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Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

Er habe darauf geantwortet, daß das nicht ginge, weil in den 
rstcn drei Jahren die Angestellten sehr oft wechseln. In 
letzterer Stunde ist noch ein weiterer Antrag von den 
Beamten eingegangen, der darin- gipfelt, daß diejenigen 
Angestellten, die schon mehrere Jahre hier beschäftigt sind, 
nach dem Angestelltenversicherungsgesetz erst nach 10 Jahren 
pensionsberechtigt werden, während die Arbeiter der 
Gemeinde beispielsweise sofort versorgt wären. In dieser 
Beziehung ständen die Angestellten schlechter da als die 
Arbeiter. Er habe sich diese Frage auch schon überlegt, sei 
aber noch zu keinem Vorschlage gekommen. Vielleicht kann 
einer der „bevorzugten" Herren, die 'gleichfalls die 
Anträge der Gemeindebeamten erhalten haben, schon Vor 
schläge machen. G.-V. Ott bemerkt zunächst, daß er sich 
nicht zir den „Bevorzugten" rechne. Die angeschnittene 
Frage sei im allgemeinen berechtigt. Er möchte vor 
schlagen, daß, wenn vor Ablauf der zehnjährigen Warle 
frist bei den Betrefscnden Verhältnisse eintreten, die eine 
Pensionszahlung erwünscht erscheinen lassen, dann ihnen die 
Pension als Beamter zustehen soll nach der betr. Jahres 
stufe Nach 10 Jahren aber tritt dann die Angestelllen- 
versicherung für sie ein. Bürgermeister Walger fragt, ob 
er diesen Vorschlag unabhängig von der jetzigen Regelung 
der Beitragsleistuug usw. mache, was G.-V. Olt bejaht. Er 
meinte auch, daß diese Angelegenheit noch vertagt werden 
könne. Damit ist auch ^die Gemeindevertretung einver 
standen. Sie erwartet darüber noch eine besondere Vorlage. 
Die voin Gemeindevorstaud unterbreiteten Anträge werden 
dann zuni Beschluß erhoben. Die noch vorgenommenen 
Abänderungen in den Anträgen (vergl. Nr. 295 des 
Friedenauer Lok.-Anz.) sind folgende: Bei Id wird gesetzt: 
Der Rechlsiveg über die Frage, ob ein wichtiger Grund zur 
Kündigung vorgelegen hat, ist ausgeschlossen. Bei 1e wird 
der letzte Satz von „sofern er an dem Tage" bis „haben 
würde" gestrichen. Bei II wird zugesetzt: Die erforder 
lichen Mittel werden als Verstärkung der Ziffer 17 d des 
Voranschlages I bewilligt. Bei III wird eingefügt hinter: 
„Leistungen aus dem Angestellten": „und dem Jnvaliden- 
Versicherungsgesetz". "VI erhält folgende Fassung: In Aus 
führung der Ziffer I und 3 hat die Bewilligung upu Ruhe- 
geld, Witwen- und Waisenrente nach Maßgabe der Vor 
schriften des Octsstaiuts vom 22. Februar 1910 betr. 
die Gewährung von Ruhegehalt au die Gemeindebcamten 
zu erfolgen. 
Das Reisekosten-Ortsstatuts wird ohne Erörterung in 
1. und gleich darauf in 2. Lesung nach den Vorschlägen 
des Vorstandes genehmigt. 
Ebenso bewilligte die Vertretung 6100 M. zur Be 
schaffung der erforderlichen Einrichtungsstücke für die durch 
Umbau im hiesigen Gymnasium hergestellten Räume. Die 
Frage des G.-V. Ott, wieso hierbei Bauleitungskosten ent 
stehen, wird vom Gemeindebaurat Alt mann dahin beant 
wortet, daß durch die Ausschreibungen und Herstellung von 
Zeichnungen doch Kosten entstehen. 
Zur Verstärkung der bereits für die Entwässerungs 
anlage auf dem Gütergotzer Friedhof bewilligten Summe 
von 5500 M. werden 1755 M. bewilligt. 
Gleichialls wird die 3. Rate für den Bau der 
3. Gemeindeschule um-200 000 M. verstärkt. 
Schöffe Wossidlo berichtet nun über die Verlegung 
des zweiten Marktes an der Rheingaustraße. Der Markt 
habe sich dort schlecht entwickelt, sodaß man von einem 
Markt nicht mehr reden könne. Man will nun den Versuch 
machen, ob sich der Markt besser rentiert, wenn er an die 
Wiesbadener Straße gelegt wird. Daß den Hausfrauen im 
Westen Gelegenheit gegeben weiden muß, dort gut 
einzulaufen, müsse wohl jeder zugeben. Bemerken möchte 
er, daß von zwei Hausbesitzern dieser Gegend schon 
Proteste eingegangen sind. Außerdem hat Herr Marx 
Herne den Herrn Bürgermeister aufgesucht und ange 
boten, 20 00w M. Pacht zu zahlen für einen Markt an 
der Wiesbadei er Straße, wenn gleichzeitig der Markt am 
Laurerplatz aufgehoben werde. Bürgermerster Walger be 
merkt, daß der Vorschlag des Herrn Marx anfänglich als 
nicht erwägenswert erscheinen müsse, sodaß man ihn glatt 
ablehnen sollte. Aber so ganz „ohne" ist die Sache doch 
nicht. Herr Marx ist in vielen Gemeinden Pächter von 
Märkten und har. zahlreiche Händler an der Hand, die seine 
Märkte bez'ehen. Herr Marx würde also unbedingt Leben 
in den Markt bringen. Eine Möglichkeit, den großen Markt 
an der Lauterstraße aufzuheben, ist jedoch nicht gegeben. 
Er stehe dafür, daß dieser Markt so lange wie möglich er 
halten werden müsse. Das Rathaus störe den Markt ab 
solut nicht und ebenso wenig störe der Markt das Rathaus. 
Ob der Markt vielleicht mal aus Verkehrsrücksichlen durch 
die Verfügung einer höheren Instanz beseitigt werde, ver 
möge er natürlich nicht zu sagen. Aber mir wollen ihn 
halten, so lange wir es können und garnicht erst in die Er 
wägung über eine Verlegung eintreten. Jedoch ist die 
Frage, ob wir den zweiten Markt selbst weiter betreiben 
vier ob wir ihn verpachten, schon der Erwägung wert 
Dünnt könne sich dann der Marktausschuß befassen G-V. 
Wermke führt aus, daß ihm die Vorlage sehr unsym 
pathisch wäre. Es-freue ihn, daß der Vorstand jetzt-in der 
Vorlage mal anerkenne, daß die Kochgelegenheit durch den 
Markt nur aus gewinnsüchtigen Absichten geschaffen worden 
sei. Es heißt, daß im Mar 400 M. an Standgeld einge- 
komnien sei. Das stimmt doch nicht, 'man habe doch den 
Händlern anfänglich das Standgeld erlassen. Er - sei da 
gegen, daß mau mit diesem totgeborenen Kind herumziehe 
und die schönen Anlagen in der Wiesbadener Straße da 
durch beseitige. Die Wiesbadener Straße ist eine ruhige 
Promenadenstraße und- die wollen wir erhalten. Kauf 
gelegenheit ist genügend in Friedenau vorhanden. Durch 
den Markt werden die Hausbesitzer geschädigt, sie können 
die Lüden nicht vermieten und auch die Wohnungen werden 
leer, da sich die Mieter die Störungen nicht gefallen lassen. 
Er wisse aus «Erfahrung, welch Radau mit dem Markt ver 
bunden sei. Von früh morgens gehe das los, durch das 
Anfahren und Abladen der Markthändler. Auf die paar 
100 Dl. Einnahme an Standgeld möge man verzichten, 
den Markt nicht verlegen, sondern aufheben. G.-V. Huhn 
ist. guch gdgen die Verlegung; ruan uchge 'den Markt vor 
läufig schließen und ihn vielleicht später einmal wieder auf- 
niachen, wenn diese Gegend mehr bewohnt sein werde. 
Augenblicklich fehlt dort das Bedürfnis für einen Markt. 
G.-V. Tänzler erklärt, er habe s. Zt. schon das Bedürfnis 
für einen ziveiten Markt bezweifelt und stehe heule auf dem 
gleichen Standpunkt. Er lehne daher die Vorlage ab. 
G.-V. Berger meint, cs werde immer gesagt, die Gemeinde 
müsse dafür sorgen, daß das Publikum Kaufgelegenheit 
habe. Hier zeigt es sich jetzt, daß der Markt mehr aus 
Gewinnsucht, als aus andern Gründen geschaffen wurde. 
Es werde ja auch viel Geld gebraucht, denn hier fliegen 
die Tausende ja man so herum. ; Er habe schon von vorn - 
herein gesagt, daß kein Bedürfnis für diesen Markt vorhanden 
sei; nun sei der Gemeindevorstand einmal ad absurdum geführt 
worden. Was er vorausgesagt habe, das Fiasko sei eingetroffen. 
Nun wolle man den Markt nach der Wiesbadener Straße 
verlegen. Aber auch dort werde sich herausstellen, daß für 
einerr Markt- dort kein Bedürfnis vorhanden sei. -Eigentlich 
sollte man garnicht dagegen reden, sondern dem Vorstand 
einfach gewähren lassen. Es werde dann wieder Geld 
herausgeschmissen für eine ganz überflüssige Sache. 
Die Leute haben hier so viel Kaufgelegenheit auf den 
Märkten. Jeden Tag sei ja hier Markt, an einigen Tagen 
sogar zweimal. Er wisse auch nicht, ob sich die Hausbesitzer 
es gefallen lassen müssen, daß auf dem Bürgersteig vor ihren 
Häusern die Buden errichtet werden. Es werde von den 
Herren hier so gemacht, wie es. ihnen in den Kram paßt, 
einmal müsse man die Hausbesitzer schützen, ern andermal 
frage man nicht nach ihnen. Es sei der Markt hier sozu 
sagen eine Manie. In Friedenau werde von oben herab 
der ansässige Gewerbestand nicht gehoben, sondern, wo es nur 
möglich sei, heruntergedrückt. Schöffe Wossidlo erkennt 
die Sachkenntnis der Vorredner an, aber ein noch größerer 
Sachkenner sei wohl Herr Marx, der 20 000 M. zahlen 
wolle. (Zuruf: Ja, wenn der Markt am Lauterplatz auf 
gelöst wird) Bürgermeister Walger erklärt auf die letzten 
Ausführungen des Herrn Berger, er möchte doch einmal ins 
Gedächtnis zurückrufen, daß der Markt von den Hausbesitzern 
und den Mietern jener Gegend gewünscht wurde. (Zuruf: 
Das stimmt nicht) Und weil auf Wilmersdorfer Gebiet 
ein Markt errichtet werden sollte, da sagte sich der Vorstand 
allerdings, das Geld könne mau auch selbst verdienen. 
G.-V. Wermke kommt auf das Schreiben zu sprechen, das 
vom Landrat dem Verein der Nahrungsmittelhäm ler zu 
gestellt wurde. Dieses Schreiben enthalte derart unrichtige 
Ausführungen, die nicht genug verurteilt werden können. 
Es heißt da, daß die Gewerbetreibenden nur 5-6 Mark 
Gewerbesteuer zahlen, ganz unberücksichtigt läßt man aber, 
daß die Gewerbetreibenden doch auch Betriebs-, Einkommen- 
und Ergänzungssteuer zahlen. Das Standgeld der Händler 
könne doch nur als Miete betrachtet werden, da der Markt 
auf einem Grundstück der Gemeinde stattfinde und der Grund 
und Boden demnach auch zu berechnen sei. Danü heißt es 
in dem Schreiben noch, daß die Gewerbetreibenden hier 
alle Vorteile genießen und teil haben an Schulen und 
Armenverwaltung. Das sei doch eine ungeheure Herab 
würdigung des Gewerbestandes. Er möchte mal fragen, 
ob hier ein einziger Gewerbetreibender der Armenverwaltung 
zur Last falle? (Diese Frage wird nicht beantwortet. Schristl.) 
G.-V. Hanstein betont, daß Herr Lichtheim s. Z. den Markt 
uur deshalb einrichtete, um dem Privalmarkt an der Born 
straße Konkurenz zu machen (Zurufe: Sehr richtig). In 
diesem Konknrenzkampf sei man unterlegen, damit möge man 
sich bescheiden und den Dkarkt eingehen lassen. G -V. Berger 
kommt auch noch auf das Anlwortschrniben des Landrals 
an den Nahrungsmiltelhändlerverein zu sprechen, das er 
scharf kritisiert. Er ermähnt dann noch, daß er kürzlich 
einer Sitzung der Potsdamer Handelskammer bei 
wohnte, die sich mit der Marktfrage im Allgemeinen be 
schäftigte. Es sei beabsichtigt, alle Handelskammern Deutsch 
lands gegen die Auswüchse aus diesem Gebiete zu ver 
einen. Mit Entrüstung wurde in dieser Sitzung auch 
Kenntnis genommen, daß Friedenau die einzige Gemeinde 
sei, die einen Privalmarkt eingerichtet habe. — Der Antrag 
des Gemeinde-Vorstandes, den 2. Markt von der Rheingau- 
nach der Wiesbadenerstraße zu verlegen, wird darauf mit 
14 gegen 10 Stimmen abgelehnt. Schöffe Wossidlo 
meint, daß er aus dieser Abstimmung wohl annehmen dürfe, 
daß der Markt eingehen soll. (Zuruf: Nein, es bleibt beim 
Alten; andere Zurufe: Wenn keiner mehr kommt, gehl er 
. eben ein). 
Nach einem kurzen Bericht des Schöffen Wossidlo 
wird beschlossen, den Gärtnern Winlerlleidung zu beschaffen. 
G.-V. Haustein fragt bei dieser Gelegenheit an, von wo 
di Gemeinde die Kleidung für ihre Arbeiter besorgt. Sä ö e 
Draeger erwidert, daß die vereinigten Friedenauer Schneibe:- 
meister die Kleidung liefern. 
Es folgt nun die Aussprache über die Vergrößerung 
des Sitzungssaales im Neubau des Rathauses. Darüber 
berichten wir in nächster Nummer. (Schluß folgt) 
Lokals 
(Nachdruck unserer o-Origriralartrkel nur mit Quellenangabe gestattet.) 
ö Teltowcr Kreistag. Die Mitglieder des Teilowcr 
Kreistages, waren gestern unter dem Vqrsitz des Landrats 
v. Achenbach zu einer Sitzung im Kreishause der Viktoria- 
straße in Berlin zusammengetreten. Nach Vornahme einer 
Wahl und nach Beschlußfassung über die Versicherung der 
Angestellten des Kreises Teltow wurde mitgeteilt, daß eine 
Besichtigung des fertiggestellten Kreiskrankenhauses in 
Köpenick ani 2. Januar n. Js. durch den Kr^stag erfolgen 
soll und daß mit der Stadt Wilmersdorf ein Vertrag wegen 
Belegung von 100 Belten im Kreiskraukenhause Lichterfelde 
gegen jährlich 161 000 M. Entschädigung bis 1920 abgc- 
schloffen sei. Das hauptsächlichste Interesse an den Beratungen 
nahmen die Berichte über die Abrechnungen der Kreiskvm- 
munalkaffe für 1912 und der Kreissparkaffe für das Ka 
lenderjahr 1912, sowie über die Voranschläge des Kreises 
für das Rechnungsjahr 19 l 4 für sich in Anspruch. Von 
Bedeutung ivar die Diitteilung über die Erhöhung der Kreis- 
steuer um 1 Proz. und der Kreisrealsteuern um 2 Proz. 
für das nächste Rechnungsjahr. Veranlaßt wird diese Er 
höhung durch besondere Mehrausgaben in dem neuen Etat 
bei den Schulden und Tilgungsraten, durch den Wegfall des 
Wilmersdorfer Zuschusses für 30 Krankenbetten und durch 
die beabsichtigte Anschaffung von Radium. Den Haupt 
grund der Stcuererhöhnng bildet jedoch die von der Pro 
vinz Brandenburg 1914 wiederum beabsichtigte Erhöhung 
der Provinzialabgaben um 1 Proz. aus 15 Proz. Diese 
Erhöhung von 128 000 M. ist in dem vorliegenden Etat 
noch nicht berücksichtigt, weil sie jetzt erst bekannt geworden 
ist. Schöffe Lange-Lichterfelde wies ferner auf die gegen 
wärtigen .wirtschaftlichen Verhältnisse und auf die außer 
ordentlichen Leistungen, die der Kreisverwaltung obliegen, 
hin, sodaß man den neuen Etat mit großer Vorsicht aufge 
stellt habe. Die steuerlichen Entwickelungsverhältnisse des 
Kreises seien im laufenden Jahre sehr ungünstig gewesen 
und besonders habe die Umsatzsteuer die Beträge nicht er 
geben, die man von ihr erwartet habe. Für 1914 werden 
nach dem angenommenen Stenersoll die Zuschüsse 3 951 097 
Mark bringen. Der Betrag beträgt aber 4 112 367 M. 
Die Versammlung folgte den Ausführungen mit großer Auf 
merksamkeit und genehmigte nach der Einzelberatnng in 
erster Lesung den Gesamtetat mit den erhöhtcn Steuersätzen 
von 25 '/ 2 Proz. Kreiseinkommensteuer aus 51 Proz. Zu 
schlag zu den Kreisrealsteriern. Der Erste Bürgermeister 
Dr. Langerhans-Köpenick berichtete über das wirischastliche 
Ergebnis des Srcuerjahres 1912/13. Die Vareinnahmen 
haben 6 978 000 M uitd die Ausgaben 5 588 000 M. be 
tragen. Ter Ueberschuß bei der Steueroerwaltung beläuft 
sich auf 1 390 000 M. Nach Abzug des Ueberschusses im 
Jahre 1911 in Höhe von 789 000 M. verbleibt ein Rein 
betrag von 601 000 Nt. Der Verkehr des Teltowkanals 
wies bis Ende Oktober 1913 einen Gesamtverkehr von 
1 049 688 Tonnen mit einer Einnahme von 397 370 M. 
ans, hiervon entfielen auf den Durchgangsverkehr 489 818 
Tonnen mit 107 861 M. Einnahme und im Ortsverkehr 
559 868 Tonnen mit 271 509 M. Einnahmen. Die 
Schulden des Kreises Teltow stellen sich zu Beginn des 
Rechnungsjahres 1914 auf insgesamt mit 73 051 702 M., 
wovon etwa 54 Millionen gemeinsam mit der Stadt- 
gemeinde Wilmersdorf getragen werden. Das Ncinver- 
mögen des Kreises ist von 2 078 000 M. um 600 000 Dt. 
aus 3 578 000 M. gestiegen. Die Berkehrsentwickelung der 
Krcisstraßenvahncn hat sich im Geschäftsjahr 1912 nur 
mäßig weiter entwickelt. 
o Die Kriegsveteranenbeihilfe unserer Gemeinde, 
die bekanntlich mit 400 M. in den Voranschlag eingestellt 
worden ist, ist jetzt an 27 hilfsbedürftige Krieger verteilt 
worden. Dem kranken Kriegsveteranen Eicke hat außerdem 
der Kreis Teltow eine Beihilfe von 100 M. gewährt. — 
Herr Kanzleirat Borck, Bornstr. 15. bittet uns ferner, allen, 
die ihm Winterkleidung für die Kriegsveteranen überbrachten, 
hierdurch öffentlich zu danken. Er ist gern bereit, weitere 
derartige Gaben anzunehmen. 
o Gisenbahnminister und Zweckverband. Ueber die 
Zuständigkeit des Verbandes Groß-Berlin bei der landes 
polizeilichen Prüfung von Kleinbahn-Entwürfen hat kürzlich 
der Minister der öffentlichen Arbeiten seine Auffassung dahin 
geäußert, daß der Verband, der als neuer, neben und zum 
Teil über den Gemeinden stehender Kommunalverband durch 
das Gesetz gebildet sei, seine gesetzlliche Aufgabe aus dem 
Verkehrsgebiet nicht erfüllen könne, wenn es ihm versagt 
wäre, Einwendungen gegen Kleinbahnpläne in dem Umfange 
zu erheben, in dem diese Pläne die Verkehrsinteressen des 
Verbandes Groß-Berlin berühren. — Die kleinbahngesetzlichen 
Aufsichtsbehörden werden hiernach in Zukunft zweckmäßig 
schon in den vorbereitenden Stadien bei allen das Jntereffe 
des Verbandes irgendwie berührenden Fragen und auch 
außerhalb eines förmlichen Feststell^nigsverfahrens Hand in 
Hand mit dem Verbände vorgehen und seine Wünsche be 
rücksichtigen. 
o Stellungslose Arbeiter finden Beschäftigung beim 
Neubau des Ratyauses. Sie können sich melden auf dem 
Neubaugrnndstück an der Lauterstraße Ecke Niedstraße. In 
erster Linie werden Friedenauer Arbeiter berücksichtigt. 
o Das Luftschiff „Hansa", stationiert im Lufischifshafen 
bei Potsdam, ist in die Winterruhe eingetreten. Nach einer 
Fahrperiode von siebzehn Monaten hat der stolze Luftsegler 
verschiedene Reparaturen nötig, so daß die Fahrten bis zuin 
Frühjahr eingestellt sind resp. nur in ganz geringem Um 
fange stattfinden werden. Auch für deit Potsdamer Luftschiff- 
hafen ist die Wiplerruhe angeordnet ivorden. Gestern wurde 
er geschlossen und wird für das Publikum erst wieder zu 
Beginn des Frühjahres geöffnet. 
v Die Akademische Musik-Schule zu Berlin-Friedenau, 
Rheinstr. 24, (Direktion Joh. Scheurich) veranstaltete am 
Millwoch, dem 17. Dezember im Fcsisuale des Reform-Real 
gymnasiums eine Weihnach:saussührung, die erwähnt zu 
werden verdient. - Den zahlreichen Zuhörern wurden diesmal 
besonders hervorragende Leistungen dieses Konservatoriums 
geboten. Bereits der 1. Teil der Bortragstolg^ brachte zwei 
gute Vorträge. 1. Zwei Lieder ohne Worte für Klavier, 
6 hdg. von Mendelssohn, von 3 Schülerinnen sehr ausdrucksvoll 
gespielt. 2. Ein Mazurka Des dnr von Spindler auswendig 
mir sicheren, dynamischen Anschlag von Hilde Schnuchel vor 
getragen. 3. Die Lohcngriu Fan tasie für Violine (Else Kruse) 
gelang, den Anforderungen des Stückes entsprechend, sehr 
gut durch reines, klangvolles Spiel mit schöner Bogenführuug. 
Der 2. Teil begann mit der Jubel Ouvertüre von Weber 
für Klavier zu 4 Händen gespielt von den Herren Schadenberg 
die bereits von früheren Anfiührnngcn her als gut vorbereitete 
takt- und technischsichereSpielerbekanntsind. EinkleincrSchülec 
Schmiedecke geigte dasKvnzert-chinoll vonSeitz 3Sätze, frei aus 
dem Gedächtnis, und erfrente durch diese lobenswerte Leistung. 
Der Solist R. Knaak steigerte wiederum dieselbe durch den 
Vortrag des 7. Konzerts von Rode und legte ein anerkennens- 
iverles Zeugnis für die Bivliuiiune ab, dcSgl. Herr E. Richter. 
Einen vortrefflichen Flötisten lernte man in Herrn W. Sebald 
kennen, der ein Konzert von Dermerßan vollendet zu Gehör 
brachte. Frl. E. Lange bewies im Notturno von Chopin 
pianistische Begabung bei unter Schulung. Den Schluß des 
Konzerts bildete die Weihnachlssinfonie (41 Teilnehmer), die 
nur etwas reichlich spät erklang, jedoch einen vortrefflichen 
Eindruck hinterließ. Wurde den Vortrügen seitens der Be-
        
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