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Periodical volume Nr. 299, 21.12.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

möchte er im Rathause beseitigen. Selbstverständlich erhalte 
die Gemeindevertretung einen würdigen Raum, der der 
Mittelpunkt der ganzen Anlage, der Hauptrcmm sein soll 
und in vornehmer Weise ausgestattet wird Bis 600 Personen 
werden in dem Saal unterkommen können. Mehr jedoch 
nicht, da ministerielle Vorschriften dagegen stehen. Es läßt 
sich vielleicht im Dachgeschoß ein großer Saal machen, aber 
da müßten wieder Dispense eingeholt werden. (G.-V Ott: 
Die kriegen wir). Er könne aber das Einholen neuer Dis 
pense nicht empfehlen. Vereinszimmer werden zwei in Ver 
bindung mit dem Ratskeller geschaffen, außerdem könne, 
wenn die Aenderung durchgeht, noch ein 3. Zimmer ge 
schaffen werden, das die Vereine benutzen könnten. Er bitte 
den Vorschlag anzunehmen, es sei 'das ein wesentliche Ver 
besserung. die für den Kostenanschlag nichts ausmacht. G.-V. 
Haustein hält einen kombinierbaren Saal für vollkommen 
ausgeschlossen. Man könne auch nicht einen so großen Saal 
für Öfe Gemeindevertretung schaffen. Darin wäre es un 
heimlich. Der Saal für die Gemeindevertretung müßte doch 
auch ein ganz anderes Aussehen haben, als ein Saal, in 
dem nachher „Tango" getanzt werde. Vom Ratskeller ver 
spricht et sich keine Rentabilität. Bürgermeister Walger 
führt an, er wisse von Halle her, daß dort der Sitzungssaal 
auch für Festlichkeiten usw. Verwendung findet. G.-V. Ott 
erblickt auch keinen Fehler darin, daß der Sitzungssaal mal 
zu anderen Zwecken verwendet wird. Er sei jetzt, nach den 
Ausführungen des Herrn Baurats vollständig mit der ge 
planten Aenderung einverstanden. G.-V. Berger kann sich 
nicht denken, daß der kombinierte Saal vorteilhaft ist. In 
Halle werde der Saal sicher nur wenig, zu besonderen 
Festlichkeiten der Stadtbenutzt, nicht aber wie es hier sein soll, 
von allen Vereinen. Schwierigkeiten werden sich auch in 
der Praxis mit dem Restaurationsbetricb ergeben. Warum 
halte man sich so sehr an die Bürgermeisterwohnung? Diese 
würde einen schönen Saal für die Gemeindevertretung 
geben. Mil dem Saal, wie er beabsichtct ist, werde es 
nichts rechtes werden. Er seiganz dafür, daß ein großer Saal 
geschaffen werde, ein Saal in dem auch mal öffentliche 
Volksversammlungen stattfindeu können. Bürgermeister 
Walger bedauert, das nicht schon längst stenographische 
Berichterstattung eingeführt ist, er würde dann nachweisen 
können, daß er schon damals einen besonderen Saal beantragt 
habe, aber die Herren haben es nicht gewollt. (G.-V. 
Berger: Ich bin auch dafür gewesen, ich bin aber hinaus 
gegangen weil ich den Kuddelmuddel nicht mehr mit ansehen 
konnte.) Bürgermeister Walger beantragt, sich mit der Aus 
führung eines größeren Saales einverstanden zu erklären 
und dem Baurat auszugeben, mit bestimmten Vorschlägen 
im Januar zu kommen. Dieser Antrag wird fast ein 
stimmig angenommen. 
Rach Vorlesung und Genehmigung des Prolotolls wird 
darauf die öffentliche Sitzung gegen 9 Uhr geschlossen. Es 
folgt eine geheime Sitzung, 
Lokales 
(Nachdruck unserer o-Originalartikel nur mit Quellenangabe gestattet.) 
v Goldener Sonntag! Nur noch wenige Tage trennen 
uns vom Weihnachtsfest, das namentlich von den hoffnungs 
vollen frohen Kinderherzen sehnlichst erwartet wird. Un 
zählige geschäftige Hände schaffen jetzt an den Vorbereitungen. 
Die Schaufenster in den Straßen unseres Oites zeigen die 
alleischönsten Dinge, und manche Weihnachtsausstellung, die 
in erstaunlich geschmackvoller Art aufgebaut ist, legt Zeugnis 
ab von den Bemühungen unserer Geschäftswelt, dem 
Publikum nur das Beste vorzuführen — möge der Erfolg 
nicht ausbleiben. Mit dem Besorgen der Weihnachtsein 
käufe wartet aber ein großer Teil des Publikums gewöhnlich 
bis zUm allerletzten Tage. Bis dahin hat man sich alles 
bloß angesehen und ist an den Schaufenstern vorüberge- 
gMtgen mit der Ueberzeugung, daß zum Kaufen ja noch in 
den letzten Tagen vor dem Feste Zeit sei. Von dem 
Publikum ist dies jedoch nicht praktisch und für den Ge 
schäftsmann keine-wegtz angenehin. Dieser möchte dem 
Käufer doch eine möglichst große Auswahl seiner Waren zur 
Verfügung stellen, kommt dieser aber erst in den letzten 
Tagen, so wird er vielfach das nicht mehr finden, was er 
vielleicht kurz vorher gesehen und in sein Herz geschlossen 
hatte. Jeder Käufer wünscht auch eine aufmerksame Be 
dienung, steht aber der Laden voll Menschen, so kann man 
nicht mehr in der Weise bedient werden, wie man es zu 
anderen Zeiten. gewöhnt ist. Rechtzeitig zu kaufen liegt 
daher sowohl im Interesse deS Käufers als auch des Gc- 
schästsmannes. 
o Die ortsüblichen Tageköhue sind vom Königlicheu 
Obeiversicherungsamt Groß-Berlin für Friedenau wie folgt 
festgesetzt: Für männliche Arbeiter über 21 Jahre 4 M., 
gehörte nicht zn dieser schwächlichen Art. Wohl war es 
auch ihr für einen Moment gewesen, als wolle der Schlag 
ihres Herzens stocken, und sie hatte jo etwas wie einen 
Schwmdeianjall verspürt. Aber das war schon wieder 
vorüber. Mir voller Klarheit sah sie den W.g vor sich, 
den sie zu gehen hatte, und nicht eine Sekunde lang war 
sie darüber im ungewisse», daß sie ihn gehen wurve —- 
obne jede Rücksicht uns andere Und ohne alle Furcht vor 
den mög.icheN Folgen. 
„W.jscn Sie, wann der nächste Zng nach Frankreich 
fährt?" fragte sie. 
„Nicht vor heute abend," lautete- die Erwiderung. „Es 
müßte denn ssin, daß Man bcn benutzen will, der schon 
in' zmÄrkzig Minuten uo:n Hauptbahnhof abfährt. Aber 
es ward nur gerade eben noch Zeit genug, ihn zu et- 
reichen."' . 4 
■ /silnd utefin lch ihn bcstw'tzen wollte, wurden Siö mich 
befll.it oi?" 
Ein Ausdruck der freudigsten Ueberrafchung kam in 
Hasenkamps ehrliches Eegcht. Aber er schien doch noch 
im Zweifel darüber, ob er ihre Worte ganz ernsthaft zu 
nehmen habe. 
„Meinen Sie das wirklich so. Miß Pcndlcton ?" fragte 
er: „Sie hätten die Absicht, zu ihm zufahren? Und gleich 
hier vom Fleck weg? Ohne irgendeinem Menschen etwas 
davon zu sagen?" 
„Io. Und^ wenn ich fliegen könnte, so würde ich zu 
ihm stiegen. SaLien «Sie nutjt selbst, daß er um meinet- 
vgn- 16—21 Jahren 3 M.. unter 16 Jahren 1,80; für 
weibliche Personen über' 21 Jahre 2,50, von 16-21 
Jahren 2,30 M., unter 16 Jav.^n 1,30 M. Diese Fest ' 
setziing tritt mit dem 1 Januar 1014 in Kraft. 
o Vereinheitlichung der Anschlußbedingungen für 
Elektrizitätswerke. Nach längeren Verhandlungen ist es 
den Aeltesten der Kaufmannschaft von Berlin gelungen, ein 
heitliche Anschlußbedinqungen für alle Elektrizitätswerke 
Groß-Berlins zu vereinbaren, soweit die verschiedenen Strom 
arten dies gestatten. Bisher hatten die der Stromver 
sorgung Groß-Berlins dienenden einzelnen Werke stark ab 
weichende technische Vorschriften für die Herstellung 
elektrischer Anschlüsse und Installationen. Ueber die Asts 
führung der Schalttafeln und Sicherungen, über die Ver 
legung der Leitungen und sonstiger für die Ausführung der 
Installationen wichtiger Anordnungen herrschten in benach 
barten, aber von verschiedenen Elektrizitätswerken versorgten 
Konsumgebieten weit auseinandergehende Bestimmungen. 
Diese Differenzen waren besonders für die Installationen 
von Nachteil und führten u. a. dazu, daß die Kosten einer 
Hckukittstallation oder einer 'gewerblichen Anlage in ver 
schiedenen Versorgungsgebieten oft erhebliche Unterschiede 
auswiesen. Die jetzt zustandegekommenen vereinheitlichten 
Vorschriften werden, falls die Gemeindekörperschaften der im 
Komlnunatbesitz befindlichen Werke noch rechtzeitig ihre Zu 
stimmung erteilen, voraussichtlich Ansang des nächsten 
Jahres in Kraft trelen 
o Dank und Glückwünsche dev Oberbürgermeisters 
Schnackenburg. Auf die Grüße und Drucksachen, die der 
Haus- und Grundbesitzer - Verein aus Anlaß seines 
Jubiläums unserem früheren Ortsoberhaupte, Oberbürgermeister 
Schnackenburg - Altona übersandte, hat dieser folgendes 
erwidert: 
Für die llebersenlmng der Grüße und Drucksachen von der 
Feier des Vereinsjubiläums spreche ich meinen herzlichsten Dank 
aus. Das freundliche Gedenken hat mich aufrichtig ersteut und ich 
bcdaure nur, daß ich meine Glückwünsche nicht zum Jubiläumstaqe 
selbst übersenden konnte, da er mir nicht bekannt war. Ich hoffe, 
sie werden aber auch noch nachträglich entgegengenommen werden. 
Der Verein mußte in einem Gemeinwesen, besten ganze Existcnz- 
berechtignng, dessen Gedeih und Verderb auf der Entwicklung als 
Wohnstadt beruht, naturgemäß eine besondere, nicht leicht wo 
anders sich wiederholende Bedeu.ung haben. Er hat, wenigstens 
so lange ich die Freude halte, mit ihm zusammen zu arbeiten, die 
Klippe, diese Bedeutung in allzu einseitige Jntereffenvertretung um 
zusehen, stets glücklich umschifft. Ich habe in ihm auf allen 
Gebieten kommunalen Schaffens stets einen zuverlässigen Berater 
und treuen Mirarbeiler gefunden. Auch ich gedenke daher des 
Jubilars mit Dankbarkeit und freundlichster Gesinnung. Möchte 
er stets im alten Geiste weiter wirken zu Nutz und Frommen des 
Standes, den er vertritt, und meines lieben alten Friedenaus. 
Mit berzlichcn Grüßen an alle Bekannte ergebenst Schnackenburg, 
Oberbürgermeister. 
Bei dieser Gelegenheit möchten mir noch ermähnen, 
daß auch Herr Geh. Rechnungsrat Dannehl. ein Mit 
begründer des Haus- und Grundbesitzeroereins, für die 
ihm übersandte Jubiläumsmedaille ebenfalls ein Dank 
schreiben gesandt hat. 
o Für. die achtklassige Gemeindeschule hat sich die 
Berliner Lehrerschaft gestern erklärt. Der Vorstand des 
Berliner Lehrer Vereins faßte gestern Abend folgende Ent 
schließung: 
„Der Vorstand des Berliner Lehrervereins nimmt mit lebhaftem 
Befremden von einer Nachricht in der Tagespresse Kenntnis, wo 
nach aus das Eingreifen des Kultusministeriums hin in letzter 
Stunde e ne Abänderung des neuen Lehrplans für die Gemeinde- 
schulen Groß Berlins i der Richtung erfolgt ist da statt des 
beschlossenen achtkiassigen Schulsystems ein sie enklassiges mit auf 
gesetzter Obeiklasse zugrunde gelegt werden soll. Unter der Vor 
aussetzung, daß die Pressenotiz den Tatsachen entspricht, bedauert 
der Vorstand diesen Vorgang au das schmerzlichste. Die achtklassige 
Volksschule hat sich nach amtlichen Ausweisen und nach dem Urieile 
sachkundigster Männer durchaus bewävrt. Auch die Lehrplan- 
Kommission, in der praktische Schulmänner mit Vertretern staatlicher 
und kommunaler Schulbehörden zusammen arbeiteten hat sich auf 
dieses System geeinigt. Darum erwartet der Vorstand des Berliner 
Lehrervercins, daß es den vereinigten Bemühungen der Bürger 
und der Lehrerschaft gelingt, die achtklassige Gemeindeschule zu 
erhalten." 
o Für Professor Schmidt fand gestern in der Kapelle 
auf unserem Friedhofe die Trauerfeier statt. Mit den 
Familienangehörigen und dem Lehrerkollegium, nebst 
Schülerobordnungen des Leipnitz-Gymnasiums, an dem der 
Entschlafene fast 30 Jahre gewirkt hat, versammelten sich 
die Vorstände und zahlreichen Mitglieder der Großberliuer 
Zweigvereine und des Brandenburgischen Hauploereins des 
Evangelischen Bundes, sowie die Vertreter unserer Ge 
meindeverwaltung und des Kuratoriums für die höheren 
Schulen um den Sarg Ein Quartett leitete die Feier ein. 
Ein Schwager des Verstorbenen, Pastor Schmieder aus 
Schlawe hielt die Trauerrede. Echeimrat Prof. Scholz 
schilderte in herzlichen Worten das Wirken Schmidts im 
öffentlichen Leben und im Dienste des Evangelischen Bundes. 
Danach wurde der Sarg zuin Grabe getragen. 
weshalb er nach Frankfurt zurückgekehrt war. Aber er 
machte sich darum weiter keine Sorge. 
„Das ist das wichtigste nicht," meinte er. „Das wichtigste 
ist/ daß wir meinem Herrn das Leben retten. Ob seine 
Angehörigen es ein paar Stunden früher oder später 
erfahre», ist ganz gleichgültig. Jetzt bin ich in Ihrem 
Dienst, Miß Penbleton. Sie si.,d da gro .artigste Mädchen, 
das ich je gesehen habe. Und . in Sch rke, wer n-cht 
alles fnrSke täte, was er überhaupt tun kann." 
willen beinahe getötet worden ist? Wo also könnte jetzt 
noch mein Platz sein als an seiner Seite?" 
„Hurra — dann ist alles gewonnen." rief Hasenkamp 
beglückt. „Einen besseren Arzt könnte ich ihm nicht bringen 
und wenn ich alle Heidelberger Professoren nach Emms 
schleppte. Aber wenn cs Ihnen Ernst ifc dann dürfen 
wir keine halbe Minutö mehr verliefen. Ich steine zu dem 
Kutscher auf den Vock," 
„Nein, setzen Sie sich zu mir in den Wagen; denn Sie 
muffen mir alles erzählen — alles, bis in die kleinsten 
Einzelheiten." 
Er gestorchte ohne Widerrede, nachdem er dem Kutscher 
den Hauptbahnhof als Ziel der Fahrt bezeichnet und ihm 
die höchste Eile anempfohlen halte. Est ah» er schon den 
Wagenjchlag hinter sich zugeworfen hatte, siel ihm ei», 
(Schluß folgt.) 
o Freie Hochschule Berlin. Daß neue Programm 
für das Winterquartal ist soeben erschienen. In seinen 125 
Vortragsreihen enthält es wiedennn eine Fülle allgemein 
verständlicher, alle Gebiete in Knust und Wissenschaft um 
fassende Voiiräge. Neben allgemein anregenden und be 
lebenden Vortragsreihen habe» auch besonders solche Auf 
nahme gesunden, die auch von praktischem Nutzen sind. 
Wie bisher, finden die Kurse, uni allen Kreisen der Bürger 
schaft Groß Berlins die Teilnahme zu ermöglichen, zurzeit 
in den Abendstunden von 7 bis 10 Uhr statt und sind 
jedermann zugänglich. Alles Nähere ist aus dem Programm 
zu ersehen, das in allen Bibliotheken, Lesehallen und bei 
Loeser & Wolfs kostenlos ' ausgegeben wird. — Die Vor 
lesungen beginnest am 12. Januar und folgende Tage. 
o Von der Heilsarmee sind am 22. und 23. De 
zember verschiedene Weihnachtsfeiern zur Verteilung der 
Weihnachtskörbe an arme Familien vorgesehen. In Schöne- 
berg ist diese Feier am 23. Dezember, 0 l/ 2 Uhr Nachm., 
Moiiumentenstr. 38. Am 22. Dezember, Abends 9 Uhr 
findet Oranienstr. 5l die Feier für die kleinen Zeitungs 
verkäufer statt. 
o Der Friedenauer Männer-Gefangvcr.in 187.) 
veranstaltet seine Weihnachtsfeier am Moatdg, dem 29. 
Dezember, im Saal der Schloßbrauerei Schöneberg. 
o Die 1. Knaben-Abteilung des Männer-Turn- 
vereins feiert das Weihnachlsfest am Sonntag Nachmittag 
in der Turnhalle des Gymnasiums am Maybachplatz (Ein 
gang. Handjerystraße). Die Angehörigen der Turnschüler, 
sowie die Mitglieder der einzelnen Abteilungen sind freund 
lichst eingeladen. Beginn pünktlich 4 Uhr; der Eintritt 
ist frei! 
o Das U.-T. in Schöueberg, Hauptstraße 49, wechselte 
gestern das Programm. Von den neuen Darbietungen ist 
wohl an erster Stelle das reizende Lustspiel „Das rosa Pan- 
töffeichen" zu erwähnen. Eine überaus lustige Handlung 
spielt sich vor den Augen der dadurch aufs beste vergnügten 
Zuschauer ab. Lo, die kleine fröhliche Komtesse, kann sich 
nicht in den Zwang ihres Standes fügen, viel lieber tollt 
sie mit dem Gesinde, mit Dienern und Mägden herum. 
Da wird sie zum Hofball geladen und die erschreckten Eltern 
versuchen nun schnell, ihr mit der strengen Etiquette bekannt 
zu machen. Aber das enge Kleid und die drückenden 
Siiefelchen behagen ihr garnicht. Der Hofmarschall muß 
ihr das rosa-seidene Panlöffelchen ausziehen. Da tritt der 
Fürst ein. Lo stiehl, wird aber vom Fürsten eingeholt. 
Dieser, ebenfalls srob, der steifen Hofgesellschaft entronnen 
zu sein, unterhält sich aufs beste mit dem fröhlichen Natur- 
kinde und es dauert garnicht lange, so haben sie sich. Die 
Hofgesellschaft ist entsetzt. Aber was hilfl's. der Fürst und 
Lo werden ein glückliches Paar. Das Publikum wird durch 
die fröhlichen Szenen in die heiterste Laune versetzt. Aber 
außer diesem Schlager enthält das Programm noch andere 
prächtige Bilder. „Ein leutseliges Waisenkind", ist ein 
herziges Drama. Bretannische Landschasten zeigt uns eine 
herrliche Naturaufnahme. Zum „Trudeln" ist die Komödie 
„Die mißtrauische Gattin" und in einer zeitgemäßen Komödie 
erleben wir die Trauung auf dem Flugzeug. In einer 
hübschen Naturstudie lernen wir die egyptische Springmaus 
kennen. Die U.-T.-Woche bringt ivieder das Neueste aus 
aller Welt. Ein vollständiges Orchester sorgt dafür, daß 
auch die Ohren genießen. In den vornehmen behaglichen 
Räumen fühlt sich jeder wohl Darum können wir dieses 
weltstädtische Kino unseren Mitbürgern aufs beste zum Be 
such empfehlen. 
o Sparverein „Solide". Der Vorsitzende des Spar 
vereins „Solide", Herr Anton Perl, bittet uns um Ver 
öffentlichung folgender Zeilen: „Altz Vorsitzender des Spar 
vereins „Solide" erkläre ich im Namen sämtlicher Dereins- 
miiglieder, daß das Spargeld des Vereins nicht unter 
schlagen oder veruntreut war und daß die Spareinlagen an 
sämtliche Mitglieder in voller Höhe ausgezahlt wurden und 
zwar nicht durch Deckung von verwandter Seile. Der 
Kassierer Herr Kohn bleibt nach wie vor Mitglied des 
Vereins und die bisherigen Artikel beruhen wohl auf 
Unkenntnis der Sachlage." 
v Folgenschwerer Gerüsteinsturz bei einem Schnl- 
bau. An der Ecke der Pallas- und Elßholzstraße wird 
zurzeit an dem Npubau der Köuigin-Augusta-Schule ge 
arbeitet. Heule Nachmittag waren die Dachdecker Josef 
Behr aus der Pallisadcnstr. 17 auf einem kleinen, oberhalb 
einer Fensteröffnung angebrachten Außengerüst, das sich etwa 
15 Meter über der Erde beiand, damit beschäftigt, die 
Außenwand mit Schiefer zu bekleiden. Plötzlich gab das 
Gerüst nach und stürzle rnit den beiden Arbeitern in die 
Tiefe. Sowohl Behr als auch Finner hatten so schwere 
innere und äußere Verletzungen davongetragen, daß sie 
sterbend nach dem Hedwigskrankenhaus geschafft werden 
mußten. Tie Untersuchung über die Ursache des Einsturzes 
ist sofort eingeleitet worden. 
o Mordversuch. Der 18jährige Gustav Wiedersich 
versuchte gestern abend seine Geliebte, die 2s jährige Fabrik 
arbeiterin Minna Gläser an der Ecke Gnstao-Miiller-Torganer- 
Slraße in Schöueberg mit einem langen Dolchmesser zu er 
stechen. Das Mädchen wurde lebensgefährlich verletzt. 
Wiedersich, der die Flacht ergriff, wurde von Passanten 
eingeholt und der Polizei übergeben. 
Verems-!2Lthrickren 
Am Montag tagen: 
Fricdenaucr Gesangverein für gern. Ehör. llrkilw'gKsti'.nden: 
'stgHe- *11 Uhr im HsymzüllUrtt. HandjerchfiL 64. Llrignitl Musik 
direktor Heinrich Wentrcis» 
Auskunftö- »nd Fürsotzgestelle (Kaiserälle'e 66), 
für Tuberkulöse: Acrztlichc Sprechstunden für Männer jeden Dienstag 
von 18 t, für Frauen und Kinder st-tcn Mittwoch von 12 I Uhc, 
für Atkoholkraukr: Aerztt.Sprech;n..,>.>e ,vien Freitag von 12- 1 Uhr. 
Schöneberg 
—o Der „Halts- und Grnndbesjtzerverein zu Beiiii- 
Schöneberg" hielt am Donneismg Abends seine Dezemder- 
Bersammlüng ab. Wegen der so wieinigen und lehrr ichen 
.Tagesordnung war der San! schon lange vor der Eröffnung 
besetzt.
        
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