludienanstalten über 
weisen wollen. 
Im ersteren Falle ist die Kommission in sinngemäßer An 
wendung von Nr. 4 des Erlasses vom 22. November 1902 (Zbl. 1903 
S. 196) zusammenzusetzen. 
Im anderen Falle sind etwa'gc Wünsche der Bewerberinnen 
um Ueberweisung an eine in ihrem Wohnort befindliche oder ihr 
nahegelegene Anstalt tunlichst zu berücksichtigen Auf Prüfungen 
dieser Art finden die Bestimungen im § 16 der Ordnung der Reife 
prüfung an den neunstufiqen höheren Lehranstalten für die männ 
liche Jugend vom 27. Oktober 1901, betr. die Reifeprüfung der 
jenigen, welche Nichtschülcr einer höheren Lehranstalt sind, sinn 
gemäß Anwendung. 
4. Die Prüflinge haben vor Beginn der schriftlichen Arbeiten 
eine Gebühr von 30 M. zu entrichte», die bei Ueberweisung an 
eine besondere Kommission der Kasse des Provinzialschulkollegiums, 
die bei Ueberweisung an eine Anstalt der Schulkasse zuzuführen ist. 
5. Das jBestchen der Nachprüfung wird den Bewerberinnen 
auf dem Reifezeugnis des Oberlyzeunis durch einen ergänzenden 
Vermerk bescheinigt, der folgenden Wortlaut erhält: Die Inhaberin 
des obigen Reifezeugnisses hat sich aus Grund der Verfügung des 
Königlichen Pcovinzialschulkollegiums in ... . vom .... vor der 
unterzeichneten Kommission einer weiteren Prüfung in . . . (Fach) 
mit .... (Note) Erfolge und in ... . (Fach) mit .... (Note) 
Erfolge unterzogen. Sie hat damit das Reifezeugnis eines (einer) 
. . . (Art der Anstalt) erworben." 
III. 1. Die Bestimmungen unter III des Erlasses vom 3. April 
1909 (Zbl. S. 411) und in § 15 der Ordnung der Lehramtsprüfung 
an den Oberlyzeen vom 11. Januar 1911 über den Eintritt von 
Abiturientinnen einer Studienanstalt in die Seminarklaffe eines 
Oberlyzeums und über die Lehramtsprüfung dieser Bewerberinnen 
gelten auch für die Inhaberinnen des Reifezeugnisses einer höheren 
Lehranstalt für die männliche Jugend, sodaß auch diese in der 
a. a. O. vorgeschriebenen Weise eine Ergänzungsprüfung in der 
Pädagogik und, wenn sie das Reifezeugnis eines Gymnasiums 
besitzen, in der französischen und englischen Sprache abzulegen haben. 
2. Die vorbezeichnete Ergänzungsprüfung ist allgemein vor 
Eintritt in die 8-Klasse abzulegen. 
Hierauf - ergeben sich die notwendigen Aenderungen der 
Bestimmungen in § 15 der Ordnung für die Lehramts 
prüfung an Oberlyzeen, insbesondere erhält Nr. 3 vieses 
Paragraphen den nachstehenden Wortlaut: Die hierfür er 
forderliche Ergänzungsprüfung ist vor dem Eintritt in die 
plaudern. Unterdessen schüttet Dr. Heilmann ein Glas 
sauren Mosel nach dem andern in sich hinein, vielleicht weil 
er hoffte, daß sauer lustig mache. Dadurch geriet Plotke 
ins Hintertreffen und mußte schon beim Braten seinen 
Durst mit Himbeerlimonade stillen, was diesen Biedermann 
zu verdrießen schien. 
Das Diner hatte munter und vielversprechend begonnen. 
Dein Verschwinden legte die Unterhaltung lahm. Immer 
mehr sehe ich ein, daß meine Hoffnung, in dir gesellschaftlich 
oder wirtschaftlich eine Stütze zu finden, niemals erfüllt 
wird. Ja, nach meiner heutigen Erfahrung muß ich eher 
annehmen, daß du meinen Wunsch, endlich aus diesem Ver 
bannungsort fortzukommen, zu vereiteln suchst. Wahrschein 
lich fesselt dich Monsieur Magnus an dieses Nest." 
Claire war bleich geworden und wollte still das Zimmer 
verlassen, da sagte eine markige Stimme: „Du bist unge 
recht. Albertiue!" Es war der Rektor, der diesen Vor 
wurf erhob. Als neben ihm seine Tochter Julie den Kopf 
durch die Türe steckte, schob er die Neugierige zurück und 
hieß sie das Schlaizimmcr aufsuchen. Nachdem die Türe ge 
schlossen war, trat er seiner Gattin gegenüber und sagte: 
„Das Fiasko hast du selber verschuldet, kein anderer." 
Albertine lachte höhnisch auf. „Ach, das ist stark! 
Aber was wundere ich mich, hast du dein Erziehungstalent 
doch stets dadurch bekundet, daß du in Streitfällen auf 
Elaires Seite tratest. Die Folgen sind denn auch nicht aus 
geblieben : Das Ei will heute klüger sein als die Henne 
und die Kluft zwischen Mutter und Tochter erweitert sich 
mehr und mehr." 
„Auch in diesem Falle bist du ungerecht, Albertine!" — 
Die sonst so mild und ruhig klingende Stimme des Rektors 
war jetzt von Entrüstung durchbebt, sein blasses Gesicht 
rötete sich und die Hand. mit der er sich durch das leicht
        
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