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Periodical volume Nr. 297, 18.12.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

kultureller Einfluß auf weiteste Kreise des Volkes ausgeübt 
werden, sondern auch die -vermehrte Herstellung guter Filme 
bedingt sein. 
o Zu seiner Weihnachtsfeier am Sonnabend, dem 
20. Dezember. Nachmittags 5 Uhr ladet Herr Direktor 
Plaß vom Erziehungsheim am Urban in Zehlendorf die 
Mitglieder des Friedenauer Parochialvereins ein. Wer mal 
wieder eine fröhliche Kinderschar unterm Tannenbaum 
sehen und sich mit der Jugend freuen möchte, ist herzlich 
willkommen. 
o Das F-ilm-ralna eines Friedenauer Arztes, des, 
Herrn Dr. Mldff., ivird von morgen ab in den „Hohen- 
zollernlichtspielen", Handjerystr. 64, vorgeführt. 'DasDrama, 
aus dem holländischen Fischerleben, betitelt sich „Auf ein 
samer Insel". Sytja, die junge Fischertochter, liebt den 
armen Dirk und lehnt darum den'Antrag des reichen Pieter 
ab. Pieter rächt sich, indem er, als Dirk in der Kajüte schläft, 
sämtliches Segelzeug des Fischerbotes zerstört, über Bord 
springt und sich durch Schwimmen ans Ufer rettet. Dirk 
wird hinausgetriebeu aufs offene Meer, landet an einer ein 
samen Insel, wird in höchster Gefahr von einem Schiffe 
gerettet,'kommt nach Amerika und wird ein angesehener 
Mann. Als er in die Heimat zurückkommt, ist Sytja mit 
Pieter verheiratet, da man ihr glauben machte, das; Dirk 
tot sei. Aus Gewissensbissen ist Pieter zum Trinker ge 
worden, er setzt im Trünke sein Boot in Flammen und 
wäre verbrannt, wenn ihn nicht Dirk gerettet hätte. Er 
befreit Sytja von der ihr aufgezwungenen Ehe und Dirk 
und Sytja werden noch ein glückliches Paar. Außer diesem 
fesselnden. Drama unseres Mitbürgers führen die Hohen- 
zollernlichtspicle von morgen ab noch das ■ eine packende 
Handlung enthaltende Drama „Liebe kennt kein Gebot" auf. 
Ein Lustspiel siihrt den Titel „Der entführte Liebhaber", in 
2 Akten. Hierzu das übrige große Programm, geschmack 
voll zusammengestellt. — Ain Sonnabend Nachmittag 3 Uhr 
ist eine große Jugendoorstellung: Knecht Rupprecht kommt 
aus Amerika und überreicht jedem Kinde ein Geschenk. 
o Freie Schülervorträge auf der Trrptow-Ltern- 
lvarte! Um allen Schillernden Besuch der wissenschaftlichen 
Kino-Vorträge auf der Treptow-Sternwarte zu ermöglichen, 
gibt die Direktion während der Weihnachtsferien jeden Er 
wachsenen das Recht, zu den Vurführungen ein Kind unter 
14 Jahren frei einzuführen. Es finden folgende Vorträge 
statt: Am Sonnabend, dem 20. Dezember, Nachm. 5 Uhr- 
„Das bayrische Hochland" und „Weihnachtsmärchen", 
Abends 7 Uhr: .Christoph Kolumbus", am Sonntag, dem 
21. Dezember, Nachm, 5 Uhr: „Europäische und erotische 
Jagden", Abends 7 Uhr: „Interessante Bilder aus Italien", 
am Montag, dem 22. Dezember, Abends 7 Uhr: „Aus 
fernen banden", am Donnerstag, dem 25. Dezember, (1. 
Weichiachlsfeiertag) Nachm. 5 Uhr; „Das bayrische Hoch 
land" und „Weihnachtsmärchen", Abends 7 Uhr: „Mit 
Schnellzug und Ozeandampfer von Berlin über Bremen 
nach Neuyork", am Freitag, dem 26. Dezember (2. Meih- 
nachlsfeiertag), Nachm. 5 Uhr: „Mit Schnellzug und Ozean 
dampfer von Berlin übcr^Br?men lliach Neuyork", Abends 
7 Uhr:.,Europäische.und exotische Jagden." — Mit dem 
großen Fernrohr wird der Saturn beobachtet. — Der Dr. 
Ferrvl'sche Vortrag: „Eine Umwälzung auf rechnerischem 
Gebiete, ein neues Rechnungsversahren" wird am Sonn 
abend, dem 20. Dezember, abends 8 / 2 Uhr wiederholt. 
o Verkehrsstörung auf dem Südring. Gestern Vor 
mittag gegen 8 Uhr trat an dem um 7 Uhr 34 Min. vom 
Potsdamer Ringbahnhof abgehenden Zuge eine Brems- 
slöruiig ein. Infolgedessen entstand eine Verkehrsstockung. 
Es stauten sich die von Charlottenburg und Tempelhof 
ankommenden Züge, und es traten Verspätungen von 15 bis 
20 - Minuten ein. 
o Auf der Waunscebahu bestohlen. Ein Herr aus 
Zehlendorf fuhr nur dem Zuge 1,65 Nachts vom Wannsee- 
bahnyose in Berlin ab; als er auf dem Bahnhof in-Zehlen 
dorf-West erwachte, sagte ein ihm gegenübersitzender, etwa 
28jähriger Herr, daß er nunmehr aussteigen müsse. Als er 
zu Hause angekommen war, vermißte er seine goldene Uhr 
nebst Kette, sowie eine Brieftasche niit 1500 Mark Inhalt. 
Die Tat ist ausgesührt worden, während er auf der Strecke 
von Steglitz bis Zehlendorf-West schlief. Jedenfalls ist der 
Herr, der ihn an das Aussteigen erinnerte, der Täter oder 
ein Mittäter. Vor einer Zeit wurde unter denselben Um 
ständen ein in Zehlendorf-West wohnender Villenbesitzer ge 
fleddert. 
o Bewußtlos aufgefunden wurde in der Rheinstraße 
die Arbeiterin Marie Goede aus Schöneberg, Kobnrger- 
— — f'innn— Ml M Tm mm n rr^rvi 
die Waffe des einen auf - die zur Abwehr ausgestreckte 
Klinge des .anderen traf, gab-es jedesmal einen scharfen, 
schneidenden Klang, der dem armen Hasenkamp buchstäblich 
durch Mark und Bein ging. Er war nicht sachverständig 
genug, um zu unterscheiden, welcher von den Neiden Kämpfern 
deni anderen an Gewandtheit und Sichert).»! :überiegeii 
war; er fühlte.nur instinktiv, rdaß sein Herr sich in einer 
großen Gefahr befand, una niemals krakle er deutlicher als 
in diesem Augenblick empfn-rlden, eine wie innige -An 
hänglichkeit ihn an den jungen Grafen knüpfte. 
2a der weiche -Sand seine Schritte .unhörstar machte, 
hatte teine der beteiligten Personen etwas von lemer An 
näherung wahrgenommen, obwohl er sich.der.Gruppe be 
reits.bis auf wenige Schritte geuähe t .hatte. Gerade in 
diesem Augenblick machte .Graf Hainingen einen Armfall, 
der seinem. Gegrrer vielleicht verhängnisvoll-geworden wäre, 
wenn Marigny sich .nicht gerade im ein. che st enden Augen 
blick mi bLwunüerungsMttüiger-Geschicklichkeit durch -eine 
-blitzschnelle Drehung dem -todbringenden Stoße entzogen 
hätte. -Die.Wucht dwsrs ins Leere gechyrten Stoßes /aber 
bracktteHoiningcn selbst für -einen Momeitt tnis dem Gleich, 
schlicht, .er stolperte, und.noch ehe er wieder Hane festen 
Miß fassen iuuuen, war ihm die Degeuspitze des Picomte 
an der rechten Seite dicht unter dem Schlüsselbein in die 
Brust gedrungen. Es war mehr eine tattblntige Aus 
rufung der günstige» Gelegenheit als ein nach den Neoeln 
der Kunst geführter Fechterstvß gewesen, der dem Fran 
zose» üiejcii Swg verschafft hatte. Dem, als ei» Sieg mugte 
die Verwundung des G afeu wohl zu betrachte» sein, da 
Hoitlingen sofort rücklings zu Boden gestürzt mar und 
regungslos liegen blieb. Der Bicomte aber schien damit 
nicht zusneden, und er. machte eine Bewegung, die un- 
straße 16. Sie wurde nach der Samtcttswacye gebracht 
und vom Arzt des Rettungsdienstes behandelt. Im 
Krankenwagen erfolgte ihre Uebersühruug nach der Wohnung. 
o Länferdiebe machen sich hier wieder bemerkbar. Es 
wurde gestem am hellichten Tage aus dem Hause Born 
straße 13 ein großer Treppenläufer gestohlen. Also, Haus 
wirte, Verwalter und Hauswarte, gebt Acht! 
o Vom Automobil umgefahren. Der Kutscher Franz 
' Müller von hier wurde in der Rheiustraße von einer» Auto 
angefahren und ani Auge verletzt. Auf der Sanitätswache 
wurde die Wunde vom Arzt - des Rettungsdienstes genäht 
und verbunden. — In der Kaiserallee wurde der Hauswart 
Bernstock aus der Güßlerstraße von einer Automobildroschke 
augesahren und umgestoßen. Er zog sich hierbei Ver 
letzungen am rechten Auge und an der linken Hand zu. 
Ans der Sanitätswache wurde er von Sanitären verbunden. 
Vereins-k)ad>riwten 
Am Freitag tagen: 
Steiiügraphenvercin „Stolze-Schrey". '/ s 9 Uhr in der Gemeindc- 
Mädchenschule, Goßlerftraße. Diktalschreiben in verschiedenen Ab 
teilungen. 
National-Stenographen-Verein Berlin-Schöneberg, Hauptsir. 107, 
im Alten Bürger-Casino, Abends 8'/, Uhr. Nach den Schrcib- 
übnngcn geselliges Bcisainmcnscin. 
Lckoneberg 
—o In das Handelsregister ist eingetragen worden: 
Nr. 41 865. Georg Herwig Verlagsanstalt, Berlin-Schöneberg. 
Inhaber: Georg Herwig. Kaufmann, Berlin-Schöneberg. — 
Nr. 41 866. Arthur Behrendt, Berlin-Schöneberg. Inhaber: 
Arthur Behrendt, Kaufmann, Berlin-Schöneberg. — Bei 
Nr. 29 965. R. Fröschte & Co., Schöneberg: Niederlassung 
jetzt Neukölln. — 
Berlin und Vororte 
§o Der Bezug russischen Fleisches soll Anfang des 
koinmenden Januar eingestellt werden. Die gemischte Depu 
tation zur Beratung über Maßnahmen gegen die Lebensmittel 
teuerung, die Mittwoch unter Borsitz von Oberbürgermeister 
Wermnth im Ralhause eine Sitzung abhielt, hat diesen Be 
schluß gefaßt mit Rücksicht auf den derzeitigen Preisstand. 
o Wilmersdorf. Die Stadtverordnetenversammlung 
stimmte in ihrer letzten Sitzung am Mittwoch Abend der 
Errichtung einer städtischen Anstalt für zweite Hypotheken 
nebst Schätzungsordnung in zweiter Lesung zu. Die hierzu 
erforderlichen Mittel sollen durch Aufnahme einer Anleihe 
bis zu 5 Millionen Mark beschafft werden. Stadto. Prof. 
Dr. Leidig betonte, daß es nach seiner Ansicht richtiger ge 
wesen wäre, den Weg zu gehen, den Berlin, Charlottenburg 
und Schöneberg gegangen sind. Gegenüber der Haltung 
des Magistrats, der eine städtische Anstatt wünschte, sei es 
leider nicht möglich gewesen. Eine Pelition des Haus- und 
Grundbesitzervereins am Kursürstendamm, betr. den Weiter 
bau der Untergrundbahn durch den. Kursürstendamm, wurde 
mit großer Mehrheit dein Magistrat als Material über 
wiesen. Weiter wurde beschlossen, den Zinsfuß für Spar 
einlagen bei der städtischen Sparkasse bis auf 3 l 2 Prozent 
i zu demselben Zeitpunkt zu erhöhen, zu dem Berlin eine 
Erhöhung vornimmt. 
Zuschriften 
(Für diese Rubrik übernehmen wir keine Verantwortung.) 
Der zweite Friedenauer Markt. 
AlswirheuteAbend im Friedennner Lokal-Anzeiger lasen, daß der 
Gemein bevorstand beantragt, unsern zweiten Markt vom Platz amElck- 
trizitätswerknach der Wiesbadenerstraße zwischen Rhciiigaustraße und 
Schillerplatz zu verlegen, glaubten wir zunächst unsern Augen nicht 
trauen zu dürfen. Wie konnte sich der Gemeindcvorftand zu diesem Bor 
gehen entschließen, nachdem der geringe Besuch des Marktes am 
Elektrizitätswerk zur Genüge bewiesen hat, daß ein hinreichendes 
Bedürsnis für einen zweiten Markt in Friedenau nicht vorhanden 
ist? Während man sonst alle Hebel in Bewegung setzt, Vorgärten 
auch an solchen Stellen wieder zu schassen, an denen sie nur 
Hundezwingern gleichen, geht man mit der Absicht um, eine juiige 
Etraßeiianpflanzung,, die eben beginnt, das durch das Abholzen der 
schönen alten Baumreihen verdorbene Slraßenbiid wieder zu ver 
schönern, einem neuen Versuch mit dem zweiten Markt zu opfern. 
Wenn der Gemcindevorstand trotz der gemachten Erfahrung wirklich 
glaubt, daß der zweite Markt erhalten werden muß und durch eine 
Verlegung nach einer Stelle in besserer Verkehrslage die gewünschte 
! Rentabilität erlangt, so wundert es uns, daß man nicht den Vor- 
‘ schlag macht, ihn nach dem Friedrich-Wilhelm-PIag zu bringen. 
Hat man aber nicht alle Ursache, die schönen Straßen und Plätze 
Friedenaus vor Vernnstallung zu schützen? Glaubt man den 
Mietern und Hausbesitzern der sür den Markt in Aussicht ge- 
^ zweideutig seine Absicht bekundete, dem g Fällten Wider- 
> jacher seinen Degen noch einmal in die Brust zu stoßen. 
! Wohl riesen die beiden Zeugen, tie diese Bewegung mayr- 
i genommen halten, wie aus einem Munde ihr gebieterisches 
„Hall.!" Aber ihr Zuruf würde schwerlich die Mächt gehabt 
haben, die mörderische Tat zu verhinder». Denn das vor, 
- wildestem Haß und leidenschaftlichster Wut verzerrte G. sicht 
! «des Franzosen ließ erkennen, daß er jede Herrschaft über 
! sich selbst verloren harte, und daß ihn kein anderer Ge- 
j danke mehr erfüllte als das unbezähmbare Berlanaen nach 
' der uüüigen Vernichtung des Todfeindes. Sein Arm hatte 
-zu dem tückischen Stoße aus. der dsr, Wehrlosenmittcn ins 
Herz treffen sollte — da rang sich ein dumpfer Aufschrei 
von den Lippen des Meuchelmörders, die Waffe entfiel 
seiner Hcmü, und ffchwcr wie ei» vom Blitz gefällter Baum 
stürzte -er -dicht.neben -dem Verwundeten zu Bodsn. Mitten 
ins. Gesicht hakte -ihn dor von Hasenkamp mit furchtbarer 
Kraft und erprobler Boxer-Geschickiichkett geführte Faust- 
schiag getroffen, -und es hatte zunächst ganz und gar den 
Anschein, als ob er sich nach-diesem-Schlage nie mehr 
- erbeben würde. 
- Zu den drei Männern-gewendet, von denett er sich im 
nächste» Augenblick umgeben sah, erklärte der Ehauffenr 
mit einer noch vor gewaltiger Entrüstung bebenden-Sünime: 
»Er würde ihn nmgevracht haben — der Hund, der 
elende. Wenn das ein Duell ist, dann kann sich der 
Strauchdieb, der einen von hinten niedersticht, auch einen 
Dnellanien nennen. Aber lvas ifi's nlit meinem Herrn 
Grasen? Ich hoffe, er ist nicht tot.- 
Er erhielt keine Antwort, denn da er Nch in der 
Aufregung seiner deutschen Muttersprache bediente, halte 
I keiner ein Wort verstanden. Aber er brauchte auch keine 
nommenen neuen Stelle keine Rücksicht schuldig zu sein, den 
Mietern, denen die Wohnung durch den Markt vor der ^ur ver 
leidet wird und den Hausbesitzern, die Mühe haben werden, andere 
Mieter zu bekommen? Um ein zweites Fiasko zu vermeiden, 
schaffe man, wenn eine Beffcrung des Marklbesuches am Elektrizi 
tätswerk nicht mehr abgewartet werden soll, den zweiten Markt 
wieder ab und verschandele nicht noch einmal den in rzrage 
stehenden Teil der Wiesbadener Straße. K. ^ u. G. R. 
. Fn der Versammlung des Haus- und Grundbesitzervereins, 
dessen Bericht in dem Friedenauer Lokal-Anzeiger in Nr. 293 vom 
14. 12. 13 veröffentlichl wurde, sind von einem Herrn Konieczka 
.über die -Gutsmuthsstraße sehr abfällige- Aeußerungen gemacht 
worden. Er behauptet, infolge der nicht durchgelcgten Straße 
habe sich dort ein derartiges Publikum hingezogen, daß man nur 
mit einem Guminiknüppel bewaffnet sich in jener 
Gegend blicken lassen dürfe. Diese Aeußerungen sind der- 
artig herausfordernd, daß jeder Friedenauer Bürger sich wohl mtt 
Berechtigung wundern muß, daß sich in dieser Versammlung 
niemand fand, der diese Worte widerlegt hat, denn die genannte 
Straße wird zum großen Teil von besseren Staats- und Kommunal- 
beamten, Ingenieuren, Kaufleuten und dergl. bewohnt. Ich wohne 
seit mehr als 1'/, Jahren dort und bin noch nie in dieser Gegend 
belästigt ivordcn, auch meine Frau, die öfters spät Abends von 
Konzerten und dergl. allein zurückkehrt, ist noch nie angerempelt 
ivordcn. Desgleichen habe ich von bekennten Familien, die in der 
Gutsmuthsstraße selbst oder in deren unniilicloaien Nähe wohnen, 
noch nie eine Klage über solche Mißstände, wie sie der obige Herr 
geschildert hat, gehört, vielmehr fühlen sich alle Familien in dieser 
ruhigen Gegend bis heute sehr wohl. Bedauerlich ist es nur, daß 
solche unschönen Aeußerungen von einem Mitgliede des Haus-und 
Grundbesitzervereins gemacht werden über eine Stadl, die bisher 
in einem sehr guten Rufe stand. Sie werden sicher nicht dazu bei 
tragen, das Ansehen Friedenaus zu heben und es werden infolge 
dessen viele Familien sich sehr ivohl überlegen, ob sie sich nunmehr 
noch in diesem Vororte niederlassen sollen. Oder sollten etwa diese 
Worte nur dazu dienen, um durch die Durchlcgung dieser Straße 
die Mieten der Wohnungen in die Höhe- zu schrauben? 
Ein Bewohner der Gutsmuthsstraße. 
„Positiv und liberal auf kirchlichem Gebiete." 
Unter dieser Ueberschrist halte Herr Daumich in Nr. 287 des 
„Friedenauer Lokal-Anzeigers" einige Fragen an die Liberalen und 
Positiven zur Klärung dieser Gegensätze gerichtet. Ich will nun 
soweit es mir möglich ist, zur Klärung der Frage beitragen. Zu 
nächst muß ich aber hervorheben, daß von einer Feindschaft unserer 
seits gegenüber den Liberalen, wohl nicht bis Rede sein kann; denn 
ein wahrer Christ soll und darf nicht feindlich gesinnt sein; er muß 
seinen Nächsten lieben als sich selbst. , Man kann daher wohl nur 
von gegensätzlichen Anschauungen sprechen, die aber nie zit einer 
Feindschaft unter Christen ausarten dürfen. In der Sache mag 
man verschiedener Ansicht sei», doch darf dies auf das persönliche 
Gebiet nicht übertragen werden. Es ist daher auch seitens der 
Positiven und des Vereins als solchen eine Feindschaft nie zum 
Ausdruck gekommen. Ich möchte hier auch nachdrücklich er 
klären. daß uns nichts ferner liege, als unsere Brüder die 
den liberalen Standpunkt vertrcieii (ii-i Feinde zu betrachten, oder 
sogar die Achtung zu versagen. Wir achten, auch deren An 
schauung, doch können wir diese llenüK.'alls als für unsere Kirche 
und für das kirchliche Leben gleichberechtigt anerkennen. Die 
Liberalen versagen der Kirche die Anerkennung der Grundstützen, 
ivorauf ich noch zu sprechen komme und verkünden einen neuen 
Glauben-, sie lassen die Bivtt nicht mehr als Grundlage aller christ 
lichen Erkenntnis gelten und die Bekenntnisse der Kirche sollen der 
Bergangcnheit angehören. Wohl aber die täglich wechselnde Er 
kenntnis der Wissenschaft, die mit dem Glauben absolut nichts zu 
tun hat, halten die Liberalen für allein richtig. Der Glaube der 
Positiven dagegen ist unabhängig von dem Wechsel der Tages» 
mcinungcn, ihnen gilt der Glaube der Väter, der jetzt fast zwei 
tausend Jahre besteht, auch heut noch und die heilige Schrift als 
das einzig Wahre, Uns sind die Lehren der Reformatoren Luther. 
Melanchtho», Zwingli, Calvin usw. maßgebend, nicht aber Aeuße 
rungen der Liberalen, wie Jathö, Traub, Fischer usw. Dies 
können wir als wirkliche Forschungen nach der Wahrheit nicht an 
erkennen. Bedeutende Gelehrte unserer Zeit hoben erklärt, all unser 
Forschen ist Stückwerk, da Gotteswege uncrsorschlich sind (Röm. 11, 
83—30). Wie können wir da von diesem irgend etwas drangeben? 
Der Wissenschaft was der Wissenschaft gebührt, aber sie soll uns nicht 
unseren Glauben antasten, da beides unvereinbar ist; denn was ich 
durch die Beweise belege» kann, sehe ich und brauch ich nicht zu 
glauben. Sollten wir wie die Liberalen cs tun, Gott die Weltsccle 
und das Weltwerden nennen, das den Naturgesetzen unterworfen 
ist? Soll Christus uns nur als Idealbild vorschweben, was täg 
lich wechseln kann? Tic Liberalen erklären, sie können das nicht 
glauben, was vergangene Generationen sür wahr gehalten haben 
und Jalho hat ausgeführt: „Wir wissen, daß die Welt unendlich 
ist und daß es in ihr kein Diesseits und kein Jenseits, kein Oben 
und kein Unten gibt" Wir Positiven glauben aber an einen 
persönliches Gott, der Gebete erhört und Wunder tut und halten 
fest an Jesu Christo, dem wahrhaftigen Sohne Goltes. dessen Ge 
denkens wir jetzt wieder beim lieben Weihnachtsfest fejern und den 
wir wieder von Neuem in uns einziehen lassen wollen, damit wir 
immer vollkommener werden und er in uns ganz Gestalt gewinnt. 
„Er, Christus, muß wachsen, wir aber abnehitten " Chrytus hat 
sich für unsere Sünden am Charfreitage ans Kreuz schlagen lassen, 
ist am Ostertage ivieder auferstanden und unser einziger Trost im 
Leben und int Sterben. „Es istchn keinem andern Heil, ist auch 
kein anderer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, 
darinnen wi sollen selig werden (Aposte'lgcsch. 4, 12). Dies sind 
die Grenzschslden zwischen Positiv und Liberal, die unüberbrückbar 
sind." Doch kann aber wohl von einem Bekämpfer nicht ge 
sprochen werden, sonderir wir Positive kämpfen für unseren Herrn 
Antwort, denn- er sah zu seiner nanie. losen Freude, 
daß Hoiningen, während der neben ihm lmeiiöe Arz: 
seine Brustwunde untersuchte, die Augen anssckilug. und 
daß ein kleines, etwas lveh»iütigcs"Leicheln über sein 
Gesicht huschte, als er den treuen v.asenkanip erkanme 
Im nächste« Moment freilich hatten seine Lider sich jwon 
wieder geschlossen, und er war in die vorige Bewußt 
losigkeit zurückgesunken. Aber wenn sein Herr nur leote 
so war noch nrchts verloren. Eine Natur wie die seiniqe' 
würde sich schon wieder durchhelseil. das war die felsenfeste 
Ueberzeugung des braven Burschen. Und nun halte er 
auch wieder Besonnenhelt genug, um aus allen Winkeln 
des Eedachtmffes feine französischen Sprachkenntuisse zu 
sammenzukratzen. Er erklärte dein einen der b-id ,r 
Herren, die ihn fortwährend mißtrauisch betrachte cu o'm° 
daß sie doch gewagt hätten, ihn zur Rede zu stellen, wer 
er sei. und Daß er das allerbeste sliecht habe. sich des 
Verwundeten anzunehmen. Er verlangic zu wissen was 
mit dem Grasen geschehen würde, und als man ihm 
fapte, dcitz er in dem 1t er eit sie he üben Wagen nach deni 
Hotel zurückgebracht werde', solle, erklärte er. daß er be 
hilflich sein wolle, ihn zum Wagen zu trage». u:id daß er 
dann mit seinem Fahrrad noiansf.ibr.n werde, damit alles 
für leine Aufnahme vcre.» Der Arzt, der nur einen 
leichten, provisorischen Verband ang legt hatte, z igle sich 
damit einverstanden, und zehn Mllinten später sauste Hasen 
kamp. mächtig in do.' Pedale :re end, desselben Weges 
zurück, den er vorhin goVirncii war. 
(Fortsetzung fplgt.)
        
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