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Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

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Donnerstag, den 25. Dezember 1913. 
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Lokales 
(Nachdruck unserer o-Originalartikcl nur mit Quellenangabe gestattet.) 
0 Weihnachtsfeier im' Hause Sachs. Wie alljährlich 
veranstalteten auch in diesem Jahre Herr Kgl. Kommissions 
rat Sachs und Gemahlin in ihrem Heim, Wilhelmstr. 5-6, 
eine Weihnachtsfeier zur Bescherung armer Kinder. Dreißig 
Friedenauer blinder versammelten sich um den strahlenden 
Weihnachtsbaum. Zu dieser Feier waren auch die näheren 
Freunde des Hauses Sachs eingeladen und erschienen; u. a. 
mehrere Herren des Gemeindevorstandcs und der Gemeinde 
vertretung. Nach dem Gesang eines Weihnachtsliedes, den 
Herr Lehrer Schmidt aus dem Harmonium begleitete, sagten 
die Kinder Gedichte auf. Die Einspräche hielt Herr Pfarrer 
Gvrnandt, worauf die Berteilung der Gaben erfolgte. Mit 
helleuchtenden Augen nahm jedes Kind die reichlichen Gaben, 
zumeist praktische Sachen, Kleidungsstücke, usw. in Empfang. 
Wiederum Gesang eines Weihnachtsliedes beschloß die schöne, 
würdige Feier. Im Anschluß daran bat das Ehepaar Sachs 
die zur Feier geladenen Herren zu einem Festschmaus. 
Bei dieser Gelegenheit wurde das folgende Gedicht vorge 
tragen, das die Verdienste des Hauses Sachs und die von 
ihm geübte Wohltätigkeit, wie auch die Feslstimmung trefflich 
zum Ausdruck bringt.' 
Heut' Wintersanfang! . . . doch nur im Kalender, 
Wie selbst er ist, das weiß man hier zulande 
Kaum aus Erfahrung, nur vom Hörensagen. 
Wie anders einst: weiß schmiegte sich die Decke 
Der jungen Saat da draußen schützend an, 
Die Wälder seufzten unter schwerem Drucks 
lind träumten still von Lenz und Vogelfang. 
Der Strom umklammerte den. Rumpf der Schiffe, 
Es ward zur Brücke der erstarrte See, 
Zum Tummelplatz der muntern Schlittschuhläufer. 
Die Kinder übten froh die schnell erlernte Kunst 
Des Schncemannsbaus, dort kletterten in Scharen 
Am Abhang sie empor zur Rodclfahrt. — 
Der Winter kam, und tritt sein Regiment 
Auch hier am Ort wie immer pünktlich an, 
Doch nicht, wie er in deutschen Bergen haust, 
Aus seinem Königsmaniel Flocken schüttelnd, 
Hier fegt der scharfe Ost durch Häuserreihen. 
Tie wie ein steinern Meer sich weithin strecken; 
Kein lustiges Schellenläuten lockt den Jüngling 
'Ans Erkerfenster, um hinauszuspähn', 
Ob nicht ein holdes Mägdlein, pelzumhüllt 
Mit Schelmenaugen in dem ros'gen Antlitz 
Im Schlitten schnell wie Spuk vorüberhusche. 
Doch ist auch bei den Großstadtmenscheil Freude, 
Man Hilst sich überall, so gut man kann, 
Schafft eine Bahn auf übergoffnem Platze, 
Ten sonst der, Flirt beim Tennisspiel beherrschte: 
— Das Glück, es ist im Sommer wie im Winter 
Auf Sand gebaut, koinuit über Nacht gezogen, 
Und wird auch wieder über Nacht zu Wasser. — 
Der Winter kam, — und andere einste Bilder 
Erschaut der Geist, wenn er auf Wandrung geht. 
Frau Sorge kriecht hervor aus allen Ecken, 
In denen sie sich grämlich eingesponnen, 
Sie hebt das bleiche Haupt erschreckt empor, 
'Ais rühre draußen mit dem dürren Finger 
Tie teure Zeit den Klopfer an der Tü- 
Und lasse sich nicht von der Schwelle weisen. 
Tort unterm Dache wohnt die harte Not; 
Tie kranke Frau blickt auf dem Schmerzenslager 
Aon ihren Kleinen nach ,dem leeren Tische, 
Ob ihn nicht doch ein Gotteswundcr decke, 
Ta Aaters Arm von aller Arbeit ruht, 
Der siechen Mutter letzte Kraft versagte 
Just zu der Zeit, die auch den armen Kindern 
Ein gottvcrbriefles Recht auf Jubel gibt, 
Und hier möcht man nur satt bis morgen sein. 
Wo bleibt denn nur der gute Weihnachtsmann? 
Tort sitzt ein Mann, der unfreiwillig feiernd 
Die Groschen zählt, wohl schon zum zehnten Male, 
Die nicht zur fälligen Miete reichen wollen, 
Sie schwanden hin für Brot, so fest er hielt 
Den kleinen Schatz, den er so gerne mehrte, 
Wenn man des Arbeitslosen nur begehrte! — 
Der Winter kam, — doch siehe, ihm zur Seite 
Geht eine Lichtgestalt, so leis und linde. 
Wie ein Gebild auS Hiikunclshöh'n — die Liebe. 
Sie schickt sich an, ihr stilles Werk zu treiben. 
Und ist dabei mit Herzen, Mund und Händen. 
Zwar kann auch sie kein Paradies herzaubern, 
Nicht alle Sorgcnberge kühn versetzen. 
Die Tränen nicht in allen. Augen trocknen, 
Des Lebens Zwiespalt nicht für immer lösen, 
Und nirgends Tote aus den. Grabe rufen. 
Doch was sie kann, das will sie: lieben; 
Das Linderungströpflein perlt an ihrem Finger, 
©ir träufeltS in den bittern Kelch der Not 
Versüßend, — träufeltS selbst auf heißen Stein, 
Des Trostes Körnlein kann sie milde streuen 
Als Hoffnungssaat für bess're Zukunftstage, 
Beschcid'ne Hand will sie mit Gaben füllen, 
Wo sie nicht volles G'nüge bieten kann, - 
Versucht am Himmel Sternlcin anzuheften, 
Wo eines Lebens Sonne unterging.. 
Und dünkt das alles zu gering die Großen, 
Ten Kindern bringt sie, wenn sie Kinder sind, 
Schier alles, was das kleine Herz begehrt; 
Wenn nur ein Strahl der Liebe sie berührt, 
Fehlt nur der Tanne immergrüner Zauber 
Dem Kindheitsgarten nicht, fällt nur sein Glanz 
Ans ihren Weg, dann zieh'n sie singend weiter, 
Ten Engelsgruß verbreiten ihre Lippen, 
Sie wachsen mit dem Kindlcin in der Krippen 
Und nehnien 31t an ihrem besten Teil 
Bei Menschen und bei Gott an Gnad' und Heil, — 
Und finden so das allgesuchte Glück. 
Bieldcutig Wort! wie töricht sind wir Menschen, 
Soviel davon zu reden, statl's zu halten, 
Wenn es mit großen Augen still vorübergeht. 
S'fragt nicht nach Nam' und Stand, nach viel und wenig, 
Heimstätte wird ihm nur des Menschen Herz. 
Wo Nächstenliebe im Verborgnen waltet, 
Ohn' Reden sich in Werken offenbart 
Und damit reich belohnt, nicht Ruhm begehrt. 
Wo sich der Herzcnsdank der Liebe freut, • 
Nicht Aug' und Hand die Gabe mißt und wiegt, 
Da kehrt es ein, - ich hoff' heut bei uns allen, 
Die wir allhier im stillen Tausch der Rollen 
Bei unserm Tun bald Nehmer sind bald Geber. — 
Der Winter kam — und mit ihm auch die Feier, 
Die uns schon manches Jährlein hat vereint, 
In diesem werten Hause „Heinrich Sachs", 
Vom Geist der Lieb' und Freundschaft hell durchstrahlt, 
Das Herr und Frau sich mit und für einander 
So herrlich schmückten und so gastlich öffnen, 
Wo er. der unermüdlich rege Schaffer 
Die wohlverdienten Früchte treuer Arbeit 
In rechter Lebenskunst von, Baume gepflückt, 
Nicht um für sich aus reich gefülltem Korbe 
Die süßesten und besten auszulesen, 
'Nein, als ein Christ und darum Menschenfreund 
Befolgt er klug und gut die goldnen Regeln: 
„Gib andern Teil, dann wächst die eigene Freude, 
Mach' glücklich - und du wirst es selber seilt!" 
So hält er denn die Eisen stets im Feuer 
• Als Schmied' des innersten Zusriedenseins, 
Und wo die Liebe steht ani Blasebalg, 
Da sangen Funken lustig an zu sprühen, 
lind neu geschieht das alte Weihnachtswunder, 
Die dunkle, kalte Welt wird licht und warm. 
Und wär'S auch nur für Stunden oder Tage, 
Tie Menschenherzen sangen an zu glühn, 
In Kinderaugen steht ein selig Leuchten, 
Ten Heinzelmännchen wirds in ihren Ecken, 
Darin sie träumend lagen, plötzlich heiß, 
Sie schlüpfen vor und gehn ans Werk geschäftig, 
Wohin Frau Berta mit dem Zaubcrstab 
Sie weist treppauf, treppab in ihrem Reich, 
lind selbst ein Engel lupst anr Vorhang. 
Der heut nur wie ein zarter Silberschteier 
Die Erdenwelt vom HimmelSsaale trennt, 
Um ja den seltenen Anblick zu genießen, 
Daß Wohlgefallen herrscht von Mensch zu Mensch, 
Wo sonst das Leben auseinanderführt, 
Wo eigner-Kopf auf jeder Schulter steht 
Und jeder Mund nur seine Sprache redet, 
Jedwedes Herz folgt seines Schicksals Stimme. 
Nun wißt ihr, was uns diese Feier ist 
In ihrer liebgewordenen Wiederkehr, 
Wenn wir in rechtem Sinne sie erfaßen, 
Nicht bloß die längste Nacht im ganzen Jahre, 
Da man mit Kurzweil sich die Zeit vertreibt. 
Sich'L Tränklein schmecken läßt aus Heinrichs Keller, 
Aus Berta's Küche leckre Tinge schmaust, 
Nicht nur willkommene Gelegenheit 
Zum offnen Austausch freier Manncsrede, 
Nein, schöner Auftakt für die heil'ge Zeit, 
Daß sie für alle wahrhaft werd' geweiht 
Zum Fest der Liebe, das ein Kind gebracht, 
Damit in ihm wir würden Brüder, Schwestern. 
Darum der Aufbau für die lieben Kleinen, 
Er will als Sinnbild auch die Großen mahnen, 
Daß sie getreulich aneinander bauen 
Mit Wort und Tat. wie es der Meister will, 
Daß jeder mit dein eigensten und besten 
Dem wahren Wohl des andern dienstbar sei. 
Daruni erklingen alte, liebe Weisen, 
Daß sie dann mit uns zieh'n aus Alltagspfaden 
Und unser Leben wie ein einzig Dankeslied 
Zu dem sich hebe, der uns freundlich leitet. 
Seid ihr zum Chor auf solchen Ton gestimmt, 
Darf ich mit Stolz mich als Vorsänger fühlen, 
'Ter mit dem Versmaß nun das Thema wechselt 
lind zum Finale frohen Munds gestaltet, 
Was euch und mir aus tiefstem Herzen kommt. 
Wir sind beim Mahl, des Lebens Sonnenseiten 
Will es als lachend Gleichnis vor uns breiten, 
Was Blumen schafft, was in Kristall sich bricht, 
Aus Menschenaugen strahlt — es ist das Licht. 
Licht und Liebe, laßt sie beide 
Eure Weggesellen sein, 
Ihre Lebensmacht bekleide 
Haus und Welt mit gold'nem Schein. 
Freude führ' an, 
Wir folgen nach. 
Festlicher Tag! 
Gruß wir dir bringen, 
Wir sagen und singen, 
Wie's jeder kann. 
Erhebt euch Freunde, ineinem Wink gewärtig, 
Zum Preise unseres Sachscnpaares seid fertig, 
Aus eurem Herzen heb' ich's für sie aus — 
Wunschblümlein siud's, — wind' sie zum Tankesstrauß 
(Zu den beiden:) 
Was Ihr ehrlich wollt, — gelinge! 
Freundlich bleib' Euch das Geschick, 
Stets mit tausend Zungen singe 
Euer Heim das Lied vom Glück! 
Edelwein, her da! 
Köstliches Naß 
Schäumet im Glas, 
Perlen sich heben, 
Hoch sollen leben 
Heinrich und Bcrta. 
0 Friedenauer Männer-Gesang-Verein 1875. Die 
Generalversammlung des Fiiedenauer Männer-Gesang- 
Verciils 1875 findet am Sonnabend, dem 3. Januar 1914 
iin Vereinslokal „Hohenzollern" (Vereinszimmer im Erd 
geschoß) statt. Anfang pünktlich 9 Uhr. Zur Beschluß 
fähigkeit ist die Anwesenheit von 2 / 3 der Mitglieder bedingt. 
Anträge sind an den Vorstand schriftlich, spätestens bis 
27. d. M. zu richten. Am 2. Feiertage, vormittags 11 — 1 Uhr, 
ist ein Friihschoppen im Vcreinszimmer im Hohenzollern. 
Gäste willkommen. Die Weihnachtsfeier findet am Montag, 
dem 29. Dezember. 8 Uhr, im Saale der Schloßbrauerei 
Schöneberg, Hauptstraße statt. 
König’icher Hoflieferant 
Filiale Friedenau, Hedwigstrasse 3 
Punsch- Aibln Rskiicfr, Inh.: dsurs*. Raftiet*. ' ^unsch- 
Extrakte Fernsprecher: Pfalzburg 1973. Extrakte 
NIMM Mlylllylkll. 
Bcrlin-Friedenau. 
1. Feiertag. 
Vorm. 10 Uhr: P. Vetter. 
Dann Beichte und Abendmahl. 
Nachm. 6 llhr: P. Kleine. 
Tann Beichte und Abendmahl. 
2. Feiertag. 
Vorm. 10 llhr: P. Görnandt. 
D nn Beichte und Abendmahl. 
Nachm 6 Uhr: P. Vetter. 
Tann Beichte und Abendrnahl. 
Berlin-Tchöncberg. 
Paul-Gerhardt-Kirche. 
1. Feiertag. 
Vorm. 10 Uhr: P. Delbrück. 
Dann Beichte und Abendmahl. 
Nachm. 6 Uhr: P. Heift 
Tann Beichte und Abendmahl. 
2. Feiertag. 
Vorm. 10 Uhr: Sup. Raack. 
Dann Beichte nnd Abendmahl. 
Nachm. 6 Uhr Kindergottesdienst: 
P. Heist. 
Apostel-Paulus-Kirche. 
1. Feiertag. 
Borm. 10 Uhr: P. Rauchst-in. 
Dann Beichte und Abendmahl. 
Nachm 6 Uhr: P. Rodatz. 
Dann Beichte und Abendmahl. 
2. Feiertag. 
Vorm. 10 Uhr: P. Braun. 
Tann Beichte und Abendmahl. 
Nachm. 6 llhr: P. Rauchstein. 
Tann Beichte und Abendmahl. 
Köniajn-Luise- 
Gedächtniskirche. 
1. Feiertag. 
Vorm. 10 llhr: P. Lange. 
Dann Beichte und Abendmahl. 
Nachm. 6 Uhr: P. Boehm. 
Tann Beichte und Abendmahl. 
2. Feiertag. 
Vornr. 10 Uhr: P. Boehm. 
Dann Beichte und Abendmahl. 
Nachm. 6 Uhr: Hilssprediger 
Richtzenhain. 
Dann Beichte und Abendmahl. 
Kirche zum Heilsbronnen. 
1. Feiertag. 
Vorm. 10 Uhr: P. Mirbt. 
Dann Beichte und Abendmahl. 
Nachm. 6 Uhr Christfeier des 
Kindergottesdienstes: P. Geest. 
2. Feiertag 
Vorm. 10 Uhr: P. Geest. 
Dann Beichte und Aaendmahl. 
Nachm. 6 Uhr: P. Mirbt. 
Dann Beichte und Abendmahl. 
Nathanael-Kirche. 
1. Feiertag. 
Vorm. 10 Uhr: P. Wagner. 
Dann Beichte und 'Abendmuht. 
Nachm. 6 Uhr: P. Anhalt. 
Tann Beichte und 'Abendmahl. 
2. Feiertag. 
Vorm. 10 Uhr: P Lis. Becker. 
Dann Beichte und Abendmahl. 
Nachm. 0 Uhr: Weihnachtsfeier 
des Kindcrgoltesdienstes: P. Liz. 
Becker. 
Mosetpr. 10. Rönnebergstr. 8. 
Bohnerarbetten 
Parkettreparaturen billigst 
Jenner, Bvrnstr. lg. Pflb. 7211 
G. Bfiilefeldl 
Tischlermeister, 
Handjerystr. 41. 
Tel Pflzbg 7080. 
Ls.il- ii. Möbel Tischlerei 
Innen Architektur. 
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und Reparatur - Werkstatt 
Elektrischer Betrieb, 
äafertlg. von Massenartikeln. 
| > 
friüta» Spar- u. Darlehnskassc |[ 
o. O. ra. b. H. 
RhelnstP. 69 Kassenständen 3-1. 3-5 Ühr. Tel Pftb, S8G5 
Spaxlrk.sise ^3= °| 0 
Rolchsbank-Giro-Xento. Diskontierung von Wechseln 
Kontokorrent-» Depositen- u. Scheck-Verkehr. 
Der Vorstand. 
Oberhemden 
u. Aämtl. Wäsche nach MaA 
Uniformocmden, ganze Ausstattungen 
werden anjj.-f, rüst. Reparaturen. Eigene Näherei im Hause. 
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jclzt Hancljerystr, 27-28, Ecke Niedstr. 
Conditorei und Feinbäüerei^ 
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liefert in ff. Qualität. 
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