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Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

Sonntag, den 2. Februar 1913. 
Die Duale Woche. 
Plauderei für dm „Friedert-auer Lokai-Arizckger". 
Berlin, den 3l. Januar. 
Nachklänge ^rrm Vsvirnrr yrrsieball. — Vorr „pra«lngi>rea' 
Leute». -- D-«s fehlende Standcseevutztfein — «lsred Hol; 
blick als «eistersetzrr. — Sin n uiv Betas 
Die Walzerkitnge vom Berliner Presseball sind verklungen. 
' Obwohl die festlichen Tafeln schon abgcdeckk find, ist doch noch 
eia kräftig Körtlrin zu sagen. 
Ich las in der Berliner Prcffc die Berichte begeisterter Kollegen, 
tle taS Fest d:r Presse mit den üblichen Jubclhtzmnen besangen. 
Klerlich wurden die.prominenten" Leute aufgezählt, die man.gesehen" 
hätte. Leute mit gutem Namen, die natürlich stets ohne Damen den 
andächtig blickenden Kreis „beehren"; Schauspielertnncn und andere 
aürtisante Derireterinnen der neun Musen; Schriftsteller, denen eS an 
der Wiege ihres Tal: tes sicher nirt gesungen worden ist, daß sie 
derciustens als Besucher deS Derliaer Pr'esseballeS von neidlosen 
Kollegen im „Fksrbericht" erwähnt würden . . . 
Aber vergeblich suchte ich in der Berliner Presse nach den Namen 
der „prominenten" Presscvettrctcr. Ich weiß zwar nicht, woher wir 
da« schöne Wort prominent bezogen haben, und die sieben Weisen auS 
dem Morgenlande deS Deutschen Sprachvereins werden cS auch nicht 
wissen; — aber es macht sich im Festbcricht so niedlich, urd so stelle 
ich noch einmal fest, daß kein einziger der Prcßpromincrucn er 
wähnt war. 
Im Ernst: Ich suchte vergeblich nach dm Namen deS Vorstandes 
oder der tüchtigen und bekannten Vertreter unseres Berufes, der doch 
wahrlich mehr Können und Intelligenz erfordert, als daS gewiß nicht 
auch ganz leichte Beiuschlenkern dcr Prima Ballerina, deren Er 
scheinen auf dem Presseball inan allseitig am andrrn Morgen der 
staunenden Mitwelt lündtte! 
Leider verfcgm hier di: Heun Kollegen aller Schattierungen. 
Ihnen fehlt taS stärkste Gefühl drs öffentlichen Lebens: Das 
ErandeSbewußtsein. Sie fühlen sich beehrt, wenn eine proble 
matische Größe tes Rampenlichtes ihr Fest besucht; erwidern sogar den 
Händedruck eines Würdenträgers mit Icjstin Zitiern! Sie ffühUn sich 
nicht als Gastgeber auf gleicher Höhe mit dem Angestaunten und 
können das Gefühl der Lakaienreflgnaüon nicht los werden! 
Als Prinz Heinrich im Jahre 1002 in Amerika werlle, gaben 
1200 amerikanische Journalisten dem Zollernsprrß ein fest 
liches Mahl. Hermann Ridder, der damalige Chefredakteur der „New- 
yorker Staats-Zeitung", betonte in seiner Begrüßungsrede, daß die 
amerikanischen Zeitungsleute den Sinder de» Teutschen Kaisers mit 
dieser Veranstaltung eine Ehre erweisen wollten. Der Kaiser hatte 
damals seinem jüngeren, temperamentvollen Bruder geraten, sich „stets 
zu vergegcuwältrgen, daß Prcßleute in dcn Vereinigten Staaten bei 
nahe mit den deutschen KommauLi-rendeu Generälen rangieren" . . . 
Der Prinz aber hot in seiner frischen Rede die Journalisten auf 
gefordert. die „ausgestreckte Hand" deS Kaisers zu ergreife». 
Haben wir hier zu Lardeschon solch: warmen Worte gehört? 
Sahen wir je, daß die Würdrnträger, die des Aallfesr der 
Berliner Presse besuchen, ihre Frauen Wildlingen? Daß sie dadurch 
also den Beweis erbringen, daß sie das F:st auch als gesellschaftliche 
Veranstaltung des eigenen Milieus anerkennen? Haben unsere Berliner 
Journalisten, wenn ihnen ein Hvchgestellier auf dem Ball huldvoll 
die Hand drückt, das freie, schöne Gefühl, daß hier ein Gmtliman 
d:n andern begrüßr? Daß der Gast dem Hausherrn an Würde und 
Rang gleich steht? 
Im Reich drauß n weht eine freiere, frischere Lust. Dort sind 
verdirnte Presseleutc respektierte Männer, deren Lebenszweck man achtet 
und deren Tüchtigkeit man anerkennt. Dic'Pcesss ist eine Macht von 
vielen Graden geworden,' und alle auf Selbstachtung hallenden 
Journalisten tragen dieses stelze Bewußtsein durch ihr schweres und 
l« imhsinTfiir.s Irn Reich draußen fehlen auch die 
als BerusSgenopenschast so weit 
talentvollen Männer, die zu dem Presseball doch eigentlich auch in ge- 
wisser Beziehung stehen, in der stattlichen Liste der Erschienenen huld 
vollst bemerke. 
Das mußte einmal ausgesprochen werden! 
Man braucht in der Gewissrnhasiigkeit der Aufzählung ja nicht 
so weit zu gehen, wie dcr bekannte Kollege Alfred Holzbock 
vom Lokal-Anzeiger. Er zählte auch i-i diesem Jahre getreulich 
wieder alle Größen auf, die er b::m Presseball gesehen hatte. Be- 
bäuerlicher Weise halle auch er keinen Kollegen bemerkt, wohl aber 
den Ersten Staatsanwalt Stcinbrecht, wie in dem qenanutcn 
Blatt am andern Morgen zu lesen war. Nun ist aber Herr Stcinbrecht, 
der in dem Moabiter Krawall-Prozeß die Anklage verrieten hatte, vor 
mehr als Jahresfrist schon verstorben. Soll Kollege Holjbock unter 
die Hellseher gegangen sein? Soll er am Ende an dem denkwürdigen 
F.st der Presse Erscheinungen gehabt haben? Möge der Geisterseher 
Holzbock eine gute Lehre daraus gewinnen und dem Geist der Zeilen 
gereckt werden, der sein getreuestes und bestes Bild in der Presse 
und sicher nicht in scheu längst verstorbenen Staatsanwälten findet! 
ES kommt ja oft vor, daß dir Sinne sich täuschen und trüben, 
wenn man gut gegessen und womöglich noch besser getrunken hat. 
Wenn die Masse der Vorstellungen in der Seele eines Menschen Be. 
Ziehungen gewinnt zu seinen Slimmunasdisposttiouen, dann entsteht 
der sogenannte Keim der Dichtung. I: stärker der Stoff ist, desto 
stärker ist auch die Ersindnngsgabe, und ich möchte einmal die Berichte 
lesen, die. von einer neuen Berliner BerujSklassc über ihre 
eigene Tätigkeit geschrieben werden. Denn in Berlin, in der Stadt 
der in Erbpacht genommenen Intelligenz, werden jetzt trinkfeste, 
literarisch gebildete Leute gesucht. Boöhaflr Menschen werden 
das nun aiZ Pleonasmus bezeichnen; aber man höre und staune: 
Untrr den kleinen Arzeigen einer großen Berliner Tageszeitung 
las ich gestern das nachstehende Inserat: 
Achtung. 
Zam Füll»» eines vornehme« Wein - Ntstavranis 
wrrvnr elegant gekleidete Paare gegen Bergntunz gesucht. 
Luerarisch »eSt>o?rc Herren, die die rewonnrnrn St«, 
drücke schriftstellerisch verwerte« könn»« und gute Br. 
ztkdnszen haSrn werde» Levrringl. Diskretion Etrr«. 
sacht. Antwort mit Adresse unter .... Posta-t S. 
Na also! Jetzt hat all- Not eia Ende und zu neuen Ufern lockt 
»in neuer Berus. Eine „patente Kluft" hpb ich ja vom Presseball 
her noch liegen, und die notwendige Begleitung ist in Berlin ohne 
besondere Schwierigkeit zu erhalten. . . 
Nun komm, mein Kird. Latz uns vergessen, 
daß wir des Lebens Not gekannt. 
Nun zieh Dich an. Wir gehen essen, 
Du zweifelst? Nennst mich überspannt! 
Mach Dich recht nett. — Nein, nicht die Bluse; — 
das rote Kleid von Oeehs de chiae : . . . 
Du stampfst unwillig mtt dem Fuße 
und sagst, daß ich meschuggc bin? 
Nein. Weder starb mir eine Tante, 
noch schlug ich einen Roihschild tot. — 
Ob ein Verleger etwas sandte? 
tNimm für die Sippen etwas Roit). 
Des Kummers Sichrer find erloschen 
und eie neue Zelt fängt an . . . 
(Feg,.Mädel, hast Du noch zwei Groschen? 
Komm, grd sie für die Slraßeudahn). 
So bist Du nclt. — Da hängt ein Härchen. 
Jetzt komm und werde wieder froh. 
Wir trinken Sekt. — Das ist ein Märchen? 
Nein, Kind, es ist h-ut wittlich so! 
Wir wollen allen Rotspon schlürfen 
und prassen in Burgunderwein . . . 
Du fragil, ob wir taS können, dürfen? 
Noch mehr, mein Kind: Es muß ja sein! 
-.Mitgewesen^-M-öM 
re Berliner Presse künftig wenigstens 
, daß sic ihre wirklich tüchtigen und 
DaS Schlemmen ist für uns vonnöten, 
uno alles andre ist unS gleich. 
Ich hab 'ne Stellung angetreten, 
die leidlich nett und aussichtsreich. 
Ich hab gesunde Magcnnerven, 
hab richtgen Tichterappetit. 
Ich will mich in dcn Strudel wrrfen, — 
und Du, mein Mädel, Du schwimmst mit. 
Und ist daS Mahl nicht reich gctrüffelt, 
und ist der Sekt nicht kalt genug, 
dann wird der Ober derb gerüffelt, — 
ich schrei nach dem Beschwerdebuch! 
Zu lang fühlt ich mich eng gebunden; 
j.tzt tret ich auf ganz unerhört . . . 
Jetzt hab ich den Beruf gefunden, 
der endlich seinen Mann ernährt! 
Vielleicht ergreifen sämtliche Mitglieder deS Stammtisches 
Größenwahn im Cafä des Westens die neugeschaffene Gelegenheit, 
um des Lebens Unverstand zu vergessen. Sollte es vielleicht am Frack 
fehlen? — Die Berliner Kellner sind immer hilfsbereit. Dem 
Publikum aber wird geholfen: Es wird eine Unmasse Genies los, 
di: am literarischen Haupttisch immer das große Wort führen, und 
deren Manieren ebenso unsauber sind, wie ihre Haare und ihre 
Fingernägel. Heinr. Binder. 
Morgen Sonntag tagen: 
Sport-Club Friedenau. Am morgigen Sonntag, dem 2. Februar, 
Vormittags t0 Uhr spielt die I. Hockeymanrischasl deS Sportklubs 
Friedenau gegen die gleiche drs Berliner Aihletiks-Club auf dem 
Bülowplatz in Berlin und treffen sich die Spieler um '/«9 Uhr am 
Riugbahnhof Friedenau. — NachmillszS finoct auf dem Platz in 
Friedenau am Eüd-Westkorso, Ecke Laubeuheimcrstraß: ebenfalls ein 
Hcckeyzrstllschaftsspiel statt und zwar stehen sich die beiden II. Mann- 
schasten deS Deutschen Spoit-Clubs Berlin und die des Sport-Ctubs 
Friedenau gegenüber. Beginn d-S Spieles 2 Uhr. 
Männer-Turnverein Friedenau gegen Akad:mischcn Turnerbund 
Berlin 4: S. Das mit großer Spannung eiwariele Spiel ging bei 
sehr ungünstigen Bodenverhältnissen in Sieglitz vor sich. Der Schieds- 
lichter lehnte die Verantwortung, das Spiel als Verbandsspiel zu 
bewerten, ab. Um aber die zahlreich erschienenen Zuschauer zu ent- 
schädigen, einigte man sich doch zu einem DcrbandSjpiel. Im ersten 
Spiel mußte der Männer-Tulnverein bekanntlich die Ueberlegenheit der 
Akademiker mit 2: 1 anerkennen, und auch im Treffen am Sonntag 
standen die Aussichten für den M. T. V. bis zur Pause sehr un- 
günstig. Aber eine bewährtende Maunschajts Umstellung brachte ihm 
doch noch die beiden Punkte ein. Mit wechselseitigen Arglisten ver- 
gehen die ersten Minuten, doch langsam gewinnen die Akademiker 
Terrain und könnrn nach kurzer Zeit auch das 1. Tor erzielen. Bald 
darauf kommt auch der M. T. B. gut vor und ein schöner Schluß 
stellt das Spiel auf 1:1. D.-r A T. B. bereitet jetzt der gegnerischen 
Verteidigung bange Momente. Ais zur Halbzeit kann der A. T. B. 
noch weitere 2 Tore buche» und somit m-t 3: 1 führe». Beim Be 
ginn dcr zweiien Hälfte stellt- der M. T. V. seine Stürmerreihe um, 
oadurch hatte der Jauenaugriff mehr Wucht. Vo:läusiz wechselten die 
Angriffe noch ab, beide Tore kamen häufig in Gefahr, aber die Kunst 
der Torwächter vernichie'.e Hoffnung aus einen Ersola, trotzdem daS 
Leder bereits mehrere Male rm Tor gewähnt wurde. Oie 18. Minute 
sah di- Bemühungen des M. T. V. von Erfolg gekrönt und nach 
längerer Zeit gelingt eS den Stürmern d:s M. T. V., das Spiel auf 
3 :3 zu stellen. Mit allen Mitteln arbeitend, kann der M. T. B. 
seinen Gegner längere Zeit in seiner Spiclhäiste scsthallrn, und der 
Schiedsrichler muß wiederholt ermahnende Wort: an die stark erhitzten 
Spiel«,richten.,.,Ein.-.4 .Tor jür .den.M.T.>.V...n:ird,.v0!n. Schiede-., 
richler wegen abs.ilS nicht gegeben. Dieser llmstand spornte die 
Slürmcr des M. T. V. zur letzten Anstrengung au und großer Beifall 
verkündete auch bgld, daß das fiegbringende Tor gefallen war. AIs 
dir Spieler d^S Feld verließen, halt: sich die wette Kleidung der 
Akademiker infolge der häufigen Bekanntschaft mit Matter Erd: in die 
Preußischen Farben, schwarz-weiß, verwandelt. Der Männer-Turn- 
verern Friedenau spielt; in folgender Aufstellung: Tor: Koppe, Der- 
leidiger: Salti», Pulewka, Läufer: Lg. Pählchcn, Piclschmann, Schön- 
berg; Stürmer: Krahner, viitzsche, Schwarz, Krause, Schenke. Der 
Mänucr-Turnoerein hat bis jetzt 12 Spiele ausgetragea und steht mit 
18 Gcwinnpunklcn au der Cpipe tu der 1. Klasse. Die J igendmann- 
schast fertigte ihren Gegner, den Turnverein Lübeck-Benin 9.-1 ab; 
auch sie steht setzt mit an führender Stellung. — Die Jugcndmann- 
schüft jpieit am kommenden Sonntag vormittags 10 llh: tu Sieglitz 
gegen Berliner Tuinverein. — Das Spi-l gegen dle Allgemeine 
Turr.erschast Charlottenburg kann nicht statisinden, da diese abge- 
sagt hat. 
LlnSknnfts» und Fürsorgejjelle (Kaiserallsr 69), 
für T«>erknlöse: Lerztltche Sprechstunden für Männer jeden Dienstag 
von 12—1, für Frauen und Kinder jeden Mittwoch von IH—I Uhr 
für Nlkobolkrimke: Arrztls Sprechstunde jeden Freitag von 12—1 Uhr. 
Mtentschau 
mitgeteilt vom Patenibüro Johanne« Koch, Berlin NO. 18, Große 
Frenkfurterstraße 59, Abschriften billigst. Auskünfte kostenlos. 
Heinrich - Ottiinger. Berlin - Friedenau, Biaukeubergstr. 3: Ver- 
fahren zur Herstellung von Blechen in bestimmter Form durch Nieder- 
schlagen von Metall auf metallisch oder nicht mriallische, leilend ge 
machte Kathoden. (Ünzem. Pat.) 
Gustav Henkel. Berlin-Friedenau, Kaiscrallee 70: Verfahren und 
Vorrichtung zur Bestimmung der GcrinnungSzeit von Flüssigkeiten. 
(Argem. Pat) 
Bictor Harhoru, Berlin-Friedenau, Fregestr. 4: AntricbSvonichtnng 
für Motorfahrzeuge mit einem in die Hinterachse eingebautem Elektro 
motor. (Augrm. Pat.) 
Optische Anstalt C. P. Gon?, A.-G., Berlin-Friedenau: Photo- 
graphische Kasictte mit elnlegdarem Plattenrahmen. (Ert. Pat.) 
Carl WeiShaupt, Berlia Friedenau, Deidesheimerstr. 1: Apparat 
zur Entnahme frischer und zur Aufnahme gebrauchter Zahnstocher. (GM ) 
Carl Kröckrl, Berlin-Friedenau, Fregestr. 16.- Ass dcn Seilen ver- 
schiebarer, mittels Gummischaur gehaltener Dämpfer für Streich 
instrumente. (GM.) 
Eiich Wurm, Berliu-Frlcdenau, Bismarckstr. 4: Spielbrett für 
Brettspiele mit tu seiner Diegonalitchtuug länglichen und zu Reihen 
angeordneten Feldern für die Spiclstcine (GM ) 
HenchMchrG. 
P. Verdorbene Cnvelatwurst in seinem Laden zum Verkauf feil- 
oehalteu zu haben, war dem Kaufmann Paul Eichholz, der sich wegen 
Vergehens gegen das Reichsgesetz brlr. dcn Lerkchr mit Nahrungs- 
milrein vor dem Schöffengericht Bcliin-Schöneberg verantworten mußte, 
zur Last gelegt. Bei einer Revision der Flcischwarenvorräte in dem zu 
Schömberg bclegcnen DerkaufSgeschäft des Augeklagten fand der Tier- 
arzt Dr. Loewencr auf dem Ladentische die zum Verkauf ausgelegte 
Eervelatwurst, die schon ein beträchtliches Atter aufwies uno voll 
ständig verdorben und daher geeignet war, die menschliche Gesundheit 
zu schädigen, wie in den Gutachten des Kreisarztes Dr. Faller und 
drs Dr. Loewener bestätigt wurde. DaS Gericht erkannte auf Grund 
deS § 12 de» NahrungsmiltelgesetzeS gegen Eichholz auf 30 M. Geld- 
strafe ev. 6 Tage Gefängnis. 
DerinijMZL 
*o Johann Georg Friedrich' von Cotta. Am 1. Februar sind 50 
Jahre fett dem Tode GcorgS Feeiherur von Cotta verflossen. Dieser 
war der Sohn Johann Friedrich Freiherr v. Cotta, der bekanntlich die 
Cotta fche Buchhandlung durch Jnverlagnahme der Werke Goethes uüd 
Schillers zu hohem Ansehen brachte. Joh. Georg Freiherr von Cotta 
erblickte das Licht der Welt am 17. Juli 1796. 1833—49 war er 
Lundtagsabzeordnetcr. Zu dem Stuttgarter Stammgeschäst erwarb er 
Geschäfte in Leipzig (Firma „G. I- Göschen"), Landshut und München, 
die aber am Ende der sech-igcr Jahre wieder in andere Hände übcr- 
gingin. Das Hauptgeschäft seit 1563 im Besitz aller Famtiieiimit- 
glied.-r, wurde gclttier von des vorigen Sohn Karl Freiherr v. Cotta, 
geb. 6. Januar 1835, gest. 18. September 1888, bis 1376 gemeinsam 
mit H:rm. Albert von Reischah (1836—76). 1539 ging das G.-schätt 
durch Kauf an die Brüder Adolf und Paul Körner über (Firma: I. 
®. Catta'sche Buchhandlung Nachfolger), 1902 wurde eine Filiale in 
Berlin errichtet. 
'o Alex von Pape. Heute vor hundert Jahren, am 2. Februar 
1813, wuide dcr preußische Generaloberst Alex von Pape zu Berlin 
geboren. 1830 trat er als Junker in daS 2. Garderegiment zu Fuß 
ein, avanzierte allmählich zum Major und wurde 1856 Kommandeur 
des Kadettenhauses in Potsdam, 1860 Baiaillonskommandeur. Am 
Feidzuge 1566 nahm er als Oberst und Koinmandcur des 2. Garde- 
rcgimruts zu Fuß i,il. 1870-71 führte er als Generalmajor die ihm 
beim AuLbruch der Krieges unrerstellte 1. Infanteriedivision zu dem 
heldeemütigsn Sturm auf El. Privat, dann in der Schlacht bei 
Sedan und bei der ElrsLlicßung von Paris. 1880 erhielt er unter 
Beförderurg zum G-neral der Infanterie das Kommando des 5., 
1881 das des 8. Armeekorps. 1888 wurde er von dieser Stellung 
enthoben und mit dun Range eines Ger.eralfeldmaischallL zum 
Gencraloberst, Oberbefehlshaber in den Marken und Gouverneur von 
Berlin befördert. 1895 trat er in den Ruhestand, starb aber in dem- 
selben Jahre in Berlin. Er war fett 1885 Mitglied der Landesver- 
verteidlgungskommtffion. 
"o Mariä Lichtmeß. Heute feiert die katholische Christenheit 
Mariä Reinigung oder „Maria Lichtmeß". Die eigenartige Be- 
zeichnung dieses Festes entstammt dem an diesem Tage in dcr 
katholischen Kirche üblichen Brauch vor der zu Ehren der Jungfrau 
zelebrierten, feierlichen Messe unter Gebeten die Kerzen zu weihen, die 
für das laufende Jahr den Schmuck der Altäre bilden sollen. Diese 
werden mit Anlehnung an die Worte d-S greisen Simon im Evt 
Lucä 2, 82: „Ein Licht zu erleuchten die Heiden", auch außerhalb dcr 
Kirchen in feierlicher Prozession umhergetragen, wobei Antiphonen ge- 
sungen wurden, die auf jeuen Vorgang der Opferung Christi tm 
Tempel Hinweisen, bei dem Simon den vor Lucifer geborenen Sohn der 
Jungfrau in seine Arme genommen und von ihm den Völkern ge- 
predigt habe, daß er der Herr über Leben und Tod sei. Man hielt 
s. Zt. dle kirchliche Zeremonie für eine so wichtige, daß di: Kcrzen- 
wrihe in früherer Zeit vom persönlich in einer Kapelle des St. Peters- 
domS vorgenommen wurde. — Schon ist fett dcr längsten Nacht dcr 
Tag um einen ansehnlichen „Hirschensprung" länger geworden, und 
schon hat die Sonne wird« Kraft genug, unS jme milde» Tage dcr 
Lenzrsahuung zu bringen, dem der Monat Februar den Namen „Tau- 
monat" dankt. Das Fest Mariä Lichtmeß ist in vielen Gegenden eines 
der vier Havplziele des JahreS, begrüßt von Haus- und Gutsbesitzern, 
die vergnügt die erhalle« Zahlungen in Empsang nehmen, »ährend 
andere, arme und verschuldete Leute dem Tag mit Bangen entgegen- 
grhen. Knechte und Mägde wiederum haben um Lichtmeß ihren 
„Hauplschlangeltag" d. h. Ziehzeit. Die Hausmütter kaufen Lichtmeß- 
Wachskerzen und -WachSsiöcke ein und versorgen die Kinder und daS 
Gesinde damit; denn die kirchliche Feier des Lichimeßlages besteht vor- 
nehmlich in dcr Licht- und Kerzenwethe. Jndeö nur daS reine Wachs 
wird dazu verwendet. Jeder Kirchengänger bringt seine Kerze mit in 
die Kirche, wo der Priester daun den Segen über sie spricht. Zn 
dieses geweihte Wachs wird großes Verlranen gesetzt. Man zündet 
diese Kerzen bei drohendem Unwetter an und hofft von denn heiligen 
Lichte Schutz gegen Gewitterschaden, sowie gegen Zauberei, Hexen und 
böse Geister. Der Lichtmcßtag gilt ferner als der allererste Frühlings- 
tag, für einen sogenannten LoStag, der für Wetter und Fruchlbarkcit 
der kommenden Frühlings und Sommer« maßgebend sein soll. ^ 
.. j ■ 1 . ' ■■ - j .M.i-L- iiTWifi '-rr'-j— — iiiü‘ ijuij»" Mit »liiliil: 
gemeinnütziges. 
Kräftige Eiernudeliuppr. Für 2—g Personen. Man streut einen 
Würfel (10 Psg.) Maggi's Elernudelsuppe in knapp »/« Liter 
siedendes Wasser, ohne Salz oder Fleischbrüse zu nehmen. Nach dem 
Aufwallen läßt man 5—10 Minuten ans kleinem Feuer kochen. 
Mazgr's'Suppen helfen Zeit, Geld und Arbeit sparen, find gebrauchs 
fertig und enthaltkn die natürlichen Bestandicile hausgemachter 
Suppen. Nur mit Wasser kurze Zeit gekocht, schmecken sie ebenso fein 
wie die mit bester Fleischbrühe hergestellten. Vor ähnlichen Fabrikaten 
zeichnen sich die Maggi'jchen Suppen durch Ausgiebigkeit und Wohl- 
gcschmack aus; jede Sorte hat auch wirklich den ihrem Namen ent 
sprechenden reinen Eigeugeschmack. Ein Würfel ergibt 2—3 Teller 
leicht verdauliche Suppe. Mehr als 40 Sorten bieten jede gewünschte 
Abwechslung.
        
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