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Periodical volume Nr. 302, 25.12.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

durch Veröffentlichung in Ihrem geschätzten Blatte Gebrauch zu 
uiachcn, zeichnen wir Hochachtungsvoll Omnibus-Kompagnie Berlin, 
Johs. Knicse u. Co 
o In der Anmeldung zur Stammrolle tritt vom 
1. Januar 1914 ab eine Aenderung ein. Infolge des mit 
dem gleichen Tage in Kraft tretenden Reichsmilttärgesetzes 
vom 22. Juli 1913 (Reichsgesetzblatl Seite 593) wird auch 
die deutsche Wehrordnung vom 22. November 1888 wesentlich 
abgeändert werden. Die beziigl. Bestimmungen werden als 
bald erscheinen. Wissenswert erscheint für die Militärpflichtigen 
zunächst nur, daß die Anmeldung zur Rekrulieruugsstamm- 
rolle von jetzt ab in der Zeit vom 2. bis 1 5. Januar 
jeden Jahres (gegenüber früher vom 15. Januar bis 1. Februar» 
zu bewirken und daß die Losung beseitigt ist. Die Militär 
pflichtigen werden jetzt nicht mehr nach dem Wert ihrer 
Losnummer rangiert, sondern es ist für die Reihenfolge, in 
der die Militärpflichtigen auszuheben sind, der Grad der 
Tauglichkeit für den Militärdienst maßgebend. Die bisher 
ausgefertigten Losungsscheine der im Jahre 1893 und früher 
geborenen Militärpstichtigen bleiben als Ausweis über die 
Gestellung noch bestehen. Für die 1894 und später geborenen 
Gestellungspflichtigen werden „Mnsterungsausweise' von den 
Ersatzkonrmissionen ausgestellt. 
o Rechtzeitige Auflieferung der NcujahrSbriefe. 
Beim Herannahen des Jahreswechsels ist wiederum darauf 
aufmerksam zu machen, daß es sich dringend empfiehlt, die 
Freimarken für Neujahrsbriefe nicht erst am 31. Dezember, 
sondern schon früher zu kaufen, damit der Schalleroerkehr 
an dem genannten Tage sich ordnungsmäßig abwickeln kann. 
Auch liegt es im eignen Interesse des Publikums, daß die 
Neujahrsbriefe frühzeitig aufgelifeert werden, und daß nicht 
pur auf den Briefen nach Großstädten, sondern auch auf 
Briefen nach Mittelstädten die Wohnung des Empfängers 
angegebenen werde. Für Berlin ist außerdem die Angabe 
des Postbezirks (0, di, 8, W usw.) und des BesieU-Post- 
amts dringend erwünscht. Verzeichnisse der Straßen und 
Plätze Berlins mit Angabe des Postbezirks und der Bestcll- 
Postanstalt werden an allen Postschaltern sowie von den 
Orts- und Landbriefträgern zum Preise von 5 Pfg. verkauft. 
o Ladenschluß aut Heiligabend. Am herzigen 
Mittwoch ist die Beschäftigung der Angestellten in offenen 
Verkaufsstellen nur bis 8 Uhr Abends zulässig. Um 8 Uhr 
müssen die Läden geschlossen werden. 
o Die Potsdamer Handelekaurmcr, Sitz Berlin er 
blickt in dem Vordringen des englisch-amerikanischen Tabak 
trustes eine schwere wirtschaftliche Gefahr für die heimische 
Tabakindustrie. Sie teilt insbesondere auch die Befürchtung 
des bezirkseingesessenen Tabakgewerbes, daß nicht nur die 
deutsche Zigarettenindustrie, sondern auch die Zigarrenfabri 
kation und die Tabakproduktion aufs stärkste bedroht sind, 
wenn es dem Trust gelingt, immer wertere Firmen der 
Tabakbranche unter seinen Einfluß zu bringen. 
o Abbruch des alten Strasrenbahnhofs. Nach In 
betriebnahme des neuen Slraßenbahnhofes an der Geranien- 
straße in Lichlerfelde wird nunmehr das alte große Straßen- 
bahndepot, der Westlichen Vororlstraßenbahn, daß sich an 
der Grenze von Steglitz und Lichterfelde-Wcst längs der 
früheren Potsdamer Provinzialchaussee dahinzog, jetzt abge 
brochen. Das weite Gelände des alten Bahnhofs soll mit 
Privalhäusern bebaut werden. 
o Zur Bewältigung des Verkehrs in der Silvester 
nacht werden auf der Wannseebahn folgende Sonderzüge 
verkehren: Ab Berlin Wannseebahnhof 1.30, 1.50, 2.15, 
2.30, 2.50, 3 20 und 3.30 nachts. Die Mehrzahl dieser 
Züge wird bis Zehlendorf-Mitte durchgeführt; in umgekehrter 
Richtung: ab Schiachlensee 1.87, ab Zehlendorf-Miite 1.59. 
2.19, 2.49, 2.59, 3.19 nachts; von Wannsee ivird der letzte 
Zug in der Silvesternacht um 2.45 abgelassen werden, er 
trifft 3 24 früh in Berlin ein. Auf der Groß Lichlerfelder 
Vorortbahn werden die folgenden Sonderzüge abgelassen 
werden: Ab Berlin, Potsdamer Ringbahnhof: 1.25, 2.15, 
2.45 und 3 15; ab Groß Lichlerfelde-Oft 1.45, 2.05, 2.35, 
3.05 und 3.35 nachts. 
o Eine Aenderung der Postordnung tritt mit dem 
.1. Januar in Kraft. Darnach wird eine Erleichterung für 
die Versendung von kleineren Warenmengen herbeigeführt. 
Während bisher nur Waren im Gewicht bis zu 350 Gramm, 
die keinen Handelswert haben, brieflich zur Versendung 
kommen dürfen, werden vom 1. Januar 1914 ab ganz 
allgemein kleine Warenmengen bis zu einem Gewicht von 
einem Pfund brieflich befördert, und zwar kosten solche 
verkommen wär n, wenn Dr. T.ulit, ver damals in Poris 
als Hauslehrer wickäe, sich ihrer nicht angenommen hätte. 
— Na, da sind wir ja vor meinem Hause!" — Die 
Plattes verabschiedeten sich von ihren Begleitern. 
Als diese über den Marktplatz schritten, fragte Pro 
fessor Dorn den Arzt: „Ja, ist denn das alles wahr, was 
dieser Biedca mann und seine Töchter eben von Frau Ruhl 
behaupteten?" 
„Zu meinemBedauern konnte ich sie nicht Lügen strafen." 
„Aber in dieser Beleuchtung erscheint die Frau ja als 
Abenteurerin." 
„Das ist sie nicht. Sie paßt nur so wenig in dies 
Städtchen, wie ein Zugvogel in den Käfig. In ihrer 
Blütezeit hat sie in jener Gesellschaft, in der man sich nicht 
kangwei t, eine Rolle gespielt. Nun ist sie auf ein totes Ge 
leise geraten und vcr chmachtR in Burgstall." 
„Eine solche Frau muß aber dem Leiter einer Schule 
Verlegenheiten peinlichster Art bereiten. Ich sah cs wohl, 
daß Dr. Ruht bei Ti che wie auf glühenden Kohlen faß, 
daß er zusammenzpckte, wenn sie mit französischen Redens- . 
arten um sich warf, oder mir in wenig taktvoller Weife ; 
das Versprechen zu entlocken suchte, ich würde mich beim : 
Kultusminister zugunsten ihres Gatten verwenden." 
„Dr. Ruhl soll sich als Gymnasial - Direktor in recht 
günstiger Stellung befunden haben," bemerkte der Arge. 
„Allerdings." j 
„Wodurch verscherzte er sie?" 
Der' «chnlinspettor hielt vor dem Wagen an, der ihn ; 
nach der Krcishtuiptstadt bringen sollte. Nur zögernd gab 
er Antwort: „Durch eine den Abiturienten gehaltene Ab- 
schicdsrcde, deren Oiiiuiesfeiiz nach dem Schlagworr Proud- 
.hons schmeckte: Eigentum ist Diebstahl. Er lehrte, Gott 
habe den Bleu scheu nicht als Eigentümer, sondern als 
Verwalter der Güter dieser Erde eingesetzt, und zog daraus , 
Folgerungen, die der Schulbehörde initRecht bedenklicher- 1 
Mengen bis zum Gewicht von 250 Gramm 10 Pf., von 
250 bis 500 Gramm (1 Pfd.) 20 Ps. Verpackung und 
Form muß zur Versendung mit der Briespost geeignet sein 
und darf die Größenmaße 30X30X10 Zentimeter bei 
Briefen und 30 Zentimeter Länge bei Rollen mit höchstens 
15 Zentimeter Durchmesser nicht überschritten. Die Sen 
dungen sind offen zu halten; sie dürfen nicht geschlossen 
werden. 
o Das Fest ihrer silbernen Hochzeit feiern am 
Sonnabend, dem 27. ds Mts. Herr Fritz Friedebold und 
Frau, Jllstr. 4 wohnhaft. Die Jubilare sind seit vielen 
Jahren Einwohner Friedenaus. Herr Friedebold betreibt 
hier Rhcinstr. 51 ein Linoleum-, Läuferstoff- und Tapeten- 
geschäst. Wir bringen dem Silberpaare unsern herzlichsten 
Glückwunsch für eine auch ferner glückliche Ehe dar. 
o Weihnachtsfeier in deo Fontaneschulc. In einer 
äußerst stimmungsvollen Weihnachtsfeier hatte die Fontane 
schule am letzten Sonntag die Eltern und Angehörigen der 
Schülerinnen, wie schon kurz berichtet, und am nächsten Tag 
diese selbst versammelt. An beiden Abenden wurde ein 
kleines Weihnachtsspiel, „Lore's Traum", aufgeführt, dem 
musikalische und deklamatorische Vortrüge vorangingen. Die 
Feier am Sonntag eröffnete die Cantilene ans Samson und 
Dalila, die von einer Schülerin der dritten Klasse sehr ein 
drucksvoll auf dein Klavier vorgetragen wurde. Eine 
Schülerin der zweiten Klaffe spielte auf der Violine eine 
Phantasie aus Lohengrin, die großen Beifall fand. Neben 
einigen ernsteren und heiteren Deklamatonen wurden dann 
noch Lieder zur Laute von drei jungen Mädchen in Bauern 
tracht zum Besten gegeben. Ein Lied, das mit der aus so 
jungem Munde schrecklich klingenden Drohung schloß: „Drum 
bleib ich ledig bis in den Tod. dann hat die Lieb ein End" 
weckte solchen jubelnden Beifall, daß es wiederholt werden 
mußte. Zum Schluß wurde dasWeihnachtsspiel „Lore'sTraum" 
ausgeführt, ausschließlich von der drillen Klasse dargestellt, 
deren Ordinarius, Oberlehrer Fritz Brettschneider, schließlich 
als Verfasser erkundet wurde. Das kleine Spiel gefiel durch 
seine feine Anmut und den reizenden Humor, der das Ganze 
durchdringt, außerordentlich; es ist auch in der Tat so voll 
echter Poesie, daß mir gern etwas näher darauf eingehen. 
In den Herzen der kleinen Lore sind Zweifel an der EÄ'lieit 
des Weihnachtsmanns aufgetaucht, da erscheint ihr das Märchen 
im Traum: „Nur wer an mich glaubet, der darf mich sehn. nur 
wer an mich glaubet, dem bin ich schön" und ruft all die Elfen 
von Berg und Tal zum Spiel herbei. Die singen und tanzen und 
schicken dem träumende» Kind die trauten Gestalten ans der 
Märchenwelt: Hänse! und Grctel, Rotkäppchen, die sieben Zwerge, 
Schneewittchen mit ihrem Prinzen und Dornröschen mit ihrem 
Erreitcr, die zur Feier ihrer Hochzeit ziehen. Und dann kommt 
der arme Weihnachtsmann selbst, müde und abgehrtzt, — er hat 
ja soviel zu tun. Und er spricht selbst im Traum mit der Lore 
und will ihr drei Wünsche erfüllen. Lore wünscht sich ein Püppchen, 
einen echten wirklichen Tackclhund und — ein neues Schulgebäude: 
„Eine neue Schule möcht ich haben, 
nur für die Mädel, nicht für die Knaben; 
eine neue Schule für uns ganz allein, 
da gingen noch mal so gern wir hinein. 
Ter Weihnachtsmann erfüllt ihr die beiden ersten Wünsche 
auf der Stelle (sogar ein echter, leibhaftiger Dackel war da und 
spielte seine Rolle vorzüglich). Dem letzten Wunsch zu genäsen, 
will selbst dem sonst so gütigen Boten des Himmels schwer fallen. 
Aber auf seinen Wink bringt doch ein Engel ein wunderschönes 
Bild herbei — die neue Schule, wie sie übers Jahr dastehen wird, — 
vorläufig, wie man hinter den Kulissen erfährt, allerdings nur die 
recht verlockende Zeichnung ein r Schü'erin der zweiten Klasse Ein 
prächtiges Schlritzbild vereinte alle Mitspielenden unter dem herrlichen 
Weihnacht-.'baum 
Den Schülerinnen war schon vorher streng vertraulich 
verraten worden, daß der Verfasser dem Vernehmen nach 
„Schöneberger Bürger" sei. So konnte denn es nicht fehlen, 
daß dieser Bürger zum Schluffe immer wieder gerufen und 
stürmisch begrüßt wlirde. Auch ans die jugendliche Kom- 
ponistin der zierlichen und stilgemäßen musikalischen Motive, 
die Schülerin der dritten Klasse Tora Hucke, fiel ein wohl 
verdientes Teil des Beilalls ab. Hoffenllich hält nun der 
Weihnachlsmann auch Wort und baut den vorläufig Be 
schenkten recht bald wirklich die neue Schule mit einer recht 
großen Aula; bei dem so erfreulichen guten Besuch, den die 
Veranstaltungen der Schule stets haben, könnte sie davon 
reichlich Gebrauch machen. Und der gute und verständige 
Weihnachtsmann denke auch an die besonders eindringlich 
vorgelragene Bitte der kleinen Lore: „Recht mitten ins Grüne 
bau die Sck ule hinein, in Blumenfrende und Sonnenschein!" 
o Die Vergnügungen au den Festtagen. Wer sich 
an den Feiertagen in Friedenau vergnügen will, der findet 
hierzu Lierschieüenllich Gelegenheit. In unseren vornehmen 
schielten. So wurde er gezwungen, seine schöne Stellung 
in unserer Prouinzialhauptitadt mit der eines Rektors de 
roheren Bürge, schule in Burgstall zu vertauschen. Und 
auch diesen Unterschlupf verdankt er nur der Verwendung 
jenes einflußreichen Diplomaten, dem er als Hauslehrer nach 
Paris gefolgt war und der freundschaftliche Beziehungen 
mit dein Patron dieser Schule, dem Grafen von Burg 
holm, unterhält." 
„Mir tut der Mann leid," bemerkte Dr. Heilmann, 
„er hätte ein besseres Los verdient. Er ist eine sympathische 
Persönlichkeit mit warmem Herzen, reichen Keimlnissen und 
idealer Lebensauffassung. Dabei besitzt er eine fesselnde, zum 
Herzen gehende Beredsamkeit. In dieser Ehe berühren 
sich die Extreme: er ist selbstlos bis zur Aufopferung, sie 
dagegen verkörperte Selbstsucht. Er möchte den Weg der 
Märtyrer gehe» und findet vielleicht sein Golgatha, sie aber 
schmachtet nach Genüssen und geht vermutlich am Lebens 
hunger zugrunde. Und diese beiden Menschen finden sich 
und das Schicksal verbindet sie durch Schönheit und Mit 
gefühl. Seltsame Fügung!" 
„Vielleicht wollte GottRuhls Stärke prüfen." 
„Mag fein. Dem Sokrates stellten die Götter eine 
Tanthippe zur Seite." 
„Gute Nacht, lieber Doktor!" — Der Schulinspektor be 
stieg seinen Wagen. „Glauben Sie mir: Männer, die für 
ihre Ueberzeugung eintreten, achte ich stets, selbst — wenn 
sie Schwärmer sind." 
Der Doktor lächelte still vor sich hin, während er in den 
Gasthof zum „Goldenen Engel" trat. „Ja, ja," dachte er 
sich, „du achtest sie, hütest dich aber wohl, für sie einzu 
treten. Fron Aloertine und die schöne Claire werden wohl 
in diesem Nest sitzen bleiben, bis sie alt und grau ge 
worden sind. Jammerschade um — die Tochter!" 
(Fortsetzung felgt.) 
Familienrestaurants (Weinstuben und Bierlokalen) ist man 
bestens ansgehoben. Man trifft dort, wenn man es nicht 
vorziehen sollte, im eigenen Kreise am „Familientisch" zu 
bleiben, stets gute Bekanntschaft. In einzelnen Lokalen ist 
zudem dulch Künstlerkonzert für besondere Unterhaltung ge 
sorgt.— Der Theater-Verein „Terxes" 1873 veranstaltet 
am 1. Weihnachtsfeiertage einen Konzert-und Theater-Abend 
im „.Kaiser Wilhelm-Garten", Rheinstraße 64. Das Konzert 
beginnt um 7 Uhr, die Thealer-Vorstellung um 8 Uhr. Zur 
Aufführung gelangt das Lebensbild „Seemanns Heimkehr 
am Weihnachts-Abend", mit Gesang in 3 Abteilungen von 
Hugo Schulz. Nach der Vorstellung ist Familien-Tanz- 
kränzchen, während dessen auch eine Tamb.ola 'stattfindet. 
Mit dieser Veranstaltung feiert der Verein gleichzeitig sein 
40jährtges Bestehen. — Unsere Lichtspieltheater haben 
besonders reizende Weihnachtsprogramme aufgestellt. Die 
Biofonlheater-Lichlspiele, Rheinstraße 14, unser ältestes 
Kinematographentheater, bringen als Hauptschlager den Weih- 
nachtSfilm „Eine Episode aus der Zeit Napoleons I. Stille 
Nacht, heilige Nacht!" zur Vorführung. — In den Hohen- 
zollern - Lichtspielen wild das gewaltige Filmwerk 
„Cleopatra", die Königin deS 91ilu, gezeigt. Fast 1 Million 
Mark hat die Anfertigung dieses 8 Kilometer langen Films 
gekostet. Eine zeitgemäße Novelle betitelt sich „Der kleinen 
PrinzessinWeihnachtsrausch" oder„Der Kampf um den Tlvn". 
Am 3. Feiertag ist eine große Gala-Jugendoorstelluvg, 
jedes Kind erhält ein Geschenk. — Die „U -T.-Lichtspiele", 
Schöneberg, Hauptstraße 49, (an der Mühlenstraße) sind 
heute Mittwoch geschlossen. Für die Weihnachtstage haben 
sie ein Programm zusammengesetzt, das in Stimmung und 
Milieu so recht den Festlagen angepaßt ist. „Das rosa 
Pvnlöffelchen" und „Hoheit inkognito" sind Lustspiele von 
einzigartiger Wirkung, die die Lachmuskeln der Zuschauer 
nicht außer Tätigkeit kommen lassen. Im Gegensatz zu 
diesem Film steht „Die'Hand des Schicksals". Wie ver 
worren und doch wunderbar oft des Schicksals Mächte wallen 
können, das zeigt uns in selten schöner Art dieses Drama. 
Dazu kommen Komödien, Weihnachtserzählungen, Burlesken 
und Humoresken mit Mar Linder und Andree Deed in den 
Hauptrollen, Original-Ausnahmen der tollkühnen Jagden des 
Afrikarciseuden Robert Schumann und die hochaktuelle U -T - 
Woche. Alles in allem ein Programm, das zur Verschöne 
rung der WeihnachtSlage in allerbester Weise beiträgt. 
o Der Fst'ttagsbraten ist in manchen Familien bereits 
vorbereitet und „Mutter" wird ihn morgen Mittag zur 
Freude aller Familienangehörigen auf den Tisch bringen. 
Sie selbst har wohl auch Freude, wenn der Brgten allgemein 
gut schmeckt. Doch sie selbst ist gar zu abgespannt von der 
vielen Arbeit und hat „gar keinen Appetit". Darum wird 
in vielen Familien an den Festtagen auch nicht mehr zu 
Hause gegessen. Der Hausherr enthebt der Hausfrau der 
Küchenarbeit und lädt die sämtlichen Familienangehörigen 
in ein Restaurant. Er weiß, dann hat auch „Mutter" 
Appetit. Doch welches Restaurant soll er wählen, soll er 
nach Berlin gehen oder im Orte bleiben. Das letztere ist 
natürlich vorzuziehen, denn die Slraßenbahnfahrt mit der 
ganzen Familie ist zur jetzigen Zeit kein Vergnügen; es 
würde durch den Aerger bei solcher Fahrt die Freude am 
Mahle wieder auigehoben. Und unsere Familien haben ja 
auch garnicht nötig, nach Berlin zu reisen, sie finden in 
unserem Orte eine große Anzahl vornehmer Familien 
restaurants, die zu den Festtagen eine reichhaltige, ausge- 
wählte Speisenkarle ausgestellt haben. Aus dem Anzeigenteil 
dieser Nr. sind die einzelnen Lokale und die von ihnen auf 
gestellten Festtagsgedecke zu ersehen Zur einfacheren Durch 
sicht für uusere Leser empfehlen wir die folgenden Restaurants: 
„Kalserbnrg", Friedrich-Wilhelmplatz Ecke Wilhelmstraße. 
„Taunus", Südwestkorsa Ecke Taunusstraße, „Rheineck", 
Rheinstraße Ecke Kaiserallee, „Burghof", Hauptstraße 85, 
„Rembraiidt", Beckerstraße Ecke Rembrandtstraße, „Bellevue" 
(Inh. Fritz Horn), Schmargendorfer Straße am Wilmers- 
dorfer Platz, „Wagner-Platz", am Wagnerplatz. Wer da 
gegen eine Weinstube bevorzugt, der wähle unter den fol 
genden: I. P. Trarbach Nächst. (Inh. Waldemar Reuter). 
Moselstr. 1=2, Gebr. Habel (Inh H. Schindler), Wilhelm 
Hauff-Straße 12, Julius Ewest (Inh. Clara Rauch), Hed- 
wigstr. 3 oder Jakob Knoop Söhne (Inh Fritz Drogies), 
Bahnhofstr. 3. Nun mögen unsere Leser wählen. Jedenfalls 
wünschen wir allen guten Appetit! 
o Männer-Turnvcrein. Wie hat es doch die Jugend 
von heute so gut! Während noch vor 20 Jahren der Turn 
verein so ziemlich der einzige Verein Friedenaus war, der 
seinen Knaben und Mädchen schlichte und doch immer sehn 
süchtig erwartete Weihnachtsfeiern bot, wetteifern heute zahl 
reiche Gemeinschalle» darin, der Jugend die Weihnochts- 
srendc durch Feste und Geschenke zu vervielfachen, sodaß cs 
damit fast des guten zu viel zu werden droht. Wenn trotz 
dieser Ueberyandnohme der Weihnachtsfeiern der M. T. V. 
die seinigen beibehäit, so geschieht es, um die alte sleber- 
lieserimg hochzuhalten und außerdem, um den Angehörigen 
auk diese Weise eine angenehme Gelegenheit zu bieten, das 
Leben und Treiben ihrer Kleinen und Kleinsten auf dem 
Turnsaal keimen zu lernen. Den Neigen eröffneten die 
bit'en Mädchenabteilungen in der Turnhalle Goßler- 
straße, worüber wir vorgestern schon berichteten. In der 
gleichen Turnhalle fand Sonnabend nachm. 0 Uhr die Feier 
der 2. Knabenabteilnng, die von den Herren K Brücker 
und H. Horstwann geleitet wird, statt. Zunächst tummelten 
sich etwa 30 der Kleinsten am Rundlauf und in ver 
schiedenen Turnspielen tüchtig aus, dann masrchierlen 50 
Knaben des 1. Zuges in den Saal, turnten recht hiibsche 
Freiübungen und zeigten an 6 Geräten ihre Kunstfertigkeit, 
worauf Herr Brücker in kurzer Ansprache die erschienenen 
Gäste begrüßte und hervorhob, daß kein wohlvoreilctes 
SchaiUurnen, sondern nur der übliche Verlauf einer Turn 
stunde vorgesührt worden wäre. Dann begonn die Weih 
nachtsfeier mit einem Duett „Ave Maria", das die Tnrn- 
schüler Hübner und Lehmann wirlnngsvvll vortrugen, Ein- 
übnng und Begleitung hatteFrau M. Brücker freunü'ichst über' 
nommen. Eine Anzahl Knaben brachte in mehrstimmigem 
Gesänge zwei alte WeihnachtSlieder mit bestem Gelingen zu 
Gehör, diese Lieder waren vom Turnwart einstudiert und 
wurden von dem Turnschüler Herbert Brücker begleitet.
        
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